Geht dir auch manchmal ein Licht auf?

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Hell erleuchtet deine Erkenntnis,
dein Einfall,
ohne flackernde Zweifel,
klar, erfrischend
wie die erste sprudelnde Wasserquelle
im Paradies,
pures reines Wissen
mit jungfräulichem Nichts.

Da, schon wird es dir vergönnt,
diese stille Weisheit,
jungfräulich,
und schon züngelt
ein Windhauch
an der strahlenden Flamme,
wirft Schatten,
die unruhig
ein Schauspiel
an Gedanken
entwerfen.

Jungfrau,
die Reine,
Wertgeschmeide,
Charakterfeine,
deren Nacktheit
keine Blöße ist,
unbefleckt,
unberührt,
unwissend,
ohne Licht,
ohne Schatten,
kein Glitzern,
kein Nichts.

Ohne Jungfräulichkeit
bist du nichts,
junge Frau,
nicht mal ein Nichts.
Frau, nichts.
Geht dir manchmal
ein Licht auf?
Puste es aus.
Wissen gibt es
nur zum Schein
im Singular,
Erkenntnis
benötigt den Einfall
von Lichtermeer,
am besten im Plural.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Kandidat Merz: Talkshow-Geplapper offenbart manches

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Bessi-Wessi bei Anne Will hat wohl gute Chancen

Manche Menschen können Argumente auffahren wie sie wollen, die ganze Körpersprache und Mimik sprechen Bände über das Wesen solcher Figuren. Friedrich Merz kann sich ebenso nicht davonschleichen, dessen Zeichen vermögen eindeutiger kaum sein. Und doch erreicht er Sympathiewerte jenseits von gut und böse, AKK und Jens Spahn dürften schon jetzt als chancenlos gelten.

Die CDU hat keine anderen Kandidaten auf dem Schirm als jene drei, die zunächst das Amt des/der CDU-Vorsitzenden anstreben, naheliegend die weitere Vorgehensweise, baldigst Frau Merkel abzulösen, um den Sessel der Kanzlerschaft sich zu genehmigen. Welch Farce einer einstmaligen Volkspartei, gerade mal 25 Prozent in Umfrageprognosen deuten genau daraufhin, daß Parteien immer weniger Vertrauen erhalten.

AfD-Phrasen sind schnell nachgeplappert – Gabriel in Erklärungsnot

Vor allem scheint es schick zu sein, um auf diese Weise Wählerstimmen ergattern zu wollen am ganz rechten Rand, nichts anderes verbirgt sich hinter den Äußerungen eines Friedrich Merz in der jüngsten Talkshow bei Anne Will, wo er sich kurzerhand auf AfD-Niveau begab. Dabei weiß auch jemand aus der „oberen Mittelschicht“ wie Herr Merz nur zu gut, daß die Grenzen stets offen waren und eben nicht extra für Flüchtlinge seitens Frau Merkel geöffnet wurden. Aber rechtspopulistische Phrasen wirken simpelst markant, was für ein Armutszeugnis, solch einer will Kanzler werden!

So manch hellseherische Fähigkeiten kursieren gern mal am Politikhimmel, auch seitens Sigmar Gabriel, der kürzlich meinte, Angela Merkel könne nach der Europawahl im Mai nächsten Jahres das Amt der Regierungschefin abgeben. Herr Merz stünde längst bereit. Dabei betont er, die SPD würde dabei wohl nicht mitmachen. Ein schlechter Treppenwitz, oder? Was soll denn eine SPD mit gerade mal 15% ausrichten bei nächster Bundestagswahl, außer mit jener AfD in der Opposition sitzen zu müssen, die in etwa gleich stark besetzt sein wird im Plenum? Die Union kann nur noch mit den Grünen regieren, eine FDP erreicht keine mehrheitsfähige Wählerschaft zum Mitregieren, vielleicht gelingt doch noch eine Jamaika-Koalition, was eher bezweifelt werden darf.

Der Fall bleibt aus, Hochmut obsiegt

Das Fazit jener Redewendung, daß Hochmut vor dem Fall kommt. Mit Friedrich Merz an der Spitze der CDU, die CSU als möglicher Kanzler gleich mitgekauft, zieht personifizierte Arroganz in die Waschmaschine, insofern wird nicht im Geringsten gefallen oder gestolpert, das hat er schon lange Jahre sattelfest mit seinen Pöstchen in der freien Wirtschaft zugenüge geübt.

Die dunklen Wolken am Zenit mit dem Ende der Ära Merkel beschäftigen schon sehr bald die politische Wetterlage hierzulande. Anstatt endlich die Menschen zu entlasten, eine gänzlich andere Verteilung allen zu gönnen, verhöhnt das Großkapital uns weiterhin, ein Herr Merz wird es meisterhaft verstehen, viele zu seinen Gunsten zu blenden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Als Mutter Erde den Atem anhielt – Teil 2

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‚Ob die Batterie noch funktioniert?‘, überlegte Steven, entschied sich im gleichen Moment, es auszuprobieren, drückte auf „Power“ und drehte den Lautstärkeregler nach rechts. „There’s a giant doing cartwheels, a statue wearin‘ high heels.”, erklang da. ‚Wow, ein Song von Creedence Clearwater Revival, nur welcher?‘, grübelte der zwei Jahre ältere Bruder, fand die leere Cassettenhülle im Handschuhfach. Das mußte sich um den 1970 erschienenen Song „Lookin‘ Out My Back Door“ handeln, erkannte er zugleich mit kurzem Blick auf die Songliste. Sein Vater hatte jene Musik oftmals laut angehört, wenn ihre Mutter nachts gerarbeitet hatte. Amelie schwang rhythmisch ihre Hüften zur Musik.

Plötzlich vernahmen die Geschwister ein sehr laut näher kommendes Brummen, Steven warf sich erschrocken auf den Beifahrersitz, duckend nach unten, während seine Schwester unter den Kadett kroch, dabei ihr linker Jackenärmel bis zum Ellenbogen aufriß. Dann stürzte ganz hinten irgend etwas schweres aufs Schuppendach, kullerte lautstark herunter und schlug scheppernd auf einen Schrotthaufen. Gleichzeitig wurde das Tor aufgerissen, zwei Uniformierte stürmten hinein. Ein Lichtkegel von einer großen Stabtaschenlampfe durchbrach den Raum, die beiden entdeckten die Geschwister aber nicht.

Der größere der Uniformierten schrie seinem Kumpel zu, hier sei wohl nichts, besser sie würden wieder verschwinden, außerdem sollen gleich die nächsten Bomben fallen. Daraufhin verließen sie den Schuppen wieder, Amelie und Steven atmeteten zunächst erleichert auf.

„Setz dich zu mir, Amelie“, forderte sie ihr großer Bruder auf. Kaum geschehen, startete er den Motor, der Kadett sprang erstaunlicherweise sofort an. Ohne zu zögern, legte Steven den ersten Gang ein und gab Vollgas. Laut aufheulend, mit quitschenden Reifen durchbrach Sekunden später der orangefarbene Wagen das Tor des Schuppens, die Geschwister befanden sich mitten im Krieg, rechts und links fielen irgendwelche brennende Teile vom Himmel, Amelie schrie nur noch, ihr großer Bruder fuhr ziemlich geschickt über den Hof.

Ein Ticket in eine ungewisse Zukunft

Der gesamte Horizont schien in Flammen zu stehen, wie Tanja unschwer bemerkte, als sie einen kurzen Blick beim Kochen aus dem Küchenfenster warf. Erschrocken zuckte sie zusammen, weil just in diesem Moment ein Feuerschweif übers Haus zurauschte. Sie dachte noch panikartig an ihre beiden Kinder, wo sie denn so lange blieben, entschied sich aber, nicht weiter zu grübeln.

‚Nichts wie weg hier‘, dachte sie nur noch, schlüpfte in Windeseile in ihre Stiefel, schnappte sich ihre Jacke, die Handtasche und stürzte durchs Treppenhaus nach unten. Ganz nah krachte es ziemlich laut, der Schall drang durch sämtliche Mauern, das Glas der Scheibe im zweiten Flurfenster zerbarst, Splitter flogen ihr entgegen, doch Tanja lief einfach weiter.

Sie riß die Haustür und nicht die Hoftür auf, was sie selbst verwunderte, sah den kurz scharf bremsenden, organgefarbenen Kadett, Amelie sprang aus dem Wagen, klappte den Beifahrersitz nach vorne, schwang sich nach hinten auf die Rücksitzbank, damit Tanja vorne Platz nehmen konnte. Sofort beschleunigte Steven den Opel, der natürlich aufheulte, was dennoch im Lärm des Bombenhagels kaum störte.

„Ihr fragt euch sicherlich, wem der gehörte, oder? Ich nehme mal an, ihr wißt es schon. Euer Vater konnte sich nie von ihm trennen, sein alter Kumpel, der Thorsten, hat ihn all die Zeit in meinem Auftrag gewartet, wollte ich irgendwann einmal als Oldtimer verkaufen“, berichtete sie ihren Kindern, freute sich zugleich, daß Steven so zielsicher den Wagen lenken konnte.

„Bevor du mich mit Vorwürfen überschüttest, Mama, genau dieser Thorsten war es, der mich ab und zu mal mit seinem Auto fahren ließ, stets dabei war. Jetzt kommt es uns zugute“, bemerkte ihr Sohn grinsend um sich schauend. Amelie lächelte ihn kurz an und drückte erleichtert die linke Hand ihrer Mutter. Alle drei wußten nunmehr, daß ihr Leben einen gänzlich anderen Verlauf nehmen würde.

Jedwede Verbindung zu alten Freunden oder entfernten Verwandten verloren in jener Nacht an Bedeutung, es galt, irgendwie weg zu kommen vom Krieg, der sie eingeholt hatte. Wie gut, daß sie sich hier sehr genau auskannten. Binnen weniger Minuten verließen sie bereits die Stadt, im Rückspiegel konnte Steven das Aufflackern brennender Straßenzüge erkennen, vor ihnen lag die tiefe schwarze Nacht, ein Ticket in eine ungewisse Zukunft. Niemand konnte vorherbestimmen, was jene Kriegstreiber noch alles an Bösartigkeiten den Menschen antun wollten.

Lotar Martin Kamm

Als Mutter Erde den Atem anhielt – Teil 1

Erschienen im Buch Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Herbert Grönemeyers Musik verzaubert unsere Herzen

Ulrich Steins Dokumentarfilm bringt ihn uns ein Stück näher

Kaum eine Kunst vermag mehr uns erreichen wie Musik, sie dringt übers Hören direkt in die Tiefen unseres Seins, berührt, wühlt auf, stimmt nachdenklich. Kein Wunder, daß viele Musiker so erfolgreich genau davon profitieren, auch wenn etliche dennoch nicht von Erfolg gekrönt. Doch darum soll es hierbei nicht gehen, sondern um den in Bochum geborenen Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer, Komponist, Musiker, Musikproduzent, Sänger, Schauspieler und Texter.

Was zeichnet ihn aus, wie erreicht er seine Hörer, seine vielen Fans? In erster Linie mittels seiner direkten Art, seinen Texten in den Songs, die ein großes Stückweit sein eigenes Leben widerspiegeln. Gleichzeitig verhalf ihm die große Chance, im Bochumer Schauspielhaus als Sänger der Bo-Band mitwirken zu dürfen, lernte er die Welt des Theaters kennen, komponierte später als Korrepetitor, wurde nach dem Abitur dort musikalischer Leiter, arbeitete als Schauspieler mit Peter Zadek und der Choreografin Pina Bausch.

Naturtalente finden manchmal Möglichkeiten, sich zu entfalten, obwohl dazu ebenso eine Portion Glück im Spiel mitschwingt, so gänzlich ohne Schauspielschule aufzuwarten. Gönnen wir es dem jungen Künstler Herbert Grönemeyer, der es durchaus sinnvoll verwerten konnte, betrachtet man seinen weiteren Werdegang.

Am Freitag erschien im WDR der Dokumentarfilm „Deutschland deine Künstler – Herbert Grönemeyer“, der Autor, Regisseur und Produzent, Ulrich Stein, versteht es ziemlich gut, den Bochumer Künstler in Szene zu setzen, nimmt den Zuschauer an die Hand, unaufdringlich, läßt neben Herbert Grönemeyer auch andere zu Wort kommen, dessen Band, u.a. den niederländischen Photographen und Filmregisseur Anton Corbijn, die Theater- und Filmschauspielerin Nina Hoss.

Über 17 Millionen allein in Deutschland verkaufte Tonträger zeichnen ihn als kommerziell erfolgreichst zeitgenössischen Musiker hierzulande aus, und trotz all dieses Erfolges, er geht gern auf die Bühne, in die Öffentlichkeit, wie er im Film erwähnt, legt er dennoch großen Wert auf seine Privatsphäre, erst recht nach dem schicksalshaften Tod seines Bruders und seiner Frau, beide starben Anfang November vor zwanzig Jahren. Im Song „Morgen“, der seiner zweiten Frau gilt, betont er, wieder glücklich zu sein mit dieser Chance einer neuen Liebe.

Bono erwähnt im Film, Herbert stehe immer auf der Seite der Machtlosen. So mischt er sich natürlich auch politisch ein, ob vor elf Jahren zum 33. G8-Gipfel, vor der Dresdner Frauenkirche im Musikfestival „Offen und bunt – Dresden für alle!“ oder neulich am 13. Oktober bei der #unteilbar-Demonstration für Solidarität und gegen Ausgrenzung in Berlin.

Wie sagt er so treffend im Dokumentarfilm: „Die Welt ist in der Krise, weil sie nicht teilt.“ Dem kann ich mich nur anschließen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

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Als Mutter Erde den Atem anhielt – Teil 1

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Zu Beginn einer ahnungsvollen Kälte

Grauzonen überragten den noch jungen Tag, der nicht im geringsten vielversprechend ihnen entgegenblickte mit seinen dunklen Wolkenpaketen, die nahezu bedrohlich unheimlich vom fernen Horizont ziemlich rasch ihnen lautlos entgegenschwebten. Trotzdem wagten sie einen schnellen Spurt über den Hof, obwohl ihnen Mama dies eindringlich verboten hatte. Aber die stets forschende Neugier hatte die beiden dazu angetrieben, die strengen Worte von Tanja, ihrer Mutter, einfach zu mißachten, zumal Amelie und Steven alles andere als stille Jugendliche waren.

In den letzten Tagen rumorte es erneut im ganzen Land, eigentlich fast überall in Europa, nachdem schreckliche Kriege im Osten des Kontinents die jahrzehntelang verwöhnte westeuropäische Bevölkerung aus ihrem arglos konsumorientierten Dornröschenschlaf schlagartig geweckt hatte. Bis auf einige wenige, die rechtzeitig in wacher Vorahnung das Weite gesucht hatten, weltweit verstreut Schutz suchten und fanden. Jenen galt kaum noch Aufmerksamkeit, zumal vor einigen Monaten das gesamte Nachrichtennetz seitens hintersinniger Politik einfach gekappt wurde nebst der Möglichkeit, sich per Internet zu informieren. Andere Kommunikationsstrategien waren plötzlich gefragt und begehrenswerte Wunschträume innerhalb der alleingelassenen Bevölkerung, die da ausharrte, was noch geschehen vermochte.

Die Photographin hatte sich erst in der vergangenen Nacht gefragt gehabt, ob es das schon gewesen sein könne, als vierzigjährige Alleinerziehende mit zwei jugendlichen Kindern dem nahen Tod entgegenzublicken. Niemand in ihrer Nachbarschaft wußte genaues, Gerüchte verbreiteten eine schreckliche Gewißheit, daß wohl überall Gewalt toben mußte, zumal in ganz weiter Ferne ebenso das Grollen schwerer Waffengefechte zu vernehmen war. Darüberhinaus hatte vor zwei Wochen des nachts ein extrem grell aufleuchtender Blitz, der obendrein ewiglange Sekunden anhielt, alles erleuchtet, war durch sämtliche Ritzen und Nischen gedrungen, wobei gleichzeitig eine spürbare Wärme sich im selben Moment ausbreitete, ganz ähnlich wie dies Höhensonnen taten, erinnerte sich Tanja.

Und ihre Kinder? Die verstanden die Welt nicht mehr, zuvor spielte sich das Leben fast sorglos ab, obwohl manch warnende Stimmen in der Schule, im Freundes- und Bekanntenkreis ihrer Mutter von einem bevorstehenden Krieg sprachen, wollte niemand wahrhaben, daß er jemals eintreten würde. Verständlicherweise. Bedenkt man, daß ein himmelweiter Unterschied darin bestand, irgendwelches Leid auf den Mattscheiben von Monitoren zu betrachten, über Kriegsschauplätze, als wenn eine schreckliche Realität urplötzlich sie heimsuchte.

Die ersten schweren Regentropfen fielen vom Himmel, trafen sie eigentlich nicht unbedingt unerwartet, und doch erschraken beide etwas, konnten dennoch rechtzeitig den alten Schuppen erreichen. Laut quitschend ächzte der schwere Torflügel, den Steven mit aller Kraft aufriß, dabei ein Holzsplitter jäh in seinen rechten Handballen stieß, er kurz aufschrie. Amelie ergriff zielsicher das Ende des Splitters und zog ihn heraus, stemmte sich dabei gegen das Tor, welches den Raum wieder verdunkelte, nachdem es knarrend sich wieder geschlossen hatte Da standen die beiden Geschwister nun, schauten erwartungsvoll ins dämmrige Chaos scheinbar wahllos abgestellter Kisten, Kartons, Schrott, alter Möbel und so-gar einem Oldtimer.

Und brennende Teile vom Himmel herabfielen

Ein dunkelgraues Mäuschen huschte panikartig an ihnen vorbei, besser gesagt zwischen den Füßen der wie gelähmt verharrenden Amelie, die zwar kurz aufschreien wollte, allerdings keinen Ton herausbekam. Stattdessen krampfhaft Stevens Jackenärmel ergriff und sich zitternd festkrallte.

„Aber Schwesterherz, die Maus hat viel mehr Angst vor dir, ist doch nichts passiert. Schau hin, sie hat sich längst zwischen den Kartons verkrochen“, raunte ihr leise der ältere Bruder zu. Langsam faßte die Zwölfjährige wieder Mut, ließ los und ging vorsichtig, immer noch ver-unsichert zu dem Oldtimer. Es handelte sich um einen orangefarbenen Opel Kadett C, wahrscheinlich Baujahr 1972 wie ihr Steven flüsternd erklärte, zielsicher die Fahrertür öffnete und sich ans Steuer setzte. Dabei fiel ihm sofort das Tapedeck des Autoradios auf, auch daß eine Cassette sich dort drin befand.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Die Welt in Aufruhr – wer erteilt der Ignoranz eine Abfuhr?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Sankt Martin vor sieben Tagen, an dem auch der Karneval oder die Faschingszeit die Pforten öffnet, lustiges Dasein bei den Jecken und Hexen im Kostüm, Hauptsache man bleibt unter sich ungestüm. Doch was treibt Menschen an, einerseits ausgelassen zu feiern, andererseits die Not der Leute nicht sehen zu wollen? Das eigene Bedürfnis einer heilen Welt, die in Wirklichkeit längst in Aufruhr, gelassen zu leben, vorwärts streben, egal wer auf der Strecke bleibt? Das ist dann gescheit?!

Keinesfalls, weil jedes Problem sich nicht simpelst in Luft auflöst. Nehmen wir zum Beispiel die Tragik an der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze, die Zahl flüchtender Menschen aus ihren Heimatländern wächst stetig. Kein Zurück in Sicht, Asyl erhalten nahezu all nicht, Mexiko selbst kann ihnen keine Jobs geben, ein Dasein in tiefster Armut vorprogrammiert, dramatische Umstände, um sich per Gewalt in die USA zu wagen, während Trump Soldaten abkommandiert, sie notfalls zu erschießen.

Das weltweite Leid verursacht von all jenen, die rücksichtslos sich Macht verschaffen, die große Masse hat sich unterzuordnen. Ein historischer Verlauf wie eh und je, Friedenszeiten stets gefährdet, solange die meisten stillhalten. Aber wehe Aufruhr beginnt sich zu organisieren, bis hin zu Revolten. Anstatt das Übel an der Wurzel zu packen, den ewigen Kampf gerechter Verteilung, die eben nicht stattfindet, verteidigen die „auf der Sonnenseite“ ihr Glück, welches sie sich sich über Jahrtausende erstritten.

Wege aus solch ständigen Krisen, die doch längst hätten überwunden sein können? Allemal, nur fehlt es am Willen der Mächte, es lebt sich angenehm sorgenfrei, wenn völlig ungeniert Selbstgefälligkeit regiert. Solange Mensch nicht lernt, diesen brutalen Kreislauf zu ändern, bleiben die Notlagen.

Während kaum ein Lichtblick in Sicht, ist der Paradigmenwechsel längst vollzogen, nur sieht man ihn nicht. Er findet im Stillen statt, Entwicklungen brauchen neben Zeit und Geduld Möglichkeiten der Entfaltung, besonders schwierig in dieser Welt der Kaltherzigkeit, des Zerfalls. Es bedarf durchdachter Organisation, Vernetzungen, ob regional oder global, wobei das Internet Chancen bietet. Wenn nicht ein Diktat unabdingbarer Überwachung am Ende sich durchsetzt, um genau solch positives Handeln zu unterbinden, besteht durchaus die Verwirklichung einer positiven Umsetzung.

„Gibt es schließlich eine bessere Form mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?“ (Charles Dickens)

Mein bisheriges Leben hat mir exakt jene Einstellung bestätigt. Dafür danke ich allen Kräften, die mich darin bestärkt haben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Kleiner Mann was nun?

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Während der Werbepause hetzt du aufs Klo,
um dich vom deutschen Reinheitsbier zu befreien,
außerdem interessiert dich eigentlich sowieso
nicht die Soap, möchtest du hinausschreien.

Da hängst du jetzt halb nüchtern im Fernsehsessel,
der Aschenbecher übervoll den Raum vollstinkt,
schaust wütend in die Glotze, diese blöde Fessel,
dein Begehren, dein Mut und der Lohn ständig sinkt.

Fragen tauchen nicht erst seit gestern auf,
dein Job gefährdet, überall herrscht Zerfall,
Politikverdrossenheit, Geschichtsfälschung nimmt ihren Lauf,
und du blickst orientierungslos zum rollenden Ball.

Mit den Nachbarn ohnehin im Klinsch verstrickt,
sehnst dich zurück nach unbeschwerten Kindheitstagen,
doch harscher Alltag macht dich nunmehr verrückt.
Tief verbittert, voller Wut hörst du dich sagen:

„Wer bestimmt über uns auf solch dreiste Art?
Was nutzen demokratisch gewollte Systeme,
wenn weltweit ein Überlebenskampf herrscht – knallhart?
Eliten alle knechten, sich lustig machen voller Häme!“

Nach kurzem Schweigen folgt bedächtiges Besinnen,
du erkennst schon längst die Zusammenhänge,
bei denen viele äußern, es gebe kein Entrinnen,
weil jeder meint mitzuspielen, haut über die Stränge.

Einer ungewissen Zukunft blickst du entgegen,
war sie das nicht all die Zeit, weil so gewollt?
Kommt den Herrschaften der Konsumrausch gelegen,
der bis in kleinste Winkel der Erde Menschen überrollt?

Kaum mehr herzhaftes Leben in den Straßen sich abspielt,
keine spielenden Kinder, dafür Genfood uns aufgezwungen.
Was gestern bekämpft, heute sorglos als normal gilt,
du dich öfters fragst, haben wir dafür in Demos gerungen?

Am Ende obsiegt der Mammon, zerfallen schöne Gedanken,
es sei denn, man jagt ihn entschieden davon,
der Zwietracht gesät, weist ihn in seine Schranken.
Siehst kleiner Mann voller Sorgen die Hoffnung schon?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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