Ist gegenwärtig alles widerwärtig?

https://pixabay.com/photos/cactus-foe-so-cute-tucson-1082435/

pixabay.com

Das Gegenüber abschätzen

Möglicherweise können nicht alle Menschen es verkraften, wenn die Tage ausgeglichen, harmonisch verlaufen, weder für sie noch für andere. Schon gar nicht für andere. Nörgler, Besserwisser, Neider trifft man zu Hauf, wäre nicht weiter schlimm, schlimm an diesen Begegnungen ist der Effekt der Ansteckung ihrer schlechten Laune. Funktioniert natürlich auch beim Zusammentreffen von Menschen mit Witz, Charme und Freude, allerdings scheint diese Energieaufladung nicht so lange vorzuhalten als von den Miesmachern.

Die Lehrkräfte, die sich mittels verschiedener Techniken bemühen, Schüler auf vermeidbare Fehler aufmerksam zu machen, was tun sie, sie nerven.

Seid, das Verb, so merke dir, bezieht sich immer auf ihr.

Seit benutzt du bei Zeit. (seit = Zeit. Das t steht für Tempus oder Time.)

Das s im „das“, es bleibt allein,
passt dieses, jenes, welches rein.

Wenn „wider“ nur „dagegen“ meint
dann ist das „e“ dem „i“ stets Feind.

Wenn „wieder“ nur „noch einmal“ meint
dann sind dort „i“ und „e“ vereint.

Sie nerven, weil sie ständig die gleichen Merksätze wiederholen, mit dem Ergebnis, daß trotzdem ein Großteil der Schüler nach dem Abschluß das Gelernte nicht anwenden kann.

Ist gegenwärtig widerwärtig oder wieder wertig?

gegenwärtig, mittelhochdeutsch gegenwertec, althochdeutsch geginwertig. Synonyme sind aktuell, derzeitig, im Augenblick, zeitgenössisch, jetzt. (Duden)

widerwärtig, mittelhochdeutsch widerwertec, entgegengesetzt, feindlich; unangenehm, abstoßend, althochdeutsch widarwartīg, entgegengesetzt, feindlich, zu mittelhochdeutsch widerwert, althochdeutsch widarwert, entgegen; verkehrt. (Duden) Andere Begriffe sind abscheulich, ekelerregend, unangenehm, scheußlich, unsympathisch, grässlich.

Wer soll verstehen können, wenn gegenwärtig, jetzt, im Augenblick, gleichzeitig mit widerwärtig, ekelerregend, unsympathisch übereinstimmt oder etwa doch nicht?

-wärtig, mittelhochdeutsch -wertec, althochdeutsch -wertig, zu mittelhochdeutsch, althochdeutsch -wert, -wärts (Duden)

-wärts, mittelhochdeutsch, althochdeutsch -wertes, adverbialer Genitiv von mittelhochdeutsch, althochdeutsch -wert, eigentlich, auf etwas hin gewendet oder gerichtet, verwandt mit werden (Duden)

Wie kann –wärtig und –wärts, die beide in Bildungen mit Substantiven ausdrücken, daß es sich um eine bestimmte Richtung handelt, etwas mit –wertig und wert zu tun haben?

wertig. Andere Wörter sind hochwertig, neuwertig, vielwertig (Duden)

wert, mittelhochdeutsch wert, althochdeutsch werd, vielleicht eigentlich, gegen etwas gewendet, dann: einen Gegenwert habend (Duden) Andere Ausdrücke sind, geehrt, geliebt, unentbehrliche, kostbar.

Am einfachsten ist die Erklärung, wenn man die Sprachentwicklung des Wortes „wert“ verinnerlicht. Zuerst wurde es angewandt als Begriff für „gegen etwas gewendet“. Kann bedeuten, ich habe mich gegen etwas zugewendet, meinem Gegenüber zugewendet, meinem Gegenüber abgewendet. Die spätere Aussage „einen Gegenwert habend“ deutet darauf hin, für mein Gegenüber habe ich einen Gegenwert, der mich auf dieselbe Stufe stellt, oder für mein Gegenüber habe ich die gleiche Wertstellung.

Klingt verwirrender, als es ist. Bei jedem Zusammentreffen zweier Wesen, unerheblich ob Mensch, Mensch, oder Mensch, Tier folgt in Sekundenschnelle die Abschätzung, der Wert des Gegenübers. Einteilungen in Bezug auf Stärke, Wissen, Reichtum, Ängste, Gemeinsamkeiten, etc. sind notwendige Werte, um sicherzugehen, ob Gefahr in Verzug oder nicht. Gegenwärtig, jetzt wird entschieden, widerwärtig, entgegengesetzt, feindlich oder nicht.

Vergleichbar mit dem Blick in den Spiegel, der vor allen Dingen morgens manche Menschen das Fürchten vor sich selber lehrt. Im Nachhinein werden diese Menschen sich über sich selbst und ihre Reaktion lustig machen oder sie werden dies zum Anlaß nehmen, sich selbst als häßlich zu empfinden. Die Wertigkeit, die in der Nachschau verbleibt, ergibt das Urteil über die vergangene Gegenwart.

Es ist für manche Zeitgenossen einfacher, im Rückblick, den Schrecken vom morgendlichen Spiegelbild zu verharmlosen, weil es bereits der Vergangenheit angehört. Genauso verhält es sich mit Erinnerungen an früher, auch hier werden die damaligen Schrecken verharmlost, weil man sie überwunden hat oder glaubt, sie überwunden zu haben. Die damalige Gegenwart wird deshalb gerne glorifiziert.

Gegenwärtig ist nicht alles widerwärtig, nur weil einiges verkehrt läuft, was nach persönlicher Ansicht anders sein könnte, einiges fremd und feindlich erscheint, da man Geschehnisse nicht einordnen kann, nicht kennt.

Das Leben im Jetzt ist der Wert schlechthin. Die ständigen Wertbemessungen, welche Richtungsweisungen die richtigen oder falschen sind, sind diejenigen, die nerven, sind dafür verantwortlich, ob man sich wohl fühlt oder nicht. Wer aber weiß, daß er wert, sich seinem Gegenüber zuwendet, denselben Gegenwert hat, der kann nicht nur gegenwärtig, den Widerwärtigen den Wind aus den Segeln nehmen, mit dem sie versuchen entgegengesetzt zu allen Werten, die Richtung zu bestimmen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mister America First lobpreist Patriotismus

Nationalismus taugt nichts

Im Grunde genommen weiß die Weltgemeinschaft nur zu genau, mit wem sie es zu tun hat, wenn der „blonde Dolle“ auftaucht. Dessen ungehobelte, nahezu einkalkuliert unverschämte Art hinterläßt stets eine Schneise des Unbehagens, die USA konnten sich keinen unwürdigeren Vertreter ihrer Nation zum Präsidenten wählen. Doch mehrheitlich geschah dies.

Jetzt haben sie ihn auch gefälligst zu ertragen, Anfang November nächsten Jahres bietet sich ihnen die Gelegenheit, ihn abzuwählen. Doch zuvor tönt Donald Trump, „die Zukunft gehört den Patrioten.“ Als ob wir alle nur darauf gewartet hätten, erneut den „nationalen Mist“ vor allem des letzten Jahrhunderts zu wiederholen, der genau deshalb in gleich zwei Weltkriege mündete.

Nationalstaaterei braucht kein Mensch

Außer man favorisirt Mauern wie der 45. US-Präsident zwischen seinem Land und Mexiko. Doch damit löst man keine Flüchtlingsprobleme, lindert weder Not, noch ändert sich am Leid irgendetwas. Ganz im Gegenteil, gerade Nationalismus in trauter „Hochzeit“ mit jenem unsäglichen Patriotismus begünstigt den gefährlich menschenverachtenden Rassismus.

Seit Donald Trump hat jener Rassismus wieder einen größeren Stellenwert in den USA. Unter Barack Obama war die mächtigeste Wirtschaftsnation noch auf bestem Weg, diesen erfolgreich zu überwinden. Mit dem Kleingeist eines Donald Trumps wurde diese Entwicklung zunichte gemacht.

Höhere Militärausgaben sind ein Garant für mehr Unfrieden

Weil sie dem widersprechen, was die Friedensbewegung sich auf Plakate geschrieben hatte, Frieden schaffen ohne Waffen. Davon will The Donald nichts wissen, der ohnehin mit der Waffenlobby im eigenen Land gern kungelt. Ein jeder weiß, wie schnell eine gezückte Pistole sich verselbständigen kann im Streit.

Trumps Säbelrasseln gefährdet den Weltfrieden. Daß er den Krieg mit dem Iran noch nicht begonnen hat, bedeutet keineswegs beim Zögern dessen Schwäche. Es sollte bekannt sein, was ein solcher weltpolitisch bedeuten würde, angesichts der Tatsache, daß besonders China aber auch Russland nicht tatenlos zuschauen würden, wenn die USA den Iran angreifen. UN-Generalsekretär António Guterres hat durchaus berechtigt vor einem „großen Bruch“ der Welt gewarnt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

D‘ Erd‘ ist hart

https://pixabay.com/photos/apple-fruit-harvest-ripe-food-4055926/

pixabay.com

Still will ich sein,
leise,
mag euer Surren hör’n
kurz,
zu schnell eure Reise.

Ein Knacken,
der Abschied,
ein Flug,
der Aufprall,
Bubblequark.

Geschüttelt hab’ ich,
gefallen seid’s ihr,
gebettelt bleibt heil,
Apfelkuchen sollt’s geben,
nun gibt’s halt ein Mus.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Greta Thunberg: Zeugen einer massiven Zerstörung

Klimakrise nicht lösbar mit „business as usual“

Die Initiatorin steht am Pult der Uno, um beim Klimagipfel zugleich mit Tränen in den Augen den 60 Staats- und Regierungschefs zu verkünden: „Wir werden das euch nicht durchgehen lassen.“ Was bereits im Vorfeld überdeutlich sich abzeichnete, nimmt jetzt konkrete Formen an, Greta Thunberg teilt völlig berechtigt harsch aus, sie hätten ihre Träume gestohlen, es sei falsch, daß sie jetzt oben auf dem Podium sitze und fürs Klima kämpfe, wo sie doch eigentlich zur Schule gehen müßte.

Welch treffsicherer Konter gegen all diejenigen, die weiterhin die demonstrierenden Schüler von FFF als Schulschwänzer zu diffamieren versuchen. Anstatt jene Klimastreiks als das zu werten, was sie sind, ein durchaus ernstzunehmender Appell, kann Häme nur kontraproduktiv sein!

Die Technik sei vorhanden, würde aber nicht ein- und umgesetzt

Führt die 16-Jährige eindringlich aus, die Weltgemeinschaft erwarte in Zukunft von ihrer Generation, daß Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gefiltert werden, mit Technologien, die es bisherig nur unzureichend gebe, die vorhandene Klimakrise sei keinesfalls mit „business as usual“ zu lösen. Auch führt sie aus, „wir werden Ihnen das nie vergessen, wenn sie uns weiter betrügen, die Zukunft der Jugendlichen werde gefährdet.“

„Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, woran Sie denken können, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum.“ Womit sie den Kern des Übels benennt. Es gibt schlichtweg kein ewiges Wachstum, selbst wenn sehr viele Ökonomen uns das weiterhin weismachen wollen!

UN-Generalsekretär Guterres betont, man könne nicht mit der Natur verhandeln

Gewonnen werden könne das Rennen gegen den Klimawandel, es wäre noch nicht zu spät, auch wenn die Zeit knapp sei, gibt UN-Generalsekretär António Guterres zu bedenken, seit dem 01. Januar 2017 im Amt.

Mit Nachdruck wurde auch eine Menschrechtsbeschwerde beim UN-Kinderrechtsausschuß sowie ans UN-Kinderhilfswerks Unicef von Thunberg und 15 anderen Jugendlichen aus zwölf unterschiedlichen Ländern eingereicht, die Bedrohung traditioneller Lebensweisen, den Tod von Nachbarn durch Umweltkatastrophen, Gesundheitsrisiken als auch psychische Belastungen wurden geltend gemacht. Ob jene Beschwerden fruchten, wird sich noch zeigen. Auf alle Fälle hat FFF mit Greta Thunberg an deren Spitze ein überdeutliches Zeichen gesetzt, welches die verantwortliche Politik jetzt endlich berücksichtigen sollte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

 

Veröffentlicht unter Proteste und Widerstände | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Es dirndelt mal wieder

Wenn Prüderei Ausgang hat

Um es vorweg zu sagen, das Dirndl ist in erster Linie das Mädchen. Das Mädel, die Dirn, das Meitli, und das Mägdelein wird in zweiter Linie zur Dirne, Freudenmädchen, Stichmädchen, Callgirl, Prostituierte, käufliches Mädchen, Liebesdienerin. Eh ich es vergesse, Dirndl ist auch die Kurzform von Dirndlkleid. Jungfrauenkleid, Magdkleid, Gunstgewerblerinnenkleid, Bordsteinschwalbenkleid.

Und wer zeitgemäß gelten will, der marschiert oder tändelt über die herannahenden Volksfeste in Stiefeletten oder hochhackigen Schühchen. Mal eben für ein paar Stunden, Veranstaltung für die Bekleidung, je nach finanziellem und dementsprechend sozialem Stand wird potentiell in den Geldbeutel gegriffen und 40 € oder nach oben offenen Anschaffungspreis ausgegeben. Wobei der Anschaffungspreis nicht unbedingt eine Wertanlage für mehrmaliges Tragen bestimmt. Bei den höher gestellten Flaniererinnen ist es eine Selbstverständlichkeit, niemals das Kleid zweimal beim Schaulaufen vor Publikum zu zeigen. Schließlich hat man es nicht nötig, das Material, das für das Schneidern benötigt wurde, wirklich auszutragen.

Im Gegensatz zur vorigen Generationen (in Teilen nur Halbwahrheit, denn es war in den besten Kreisen ebenso verpönt, die Kleidung für besondere Anlässe mehrmals anzuziehen) war das Dirndl ein Trachtenkleid, das gehegt und gepflegt wurde, eben für besondere Feierlichkeiten. Wer hat’s erfunden, um damit eine gewisse Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klientel zu verdeutlichen?

Zirka seit Mitte des 19. Jahrhunderts gilt diese geschneiderte Form eines Kleides als Tracht, vornehmlich im bayerischen, österreichischen Gebieten. Angelehnt an die höfische Kleiderordnung des 18. Jahrhunderts, enganliegende Taille, großer Ausschnitt, weiter Rock. Die Crème de la Crème der damaligen Zeit wollte seit etwa Ende des 18.Jahrhunderts sich in einer Art Rückbesinnung vom anstrengenden höfischen Leben im ländlichen Raum von der beengenden Etikette befreien. Angeregt durch das Motto „Zurück zur Natur“ von Jean-Jacques Rousseau, (Abkehr von der Scheinhaftigkeit und Vordergründigkeit), suchte man sein Heil in der einfachen Natürlichkeit. Im städtischen Raum wurde das fesche Kleid schnell für die obere Gesellschaft der Inbegriff von unverdorbenen, reinen Lebensart der Landbevölkerung. (entnommen Wikipedia)

Quasi kann man hier von einem Versuch sprechen, mittels Kleidung seine Lebenseinstellung, Charakter in aller Öffentlichkeit kundzutun. Damit ein jeder weiß, daß ich nicht zu den, ja, was denn nun?

Mit kostbaren Stoffen und aufwendigen Nähkünsten sich in der Gesellschaft zeigen und behaupten, unbescholten zu sein, frei von Ansprüchen jeglicher Art, sich dadurch mit der schwer arbeitenden Bevölkerung auf eine Ebene stellen?

Trachtet hier eine Gesellschaft nach Ansehen, der sie nicht gerecht werden kann, weil sie nicht nur nach Äußerlichkeiten den Nächsten bemißt, sondern des weiteren sich mit Federn der Unschuld schmückt, indem sie die Bekleidung nach jungen Mädchen benennt?

Die Sexualisierung junger Frauen, die stattgefunden hat, indem man aus dem Wort „dierne“, althochdeutsch „thiorna“, Mädchen, Magd, Jungfrau, die Bezeichnung Dirne für Hure abgeleitet hat, verdeutlicht die moralische Scheinheiligkeit allzu gut. Bis heute wird diese „gepflegt“ und wieder gefördert, erschreckenderweise sogar auch von Personen, denen man zugetraut hat, immun gegen diese Art Heuchelei zu sein.

Photos in Lederhosen, Wams, Dirndl, Schürze pflastern sämtliche Zeitschriften, Onlinemedien zu. Aber wehe, Frau zeigt sich beim Stillen in der Öffentlichkeit, gibt es einen Aufschrei, die Sitte ist in Gefahr. Vielleicht wird es Zeit, diese Art der Natürlichkeit als Tracht zu deklarieren. Ach, ich vergaß, stillende Frauen sind ja keine Jungfrauen mehr, aus Dirndl wurde Dirne.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gewaltzunahme in der Gesellschaft

https://pixabay.com/photos/monster-violence-vent-cg-csp-ps-2247733/

pixaby.com

Überall Zerfall und Zerstörungswut

Manchmal könnte ein Versehen ohne weiteres als pure Absicht interpretiert werden, wenn da nicht noch ein Restfunken an Hoffnung mitschwingen würde, in dem Gegenüber das Gute zu sehen. Jedoch im nächsten Moment folgt eindeutige Gewalt, die alles zunichte macht, jedwede positive Wende ins Abseits befördert. Es gilt, sein eigenes Leben zu schützen, bevor die Eskalation dieser aggressiven Welle in einen finalen Triumpf sich entlädt.

Kommt Ihnen das bekannt vor, zumindest falls nicht selbst erlebt, schon mal aus der Entfernung gesehen oder in Dokumentationen? Was veranlaßt Menschen, derart unkontrolliert auszurasten, um die ganze angestaute Wut beim Schwächeren heftigst auszulassen? Eine Gesellschaft muß sich deutlich hinterfragen, ob sie solche Zustände weiterhin dulden möchte und vor allem welche Ursachen ein Klima der Gewaltspirale fördern.

Endzeitstimmung allerorten

Denken wir zurück an Zeiten, wo der Unterlegene in eindeutiger Geste kapitulierte, der Sieger dann von ihm abließ. Heute schaut dies gänzlich anders aus, was besonders in bekannten Video-Aufnahmen derart brutaler Gewaltszenarien zu sehen ist, wenn noch auf die Opfer eingetreten wird, ob gen Rippen, Rücken oder gar Kopf, selbst bleibende Schäden bis hin zur Todesfolge in Kauf genommen werden. Da stockt dem mitfühlsamen Menschen der Atem angesichts solch brutaler Gewaltentladungen, man sich auch wundert, daß Zeugen nicht eingreifen oder wenigstens Hilfe herbeiholen!

Wo bleibt die Zivilcourage Kunstschaffender? Kann es an maßlosem Konsumrausch liegen, an einer Endzeitstimmung allerorten, besonders wenn kaum bis gar keine Perspektiven mehr vorhanden, weil nur noch ein Klima vorherrscht, wo Siegertypen sich durchsetzen, während der Verlierer sich gefälligst wegzuducken hat, man ihm gar unmißverständlich zu verstehen gibt, daß er gar keine Rechte geltend machen darf?

Zum Teufel mit Ethik und Moral – ein Indiz des Werteverfalls

Die Zeichen des Werteverfalls offenbaren sich im Alltag, in den Beziehungen, Familien, Schulen oder am Arbeitsplatz. Meist bestimmend setzt sich der Stärkere durch, diktiert den weiteren Verlauf. Auf der Strecke bleiben Verlierer, die Unterlegenen und somit ebenso all jene, die Mitgefühl und Nächstenliebe praktizieren. Zerstörung obsiegt, aber Aufbau und Entwicklung sich ausbremsen läßt, weil Gewalt dominiert?

Wie im Kleinen, so im Großen. Dürfen wir uns daher wundern, wenn gesellschaftlich ungelöste Gewalteskalationen den Alltag längst bestimmen, sie erst recht auf globaler Ebene stattfinden in kriegerischen Auseinandersetzungen trotz UN-Charta der Menschenrechte, Ethik, Moral, Religion und dem ureigenen Bedürfnis zur Nächstenliebe?

Wir sollten uns viel eher fragen, was da verkehrt lief, gerade in den letzten Jahrzehnten, wo wir doch auf gutem Wege waren, endlich den Humanismus zu verstehen. Wird dieser in etwa geopfert zugunsten des nackten Überlebens, weil selbst gewisse Staaten das Ziel verfolgen, eine weltweite Dominanz auszuüben?

„Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen.“ (Isaac Asimov)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Nicht umhin

https://pixabay.com/illustrations/swirl-twirl-vortex-motion-design-637866/

pixabay.com

Ich kann mich nicht umhin –
drehen,
wohin ich soll gestellt –
freihändig,
kann ich besser verstehen –
vorhin, im Nachhinein,
das jetzt in mir drin.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar