Orbáns national-autokratischer Staat gängelt Kulturschaffende

Regierungstreue wird belohnt, Kritik abgestraft

Die Liste der Staatsoberhäupter, die letztlich die Demokratie mit Füßen treten und ihre despotischen Vorlieben auf Kosten der Bevölkerung ausleben, wird stets länger, wobei Rassismus und Nationalismus parallel ungestraft zunimmt, gedeckelt und somit abgesegnet mit billiger Polemik, in dem man obendrein die Medien verunglimpft.

Was nutzen mahnende Stimmen, unbestechliche Journalisten und all die Menschen mit Rückgrat, wenn eine schweigende, oftmals verängstigte Mehrheit stillhält, während derartige Herrscher sich austoben? Trotz Protest von Kulturschaffenden bestimmt in Ungarn nun ein Kulturrat, was erlaubt ist und was nicht, „das hat totalitäre Züge“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Die EU-Parlamentarierin Katarina Barley glaubt, Orbán will ein „Ende der freien, kritischen Kulturlandschaft in Ungarn“ durchsetzen. Läßt man diesen Autokraten weitergewähren, wird er dies auch nonchalant erreichen.

Der Trick mit angeblich linksliberalen Kräften

Jenes Muster, diese Hysterie stammt noch aus Zeiten des real existierenden Sozialismus bis hin zum Kommunismus. Nur mit dem feinen Unterschied, daß dieser letztlich zusammengebrochen ist mit dem Fall der Mauer. Die wenigen Staaten, die dies noch praktizieren wollen, beugen sich dem Wesen des Großkapitals, der Finanzwelt.

Insofern bemüht auch Viktor Orbán fragwürdige Hebel und Argumente, obendrein setzt er all die Zeit auf sein Konzept der simplen Islamophobie, was ihm schon zum Sieg bei der letzten Ungarn-Wahl verhalf. Parallelen zum Sultanat in Ankara sind frappant, Erdoğans Weg mag für etliche andere Staatsmänner vorbildhaft sein, Orbán nutzt dessen Muster.

Korruptes Techtelmechtel gleichwohl exemplarisch

Ausgerechnet zwischen dem ehemaligen deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger und Viktor Orbán. Warum wundert dies mitnichten? Betrachtet man die etlichen Entgleisungen Oettingers, paßt jener Weg in dessen Vita. Am besten als Rat für Wissenschaftspolitik in Ungarn. Dort kann dann Oettinger seine Erfahrung zum Besten geben, wobei Orbán gern selektiert, was denn nicht wissenschaftlich sei, um kritische Wissenschaftler mundtot zu machen.

Orbáns Ungarn untersteht der Fuchtel des neurechten Zeitgeistes, den dieser Ministerpräsident erfolgreich prägt, alles Unpassende ausmerzt, was seinem national-autokratischem Weg widerspricht, so daß auch Kulturschaffende das Nachsehen haben. Wer darin noch einen freiheitlich demokratischen Rechtsstaat sieht, verschließt die Augen vor Orbáns Politik.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Merkels Erbe

Janz ohne Scherz,
es kandidiert der Merz.
Hand aufs Herz,
welch Hype, welch Terz.

Mit jenen ollen Kamellen
sollt‘ er zerschellen,
gutgläubige Wähler verprellen,
ohne sich dabei zu verstellen.

Neoliberal geprägt der Black-Rock-Mann,
wat der angeblich so alles kann,
ziehen Kollegen mit ihm an einem Strang,
welch christlich geprägter Klang.

So was will wohl Kanzler werden,
uns die Laune mächtig verderben,
rafft auf des Merkels Scherben,
um am Ende blaun sich zu färben?

Dem Merz ist alles zuzutrauen,
der mißachtet Frauen,
Rentner sollen am besten nicht ergrauen,
aufgepaßt, besser sehr genau hinschauen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Auslieferungsverfahren gegen Julian Assange alles andere als fair

Snowden und Hrafnsson sprechen von Krieg gegen Journalismus

Die Luft wird dünner für den Helden der Informationsfreiheit, Wikileaks-Gründer Julian Assange muß befürchten, daß in den USA ihm keineswegs ein fairer Prozeß bevorsteht. Man könne schon gleich gar nicht von einem Zufall sprechen, daß die Grand Jury in Virginia entscheiden werde, falls man Assange ausliefert, beim Verfahren gegen den Wikileaks-Gründer zitiert der Spiegel in seinem Artikel WikiLeaks-Chef Kristinn Hrafnsson mit dessen Worten: „Das ist ein Krieg gegen den Journalismus.“

Ein typisches Los für politische Gefangene, was insofern auch auf den australischen Julian Assange zutrifft. Mittels achtzehn Anklagepunkten sei von 175 Jahren Gefängnisstrafe die Rede, die ihn erwarten dürfte, sollte er in die USA ausgeliefert werden.

Die USA halten nicht viel von der Wahrheit

Wie ein roter Faden zieht sich jene Erkenntnis durch die Geschichte der Neuen Welt, während man schnell dazu übergeht, das Wort Verschwörungstheorie einzusetzen, verbleiben dennoch etliche Fragen zu gewissen Ereignissen, die alles andere als erfolgreich geklärt wurden. Ob der Kennedy-Mord, 9/11, der Irak- und Syrienkrieg oder gar der 45. US-Präsident selbst, der mit „weißer, reiner“ Weste völlig schuldlos und äußerst überzeugend seine Wahl bestritt, das Impeachment-Verfahren als völliger Nonsens zu werten ist. Letzterer Vorfall entbehrt jede weitere Erläuterung, wer dabei die Ironie nicht zu erkennen vermag.

Keine Gerechtigkeit für den Helden der Informationsfreiheit? Wo kämen wir denn dahin, wenn solches geschieht. Dies sei nur denen vorbehalten, die über genügend korrupte Rückendeckung verfügen, möglichst nahtlos geschmiert und abgesegnet, im Anschluß rehabilitiert, frei von irgendwelchen Vorwürfen. So wie The Donald, der weiterhin schalten und walten darf, wie es ihm gefällt.

Reporter ohne Grenzen wittert einen Angriff auf die Pressefreiheit

Dabei geht der stellvertretende US-Generalstaatsanwalt John Demers ziemlich trickreich vor, in dem er behauptet, Julian Assange sei kein Journalist. Denn dadurch wird ihm der Schutz des ersten Verfassungszusatzes zur Presse- und Meinungsfreiheit nicht zuteil. Während noch unter Obama ein weiteres Vorgehen in dieser Hinsicht strittig war, weil man auf diese Weise den investigativen Journalismus gleich mit verurteilen würde, hat die Trump-Administration keinerlei Probleme, entsprechend dreist vorzugehen.

Noch sitzt Julian Assange im Londoner Belmarsh-Gefängnis, das Auslieferungsverfahren wird sich wohl eine Weile hinziehen. Trotz aller Anfeindungen läßt sich WikiLeaks nicht davon abbringen, weiterhin aktiv neue Dokumente zu veröffentlichen. Gut so, denn die Wahrheit sollte stets ans Licht kommen, egal wie unbequem sie sein mag!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Nächstenliebe das Zauberwort

Da sagt so einer,
er würde die Werte
verraten,
verraten, welch ein Wort,
wenn seine Partei
wär sozialer.

Da sagt so einer,
wie erklär ich dies dem Kind,
verraten,
verraten, welch ein Wort,
wenn es sein Fahrrad
verschenken will.

Da sagt so einer,
die Mitte sind wir,
verraten,
verraten, welch ein Wort,
Egomanie verkauft
als Demokratie.

Da sagt so einer,
wir sind mehr,
verraten,
verraten, welch ein Wort,
Altruismus stärkt
das Gemeinwohl.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Hamburg bestätigt rot-grünes Regierungsbündnis

Vier Parteien lassen Federn, zwei gewinnen

Manche Schlagzeile in den Medien muß man mitnichten verstehen oder gar nachvollziehen können. Erst hat die SPD ein Peter-Problem,  verkündete T-Online gestern Abend, die Sozialdemokraten haben die Wahl in Hamburg deutlich gewonnen. Sicherlich gewinnt eine Partei mit 39 Prozent, allerdings hat die SPD trotzdem ein Minus von 6,6%.

Das bedeutet ein Stimmenverlust, genauso wie die CDU, die ein Minus von 4,7% erzielt, nur bei 11,2 Prozent liegt, während die FDP gerade noch im Parlament Platz nehmen darf mit 5 Prozent. Die rechtsradikale AfD bekommt einen Dämpfer mit einem Minus von 0,8%, erhält allerdings einen Sitz mehr als die Liberalen.

Die Grünen dürfen mit Fug und Recht als herausragende Siegerpartei sich bezeichnen mit einem Plus von 11,9%, einem Gesamtergebnis von 24,2 Prozent, was nahezu einer Verdoppelung entspricht, während auch Die Linke an Stimmen hinzugewinnt mit 9,1 Prozent im Ergebnis.

Hamburgs letztmaliger Test vorm Superwahljahr 2021

Im nächsten Jahr stehen Wahlen in sechs Bundesländern sowie die Kommunalwahlen in Niedersachsen an, bevor die planmäßige 20. Bundestagswahl im Herbst stattfindet. Immer vorausgesetzt, die derzeitige Große Koalition bleibt bestehen und keine Neuwahlen ändern jenes Szenarium.

Politik unterliegt dennoch manch Stimmungsbarometern. Eine Zeitlang konnten die Grünen auf Augenhöhe selbst beim Bund mit der Union konkurrieren, davon profitieren auch zur Hamburger Bürgerschaftswahl. Trotzdem erfolgten keine eindeutigen Denkzettel nach dem Thüringer Desaster, weiterhin dürfen die Liberalen und Rechtsradikalen im Plenum sich positionieren. Über zehn Prozent der Wählerschaft schenkt den beiden Parteien ihr Vertrauen.

Eine höhere Wahlbeteiligung hat wohl nicht ausgereicht

Um entsprechend Rückgrat zu zeigen in der Hansestadt. Welch bedauerliches Signal, erst recht nach letztmaligem rechten Terror in Hanau und etlichen Diskussionen, Demonstrationen und Aufrufen, sich gegen jenen Haß zu solidarisieren.

Einerseits macht es trotzdem Mut, daß es viel mehr Menschen gibt, die eben nicht den Rechtsradikalen das Feld überlassen wollen, andererseits zögert Politik nach wie vor, was auch auf manche Polizeidienststellen abfärbt, jenen rechtsradikalen Konsens zu dulden. Da bedarf es noch viel Aufklärung und Anmahnung, das Grundgesetz einzuhalten, unsere Demokratie zu würdigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

+++ Update: Nach jüngsten Erkenntnissen könnte es durchaus passieren, daß die FDP doch an der 5-Prozent-Hürde aufgrund einer Auszählungspanne scheitert, wie der Stern berichtet. +++ 2. Update: Laut Tagesschau scheitert die FDP an der 5-Prozent-Hürde +++

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Wie das Cello bewahren

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Zu seiner Liebsten will er fahr‘n
mit dem Cello in der Bahn,
um ihr ein Ständchen zu bringen,
von seiner Liebe zu ihr zu singen.

In dem Moment als er wollte gehen
grelles Licht am Fenster, er hat gesehen,
könnte ein Blitz das gewesen sein,
dann wär‘s aus mit dem Stelldichein.

Was mach ich nur, wenn’s regnet,
ich dachte, mein Glück wär abgesegnet,
wie schütz‘ ich bloß mein Instrument,
den Koffer hab ich neulich verpfändt‘.

Eine Hülle brauch ich, eine Hülle,
gesammelte Müllbeutel hab‘ ich in Fülle,
schützend umwickelt mit Cellophan,
zum Schatz fährt er mit Cello in der Bahn.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Theater der Unterdrückten

Kommunikation ganz nah am Menschen

Das ganze Leben kann man durchaus als Theater bezeichnen, wobei es ohne Zuschauer, Gagen, Beifall und der künstlerischen Auseinandersetzung stattfindet, eben gekennzeichnet ist von den Problematiken des Alltags. Nein, ganz so einfach sollten wir den Begriff des Theaters nicht benutzen, auch wenn es verlockend erscheint, auf diese Weise einiges sich zu erklären.

Eines hat sich der brasilianische Regisseur, Theaterautor- und Theoretiker, Augusto Boal, schon dabei gedacht, als er vier andere Theaterformen entwickelte: Theater der Unterdrückten, Unsichtbares Theater, Forumtheater und Legislatives Theater. Sicherlich haben dabei seine Vorbilder Bertold Brecht und Konstantin Stanislawski mit dazu beigetragen, auf solch naheliegende Veränderungen in der sonst üblichen Theaterwelt hinzuwirken. Soziale Probleme und politische Kritik standen im Vordergrund der Überlegungen. Im Laufe der 1950er Jahre entwickelte er bereits seine erste neue Theaterform, das Theater der Unterdrückten am Núcleo do Teatro de Arena in São Paulo.

Dabei kehrte er die sonst übliche Form am Theater radikal um: Hierbei soll der Zuschauer die Handlung aktiv mitgestalten wie im Forumtheater, wobei das Ende einer schlechten Szene durch einen ersonnenen „Joker“ zu einem anderen, besseren Ende gebracht werden soll, der Zuschauer aktiv beteiligt wird, sich mit einzubringen. Ein Fragewort- und Antwortspiel entsteht, ein Prozeß wird in Gang gesetzt, das Forumtheater stellt somit auch eine Hilfe dar, brisante Konfliktsituationen in der Alltagspraxis besser meistern zu können, da man sie ja bereits „gespielt“ hat.

Das aus dem Forumtheater weiterentwickelte Legislative Theater geht sogar so weit, das Publikum zu benutzen, in dem diesem gesetzgebende Rollen verpaßt werden, z.B. als Senatoren oder Stadtrat sich zu versuchen. Hierbei dürfte durchaus interessant sein, inwieweit der ein oder andere Zuschauer sich nicht nur wiedererkennt, sondern in der Autoritätsrolle seine ureigenen Stärken und Schwächen ausloten kann.

Na, schon mal erlebt, live und hautnah? Da beginnen urplötzlich Menschen einen Streit in der U-Bahn, es eskaliert, Unbeteiligte trauen sich sogar, sich verbal einzumischen, doch am Ende stellt sich heraus, es war ein Experiment, so vielfach geschehen  z.B. in Berlin. Diese Methode, die eigentlich ihren Ursprung in der nachrevolutionären Sowjetunion der 1920er Jahre hatte, übernahm Boal und schuf somit das „unsichtbare Theater“.

In der Öffentlichkeit spielen Schauspieler tatsächlich Theaterszenen, ohne daß ein Publikum darüber in Kenntnis gesetzt wird. Der Überraschungsmoment ist dadurch gegeben, wobei er für alle eine gewisse Herausforderung darstellt, der Gesellschaft wird auch klar vor Augen geführt, welche Formen der Unterdrückungen existieren, eben weil dies vorher abgesprochen inszeniert wesentlich schärfer dargestellt werden kann, im „kontrollierten Rahmen“, aber dennoch sehr nah an der Alltagswirklichkeit. Straßentheater haben dabei ganz ähnliche Berührungen zum Publikum, nur daß dieses vorher weiß, es findet Theater statt.

Neues Projekt im Theater der Unterdrückten in Wien

Die LGBTQIAN*Theatergruppe wurde für alle queeren Menschen ins Leben gerufen,  wie auf der Homepage des TdU Wien beschrieben wird. Die Homophobie ist immer noch weit verbreitet und verzweigt in der Bevölkerung präsent, sollte genau so wenig unterschätzt werden wie Rassismus. Immer dann, wenn bestimmte Menschen keiner Norm entsprechen in den Augen einer intoleranten Gesellschaft, neigen Verunsicherte gern dazu, einfach ihr Unwissen in Repressalien den „Abnormalen“ gegenüber verpassen zu müssen, anstatt sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Insofern sind solche Projekte äußerst hilfreich und auch begrüßenswert.

Inzwischen wird das Theater der Unterdrückten weltweit in rund 70 Ländern eingesetzt, in Deutschland entstand es schon in der 1970er Jahren. Das Grips-Ensemble hat z.B. ganz ähnliche Aufführungen inszeniert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

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