Der Bechtelsheimer ihr Kind

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Die letzten Stufen zu ihrem kleinen Zimmer,
hoch oben unter dem Dach, die liebte sie.
Die Treppe formte sich zur Wendeltreppe,
eng die Stufen, gebogen wie eine Schnecke.
Und dann die Tür, die nach außen aufging,
Klinke drücken, drei Stufen zurück nach unten,
dabei die Tür festhalten und zur Seite drücken.

Blind, zielsicher tastete sie nach dem Lichtschalter,
im Wendeltreppenhaus gab es schon lange kein Licht,
niemand konnte sie überzeugen, wie gefährlich das ist.
Sie liebte das Dunkel auf ihrer Schneckenwendeltreppe.
Die große Villa geerbt, als Kind hier aufgewachsen,
die Mutter Köchin, Mädchen für alles, sie auch.
Der Bechtelsheimer ihr Kind, so nannte man sie im Dorf.

Niemand nannte ihr den Vater, selbst die Mutter nicht,
Grabeskälte verrät keine Geheimnisse, bewahrt den Stolz.
Sei froh, daß es dich gibt, sei zufrieden und fromm,
damit der Herrgott dich ohne Erbarmen lieben kann.
Zufrieden ist der Bechtelsheimer ihr Kind jeden Tag,
morgens, abends, in dem Zimmer unter dem Dach.
Die Treppe knarrt, Kindheitsmusik, rein, nicht verlogen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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JEFTA tritt voraussichtlich am 01. Februar 2019 in Kraft

Fleisch durch Massentierhaltung aus Europa und Lebensmittel aus Fukushima

Alles prima, wen interessiert schon das Klima, Umwelt- oder Tierschutz, Hauptsache business as usual, so auch per JEFTA, dem Japan-EU Free Trade Agreement, welches gestern vom Europäischen Parlament ratifiziert wurde, vier Tage zuvor von Japan, voraussichtlich am 01. Februar im nächsten Jahr in Kraft tritt.

Ein höchst fragwürdiges Freihandelsabkommen, vor gut einem Jahr konnte man während des G20-Gipfels in Hamburg feststellen, daß es in trockenen Tüchern sei, allerdings noch Hoffnung bestand, per Proteste und Appelle es zu verhindern, was offensichtlich nicht fruchtete.

Verbraucherschutz gefährdet, Standortkonkurrenz belastet Beschäftigte

Einem schier unglaublichen Run auf Wachstum hat sich nahzu alles unterzuordnen, so daß man sich keineswegs wundern braucht, wenn sich Wirtschaftspolitik genau danach richtet. Mit JEFTA gilt weder Verbraucherschutz, Klima- und Umweltschutz noch irgendwelche seit Jahrzehnten mühsam erstrittene Arbeitnehmerrechte.

Als Handelshemmnis werden gleich zu Beginn Tariflöhne betrachet, insofern haben Arbeitnehmer betroffener Firmen sich unterzuordnen. Illegaler Holzhandel mittels rumänischer Bäume gen Japan verschifft, wird eben nicht geahndet, Nackensteaks auf japanischen Eßtellern bedingen eine unverantwortliche Massentierhaltung zu Ungunsten der Umwelt, Gülle belastet Grund- und Trinkwasser, Bäume werden geschädigt, der Problematik von Antibiotikaresistenzen wird erst recht Vorschub geleistet. Sechs Jahre nach dem Fukushima-Atomunglück wurden extra für JEFTA die eingeführten Beschränkungen japanischer Lebensmittel gelockert. Verstrahlte Kost interessiert nicht, Hauptsache die Geschäfte laufen.

Mitspracherecht wurde generell ausgeklammert

Mit anderen Wortes, JEFTA ist im Gegensatz zu CETA geheim verhandelt worden, EU-Bürger erhielten von Beginn an keinerlei Mitspracherecht. Somit entfällt auch die Ratifizierung durch die EU-Staaten, das EU-Parlament hat entschieden, basta!

Japan beharrrte während der JEFTA-Verhandlungen auf das hoch umstrittene ISDS (Investor-state dispute settlement), die Investor-Staat-Streitbeilegung, von eigentlichen Verbesserungen kann somit keine Rede sein, die Kernkritikpunkte beim ISDS bleiben trotz des „refomierten“ Systems erhalten. Sogenannte Investitionsgerichte stehen daher weiterhin im Fokus der Kritik, der eigentliche Investitionsschutz greift mitnichten, zumal dieser im Vertragstext nicht mehr erscheint.

Schön, wenn Zölle sinken, weniger toll, daß dieses JEFTA keine neuen Arbeitsplätze bedeutet, die Umwelt erheblich belastet wird, Klima- und Tierschutz unbeachtet bleiben. Die EU und Japan mögen es als Erfolg verbuchen, obwohl in Wirklichkeit Kritikpunkte deutlich überwiegen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Kontur im Nebel

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Jeden Nachmittag,
sie saß am See
auf einer Bank.
Längst nicht mehr
unbekannt.

Den Horizont
hatte sie im Blick,
Konstanz, Meersburg.
Manchmal die Fähre
winzig klein in Sicht.

Damals war sie aufgelöst
in all dem Bekannten,
flüchtig wahrgenommen.
Heute beachte ich sie
im Erinnerungsnebel des Alters.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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UN-Migrationspakt zum Jahrestag der AEMR verabschiedet

Erneut werden vielfach Bots eingesetzt

Allen Unkenrufen zum Trotz wurde vorgestern der UN-Migrationspakt in Marrakesch angenommen, ein ermutigendes Zeichen gegen die Angstmacher, wie die Zeit treffend tituliert. An jenem denkwürdigen Montag wurde zugleich genau siebzig zuvor in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, kurz AEMR, verabschiedet. Welch gelungene historische Parallele, weil sie nämlich deutlich aufzeigt, daß die Staatengemeinschaft sich nicht beirren läßt in ihrem Willen, sich für Menschenrechte einzusetzen.

Solch hehre Ziele werfen natürlich viele Fragen sowie Skepsis auf, zumal die Weltpolitik ohnehin auf dem Prüfstand steht, was dennoch kein Hinderungsgrund bedeuten darf, lösungsorientiert sich einzusetzen. Ganz besonders fragwürdig und keinesfalls zufällig, daß in Onlinedebatten Meinungsroboter gegen den Migrationspakt twitterten. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor, wenn man an den US-Wahlkampf denkt, an das Verhalten der Neuen Rechten, wo immer sich Gelegenheiten bieten?

Social Bots – wir sind längst mitten in einem häßlichen Cyberkrieg

Der uns noch eine ganze Weile beschäftigen wird, obendrein muß Mensch sich die Frage stellen, ob es Rechtens sein darf, wenn PC-Programme Meinungen diktieren, die in Wirklichkeit jede Propaganda-Maschinerie eines ehemaligen Nazi-Regimes um Ellen übertreffen? Wollten wir nach diesem Zweiten Weltkrieg nicht alles unternehmen, um derartige Entwicklungen hin zum Nationalismus und Faschismus zu verhindern?

Wer solchen Social Bots freien Lauf läßt, erst recht mittels gezielter Propaganda, ob von den USA oder Russland, darf sich nicht wundern, wenn Fake News die freien Medien verdrängen, in den verunsicherten Köpfen manch fanatische Vorbilder Fuß fassen, ihr übles Machwerk einsetzen. Als klare Demokratiefeindlichkeit sollte man solche Social Bots bezeichnen, sie zu entlarven, kann nur das erklärte Ziel sein, bevor ein derartiger Cyberkrieg überhandnimmt. Erinnert sei in diesem Kontext an den weiterhin ominösen US-Wahlkampf, der schließlich Trumps Sieg bedeutete.

Multilateralismus nicht mehr wegzudenken

Erst recht in Zeiten, wo ständig neue Konflikte oder Kriege entstehen, daraus folgernd ebenso Flüchtlingsströme. Mitnichten jene, die Rechtsextreme gern anführen, unser Land würde von mehreren Millionen invasionsgleich überrannt werden. Das ist undurchdachter Mumpitz!

Dieser verbindliche Migrationspakt hinterläßt noch genügend Raum für Ungeklärtes, bedeutet aber auch, daß wenigstens 164 der 192 UN-Mitgliedsstaaten eine Bereitschaft zeigen, die unterschiedlichen Migrationsprobleme ernsthaft lösen zu wollen. Ob dies überall auch gelingt, bleibt mal dahingestellt, zumal allen voran die USA ihm nicht zustimmte. Welch fatales Signal, was ganz typisch ist für jenen Donald Trump.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Tina

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Die Tina
ist nie da,
wenn man sie braucht,
da sie ständig raucht.

Auf der Veranda
steht ein kleines Sofa,
alt, sehr verbraucht,
da sitzt sie und schmaucht.

Der neue Nachbar
findet Tina wunderbar.
Nichtraucher ist er,
das stört Tina nicht sehr.

Jetzt sind sie ein Paar,
treiben es auf dem Sofa gar.
Beide atmen schwer,
kein Wunder bei dem Verkehr.

Rauchen tut die Tina,
er vertieft im Kamasutra,
gemeinsam wird gekeucht,
was jedermann verscheucht.

Zwei Liebende, sonderbar,
nehmen nur sich selber wahr.
Sie, um etwas zu bitten, schlaucht,
qualmende Liebe jeden anfaucht.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Weihnachten im Tal der Elfen

 

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Sein Blick schweifte über das ruhig daliegende, weite Tal, während am fernen Horizont die Sonne mit ihren letzten wärmenden Strahlen güldenes Licht spendete, bevor Kälte und Dunkelheit hereinbrach. Frikuloor lehnte lässig an einer Fichtenwurzel, die Arme verschränkt und dachte nach. Dieses Jahr schien es wesentlich wärmer zu sein, weit und breit lag kein Schnee, und auch der Frost mochte sich nicht wirklich blicken lassen. Wie sollte da am ersten Weihnachtstag auch nur annähernd diese bestimmte Stimmung aufkommen, das Leuchten der Kinderaugen, wenn sie fröhlich tollend mit dem Schlitten unterwegs die Stille des Waldes für kurze Zeit unterbrachen. Wenn sie jede kleine Anhöhe benutzten, um kreischend hinabzufahren auf den Holz- und Plastikgefährten. Nein, heute war es hingegen ganz ruhig im Mischwald. Überall lagen noch die welken Blätter des Herbstes, der sich auch sehr mild gezeigt hatte.

Wenn die Kinder wüßten, welches Geheimnis sich in diesem weiten Tal, unterhalb der Bäume und kleinen Grasoasen verbarg, dann wären sie vielleicht angenehm überrascht, zumindest die meisten von ihnen. Doch die Elfen durften keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen, das war völlig ausgeschlossen und stand daher auch nicht zur Diskussion. Und doch konnte manchesmal selbst der erfahrene, schon etwas ältere Frikuloor nicht umhin, sie heimlich zu beobachten, ihre Nähe aufzusuchen, was nicht ganz ungefährlich war, auch wenn seine Tarnung äußerst perfekt ihn schützte. Ähnlich wie ein Chamäleon paßte er sich farblich der jeweiligen Umgebung an, und jetzt war sie halt herbstfarben statt dem üblichen Weiß an diesem Weihnachtstag am stillen Abend.

War da nicht ein leises Rascheln in seiner unmittelbaren Nähe? Frikuloor drehte sich ganz vorsichtig um, verlagerte sein Körpergewicht vom linken auf den rechten Fuß, um plötzlich wegzurutschen, verlor seinen Halt und purzelte den staubigen Hang hinab. Dabei entfuhr ihm ein kurzer, aber lauter Schrei.

„Ach, wen haben wir denn hier? Aus welchem Märchenbuch bist du denn entwichen?“, fragte lachend ein zierliches Mädchen und wollte ihm schon aufhelfen, doch Frikuloor war sehr schnell wieder auf den Beinen und konnte gerade noch entweichen.

„Bloß nicht anfassen, das bringt Unglück! Woher kommst du auf einmal, ich habe dich viel zu spät gehört, und vor allem, wieso bist du allein, ihr seid hier immer in Gruppen unterwegs, ich verstehe das jetzt nicht?“, erwiderte er fast schon in einem Jammerton und klopfte die Erde von seinen Klamotten. Erneut lachte das Mädchen hell auf und tanzte fröhlich um ihn herum.

„Wie heißt du denn, du lustiges, kleines Wesen? Bist du ein Zwerg, ein Gnom oder ein Troll?“, wollte sie von ihm wissen, und bevor er antworten konnte fuhr sie fort, „ich heiße Valerie und habe mich ein wenig verlaufen.“

„Normalerweise darfst du gar nicht wissen, daß es mich gibt. Aber nun ist es halt geschehen. Ich heiße Frikuloor, und hier bist du in Wirklichkeit im Tal der Elfen. Das mußt du aber unbedingt für dich behalten. Versprich es mir hoch und heilig“, bat er fast schon weinerlich, worauf sie schallend lachen mußte. Sie umarmte ihn völlig überraschend, und diesmal ließ er es zu.

„Keine Sorge, das bleibt gewiß bei mir. Meine Freunde würden mir ohnehin nicht glauben, wenn ich ihnen erzähle, einem Elfenmann begegnet zu sein. Zeige mir doch einfach den Weg zurück, so langsam befürchte ich, sie werden mich suchen, viel zu lange schon bin ich jetzt unterwegs, wie gesagt, ich habe mich ja verlaufen.“

Wortlos nahm Frikuloor sie an die Hand und schritt beherzt voran. In diesem Wald und Tal kannte er doch jeden Stein, jeden Halm. Natürlich hatten die anderen Elfen längst bemerkt, daß da ein Menschenkind in ihrem Reiche sich verirrt hatte, jedoch hielten sie sich geschickt zurück, es sollte vollkommen ausreichen, wenn Valerie einen von ihnen zu Gesicht bekommen hatte. Nach einer Weile erreichten sie eine Anhöhe, von der aus man gleich in zwei Täler blicken konnte. Hinter ihnen lag das ihm vertraute, vor ihnen ganz weit am Horizont konnte man gerade noch einen feinen Lichtschein erkennen.

„Schau mal, dort, ganz weit da hinten muß eine Straße sein. Gehe einfach drauf zu. Weiter kann und darf ich nicht gehen, weil wir unser Tal niemals verlassen“, erläuterte er ihr fast schon flüsternd. Die Elfen wußten nur zu genau, daß bereits viele Tiere ihren wohlverdienten Schlaf begonnen hatten.

„Vielen lieben Dank, lieber Frikuloor, du hast mir sehr geholfen, ohne dich hätte ich das wahrscheinlich zumindest heute Nacht nicht geschafft“, bedankte sie sich ganz herzlich und umarmte ihn noch einmal. Danach trennten sich ihre Wege.

Ganz vorsichtig entfernte Valerie sich und war im Dunkel der Nacht nicht mehr zu sehen. Noch lange horchte Frikuloor, um sicher zu gehen, daß sie die Richtung nicht verfehlte. Doch nach einer Weile wußte er, daß sie ihr Ziel erreichen würde und kehrte zurück ins Tal der Elfen. Würde sie auch Wort halten und den Menschen nichts erzählen? Ach, einerlei, dachte er, selbst wenn, sie hatte ja keinen einzigen Beweis, außer ihn gesehen zu haben. Und auch klang sie sehr glaubwürdig, das sagte ihm sein Instinkt, auf den er sich stets verlassen konnte. Inzwischen waren dunkle Wolken aufgezogen, und es begann zu regnen. Nein, auch jetzt sollte keine Spur von Winter sich zeigen, Regen am ersten Weihnachtstag, besser in der Nacht zum zweiten. Aber selbst Elfen haben keinen Einfluß auf das Wetter. Und so erreichte Frikuloor ein wenig durchnäßt sein zuhause, unterhalb der mächtigen Fichte und freute sich auf einen warmen Tee.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Kein Malheur

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Wasser tropft.
Wasser trommelt.
Wasser rinnt.
Keine Katastrophe,
das kriegen
wir dicht.

Wasser fließt.
Wasser rauscht.
Wasser sprudelt.
Kein Drama,
Klempner
gleich hier.

Haus raschelt.
Haus knarrt.
Haus knirscht.
Kein Problem,
meine Gummistiefel
sind dicht.

Haus rumort.
Haus bricht.
Haus fällt.
Keine Panik,
Klempner selten
vor der Tür.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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