Rechtsextremismus: Identitär reaktionäre Schifffahrt jäh gestoppt

Wer anderen eine Grube gräbt

Erneut richten die Medien ihre Aufmerksamkeit auf jene rechtsextreme Gruppierung, die Identitären genannt, die bereits in der Vergangenheit mit altbewährten Mitteln umweltpolitischer Maßnahmen wie das Anbringen von Transparenten in schwindelnder Höhe an Bauwerken nachäfften.

Doch damit nicht genug, hatten die Rechtsextremen doch bereits vor einer Woche das Schiff C-Star zur „Rettung Europas“ gechartert, der „Schlepper-Wahnsinn“ im Mittelmeer solle beendet werden, sie wollen der libyschen Küstenwache ihre Hilfe anbieten, die ursprüngliche Idee, private Schiffe der Hilfsorganisationen zu „stoppen“, haben sie allerdings inzwischen verworfen, zumal die Seenothilfe sie letztlich dazu verpflichtet. Nunmehr sitzen die Rassisten im Hafen von Famagusta fest, da ein Schlepperverdacht gegen deren Kapitän vorliegt.

Welch menschenverachtende Einstellung offenbart sich hier vor der Öffentlichkeit

Als ob nicht schon genug Leid im Mittelmeer in den letzten Jahren geschah, flüchtende Menschen dort ihr Leben verloren, mit der Schließung der Balkan-Route sowie dem Türkei-Deal wieder mehr es wagen, die lebensgefährliche Flucht anzutreten. Außer Frage, daß die kriminellen Vorgehensweisen der Schlepper alles andere als gutzuheißen sind.

Die verantwortliche Politik sollte sich an die eigene Nase fassen, nicht nur in den Kriegs- und Terrorgebieten, sondern ebenso die EU selbst sowie die deutsche Politik, denken wir an Waffengeschäfte, Ressourcenausbeute bishin zu aktiver Beteiligung bei kriegerischen Konflikten. Insofern sind die Aktionen jener Rechtsextremen ohnehin alles andere als durchdacht, sie spielen nicht nur der neoliberalen Politik in deren Hände, sie veranschaulichen obendrein ihre rassistische Gesinnung, mal ganz abgesehen von den vielen Unterstützern aus Wirtschaftskreisen im In- und Ausland, die keinerlei Bedenken haben, erst recht seit dem Aufwind der Neuen Rechten, die schon bald erneut in Deutschland im Parlament sich wähnen darf.

Kapitän als Waffenschmuggler und selbst ein Schlepper?

Ob sich diese Vorwürfe nun bestätigen oder nicht, die Identitären sind wohl in ein gewaltiges Fettnäpfchen getreten mit ihrem Kapitän der C-Star. Was sie selbst jetzt verärgern mag, zieht belustigende Kreise nicht nur bei den Linken nach sich, sondern bei all jenen, denen sowieso die menschenverachtenden Aktionen jener Rechtsextremen ein Dorn im Auge.

Man kann es Enzo Bianco, dem Bürgermeister von Catania, nicht verdenken, daß er das Anti-Flüchtlings-Schiff der Identitären aufhalten will, schließlich gehe es ihm um Hilfe direkt vor Ort, da stören solch demagogisch menschenunwürdige Aktionen. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt zwar nicht direkt rein, aber muß mit entsprechendem Widerstand rechnen, der gleichzeitig verdeutlicht, daß jenes rechtsextreme Gedankengut eben nicht mehrheitlich in der Bevölkerung angekommen ist. Gut so!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Entblößtes Denken

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„Lassen Sie sich nicht durch Äußerlichkeiten von den wahren Gedanken Ihres Gegenübers ablenken. Sehen Sie hinter die Fassade. Achten Sie auf Bewegungen, kleinstes Augenzwinkern, wann streicht die Hand die Nasenspitze, werden die Hände ständig beim Sprechen benützt, ist der Gang forsch, lässig, schleppend, dies verrät Ihnen mehr als die vorgelegten Zeugnisse, Dokumente. Studieren Sie die Handlungen der Personen, wenn sie Ihnen gegenübersitzen, dann wissen Sie wesentlich mehr über ihren Charakter und ihre Einstellungen. Stellen Sie gezielt auch Fragen, die ein wenig, sagen wir mal, unkonventionell sind wie zum Beispiel, wie reagieren Sie, wenn Sie Ihre Chefin, Chef am Nacktbadestrand begegnen oder in der Sauna?“

„So in etwa klang der Gesprächsinhalt, der mir helfen soll bei den Vorstellungsgesprächen, die mir zusätzlich zu meiner sonstigen Arbeit aufgebrummt wurden, eine Einstellungsentscheidung besser treffen zu können. Mehr nicht.“

Melissa schaute mich entgeistert an, ihre Gesichtsmimik verschob sich von Nase rümpfen zu Kampfbereitschaft, von Stirnrunzeln zum Lachanfall und dies in einem Tempo, daß sie, als sie loslachte, sich so verschluckte und ich ihr Minuten später noch auf den Rücken klopfen mußte, weil sie ständig immer wieder einen Hustenanfall beim Sprechen bekam. Sie ist sonst weder bei Geschichten über Horrorunfälle, Gruselstorys, noch bei Filmszenen aus der Fassung zu bringen, während ich bereits schon zu Beginn irgendeiner nur vermeintlichen schrecklichen Situation in Schweiß ausbreche.

„Das hört sich an wie ein Möchtegern-Therapeut, der sich mal fünf Minuten lang einen Text über menschliche Verhaltensmuster angelesen hat“, maulte sie vor sich hin und wurde schon wieder von einem Hüsteln unterbrochen.

„Aber, schlau ist das nicht, dadurch erfährst du nur, ob jemand verklemmt ist oder extrem freizügig, möglicherweise moralisch versaut. Ihr seid doch kein Religionsverein.“ Und sie warf mir einen strengen Blick zu, der mich von oben bis unten abschätzend musterte. Bevor sie wieder zu husten drohte, lächelte ich sie mit einem aufgesetzten Grinsen an.

„Meiner Meinung nach wollte er mir dadurch nur verdeutlichen, man soll sich nicht durch die aufgesetzte Maske einer Äußerlichkeit blenden lassen. Nicht von der Kleidung, nicht von Zeugnissen. Lach nicht schon wieder, denk an deinen Hals! Vielleicht sollte ich mal in so einen Nacktclub gehen, du weißt schon, so ein Nacktbadestrand und dort die Menschen nach ihrem Verhalten einschätzen. Ist der mit der Glatze ein Rechtsanwalt oder ein Zugführer? Ist die Blonde Hausfrau oder wie ich im Büro tätig?“

Noch während ich, wirklich so war das, nur so vor mich hin sinnierte und eigentlich nicht richtig über mein Gesagtes nachgedacht hatte, ergriff sie meinen Unterarm, fest, starrte mich mit aufgerissenen Augen an und sagte mit Überzeugung: „Das machen wir!“

Natürlich habe ich widersprochen, habe das Ganze für einen Jux gehalten, habe ihr erklärt, selbst wenn wir dies täten, es würde mir bei einem Vorstellungsgespräch nichts nützen, aber, nun ja, irgendwann sagte ich, wäre zu überlegen, dann das ist nicht machbar, dann okay, wenn du eine Adresse eines Nacktbadeclubs findest, der nicht in der Nähe ist, aber auch nicht zu weit weg. Melissa hat schon am nächsten Abend einen Club gefunden, der keine 50 Kilometer entfernt war und sie hatte bereits zwei Clubkarten erworben, Dauerkarten, weil die billiger waren und unseren Besuch für kommendes Wochenende angekündigt. Sie war hellauf begeistert, der Typ sei so freundlich gewesen, habe ihr erklärt, im Hotel des Ortes bekäme man Rabatt beim Übernachten mit der Clubkarte genauso wie bei einigen Restaurants der Umgebung. Über die Wetterlage der kommenden Tage wußte sie ebenso Bescheid, weil sie dachte: „Du frägst sowieso danach“, und es sind herrliche sommerliche Tage in Aussicht.

„Und weißt du was, Tommy, also der Typ, der mir die Karten verkauft hat, kennt von sämtlichen Mitgliedern die Jobs und deren Leben, weil du weißt schon, die kennen sich teilweise schon über Jahre hinweg und treffen sich auch privat und…“

„Melissa, ich glaube, das geht zu weit, du kannst den doch nicht ausfragen, ob wir jemanden richtig eingeschätzt haben oder nicht!“

„Mach dir mal keine Sorgen, dieser Tommy ist voll in Ordnung. Der ist kein Schwätzer oder Petzer, der ist einfach ein offener Mensch, einfach bloß ehrlich, habe schließlich über eine Stunde mit ihm geklönt, da kann ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen!“

Die restliche Woche war ich angespannt, was wenn ich dort jemanden treffe, den ich kenne, schließlich sind fünfzig Kilometer nicht besonders weit entfernt, und warum sollten nicht einige Leute aus der Stadt auch dort Mitglied sein? Nein, ich bin nicht verklemmt, doch alleine bei der Vorstellung völlig nackt am Strand zu liegen, habe ich so viel Schweißperlen verloren wie bei einem stundenlangen Jogginglauf, schätzungsweise habe ich sogar ein paar Kilos verloren, denn ich hatte das Gefühl die Kleidung schlotterte an meinem Körper herum und ich versinke in ihr.

Wir sind inzwischen Stammgäste des Clubs und treffen uns auch in der kalten Jahreszeit in einem extra angemieteten Hallenbad eines örtlichen Hotels, das durch den Club für jeden Freitagabend zur Verfügung steht. Meine Befürchtungen jemanden zu treffen, den ich kenne, haben sich in Luft aufgelöst. Das Rätselraten über die anderen Mitglieder, deren Jobs, deren Familienstand, deren Lebenseinstellung, Gewohnheiten, Ticks oder was auch immer von Interesse wäre, hat, wenn man etwas über jemand wissen möchte, den man nicht kennt, sich bereits am ersten Tag als reine Unterhaltungsspekulation herausgestellt. Tommy, der sich zu uns gesellte, um wohl selbst ein bißchen mehr über Melissa und mich zu erfahren, gab bereitwillig Auskünfte, ermunterte uns sogar zu ausschweifenden Vermutungen über die anderen Mitglieder und über sich selbst. Dabei stellte sich heraus, so meine Einstellung heute, man geht immer von den eigenen Empfindlichkeiten aus, wenn man jemanden neu kennenlernt.

Also muß derjenige, der in irgendeiner Weise jemanden ähnelt, den man nicht einschätzen kann, auch jemand sein, der undurchsichtig ist und derjenige, dessen Lächeln einer Person ähnelt, die sympathisch im Gedächtnis eingeordnet ist, auch nett sein. Jedenfalls auf den ersten Eindruck, und das mit den Berufen ist ein Klischee. Denn der Bodybuilding-Typ ist in Wirklichkeit ein Bäckermeister, und die aufgedonnerte Brünette trägt nach der Chemotherapie eine Perücke und schminkt sich die Gesichtsflecken nur unvorteilhaft weg.

Bei meiner Tätigkeit zur Einstellungsentscheidung habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, ein entblößtes Denken einzusetzen und bin damit bis jetzt recht gut beraten gewesen. Ich wähle aus den eingereichten Bewerbungen wahllos Mappen heraus, lese nie ein Zeugnis, schaue mir nie ein Photo an, denn mit einem bereits vorgefertigten Eindruck hat mein Gegenüber fast keine Chancen mehr, etwas zurechtzurücken, das ich mir bereits zurechtgelegt habe über ihn. Wir treten uns beide quasi nackt gegenüber, das ist fair.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Prophezeiung ohne Anspruch auf Gewähr

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Menschliches Unvermögen rechtzeitig erkennen

Menschen sind angetreten, ihre Spuren auf Mutter Erde zu hinterlassen. Ein jeder vermag dies auf seine ganz eigene Weise, manchmal auch ohne irgendeiner bewußten Initiierung, sondern zumeist in einer gewissen Selbstverständlichkeit, die das Leben so vielseitig und interessant werden läßt.

Können die Nachfahren dies erkennen und haben den Respekt, die Nachsicht, entsprechend das Bestmögliche verwertbar zu verwenden von unserer Hinterlassenschaft? Wenn wir uns die stetige Ignoranz dem weltlichen Dasein gegenüber vergegenwärtigen, könnte man fast meinen, daß da nicht viel übrigbleibt von einer behutsamen Analyse oder gar Rücksichtnahme. Um zu verdeutlichen, wie sich bestimmte Entwicklungen gestalten, wagen wir doch mal eine Prophezeiung ohne Anspruch auf Gewähr, um menschliches Unvermögen rechtzeitig zu erkennen.

Irgendwo in einer Großstadtmetropole

„Ey, Locke, kannste mal deine Rübe aus meinem Sichtfeld schieben, sonst funkt’s“, bemerkte ziemlich wirsch ein gedungener, eher schmächtig erscheinender, junger Mann seinem Gegenüber, während gleichzeitig ein gewisses Gedrängel auf dem Gehweg herrschte zu dieser späten Abendstunde.

Eigentlich durfte sich hier niemand mehr tummeln, da die Sicherheitskräfte mal wieder eine Sperrstunde verhängt hatten wie schon so oft in letzter Zeit. Aber daran hielt sich wohl augenscheinlich niemand dran. Das hing auch ganz viel mit der generellen Einstellung der Staatsmacht gegenüber zusammen. Die Menschen hatten ohnehin keinerlei Interesse mehr, sich an Regeln oder Gesetze zu halten, Anarchie traf man daher immer häufiger an, sobald kein „wachsames Auge“ einer Videokamera oder Drohne in der Nähe lauerte.

Etliche Zeitgenossen machten sich einen Sport daraus, eben genau diese „Lücken“ für sich zu nutzen. Die Reaktion nach dieser bewußten Provokation blieb nicht aus. Der Angesprochene, ein breitschultriger Mittfünfziger schwang extrem schnell sein rechtes Bein, traf den jungen Mann mit zwei gekonnten und gezielten Tritten einmal an der linken Schläfe und mit dem zweiten Tritt exakt den Solarplexus, so daß der Getroffene schnell auf dem Bürgersteig aufschlug. Die vorrübergehenden Menschen beachteten diese Auseinandersetzung überhaupt nicht, manche rempelten den nach Luft Schnappenden sogar teilweise fluchend an. Keine Kamera hatte dies gesehen, keine Drohne war unterwegs.

Soylent Green war längst beschlossen

Längst hat sich die Vision des Science Fiction-Films „Soylent Green“ auf eine ganz spezielle Weise verwirklicht, aber mit dem entscheidenden Unterschied, die menschliche Hinterlassenschaft nicht lebensmitteltechnisch zu verwerten. Eine Kleinfamilie sitzt ungeduldig im hellerleuchtenden Wartezimmer eines Hospizes, der angenehm nach frischgeschnittenem Lavendel duftet.

Dabei blättern sie per Fernbedienung, um sich die verschiedenen Werbeangebote auf dem großen Bildschirm anzuschauen, und werden sich nach einer Weile auch einig: Opa soll seinem Wunsch entsprechend mit den Klängen der Doors auf einer Sommerwiese liegend Abschied nehmen von seinen Angehörigen. Niemand muß mehr unnötig lange leiden, sondern kann frei selbst bestimmen, wann sein Leben endet, ohne jedwede gesetzliche Bedenken. Allerdings erst nach einem ausführlichen Prozedere, um einen Irrtum auszuschließen. Mit dem Tod werden sämtliche Rechte des Körpers abgetreten, was auch die Entnahme aller verfügbar gesunder Organe anbelangt.

Nahezu alle Bäume, Pflanzen und Tiere verschwunden

Unsere Zivilisation hat die jahrelangen Sorgen nicht beachtet, sondern weiterhin bedenkenlos Mutter Erde ausgebeutet, weil der Run aufs Geld oberstes Ziel blieb. Neulich ließ Oma ihren zwei Enkelkindern mal wieder den Film anschauen, wo Silberpappeln sich im Herbstwind rauschend wiegen. Krähen tummeln sich krächzend auf den Baumkronen, während Schwäne im nahegelegenen See ihre Runden drehen.

Das war die Welt vor sechzig Jahren. Inzwischen kann man nur noch in speziellen, riesigen Gebäuden, gänzlich verglast, Tiere, Bäume und viele andere Pflanzen bewundern, während da draußen die Landschaft lebensbedrohlich nur noch im Schutzanzug betreten werden kann. Weltweiten Atomkriegen waren noch Kriege mit Biowaffen vorausgegangen. Anstatt Homo sapiens sich global mal wirklich einigte, stellten einige Wenige die Wesen der Erde vor vollendete Tatsachen: Zerstörung eines bis dahin nie gekannten Ausmaßes.

Menschheit hat es nachwievor in der Hand, schlimmeres zu verhindern

Schachspieler wissen, daß es nahezu unendlich viele Möglichkeiten strategischer Art gibt, um ihr Ziel zu erreichen, den König Schachmatt zu setzen. Genau so verhält es sich für die Menschheit, die es selbst in der Hand hat, welch weiteren Verlauf sie durchleben möge.

Solange Völker zuschauen, wie ein paar herrschende Familien letztlich über ihr weiteres Schicksal bestimmen, werden diese nicht aufhören, sämtliche Register zu ziehen, um ihre Macht auszubauen. Dabei werden weder moralische Grenzen gezogen noch irgendeine Rücksicht genommen. Stets zählen nur die eigenen Vorteile. Das gilt es zu erkennen und entsprechend gezielt zu verhindern.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Wetterkapriolen kein Zufall

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Nässe findet stets ihre Wege,
schleicht sich ohne Unterlaß,
das Land wird naß,
man sich ins Trockene begebe.

Wetterextreme begleiten uns
meist von ungefähr.
Das sei nur eine billige Mär,
soll blenden Hinz und Kunz.

Mensch mag im Dunkeln tappen,
Hauptsache er nützt den Eliten,
falls nicht, gibt’s genug Leviten,
die uns gelesen, Fallen zuschnappen.

Wer an den Zufall noch glaubt,
den haben sie längst eingeseift,
auf daß da nichts mehr reift,
uns die Sinne, der Verstand wird geraubt.

Ein jeder wie er kann und mag,
solange Kräfte ihn begleiten.
Es gilt dabei, sich vorbereiten
auch an einem nassen Wolkentag.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Aldi: Keine Plastik- und Papiertüten mehr

Das Ende der Einwegtüten – ein dringend notwendiger Schritt

Gute Nachrichten darf man eher selten lesen, zumal deren Anlässe meist weniger vorhanden, überschattet werden von tragischen Ereignissen, an denen zum größten Teil Mensch beteiligt. Um so erfreulicher, wenn Discounter mit gutem Beispiel vorangehen wie jüngst Aldi, welches zu Beginn des nächsten Jahres Plastiktüten abschaffen will, gar bis Ende des Jahres sämtliche Einwegtüten, somit ebenso Papiertüten.

Eine gute und wichtige Entscheidung, wenn schon Verbraucher nicht allumfassender bisherig Einsicht zeigten, der Umwelt und somit Mutter Erde zuliebe. Da wünscht man sich, daß auch andere Discounter und Geschäfte dieser Erkenntnis folgen mögen, diesen dringend notwendigen Schritt nachahmen.

Das Aus nach 57 Jahren – optimistische Prognosen viel zu verfrüht

Selbst wenn von der ersten Plastiktüte, die das Kaufhaus Horten in Neuss seinen Kunden anbot, bis zur letzten Plastiktüte im Jahre 2018 bald 57 Jahre lang die Umwelt erheblich belastet, nunmehr wenigstens jenes Kaufverhalten seitens Aldi ein jähes Ende findet, liegt noch ein gutes Stück Überzeugungsarbeit vor uns. Schließlich müssen nicht nur hierzulande andere Unternehmen dieser umweltfreundlicheren Entscheidung folgen, sondern europa- und weltweit.

Insofern sind optimistische Prognosen viel zu verfrüht, genügt die derzeitige Freude keineswegs. Selbst wenn der Plastiktütenverbrauch der Deutschen inzwischen rapide sank, darf weder von einer Entwarnung gesprochen werden noch von einer schnell wirkenden Nachahmung in anderen Ländern. Obwohl Deutschland in einigen Bereichen den Umweltschutz vehementer umsetzt, bereitet dessen weltweite Mißachtung weiterhin große Sorgen, bestimmen Profite letztlich den dramatischen Kurs.

Papiertüten waren noch nie eine bessere Lösung

Die über hundert Jahre zuvor von Gumpert Bodenheim industriell entwickelte Papiertüte (1853) fand schnell ihre Abnehmer bei Einkäufen. Wer kennt sie nicht in US-amerikanischen Filmen, übergroß mit Lebensmitteln gefüllt, oftmals reißend, ein williges Mißgeschick zum Kennenlernen. Ihre enormen Energiekosten bei der Herstellung sind dennoch keine Alternative zur Plastiktüte.

Warum nicht die gute alte Tasche mitnehmen? Ganz davon abgesehen, daß heute in Ballungscentren, auf der grünen Wiese ohnehin die Klappbox im Kofferraum des Autos schlummert, um per Einkaufswagen die Ware dorthin zu karren. Aldi sei Dank könnte endlich jene unbedachte Gewohnheit, per Plastik- oder Papiertüte einzukaufen, ein Ende finden. Unserer Umwelt zuliebe.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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Meine Großeltern

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Nicht nur ein Mantel des Schweigens
umhüllt eure Gestalten, eure Wesen.
Manchmal ist es mir, als wärt ihr
nie gewesen.
Doch ihr wart hier.
Sie waren unter euch.
Mittendrin.

Unsichtbar für die Familie.
Versteckt vor der Welt.
Versteckt haben sie sich wohl auch selbst.
Was ist mit Oma, Opa passiert?
Habt ihr euch geliebt?
Wer warst du Oma?
Wer warst du Opa?
Ihr wart nie für mich da.

Als Kind habe ich mich
in trauriges Schweigen gehüllt.
Hab so getan, als ob ich wie ihr fühlt.
Das war nicht wahr.
Ich habe oft mit ihnen gesprochen,
hab an ihren Gedanken gerochen.
Hab Oma, ich lieb dich, gesagt,
hab das auch gegenüber Opa gewagt.

Habe mich ab und an abgewandt,
tat so, als wären wir nicht verwandt.
Weil das alle taten, um nicht zu verraten,
wer ihr wirklich wart,
Geheimnis blieb gewahrt.
Ich habe mich angelogen,
in alte Geschichten wird man
hineingeboren,
was nützt es, darin zu bohren,
schließlich wart ihr längst gestorben.

Bis heute auf meinen Wegen,
ob glücklich oder verwegen,
sind nicht nur Mama und Papa
meine Aufpasser, dafür bin ich dankbar,
aber warum seid ihr da?

Warum nennt ihr mich beim Namen,
warum kennt ihr kein Erbarmen,
warum darf ich nicht wie alle schweigen,
warum soll ich für euer Leben schreien?
Oma, du fürchtest dich.
Opa, du fürchtest dich.
Die Menschen fürchten sich.
Deshalb das Schweigen,
tausende Mäntel verbergen das Dickicht.

Man soll ruhen lassen,
die Geschichten der Ahnen,
und das der Nachfahren.
Und was ist mit mir?
Oma, Opa,
wenn ihr mich das nächste Mal besucht,
mir zur Hilfe eilt,
oder einfach neben mir weilt,
fürchtet euch nicht mehr,
Sitte, Moral ist nichts wert,
wenn man sich vor sich selber schämt.

Ihr seid meine Großeltern,
ohne Namen, ohne Gewähr.
Ich hab euch lieb.
Egal was die alten Geschichten
erzählen.
Ihr habt gelebt.
Ihr habt mir eine Chance gegeben,
was zählen da Geheimnisse
über Herkunft und Stand,
ob gewollt oder mit Widerstand.
Ich bin eure Enkelin
und in diesem Leben
mit euch verwandt,
auch wenn wir uns
nie gekannt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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ZDF-Sommerinterview: Steinmeier präsentiert sich trotz Krisen souverän

USA-Kritik bleibt unerwünscht

Mr. Mutmacher hat sich beim Sommerinterview des ZDF in Bad Saltzuflen den Fragen von Bettina Schausten, der Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, gestellt. Dabei präsentiert sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trotz Krisen souverän, bestätigt sein Amt, welches er vor gut vier Monaten antrat.

„Berlin Direkt“ legt großen Wert darauf, im Anschluß weitere Politiker aus der ersten Reihe im Wahlsommer zu interviewen, nachdem im Jahre 1988 das erste dieses Sendeformats unter dem Titel „Bonn direkt“ ausgestrahlt worden war. Der ehemalige „Mr. Agenda 2010“ versuchte sich weltmännisch in seiner neuen Rolle, wenngleich ein gewisser fader Beigeschmack ihm anhaftet, immerhin war er nicht unwesentlich an manchen weltpolitischen Ereignissen unbeteiligt, denken wir an den Maidan-Putsch, den Syrien- und Libyenkrieg oder eben an die Hartz-IV-Gesetze.

Durchwurschteln darf keine Option sein

Steinmeier nannte Trump in dessen Wahlkampf mal Haßprediger, jetzt sollte man aber sich den USA treu hingeben, weil historisch sie es waren, die Deutschland mit aufbauten nach dem Zweiten Weltkrieg? Der Bundespräsident verwechselt politisch-geschichtliche Ereignisse, die keinesfalls dazu dienen sollten, jeden Kurs dieser USA auf Gedeih und Verderb mittragen zu müssen.

Die transatlantischen Beziehungen betont der 12. Bundespräsident dann dennoch, die amerikanische Politik könne sehr wohl Korrekturen der Administration veranlassen. Nach einem halben Jahr mit diesem Donald Trump, dessen vielen Schlappen und Entgleisungen, mag man viel eher dem SPD-Mann einen besonderen Optimismus bescheinigen, der somit die eigentlich tragische Lage verkennt.

Das kommt explizit zum Ausdruck, wenn er die Demokratie hochhält, die nicht selbstverständlich sei. Vielleicht sollte mal die SPD von ihrem hohen Roß heruntersteigen und zugeben, daß neben ihr noch ganz andere Politiker und Menschen mit dazu beitrugen, daß Demokratie entstehen konnte, die dennoch gerade durch die anhaltende neoliberale Politik mit Füßen getreten wird, geschweige denn dem Volk selbst zugute kommt!

Kritik an Erdoğan sowieso hinfällig – Integration braucht ihre Zeit

Aus bekannten Gründen hatte die Bundesregierung sich viel zu lang zurückgehalten, allerhöchste Zeit Erdoğan Einhalt zu gebieten. Als Härte mögen manche Medien Steinmeiers Äußerungen werten, und natürlich spricht er die türkischen Mitbewohner in Deutschland an, das gehört schließlich zu seinem Job genauso wie die Feststellung, daß Integration seine Zeit braucht. Dies weiß die Politik ohnehin, tragisch genug, wenn manche in Europa sich vor der ungeheuren Verantwortung drücken, Flüchtlinge aufzunehmen.

Geschickt versteht es dieser neue Bundespräsident im Interview, Schulzes Wahlkampfgetöse nicht zu kommentieren, dessen Ansage für mehr Gerechtigkeit hat sowieso etwas befremdliches, wo doch ausgerechnet diese SPD die Agenda 2010 ins Leben rief, an der auch Steinmeier nicht unwesentlich beteiligt war.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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