Kristalle – Teil 2

flickr.com/ Mister Mastro/ (CC BY 2.0)

flickr.com/ Mister Mastro/ (CC BY 2.0)

Auch bei diesen blauen Quadraten schienen alle völlig ungebraucht zu sein, da fiel ihm ein, daß einige zurückgefallen waren, als er diese heraushob. So legte er vorsichtig die in seinen Händen liegenden Stücke zu den anderen, die neben der Tonne lagen. Gezielt versuchte er, die Stücke mit den Fingern aus der Masse zu fischen, von denen er überzeugt war, sie herunterfallen gesehen zu haben, was nicht einfach war, und als er einige nun in der Hand hielt, zeigten diese auch keine Gebrauchsspuren. Er griff wieder und wieder in die Tonne, ließ auch absichtlich welche fallen, um dann, nachdem der Haufen neben der Tonne schon stattlich angewachsen war, die blauen Quadrate mit Wucht gegen die anderen zu schleudern, aber sie blieben ohne Kratzer und keine Ecke splitterte ab.

Inzwischen lagen in etwa der Inhalt einer Plastiktüte an quadratischen Glasstücken neben der Tonne, und gerade als er sich vornahm, darauf zu hüpfen, um bei den Stückchen Kratzer und Risse durch seinen Sprung zu hinterlassen, bemerkte er weiße, etwa halb so große Glasstückchen in dem Haufen. ‘Unglaublich’, dachte er und widerstand dem Drang, auf die Glasquadrate zu springen, stattdessen beugte er sich wieder über die Mülltonne, um nachzuprüfen, ob da noch mehr von den weißen Quadraten unter den blauen liegen, als er leicht das Übergewicht verlor, und in dem Moment wußte er, hier komm ich nicht mehr alleine raus. Also zappelte er mit den in der Luft schwebenden Beinen, versuchte mit den Armen sich abzustützen, um seinen Füßen wieder Halt zu geben, als er eine dröhnende stumpfe Stimme hörte: „Was treiben Sie denn da? Jetzt wird schon am hellen Tag aus den Mülltonnen geklaut!“

Und er spürte, wie ihn eine kräftige Hand an den Schultern packte, die andere Hand seinen Kopf Richtung Hals drückte, ihn rauszog und er blitzschnell von seinem Helfer umgedreht wurde, so daß er in die funkelnden auf Kampf lauernden Augen seines Nachbarn sah, der ihn musterte wie einen Aussätzigen.

„Na so was, was treibt Sie denn an, in fremden Mülltonnen zu wühlen?“, stieß Herr Bangrad laut schnaufend aus.

„Die blauen Glasstücke, sehen Sie, die, die da liegen neben der Tonne, unkaputtbar, makellos.“

Und er trampelte und hüpfte auf seinen aus der Tonne geklaubten Glasstückchen auf und ab.

„Da sind noch mehr und weiße, kleinere auch, und sie sind neu, ich habe sie gefunden“, dabei wirbelte er mit seinen Armen auf und nieder wie ein Hampelmann.

„Friedhelm, was ist denn das für ein Lärm, warum schreist du so?“

„Emma, komm her und bring eine Schaufel, nein, eine Schöpfkelle, ach was, einen Eimer, Emma, hast du gehört?“, schrie Herr Bangrad seiner Frau zu.

Während er wie an einem Gummiband hängend immer noch auf den blauen Glasquadraten auf und ab sprang, inspizierte Herr Bangrad den Inhalt der Tonne und fuchtelte seiner herbeieilenden Frau entgegen, sich zu beeilen: „Emma, das mußt du gesehen haben, schau mal, lauter Glasstückchen, gib mir mal den Eimer, damit ich sie aus der Tonne holen kann!“

Emma war nicht nur mit einer Suppenschöpfkelle, einem Eimer und einem Kochtopf gekommen, sondern hatte auch einen Besen unter dem Arm geklemmt, den sie jetzt wie einen Speer auf den immer noch Hüpfenden hielt, bis sie ihren Nachbarn erkannte. Inzwischen hatte ihr Mann schon fieberhaft etliche Eimer Glasstückchen aus der Tonne gefischt und forderte, „nun hören Sie endlich auf zu springen, helfen Sie mir lieber, die Tonne umzustoßen, damit wir alle Glasstückchen einsammeln können!“ Gemeinsam wuchteten sie die Tonne in die Schräglage, und mit Hilfe des Besenstiels konnten sie die Tonne vornüber kippen, so daß die Glasstückchen auf den Boden prasselten. Alle drei jubelten auf.

Vor ihnen lagen aus sämtlichen geometrischen Formen Glasstückchen aller nur möglicher Farbmischungen. Da der Haufen zu groß war, um an die obersten Glasstückchen zu kommen, kletterten sie auf den rutschenden Stückchen nach oben, gelangten aber nicht an die Spitze, weil sie immer kurz davor in die Masse der Glasstückchen abglitten. Emma, die unbedingt die gelben dreieckigen Glasstückchen wollte, wurde immer verzweifelter, weil die beiden Jungs sich mit Hechtsprüngen gegen den Haufen warfen und sich anschließend ihre Beutestücke zeigten, um festzustellen, wer die meisten greifen konnte, ehe er wieder vom Haufen abrutschte. Hanna stand plötzlich hinter Emma und bemerkte: „Wenn du mir welche abgibst, darfst du auch mit meinem neuen Roller fahren!“

Worauf Emma heftigst den Kopf schüttelte, aber anhand der Übermacht der auf dem Haufen springenden und rutschenden Jungs, nickte sie schließlich in einem hoheitsvollen Gesichtausdruck zu Hanna: „Na gut, aber du kriegst nur die blauen!“ So waren die Vier eifrig beschäftigt, möglicht viele der Glasstückchen in ihren Besitz zu nehmen, als eine hohe Frauenstimme ihre Bemühungen unterbrach: “Ludwig, Ludwig!“

Emma, Hanna und Friedhelm starrten sofort auf ihn, der gerade seinen Erfolg mit hochgestreckten Armen ausrufen wollte, weil er dem höchsten Punkt näher gekommen war als Friedhelm. Wie vom Blitz getroffen sackte er in sich zusammen und kullerte seitwärts den Glashügel hinunter, steckte, nein, presste mit aller Kraft die vom Hügel geklaubten Stücke in seine Socken und zeigte mit dem rechten Zeigefinger in Richtung des Rufens, und den linken Zeigefinger legte er auf seine Lippen und verschwand gekrümmt laufend unter dem Gewicht der vollgestopften Kleidungstaschen und Socken, so schnell es in diesem Zustand ging, in die entgegengesetzte Richtung der jetzt dringender und schriller klingenden Stimme: „Ludwig, komm sofort nach Hause!“

Als er den Schlüssel gerade ins Schlüsselloch stecken wollte, meinte er, die Stimme seiner Mutter zu hören, die wieder nach ihm rief. Verdutzt drehte er sich um, ging sogar Richtung Straße zurück, die durch die Gartenhecke ein bißchen verdeckt war und harrte ein Weilchen, schaute sogar die parkenden Autos genau an. Aber nein, kein Auto glich dem seiner Eltern, kopfschüttelnd ging er zur Haustüre zurück, als er wieder seine Mutter rufen hörte, diesmal lauter, deutlicher. Ist sie hinter dem Haus im Garten und warum? Er ging auf das Gartentörchen zu, um zu überprüfen, ob sie wie es sein sollte, verschlossen war. Erstaunt öffnete er die kleine Holztüre, die er und seine Frau während ihres Urlaubs vor zwei Jahren vor dem Müllschredder gerettet hatten und jetzt umrahmt von wilden Rosen und Efeu den Zugang seitens der Straße zu ihrem Garten ermöglichte, und plötzlich spürte er Wasser um sich herum und über ihm, er tauchte.

Und er tauchte auf, schnappte nach Luft und sah seiner Frau direkt in die Augen, die über ihn gebückt mit verzerrtem Gesicht und mit einem Eimer in der Hand fuchtelnd ihn anschrie: „Ich hab dir von Anfang an gesagt, daß eine Vollglashaustüre Schwachsinn ist!“

Doris Mock-Kamm

Kristalle – Teil 1

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zahnlos in Deutschland

flickr.com/ itsfid/ (CC BY 2.0)

flickr.com/ itsfid/ (CC BY 2.0)

Mit dem nötigen Biß sind wir doch alle selbstbewußter

Technischer Fortschritt ist für jeden auf allen Gebieten des täglichen Lebens erkennbar, es sei dahingestellt, ob viele dieser Errungenschaften wirklich gute Ideen sind, denken wir nur an die vielen Überwachungsmöglichkeiten, an die Bequemlichkeit, kein Aufstehen zum Programmwechsel am Fernsehgerät, Nummernspeicherung an der Telephonanlage, Aufzug oder Rolltreppe anstatt Treppe. Andererseits verschafften viele technische Hilfen Erleichterungen in Bezug auf körperliche Schwerarbeit, die nicht nur die Arbeit mit schweren Materialen betrifft, sondern auch im mikroskopischen Bereich.

Durch die technischen Möglichkeiten, die auch Einzug in den medizinischen Bereich gefunden haben, erscheint es äußerst fragwürdig, warum deren Kosten im Vergleich zu den medienwirksamen Vergnügungen immer noch sehr hoch, für Otto Normalverbraucher nicht bezahlbar sind.

Erinnern Sie sich noch an die Abwrackprämie? Glaubt man den veröffentlichen Zahlen, so wurden 2009 für die Verschrottung teils noch fahrtüchtiger Autos eine Summe von 5 Milliarden Euro investiert. Wem hat´s geholfen? In erster Linie den Autoherstellern und den Autohäusern. Konjunktur ankurbeln nennt man das!

Keineswegs wird es manchen Zahnärzten und zahntechnischen Labors so furchtbar finanziell mies gehen, wie damals der Autoindustrie, oder sie trauen sich nicht auf diesem hohen Niveau zu jammern.

Stellen Sie sich vor, diese Summe würde für Korrekturen schiefstehender Zähne und Zahnprothesen investiert. Aber das bleibt natürlich nur eine Phantasie, ein Traumgebilde, denn wo kämen wir hin, wenn Mensch lächeln und im Alter auch mal wieder kräftig zubeißen könnte. Das ist das Privileg der Reichen, mit strahlenden, weißpolierten Zähnen dem Rest der Welt ihr Erfolgslächeln bei jeder Gelegenheit in die Kamera zu halten.

Deutschland ist zahnlos, ohne Biß, ohne Lächeln, auch wegen der verfehlten Gesundheitsvorsorge, -leistung, Brei zu verabreichen ist sowieso leichter. Technologien, die zur Verbesserung der Gesundheit eingesetzt werden, dienen nicht dem einnebelnden Medienkonsum, der Protzerei mit Statussymbolen.

Ein Photo aus Deutschland mit neuen Autos läßt sich besser an die Welt verkaufen als Menschen, die mit Biß in die Kamera lächeln, denn die könnten eventuell mit neuem Selbstbewußtsein nicht mehr alles kauen, was ihnen von den gesponserten Medien vorgesetzt wird.

Ihre

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

Xavier Naidoo: „Nie mehr Krieg“ stößt auf Skepsis

flickr.com/ TK_Presse/ (CC BY-NC-ND 2.0)

flickr.com/ TK_Presse/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Kein bißchen Frieden mag man den Systemmedien bescheinigen

Kunst muß provozieren, zumindest wahrhaftige, die sich von Hobbykünstlern stets unterscheidet, weil Kunst eben nichts mit Können gemein hat, sondern mit Schöpfen und Hinterfragen. Dies aber ist offensichtlich unerwünscht, eine einfache Formel in Xavier Naidoos neuestem Lied „Nie mehr Krieg“ stößt auf Skepsis, er spalte, wie n-tv meint.

Jene Formulierung des Judensterns, den Muslime tragen, die Naidoo im Song provokant benutzt, mag an der Festung rütteln, bloß keinerlei Vergleiche zum Judenhaß herzuleiten, den Schuldkomplex in Deutschland weiterhin zu pflegen, jedoch muß ein Künstler manche Grenzen überschreiten. Was nicht bedeutet, ihn erneut zu diffamieren. Kein bißchen Frieden mag man den Systemmedien bescheinigen, denken wir an die Versuche, Xavier Naidoo aufs Abstellgleis zu verbannen, was mißlang.

Nie mehr Krieg – der Realität etwas entgegensetzen

Das haben schon etliche versucht, denken wir an Kurt Tucholsky, Rainer Maria Rilke, Wolfgang Borchert, John Lennon oder jetzt Xavier Naidoo mit „Nie mehr Krieg“. Man muß Jürgen Todenhöfer bescheinigen, daß er es sehr ernst nimmt mit seinem Friedensengagement, selbst wenn Medien nachtragend ihm seine alte, politische Vergangenheit vorhalten.

Änderung ist der beste Weg zur Einsicht, frühere Fehler zu überdenken und aus ihnen zu lernen. Wenn die Systemmedien meinen, sie könnten weiterhin die eigentlichen Vorkommnisse bei 9/11, den Krieg gegen den Terror, die anschließenden unübersehbaren Einschränkungen der Bürgerrechte, die Zunahme der Menschenrechtsverletzungen und Kriege, mehr Überwachung einfach ignorieren und jedwede Kritik als Verschwörungstheorie abtun oder gar als Nazi-Ecke titulieren, dann begeben sie sich auf äußerst dünnes Eis, handeln im Sinne der regierenden Politik. Deren Ziel lautet: die Masse in Zaum zu halten, beste Voraussetzung zur NWO.

Menschen dieser Welt erkennt, wer Euch wohin treibt

In fortwährende Kriege. Genau dem müssen viele etwas entgegensetzen. Wenn schon eine Friedensbewegung nahezu in der Versenkung verschwunden, dann sollten gerade Kunstschaffende sich aufgerufen fühlen, ihre Möglichkeiten zur Öffentlichkeitswahrnehmung im Sinne des Friedens einzusetzen. Genau dies vollzieht Xavier Naidoo sehr zielgerichtet. Stimmen wir ihm zu, schließen uns an.

Ihr

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Medienschelte | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Keine Ratte verläßt mehr das sinkende Schiff

landscape-690990_1280

Satirischer Rückblick…

Allerdings möchte Mensch längst nicht aufgeben, soweit die Schuhe tragen, besteht noch ein Hoffnungsschimmer. Nützen die überhaupt etwas auf einem Schiff, im Wellengang eines stürmischen, launenhaften Ozeans? Man bedenke, Politik bestimmt den Kurs, alle haben sich daran zu halten, ebenso in einer Demokratie.

Kein Wunder, daß eine AfD, die im Fahrwasser der Migrantenflut noch punkten darf, über kurz oder lang erst mal beweisen sollte, wo sie sich tatsächlich positioniert. Nicht aufregen, ein Nein vom Liebsten darf nicht sein, doch das Zauberwort lautet: geben. Unter anderem Vertrauen, ein gesellschaftliches Miteinander. Schwerlich, wenn ein gleichbleibend geforderter Leistungsdruck die Gesundheitsgefahren erhöht, wo mögen da noch Rückzugsmöglichkeiten sich ergeben?

Apropos Rückzug: Bekanntlich hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. Das verhält sich bei den Medien im Falle Xavier Naidoos sehr ähnlich. Aber das wissen Sie natürlich ohnehin, oder? Manchmal sollten wir dem Detail wesentlich mehr Aufmerksamkeit schenken, nehmen wir uns die Zeit, auch wenn diese uns vorenthalten.

Dennoch Mensch in sich kehrt, bemerkt, wenn kurz vorm jüngsten Gericht steht: Zu Kreuze krieche er besser nicht. Dies bedeute doch aufgeben, der letzten Hoffnung soviel Raum nehmen, daß sie im Keim ersticke. Wofür all die Entwicklung, um am Ende die eigene Spezies zu vernichten? Schwärme unterwegs auf Abwegen, so die Beobachtung, die langsam verinnerlicht, spiegelgleich nach Erkenntnis ringend deutlich wird. Kindheitserinnerungen werden wach, Wunschvorstellungen sich anmelden.

Oder schaut vieles eher so aus, daß die Geschichte unter scharfem Licht betrachtet, deutlich aufzeigt, was verkehrt lief, bis heute anhält, Reißzähne des Humanismus rücksichtslos wirken? Gilt ohnehin, bist du nicht willig, greift die Gewalt, wie man unschwer im Syrien-Krieg sieht, sich dort das Los der Menschheit entscheidet? Seit gestern mittag wird „zurückgeschossen“, Bundeswehreinsatz wider der Vernunft! Da reiht sich nahtlos ein die Denkweise dieser USA, wenn eigene Frauen an die Front geschickt. Wenigstens hierbei Gleichberechtigung in Sachen Apokalypse, – Emanzipation ein billiger Nebeneffekt. Erneut die Politik zwischen Entscheidungsirrtümern und dreisten Lügen, egal wer da wohl die Würfel wirft.

Insofern Etikettenschwindel, der nach wie vor an der Tagesordnung, kaum uns ins Erstaunen bringt, beinahe schon der Normalität entspricht. Oder aber wir stellen uns hin wie in alten Jugendtagen, bemühen das Orakel der Gänseblümchen. Dann mag sich selbst ein Floh reduzieren, der vor lauter Kummer immer kleiner wurde, trotz alledem selbstbewußt in die Welt posaunen, er sei froh!

Ihr

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Er liebt mich, er liebt mich nicht – das Orakel per Gänseblümchen

flickr.com/ M@ario72/ (CC BY-SA 2.0)

flickr.com/ M@ario72/ (CC BY-SA 2.0)

Mogelei aus dem Unterbewußtsein oder einfach nur Wunschdenken

Er haßt mich, er haßt mich nicht! Sie haßt mich, sie haßt mich nicht! Wie vielen Margeriten oder Gänseblümchen wurden und werden immer noch qualvoll ihre Blütenblätter herausgerissen, nein, nicht wie oben geschrieben, sondern mit dem Glauben auf die richtige Antwort, ob er oder sie mich liebt.

Manchmal, um nicht zu sagen, oft ist es schwer, seine Gefühle im Zaum zu halten, wenn das erhoffte Ergebnis sich nicht sofort einstellt, wir reagieren frustriert, enttäuscht und wütend, werden unruhig und ungeduldig.

Auch und gerade wenn es um geliebte Personen geht, wobei natürlich der Grad der Liebe zwischen gern haben und vergöttern stark variieren kann. Die scheinbar überstrapazierte Geduld kann auch in Wut auf Gegenstände, Pflanzen oder Tiere umschlagen, wenn etwas nicht schnell genug klappt, als man es sich vorgestellt hat.

Bewundernswert die Menschen, die stunden-, tagelang auf der Lauer liegen, um ein Photo zu knipsen, die die Zeit vergessen, wenn sie eine Zeichnung aufs Papier bringen, die Angler, die an einem See oder Fluß hocken, um einen oder mehrere Fische zu fangen, das sind wohl alles Menschen, die Geduld in die Wiege gelegt bekommen haben. Alle anderen, denen diese Tugend nicht „geschenkt“ wurde, haben es schwer, sich darin zu üben, und selbst kleinste Verzögerungen oder Ablehnungen können sie bis zur Weißglut treiben.

Er liebt mich, er liebt mich nicht, bzw. sie liebt mich, sie liebt mich nicht, – wer hat da nicht auch manchmal gemogelt, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten, nachgeholfen, damit das Orakel so weissagt, wie es gewünscht wurde. Das Mogeln hat nur kurzfristig einen positiven Erfolg vorgegaukelt, denn erzwingen kann man weder die Liebe zu einem Menschen noch die Gestaltung eines Produktes, ebenso nicht den Erfolg auf ein Ergebnis.

Für Liebe braucht man Geduld, egal ob Sie ein Produkt erschaffen oder einem Menschen Ihre Zuneigung zeigen wollen, ohne Geduld und Hingabe werden die Ergebnisse dementsprechend nicht zufriedenstellend ausfallen.

Obwohl heutzutage, bedingt durch unterschiedliche Faktoren, die Möglichkeit eines schnelleren Ablaufes von Geschehnissen selbstverständlich ist, sind wir ungeduldiger geworden, gereizter und unzufriedener. Weil wir die Geduld nicht mehr so oft in Anspruch nehmen müssen, um unser Ziel zu erreichen, verlieren wir dadurch auch die Liebe?

Da Sie bis hier weitergelesen haben, ohne die Geduld zu verlieren, scheint Ihnen der Text zu gefallen oder zumindest finden Sie ihn anregend, wenn nicht, kehren Sie doch einfach zur Anfangszeile zurück.

Ihre

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Syrien-Krieg: Bundeswehreinsatz wider der Vernunft

flickr.com/ l a b e t e/ (CC BY-NC-ND 2.0)

flickr.com/ l a b e t e/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Bundesbürger stimmen ihm angeblich mehrheitlich zu

Die deutsche Politik fühlt sich wohl im Reigen ihrer Bündnispartner der NATO, nachdem Frankreich und Großbritannien zuvor ihr Mandat zum Kriegseinsatz in Syrien gegen die Terrororganisation IS zugestimmt hatten. Heute endete die Abstimmung im Deutschen Bundestag damit, daß der Bundeswehr-Einsatz in Syrien mehrheitlich gebilligt wurde.

Erneut greift eine Bundesegierung in weltpolitische Entscheidungen mit ein, befürwortet einen Kriegseinsatz ohne ausdrückliches UN-Mandat, obendrein ohne Zustimmung der Führung in Damaskus, Ursula von der Leyen spricht gar von einer politischen Lösung, die nach den Einsätzen folgen möge, am besten ohne al-Assad. In diesem ganzen ziemlich undurchschaubaren Prozedere ergibt eine eiligst zusammengeschusterte ARD-Umfrage ein Bild der Rückendeckung aus der Sicht der Bundespolitik, wenn angeblich die Bundesbürger mehrheitlich dem Bundeswehr-Einsatz zustimmen.

Demokratische Spielregeln scheinen jene Beschlüsse zu beflügeln, obwohl weit im Vorfeld alles unternommen wurde, um überhaupt in eine solche Situation zu geraten. Erinnert sei in diesem Kontext die altbewährte Strategie des Terrors. Dies wird aber bewußt ausgeblendet in unserer extrem schnellebigen Welt, in der gar keine Zeit mehr vorhanden, politisch-diplomatische Wege zu gehen. Genau darauf zielt jene Taktik auch ab. Gleichzeitig wird jetzt Wladimir Putin ins Visier der eiligst geschmiedeten NATO-Allianz in Syrien geraten. Günstiger mag der geplante Weg der USA kaum sich entwickeln, dessen Rechnung aufgehen. Die Zivilbevölkerung wird erneut darunter zu leiden haben, aber das interessiert weder den Deutschen Bundestag noch die Bündnispartner.

Ihr

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Kurznachrichten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

US-Frauen an die Front

pixabay.com

pixabay.com

Hurra, wir kämpfen für die Freiheit unserer Kinder

Zwei First Lieutenants der U.S. Army in einer Damentoilette.

„Well, es werden doch ständig die Interessen unserer Nation in den Dreck gezogen, Grund genug, endlich mal einer Weltöffentlichkeit aufzuzeigen, wer hier der Herr…äh….die Herrin im Haus!“ Pam schaute stolz mit erhobenem Kopf zu ihrer Kameradin.

„Die Herrin? Welch geflügeltes Wort, unsere Weiblichkeit geht dabei aber verloren, oder? Ich plädiere eher für Chefin, das betont gleichzeitig den Führungsanspruch“, kommentierte Lisa.

„Du hast totally recht, zumal wir ab nächstes Jahr bei den US-Streitkräften grünes Licht erhalten, überall mitmischen zu dürfen. Wir Frauen werden in sämtlichen Truppenteilen gleichberechtigt die USA verteidigen“, meinte Pam.

„Verteidigen? Bist du sicher? Seit wann werden denn die USA angegriffen. Habe ich in etwa was verpaßt? Trauen sich die Chinesen oder gar die Russen?“, fragte Lisa ein wenig irritiert.

“Oh, no, never mind. Das würden die nicht, käme einem Selbstmord gleich, wir haben doch allesamt Atomwaffen, das überlebt niemand“, erwiderte Pam und betrachtete ihr strenges Gesicht im Spiegel, während nebenan in der Herrentoilette sich zwei Kollegen heftig stritten.

Mit der Novellierung durch Verteidigungsminister Ashton Carter, Soldatinnen gänzlich bei Militärschlägen zu verheizen, fragen sich mutige Kritiker natürlich, wohin solche Maßnahmen führen. Eine Fortsetzung nach Afghanistan und im Irak, wo ohnehin über 200.000 US-Soldatinnen beteiligt waren? Klar doch, in Friedensmissionen, getarnt als Terrorbekämpfung.

Wer’s glaubt wird selig, die wirtschaftlichen Interessen im Kontext zu territorialen bleiben ein unverkennbares Indiz jenes gezielten Vorgehens. Der kleine Mann soll ruhig dem Glauben verfallen, es handle sich um einen Krieg gegen Terror, dessen Formulierung der Einfachheit halber inzwischen gänzlich seitens der Administration in Washington keine Verwendung mehr findet. Jetzt gehört die Bekämpfung weltweiter Terrorbanden als notwendiges Übel, Kriege gibt es insofern kaum noch. Deshalb die sich fortsetzende Bezeichnung zum Verteidigungsministerium, obwohl keine Nation weltweit derart in Sachen Militärschlägen unterwegs.

Was soll’s, die Menschheit hüllt sich darüber in Schweigen, dem NWO-Anspruch folgen deutlich sichtbare Taten, die diesen nicht nur unterstreichen, sondern eiskalt umsetzen. Wo verbleibt da die Freiheit für die Kinder, welches manch Soldatinnenherz sich einredet? In etwa abhängig von der Auslegung, was Freiheit im zivilen Leben dabei bedeutet?

Der Einzelne sich dem Diktat einer gänzlich überwachten Gesellschaft einzureihen hat, seiner lang erkämpften Bürgerrechte beraubt, den Vorgaben des Laissez-faire einer Regierungsform, die nach außen demokratisch auftritt, in Wirklichkeit per Diktat von Wirtschaftsimperien gelenkt Entscheidungen fällt, die alles andere als frei zu bezeichnen wären. Die Masse leidet unter jener Knute, die Elite läßt es sich weiterhin vorzüglich gutgehen. Good-bye Menschheit, blicke zurück, als noch Hoffnung bestand!

Ihr

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar