Gipartexx – Begegnung mit einer unbekannten Spezies

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Unendlich riesig erstreckt sich der Kosmos, in dem Milliarden von Sonnensystemen ihn zu füllen scheinen, obwohl in den Weiten des unbegrenzten Raumes ein luftleeres Nichts kaum endenwollend einem begegnet, wer denn sich auf Reisen durch ihn begibt.

Schon lang waren sie unterwegs, Zeit spielte nicht die geringste Rolle in ihrem Bewußtsein, weil diese lediglich die Menschen beschäftigte. Noch betrug die Distanz zu diesem herrlich blau anzuschauenden Planeten an die 180 Millionen Kilometer, ein wenig weiter als des Fixsterns Licht diesen erhellte, für die Gipartexx ein Katzensprung, zumal sie just einen Kurztrip von rund 6 Millionen Parsecs hinter sich hatten. In der begrenzt geistigen Welt des Homo sapiens würden solche Flüge in keiner Weise zu realisieren sein, wie die herannahenden Außerirdischen nur zu genau wußten, was jene aber nicht weiter beschäftigte.

Karin schloß für einen herrlich anmutigen Moment ihre grünen Augen, nachdem sie die von Ost nach West ziehenden Wolkenpakete beobachtet hatte, während das duftend kühle Naß der Wiese ihr ein Gefühl von irdischer Geborgenheit gab, lang ausgestreckt liegend und voller Zuversicht, ohne jedwede Vorahnung, was da noch geschehen könnte. Markus hatte sie nach schon viel zu langer, beschwerlicher Beziehung endlich verlassen, befand sich längst auf dem Weg nach Norden, sie selbst lag hier mitten in der Schwäbischen Alb unweit der Burgruine Hohenlupfen und starrte in den unruhigen Wolkenhimmel.

Plötzlich beschlich Karin urplötzlich ein merkwürdiges Gefühl, welches sie zunächst nicht einzuordnen vermochte. Trotz geschlossener Augen offenbarte sich ein grelles Licht, was die eigentlich intensiven Strahlen der Sonne um ein vielfaches an Intensität übertraf, zugleich schien die gesamte Umgebung in eine Schockstarre zu verharren, sie selbst eingeschlossen. Trotz heftigsten Versuchen ihre Augen zu öffnen, schienen die Lider diese zunächst wie eine verriegelte Falltür in Bann zu halten.

Doch schon im nächsten Moment obsiegte ihr eiserner Wille und setzte sich durch. Was sie dann sah, ließ sie kurz erschrocken einer Ohnmacht nahe aufschreien. Aus dem Licht tauchte just ein extrem violett-schwarz schimmerndes Oval auf, ganz ähnlich wie eine Frisbee-Scheibe, aber dafür um ein vielfaches größer und vor allem sich stetig langsam um die eigene Achse drehend, stoppte auf einmal und eine blitzartige Flamme schoß aus der Unterseite, dermaßen laut und vor allem heiß, daß ähnlich wie schwere Hagelkörner einige Vögel tot vom Himmel fielen, direkt neben ihr ein junger Habicht, dessen Gefieder den typischen Geruch von verbranntem Horn ausdünstete.

Irgendwie hatte Random-1349, so wurde der Gipartexxer genannt, es bereits vorausgeahnt, daß die enorm hohe Hitze zu unvermeidbaren Opfern führen würde, was er dennoch zutiefst bedauerte, als die Vögel zunächst verendeten. Aber das kurze Leiden hatte ein schnelles Ende, und Augenblicke später flogen alle wieder von dannen, so als ob nichts vorgefallen wäre. Der Trick bestand darin, die Zeitspanne zwischen Eintritt in die Erdatmosphäre und Landung selbst „auszublenden“, sie quasi ungeschehen zu machen, um sie mit genau den Geschehnissen zu füllen, was passiert wäre ohne die Präsenz der Außerirdischen.

Das weibliche Erdenwesen wirkte ein wenig anders auf ihn, denn nach kurzer, vorbereitender Studie mittels geistig immaterieller Annäherung meinte er noch, ihre Aura begriffen zu haben. Nunmehr stellte sich doch ein Unterscheid ein zwischen geistigen Erfahrungswerten und physisch real wirkenden. Allein schon die enorm heftigen Gerüche machten ihn zu schaffen, bedenkt man, daß seine Spezies mit knapp einer halben Milliarde Geruchszellen gleich über doppelt so viele verfügte wie irdische Hunde. Aber auch alle anderen Sinne übervorteilten ihn, von seinen geistigen Fähigkeiten mal ganz abgesehen. Im Gegensatz zur vielfach völlig überzogen ängstlich-aggressiven Einstellung vieler Menschen allem Unbekannten gegenüber, verhielten sich die Gipartexxer gelassener, jedoch aus dem einfachen Grund, nichts dem Zufall zu überlassen. Eine exakte Analyse wurde stets vor sämtlichen kosmischen Reisen vorgenommen.

Als Karin sich langsam ein wenig irritiert erhob, kam schon Random-1349 auf sie zugeschwebt, ohne den Boden zu berühren. Allerdings verspürte sie nicht im geringsten Berührungsängste, sondern ganz im Gegenteil durchfuhr sie eine gewisse Sympathie, fast schon euphorisch lief sie auf ihn zu. Aber anstatt eines Gesprächbeginns, empfing sie im Innern selbst eine Stimme, die ohne Umschweife sie ansprach.

„Wir haben dich bereits erwartet, Karin. Bei uns spielt Zeit nicht die geringste Rolle. Man nennt mich Random-1349, wir kommen von sehr weit her, um uns ein wenig auf eurem schönen blauen Planeten umzuschauen, aber auch, euch anzuraten, alles menschenmögliche zu tun, den Weg der Zerstörung zu beenden, bevor ihr selbst an den Folgen des unbedachten Handelns zugrunde geht.“

Sie wußte, daß die Erscheinung die Wahrheit verkündete und bestätigte die gedanklich übertragene Botschaft mit sichtbaren Kopfnicken, verneigte sich sogar vor ihm und setzte sich ins Gras. Keine dreihundert Meter weiter liefen zwei Jugendliche im Dauerlauf ihrem Rottweiler hinterher, schauten sogar in die Richtung des Raumschiffs, welches sie allerdings nicht erfassen konnten, weil die Begegnung zwischen Karin und Random-1349 mittels „zeitlicher Verschiebung“ längst Vergangenheit war, obwohl zugleich stattfand. Wie praktisch doch der Faktor Zeit gezielt ein- und ausgeblendet unnötige Spannungen erst gar nicht aufkommen ließ. Eine ganze Weile lang tauschten die beiden sich noch aus, ohne daß ein Wort hörbar gewechselt wurde, rein auf gedanklicher Ebene.

Anschließend entfernte sich das Oval in rasender Geschwindigkeit, und Karin begab sich zurück nach Hohenlupfen, wo auch die beiden Jungs mit dem Rottweiler ihren Weg kurz kreuzten. Ganz tief in ihrem Herzen trug sie die Botschaft der Gipartexxer in sich, wissend, daß sie nicht allein ihnen begegnet war, die Menschheit beobachtet wurde, im Kosmos wesentlich mehr Spezies vorhanden waren, die untereinander meist friedlich begegneten. Erst wenn Mensch seine uralten Wurzeln wiederfinden würde, die mal vor langer Zeit ihn begleiteten, sollte endlich der Weg frei sein für Reisen ins All, ohne Haß, in tiefer Verbundenheit der Schöpfung und allem Sein gegenüber.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Umgeben von Falotten

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Falott, Fallobst. So hatte ich mir dieses Wort gemerkt. Es ist eines jener Wörter, die mehr sind als ein Begriff wie Haus oder Zucker, dieses Wort ist eher ein Ausspruch. Vor Jahren, nein, Jahrzehnten, gemerkt und immer wieder bei passender Gelegenheit benützt, fiel Falott dem Vergessen anheim wie das von mir gemerkte Fallobst, purzelte das Wort in den Untergrund zu all den dort lagernden Worten, Begriffen, Sprichwörtern, die dann und wann in meinen Sprachgebrauch zurückfinden, wenn ich, durch welchen Anreiz auch immer, darüber stolpere.

Und viele dieser Wörter verschwinden so schnell wieder, wie sie gefunden wurden. Falott, aber ist es wert, nicht wieder zu verlieren, weil es mehr ist, wie gesagt als ein Wort, weil es mehr ist, noch nicht gesagt als ein Gauner und Betrüger, und weil es von Falotten in unserer jetzigen Zeit nur so wimmelt.

Der Falott findet man eher im österreichischen, bayrischen Sprachgebrauch und das Wort für Bandit, Ganove, Schuft, Spitzbube, Halunke. Es entstammt dem französischen falot, das so viel bedeutet wie komischer, belustigender Mensch. Im Englischen finden wir es in fellow und besagt im heutigen Sprachgebrauch, ein Mitglied eines Colleges, Inhaber eines Stipendiums. Ursprünglich stand „fellow“ für Partner, Gefährte, Teilhaber und ist zurückzuführen auf das Wort fē, Vermögen und Besitz, und wen wundert es, sprachverwandt mit Vieh.

„Er ist ein bigotter Falott, der Haderlump!“

So in etwa klingt die Beschreibung eines Menschen, der mit säuselnder Stimme Sie um ihre Ersparnisse gebracht hat oder sie mittels kreidefressenden Tonlagen verleitet, ihm Glauben zu schenken, daß etwas im Staate schief läuft oder moralisierend die Verwerflichkeit anderer vor Augen führt, wobei er tunlichst darauf achtet, selbst im besten Glanze dazustehen. Und das Ganze immer ausgeschmückt mit einer gewissen überheblichen Arroganz, dem gewissen Lächeln, das die Herzen der Schwiegermütter zum Schmelzen bringt. Hinterhältige Lügen bestickt mit ein wenig sarkastischem Humor und Witz, die darauf abzielen, vom eigentlichen Betrug der Unaufrichtigkeit abzulenken.

Einem komischem, belustigenden Menschen, keinem Kauz, jedenfalls nicht unbedingt einem Eigenbrötler und Sonderling, ist man gerne bereit zu verzeihen, weil er alles dafür unternimmt, Sympathieträger zu sein. Ärger, Frust und Wut werden sozusagen neutralisiert, der Ganove wird im Rückblick zum charmanten Heuchler, der durch seine verschmitzte Seriosität den Anschein erweckt, es ist alles gar nicht so gemeint. Ein kleiner Scherz am Rande, eine kleine Gaunerei, eine kleine Lüge, ein klein wenig Haß streuen, ein bißchen Zwietracht säen, alles nicht so schlimm, es gibt schlimmeres und ein winziges Körnchen Wahrheit hat noch keinem geschadet.

Dem Opfer wurde auf belustigende Art gezeigt, du bist zu leichtgläubig, das hat demnach was Gutes an sich, und dem „vermeintlichen“ Opfer, der, der sich nicht verstanden fühlt, aus welchem Interesse oder Hintergedanken er auch immer gehandelt haben mag, dem muß Abbitte geleistet werden, weil es ein Zeugnis von Vorurteilen darstellt, ihn als den Komischen zu diskreditieren, weil er auf Grund von persönlichen Erlebnissen gar nicht anders handeln konnte.

Falotten, überall Falotten. Nicht im Gewand des Kleinkriminellen, der versucht sich zu bereichern, in dem er Automaten aufbricht, nein, Strauchdiebe und Spitzbuben im Gewand der aufklärenden, fürsorglich Besorgten, die mittels angeblicher Satire, in Wahrheits-Artikeln, in Reden, Meinungsfreiheit einfordern, die inhaltlich mit Haß, Häme, Angst, Drohungen gespickt sind, um in den Menschen durch Verunsicherung den Wunsch keimen zu lassen, Recht und Ordnung können nur mittels starker Hand gewahrt werden.

Und schon ist es komisch und belustigend, daß Begriffe wie Nationalismus, Faschismus, und früher zu Herrschaftszeiten war alles so viel besser, da hatte man noch Respekt vor der Obrigkeit, kannte man Moral, war gesittet und fleißig, da zählte Treue noch, egal ob in der Ehe oder gegenüber Vorgesetzten, da schlug niemand über die Stränge, da wußte jeder, wo sein Platz war, und keiner riß den Mund weit auf, die Welt ist davon nicht untergegangen, der Herr wird es schon richten, daß dies Opfer es wert ist, sich aufzuopfern.

Lustig nicht? Komisch, ja! Falotten allenthalben. Erinnern Sie sich, „fellow“ stammt von dem Wort „fē“ ab, Vieh. Vieh, Zeichen des Reichtums und Sicherheit, und mit einem Partner „fellow“ läßt sich Reichtum und Sicherheit vermehren. Die Falotten vermehren ihre Anhängerschaft durch follower in den großen Weiten des Internets, ob gekaufte oder überzeugte follower, den Falotten kann man nichts verdenken, sie sind doch so lustig und urkomisch.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Ene, mene miste, es rappelt in der Kiste – wer steht auf der Liste?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Papier kann sehr geduldig sein, natürlich auch im Elektronik-Zeitalter, ob per Bits und Bytes, kommt raus g’scheits? Aber das wissen wir doch bereits. Jemanden provozieren, denunzieren, ihn auf eine „schwarzen Liste“ setzen, das wird gern vollmundig getönt und reell verwirklicht. Bei nächstbester Gelegenheit gerät er dann in den Fokus gezielter Verfolgung und Gewalt, ob eingesperrt, gefoltert oder am Ende eiskalt umgebracht, so ticken jene Gesellen ohne jedwede Gewissensbisse. Worauf warten, blickt mal hinter jede Kulisse!

Dazu bedarf es manch Portion Mut. Wer zaudert, verpaßt die Flut, auch die der Wassermassen, aber vor allem auf den Straßen, von angeblichen Spaziergängen beflügelt, völlig ungezügelt sich gern manch Gewalt entlädt. Noch ist es nicht zu spät, sie zu stoppen, oder lassen wir uns von ihnen etwa foppen? Sie wissen es doch ohnehin, Geld regiert die Welt, das ist der eigentliche Sinn, der zählt.

Chancen dies ändern zu können, das sollte auch niemand verkennen, gar verpennen, bestehen allemal. Doch im Anschluß folgt jene sich verselbständigende Qual, und da gibt es halt keine andere Wahl, daß am Ende die alten Bahnen erneut das Sagen haben, sich an manch Leichtgläubigkeit gehässig laben. Resignation macht sich breit, weil schon wieder soweit, daß die Menschheit nach Demokratie der Autokratie entgegenblickt, so halt die Macht des Geldes tickt. Wie verzwickt!

Zurück zu möglichen Listen, die im Verborgenen sich längst einnisten, um gezielt kluge Köpfe sich zu merken, im Anschluß verlogene Argumente stärken, Hauptsache sie dienen der Sache, auf daß es dann ordentlich krache. Meinungsbilder bewußt verdreht, um die eigene gefährlich menschenverachtende Haltung zu kaschieren, mögen im Anschluß neu Rekrutierte parieren. Sie werden dann die Schlächter von morgen sein, sorgen für entsprechende Pein.

Gewalt kann ungebremst erneut entstehen, da hilft mitnichten beherztes Flehen, man möge doch ernsthaft bedenken, wohin führe solch bösartiges Lenken. Wenn sie ihren gezielten Zweck erfüllt, sich stets in Schweigen hüllt, weil sie mal wieder über die Stränge schlug, ist’s für solch Herrschaften noch längst nicht genug. Jener kaltherzige Sauhaufen möchte sich halt alles kaufen, vom Materiellen bis hin zum Personellen, der Untertan hat stets geflissentlich zu dienen, das ändern bisher selbst keine Tollkühnen.

Solange jene Krux der Welt, wo stets regiert das Geld, nicht endlich beseitigt wird, macht die Menschheit die Rechnung ohne den Wirt. Der läßt’s sich vortrefflich gut ergehen, das ist das eigentliche Problem, ihn nicht zu stoppen, stattdessen er uns weiterhin tut foppen mit seiner immerwährenden Macht, die nonstop Gewalt entfacht. Hie und da ein Aufstand nützt letztlich nicht viel, ein echter Paradigmenwechsel ist das Ziel, der da lautet: Nicht divide et impera, sondern gerechtes Teilen ohne Herrschen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Kein Gewinn durch Gier

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Nebelschwaden ziehen durchs Land,
in Dunkelheit gehüllt,
Menschen außer Rand und Band
Wünsche haben sich erfüllt.

Kommen keineswegs von Herzen,
Not erfinderisch ermahnt,
was entbehrt vor lauter Schmerzen,
sich Wege der Entfaltung bahnt.

Gier allerorten Spuren hinterließ,
die vermeidbar gewesen wären all die Zeit.
Doch man den Mammon pries,
zur Nächstenliebe war kaum jemand bereit.

Einmal entlassen der tiefe Groll, die Wut,
muß er ständig Opfer finden,
wache Geister sind somit auf der Hut,
lassen sich nicht mit Bösem binden.

Nur wenn das Teilen endlich einkehrt,
gerecht und ohne Hintersinn,
sich vielleicht manch Glück erneut vermehrt,
das wäre dann ein wahrhaftiger Gewinn.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Urapfel aus Kasachstan blieb lange im Verborgenen

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Vom Malus sieversii zu immer weniger Apfelsorten?

Obst und Gemüse innerhalb der Ernährung sind ganz wichtig für unsere Gesundheit. Das weiß inzwischen wohl jeder, auch wenn viele sich nicht dran halten, wir uns die Beschwerden und Folgekrankheiten betrachten aufgrund falschen Eßverhaltens. Gravierend kommt die toxische Belastung hinzu, die durch Pestizide, Kunstdünger und andere Stoffe unseren Speiseplan nicht gerade bereichern.

Das gleiche Schicksal der unbedachten Veränderung hat auch der Malus, wie der Apfel im Lateinischen lautet, erreicht. Der Mensch achtet viel mehr auf Wirtschaftlichkeit und vor allem auf die weitverbreiteten Werbeslogans einer nimmersatten Lebensmittelindustrie, deren einzigstes Ziel nicht etwa das Wohlergehen des Homo sapiens zu sein scheint, sondern lediglich eine schier unendliche Gewinnmaximierung. Ein Apfel hat heutzutage knackig, wässrig und knallfarbig zu sein. Wehe eine Delle, ein brauner Fleck oder einige Runzeln zeigen dem Kunden Kriterien von gewisser Unappetitlichkeit, die diesem in den letzten Jahrzehnten eingeredet wurde! Ein solcher Apfel landet im günstigsten Fall in der Saftpresse, ansonsten auf dem Müll.

In Zentralasien bei Almaty am Fuße des Tian-Shan-Massivs – Wiege des Urapfels

Eine zeitlang lautete die größte Stadt Kasachstans Alma-Ata (von 1921-1993), ehe sie dann wieder Almaty genannt wurde, obwohl davor noch Almati hieß. Im Kasachischen bedeutet alma nun mal Apfel. Das ist natürlich kein Zufall. In der Region um Almaty, welches 80 Kilometer nördlich der kirgisistanischen Grenze liegt, die Volksrepublik China befindet sich 300 Kilometer entfernt im Osten, herrscht ein ausgeprägtes Kontinentalklima, wobei die Winter relativ mild sind, wozu die warmen Luftströme der Wüsten Zentralasiens sicherlich wesentlich beitragen.

Der schon vor Millionen Jahren dort wachsende Urapfel, Malus sieversii, hat sich nicht etwa über die sonst üblichen Wege der Samen ausgebreitet, da die Kerne in einer Hülle eingeschlossen waren, ging das nicht, sondern Bären trugen dazu bei. Diese suchten die besten und süßesten aus, verspeisten sie und erst durch die Auflösung in deren Gedärme konnten die Samen mit der Ausscheidung ihres Kotes den Weg zur Verbreitung finden.

Es war der russische Botaniker und Genetiker Nikolai Iwanowitsch Wawilow, der 1929 diesen Apfel neu entdeckte für die Wissenschaft. Doch durch eine üble Intrige kam er ins Gefängnis und verstarb dort wahrscheinlich sogar an Hunger. 1945 widmete sich der kasachische Diplom-Landwirt, Aimak Dschangaljew Wawilows Entdeckung und entwickelte die Erbforschung weiter. Jedoch sollten nochmals 65 Jahre vergehen, bis schließlich 2010 ein Jahr nach dem Tod Dschangaljews die Entschlüsselung des Erbgutes einwandfrei feststand: Malus sieversii darf als Urapfel bezeichnet werden.

Abholzung gefährdet den Malus sieversii – Polyphenole machen Äpfel wertvoll

In der Region um Almaty herrscht aber kein Umweltbewußtsein, sodaß bereits 70 Prozent der Apfelbäume für immer verschwunden sind. Erst wenn eine höhere Dringlichkeit der Weltöffentlichkeit den vor Ort Verantwortlichen vielleicht entscheidenden Einfluß ausübt und ihnen somit aufzeigt, welch große Chance mit dem Malus sieversii vor der eigenen Haustüre sich bietet, könnten sie wohl einlenken. Daß die sogenannten Polyphenole besonders in getrockneten Äpfeln vorhanden sind, macht sie so wertvoll für unsere Gesundheit, während Pestizide wiederum uns gefährden. Selbst Bioäpfel können nicht mithalten an den Vorteilen des Urapfels, weil dieser einfach eine vielfach höhere Resistenz aufweist, was den Krankheitsbefall anbelangt.

Was wäre da naheliegender, als ihn unbedingt für die Nachwelt zu schützen? Die Bäume des Urapfels sind im Gegensatz zu unseren wahre Baumriesen mit einem Durchmesser von 2 Metern und einer Höhe von 20 bis 30 Metern. Übrigens tragen Polyphenole erheblich dazu bei, das Krebsrisiko zu senken, sowie den Cholesterinspiegel. Nicht zufällig lautet es im Englischen: „An apple a day keeps the doctor away“, was frei übersetzt „ein Apfel am Tag hält den Doktor fern“ bedeutet.

Auch wenn der Malus sieversii bei Paris im Wald von Vincennes gepflanzt wurde, auch eine Ausstellung über den „Ursprung des Apfels“ bis zum 05. März 2012 im Rathaus von Paris zu sehen war, bleibt die Haltung der EU fraglich. Diese hat sich ohnehin festgelegt in ihren Bestimmungen, wie ein Apfel auszuschauen hat, der den europäischen Verbraucher beglücken darf. Was nutzen also sämtliche tollen Erkenntnisse über den neuentdeckten Urapfel, wenn Mensch weiterhin völlig sorglos seine Umwelt zerstört? Nicht viel, und dennoch dürfen wir nicht ruhen, die Verursacher dieser Politik anzumahnen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Neue Töne

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Lutz hat sich verfahr´n,
nicht mit der Bahn,
nicht mit einem mobilen Untersatz,
wegen dem Vogel, wegen dem Spatz.

Bemerkt hat er´s selbst nicht,
so ein Vogel hat ja fast kein Gewicht,
nachdem er öfters, bei dir piept´s, hörte,
ihn dies nicht sonderlich weiter störte.

Erst als immer mehr es wagten,
nicht nur hinter vorgehaltener Hand sagten,
du hast im Schrank nicht alle Tassen,
nahm er selbst Geräusche wahr, ist es zu fassen.

Ein Kling, ein Gong, ein Pieps, ein Geschnatter,
vermutlich, wahrscheinlich, da ein Gedankengatter.
Eine Idee, eine Erinnerung, eine Warnung, Zweifel,
anstatt auf dem Eiffelturm landete er in der Eifel.

Glaubt, Hengste leben nur auf Bergen,
Stuten darf man nur im Garten beherbergen,
vergißt, nach dem Pinkeln meistens zu spülen,
liebt es, bei anderen die Schubladen zu durchwühlen.

Sicher will er gehen, alles sei unter Dach und Fach,
so wie bei ihm ständiges Ordnen, das ist seine Sach´.
Galt Lutz früher als pedantisch, aufdringlich, fahrig,
seit er dem Spatz neue Töne beibringt, haben alle vor ihm Panik

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Anja Karliczeks Forderung führt zu berechtigter Empörung

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Ein Klima der Intoleranz breitet sich aus

Die heuchlerische Doppelmoral, welche besonders Glaubensvertreter der christlichen Kirchen gern an den Tag legen, sollte mal langsam überwunden sein, erst recht seitdem innerhalb der Gesellschaft Regenbogenfamilien zunehmend akzeptiert werden.

Allerdings tragen weitreichende Homophobie, Vorurteile gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren quer durch sämtliche Gesellschaftsschichten bis hin zu Muslimen entscheidend mit dazu bei, sie ärgwöhnisch, verächtlich zu behandeln, selbst Gewalt entlädt sich. Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, fordert nunmehr Studien zum Wohl von Kindern homosexueller Eltern.

Argwohn vs. längst vorhandenen Studien

Eine finanzpolitische Expertin auf dem Stuhl der Bundesministerin für Bildung und Forschung, um ihr die Möglichkeit zu geben, „die richtigen Fragen“ zu stellen, so ihre eigene Argumentation? Dann sollte mal Anja Karliczek besser sich mit längst vorhandenen Studien zur Thematik beschäftigen, bevor sie eine derart unnötige, vor allem polemische Diskussion wieder entflammen läßt.

Das bringt besonders Stimmung unter all denjenigen, die ohnehin die gleichgeschlechtliche Familie anprangern, frenetisch ihre Abschaffung fordern, ihren Haß gegen Homoseuelle unverblümt äußern. Darunter die Neue Rechte, fanatische Glaubensgemeinschaften. Anstatt endlich Regenbogenfamilien weiterhin zu unterstützen, werden altbekannte Vorurteile geschürt, erst recht wenn Anja Karliczek obendrein Mobbing und Diskriminierung an Schulen gegenüber Kindern gleichgeschlechtlicher Eltern als Argument einwirft. Ihre Forderung führt viel eher dazu bei, Argwohn erneut zu streuen.

International Family Equality Day – Solidarität zu Regenbogenfamilien

Im Juli 2011 fand das erste internationale Symposium von LGBT-Familien-Organisationen aus Europa, den USA und Kanada statt, wurde der International Family Equality Day ausgerufen, der seitdem an jedem ersten Sonntag im Mai gefeiert wird, ein Zeichen der Solidarität und Gleichstellung von Regenbogenfamilien.

Das will jetzt Anja Karliczek gezielt in Frage stellen, eine Farce par excellence! Ein Rückschritt, der exakt die verkehrte Richtung einschlägt, was natürlich für entsprechende Empörung sorgt. Familienministerin Franziska Giffey hat vollkommen Recht mit ihrem Einwand, es zählt vor allem der liebevolle Umgang mit Kindern. Vorurteile tragen somit dazu bei, wieder Verachtung und Haß gegenüber Homosexuellen zu schüren. Das wäre nicht im Sinne eines friedfertigen Zusammenlebens, sollte längst überwunden sein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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