Pragmatismus bei Markus Lanz

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David Hasselhoffs Wutrede durchaus berechtigt

Zunächst als Vertretung für Johannes B. Kerners Sendung angedacht, begann die Talkshow Markus Lanz im ZDF sich in den Sommerpausen 2008 und 2009 zu etablieren, um danach als fester Sendeplatz dienstags und donnerstags die Zuschauer zu unterhalten. Man muß den deutsch-italienischen Moderator nicht mögen, manche bescheinigen ihm eine gewisse Arroganz, auch sein Ins-Wort-fallen nervt des öfteren.

Doch bei dessen letzter Sendung am Donnerstagabend mischte, als zwei Gäste stritten, die Umweltaktivistin Luisa Neubauer und der FDP-Chef Christian Lindner, sich plötzlich David Hasselhoff in einer minutenlangen Wutrede außerplanmäßig ein. Der Vorteil von Live-Sendungen, auch wenn sie zuvor aufgezeichnet werden, da kann auch mal das verabredete Konzept kurzfristig außer acht gelassen werden. Gut so.

Simples Herauswinden entlarvt Politik als unglaubwürdig

Im konkreten Fall beim Schlagabtausch zwischen der jungen Luisa Neubauer und dem Politik-Profi Christian Lindner, der zwar rhetorisch brillant zu kontern vermag, aber mit stichhaltigen Argumenten keineswegs punkten kann.

Da braucht’s wohl einen David Hasselhoff, der es deutlich auf den Punkt bringt, ziemlich offensichtlich zugleich noch anhand jenes Donald Trump, der Politik Unfähigkeit par excellence bescheinigt. Twittergewitter haben halt auf politischem Parkett so gar nichts verloren. Punkt. Natürlich applaudierte das interessierte Publikum im Studio. Schön, wenn berühmte Filmschauspieler keine Scheu haben, schulschwänzenden Protest vor laufenden Kameras zu unterstützen. Die Bedeutung von Klimastreiks nimmt weiterhin real zu.

Parlamentarischer Zirkus vs. realer Probleme

Die genau dadurch in den Hintergrund geraten. Besonders dramatisch, wenn manche Medien auch noch die Absage an Mariana Harder-Kühnel dafür nutzen, um den Umgang mit jener AfD zu rügen. Wie bitte? Seit wann verhandelt man mit Rechtsradikalen oder lobhudelt diese gar, es würde sich um eine Protestpartei handeln? Davon kann gar keine Rede sein, Herr Harms!

Die verantwortliche Bundesregierung darf und sollte sich dennoch nicht wegducken, hat ohnehin ihre Hausaufgaben mitnichten gemacht, wenn bereits Schüler streiken müssen, um sich Gehör zu verschaffen. Mit der Unterzeichnung zum Pariser Abkommen allein ist es noch längst nicht getan, es müssen Taten folgen, keine halbherzigen Zugeständnisse zum Braunkohleausstieg oder hier und da Dieselfahrverbote.

Lotar Martin Kamm

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Betränkte Erden

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Zurückgelassen
unter Steinen
moosbewachsen

Bezwungen
den Kummer
schmerzbelassen

Hinterlassen
am geschützten Ort
wegweisend

Betränkte
Erden
gelassen

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Nato angekommen im 8. Jahrzehnt seit ihrer Gründung

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Ein Verteidigungsbündnis zu Diensten der USA

Zweimal zog das Hauptquartier der Nato um, zunächst von London nach Paris, im Anschluß nach Brüssel, wo seither der Nordatlantikrat sowie der International Staff und International Military Staff sich organisieren und entsprechend handeln. Seit dem 01. Oktober 2014 leitet der ehemalige norwegische sozialdemokratische Politiker und Ministerpräsident Jens Stoltenberg als 13. Nato-Generalsekretär das Verteidigungsbündnis, dem zurzeit 29 Mitgliedstaaten angehören.

Mit der Nato-Osterweiterung, die 1997 begann, hat die Nato eindeutig ihren Kurs als Verteidigungsbündnis endgültig zu Grabe getragen, genügend warnende Stimmen, darunter gleichwohl Abrüstungs- und Militärexperten, Botschafter sowie natürlich die gesamte Friedensbewegung, hatten dies heftig kritisiert. Schon damals zeichnete sich ein Zurück zum Kalten Krieg ab, der zunächst mit dem Fall der Mauer und dem Ende des Warschauer Pakts verebbte.

Der 04. April alles andere als feierlich – Trump und Pence poltern drauflos

Was nutzen schon runde Daten wie der 70. Jahrestag zur Natogründung am diesjährigen 04. April, wenn in seiner Rede vor dem US-Kongress der Nato-Chef vor Russland warnt, obwohl klar ersichtlich das Westbündnis der effektivere Aggressor ist?

Wer so simpel einerseits behauptet, Russland verletze den INF-Vertrag, die Annektierung der Krim als „Aushängeschild“ für eigene Entscheidungen benutzt, – man beachte, daß beim Maidan-Putsch die USA in Zusammenarbeit mit der EU nicht unbeteiligt waren -, um dann selbst Aufrüstung zu rechtfertigen, der muß sich den Vorwurf gefallen lassen, einen neuen kalten Krieg zu provozieren. Erst recht im Kontext zur Russlandphobie, wo sich die Frage stellt, zu wessen Gunsten Vor- und Nachteile wohl sein mögen.

Exakt in jene Fragestellungen poltert ein Donald Trump mit kräftiger Unterstützung seitens des US-Vize Mike Pence, der neulich beim Festakt zum Nato-Jahrestag zweieinhalb Minuten gegen Deutschland wütete. Die strategisch wichtigste und zugleich wirtschaftlich stabilste Nation im Herzen Europas müsse natürlich herhalten, insofern mit gutem Beispiel vorangehen, um eine Nato-Bündnistreue unter Beweis zu stellen, darf eben nicht unter 1,5 % des BIPs an Verteidungsausgaben gekleckert werden, die Forderung liegt bei minimum 2 Prozent.

Schluß mit Friedensabsichten – Kriege sind vorprogrammiert

Finden ohnehin statt, real und stellvertretend wie seit über acht Jahren in Syrien, weltweit an anderen Orten zum Leidwesen der Zivilbevölkerung, obwohl doch das Ziel mit der UN war, genau das zu verhindern nach jenem schrecklichen Zweiten Weltkrieg. Das hat vor allem die USA keineswegs beeindrucken können, die schließlich seit ihrer Gründung in über 200 Kriegen mitbeteiligt war.

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“ (Albert Schweitzer)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Etikettenschwindel

Modisch, weil melodisch,
denken sie, denken sie?
Manche nehmen Klebeetiketten,
das sind die vermeintlich Netten,
einige outen sich als die Harten,
trainieren gern mit Spaten
und allerlei Gerätschaften,
um ihr Publikum an sich zu haften,
außerdem gibt es noch
die aus einem versteckten Loch,
egal ob unterhalb, daneben,
Hauptsache versteckt eben,
sozusagen im Geheimen
Menschen an sich leimen.

Das ist modern. Tatsache.
So steckt man heute sie in die Tasche.
Wen, warum? Blöde Fragen!
Alle, die sich gern lassen tragen,
alle, deren Charakter eingeknickt,
oder besser ausgedrückt,
alle, die auch mal Opfer spielen wollen,
mal auf ´ner großen Bühne rumtollen,
mal Aufmerksamkeit erhaschen,
mal am großen Kuchen naschen,
die lassen sich in Taschen stecken,
um die Welt am Arsch zu lecken –
einmal reingefallen in den Sack,
durch die Straßen gezogen und zack –

wird gebrüllt, getrampelt, getobt,
wer am lautesten lärmt wird gelobt.
Sprachchöre durch die Städte ziehen,
Orden hagelt`s für die besten Melodien.
Modisch und melodisch soll es sein?
So macht man heute Menschen klein.
Denken sie. Denken sie?
Keine Satire. Kein Witz. Keine Ironie.
Haltbarkeit von Etiketten ist eine begrenzte,
übrig bleibt, was einst ölig glänzte
wie der Saubermänner ihr Wort,
schwarz-braune Flecken an jedem Ort.
Hören sie! Sehen sie! Handeln sie –
jetzt ist noch Zeit zu stoppen diese Maschinerie.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Einmal Lunge, Herz und Nieren, bitte

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Seine letzten Bilder wirkten durchaus entsetzlich nach, flackerten ständig auf, so als ob sie ihm mitteilen wollten, Mensch erinnere dich, vergiß niemals, was soeben geschehen. Dennoch überkam ihn ein grausig eiskaltes Gefühl, welches er zunächst sich keineswegs erklären konnte. Wieso berühren mich diese Hände mit den seltsamen Gummihandschuhen, was haben die da an der Stelle verloren?

Als die Rettungskräfte eintrafen, bot sich ihnen ein völlig chaotischer Unfall, überall weit verstreut Kinderschokoladeneier, sie mußten höllisch aufpassen, um nicht wegzurutschen. Der rote Nissan war kaum noch als Auto zu erkennen, so zerknautscht hatten extrem heftige Kräfte gewirkt beim Zuammenprall, hingegen der 5er BMW nur vorne bis zum Führerhaus zusammengedrückt erschien, die restliche Karosse hatte ein paar wenige Schrammen, ein Bein hing aus der geöffneten Fahrertür merkwürdig verdreht heraus.

Hilfe, was machen sie? Die können doch nicht einfach mein Hemd, mein T-Shirt aufschneiden?

„Markus, sieh mal nach in seiner Brieftasche, ob der einen Ausweis mit einer Widerspruchserklärung hat. Hey, Andrea, ruf mal durch, ob er aufgeführt ist im Widerspruchregister. Macht hinne, die Zeit läuft gegen uns, ihr wißt doch, jedes Organ gibt Extraboni!“

Wie bitte? Habt ihr sie noch alle? Hallo, ich lebe noch!

Einer der Notärzte bemerkte ein leichtes Zucken bei Manfred Häußler, erklärte aber im nächsten Moment der Praktikantin Andrea, das sei normal, ein Reflex, aller Wahrscheinlichkeit sei der bald hirntot.

Gelsenkirchener Stadtkrankenhaus, Anfrage an die Rettungskräfte des Unfallorts auf der A61, ob denn Organspenden generell in Frage kämen, eine Patientin hätte erste Priorität auf eine Lunge, die Zeit eile. Eine Antwort blieb zunächst aus, generelle Ratlosigkeit beherrschte die hellerleuchtete Szenerie. Dazwischen ein Pulk von lästigen Gaffern, wie immer. Das nimmt Überhand in letzter Zeit, schoss es Notarzt Dr. Grewetzky durch den Kopf, völlig entnervt bat er die Polizeikräfte, für mehr Abstand zu sorgen.

Komisch so ein Helikopterflug, die Enge spürte er überdeutlich, vor allem die Anwesenheit der Leute ringsherum, der Lärm sorgte für noch mehr Belastung, von Ruhe und Gelassenheit konnte kaum die Rede sein, obwohl sie ihm noch auf der Autobahn die „Leck-mich-am-Arsch-Spritze“ verpaßt hatten. Die Psyche folgte ganz anderen, eigenen Regeln, die eben niemand wirklich einzuschätzen vermochte.

Ab in die Intensiv mit Herrn Häußler, ist auf bestem Wege zum Jordan, da kann man nichts mehr machen. Nur noch eine Frage der Zeit, bis wir ihn ausschlachten dürfen, wetzt schon mal die Messer.

Ohje, ham die ne Macke? Wat is’n dat für ne fiese Art. Na, sach mal! Manfred Häußler war vollkommen aufgewühlt, konnte sich allerdings nicht rühren, in seinem Kopf herrschte eine Achterbahnfahrt ungeahnten Ausmaßes, er überlegte krampfhaft, wie er sich bloß bemerkbar machen könnte. Dabei hatte er doch vor einigen Wochen noch sowohl seiner Tochter als auch seinem Bruder schriftlich Bescheid gegeben, niemand dürfe ihm irgendwelche Organe entnehmen, das wolle er ausdrücklich nicht.

Ein Fax kam just an in der Zentrale, welches das System sofort weiterleitete in die Intensivstation des Gelsenkirchener Krankenhauses. „Kein Widerspruch im Register, Verwandte nicht erreichbar“ las die Nachtschwester und informierte den zuständigen Arzt. Details bleiben erspart, genau 12,5 Stunden nach dem tragischen Unfall wurden Markus Häußler das Herz, die Lunge und die Nieren entnommen, andere Organe kamen nicht mehr in Frage aus ganz unterschiedlichen Gründen, so auch wegen den Folgen des Unfalls.

Bernd Häußler schwieg einsam und ziemlich aufgewühlt am Grab seines Bruders, hatte in den letzten Wochen vergeblich versucht, die Klinik, die Rettungsstelle und die zuständigen anderen Behörden per Klage anzugehen. Sein Anwalt riet ihm ab, das sei vergebliche Mühe, zumal die geklauten Organe bei den neuen Patienten verbleiben würden, egal wie der Rechtsstreit ende. Eines konnte er sich dennoch nicht verkneifen, unter der Todesanzeige stand in fetten Großbuchstaben: Ob Spahn oder Lauterbach, Politik ist vom Fach, was beim Manfred man unerschrocken tat, folgt einem simplen Rat. Organe werden einfach entnommen, hinterher kann man niemand rechtlich beikommen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Laterne im Abendgrau

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Steht sie noch, die Laterne,
das Licht im Abendgrau?
Sie erkannte den Künstler von Ferne,
er war der, der ihrem Schatten vertraut.
Ihren kleinen diffusen Lichtkegel
bestaunte er mit verträumter Intensität.
Ein Werk meisterlicher Größe,
sann er, das seinen Schöpfer ehrt.

Das Bildnis erhellt die Sinne,
birgt Klarheit, versteckt nichts.
Erleuchtung des Gestalters Wille,
zu unterscheiden ein U vor dem X.
Er stand oft neben ihr im Schatten,
geborgen vor der unkenntlichen Nacht.
Steht sie noch, die Laterne im Abendgrau,
des Künstlers Licht, das Vertrauen bewacht?

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Union liebäugelt mit AfD-Kandidatin Mariana Harder-Kühnel

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Kungelei kennt keine Grenzen

Gestern lehnte die Bundeskanzlerin jegliche Zusammenarbeit mit der AfD entschieden ab, inzwischen hat sie längst ihren Rückzug geregelt, AKK soll es wohl machen, die wir eigentlich besser nicht brauchen, doch bereits morgen, das können Sie gern wörtlich nehmen, will Brinkhaus die AfD-Kandidatin fürs Vizepräsidentenamt wählen.

Eine C-Partei sieht das nicht so eng mit der Ethik, Moral oder gar einem Gewissen, die neoliberale FDP hinkt gern deren Spuren hinterher, Hauptsache man positioniert sich schon mal im Voraus, schließlich kann eine 25 bis 30 Prozent-Partei für die offizielle Bundestagswahl 2021, vielleicht gar schon viel früher, entsprechende Vorteile bieten bei möglichen Koalitionsgesprächen.

Wie der „Königsweg der Enthaltung“ zum Stolperstein sich erweist

Man muß geradzu jenem Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus Kungelei vorwerfen, egal wen er von jener rechtsradikalen AfD zum Amt des Vizepräsidenten wählt, und sei es eine Mariana Harder-Kühnel, die bekanntlich harte Positionen ihrer Partei ebenso vehement vertritt.

Welch Stolperstein innerhalb der noch bestehenden großen Koalition, weil die SPD wenigstens eine ausgrenzende, spaltende und hetzende AfD ablehnt. Im Oktober 2017 bemerkte Querdenkende ahnungsvoll, man solle Rechtsradikalen keine Bühne geben, Politik besser alternativlos sein. Viel zu wenig bis gar nichts ist davon übriggeblieben, wenn konservative Politiker einknicken!

Bundestagswahlprognosen bestätigen Vertrauensverluste

46% die Gesamtsumme der großen Koalition laut INSA vom 01. April. Die SPD ist weit entfernt von den 20%, den Grünen gibt man 1% mehr mit 17,5%, während ausgerechnet eine FDP gar mit 1,5% mehr an Stimmen Die Linke hinter sich läßt, der man gerade mal 8,5% gewährt. In Lauerposition die fürstlich gesponserte AfD mit 13,5%. Welch Trauerspiel. Im Grunde hat sich seit der letzten Bundestagswahl kaum etwas geändert, mit einer Ausnahme: Die Grünen haben nahezu ihren Stimmenanteil verdoppeln können.

Insgesamt muß man der Politik Vertrauensverluste bescheinigen, wenn weiterhin jene rechtsradikale Partei frohlocken darf, Teile der konservativen Parteien sich wegducken. Der kurze Aufrieb der Grünen kann sich schnell als „Nebelkerze“ erweisen, falls die in Regierungsverantwortung sind, wer sich noch an Rot-Grün mit Herrn Schröder erinnert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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