Herbert Grönemeyers Musik verzaubert unsere Herzen

Ulrich Steins Dokumentarfilm bringt ihn uns ein Stück näher

Kaum eine Kunst vermag mehr uns erreichen wie Musik, sie dringt übers Hören direkt in die Tiefen unseres Seins, berührt, wühlt auf, stimmt nachdenklich. Kein Wunder, daß viele Musiker so erfolgreich genau davon profitieren, auch wenn etliche dennoch nicht von Erfolg gekrönt. Doch darum soll es hierbei nicht gehen, sondern um den in Bochum geborenen Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer, Komponist, Musiker, Musikproduzent, Sänger, Schauspieler und Texter.

Was zeichnet ihn aus, wie erreicht er seine Hörer, seine vielen Fans? In erster Linie mittels seiner direkten Art, seinen Texten in den Songs, die ein großes Stückweit sein eigenes Leben widerspiegeln. Gleichzeitig verhalf ihm die große Chance, im Bochumer Schauspielhaus als Sänger der Bo-Band mitwirken zu dürfen, lernte er die Welt des Theaters kennen, komponierte später als Korrepetitor, wurde nach dem Abitur dort musikalischer Leiter, arbeitete als Schauspieler mit Peter Zadek und der Choreografin Pina Bausch.

Naturtalente finden manchmal Möglichkeiten, sich zu entfalten, obwohl dazu ebenso eine Portion Glück im Spiel mitschwingt, so gänzlich ohne Schauspielschule aufzuwarten. Gönnen wir es dem jungen Künstler Herbert Grönemeyer, der es durchaus sinnvoll verwerten konnte, betrachtet man seinen weiteren Werdegang.

Am Freitag erschien im WDR der Dokumentarfilm „Deutschland deine Künstler – Herbert Grönemeyer“, der Autor, Regisseur und Produzent, Ulrich Stein, versteht es ziemlich gut, den Bochumer Künstler in Szene zu setzen, nimmt den Zuschauer an die Hand, unaufdringlich, läßt neben Herbert Grönemeyer auch andere zu Wort kommen, dessen Band, u.a. den niederländischen Photographen und Filmregisseur Anton Corbijn, die Theater- und Filmschauspielerin Nina Hoss.

Über 17 Millionen allein in Deutschland verkaufte Tonträger zeichnen ihn als kommerziell erfolgreichst zeitgenössischen Musiker hierzulande aus, und trotz all dieses Erfolges, er geht gern auf die Bühne, in die Öffentlichkeit, wie er im Film erwähnt, legt er dennoch großen Wert auf seine Privatsphäre, erst recht nach dem schicksalshaften Tod seines Bruders und seiner Frau, beide starben Anfang November vor zwanzig Jahren. Im Song „Morgen“, der seiner zweiten Frau gilt, betont er, wieder glücklich zu sein mit dieser Chance einer neuen Liebe.

Bono erwähnt im Film, Herbert stehe immer auf der Seite der Machtlosen. So mischt er sich natürlich auch politisch ein, ob vor elf Jahren zum 33. G8-Gipfel, vor der Dresdner Frauenkirche im Musikfestival „Offen und bunt – Dresden für alle!“ oder neulich am 13. Oktober bei der #unteilbar-Demonstration für Solidarität und gegen Ausgrenzung in Berlin.

Wie sagt er so treffend im Dokumentarfilm: „Die Welt ist in der Krise, weil sie nicht teilt.“ Dem kann ich mich nur anschließen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

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Als Mutter Erde den Atem anhielt – Teil 1

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Zu Beginn einer ahnungsvollen Kälte

Grauzonen überragten den noch jungen Tag, der nicht im geringsten vielversprechend ihnen entgegenblickte mit seinen dunklen Wolkenpaketen, die nahezu bedrohlich unheimlich vom fernen Horizont ziemlich rasch ihnen lautlos entgegenschwebten. Trotzdem wagten sie einen schnellen Spurt über den Hof, obwohl ihnen Mama dies eindringlich verboten hatte. Aber die stets forschende Neugier hatte die beiden dazu angetrieben, die strengen Worte von Tanja, ihrer Mutter, einfach zu mißachten, zumal Amelie und Steven alles andere als stille Jugendliche waren.

In den letzten Tagen rumorte es erneut im ganzen Land, eigentlich fast überall in Europa, nachdem schreckliche Kriege im Osten des Kontinents die jahrzehntelang verwöhnte westeuropäische Bevölkerung aus ihrem arglos konsumorientierten Dornröschenschlaf schlagartig geweckt hatte. Bis auf einige wenige, die rechtzeitig in wacher Vorahnung das Weite gesucht hatten, weltweit verstreut Schutz suchten und fanden. Jenen galt kaum noch Aufmerksamkeit, zumal vor einigen Monaten das gesamte Nachrichtennetz seitens hintersinniger Politik einfach gekappt wurde nebst der Möglichkeit, sich per Internet zu informieren. Andere Kommunikationsstrategien waren plötzlich gefragt und begehrenswerte Wunschträume innerhalb der alleingelassenen Bevölkerung, die da ausharrte, was noch geschehen vermochte.

Die Photographin hatte sich erst in der vergangenen Nacht gefragt gehabt, ob es das schon gewesen sein könne, als vierzigjährige Alleinerziehende mit zwei jugendlichen Kindern dem nahen Tod entgegenzublicken. Niemand in ihrer Nachbarschaft wußte genaues, Gerüchte verbreiteten eine schreckliche Gewißheit, daß wohl überall Gewalt toben mußte, zumal in ganz weiter Ferne ebenso das Grollen schwerer Waffengefechte zu vernehmen war. Darüberhinaus hatte vor zwei Wochen des nachts ein extrem grell aufleuchtender Blitz, der obendrein ewiglange Sekunden anhielt, alles erleuchtet, war durch sämtliche Ritzen und Nischen gedrungen, wobei gleichzeitig eine spürbare Wärme sich im selben Moment ausbreitete, ganz ähnlich wie dies Höhensonnen taten, erinnerte sich Tanja.

Und ihre Kinder? Die verstanden die Welt nicht mehr, zuvor spielte sich das Leben fast sorglos ab, obwohl manch warnende Stimmen in der Schule, im Freundes- und Bekanntenkreis ihrer Mutter von einem bevorstehenden Krieg sprachen, wollte niemand wahrhaben, daß er jemals eintreten würde. Verständlicherweise. Bedenkt man, daß ein himmelweiter Unterschied darin bestand, irgendwelches Leid auf den Mattscheiben von Monitoren zu betrachten, über Kriegsschauplätze, als wenn eine schreckliche Realität urplötzlich sie heimsuchte.

Die ersten schweren Regentropfen fielen vom Himmel, trafen sie eigentlich nicht unbedingt unerwartet, und doch erschraken beide etwas, konnten dennoch rechtzeitig den alten Schuppen erreichen. Laut quitschend ächzte der schwere Torflügel, den Steven mit aller Kraft aufriß, dabei ein Holzsplitter jäh in seinen rechten Handballen stieß, er kurz aufschrie. Amelie ergriff zielsicher das Ende des Splitters und zog ihn heraus, stemmte sich dabei gegen das Tor, welches den Raum wieder verdunkelte, nachdem es knarrend sich wieder geschlossen hatte Da standen die beiden Geschwister nun, schauten erwartungsvoll ins dämmrige Chaos scheinbar wahllos abgestellter Kisten, Kartons, Schrott, alter Möbel und so-gar einem Oldtimer.

Und brennende Teile vom Himmel herabfielen

Ein dunkelgraues Mäuschen huschte panikartig an ihnen vorbei, besser gesagt zwischen den Füßen der wie gelähmt verharrenden Amelie, die zwar kurz aufschreien wollte, allerdings keinen Ton herausbekam. Stattdessen krampfhaft Stevens Jackenärmel ergriff und sich zitternd festkrallte.

„Aber Schwesterherz, die Maus hat viel mehr Angst vor dir, ist doch nichts passiert. Schau hin, sie hat sich längst zwischen den Kartons verkrochen“, raunte ihr leise der ältere Bruder zu. Langsam faßte die Zwölfjährige wieder Mut, ließ los und ging vorsichtig, immer noch ver-unsichert zu dem Oldtimer. Es handelte sich um einen orangefarbenen Opel Kadett C, wahrscheinlich Baujahr 1972 wie ihr Steven flüsternd erklärte, zielsicher die Fahrertür öffnete und sich ans Steuer setzte. Dabei fiel ihm sofort das Tapedeck des Autoradios auf, auch daß eine Cassette sich dort drin befand.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Die Welt in Aufruhr – wer erteilt der Ignoranz eine Abfuhr?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Sankt Martin vor sieben Tagen, an dem auch der Karneval oder die Faschingszeit die Pforten öffnet, lustiges Dasein bei den Jecken und Hexen im Kostüm, Hauptsache man bleibt unter sich ungestüm. Doch was treibt Menschen an, einerseits ausgelassen zu feiern, andererseits die Not der Leute nicht sehen zu wollen? Das eigene Bedürfnis einer heilen Welt, die in Wirklichkeit längst in Aufruhr, gelassen zu leben, vorwärts streben, egal wer auf der Strecke bleibt? Das ist dann gescheit?!

Keinesfalls, weil jedes Problem sich nicht simpelst in Luft auflöst. Nehmen wir zum Beispiel die Tragik an der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze, die Zahl flüchtender Menschen aus ihren Heimatländern wächst stetig. Kein Zurück in Sicht, Asyl erhalten nahezu all nicht, Mexiko selbst kann ihnen keine Jobs geben, ein Dasein in tiefster Armut vorprogrammiert, dramatische Umstände, um sich per Gewalt in die USA zu wagen, während Trump Soldaten abkommandiert, sie notfalls zu erschießen.

Das weltweite Leid verursacht von all jenen, die rücksichtslos sich Macht verschaffen, die große Masse hat sich unterzuordnen. Ein historischer Verlauf wie eh und je, Friedenszeiten stets gefährdet, solange die meisten stillhalten. Aber wehe Aufruhr beginnt sich zu organisieren, bis hin zu Revolten. Anstatt das Übel an der Wurzel zu packen, den ewigen Kampf gerechter Verteilung, die eben nicht stattfindet, verteidigen die „auf der Sonnenseite“ ihr Glück, welches sie sich sich über Jahrtausende erstritten.

Wege aus solch ständigen Krisen, die doch längst hätten überwunden sein können? Allemal, nur fehlt es am Willen der Mächte, es lebt sich angenehm sorgenfrei, wenn völlig ungeniert Selbstgefälligkeit regiert. Solange Mensch nicht lernt, diesen brutalen Kreislauf zu ändern, bleiben die Notlagen.

Während kaum ein Lichtblick in Sicht, ist der Paradigmenwechsel längst vollzogen, nur sieht man ihn nicht. Er findet im Stillen statt, Entwicklungen brauchen neben Zeit und Geduld Möglichkeiten der Entfaltung, besonders schwierig in dieser Welt der Kaltherzigkeit, des Zerfalls. Es bedarf durchdachter Organisation, Vernetzungen, ob regional oder global, wobei das Internet Chancen bietet. Wenn nicht ein Diktat unabdingbarer Überwachung am Ende sich durchsetzt, um genau solch positives Handeln zu unterbinden, besteht durchaus die Verwirklichung einer positiven Umsetzung.

„Gibt es schließlich eine bessere Form mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?“ (Charles Dickens)

Mein bisheriges Leben hat mir exakt jene Einstellung bestätigt. Dafür danke ich allen Kräften, die mich darin bestärkt haben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Kleiner Mann was nun?

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Während der Werbepause hetzt du aufs Klo,
um dich vom deutschen Reinheitsbier zu befreien,
außerdem interessiert dich eigentlich sowieso
nicht die Soap, möchtest du hinausschreien.

Da hängst du jetzt halb nüchtern im Fernsehsessel,
der Aschenbecher übervoll den Raum vollstinkt,
schaust wütend in die Glotze, diese blöde Fessel,
dein Begehren, dein Mut und der Lohn ständig sinkt.

Fragen tauchen nicht erst seit gestern auf,
dein Job gefährdet, überall herrscht Zerfall,
Politikverdrossenheit, Geschichtsfälschung nimmt ihren Lauf,
und du blickst orientierungslos zum rollenden Ball.

Mit den Nachbarn ohnehin im Klinsch verstrickt,
sehnst dich zurück nach unbeschwerten Kindheitstagen,
doch harscher Alltag macht dich nunmehr verrückt.
Tief verbittert, voller Wut hörst du dich sagen:

„Wer bestimmt über uns auf solch dreiste Art?
Was nutzen demokratisch gewollte Systeme,
wenn weltweit ein Überlebenskampf herrscht – knallhart?
Eliten alle knechten, sich lustig machen voller Häme!“

Nach kurzem Schweigen folgt bedächtiges Besinnen,
du erkennst schon längst die Zusammenhänge,
bei denen viele äußern, es gebe kein Entrinnen,
weil jeder meint mitzuspielen, haut über die Stränge.

Einer ungewissen Zukunft blickst du entgegen,
war sie das nicht all die Zeit, weil so gewollt?
Kommt den Herrschaften der Konsumrausch gelegen,
der bis in kleinste Winkel der Erde Menschen überrollt?

Kaum mehr herzhaftes Leben in den Straßen sich abspielt,
keine spielenden Kinder, dafür Genfood uns aufgezwungen.
Was gestern bekämpft, heute sorglos als normal gilt,
du dich öfters fragst, haben wir dafür in Demos gerungen?

Am Ende obsiegt der Mammon, zerfallen schöne Gedanken,
es sei denn, man jagt ihn entschieden davon,
der Zwietracht gesät, weist ihn in seine Schranken.
Siehst kleiner Mann voller Sorgen die Hoffnung schon?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Flächenverbrauch weiterhin viel zu hoch

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Proteste gegen Freiburger Großsiedlung

Reißende Wassermassen suchen sich ungehindert ihren gefährlich vernichtenden Weg, das alles nur weil Mensch meint, er müsse Flüsse begradigen und zubetonieren, wie man das auch hierzulande seit Jahrzehnten beobachten kann. Anstatt daraus zu lernen, jene zerstörerische Erfahrungen anderen nicht weiter zuzumuten, setzt man erst recht den Flächenverbrauch fort.

Der Verein Rettet den Regenwald ging mit einer Petition an die Öffentlichkeit, „Bauern und Bürger gegen Großprojekt!“, im Westen der südbadischen Stadt Freiburg soll die Dietenbach-Niederung als auch das Naturschutzgebiet Rieselfeld bebaut werden, ein neues Stadtviertel für 15.000 Menschen.

Deutschlandweit werden 62 Hektar Land tagtäglich zubetoniert

Um die Größenordung zu verinnerlichen, ein Hektar entspricht 10.000 m², was bedeutet, daß z.Zt. 226,3 km2 hierzulande in einem Jahr zubetoniert werden, was in etwa der Größe der Stadt Hamm in Nordrhein-Westfalen entspricht. Zum Vergleich, da nicht jeder Hamm kennt, Chemnitz ist ein wenig kleiner.

Betrachtet man den Anteil der neu bebauten Siedlungsflächen der einzelnen Bundesländer, belegt Baden-Württemberg den ersten Platz gefolgt vom Nachbarn Bayern. Zwar hat sich die Zunahme des Flächenverbrauchs von 1996 (täglich 120 ha) bis 2015 (täglich 61 ha) fast halbiert, die weitere Reduzierung wird zu Lasten der Umwelt und Landwirtschaft dennoch viel zu zaghaft vorangetrieben.

Dominanz des Autoverkehrs sorgt für viel Flächenverbrauch

Wer kennt das nicht, die berechtigte Kritik eines zubetonierten Deutschlands. Dabei spielt der Straßenbau für den Kraftfahrzeugverkehr eine zentrale Rolle, müssen wichtige Landwirtschaftsflächen und Wälder weichen. Es wird zwar angeblich abgewogen zwischen Nutzen und Rücksicht auf die Natur, letztere zieht aber in der Regel den Kürzeren.

Bleiben wir beim betroffenen Beispiel der Dietenbach-Niederung. Obwohl dort ein absolutes Bauverbot besteht, um das ökologisch wichtige Überschwemmungsgebiet zu erhalten, das Rheinwasser sucht sich stets Wege, wenn sein Pegel alljährlich ansteigt, meint die verantwortliche Stadtpolitik, sich widersetzen zu müssen.

Anstatt Alternativen zu berücksichtigen, die durchaus realisierbar sind, verlockt der neue Bauboom, schließlich kann man dadurch profitabel etliche Baufirmen anlocken, Geld verdienen. Viel zu kurzfristig gedacht, rücksichtslos und umweltschädigend. Insofern ist dieser Protest ein wichtiges Signal, es wäre noch erfreulicher, wenn sich mehr Stimmen erheben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Querdenkende feiert Dreijähriges

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16. November 2015 bis 16. November 2018

Manchmal kommt es mir vor, als sei es gestern gewesen. Die fortgeschrittene Zeit des Herbstes verdeutlicht zugleich das Jahr, welches seinem Ende entgegenblickt, was sind schon sieben Wochen bis Neujahr im Vergleich zu über 45, die bereits verstrichen.

Resümee ziehen kann durchaus was pathetisches hervorrufen lassen, es kommt darauf an, was man damit bezweckt. In den vergangenen 36 Monaten veröffentlichten wir immerhin 2.295 Beiträge, über 350.000 mal wurde die Seite in 114 Ländern aufgerufen, unser Team-Mitglied Arno schrieb die meisten Kommentare, an die 121.

Immerhin gibt es 41 Kategorien, die meisten Beiträge erschienen bei den Gedichten mit 643, es folgen die Kolumnen (329), Politik (221), Quergedachtes (216) und Kurzgeschichten (141), um nur mal die höchsten fünf Platzierten zu benennen.

Im Jahr 2015 wurde der Artikel Bundeswehr-Kriegseinsatz: Soldaten, verweigert den Syrien-Befehl immerhin 14.929 mal aufgerufen, im Jahr 2016 war es der Artikel BRD: Bürgerkriegszuständen den roten Teppich ausgerollt, der am meisten gelesen wurde, nämlich 3.902 mal, 2017 war es Verbannung von Hass, Gier und Neid – ein Interview mit Philip Schlaffer mit 1.782 Aufrufen, im laufenden Jahr 2018 Doris Kolumne Leihen oder borgen – worin liegt der Unterschied? an die 1.073 mal.

Soviel zu statistischen Zahlen, die durchaus den ein oder anderen interessieren mögen. Bisher schrieben insgesamt 14 Mitglieder für Querdenkende, Doris und mich mitgezählt, sechs feste Teammitglieder sind es zur Zeit, wobei wir beide ständig aktiv am Ball bleiben, es wäre wünschenswert, wenn die anderen mehr beitragen. Aber das muß jeder für sich selbst wissen.

Den Alexarank nehmen wir nicht allzu ernst, das beste Ergebnis war der 02. März 2016, wo wir im Global-Rank Platz 728.000 belegten, in Deutschland war es der 21. März mit Platz 44.424, in Spanien am 03. Januar 2016 Platz 39.276 und in der Schweiz war es der 21. März 2017, wo Querdenkende mit Platz 14.519 das beste Ergebnis erzielte.

Es sei an dieser Stelle nochmals der wichtigste Grund erwähnt, warum überhaupt Querdenkende von mir ins Leben gerufen wurde, was gern im Statement zum Ausstieg bei Buergerstimme nachgelesen werden kann. Die Resonanz im Facebook läßt oftmals zu wünschen übrig, an dieser Stelle sei nochmals die gute Zusammenarbeit mit Net News Express betont, wofür wir uns herzlichst bedanken.

Lotar Martin Kamm

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Privatisierung in der Sackgasse

Ein Interessenkonflikt, bei dem die Bevölkerung leidet

Wir werden geboren in eine Welt unterschiedlicher Staatsgebiete, die jedem einzelnen ein gewissen Rückhalt geben, zumindest wenn wir keinen Repressalien ausgesetzt wie z.B. in Diktaturen, wo unser Leben stets gefährdet. Der Staat, das sind wir alle zusammen, sämtliche Gruppierungen aus soziologischer Sicht, und somit sollte es niemand verwundern, daß wir den allergrößten Wert darauf legen, die Gemeinschaft in jedweder Hinsicht zu schützen, jedem ein humanes Leben zu bieten, damit er sich frei und sorgenlos entfalten kann.

Allerdings beschäftigt sämtliche Staatengebilde eine Gratwanderung, was die Fürsorge staatlicher Gewährleistung anbelangt, denken wir an die Energieversorgung, an die Abfallwirtschaft, an die Bahn, die Post, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Krankenhäuser und das Wasser. Hierbei hat zunehmend in den letzten Jahrzehnten auch hierzulande die Privatisierung sich nahezu ungebremst entfalten dürfen, ein Interessenkonflikt, bei dem die Bevölkerung maßgeblich in weiten Teilen leidet.

Allein schon der Begriff sollte Alarmglocken schrillen lassen

Wie im Kleinen so im Großen. Diese alte Weisheit läßt sich ebenso beim Begriff der Privatisierung ohne weiteres herleiten. Wer kennt es nicht mehr aus Kindertagen, wo mancher mit heftiger Vehemenz sein Eigentum verteidigt, bloß nicht mit anderen teilt. Solche Gesellen üben schon früh, sich materiell zu behaupten, während Abgeben können im Sinne der Allgemeinheit viel eher allen zugute kommt, eine gewisse soziale Gerechtigkeit gelebt wird. Und wo im Kleinen die Spreu vom Weizen sich trennt, geschieht es auch im Großen wie im Staat selbst.

Mit aufkommenden Neoliberalismus in den 1930iger Jahren entstanden bereits die ersten Forderungen zur Privatisierung, der Staat habe sich aus dem Wirtschaftsgeschehen rauszuhalten. Während keine geringeren als Margaret Thatcher in Großbritannien und Ronald Reagan in den USA der 1980iger Jahre die Privatisierungspolitik gnadenlos umsetzten, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande dieses System nachgeäfft wurde. Mit der langsamen, aber unübersehbaren Auflösung alter SPD-Errungenschaften gab es kaum noch wirklichen Widerstand, obwohl bei fortschreitender Privatisierung sämtliche Alarmglocken hätten schrillen müssen!

Die Verbannung der Daseinsvorsorge berechnendes Ziel der Privatisierung?

Verwaltungsrechtlich klar definiert gewährleistet die Daseinsvorsorge die staatliche Aufgabe, die Grundversorgung bereitzustellen. Das funktionierte bisherig prima, nur das nach und nach selbst Deutschland meinte, es müsse die Privatisierung einführen, den Stimmen der Wirtschaft folgend argumentierte, es gäbe fortan erheblichen Nutzen aufgrund von Betriebskosten-, Rationalisierungs- und Spezialisierungsvorteilen, diese Leistungserbringung sei effizienter.

Na klar doch, für die privatwirtschaftlich involvierten Firmen garantiert, sind sie doch Nutznießer, die mit erheblichen Gewinnspannen davon profitieren. Ob eine bessere Kundenfreundlichkeit herrscht, bleibt mal dahingestellt, wenn man sich mal kritisch die inzwischen in Leidenschaft gezogene Post und Deutsche Bahn betrachtet.

Wer mal einen kurzen Blick über den Ärmelkanal wirft, muß erstaunt feststellen, daß die Briten nahezu widerstandslos es zuließen, daß in der Regierungszeit der Eisernen Lady (1979-1990) beinahe alle staatlichen Unternehmen verkauft wurden.

Heute das Wasser und morgen die Luft – eine lebensbedrohliche Politik

Sicherlich mögen jetzt Stimmen sich zu Wort melden, die einer kritischen Haltung der Privatisierung gegenüber eine gewisse Hysterie bescheinigen. Nun, diesen kann und muß man erwidern, daß sie sich wohl nicht über die Folgen bewußt sind, die daraus entstehen können. Die Bevölkerung selbst scheint den Ernst der Lage ebenso nicht wirklich begriffen zu haben, sonst hätten beim „Volksentscheid über die Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben“ am 13. Februar 2011 die Menschen dem eben nicht zugestimmt. Aber sie hatten es völlig ahnungslos. Es ist der Berliner Wassertisch, der sich unter dem Slogan „Wasser gehört uns allen – Wasser ist ein Menschenrecht“ ziemlich engagiert einsetzt, um weitere Privatisierung zu verhindern.

Wenn dann die Armen in der Bevölkerung nicht mehr in der Lage sind, das lebensnotwendige Wasser aufgrund der ohnehin steigenden Kosten zu bezahlen, dreht eine privatisierte Wasserwirtschaft ihnen einfach gnadenlos den Hahn zu? Solche Szenarien sind vorprogrammiert, wenn wir bedenken, wie dreist heute Energiebetriebe mit ihren zahlungsunfähigen Kunden umgehen, selbst wenn diese sich noch so bemühen.

Heute das Wasser und morgen die Luft, eine eventuell übertriebene Angst? Keineswegs, auch wenn der Beitrag des Postillon, die Europäische Union plant Privatisierung von Sauerstoff, eindeutig eine Satire ist, so sollte man den übereifrigen Privatisierungsbefürwortern so ziemlich alles zutrauen, was sich zu Geld machen läßt: Was interessiert dabei noch der Mensch, Hauptsache der Profit stimmt.

Zutreffend bemerkte Ambrose Bierce:

„Politik: die Führung öffentlicher Angelegenheiten zu privatem Vorteil.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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