Die anrüchig verlogenen Abenteuer des HdI

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Vom Nahkämpfer zum Jugendscout

Abenteuerromantik beflügelt nahezu die meisten Menschen, vor allem wenn in den Dämmer- und Nachtstunden das Lagerfeuer heimelig prasselt, man quatschend gut gelaunt zusammensitzt, eine Klampfe spielt, die ein oder andere Trommel, Getränke verbindend Zungen lockern, manche Tüte Gras geraucht wird, um auch solche Eindrücke wiederzugeben.

Aber letzteres bloß nicht für den geläuterten Jungspunt, dem Herrn der Insel HdI, der zwar weiterhin introvertiert durchs Leben stampfte, aber einen gewissen Halt fand in der Szene der Republikaner. Sein Alter Herr sorgte für entsprechende Kontakte aus dessen Jugend, die ihn zusammen mit seinem verschrobenen Bild vom Führer auf Kurs bringen sollten. Was durchaus fruchtete. Nichts funktioniert leichter als das entzündende Feuer des Fanatismus, Neonazis stellen ein Paradebeispiel dar.

Trotzdem oder gerade deshalb eckte der HdI nonstop an, schließlich galt es zwar, weiterhin unscheinbar möglichst unauffällig sich während der Schulzeit zu verhalten, aber dessen Gesinnung ließ sich eben nicht dauerhaft verbergen, erst recht nicht in der Provinz, wo ohnehin jeder alles vom anderen weiß oder herauskriegt.

Umso wichtiger, sich gegen Anfeindungen, die vor allem im zunehmenden Alter oftmals physischer Natur, zu wappnen. Nichts leichter als das, zusammen mit den Vorlagen aus der Filmwelt, die harten Idole gaben ihm Halt, es ihnen wenigstens in der Vorstellung gleichzutun. Und schwuppdiwupp wurde aus dem stillen Knaben ein Mannsbild von Nahkämpfer, daß der Schulhof erzitterte, Lehrkräfte sich wegduckten ob so vielem Selbstbewußtsein.

Auch lehrreiche Angebote wurden zum Besten gegeben, vom Musikprofi bis hin zum Schnitzkünstler, siehe Lagerfeuer und so weiter. Die Verstrickungen in selbsterlogener Traum- und Lügenwelt nahmen exorbitante Formen an, Hauptsache die direkte Umwelt schluckte seine Ausführungen. Mit der Zeit führte er immer mehr Leute hinters Licht, außer wenn direkte, unvermeidbare Konfrontationen sich ergaben, dann konnte man schnellestens wieder in die Rolle des Opfers schlüpfen.

Kommt Ihnen bekannt vor hinsichtlich gegenwärtig sich neuformierenden Berufspolitikern wie die aus jener AfD? Aber lassen wir das, gehört nur indirekt hierher. Der Nährboden zum Rassismus war ohnehin schon längst beim HdI vollzogen, schließlich galt es, von Klein auf „deutsche Werte“ hochzuhalten, die besonders sein alter Herr stets nuschelnd ihm ins Ohr flüsterte bei jeder Gelegenheit. Phrasen wie unabdingbare Loyalität, Gehorsam, Vaterlandsliebe wurden ständig betont, selbst wenn man andere hinterging. Das wurde als besondere Umstände abgetan.

Konnte der HdI diesen Weg auf Dauer durchhalten, zumal immer mehr Beobacher dessen verlogene Scheinwelt durchschaut hatten? Natürlich nicht.

Lotar Martin Kamm

Eine Satireserie über den „Herrn der Insel“ – Geburt der Hochstapelei

Kategorie: Satire

Nachtrag: Die Satireserie endet hier, weil ich einer Zensur unterliege, die ich mir nicht gefallen lasse!

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Glockengesang

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Kirchenglocken,
Zeitsirenen,
kein Mitleid,
kein Aufenthalt.

Kirchenglocken,
Erinnerungsschall,
kein Entrinnen,
kein Freudenschrei.

Kirchenglocken,
Gewissensrufe,
keine Einkehr,
keine Zwiespältigkeit.

Kirchenglocken,
Stimmenwecker,
keine Muße,
keine Träumerei.

Die Stimmen
Des Gewissens
Die Erinnerung
Der Zeit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Schulz‘ Europavision als Bollwerk gegen rechtsradikale Kräfte?

Vereinigte Staaten von Europa (VSE/USE) stoßen auf Ablehnung bei Merkel

Hat er nun die Katze aus dem Sack gelassen oder viel eher alte Visionen im Rahmen eines verfehlten Wahlkampfes zur Ehrenrettung der SPD benutzt, um einer eventuellen Großen Koalition den entscheidenden Anstoß zu verpassen? Das dürfte wahrscheinlich nach hinten losgehen, was Martin Schulz auf dem SPD-Parteitag in seiner Rede vom Stapel ließ, Angela Merkel dessen Vorstoß zu Europa zurückweist.

Geht ihr wohl zu schnell, was sich gleichwohl mit den meisten Stimmen der Union deckt, die AfD gar erwartungsgemäß eine „Abschaffung Deutschlands“ vorausahnt. Insofern dürfte die Behauptung des SPD’lers, man könne mit einem VSE ein Bollwerk gegen rechtsradikale Kräfte erschaffen, keine Zustimmung erhalten. Was reiten da die Sozen, die zunächst eine GroKo strikt ablehnten direkt nach der Bundestagwahl, um plötzlich Steinmeiers Veto zu beherzigen, doch noch mitregieren zu wollen? Das taugt nichts.

Unglaubwürdigkeit so weit das Auge reicht

Neuwahlen sind in weite Ferne gerückt, da inzwischen alle Parteien das zu verhindern versuchen. Genau deshalb trauen sich die letztmaligen, alten Koalitionäre, erneut das Gespräch zu suchen, nachdem das Jamaika-Aus feststand. Ein Wiederaufguß mit viel zu hohen Hürden und Erwartungen. Die SPD will mehr Zugeständnisse, die CSU wittert neue Stärke, nachdem die Führung der Partei in trockenen Tüchern. Ende gut, alles offen, so lautet die nahe Zukunft einer neuen Regierung.

Besonders die Sozialdemokraten verlieren immer mehr an Glaubwürdigkeit, unabhängig von der dünnhäutigen Aura eines Martin Schulz, nicht etwa weil die ganze Nation die „Verdienste einer Angela Merkel“ würdigt, – sie selbst hat augenscheinlich sowieso erhebliche Autoritätsverluste einzugestehen, spätestens mit dem Alleingang des „Monsanto-Ministers“ Christian Schmidt, eine treffsichere Bezeichnung von Campact -, sondern weil die Kanzlerin keine Antworten auf die bevorstehenden politischen Herausforderungen überzeugend vortragen kann. Zu lange im Amt, Müdigkeits-erscheinungen wie beim „Dicken“ zuvor.

Läuft es dennoch auf die VSE hinaus?

Angesichts der globalen sehr raschen Veränderungen sollte man ein sich zusammenraufendes Europa in die „Vereinigten Staaten von Europa“ nicht simpelst wegdenken, es könnte schnell Realität werden. Die USA verabschieden sich just von der Weltbühne mit den Alleingängen jenes „Humpty-Trumpty“, China wächst zur Supermacht heran, während Russland nicht stillhalten wird, wenn zwei Bollwerke ihm Konkorrenz machen: die VSE und eben China. Edgar Cayces Prophezeiung mag dann bereits eingetreten sein, die USA in Bedeutungslosigkeit versunken, damit beschäftigt, nicht gänzlich unterzugehen, auch hinsichtlich heftiger Naturkatastrophen.

„Die Ungerechtigkeit der Geschichte besteht darin, daß wir die gleichen Augen und Ohren haben wie unsere Vorfahren, obwohl wir weit mehr hören und sehen als sie.“ (Ernst R. Hauschka)

Was sollten wir daraus lernen? Ganz einfach, Mensch ignoriert seine Sinne und den Verstand in dem Augenblick, wo bestimmte Mächte sich über ihn hinwegsetzen. Solange er weiterhin vor Obrigkeiten buckelt, die ihn tyrannisieren, ändert sich nichts.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Fabians Ratschlag

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Ob ich jetzt sage, ich fühlte mich putzmunter, als ich bei der Fete von Jeanette war, oder ich war echt am Arsch, das ist gehupft wie gesprungen. Das Leben ist eine Plattform auf hoher See, ständig unruhig hin und her schaukelnd. Bühne geht auch, da stehst du im warmen Rampenlicht, und hinten weisen dir ein paar flackernde Funzeln den Weg in eine kleine kalte Verkleidungskammer Von mir aus auch Hinterzimmer, Kellerloch. Straße, Straße ist excellent, das Leben ist eine Straße, eine endlose Straße.

Alles liegt auf der Straße, manchmal auch daneben, drunter. Ich passierte gerade die Bachstraße, Ampelschaltung, kein Signalknopf für Blinde, damit ich nach ein paar Metern in die Straußstraße einbiegen kann. Bach, das ist ein verkappter Wasserfall, der ständig den Drang hat, sein Wässerchen unbedingt einen Abhang runterfließen lassen zu müssen. Am Bach blühen Blümchen, Blumenstrauß, Vogel Strauß pickt sie raus. Straussstraße. Jeanette wohnt am Ende der Straussstraße. Hausnummer 83. Straussstraße ist falsch. Aber ist leichter zu merken als Johann-Strauss-Straße oder Johann-Sebastian-Bach-Straße, mein Gehirn ist auf Vereinfachung gepolt. Sag ja, putzmunter.

„Ohje, die Sandra, die hat mir gerade noch gefehlt!“

„Hey, Fabian, was guckst du denn so interessiert die Frisuren an? Hast doch eh keine Haare mehr auf dem Kopf, willste dir ne Perücke machen lassen?“

„Sandra, lange nicht gesehen, was treibt dich denn in diese Gegend?“

„Bin auf dem Sprung zu Jeanettes Feier! Du bist doch sicher auch eingeladen?“

„Ah ja, Jeanettes Feier. Sowas, hätt ich glatt vergessen! Na klar komm ich vorbei. Muß vorher nur noch was erledigen.“

„Beim Friseur?“

„Erklär ich dir später mal, ja dann!“

Und schwupp stand ich in undefinierbarem Gasgemisch und war erstaunt, die Frage beantworten zu können: „Kann ich Ihnen helfen?“

Können Sie natürlich nicht, Sie lebende Duftwolke, schoß es mir durch den Kopf, wie eine nicht mehr steuerbare Rakete, die entweder gleich ihren Zünder verliert oder explodiert. Übersprudelnd freundlich, putzmunter, Sandra, meiner Ex, entkommen zu sein, flötete ich, muß wohl doch etwas hängengeblieben sein vom Ablesen der Straßennamen: „Ähm, nicht mir persönlich. Nicht ich, also was kostet die Frisur, die im Schaufenster rechts, Schwarz-weiß-Photographie, da spielt es doch keine Rolle, ob man blonde oder schwarze Haare hat. Also für Schwarzhaarige, nicht richtig schwarz, eher braun, dunkelbraun. Und soviel, wie da auf dem Photo soll auch nicht gekürzt werden, die Hälfte etwa und kein Parfüm, also nicht so ein Lack auf dem Haar, das wirkt wie ein Christbaum, den man vor lauter Lametta nicht mehr sieht.“

Wirklich nett und zuvorkommend, lächelnd wie Buddha-Figuren, die verdammt sind, bis sie zu Bruch gehen mit einem süffisanten Ewigkeitsgrinsen Freude zu verbreiten, sicher dachte sie, der ist am Arsch oder geht mir daran vorbei, drapierte sie mich mit den Worten, man könne dies nicht pauschal benennen, den Preis, jetzige Haarlänge, Struktur, vielleicht wäre sogar gänzlich abzuraten, da nicht typgerecht, gerne führen wir ein Stylinggespräch mit der Kundin, grob könnte der Preis, wie gesagt, je nach dem, aufwendige Tönung, vielleicht wär eine Färbung sogar erforderlich, so an die 120 € aufwärts betragen.

Ich nickte zufrieden: „Okay, das liegt im Rahmen, also dann werd ich mit meinem Freund Bernd nächste Woche vorbeikommen.“

Und draußen war ich aus dem Friseursalon, auf der Straße, wußte genau, hast dich zum Affen gemacht, aber meine Lebensgeister waren so was von putzmunter.

Jeanette wohnt Straussstraße. Johann-Sebastian-Strauss-Straße 83. War prima Stimmung, haben sich alle fürchterlich amüsiert, genug gegessen, getrunken, genug gequatscht, zugehört, einige waren bis zum Schluß putzmunter, der Rest von einigen war nach der Fete völlig am Arsch. War wohl der Einzige, der putzmunter und am Arsch war.

Habt ihr schon mal auf so einem Blatt, wo nur A´s draufstehen, ein Ä gesucht, weil irgendeiner meint, an der Schnelligkeit des Herausfindens könnte auf irgendetwas geschlossen werden, das deine Persönlichkeit betrifft? Diese Dinger gibt’s auch mit lauter Buchstaben zum Wörter raussuchen, die besagen, was als Nächstes in deinem Leben passiert.

Ach, scheiß drauf, ich fand, Freunde, Haus, Vergnügen. Putzmunter ging’s mir, bis ich Sandra traf, am Arsch war ich, als ich vor der Beethoven-, Vivaldi-, Rachmaninow-, Chopinstraße auf Bernd traf, der mir mit verträumten Augen zuzwinkerte, seine neue Flamme, die beim Friseursalon in der Bachstraße arbeite, käme später auch.

Macht diese Dinger bloß nicht, wenn ihr auf dem Weg zu einer Fete seid!

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Erwerbsarbeit verdammt zu aussichtslosem Zwang

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Jäger und Sammler ein Dasein vergangener Zeiten

In der Tier- und Pflanzenwelt gibt es sehr viele Strategien des Überlebens. Sie haben allesamt eines gemeinsam: Sie werden einfach ausgeführt ohne Bedenken, wobei die Schöpfung selbst ihrem Plan folgt, biologische Kreisläufe daher funktionieren. Mittendrin entwickelte sich eine Spezies, die als große Ausnahme einen völlig anderen Weg beschritt: der Homo sapiens.

Zunächst als Jäger und Sammler verhielt sich der Mensch ganz ähnlich wie seine Mitbewohner auf Erden, den Pflanzen und Tieren. Er nahm sich das, was er benötigte. Gleichzeitig unterschied er sich aber von Beginn an von allen anderen Wesen. Ausgestattet mit einem rasch anwachsenden Bewußtsein, einer schier grenzenlosen Neugier und entsprechendem Forscher- und Expansionsdrang vermehrte und machte er sich die Welt untertan. Damit verließ Mensch auch das unbedarfte Leben des Sammelns und Jagens, Formen der Erwerbsarbeit entstanden, um das weitere Überleben zu sichern. Die Arbeit somit ein Prozeß zwischen Erwerb sowie Zwang und Aussichtslosigkeit, wer sich verweigert?

Wie zurechtfinden in jener fragwürdigen Arbeitswelt?

Bei der Geburt werden wir gleichzeitig in ein bestehendes, soziales Umfeld entlassen, in welchem wir aufwachsen, wobei zunächst die Familie uns schützend davor bewahrt, uns selbst finden zu können, um uns vorzubereiten, außerhalb des sicheren Hafens zu überleben. Von Beginn an funktionieren wir daher in den uns zugedachten Rollen, nach Kinder- und Schulzeit tritt die Berufswahl, das Erwerbsleben in den Fokus der Entscheidung.

Ziel des Menschen, sich selbst in der Arbeitswelt zurechtzufinden, um zunächst zu überleben, aber gleichzeitig an den gestellten Aufgaben zu reifen und im günstigsten Fall voller Glücksgefühle eine Familie zu gründen. So lange die vorgezeichneten Wege beschritten werden, das Zusammenleben geordnet verläuft, funktioniert das Modell einer harmonischen Gesellschaft. Aber das Ideal entspricht keineswegs der Wirklichkeit, weil es ständig infrage gestellt wird, unterbrochen von revolutionären „schwarzen Schafen“, die sich selbst und alles kritisch betrachten, die Grenzen der vorgedachten Rahmen überschreiten, um neues zu versuchen bishin zur Arbeitsverweigerung.

Der Mensch mit all seinem Verstand hat dennoch eine Gefühls- und Seelenwelt, die hinterfragt, die ihre Umwelt anzweifelt, sie nicht hinnimmt, wie seine nächste Umgebung ihm vorschreibt, ihm aufzwingt, sondern sich selbst finden muß, welche Rolle tatsächlich „schmeckt“. Das Ausbrechen bestehender Normen aus einer bürgerlich geordneten Welt, einer alles hinterfragenden Revolte, die ihren letzten Höhepunkt und Ursprung mit der 68iger Bewegung hatte, nunmehr an einem neuen Scheidepunkt steht, der da lautet und somit eindringlich fordert: Muß Arbeit völlig neu definiert und daher auch hinterfragt werden?

Aussteigen aus der Konsumgesellschaft

Im Zeitalter der globalen Arbeitslosigkeit, des Hartz-IV-Rassismus mitten in Europa, einer profitorientierten Doktrin der Wirtschaft, die Mensch sich untertan macht, einer unübersehbaren, ekelerregenden Armut und einem Höhepunkt kriegerischer Konflikte, muß man sich die Frage stellen, worin denn der Sinn sei, weiterhin morgens sich aus dem Bett zu wälzen, um in soweit „zu funktionieren“, damit das eigene Überleben gesichert.

Milliarden von Menschen tun das tagtäglich, von der Politik bis hin zur Klofrau in einer Autobahnraststätte. Dazwischen gibt es eine wachsende Anzahl derer, die ums nackte Überleben zu kämpfen haben, ohne Arbeit, ohne Essen, ohne die Chance einer Perspektive, aber auch Überlebenskünstler und das Heer der Lohnsklaven. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, hatte ausgerechnet der SPD-Politiker Franz Müntefering den Hartz-IV-Empfängern entgegengeschmettert, was auch einer Drohung entsprach, gefälligst jede (zwangs)angebotene Arbeit gehorsamst anzunehmen.

Clevere Überlebenskünstler, die noch nicht gänzlich ihr letztes Restselbstbewußtsein verloren haben, entwickeln Strategien, auch ohne Arbeitszwang oder sanktionierenden Jobcentern zurechtzukommen. Das sind neben den Schwarzarbeitern, die es schon immer gab, aber auch völlig legale Methoden. Das Zauberwort lautet: Verzicht. Aussteigen aus der Konsumgesellschaft, sich mit anderen Betroffenen zusammen zu schließen. Das erfordert gleichzeitig den notwendigen Respekt untereinander, friedliche Lösungen zu finden, sich gegenseitig zu helfen, aber nach außen hin geschlossen aufzutreten, weil Staat und Behörden hinter solchen Aktionen stets nicht nur Protest vermuten, sondern darüber hinaus sogar Straftaten.

Das Individuum kommt ganz bewußt zu kurz – bloß keine frei denkenden Menschen

Wer die Norm verläßt, an den Rand der Gesellschaft sich begibt, – dieser Rand wächst zunehmend in einer Welt sozialer Mißstände -, den gilt es skeptisch zu beäugen, da auch staatliche Kontrolle schwieriger sich gestaltet. In einer zunehmend reglementierten Gesellschaft haben sich ohnehin alle den Gesetzmäßigkeiten einer vorherbestimmten Arbeitswelt unterzuordnen, bei der das einzelne Individuum meist zu kurz kommt. Und nichts ist den eigentlich undemokratischen Staaten verhaßter als „frei denkende Menschen“, die obendrein sich keiner Kontrolle beugen und sogar kreative Ideen entwickeln! Auch deshalb wird eisern an der Politik der Billig- und Niedriglöhne festgehalten, einer zwanghaften Sozialpolitik, die alle Bürger in die Pflicht nehmen soll: Wer sich unterordnet, darf überleben.

Und was ist mit den Aussteigern? Der Unterschied zu den Überlebenskünstlern darf getrost gen Null betrachtet werden. Alle, die bestehende Systeme hinterfragen, sind letztlich beides. Gleichzeitig wird deutlich, daß die gesamte Arbeitswelt ins Wanken gerät, eben weil durch die Lohnungerechtigkeit das Erwerbsleben selbst stets in Frage gestellt werden muß, inwieweit es über die eigentlich ungerechte Bezahlung noch Sinn macht. Daß Menschen eine Aufgabe benötigen, um sich selbst zu verwirklichen, bleibt auch weiterhin lebensnotwendig für Körper, Geist und Seele. Doch die derzeitigen Systeme bröckeln, neue Ideen sollten zugelassen werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Schilfmatten

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„Wer nicht siegen kann, kann auch nicht gewinnen! So ein Quatsch, die glaubt wohl, nur weil ich ein Jahr jünger bin, würd‘ ich ihr alles abnehmen, was die so verzapft. Blöde Kuh!“

Natalie stapft heftiger mit den Füßen durch den trockenen Morast im Schilfgelände.

„Blöde Kuh! Zicke! Weiß eh, daß sie sich immer schlauer fühlt, sieht ständig nach den Jungs! Und wenn der Klaus in Sichtweite ist, macht sie sich richtig groß. Affig sieht das aus, wie eine Gans, die ihren Hals streckt, genauso, schnatter, schnatter, schnatter, blöd bist du, blöd!“

Der Weg durch das große Schilfgelände ist eine Abkürzung zum nächsten Dorf, es stehen mehrere Schilder entlang des Weges, die davor warnen, sich im Schilf aufzuhalten. Zwar ist das Gebiet die meiste Zeit des Jahres ohne größere Gefahr begehbar, dennoch gibt es hie und da Stellen, die selbst im heißesten Hochsommer nicht komplett abtrocknen und nur scheinbar festen Boden aufweisen. Natalie und die Kinder aus den Dörfern rund um Moorsee kennen natürlich die Gefahren, nicht weil überall diese Warnschilder stehen, auch nicht von den gruseligen Erzählungen, die jedes Dorf in abgewandelter Form zu erzählen wissen, sondern weil sie bei ihren Streifzügen das ein oder andere Mal selbst in den morastigen Sumpf getreten sind, und mancher von Glück sagen konnte, daß er nicht alleine dort war, Freunde ihm halfen, seinen bis zu den Knien eingesunkenen Fuß wieder aus dem Schlick zu ziehen. Genau diese Erinnerung, Frank aus der sechsten lebt deshalb noch, weil Klaus und Björn ihn mit all ihrer Kraft aus so einem Schlickloch herausgezogen haben, dafür haben alle drei Prügel bezogen, nicht weil nichts passiert war, sondern weil sie im verbotenen Gelände gespielt haben, die Rettungsmaßnahmen als heldenhaftes Erlebnis allen Schulkameraden erzählten, die mit gespannten Gesichtern ihnen zuhörten und deshalb zuerst Lehrer, besonders Fräulein Krämer in Schockstarre versetzten, danach den Eltern zu Ohren kamen, die angestachelt von der zu untersagenden Heldengeschichte, zum Stock griffen, genau daran dachte Natalie gerade.

Eigentlich dachte sie an Klaus, wegen der Sabine, dann an Frank, der immer mit Klaus rumhängt, der Björn auch. Sie sieht den Frank, wie er am nächsten Tag, nach der Tracht Prügel, umringt von einer ganzen Traube lauschender Kinder auf dem Schulhof behauptet, er würde eine ganze Menge mehr Prügel einstecken, aber mit Klaus und Björn ins Schilf gehen, das könnte niemand aus ihm herausprügeln, und er beschrieb nochmal in aller Ausführlichkeit den letzten Streifzug, den sie durch das Schilf nahmen. Sabine stand neben Klaus, den Hals gereckt, da war sie fast so groß wie er.

Er hätte immer wieder zu ihr gesehen, sogar zugezwinkert. Doch das ist Lüge, Lüge, Sabine du Lügnerin, hab nämlich hinter dem Tobias gestanden und dich und Klaus sehen können.

Natalie stampft auf und nochmal, der Boden wippt ein wenig mit, so daß ihr Stampfen abgefedert wird. Der leicht ausgetretene Weg ist hier nur ein enger Durchlaß und hat die Breite von einem Schulheft, einem kleinen Schulheft. Natalie ahnt, hier ist der Untergrund nicht fest genug, sie geht ein Stück zurück und nimmt Anlauf, um über die nässende Stelle zu springen. Durch die Wucht des Sprungs versinkt der rechte Fuß bis über die Schuhe im Sumpf, der linke Fuß bleibt mit der Schuhspitze im Morast hängen, Natalie liegt bäuchlings auf Schlick. Durch den Sturz hat sie einige der seitlich stehenden Schilfstängel niedergedrückt, das Gesicht und ihre Hände sind durch etliche größere und kleinere Risse mit Blut verschmiert, wahrscheinlich stammen die Schnitte durch das beim Fallen niedergedrückte Schilfgras.

„Blöde Kuh! Wegen dir hab ich mich mit Conny verabredet!“

Es dauerte eine Weile, bis sie auf den Knien abgestützt ihren Fuß aus dem schleimigen Untergrund herausziehen konnte.

„Zu Conny kann ich so nicht gehen, nach Hause auch nicht! Wenn Mama mir keine Ohrfeige verpaßt und nichts weitererzählt, werd ich keine Schläge von Papa bekommen. Daran brauch ich gar nicht glauben!“

Ganz in der Nähe fliegen ein paar Möwen in die Lüfte.

„Die haben es gut, die können über alles drüberfliegen, machen sich nie die Füße schmutzig!“

Mit lautem Gekreische läßt sich die Schar auf das Wasser nieder. Natalie hört trotz ihrer Schreie Wasser spritzen.

„Kind, wie siehst du denn aus?“

Natalies Mutter stürmt direkt auf sie zu, knöpft die noch triefende Jacke auf, streichelt über ihr Gesicht, streift einige Haarsträhnen aus der Stirn, alles gleichzeitig, und mit der gleichen Geschwindigkeit erfährt sie von ihrer Tochter den Grund, warum sie bis auf die Haut naß ist.

„Hab unten am See gesessen, da stehen doch so viele Schilfstängel, da kam ich auf die Idee, Matten zu machen, wie die Deckchen, die du neulich gekauft hast. Ist richtig groß geworden. Als die Möwen kamen, fand ich es lustig, daß sie sich auf die Matte gesetzt haben, doch dann haben sie ihr Geschäft darauf gemacht. Am Steg wollte ich die Matte auswaschen, die ist mir aus der Hand gerutscht, als ich nachgreifen wollte, lag ich im Wasser!“

Warm zugedeckt, den restlichen Nachmittag fürsorglich von der Mutter umsorgt, vom Vater nach der Arbeit liebevoll umarmt, „da hat mein Mädchen Glück gehabt, was hätte alles passieren können!“, liegt Natalie mit einem Siegeslächeln im Bett. Kurz vorm Einschlafen fällt ihr Sabines Satz wieder ein, wer nicht siegen kann, kann auch nicht gewinnen.

„Eine blöde Kuh bist du trotzdem, schnatter, schnatter, langer Hals. Vielleicht kann ich sie überreden, mit mir morgen Schilf zu schneiden und Matten daraus zu basteln.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Trumps Nahostpolitik scheitert an Jerusalem

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Trompetengeschmetter ohne Sinn und Verstand

Die Liste politischer Entgleisungen bei diesem 45. US-Präsidenten wird kontinuierlich länger, was keineswegs überraschen sollte, sich während den Wahlkampfzeiten ankündigte und nach bald elf Monaten im Amt kein gutes Licht auf den Hegemon wirft, der ohnehin schon vor Donald Trump mittels etlicher militärischer Einsätze der Welt offenbarte, wie widerlich Unmenschlichkeit Angst und Schrecken verbreitet.

Manche mögen es als Antiamerikanismus abtun, wenn kritische Töne gen Washington erhoben werden, im Grunde sind sie mehr als berechtigt. Im Fall von Donald Trump erst recht, dessen Nahostpolitik an Jerusalem zu scheitern droht, sollte er die heilige Stadt zur Hauptstadt Israels erklären.

Erdoğan und Abbas warnen vor Überschreitung einer roten Linie

Mit 9/11 wurde ohnehin der Krieg des Abendlandes gegen das Morgenland eröffnet, könnte man überspitzt im Nachhinein behaupten, weltweiter Terror nahm seitdem erheblich zu, neben etlichen Verschwörungsszenarien konnte sich ebenso eine erneute rechtsradikale Wende besonders im europäischen Raum entwickeln. Etliche Stimmen meinen nicht unberechtigt, daß dies ein geplantes Kalkül sei.

Waren bereits die Waffenlieferungen an die Kurdenmiliz YPG dem“Türkischen Pascha“ ein Dorn im Auge, mit Konsequenzen zu drohen, warnte Erdoğan den US-Präsidenten, „Jerusalem sei die rote Linie der Muslime“, sollte es dazu kommen, werde er schnellstmöglich einen Gipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in Istanbul einberufen. Es versteht sich von selbst, daß sowohl Macron als auch Gabriel das Verhalten Trumps mißbilligen.

Wieviel Trump verträgt die Weltgemeinschaft denn noch?

Was muß noch alles geschehen, bis der ohnehin nicht zu übersehende Widerstand in den USA selbst auch weltweit endlich höhere Wellen schlägt angesichts dieser unsagbar fragwürdigen Politik des Herrn Trump? Während es nach wie vor genügend Stimmen gibt, die berechtigte Kritik gen Donald Trump als Hetze bezeichnen, beginnen immer mehr republikanische Politiker den US-Präsidenten zu hinterfragen. Gut so, das läßt zunächst hoffen.

Dennoch rächt sich „Humpty-Trumptys Unfähigkeit“ zusehends mehr, zumal etliche Konflikte nicht nur neu hinzukommen, sondern durch ihn sich schnell zuspitzen können. Wer cholerisch unbedacht wie ein Elefant im Porzellanladen auf politischer Weltbühne unterwegs, sorgt nicht nur für entsetztes Auseinanderdividieren vorher heilsamer Prozesse, sondern vergrößert Probleme viel eher, die am Ende nicht zu lösen sind.

Kann in der Stadt des „Friedens“, in der heiligen Stadt Jerusalem wieder Frieden einkehren? Mit einem Donald Trump und einem Recep Erdoğan wohl eher nicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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