Wenn Liebe aus dem Ruder läuft

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Nachmittags mitten in einem Café am Strand

Reizende Mittfünfziger schlenderten gelassen die Strandpromenade entlang, sich ihrer jahrezehntelangen Erfahrungen bewußt im Umgang mit ganz unterschiedlicher Klientel, die das eine oder andere Mal nonchalant übers Ohr gehauen wurde. Was soll’s, die wenigsten bemerkten dies, und selbst dann überließen ihnen die schlauen Schlitzohren kaum eine Chance der Gegenwehr, für was gab es wohl Rechtsanwälte, die berechtigterweise von den Geprellten als Rechtsverdreher beschimpft wurden.

Genutzt hat’s ihnen wenig, im Endeffekt zogen sie halt den Kürzeren, so präsentiert sich die schroffe Geschäftswelt. Wer nicht wach genug, muß frustriert zurückstecken. Die Cleveren obsiegen und streichen hohe Gewinne ein.

Aber zurück zur Gruppe, die inzwischen Platz genommen hatte, um sehr selbstbestimmt einen jungen Kellner zu sich zu winken. Als jener etwas zu langsam reagierte, mußte er prompt einen Vortrag über das Für und Wider in der Gastronomie sich anhören, inwieweit guter Service in klingende Münze sich verwandeln könne im Gegensatz zu trottelig-langsamen Kellnern, die auf diese Weise Kunden vergraulen würden. Der junge Mann nahm es gelassen, bestätigte viel eher ihre Einwände, kehrte jedoch gerade zum Trotz ziemlich schnell mit den erwünschten Getränken zurück, um ihnen damit zu beweisen, wie flott er doch ihre Anmahnung verinnerlicht habe.

Zwei Tische weiter saßen zwei Pärchen, die sich heftig stritten. Nein, nicht die Pärchen untereinander, sondern jeweils die Männer und die beiden Frauen. Offensichtlich, was ziemlich lautstark zu vernehmen war, hatten sie sich in der letzten Nacht gegenseitig betrogen. Nun könnte man ja erwidern: ausgleichende Gerechtigkeit. Wenn da nicht die gekränkte Eifersucht im Spiel wäre. Aber lassen wir das lieber, die Details blieben wohl der Gruppe der Mittfünfziger erspart.

Allerdings entbrannte daraufhin eine hitzige Diskussion unter ihnen, ob denn Monogamie funktioniere oder eben nicht, die eine oder Affäre einfach im Dunkeln blieb oder besser hätte ausgesprochen werden müssen. Die scheinbar so gewieften Geschäftsleute entpuppten sich auf einmal als ganz gewöhnliche Menschen mit ihren Schwächen und Stärken, ihren Eifersüchteleien bis hin zu großzügigen Statements zu offenen Liebesbeziehungen. Das Café verwandelte sich in sofern in eine aufbrausende Unterhaltung an zwei Tischen über die schönste Sache der Welt, während die anderen Gäste erstaunt zuhörten, einige Passanten neugierig, gar manchmal kopfschüttelnd stehenblieben.

Im übrigen erhielt der junge Kellner ein äußerst großzügiges Trinkgeld vom Mittfünfziger-Tisch, hingegen die ziemlich gereizten Pärchen ihm keinen Cent gönnten und mit eisiger Miene das Café verließen.

Jetzt könnte der ein oder andere vielleicht ins Grübeln geraten, wieso Menschen dermaßen heftig aneinander sich reiben, obwohl doch die Libido ohnehin ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten im Gepäck hat, gerade deshalb jedwede Planung vereitelt wird. Es siegt das Chaos der Gefühle, die niemand zu steuern vermag. In dem Moment, wo Verstand und Emotion gegenseitige Kämpfe austragen, siegt stets die eigentliche Sympathie, während unangenehme Begleiterscheinungen abrupt ein Ende setzen. Von Dauer darf sowieso nur gesprochen werden, wer sich seiner Liebe sicher ist, die in vielen Fällen der Versuchung nach einem Abenteuer widerstehen kann, wenn beide einfach wirklich glücklich zusammenleben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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CDU-Führungsgeplänkel: Wenn weiße Elefanten auftauchen

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Fühlt ein Jens Spahn sich bestätigt

Fallen wir doch mal mit der Tür ins Haus, denn wo gehobelt wird, fallen Späne. Das betrifft zumindest den alten Handwerksberuf des Tischlers, in der Politik bedeutet dies keineswegs gutes, denkt man beispielsweise an sogenannte Reformen, die bei den meisten heftiges Zucken auslösen hinsichtlich vergangener Entscheidungen, besonders im sozialen Bereich oder im Gesundheitsressort.

Dies beackert just jener „Heißsporn“ Jens Spahn, der gar meint, der weiße Elefant im Raum ist die Frage der Migration. Weiße Mäuse tun’s doch auch, wenn man seine Unfähigkeit unter Beweis stellen möchte, oder? Dies scheint jenen CDU-Politiker wohl nicht bewußt zu sein mit seiner ungehobelten Kritik an Angela Merkel. Klingt ziemlich abgedroschen dessen Formulierung. Des Pudels Kern sollte daher unbedingt benannt werden.

Wer übernimmt die Führung der CDU?

Das kann ja heiter werden, zumal schon lange ohnehin vorhersehbar war, daß die Herrschaft Merkels ihrem Ende entgegenblickt. Dramatisch wird es nur, wenn nachgetreten wird, wie Jens Spahn, Friedrich Merz und andere, denken wir an Christian Lindner, nach der Bekanntgabe der Kanzlerin es unerschrocken in die Welt posaunen. Das gehört wohl mit zum schmutzigen Geschäft der Politik. Hilft aber mitnichten, Politikverdrossenheit zu stoppen.

Auch Jens Spahn scheint das selbstverständliche Mindesmaß an Menschlichkeit sowieso nicht verstanden zu haben, in dem er in dieselbe Kerbe springt wie jene Rechtsradikalen zur Entscheidung Merkels im September 2015. Hauptsache anprangern, das mag ihm Stimmen bringen, glaubt er. Obendrein hat er mit einem neoliberalen Friedrich Merz den richtigen Partner an der Seite, egal wer von beiden den CDU-Vorsitz erklimmt. Daß Annegret Kramp-Karrenbauer diesen Posten ergattert, darf angezweifelt werden.

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff ohne ihren Kapitän

Schließlich hatte mit Angela Merkel ziemlich lang das Schiff der CDU so manche Klippe gemeistert, etliche Stürme überstanden, obendrein eine SPD von einer großen Koalition zur nächsten jeweils Wählerstimmen einbüßen müssen, was nunmehr auch die Union selbst betrifft mit Blick zu den letzten Landtagswahlen in Bayern und Hessen.

Anstatt nüchtern Bilanz zu ziehen, hält man an alten Rezepten fest, wie auch die Herren Spahn, Merz und Co. verdeutlichen. Mit Erneuerung in der Politik hat das nichts zu tun, sie folgen nonchalant der Marschroute einer Wirtschaft, die keinerlei Interessen des Volkes wahrnehmen will, vielmehr nur profitable Geschäfte auf Teufel komm raus abschließen. Der Großkapitalismus führt letztlich in eine Sackgasse, was niemand wahrhaben will. Da beißt man sich lieber an ihm fest, auch wenn sich das schon ziemlich bald rächt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Keine Gerechtigkeit

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Großwildjagd
gut betagt
handelt ungefragt.
Horngeschall
von überall
bringt das Wild zu Fall.
Schrotflinten
von vorn, von hinten
lassen es sprinten.

Friedensglocken
nicht frohlocken,
vielmehr verlocken.
Diplomatie
wie noch nie
führt zu Autokratie.
Wutgedanken
dich erkranken,
Meinungen schwanken.

Erklärungsnot,
oberstes Gebot
vor sicherem Tod.
Politik
so richtig schick
hat manchen Trick.
Gewaltexzesse,
trotz Presse
gibt’s auf die Fresse.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Im Land der einsamen Wölfe

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Eine Parabel ganz im Zeichen unruhiger Zeiten

Stundenlanges Verharren lag hinter ihm, ganz allmählich fühlte sich sein Körper wieder lebendig an, während die Gliedmaßen reflexartige Dehnübungen vollzogen, er verwundert umherblickte. Was war nur geschehen, grübelte der Endzwanziger, ein Auto fuhr irgendwo in der Ferne vorbei, die Reifen quitschten kurz im Morgengrauen, ein Fensterflügel wurde ziemlich heftig geschlossen.

Am Horizont stieg plötzlich Rauch auf, kein gewöhnlicher aus irgendeinem Schornstein, sondern pechschwarzer, wobei leise Verpuffungen den dämmrigen Himmel erschallten, Felix reflexartig in Deckung ging. ˈKann nicht schadenˈ, dachte er noch, als im nächsten Moment etwas Pfeifendes an ihm vorbeihuschte, er zugleich genau wußte, daß es sich um ein Projektil einer Pistole handeln mußte und schon der Länge nach auf dem Boden lag.

Keine zehn Meter von ihm entfernt sah er ihn, in geduckter Haltung schaute der Polarwolf Felix direkt in die Augen, während es langsam wieder zu schneien begann. Keinerlei Angst oder Unsicherheit war beiden anzumerken. ˈOb diesem Prachtexemplar die Kugel galtˈ, überlegte noch Felix, als erneut ein Geschoß ganz in der Nähe vorbeisauste, diesmal aber der Wolf sich in den Schnee schmiß, sich einmal um die eigene Achse drehte und sofort unter einem Holzverschlag Schutz suchte.

In den letzten Wochen hatten tumultartige Versammlungen begonnen, die Bevölkerung war kaum noch zu halten, selbst herbeigerufene Eurogendfor-Einheiten vermochten nicht die schnell anwachsende Volksmasse in Schach zu halten. In den ersten Reihen starben die Menschen, doch anschließend überrannte die nachrückende Überzahl die verhaßte europäische Staatsmacht. Es herrschte ein grausames Gemetzel, in der nur noch das eigene Leben zählte, den ausgemachten Feind zu besiegen. Selbst eiligst herbeigerufene Folgeeinheiten vermochten nicht, die aufgebrachte Menge zu stoppen. Später stellte sich heraus, daß überall in Europa den unruhigen Zeiten kriegerische Auseinandersetzungen gegen das eigene Volk folgten, die Menschen jedwedes politisches Vertrauen gänzlich verloren hatten.

Nun lag pochenden Herzens Felix ein wenig geschützt hinter einer kleinen Mauer, und der Polarwolf befand sich unter dem Holzverschlag. Gleichzeitig wußte er, daß jetzt Eile geboten war, denn die Schützen würden das Tier mit Sicherheit suchen. ˈNur wie sollte man einem Wolf begreiflich machen, ihm zu folgenˈ, grübelte Felix zunächst. Doch dann hatte er eine Idee. Ohne lange zu zögern, lief er mit gesenktem Haupt auf allen Vieren zu ihm rüber, er wußte ja, daß die Höhe der Mauer ihn schützte, stubste das erstaunte Tier laut knurrend heftig mit dem Kopf in die Seite und lief sehr selbstbewußt vorneweg. Der Polarwolf verstand die eindeutige Geste und schlich vorsichtig hinter ihm her, die Alpha-Rolle hatte sich durchgesetzt.

Nach ungefähr hundertfünfzig Metern erreichten sie einen nahegelegenen Wald, als sie die verwilderten Gärten durchquert hatten, die ihnen einen gewissen Schutz boten vor den feindlichen Augen der jagenden Schützen. Erst im dichten Fichtenwald richtete Felix sich langsam auf, weil das Laufen auf allen Vieren schon völlig ungewohnt war, seine Hände und Knie ein wenig schmerzten. Hier roch es wieder wesentlich angenehmer weiter unten sowohl im Garten als auch längst überall in der Kleinstadt der beißend schwarze Rauchgeruch sich ausgebreitet hatte.

Felix überlegte, wie es weitergehen sollte. In Gedanken versunken bemerkte er zunächst nicht, wie der Wolf sich positionierte. Wer kennt es nicht, diese Stille des Waldes, in der jeder Ton im selben Moment verschluckt wird, erst recht, wenn dichter Schnee den Boden und die Bäume bedeckt. Um so deutlicher dringt jedes Geräusch an unser Ohr. Daher fuhr Felix erschrocken zusammen, weil der Polarwolf kurz ganz tief knurrend auf sich aufmerksam machte.

„Von ganzem Herzen möchte ich dir danken, Felix“, begann der Wolf zu sprechen. Felix selbst erstarrte, schaute ziemlich erstaunt, „nicht wundern, daß ich reden kann. Das hat schon seine Richtigkeit. Ich heiße übrigens Asogheiras. Hast du dich nicht gewundert, daß kein Rudel in meiner Nähe sich befindet?“ Doch Felix konnte nicht antworten, und so fuhr Asogheiras fort.

„Nachdem vor wenigen Wochen eine Menschenmeute uns verfolgt hatte, alle meine Gefährten niedergeschossen und umgebracht worden waren, ich als einziger überlebte, zog ich seitdem allein durchs Land. Manchesmal traf ich einen Leidens- und Artgenossen. Doch wir beschlossen, unbedingt nicht zusammenzubleiben, weil ein Rudel viel gefährdeter sei. Und so treffen wir uns von Zeit zu Zeit, tauschen uns aus über die Zerstörungswut von euch Menschen. Dich habe ich lange schon beobachtet, du bist nicht so wie die anderen. Auch lauschte ich ab und zu unterm offenen Fenster, wenn deine Leute dich aufsuchten, weiß somit sehr genau, was dich bewegt.“

Asogheiras unterbrach seinen Redefluß und schaute freundlich in Felix Augen. Diesem liefen einige Tränen die Wangen herab, die er etwas beschämt mit dem Hemdsärmel abwischte.

„Selbst in meinen kühnsten Träumen hätte ich niemals gedacht, real einem so wunderschönen Polarwolf zu begegnen wie dir, Asogheiras. Geschweige denn mit ihm gar zu sprechen. Du hast vollkommen Recht. Im Gegensatz zu den meisten Mitmenschen habe ich einen tiefen Respekt vor deiner Tierart, verehre sie sogar. Ich danke dem Schöpfer, daß wir uns begegneten. Kannst du mir einen Rat geben, wie es weitergehen, wohin ich gehen sollte?“

„Begebe dich nach Nordwesten von hier aus, und du wirst wunderbare Orte der Stille finden, in denen noch Menschen friedlich und liebevoll zueinander sind, im Einklang mit der Natur leben. Ich werde dich gedanklich führen, kann dir nicht folgen, zumal ich noch andere aufsuchen muß, um sie zu leiten. Wir werden uns aber wiedersehen, wenn es sein soll.“

Mit diesen Worten nickte Asogheiras noch kurz und verschwand im Dickicht. Felix saß noch eine ganze Weile auf einem Baumstumpf, ehe er sich erhob, um sich auf den langen Weg zu begeben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Give peace a chance

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Den Termin frühzeitig und bestens erledigt, den Geschmack des leckeren Mittagessens noch auf der Zunge, also wohl genährt, die Sommersonne zeigt ihre in den letzten Monaten vermißte strahlende Kraft des Himmelblaus, so intensiv unwirklich, fast wie in den Bildern von Claude Monet, Urlaubserinnerungen von Südfrankreich bestimmen das grenzenlos zufriedene Gefühl während der Autofahrt nach Hause.

Keine gestreßten Drängler hinter mir, keine Traktoren und Fahrräder vor mir, alles ist in fließender Harmonie wie lange nicht mehr. Der gewohnheitsmäßige Druck auf die Taste des CD-Players soll dieser perfekten Stimmung ihren Rahmen geben, und schon summe ich gedankenverloren mit: All we are saying is give peace a chance – All we are saying is give peace a chance – All we are saying is give peace a chance.

Erinnerungen an eine auf Frieden hoffende Zeit: Woodstock – Musical „Hair“ – „Make Peace Not War“ – tausende Tramper am Straßenrand – „stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“ –

Ich drücke die Repeat-Taste:

Two, one, two, three, four
Everybody’s talking about
Bagism, Shagism, Dragism, Madism
Ragism, Tagism,
this-ism, that-ism, Ism, ism, ism
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.

Und mir laufen die Tränen übers Gesicht.

Everybody’s talkin‘ ‚bout ministers,
sinisters, banisters
and canisters, bishops and fishops,
rabbis and pop eyes, bye bye, bye byes.
All we are saying, is give peace a chance.
All we are saying, is give peace a chance.

Und ich singe lauter.

Let me tell you now:
Everybody’s talking about,
revolution, evolution, masturbation,
flagellation, regulation, integrations,
meditations, United Nations,
congratulations.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance

Und ich singe weinend.

Everybody’s talking about,
John and Yoko, Timmy Leary,
Rosemary, Tommy Smothers, Bobby Dylan,
Tommy Cooper, Derek Taylor, Norman Mailer,
Alan Ginsberg, Hare Krishna, Hare Hare Krishna.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance…

Und ich heule.

Hoffnung keimt auf, nicht in einer weiteren Zeitschleife hängen zu bleiben wie Phil Conners in „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Ende der Ära Merkel kündigt dunkle Wolken am Zenit an

Wenn Merz und Co. sich positionieren

Möge all jenen, die noch voller Inbrunst „Merkel muß weg“ ihr Pappschild hochhielten oder durch die Straßen mancher deutscher Großstädte krakeelten, die Hetzparolen im Halse stecken bleiben, wenn Angela Merkel tatsächlich nach den letzten Wahldebakeln ihren CDU-Vorsitz abgibt, das Ende ihrer Kanzlerschaft in wahrscheinliche Nähe rückt.

Natürlich darf und sollte man all ihre Verfehlungen, ihr Aussitzen nicht schönreden, aber es kommt noch wesentlich doller, wenn ganz andere Kandidaten vom Sessel der Kanzlerschaft nicht nur träumen, sondern sich reale Hoffnungen machen, diesen schon bald zu erklimmen. Alles, nur nicht Merz! lautet die sinnige und folgerichtige Überschrift bei den Nachdenkseiten, wobei Jens Berger sehr akribisch die Untaten des Friedrich Merz zusammenträgt, ein eiskalter neoliberaler Politiker vor dem Herrn, wie auch wir nur zu gut uns erinnern, denkt man an dessen verächtliche Äußerungen hinsichtlich betroffener Hartz-IV-Empfänger!

Konservative und Rechtsradikale – eine brisante Mischung

Die sich da weltweit zusammenbraut. Ob in den USA der „blonde Dolle“, bald über die Hälfte der europäischen Staaten oder jetzt im südamerikanischen größten Land, in Brasilien, ein demokratisch gewählter Jair Messias Bolsonaro als baldiger Präsident seine angekündigten „Säuberungen“ durchsetzt, insofern nur noch Beten hilft. Das weltpolitische Parkett hat erneut Geschmack am Faschismus, an Autokratie gefunden, wie er/sie doch Mitte des letzten Jahrhunderts eigentlich als überwunden galt.

Ein kurzes Intermezzo, ein Aufbäumen all der neoliberalen Kräfte, die bislang nach außen meinten, es ginge über Menschenrechte und angeblichen Humanismus, der zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise wirklich Anwendung fand, stets beflügelte jene Wirtschaftspolitik ihren Kurs unerschrockener Ausbeutung, wovon sie sich unter gar keinen Umständen distanzieren wird. Gestern im integren Gewand des „Saubermannes“, heute knallhart vom konservativen Kurs nahtlos zum rechtsradikalen, einer Neuen Rechten sei Dank, die von langer Hand geplant allmählich greift.

Kritik unerwünscht – einfach alles per inszenierten Fakenews glattbügeln

Mit diesem Rezept hat sich bisher The Donald prima durchgewurschtelt zur baldigen Halbzeit seiner Präsidentschaft. Warum sollten ihm das andere nicht gleichtun? Mit Blick zur Medienlandschaft, zur Presse, dürfte deutlich werden, wie Politik deren kritische Berichterstattungen duldet bzw. gar kurzerhand den einen oder anderen einfach verhaftet oder umbringt, denkt man an die Türkei oder Saudi-Arabien.

Vor knapp anderthalb Jahren hat schon einmal rechte Stimmungsmache ihre bösartige Fratze kurzfristig präsentiert mit Thomas de Maizières Stimmenfang per deutscher Leitkultur, erinnerte Querdenkende daran, daß ein Friedrich Merz Multikulturalismus negiert, was wiederum sich gut zur Neuen Rechten bekanngtlich gesellt.

Spekulationen werden somit zunehmen, ob am Ende mit oder ohne Herrn Merz, es wird keinesfalls besser ohne Frau Merkel, der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin setzt noch eins drauf, zugunsten des neoliberalen Kurses, zu Lasten der Bevölkerung.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Der falsche Ort

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Muß man es verstehen,
es wundert einen schon,
Gott, Heiliger Geist und Sohn,
wohin driftet das Sehnen

nach Frieden,
nach Gerechtigkeit,
von denen, die dir dienen,
die preisen deine Heiligkeit,

Recht wird Herrschaft,
Verpflichtung zu Zwang,
Offenheit führt zur Gefangenschaft,
Toleranz, es wird einem bang,

zum Psychiater, ins Irrenhaus,
Moral benutzt als Beschränkung,
Sitte verkommt zum Kartenhaus,
diagnostiziert Individualität als Erkrankung,

verwundert muß man die Welt ansehen,
auf den Straßen Kriege toben,
kein Scham Besitz zu stehlen,
es lohnt Haß auf Fremde zu loben,

keiner hat mehr Scheu zu verschlimmern
Armut, Leid, Chancengleichheit,
soll sich ein anderer Gott kümmern,
Schicksal ist Teil der Menschheit,

Liebe, Güte, Trost soll man bei Gott finden,
zu hören, zu lesen, gemahnt von Predigern,
im Verachten, Erniedrigen soll man sich verbinden,
man hört, man liest, man vertraut den Peinigern,

die ein Miteinander die größte Gefahr nennen,
sie schwören dabei in einem Atemzug auf Gottes Wort,
oder unter welchen Namen sie dich sonst kennen,
verstehe, Wunder geschehen an einem anderen Ort.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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