Deshalb ist das Schicksal nicht schwer

https://pixabay.com/de/einsamer-baum-baum-eiche-wolken-1934897/

pixabay.com

Mama,
nie sagte ich Mama,
Mamä
war mein Wort für dich.

Mama,
Mamä, du bist zu spüren,
beim Lesen, Spazierengehen,
sanft, zärtlich, neben mir.

Deine Kraft hast du gegeben,
Weichheit, Liebe bewahrt.
In die Schubladen des Lebens
mit mir gesehen, Güte oben auflag.

Deine Mühe unübertroffen,
zum Schutz vor Gefahr.
Selten müde geworden,
im Streit mich umarmt.

Ich sehe dich oftmals,
warnst mich im Traum.
Ferne, Zeit sind überwunden,
du neben mir, wie ein Baum.

Ich erkunde das Leben ohne dich,
dein Grab besuche ich nicht.
Du bist bei mir, mit mir, Mamä,
deshalb ist das Schicksal nicht schwer.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ehe für alle: Abstimmung noch vor der Sommerpause?

Eine gesellschaftliche Entwicklung läßt sich nicht aufhalten

Ein trügerischer Schein schon gleich gar nicht, denn real haben die Menschen ganz andere Probleme zu bewältigen, als ausgerechnet die Ehe für alle, zumal nicht jede Ehe gleich ein Freifahrtschein für ein sorgloses Leben in säuselnder Idylle bedeutet. Solange die Liebe anhält und beidseitig guttut, mag dies zutreffen, aber wehe der Scheidungsfall bis hin zum Rosenkrieg tritt ein.

Andererseits geht es dennoch um das Recht, daß gleichgeschlechtliche Paare in den Hafen der Ehe sich begeben können dürfen, wobei bisherig dies ihnen hierzulande noch explizit gesetzlich verweigert wird. Während alle Parteien außer der Union und dieser AfD jene Forderung viel eher begrüßen, halten besonders gern rechtsradikale Strömungen an sogenannten Traditionen fest. Das entspricht ebenso deren Haltung, jedweden Multikulturalismus zu negieren, obwohl gerade dieser uns alle tatsächlich bereichert.

Je weiter westlich desto toleranter innerhalb Europas

Mit Blick nach Europa gibt es eine festzustellende Ost-West-Verschiebung zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Während in den ehemaligen Ostblockstaaten generell keine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften vorherrscht, eine Ausname bildet Estland, welches genauso wie Deutschland, Italien und Griechenland wenigstens eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft anerkennt, schaut es im Westen und Norden Europas anders aus.

In den Beneluxstaaten, in Großbritannien, Irland (in Nordirland nicht), Frankreich, Spanien, Portugal und Skandinavien sind gleichgeschlechtliche Eheschließungen gesetzlich beschlossen worden. Das gilt ebenso für fast ganz Südamerika, Kanada und in 38 Bundesstaaten der USA. Südafrika ist die einzige Ausnahme auf dem afrikanischen Kontinent, wobei in ganz Asien nebst Russland sowohl gleichgeschlechtliche Partnerschaften als auch Ehen verboten oder nicht erlaubt sind.

Wenn man bedenkt, daß weltweit immer noch Homosexuelle in 78 Ländern strafrechtlich verfolgt werden, davon in den meisten islamischen Staaten, in fünf gar die Todesstrafe gilt, in Nigeria und Somalia teilweise, die Rechtslage dazu in Indien und im Irak noch ungeklärt, kann man durchaus erkennen, daß Mensch sich schwer tut mit diesem Thema, obwohl es eigentlich ein selbstverständliches Grundrecht sein sollte.

Politische Ablenkung vor der Sommerpause

Inzwischen scheinen etliche in der Union die Große Koalition in Frage zu stellen, die jetzt kurz vor der Sommerpause angesichts des Vorstoßes von Angela Merkel gefährdet werden würde, man fühlt sich schlichtweg überrumpelt. Reine Ablenkung von wesentlich wichtigeren Themen sollte man gleichwohl anmerken, schließlich überschatten etliche Kriege das Weltgeschehen, die Terrorgefahr ist unübersehbar gestiegen, Anfang Juli findet der fragwürdige G20-Gipfel statt.

Diesjährig kann keine Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaft herhalten, umso wichtiger, die Bürger abzulenken und sei es mit dem leidigen Thema der Ehe für alle? Ein Schelm wer solches denkt, ganz abwegig sind derartige Überlegungen keinesfalls.

„Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.“ (Rosa von Praunheim)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Fünfhundertdreiundzwanzig

Haben Sie sich schon einmal überlegt, so richtig überlegt, ich meine gestapelt, alle Ihre Gedanken übereinandergelegt, da entsteht ein Stapel, der kann mächtig groß sein. Als ich anfing, das erste Mal zu stapeln, was ich übereinandergelegt habe, da kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Inzwischen kann ich aus den Fenstern nicht mehr heraussehen, aber wer braucht schon Fenster, die Stapel sind das Licht, das den Geist erhellt. Sowieso ist schlau sein im Dunkeln besser, das weiß ich. Da wird nämlich nichts mehr eingeblendet. Da ist alles überlegt.

Den ersten Stapel habe ich auf den Küchentisch stellen können. Da steht er noch. Ist praktisch, wegen dem Erinnern. Der steht da ganz allein, da wird nichts mehr draufgelegt, auch nicht mehr überlegt, das sind genau fünfhundertdreiundzwanzig Blätter. Da habe ich so lange überlegt und überlegt, das war ziemlich anstrengend, weil die Überlegungen alle auf dem Boden lagen. Hatte dann kaum mehr Platz. Gehen konnte ich nur auf Zehenspitzen. Weil, die Überlegungen durften sich nicht berühren, sie sollten unabhängig bleiben. Da bleiben auch die Fenster zu, wegen Durchzug und so. Und durcheinanderwirbeln. Wo ich doch alles so gut sortiert habe. Aber mit der fünfhundertdreiundzwanzigsten Überlegung hatte ich es geschafft. Und genau da war mir klar, der größte Fehler war, sie nebeneinander zu legen, die Überlegungen. Deshalb hat auch alles so lange gebraucht. Und gebraucht habe ich dann noch mal lange, die Überlegungen übereinanderzulegen, denn ich durfte ja nicht die Überlegung 137 auf die Überlegung 428 legen. Verstehen Sie?

Man darf da nicht durcheinanderkommen. Alles der Reihe nach. Und auch nicht umgekehrt. Das habe ich mal aus einer Laune heraus, die fünfhundertdreiundzwanzigste Überlegung ganz nach unten gelegt, damit ich die erste Überlegung noch mal überlegen hätte können. Das war vielleicht ein Fehler, sag ich Ihnen. Denn da mußte ich alle Überlegungen nochmal überlegen, weil es kam mir so vor, als ob ich falsch überlegt hätte. Aber es war alles richtig überlegt. Verstehen Sie, Sie dürfen nie von vorne wieder anfangen zu überlegen. Wenn Sie je das Gefühl haben, falsch überlegt zu haben, dann müssen Sie einen neuen Stapel beginnen, ganz neu. Von Anfang an bis fünfhundertdreiundzwanzig. Und wenn Sie dann bei der Fünfhundertdreiundzwanzig merken, daß Sie weiter überlegen wollen, dann müssen Sie wieder von eins anfangen.

Die Menschen wären heute alle viel schlauer, würden sie die Bücher aufeinanderstapeln. Aber was soll ich sagen, die stellen die Regale voll, Bibliotheken sind voll mit Büchern. Da stehen die Blätter senkrecht. Senkrecht! Kein Wunder, daß immer mehr Bücher überlegt werden müssen. So wird es nie Ruhe geben. Was meinen Sie, wie anstrengend ein Leben im Stehen ist. Deshalb überstehen die meisten die Überlegungen nicht. Im Stehen, Bücher stehen da! Nein, nein. Liegen, liegen müssen die Überlegungen. Das sagt doch schon das Wort. Ich würde sonst meine Überlegungen nicht überstehen. Verstehen Sie, überlegen Sie mal, was das heißt in Wirklichkeit. Jeder müßte, wenn er etwas, also ich erklär Ihnen das mal so. Wenn Sie sich nach einem langen Spaziergang ausruhen, dann müßten Sie, wenn Sie wieder aufstehen, auf allen Vieren krabbeln oder gar noch sabbern und sich nur seitwärts wälzen, weil Sie von vorne anfangen müßten zu gehen. Sie würden bei allen Dingen wieder bei null anfangen. So aber, wenn die Überlegungen hochgestapelt sind, akkurat, brauchen Sie nicht die erste Überlegung nochmal überlegen, Sie legen einfach die anderen Überlegungen auf die fünfhundertdreiundzwanzigste Überlegung. Das ist richtig schlau, was!

Sehen Sie hier diese Überlegung hat, die habe ich bereits schon 520 Mal überlegt. Deshalb steht diese Reihe von Überlegungen so eng zusammen. Weil die Deckenhöhe. Also, ein Stapel bis zur Decke sind 45 Überlegungen von 523 Überlegungsblättern und das sind jetzt inzwischen elfeinhalb Stapel, soviel habe ich darüber schon überlegt.

„Luke!“ „Luke!“

„Ja, wir sind gleich fertig mit, ich erkläre gerade die Überlegungen!“

„Ich dachte, Sie heißen Dennis!“

Ursprünglich, bevor ich angefangen habe zu überlegen, hieß ich so. Das steht alles in den ersten fünfhundertdreiundzwanzig Blättern, die auf dem Küchentisch liegen. Ganz oben auf steht Luke, das bin ich jetzt.

„Müßte das nicht Luke heißen, also ohne e ausgesprochen?“

Nein, nein, Luke ist richtig, hört sich so an wie Glück, und das habe ich, finden Sie nicht auch? Ich habe so viel Gluck gehabt in meinem Leben, da konnte ich doch nicht weiter Dennis heißen. Denn das hört sich an wie: Denn ist. Aber nichts ist mehr mit Denn ist. Dennis t alles in Ordnung? Was meinen Sie, wie oft ich das gehört habe.

„Luke, ich finde du vereinnahmst unseren Gast zu lange!“

„Nein, ist schon in Ordnung, nur, nur Silke sagte, ihr Bruder hieße Dennis. Er wollte mir gerade erklären…“

„Jetzt kommen Sie erst mal runter. Der Kaffeetisch ist bereits gedeckt. Und passen Sie auf, ziehen Sie ihren Kopf ein, wenn Sie die Treppe herunterkommen.“

Ja, passen Sie auf, damit Sie sich an der Luke nicht stoßen, ich hab das fünfhundertdreiundzwanzig Mal erlebt. Verstehen Sie jetzt, warum ich: „Dennis t alles in Ordnung?“ auf die allererste Seite geschrieben habe?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Syrien-Krieg: Trumps USA drohen unverblümt Assad

Eine mögliche Kettenreaktion könnte fatale Folgen haben

Nachdem bereits zweimal Baschar al-Assad nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, daß dessen Truppen an den beiden Giftgasangriffen vor allem gegen Zivilisten beteiligt waren, warnen die USA nunmehr, der Präsident würde einen hohen Preis bezahlen, sollte es zu einem dritten Giftgasangriff kommen.

Beste Voraussetzung ein derartiges Szenarium zu initiieren, wenn Assad erneut dabei unbeteiligt wäre, Hauptsache es finden sich entsprechende Gründe, militärisch wirkungsvoller einzugreifen, am Ende den rechtmäßig gewählten Präsidenten umzubringen. Jedoch könnte eine mögliche Kettenreaktion fatale Folgen haben, schließlich werden Russland und der Iran nicht seelenruhig die Amis gewähren lassen.

Europa hilflos zwischen den Fronten so wie der Rest der Welt?

Jahrzehntelang beschäftigte uns der Kalte Krieg, wobei die Welt 1962 bei der Kuba-Krise den Atem anhielt vor einer möglichen atomaren Auseinandersetzung zwischen den beiden Supermächten. Chruschtschow und Kennedy konnten sich im letzten Moment einigen.

Ob angesichts sich zuspitzender Bedrohungen, denken wir an den Ukraine-Krieg und vor allem an den Syrien-Krieg, die beiden derzeitigen Präsidenten Putin und Trump sich ebenso verhalten werden, darf man anzweifeln. Der eine glänzt durch cholerische Besserwisserei mit narzißtischen Schwächen, der andere zieht seine kalkuliert kühle Linie durch, die gleichwohl trügerisch etliche Fragen aufwirft, denken wir an dessen stille Duldung nationalistisch-europäischer Strömungen, offensichtliche Sympathien für Marine Le Pen oder Viktor Orbán bis hin zu Nigel Farage. Die Destabilisierung Euopas kann Putin somit nur recht und billig sein.

Nach der Generalpobe folgt der eigentliche Krieg der USA gen Syrien? Und der Rest der Welt gerät genauso wie Europa hilflos zwischen die Fronten der beiden Supermächte? Jenes Worst-Case-Szenario wird immer wahrscheinlicher, zumal von Entspannung keine Rede sein kann, nach dem Abschuß eines syrischen Kampfjets hatte Russland bereits den USA gedroht, Flugzeuge der US-geführten Koalition als Ziele ins Visier zu nehmen, wenn diese westlich des Flusses Euphrat fliegen.

Aller schrecklichen Dinge sind drei

Ob Assad oder eher andere Mächte letztendlich verantwortlich für die beiden Giftgasangriffe waren, die Zivilbevölkerung erlitt durch sie schreckliches Leid. Nur zu verständlich, daß die Welt nicht tatenlos zuschauen darf, wenn solche Verbrechen geschehen.

Trotzdem eröffnen sich nunmehr gezielte Optionen für die USA, deutlicher in den Syrien-Krieg eingreifen zu können. Allein die Drohung und Behauptung, Assad würde einen dritten Giftgasangriff vorbereiten, sollte nachdenklich stimmen. Was hätte er davon, zumal dadurch dieser Krieg wesentlich mehr eskaliert? Insofern darf man schon die Frage in den Raum stellen, ob da jemand gezielt nachhilft! Dieser jemand scheint ein sehr großes Interesse an einer solchen Konfrontation zu haben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Jagt die Gier von dannen

Garstige Gespräche beschallen den Raum,
inhaltsleere Argumente im Kopf.
Manch besoffener Geselle hat einen Traum,
köchelnd auf dem Herd der Eiertopf.

Draußen ein stürmischer November sich zeigt,
Bäume entwurzelt, kein Leben zu Schaden kam.
In den Straßen die haßerfüllte Meute schweigt,
Flüchtlinge haben ihnen doch nichts getan.

Beim Saufen schnell die Realität sich verstellt,
ein falsches Wort die Reizschwelle provoziert.
Dem stillen Zuflüsterer solches gefällt,
wenn aus dem Nichts viel erwünschtes passiert.

Zerstörung Wege der Entfaltung finden will,
während behütende Liebe sorgfältig klärt.
Nicht nur bei Soldaten, überall derselbe Drill,
der wütet. Was läuft dabei wohl verkehrt?

Herrschaften sich stets Spielwiesen ihrer Gier suchen,
Menschen gehorsamst ihnen beiseite stehen.
Man sollte sie ewiglich verfluchen,
von allein werden sie keineswegs weggehen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wohnungssuche ein Glücksspiel

https://pixabay.com/de/haus-landschaft-home-immobilien-773527/

pixabay.com

Wieder mal soweit, das Ränzel zu schnüren?

Samstags finden sich in vielen Regionalzeitungen nicht nur mehrere Extraseiten für Stellenausschreibungen, sondern auch etliche Seiten mit den Rubriken: Wohnung, Haus zu mieten, Wohnung, Haus zu kaufen oder Wohnung, Haus: Suche. Es gibt Gebiete, egal ob auf dem Lande oder in der Stadt, da bemühen sich, nicht übertrieben, Hunderte für eine Wohnung, weil der Wohnraum knapp ist. Die Wohnungsknappheit hat je nach Gebiet verschiedene Ursachen und betrifft nicht nur den deutschen Raum.

Wer also eine Wohnung, ein Haus kaufen oder mieten will, der kann je nach seinem Glück schnell fündig geworden sein oder seinem Unglück, nach wochen- oder monatelanger Suche wahrscheinlich Bücher füllen über die interessante, zermürbende aber auch erkenntnisgewinnende Zeit.

Wohnen, mittelhochdeutsch wonen, althochdeutsch wonēn, sich aufhalten, bleiben, wohnen; gewohnt sein. Andere Ausdrücke sind ansässig sein, hausen, residieren, einnisten, sich breitmachen, sich häuslich niederlassen.

Anhand der verschiedenen Ausdrücke läßt sich leicht erkennen, Wohnen erstreckt sich vom Hausen in einer Hütte bis zum Residieren in einem Palast. Die Begrifflichkeit „wohnen“ ist nicht einem festgelegten „so soll es sein“, „so soll es aussehen“ unterlegen, vielmehr nur eine Zustandsbeschreibung, wo man sich aufhält, wo man bleibt, wo man gewohnt ist, zu sein. Theoretisch wäre also, faktisch ist ein jeder Platz, den man ständig über einen längeren Zeitraum aufsucht, um sich dort aufzuhalten, eine Wohnung.

Noch nicht erwähnt, aber unverzichtbar in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen ist, daß „wohnen“ sprachverwandt ist mit „gewinnen“.

Gewinnen, nach etwas trachten, gernhaben, dann: Gefallen finden, zufrieden sein, sich gewöhnen. Althochdeutsch giwinnan, zu etwas gelangen; erlangen, althochdeutsch winnan, kämpfen, sich anstrengen; erlangen, ursprünglich, umherziehen; nach etwas suchen

Und tatsächlich scheint es für viele Menschen ein Gewinn zu sein, wenn sie nach anstrengendem Suchen in Zeitungen, im Internet, durch Beziehungen das Glück haben, eine Bleibe zu finden, und die eine absolute Vollkommenheit von Glück bedeutet, wenn die Wohnung auch noch den Ansprüchen, Vorstellungen entspricht. Werden deshalb gerne Feste veranstaltet, um die Einweihung der neuen Wohnung zu feiern?

Ob dies nun sprachwissenschaftlich bewiesen ist oder nicht, sei im Vorfeld dahingestellt, dennoch kann man davon ausgehen, daß wohl beide Wortbegriffe in etwa zeitgleich entstanden sind. Denn hier liegt ein ähnlicher Umstand vor, wie bei der Frage: Was war zuerst, das Huhn oder das Ei?

Fast könnte man den Werbeslogan einer Möbelkette benützen, um diese Frage zu beantworten: Wohnst du noch oder lebst du schon? Egal, welche Vorstellungen uns vorliegen über das Leben der Vorfahren, ob wir sie als in Höhlen, in der Savanne hausende Menschen oder als umherziehende Nomaden vorstellen, es muß bei beiden Annahmen ein Vorher gegeben haben. Und bei diesem Vorher ist es sowohl richtig anzunehmen, sie sind ständig unterwegs gewesen und ständig an einem Platz geblieben. Also, sie haben gekämpft, sich angestrengt, nach etwas getrachtet, einen Gefallen daran gefunden (gewinnen) und sie haben sich aufgehalten, sind geblieben (wohnen). Und das Ganze funktioniert auch umgekehrt, sie haben sich aufgehalten, sind geblieben (wohnen) und sie haben nach etwas gesucht, sich angestrengt, gekämpft, erlangt, etwas gerngehabt, Gefallen gefunden (gewinnen). Es sind beide Varianten möglich.

Gründe, warum der jetzige Platz nicht mehr genügt, nicht mehr passend ist, gab es nicht nur in früheren Zeiten, auch heute sind die Gründe, warum man den Standort wechselt, sicher so mannigfach wie die bekannten Sandkörner am Meer. Und was augenscheinlich sich ebenso nicht geändert hat, ist die Tatsache, daß man für eine neue Bleibe, ein Ort der Gewohnheit, etwas sucht, anstrengt, kämpft, Gefallen findet, sich gewöhnt, sich aufhält, bleibt.

Bis, ja, bis was? Bis es wieder mal soweit ist, das Ränzel zu schnüren und sich einen anderen Ort zu suchen, an dem man sich häuslich niederlassen kann.

Ach ja, der Spruch aus der Werbung, mit wohnen und leben und so.

Leben, althochdeutsch lebēn, ursprünglich, übrigbleiben (im Sinne von: Überleben nach einem Kampf). Synonyme für leben sind, existieren, vorhanden sein, angesiedelt sein, hausen, wohnen, sich aufhalten, residieren, sich erhalten, daheim sein, ein Dasein führen, sich häuslich niederlassen.

Falls Sie zurzeit in der langen Reihe der Wohnungssuchenden sind, egal welche Vorstellung Sie von Ihrer nächsten Bleibe haben, und Sie haben jetzt die Zusage bekommen, diese Wohnung mieten, das Haus kaufen zu können, so sind Sie die Übriggebliebenen im Kampf um dieses Domizil, diesen Palast, diese Hütte, denn Sie haben einen Mietvertrag, einen Vertrag des Hauskaufs in der Tasche und können sich nun zufrieden zurücklehnen. Und leben.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

SPD-Parteitag: Geschlossenheit kann Demontage nicht verbergen

Der kritische Wähler erkennt die Verräter in den eigenen Reihen

Viel Wirbel um fast gar nichts, möchte man spontan zusammenfassend kommentieren mit Blick zum SPD-Parteitag, der die Bundestagswahl eröffnen soll. Selbstgefällige Fans und Beobachter mögen die nach außen hin zur Schau getragene Geschlossenheit der Genossinnen und Genossen freudig begrüßen, die Demontage der Sozialdemokraten läßt sich dennoch nicht verbergen.

Der kritische Wähler erkennt zweifellos die Verräter in den eigenen Reihen. Allen voran Andrea Nahles, die keinerlei Zugeständnisse im Verhalten zur sozialrassistischen Hartz-IV-Gesetzgebung für nötig hält, ganz im Gegenteil eisern an deren menschenverachtende Sanktionierungen besteht, generell die steigende Armut im Lande einfach ignoriert. Das „sozial“ im Parteinamen dient allenfalls, Wähler zu ködern.

Schulz-Attacke bestätigt dessen Unvermögen

So meint gar Altkanzler Gerhard Schröder in seiner Auftakrede beim SPD-Parteitag, die derzeitigen Umfragewerte mit seinen letztmaligen aus der Bundestagswahl 2005 vergleichen zu müssen, die mit ähnlich schlechtem Ergebnis begonnen hatten, am Ende aber nur mit einem Prozentpunkt hinter der Union abgeschlossen hätte. Er scheint vergessen zu haben, daß damals noch Wählerrestbestände trotz etlicher Verfehlungen an ihn geglaubt hatten, eine erneute schwarz-gelbe Regierung eher nicht wollten.

Genau dieses Ziel wurde errreicht, allerdings bei gleichzeitiger Schlappe, sich auf die Große Koalition einlassen zu müssen. Vier Jahre später rächte sich jener Kurs, Schwarz-Gelb folgte auf dem Fuße. Und was fällt Martin Schulz ein, dessen Schulz-Effekt ziemlich schnell verpuffte? Er attackiert die Bundeskanzlerin, die einen „Anschlag auf die Demokratie“ verüben solle.

Natürlich kann dies die Union so nicht hinnehmen, zumal die SPD selbst innerhalb der Großen Koalition mitregiert. Es sollte bekannt sein, daß eine geringere Wahlbeteilung alle etablierten Parteien zu verantworten haben. Verständlich, daß Sahra Wagenknecht genau dort anknüpft, ihre klare Botschaft wiederholt zum Besten gibt.

Viel Raum für Spekulationen zum Endergebnis der Bundestagswahl?

Am wahrscheinlichsten zeigt sich die Fortsetzung der Großen Koalition, selbst wenn die FDP sich gute Chancen ausrechnen mag. Rot-Rot-Grün darf getrost als unrealisierbar betrachtet werden, für mögliche Ampelkoalitionen findet sich kaum bis gar keine Einigung. Jene sogenannte Alternative entpuppt sich als diffuser Haufen rechtsradikaler Strömungen, der sowieso nicht ernst genommen werden sollte. Die paar Wähler, die ihnen hinterherlaufen, kann eine gefestigte Demokratie aushalten und in Zaum halten.

Insofern alles beim Alten, was im Endeffekt keineswegs gutes bedeutet, wenn man sich die Sozial-, Wirtschafts- und sogenannte Verteidungspolitik vergegenwärtigt.

„Die Ungerechtigkeit der Geschichte besteht darin, daß wir die gleichen Augen und Ohren haben wie unsere Vorfahren, obwohl wir weit mehr hören und sehen als sie.“ (Ernst R. Hauschka)

Was sollten wir daraus lernen? Ganz einfach, Mensch ignoriert seine Sinne und den Verstand in dem Augenblick, wo bestimmte Mächte sich über ihn hinwegsetzen. Solange er weiterhin vor Obrigkeiten buckelt, die ihn tyrannisieren, ändert sich nichts.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar