Schwadronieren – wild und planlos um sich schlagen

Tratsch und Parolen in die Welt ergießen

Es ist nicht unbedingt eine vollkommen schlechte Charaktereigenschaft, wenn jemandem nachgesagt wird, er schwadroniere für sein Leben gern. Möglicherweise ist es nur darauf zurückzuführen, daß dieser Mensch ein großes Mitteilungsbedürfnis hat, er sich vor lauter möglicher Eventualitäten verzettelt. Wenn er allerdings schwadroniert, weil er sich gerne reden hört, mittels Aufdringlichkeit andere überzeugen möchte, dann empfindet man diese Art der Kommunikation als negative Charaktereigenschaft.

Schwadronieren, ursprünglich beim Fechten wild und planlos um sich schlagen, zu Schwadron; vielleicht beeinflusst von schwadern. (Duden) Andere Ausdrucksformen sind, einherreden, sülzen, quatschen, sabbeln, monologisieren, babbeln, palavern, schwatzen, labern.

Die Schwadron, (kleinste Einheit der Kavallerie) italienisch squadrone, großes Viereck, lateinisch quadrus, Quader.

Schwadern, (im süddeutschen Raum gebräuchlich) spätmittelhochdeutsch swadern, rauschen; klappern, mittelhochdeutsch swateren, schwatzen. Andere Begriffe sind, quatschen, schwappen, überfließen, plätschern, überströmen.

Schwatzen, oder auch schwätzen, spätmittelhochdeutsch swatzen, swetzen, mittelhochdeutsch swateren, rauschen, klappern. Synonyme sind, quatschen, plaudern, weitererzählen, schnacken, tratschen, plauschen, parlieren, plaudern.

Im Gegensatz zu „männlichen“ Gesprächsgewohnheiten gibt es für Frauen den Begriff „Tratschweiber“. Synonym für diesen Begriff wäre möglicherweise „Stammtischparolen“, das in etwa dem gleichen Kontext entsprechen würde hinsichtlich männlichen Tratschens, oder?

Tratschgeschichten, Stammtischgerede sind heute nicht mehr oft am Gartenzaun oder in der Wirtschaft, Kneipe anzutreffen, sondern vielmehr wird mittels Medien schwadroniert, geschwätzt, gequatscht, geplaudert, palavert. Das Angebot sprachlich wie beim Fechten planlos um sich zu schlagen ist größer und mitunter effektiver geworden, weil nicht nur ein Gesprächspartner mitliest, mithört, sondern viele, Hunderte, Tausende und mehr.

Im Internet spielt es keine Rolle, wer da denn schwadroniert, ob männlich, weiblich, jung, alt, (nicht jeder Gesprächspartner zeigt sein wahres Ich, so sollte bekannt sein, daß hinter einigen Profilen, die sich im World Wide Web tummeln, Menschen agieren, die eine vermeintliche Anonymität ausnutzen, um hinter Fake-Profilen Hetze, Diffamierungen, Lästereien freien Lauf lassen zu können).

Schwadroniert man in diesem Zusammenhang weiter, so ist erklärbar, warum ganze Schwadronen von Schwätzern ihr Gebabbel auf die Menschheit herabströmen lassen. Es ist nicht das übergroße Mitteilungsbedürfnis, das Verzetteln, weil man jedes kleine Detail nicht übersehen möchte, es ist das pure egoistische, sich gern reden zu hören, Besserwisserei, und die Aufdringlichkeit einiger Menschen durch Monologisieren Aufmerksamkeit zu erhaschen, um ihre Standpunkte als wahre Tatsachen zu verkaufen, die es mühselig machen können, zwischen gewissen Informationen den reellen Hintergrund herauszulesen.

Verwirrung stiften ist bei manchen Schwadroneuren noch eine harmlose Umschreibung. Sie schlagen mit Wörtern und Begriffen nicht nur um sich, wie beim Fechten, nein, sie überströmen, überschäumen (schwadern) mit Eventualitäten, Halbwissen, Verdächtigungen, Lügen mehr oder weniger zu sämtlichen Geschehnissen, jede konstruktive Erklärung, Meinung in einen Sprachbrei, mit der Absicht, Unfrieden zu stiften.

Erstaunlicherweise wissen diese Schwadroneure (Schwätzer) besser Bescheid über Gesprächsinhalte von politischen, wirtschaftlichen Versammlungen als die dabei Gewesenen. Sie haben intime Einblicke in sämtlichen möglichen Hintergedanken, zu denen ein Mensch fähig zu sein scheint. Sie sind diejenigen, die durch Wortsalate versuchen, jemandem ein X für ein U vorzumachen, obwohl sie vielleicht noch nie über ihren eigenen Tellerrand gesehen haben.

Vermutungen anzustellen, etwas aus dem Bauchgefühl heraus zu empfinden und dies anderen mitzuteilen, ist nicht verwerflich, aber wenn dies als tatsächliches Wissen proklamiert wird, als das Nonplusultra der Weisheit, dann ist ein Schwätzer aktiv, der nichts anderes im Sinn hat, als Unruhe zu stiften und Zwistigkeiten zu provozieren. Dafür braucht man sich heutzutage nicht mehr an den Gartenzaun zu stellen oder in die Dorfkneipe zu gehen, dazu braucht man nur eine Internetverbindung und eine gewisse charakterliche Bereitschaft zur Freude, wenn die verbreitete Hetze und Häme auf fruchtbaren Boden fällt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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UN-Atomwaffenverbot letztendlich wirkungslos

Bundesregierung fügt sich dem neuen kalten Krieg

Historische Momente bleiben besonders all jenen in Erinnerung haften, die mit viel Herzblut sich engagierten, nach etlichen Verhandlungen den vereinbarten Beschlüssen entgegenfiebern, sich über die Ergebnisse freuen, die Erleichterung ihnen in den Gesichtern geschrieben steht.

Dennoch verbleibt die Enttäuschung darüber, daß die Atommächte nicht im geringsten einlenkten, ganz im Gegenteil von Beginn an die Verhandlungen zum Atomwaffenverbot brüsk von sich wiesen, außer ausgerechnet Nordkorea, welches den Verhandlungen zustimmte. Insofern darf man einerseits voll Freude den 07. Juli 2017 benennen, an dem die “Draft treaty on the prohibition of nuclear weapons” von 122 Staaten beschlossen wurde, allerdings weder von der Niederlande, den NATO-Staaten noch den Atommächten. Ebenso die Bundesregierung fügt sich unübersehbar dem neuen kalten Krieg.

Internationale Sicherheitsarchitektur sei gefährdet

So das Hauptargument zur Ablehnung dieses Atomwaffenverbotsvertrags wie Frankreich, Großbritannien und die USA anführten. Dabei wird mit einer daraus resultierenden Friedenssicherung argumentiert. Welch fadenscheinige Behauptung. In Wirklichkeit konnten sich vor allem die Supermächte auf ihre Atombomben als Garant der Sicherheit verlassen, obwohl Kriege und Terror weltweit nahezu ungebremst sich weiter ausbreiten. Mit Nordkorea hat man sich ein reales Szenario erschaffen, welches notfalls mit dem Worst Case eines Atomkrieges enden kann.

An dieser Haltung hat erwartungsgemäß auch der G20-Gipfel nichts geändert. Inwieweit wirtschaftspolitische Zwänge selbst bei solch sensiblen Themen wirken, zeigt sich bei der Zurückhaltung Japans, welches eigentlich ein großes Interesse an ein Atomwaffenverbot haben sollte, denken wir an Hiroshima und Nagasaki. Profitsteigerungen sind halt wichtiger als Friedensabsichten.

Vereinte Nationen wirkungslos als Papiertiger

Wenn Jürgen Habermas die Selbstentmachtung der USA zugunsten der Vereinten Nationen fordert, dann steht er keineswegs allein da. Die Vereinten Nationen sind als Papiertiger in der Tat ziemlich wirkungslos im weltweiten politischen Geschehen. Das zeigt sich besonders deutlich bei nahzu sämtlichen kriegerischen Konflikten, unabhängig davon, daß die USA ohnehin als größte Militärmacht ihre Dominanz auszuspielen wissen.

„Amerika – die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur.“ (Georges Clemenceau)

Inzwischen haben die USA ziemlich deutlich ihre eigene Unkultur weltweit verfrachtet, oftmals per Wirtschaftsdiktat. Somit durfte die Barberei sich ungebremst ausbreiten. Wer beendet sie endlich? Die Menschheit selbst, mit oder ohne UNO.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Sie ist

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Sie trägt
den Mantel
der Selbstlosigkeit.
Sie hält
den Steigbügel
für alle bereit.
Sie reiht
die Welten
nebeneinander.

Sie ist
das Traumland
für Schlafwandler.
Sie ist
die Muse
für Findende.
Sie ist
das Tor
zur Ewigkeit.

Sie ist
das Niemals,
das Immer,
die Zeit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Demokratie im Sommerloch pflegt ihr Wahlvieh

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Satirischer Rückblick…

Das gab’s noch nie, die einen sagen, andere beklagen lang schon, dies sei ja der Hohn. Politik funktioniert nur zum Selbstzweck, wer protestiert, muß letztlich weg. Schluß, aus, keen Verdruß, raus – aus dem eigenen Heim, Ihr seid allesamt nicht allein. Das hätten sie gern, ne Revolution, da herrscht dann ein anderer Ton. Vergeßt man janz schnell darüber jedweden Appell, weil stets jewisse Herrschaften siegen, Ihr werdet gar nüscht kriegen!

Nix eklatant, stattdessen Bücher an der Wand? Nur mal so am Rand: sie zu lesen, keine Schand. In Erinnerung an längst vergangene Zeiten sollte man sich vorbereiten auf das, was da noch kommen mag bishin zum jüngsten Tag.

Mit Blick zum Insektensterben war’s am Ende niemand gewesen. Wat für’n Verderben für die paar Spesen! Einmal Naturkreisläufe auf Ewigkeit weg, Mensch schnell folgend verreck’. Aber immer schön die Persönlichkeit pflegen, was zählt schon all das Leben. Menschliche Ignoranz folgt diesem Todestanz? Drum mögen Satansbraten den Weg zur Hölle finden und ewiglich verschwinden!

Mensch als Nebendarsteller gerade noch mit dabei, erkennt längst sein bösartiges Konterfei. Na, wird’s eigentliche Geheimnis dahinter gelichtet? Wirtschaftspolitik stets dem Konsum verpflichtet, weil Reichtum seine unendliche Gier befriedigt sehen will bis zum endgültigen Overkill. Das wird nichts mit gerechter Waagschale, das ist das Fatale, mißachtet werden sämtliche Signale.

Im Kleinen wie in der Weltpolitik sich verhält, es regiert das Geld. So auch Erdogans despotischem Vorgehen Einhalt geboten werden muß. Sehr zum Verdruß, wer lieber zu einer Diktatur aufschaut, an die man gehorsamst glaubt, obwohl jene jedweden Humanismus raubt.

Worin liegt der Unterschied beim Leihen und Borgen? Es gibt ihn, aber für beides mit Sorgen. Mit Hartz IV läßt die Bundespolitik Betroffene im Stich – wie widerlich! Jugendliche raus aus der Schule, rein ins Berufsleben? Welch brutal irrsinniges Bestreben, das stinkt nach Elitedenken, Weltherrschaftslenken. Macht Euch ein Loch in die Wand, Ihr vertreibt dennoch mitnichten jene Schand.

Während sich wie selbstverständlich in Themar Neonazis tummeln, so manche ganz dreist schummeln, Rechtsextremismus verharmlosen wollen, obendrein angeblich Linksradikale sich mobilisieren sollen. Nun is aba jut, schaut genauer hin: Schon wieder formiert sich die braune Brut. Ick glob, ick spinn’!

Sicher doch, verzeihen und verzichten, selbst wenn sie wieder aus dem letzten Loch kroch? Dann doch lieber schreien und nüscht mehr dichten, solange der Widerstand lebt – noch!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Verzeihen und verzichten

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Eine gegenseitige Toleranz der Altvorderen

„Verzeihen Sie bitte!“ Diese drei Wörter benützen Sie, wenn Sie sich bei jemandem entschuldigen wollen. Egal ob jemand angerempelt wurde, ob eine beleidigende Äußerung damit zurückgenommen wird oder Sie jemanden mit diesem Satz von seinem Tun abhalten, weil Sie seine Aufmerksamkeit benötigen, vielleicht nur um nach der Uhrzeit zu fragen. Verzeihen Sie bitte!

Verzeiht der andere Ihnen? Gehen wir einfach mal davon aus, dieser jemand heute einen guten Tag hat und verzeiht Ihnen den Anrempler, die beleidigende Äußerung und die Störung. Wäre er auch dazu bereit, wenn Sie anstatt „Verzeihen Sie bitte!“, sagen würde: Versagen Sie bitte! Verweigern Sie bitte! Schlagen Sie bitte ab! Sagen Sie sich bitte los! Möglicherweise nicht, oder?

Verzeihen, mittelhochdeutsch verzīhen, versagen, abschlagen, sich lossagen, althochdeutsch farzīhan, versagen, verweigern. Andere Begriffe sind, entschuldigen, freisprechen, vergeben, durchgehen lassen, nachsehen, nicht nachtragen.

Die Verzeihung, andere Ausdrücke hierfür sind, Gnade, Abbitte, Nachsicht, Verständnis, Rücksicht, Vergebung.

Gnade vor Recht ergehen lassen, bedeutet, jemanden mit Verständnis entgegenkommen, obwohl eine Mahnung, Bestrafung angebracht wäre.

Der Verzicht, mittelhochdeutsch verziht, zu verzeihen (in der veralteten rechtssprachlichen Bedeutung, versagen, verzichten), mittelhochdeutsch verzīhen, verzeihen. Synonyme sind, Aufgabe, Entsagung, Hingabe, Einstellung, Opfer.

Verzichten, andere Wörter sind, Ade sagen, nicht in Anspruch nehmen, entsagen, abschreiben, auslassen, übergehen, streichen, ausklammern, abschminken.

„Verzichten Sie bitte!“ Verzichten Sie bitte darauf, Ihr Recht in Anspruch zu nehmen, mein Verhalten zu rügen, zu bestrafen. Der Verzicht auf angemessene oder nicht angemessene Bestrafung für ein Vergehen ist in der Rechtsprechung bei unseren Vorfahren ein akzeptiertes, angewandtes „Urteil“ gewesen. Der Verzicht bezog sich auf materielle Werte genauso wie auf körperliche Bestrafung.

Die Bitte um Verzeihung ist eine Bitte auf Verzicht. Eine Bitte um Gnade, eine Bitte um Verständnis, eine Bitte um Vergebung, eine Bitte um Rücksicht. „Sagen Sie sich bitte los, von Ihrem Recht zu tadeln!“ „Verweigern Sie bitte nicht Ihr Verständnis!“

Die Erklärungen für das Wort „verzeihen“ (versagen, abschlagen) ist mit dem Hintergrundwissen über die Formulierungen und der Handlungsweise in der Gerichtsbarkeit verständlicher. Die Bitte um Verzeihung im Vorfeld eines etwaigen Disputes, wegen einem Anrempler, einer beleidigenden Äußerung, einer Unterbrechung, um Aufmerksamkeit zu erreichen, „nötigt“ den Angesprochenen, sein etwaiges Verhalten zu überdenken. Natürlich ist das Bitten um Verzeihen keine Garantie, nicht bestraft oder ermahnt zu werden, dennoch ist dem Angesprochenen quasi der Wind aus den Segeln genommen.

Gnade vor Recht, der Verzicht auf das „zugestandene Recht“ sich zu wehren, wenn man sich angegriffen, verletzt, beleidigt fühlt, ist eine wichtige Komponente im zwischenmenschlichen Zusammenleben. Ohne diesen Verzicht, ohne Verzeihung, ohne das Lossagen von seinem Recht Gebrauch zu machen, würde es vielmehr Anfeindungen, Streitereien geben, eine Spirale der Rache. (rächen, mittelhochdeutsch rechen, althochdeutsch rehhan, ursprünglich, stoßen, drängen, (ver)treiben)

Ein ständiges Stoßen und Vertreiben anderer wäre an der Tagesordnung. Wir hätten eine Gesellschaft, die von Gewalt gegenüber anderen geprägt wäre. Der Verzicht, die Entsagung, das Opfer als Grundlage für ein friedliches Zusammenleben bedeutet nicht, sich alles gefallen zu lassen, sondern die Verweigerung (farzīhan, verzeihen) Unstimmigkeiten, Streitereien fortzusetzen. Verzeihen und die Bitte um Verzeihung sind Bemühungen um Verständnis und fördert die gegenseitige Toleranz, das wußten schon die Altvorderen. Das ist Teil unserer Tradition und sprachlich weitergereicht, dafür brauchen wir keinen wie auch immer aussehenden „Hut“.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Schon wieder diese braune Brut

https://www.flickr.com/photos/strassenstriche/6487418963/sizes/z/

flickr.com/ strassenstriche.net/ (CC BY-NC 2.0)

„Hinein ins Vergnügen,
bloß keinerlei Scheu,
stets dabei sein,
selbst wenn sie noch so rügen,
ihr bleibt loyal und treu,
wir sind bestimmt nicht allein.“

Blaune Kameraden kommen zusammen,
aus braun und blau wird blaun,
welch einfache Kombination.
Gezielt Fahnen in den Boden rammen,
selbstgefällig sich auf die Schultern hau’n,
das ist deren Intention.

„Sieg heil, fürwahr Euch allesamt,
laßt uns die linken Ratten klatschen,
sie verjagen aus dem Reich.
Sie uns schon zu lang verdammt,
och ihr dahinten, hört auf zu quatschen,
ich komm zum Punkt zugleich!“

Da steht er nun, der blaune Oberrecke,
angestarrt von erstaunten Visagen,
kaum einer weiß, was der wohl will.
Stumm verharrt die Horde auf ihrem Flecke,
manch einer von neulich in Bandagen,
da ertönt ein Aufschrei ganz schrill:

„Merkt Euch allesamt für immer,
der Feind will uns nur noch schaden,
wir aber zeigen ihm all uns’ren Mut.
Den sollt ihr beweisen, kein Gewimmer.
Mögen sie davonkriechen wie die Maden,
Hauptsache Ihr macht Eure Sache gut!“

Mit breitem Grinsen die Arme erhoben
wie einst in Hitlers Zeiten,
fühlt die Schar sich ungemein stark.
Ihr Chef dort droben,
den sieht man schon vom Weiten,
manch einer ’ne versteckte Träne verbarg.

Versammlungen dieser Art finden wieder statt,
unsere Demokratie noch nicht eingreift,
obwohl extremer rechter Terror naht.
Paßt auf, sonst machen solche Horden alles platt,
jener blaune Haß auf Rücksicht pfeift,
um unser Land, Europa wäre es allzu schad!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Themar: Neonazis tummeln sich wie selbstverständlich

Demokratie muß Grenzen der Meinungsfreiheit aufzeigen

Erst recht knapp neun Wochen vor der Bundestagswahl, wo zum ersten Mal eine rechtsradikale Partei im Deutschen Bundestag Platz nehmen darf, weil hierzulande genügend Willige bereit, ihr Vertrauen per Kreuz auf dem Wahlzettel zu schenken. Beim bisher größten deutschen Rechtsrock-Konzert in Themar tummelten sich Neonazis wie selbstverständlich, nachdem zwei Gerichte ihnen den Auftritt gewährten.

Gerade deshalb muß unsere Demokratie der Meinungsfreiheit Grenzen setzen, und zwar immer dann, wenn sie selbst ziemlich offenkundig negiert wird, gar erhobene Arme per Hitlergruß wie in Themar geschehen ohne sofortige Konsequenz stattfinden. Wenigstens ermittelt die Polizei, die im Übrigen einen guten Job leistete, Demo-Gegner und Neonazis zu trennen.

Eine Politik des Laissez-faire wird gern ausgenutzt

Kommt Ihnen dies nicht bekannt vor? Die Weimarer Republik hat exakt denselben Fehler gemacht, sie ließ die Nazis damals gewähren. Insofern darf man sich nicht wundern, daß immer mehr besorgte Bürger sich darüber empören, wenn Neonazis und deren Sympathiesanten wie Hooligans, Pegida, Identitäre, Patrioten, Reichsbürger, bishin zur AfD selbst, besser unter dem Sammelbegriff der Neuen Rechten, dermaßen viel Raum gegeben wird, sich öffentlich zu organisieren, ihren Rassenhaß zu verbreiten.

Natürlich kann man in diesem Kontext nur MOBIT zustimmen, Grenzen der Meinungsfreiheit sind genau dann notwendig, wenn eine freie Gesellschaft verteidigt werden muß. In der Tat wirkt die Empörung im Nachhinein ziemlich befremdlich, zumal die Medien selbst zuvor eher dürftig berichteten.

Widerstände gegen Rechtsradikale sollten zunehmen

Weil diese keineswegs abwarten oder gar stillhalten. Im Gegenteil, sie organisieren sich breitgefächerter, zumal diese AfD als Sprachrohr ihrer Gesinnung demnächst im Deutschen Bundestag wirken darf, demokratisch legitimiert.

Während die etablierte Bundespolitik ohnehin die Belange der Bürger nicht wirklich ernst nimmt, der Abbau des Sozialstaates, die weitere Hofierung der Vermögenden und Superreichen, weltweite Waffenverkäufe auch an fragwürdige Länder, die selbstgefälligen Schulterschlüsse zu Konzernen, darf man sich nicht wundern, wenn Unmut zunimmt. Während die Linken wenigstens deutliche Verbesserungen anregen, ziehen die Neuen Rechten es lieber vor, per Haßtiraden zu glänzen, selbst neoliberale Standpunkte zu vertreten.

Alles Gründe Widerstände gegen Rechtsradikale mehr zu mobilisieren. Dazu gehören ebenso pfiffige Satiren oder Filmchen wie dieser hier. Immer schön den Finger in die Wunde legen, wenn solche „Verirrten“ meinen, sie könnten ihr abstruses Gedankengut weiterhin verbreiten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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