Kristalle – Teil 1

flickr.com/ Mister Mastro/ (CC BY 2.0)

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Er bückte sich lächelnd nach dem glänzenden Stück Glas, das aussah wie ein schiefes Sechseck und meinte, seine Frau zu hören, wie sie ausruft: Schau, was ich gefunden habe, ist das nicht schön? Das Glas fühlte sich in seiner Hand weich und glatt, fast samtig an, es war auf der einen Seite leicht matt und durchdrungen von einem zarten Gelbton. Er blinzelte durch das Glas in die Umgebung und ging schnelleren Schrittes voran, damit er noch rechtzeitig seinen Bus zur Arbeit erreichen konnte.

Das milchig zarte Gelb reflektierte die aufkommende Helligkeit der Morgensonne, und er sehnte sich zurück, ja wohin? In sein warmes Bett, das er heute morgen verlassen hatte, um pünktlich zu seiner Arbeitsstelle zu kommen, zum kumpelhaften Gespräch mit seinem Freund Walter, der ihn durch seine direkte und spitzbübische Art gleichzeitig zum Lachen, Nachdenken bringen konnte, an den himmlischen Augenblick, als seine erste Tochter brabbelnd auf ihn zu schlingerte, er sie auf den Arm nahm und sie glucksend Bapa rief.

Da liegt ja noch ein Stück Glas, rosa, es ist eingedrückt in der Erde, ganz verkrustet, und hier fehlt eine Ecke, abgebrochen, abgeschabt, abgesplittert, ähnelt einem geschliffenen Diamanten, wenn die eine Seite nicht glatt abgerieben wäre. Beim Durchsehen teilt sich die Welt in einzelne Facetten, ähnlich der Bienenwaben, wie hieß das Rohr doch nochmal, durch das ich stundenlang hindurchsah und mich nie satt sehen konnte? Kaleidoskop. Kaleidoskop, ein Geschenk von Onkel Hubert, der sein Geld auf Jahrmärkten verdiente und alles kaufte und verkaufte, das ihm sein unstetes Leben ermöglichte. Oma sagte, alles nur Firlefanz.

Und grämte sich über ihren Sohn, den sie abgöttisch liebte, und Vater sagte einmal, das schlimmste, das Hubert in seinem Leben angestellt habe, sei, daß er erwachsen geworden sei und nicht mehr von Oma wie ein Baby geknuddelt werden konnte, darüber sei sie gram. Wir nannten ihn heimlich Onkel Firlefanz. Wie alt war ich, als sich meine Welt in bunte Lichtfetzen aufteilen ließ? Fünf, sechs, sieben; denn meine Klassenkameraden beneideten mich um meine Weltsicht, und Siggi bot mir auf ewig sein Pausenbrot an, wenn ich ihm das Kaleidoskop schenken würde.

Er blickte abwechselnd mit dem rechten und linken Auge blinzend durch das rosa Kristall, als er sich bewußt wurde, daß er jetzt wohl den Bus verpaßt hatte. Aber nein, da fuhr er gerade um die Ecke, jetzt hieß es, Beine in die Hand und spurten. Irgendwie fühlten sich seine Beine wie Gummi an, und es kam ihm so vor, als ob die Beine im Morast versinken würden, er sie mit äußerster Kraftanstrengung befreien mußte, wobei er das Gleichgewicht verlor und schweratmend hinfiel. Wütend schlug er mit der Faust auf den Boden, der sich kalt und hart anfühlte, schlug nochmal und nochmal, und er fühlte Eis, glattes Eis, poliertes Eis, mühsam geglättet durch seine flinken Bewegungen mit den Handschuhen, die seine Hände den Winter über schützen sollten, aber nach der Politur der Eisfläche, die er sich abgesteckt hatte mit seinem Schal an einem Ende und am anderen Ende mit seinem vollgeschnupften Taschentuch, waren die Innenflächen der Handschuhe aufgeschrubbt.

Die letzten Zentimeter der abgesteckten Fläche rubbelte er mit den bloßen Händen, die vor Kälte steif und rot wurden, deshalb schob er abwechselnd die linke oder die rechte Hand unter seine Achseln, um sie zu wärmen. Sein ganzer Körper war schweißnaß, seine Jacke schon längst geöffnet und trotz der eisigen Kälte war ihm unangenehm warm, nur die Vorfreude auf die Rutschpartie, die ihm bevorstand, beflügelte ihn, nicht aufzuhören, bis er endlich an dem verschnupften Taschentuch angelangt war. Stolz richtete er sich auf, nahm das Taschentuch, das fast steifgefroren war, schnäuzte hinein und befreite auf den Knien rutschend die Eisstrecke mit dem Tuch von kleinen Eisstückchen.

Beim Schal angekommen wirkte die Strecke viel zu klein, obwohl er gewissenhaft zwanzig Schritte abgemessen hatte, also schritt er steif wie ein General bei der Truppeninspektion die Eisbahn ab und siehe da, es waren nur neunzehn Schritte, das empfand er ungeheuerlich und stolzierte die Strecke nochmal ab, bis er merkte, daß sie wieder nicht zwanzig Schritte lang sein würde. Also rannte er über die Strecke hinaus, rief zwanzig und war glücklich. Kurz verschnaufend, die Eisbahn skeptisch beäugend, nahm er Anlauf und schmiß sich wie zum Hechtsprung ins Wasser mit dem Bauch auf die Bahn und rutschte ungefähr ein Drittel der Strecke.

Er rutschte wieder und wieder, bis sein Bruder Sepp vor ihm stand und sagte: „Verdammt, du machst ja das Glas kaputt, wenn du es nicht haben möchtest, dann gib es mir!“
Er starrte seinen Bruder fassungslos und vollkommen aus der Puste an und schrie: „Was willst du denn mit diesem grünen Glas anfangen, sowieso hab ich es gefunden!“, und er streichelte das runde Stück Glas, in dem in der Mitte ein Kreis ausgeschnitten war. Er lugte durch dieses kleine Loch zu seinem Bruder und wollte ihm die Zunge rausstrecken, aber sein Bruder hatte sich schon umgedreht und war weitergegangen. Während er noch durch das kreisrunde Loch in dem Glas seinem Bruder hinterher sah, vernahm er eine freundliche Frauenstimme: „Junger Mann, soll ich Ihnen aufhelfen, haben Sie sich verletzt?“

Erschrocken merkte er, daß er bäuchlings auf dem Boden lag und eine ältere Dame sich sorgenvoll zu ihm herunterbückte.
„Nein, ich denke, es ist alles in Ordnung, ich, ich bin gestolpert, ausgerutscht, das Eis, ich meine der Bus, ich wollte meinen Bus erreichen“, stotterte er und stand etwas unbeholfen auf.
„Na, dann haben Sie aber Glück gehabt, ich dachte schon, Sie hätten sich an dem Glas geschnitten“, mit diesen Worten verabschiedete sich die ältere Frau, nicht ohne vorher ihn von oben bis unten gemustert zu haben. Ihren Augen folgend, registrierte er, daß sein Anzug komplett verdreckt war, und als er den Schmutz abklopfen wollte bemerkte er die grüne Glasscheibe mit dem kreisrunden Loch in der Mitte, die er immer noch festhielt.

‘Meins’, dachte er und grinste, weil er etwas besaß, das sein Bruder nicht hatte und erinnerte sich, Sepp schon seit mindestens einem halben Jahr nicht gesehen zu haben, sie telephonierten in losen Abständen miteinander, und jetzt fiel ihm auf, er war erwachsen, hatte drei Kinder, die bis auf den Jüngsten zu Hause ausgezogen waren. Verwirrt legte er die grüne Glasscheibe auf den Boden, um sich zu säubern und in dem Bewußtsein, so verschmutzt war es besser, wieder nach Hause zu gehen. Nach ein paar Schritten drehte er sich um, weil ihm einfiel, daß er die grüne Glasscheibe nicht mitgenommen hatte, er sie nicht dort liegen lassen konnte, damit nicht ein anderer darüber stolperte, aber insgeheim war sie eine Trophäe und ein Beweisstück, das er seiner Frau vorlegen konnte, falls sie ihm keinen Glauben schenken würde.

Doch schon etwas später kam er sich lächerlich vor, einen Beweis zeigen zu wollen, schaute sich nach einem Mülleimer um, konnte aber nirgends einen entdecken. So nahm er sich vor, das Glas in seiner eigenen Mülltonne zu entsorgen. Als er den Deckel der Tonne öffnete, blinkten ihm lauter kleine blaue, quadratische Glasvierecke entgegen. Er nahm eine Handvoll der kleinen Vierecke, um sie näher zu betrachten, dabei fiel ihm auf, daß das Glas völlig makellos war, keines der kleinen Stücke zeigte einen Hauch von Benutzerspuren, sie schienen frisch aus einem Herstellungsbetrieb zu stammen, und selbst der Wurf in die Tonne hatte ihnen keinen kleinen Kratzer zugefügt. Erstaunt darüber, legte er die Handvoll Glasquadrate neben sich und langte mit seinen beiden Händen wieder in die Tonne, dabei fielen einige der Stückchen wieder zurück.

Fortsetzung folgt.

Doris Mock-Kamm

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Xavier Naidoo ESC-Eklat: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

 

flickr.com/ angermann/ (CC BY-SA 2.0)

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Mediengetummel ohne Biß – wer deckelt hier wen?

Wer sich profiliert, mag vielleicht völlig ungeniert sich geben bei seinem Streben, eine weiße Weste zu tragen, dennoch fallen ihm nicht ein die entscheidenden Fragen. So geschehen jüngst im Interview der Süddeutschen, wo Sebastian Krass Xavier Naidoos Konzertveranstalter, Marek Lieberberg, zur ESC-Ausladung befragte.

Mediengetummel ohne Biß, man sich natürlich fragt: Wer deckelt hier wen? Allerdings bei genauer Betrachtung die Süddeutsche sich bereits entlarvt. Wie sonst sind die teilweise unnötigen Fragen zu erklären oder das Weglassen der richtigen?

Eine ganzseitige Solidarität bei der FAZ spricht Bände

Einigkeit der deutlichen Art prangte neulich im Feuilleton der FAZ, eine ganzseitige Solidarität seitens 121 Kulturschaffender und Prominenter, der Tagesspiegel berichtete eher wohlwollend, nüchtern neutral, hob Herbert Grönemeyers Verteidigung hervor.

Die FAZ, die nicht unbedingt in Sachen US-Kritik, Russland und deutschen Patrioten zimperlich sich artikuliert, räumt Xavier Naidoo gleich eine ganze Seite jener Veröffentlichung ein. Welch Widerspruch oder aber der Beginn eines Diskurses, weil eine Krähe der anderen kein Auge aushackt? Systemmedien sich einig, wie man mit Unbequemen umzugehen hat?

Während der NDR bzw. die hauptverantwortliche ARD hierbei dem ESC nicht unbedingt einen Gefallen tat, Xavier Naidoo zwischen Redefreiheit und Diffamierung anzuprangern, betont Lieberberg kurz und bündig am Ende des Interviews in der Süddeutschen, daß der ESC ohnehin ein „großes, aufgeblasenes Nichts, ein europäischer Karneval ohne jede Bedeutung für die Musikwelt sei“. Niemand möchte offensichtlich hierbei genauer nachbohren, wie er bei einer ESC-Zusage reagiert hätte. Manager richten sich in der Regel nach den Gewinnspannen.

Das System entscheidet sowieso

Ende gut alles gut, zumal bei soviel Solidarität Xavier Naidoo sich sicher sein darf, daß sein Weg der freien Selbstbestimmung, sich selbst ein Bild über unterschiedliche Zusammenhänge zu machen, der richtige bleibt, während große Teile des Systems ihm dies nicht zugestehen, es stets einfacher ist, geschlossen mit dem Finger auf ihn zu zeigen, und sei es per Medienshitstorm. Mit soviel Gegenwind hat es aber nicht gerechnet. Es bleibt der fade Beigeschmack mancher Heuchelei im Raume stehen. Denn wer sich allzu mutig wagt, Kritik zu üben, wird oftmals im Nachhinein die Quittung erhalten. Gerade Prominente können davon ein Lied singen mit Blick zu den Klatsch- und Tratschseiten der Buntblattpresse.

Eine gute Frage im Interview der Süddeutschen wäre im übrigen gewesen, wieso Xavier Naidoo überhaupt sich für die Teilnahme beim ESC vorgestellt habe. Gerade er müßte doch wissen, wie diese europäische Veranstaltung zusammen mit dem Medienrummel tickt.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Leistungsdruck erhöht Gesundheitsgefahren

pixabay.com

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Der moderne Mensch zwischen Schlafmangel und Medikamentenmißbrauch

Alles richtet sich nach dem Tropfhahn des Geldflußes, eine ähnlich gleichzusetzende Metapher zum ewig geldgierigen Dagobert Duck, das personifizierte Ziel zum erfolgreich Gekrönten aus dem Hause Disney, welches ohnehin spielerisch bereits Kinderherzen impfen mag, jenen Glorienschein anzustreben. Der dadurch erweckte Leistungsdruck birgt allerdings jede Menge Gesundheitsgefahren, die natürlich der moderne Mensch zwischen Schlafmangel und Medikamentenmißbrauch nicht wahrhaben will.

Schnell noch eine schön weiß gezogene Line in beide Nasenlöcher ziehen, Koks sei dank, mag die nächste Sitzung, das anschließende Treffen erfolgreich vonstatten gehen, da man hellwach und bewußtseinsstrotzend ihnen begegnet, sie durchsteht. Ein gefährlicher Trugschluß, dem sich viele aussetzen. Nicht nur mittels jener Szenedroge, die sowohl für Partys als auch beim Job Verwendung findet, sondern ebenso die vielen anderen Medikamente als hilfreiche Überbrückung, dem gesellschaftlichen Druck standzuhalten. Des Menschen Psyche offenbar hilflos abhängig, weil zu schwach, kein Rückhalt vorhanden?

Modafinil oder auch Provigil genannt, eine gefährliche Wachmacherpille

Schon vor rund 13 Jahren wies der Spiegel in seinem Artikel „Die Abschaffung des Schlafes“ auf den Arzneistoff Modafinil hin, der normalerweise zur Behandlung der Narkolepsie dient, der aber in den USA gern als Wachmacherpille unter dem Namen Provigil als Renner unter Managern, LKW-Fahrern und vor allem Soldaten diente. Denken wir an den anschließenden Irak-Krieg, handelte die US-Pharmaindustrie ziemlich zweckmäßig im geschäftssinnigen Einklang zur Administration in Washington.

Hirndoping sich seitdem seine Wege bahnt, besonders in einer zunehmenden Ellenbogen- oder Leistungsgesellschaft, in der obendrein eine wachsende Arbeitslosigkeit jenen Medikamentenmißbrauch fördert, wobei die Betroffenen oftmals sich dessen gar nicht bewußt sind, jenen Teufelskreis kaum durchbrechen oder beenden können.

Schlafmangel Folge einer menschenverachtenden Leistungsgesellschaft

Du mußt standhalten, dem Druck, der Forderung nach immer mehr Leistung, nach stetiger Weiterbildung auf einem sich ständig veränderndem Arbeitsmarkt, bei dem nur der erfolgreich bestehen kann, der sich anpaßt, ihm folge leistet, sei es auch mit Hilfsmitteln wie Medikamenten. Welch menschenverachtende Leistungsgesellschaft, bei der die Wirtschaft den Lebenslauf diktiert. Wer sich weigert, zieht den Kürzeren.

Nicht weiter verwunderlich, wenn Schlafmangel zum Problem wird, natürlich nicht nur in Deutschland, vielmehr weltweit in einer dem American Way of Life angepaßten Wirtschaftspolitik, nach der sich alles richtet, bis hinein in die Bildungssysteme. Genau deshalb vergallopiert sich die Autorin des ntv-Artikels, rügt gar zu Beginn die Leistungsfähigkeit im Kontext zum Schlafmangel. Anstatt die eigentliche Ursache in den Vordergrund zu stellen, wird mal eben seitens Expertenmeinung die „innere Einstellung des Patienten zur Nacht und zum Schlaf“ betont. Obendrein Politiker gleich als typische Kurzschläfer zu bezeichnen, entbehrt jedweder Logik.

Ein lateinisches Sprichwort sagt:

„Ultra posse nemo obligatur. Unmögliches zu leisten ist niemand verpflichtet.“

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Ein Nein vom Liebsten darf nicht sein

pixabay.com

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Und wenn die Berge
bunte Tränen weinen,
und wenn die Nebel
durchsichtig scheinen,

und wenn der Mond
mir blau erscheint,
und wenn die Flut
im Meer zurück bleibt,

und wenn die Blätter
nicht mehr von den Bäumen fallen,
und wenn die Worte
nur noch gegen Mauern schallen,

und wenn die Blumen
nach Schwefel duften,
und wenn unser Schweiß
sich bunt verfärbt vom Schuften,

und wenn der Regen grün
vom Himmel fällt,
und wenn kein Nächster
dem Gegenüber sich freundlich verhält,

und wenn ich jetzt nicht sofort zum Essen erschein,
dann heißt es heute vom Liebsten,
vorlesen vorm Schlafen: Nein.
Liebster, ich komme!

Ihre
Nafia

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AfD: Aufwärtstrend im Fahrwasser der Migrantenflut

flickr.com/ Metropolico.org/ (CC BY-SA 2.0)

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Politischer Wechsel im Einklang zum europäischen Rechtsruck?

Die nächste Bundestagswahl 2017 sollte, falls dazwischen der dritte Weltkrieg sie ohnehin erübrigt, sich ziemlich spannend gestalten. Trotz erheblich durchaus verständlicher Politikverdrossenheit hat nach bald vierzigjähriger Etablierung der Grünen eine neue Partei vor über 2,5 Jahren den Schritt gewagt, in die Parlamente zu ziehen mit bisherig recht schnellem Erfolg: die AfD. Ihr Aufwärtstrend im Fahrwasser der Migrantenflut, ein politischer Wechsel im Einklang zum europäischen Rechtsruck?

Man muß nicht nur davon ausgehen, es verhält sich tatsächlich so. Immerhin ist die AfD inzwischen in fünf Landtagen und im Europaparlament vertreten, ihr bestes Ergebnis erzielte sie in Brandenburg am 14. September 2014 mit 12,2% der Stimmen, nahezu  doppelt so viele im Verhältnis zu den Grünen und ist somit viertgrößte Partei im Parlament.

Bei der letzten Bundestagswahl scheiterte sie noch an der 5-Prozent-Hürde, wird aber höchstwahrscheinlich mit einem zweistelligen Ergebnis gewählt, Co-Parteichef Jörg Meuthen rechnet gar mit 20 Prozent. Während nach etlichen Querelen und einer Kampfabstimmung schließlich ihr Mitgründer Bernd Lucke im Juli dieses Jahres austrat und selbst eine eigene Partei, die ALFA, gründete, bescheinigen Politikwissenschaftler und viele Politiker selbst der AfD einen Rechtsruck. Verschärfte Asylgesetze, mehr Bürgerbeteiligung, soziale Gerechtigkeit, mehr innere Sicherheit sind allerdings nicht unbedingt harte, rechte Forderungen, sondern vielmehr ein Versäumnis der etablierten Parteien, deren Bundesverantwortliche immer noch meinen, sie seien Volksparteien. Genau jene Selbstüberschätzung der Stolperstein bei nächster Bundestagswahl?

Ihr

Lotar Martin Kamm

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So weit die Schuhe tragen

pixabay.com

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Augenmerk des Charakters?

Heute schon die Schuhe geputzt? Nein, dann sind Sie sicher heute zuhause geblieben, haben kein öffentliches Verkehrsmittel benutzt oder besitzen bereits Schuhe, die sich von selbst reinigen? Wer kennt nicht die vielen Photos, auf denen Männer geflissentlich Schuhe der Damen- und Männerwelt auf Hochglanz polieren? Wer will sich schon morgens, wenn sämtliche Köpfe in den öffentlichen Verkehrsmitteln nach unten starren, die Blöße von verschmutztem Schuhwerk geben?

Zuweilen kommt der Gedanke auf, saubere Schuhe sind gleichzusetzen mit einem gepflegten Gesicht. So ganz abwegig ist dieser Gedanke nicht. Schuh, die Herkunft des Wortes ist nicht eindeutig bestimmt, wahrscheinlich ist das Wort die Ableitung vom gotischen skêvjan, sich vorwärts bewegen, konnten sich selbst bis Anfang des 20. Jahrhunderts nicht alle Menschen, selbst in den „westlichen Ländern“ leisten.

Vielleicht können sich einige sogar noch an Schulkameraden erinnern, die nur jeweils ein Paar Sommerschuhe und Winterschuhe besaßen und gegebenenfalls sogar ein Paar gute Schuhe für besondere Anlässe, wenn sie keine Geschwister hatten, von denen sie Schuhe ausleihen konnten, zur Not wurde vorne in die Schuhspitze Wolle oder Watte gestopft.

Selbst als ca. Mitte des 19. Jahrhunderts die erste Schuhfabrik im europäischen Raum in Betrieb genommen wurde, änderte sich kaum etwas für die ärmere Bevölkerung, Schuhe blieben ein teures Kleidungsstück. Ist es da verwunderlich, daß auf das Schuhwerk ein besonderes Augenmerk gelenkt wird, ein gewißes Aushängeschild, sich etwas leisten zu können?

Die Turnschuh-Generation und mittlerweile die Wegwerfschuhherstellung haben den Stellenwert des Schuhwerkes gemindert, obwohl es einige, vornehmlich der Damenwelt zugeschriebene Sammler geben soll, die Dutzende, wenn nicht gar Hunderte Paare besitzen. Trotzdem blicken Menschen oft auf die Füße des Gegenübers. Machen wir das unbewußt, um zu erkennen, wer da vor uns steht? Es gibt wohl Merkmale bei den Füßen, ähnlich wie bei den Händen, aus denen der Charakter erkennbar ist. Deshalb der Blick auf die Schuhe des Gegenübers?

Wie dem auch sei, achten Sie doch einmal selbst darauf, wieviel ungeputzte Schuhe Sie beim nächsten Einkaufsbummel oder bei sonst einer Ihrer Aktivitäten sehen und vergessen Sie nicht, Nikolaus wird Ihnen niemals etwas in Ihre ungeputzten Stiefel legen.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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Geld oder Liebe – Menschheit am Scheideweg

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Satirischer Rückblick…

Der Traum von großer Liebe ein Initialfunken mit völlig unterschiedlichen Ansätzen, sie unbedingt zu verwirklichen. Während dem einen sie in Leichtigkeit begegnet, der andere schmachtend kaum sich regend verweilt, mag ein dritter übers Meer fahren, sich stählen, um der Angebeteten Jahre später zu begegnen. Ach, Mensch, trau dich nur und genieße.

Denn auf der Krim tappten sie neulich im Dunkeln, weil mal wieder Nazi-Schergen in aller Öffentlichkeit ihre Schandtaten ausleben durften, wie in diesem Fall mal eben Stromleitungen sprengten, Russland eine Kriegserklärung lieferten. Auch diesmal ließ Putin sich keineswegs aus der Ruhe bringen.

Das mag ganz schnell sich ändern, mit der Gelassenheit, denken wir nur an unsere Sprache, die neuderdings mal wieder seitens findig Alternativer möglichst harsch umgedeutet werden solle, vom „innen“ zum Sternchen davor, setzt jene Kennzeichnung einen Affront gegen sie. Wer folgt solch „Affentheater“? Die Sache mit der Redefreiheit hat doch ohnehin ihre ganz eigenen Gesetze, zumal sich Diffamierung dazugesellte, wie man im Falle Xavier Naidoo schon seit langem beobachten konnte. Cui bono? Einer entblößt bei gelangweilter Medienmeute, die nichts besseres in petto hat, als vor lauter Konformität sich hetzend dem Mainstream zu verpflichten.

Kein Wunder, daß genau deshalb gerade Konzerne vor lauter Ablenkung weltweit ihr Unwesen treiben können, wie jüngst in Brasiliens Südwesten, wo entlang des Rio Doce der Bergbaukonzern Samarco die größte Katastrophe des Schwellenlandes zu verantworten hat. Mit erheblichen Folgen für den britischen Minenbetreiber? Wohl kaum. Lösungen gemeinsam klären, ohne Feindbilder und Haß? Nahezu unmöglich, solange keinerlei Einsicht folgt, wir die Politik und deren Hintermänner gewähren lassen!

Wer kennt sie nicht, die fabulösen Begriffe, die Familienverhältnisse umschreiben sollen, denken wir an die Patchworkfamilie, gar an Raben- oder Helikopter-Eltern. Der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt, nur werden sie auch den Menschen gerecht? Daß immer dann Gerechtigkeit obsiegt, wenn entsprechende Geldsummen fließen, darf man in Indien erleben, wo der Bergbaukonzern Vedanta mittels Bauxitabbau das Urteil des Obersten Gerichthofs anficht, das Volk der Dongria erneut bedrohlich betroffen ist.

Entfleuchen ins Märchenland, wo Frau Holles weiße Schneeflöckchen fallen oder vielleicht doch noch die Flucht aus dem Paradies gelingt, welches trügerische Abbilder schafft, die nicht vorhanden? Wer weiß, ob dies fruchten kann, zumal gerade Nachrichten reißerisch oder eher dramaturgisch begleitet uns verfolgen.

Nach dem Su-24-Abschuß Erdoğan nicht nur im Kreuzfeuer scharfer Kritik steht, vielmehr der gesamte US-Westen sich fragen lassen muß, wie viele Provokationen Putin durchgehen läßt. Besonders hilfreich dabei im Syrien-Krieg: der Terror, dessen altbewährte Strategie.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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