Sein oder Nichtsein – die Antwort hat Mensch selbst in der Hand

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Trotz getrübten Blickes Hoffnungsschimmer?

Der angeblichen Überwindung des Kalten Krieges, eine großartige Chance bot sich im Herzen Europas mit der Wiedervereinigung Deutschlands, folgt über ein Vierteljahrhundert später nicht nur ein erneuter kalter Krieg, vielmehr eine weltweite Destabilisierung ungeahnten Ausmaßes. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs fühlen sich gerade die USA dazu berufen, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Selbstverständlich tauchen dabei verschwörungstheoretische Szenarien auf, die alles andere als verharmlosend die Menschen informieren und warnen wollen, dabei stets eigene Zwecke dienlichst im Auge, der Manipulation wird somit Tür und Tor geöffnet. Mit der unübersehbaren Zunahme weltweiter Arbeitslosigkeit, einer Armut bis hinein in die reichen Industrieländer, ergeben sich Räume für extremistische Strömungen.

Sowohl die Neue Rechte als auch speziell islamistische Terrorbanden nutzen diese neu entstandene Konstellation, dazwischen meinen die betroffenen Staaten, sie könnten derartige Entwicklungen gezielt kontrollieren. Daß dabei Bürger- und Menschenrechte peu à peu verlorengehen, scheint den Staatsmächten mehr als recht und billig zu sein. Eine gewisse Absicht verbirgt sich unübersehbar dahinter, schließlich gilt es, überreiche Eliten zu hegen und zu pflegen.

Die Menschheit steht vor ihrer größten Herausforderung: dem Überleben. Mit kriegerisch-terroristischen Szenarien, meist bewußt geschürt, einer zunehmend sozialen Schieflage sowie weltweitem Elend spitzt sich die Lage dramatisch zu, parallel einhergehend eine Umweltzerstörung gigantischen Ausmaßes, deren Folgen bereits jetzt schon Mutter Erde zu spüren bekommt.

Das alles scheint bestimmten Herrschaften der Politik und Wirtschaft zu wenig zu kümmern, Hauptsache die eigenen Pfründe sind gesichert. Wer tatsächlich meint, eine solche Entwicklung könne ewiglich fortgesetzt werden, scheint die Rechnung ohne den Wirt zu machen, die da lautet: Chaos verbündet sich zu rechtsfreien Räumen, nicht nur unkontrollierbarer Terror nimmt zu, sondern gleichzeitig brechen zivilisierte Systeme zusammen, neben gezielt kontrollierten Gebieten herrscht Anarchie überall dort, wo Staatsmächte an Einfluß verlieren. Die No-go-Areas von heute nehmen somit zu.

Alles Gründe, resigniert in die Zukunft zu schauen? Im wesentlichen kann man dies keineswegs verneinen. Dennoch besteht nach wie vor Resthoffnung, daß in manchen Gebieten dieser Welt Oasen des Friedens aufrecht erhalten werden können. Aber der Preis dafür könnte sehr hoch sein, an deren Grenzen mögen schreckliche Kriege toben, die Menschheit wird erheblich dezimiert ihrem möglichen Ende entgegenblicken.

Wer glaubt, daß heutige Herrschaften solche Überlegungen nicht längst wissen, sollte sich selbst die Frage stellen: Warum ändern sie nichts an ihren Machtansprüchen? Die Antwort darauf könnte ohne weiteres skuril und unlogisch ausfallen. Denn wer sich das eigene Grab schaufelt, denkt erheblich kurzfristig, vielleicht auch deshalb, weil Ausbeutung den Blick für ein friedfertiges Miteinander trübt vor lauter Haß und Raffgier.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Das Ende von was auch immer

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Den Roman zu Ende gelesen, den Film zu Ende gesehen, die Beziehung einer Partnerschaft ist zu Ende, die Reise ist zu Ende, das Gezänk der Nachbarn ist zu Ende, die Ferien sind zu Ende, das Leben ist zu Ende. Im Laufe eines Daseins gibt es die mannigfaltigsten Enden, aus, vorbei, Schluß, Punkt. Wobei natürlich „Ende“ nicht unbedingt bedeuten muß, daß ein schreckliches Ereignis vorliegt, wie zum Beispiel, es ist keine Schokolade mehr im Haus. Das Ende von Schmerzen, das Ende von Ungewißheit in jeglicher Form sind positive Erfahrungen vom Ende.

Das Ende, mittelhochdeutsch ende, althochdeutsch enti, äußerster räumlicher oder zeitlicher Punkt, ursprünglich, vor einem liegendes. Andere Begriffe sind, Abschluß, Exitus, Abgang, Finale, Beschluß, Schlußstrich.

In der ursprünglichen Aussage, vor einem Liegendes, kann nicht von einem wirklichen Ende gesprochen werden, so wie das Wort in der jetzigen Bedeutung angewandt wird, als absoluter Schlußpunkt, selbst der äußerste räumliche oder zeitliche Punkt erklärt kein wirkliches Ende.

Stellt sich hier eventuell die Frage, haben unsere Vorfahren bereits in der Wortfindung die Erklärung geliefert, daß es möglicherweise nie ein tatsächliches Ende geben wird? Woher nahmen sie dieses Wissen, und ist es wirklich unvorstellbar, das Ende? Das Ende von was auch immer?

Ist der Tod nicht das Ende des Lebens, ist die Tatsache, daß eine Sache nicht mehr vorhanden ist, nicht auch das Ende dieser Sache oder dieser Sachen? Ist der Weg nicht zu Ende, wenn man vor einer Schlucht steht, ist die Kraft nicht zu Ende, wenn man sich verausgabt hat, erschöpft ist?

Ja und nein! Der Tod ist zwar das Ende des Lebens für ein Wesen und für Pflanzen, dennoch ist das „gewesene Leben“ rein faktisch nicht nur in der Erinnerung der Nachfahren vorhanden, sondern als Substanz, als Materie in einer anderen Form, die selbst in ihrer „Auflösung“ in andere Stoffe nicht als zu Ende betrachtet werden kann, denn selbst in minimalsten Bestandteilen ist ein Vorhandensein eben ein Vorhandensein und kein Ende.

Wenn die Schokolade aufgegessen, ist die Schokolade zwar nicht mehr sichtbar, aber sie ist dennoch vorhanden, auch sie weiterhin in einer anderen Form. Die Kluft, die sich an einer Schlucht auftut und ein Weiterkommen verhindert, ist de facto nicht wirklich ein Ende, da sie mit verschiedenen Arten von Hilfsmitteln überwunden werden kann.

Selbst das Szenario eines Weltuntergangs, also die Zerstörung der Erde, ist kein definitives Ende. Die Erde wird in ihren Bestandteilen sich in den Weiten des Weltalls auflösen. Und sollte das Weltall sich einem Ende zuneigen, so wird die Masse des Alls, selbst wenn es nur noch stofflich oder als Staubkorn vorhanden sein sollte, nicht ein reales Ende haben, sondern ist in einer anderen Materie vorhanden.

Bei dieser ganzen Aufzählung ist zu erkennen, daß ein Abschnitt, eine Epoche, ein Ausschnitt, die Begriffe sind, die als beendet angesehen werden können. Da aber Abschnitte, Ausschnitte, Epochen, Teile eines Ganzen sind, die wiederum nur in andere Formen von Substanzen oder Zeitberechnungen übergehen, besaßen oder vertraten unsere Vorfahren bereits ein Wissen, daß sie uns mittels der Sprache weitergereicht haben.

Das vor uns Liegende ist nicht das Ende, sondern entweder das neu zu Erkennende oder das Altbewährte, je nachdem von welchem Standpunkt, welcher Sichtweise das Ende betrachtet wird.

Der äußerste räumliche oder zeitliche Punkt ist nicht das Ende, sondern die Fähigkeit bis an den Rand des Horizonts (möglichweise darüber hinaus) zu sehen oder den Rand einer Zeitbemessung (möglicherweise die Ewigkeit) zu erkennen.

Der Text ist nun zu Ende, Schluß, aus, fertig, vorbei. Möglicherweise fließt der Inhalt des Textes in anderen Gedankensphären zu Ihnen, dem Leser, zu den vorliegenden äußersten, räumlichen oder zeitlichen gedanklichen Erfahrungspunkten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Außenseiter wider der Norm beleben die Gesellschaft

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Wenn manche Menschen durch ihre Anwesenheit ganze Räume füllen

Manch jemand ist aus ganz speziellem Holz geschnitzt, was wiederum Mitmenschen ein Grübeln auf deren sorgenvoll neugierige Stirn zu zaubern vermag. Gleichzeitig entsteht stets eine gewisse Distanz solchem gegenüber, eine spontan einsetzende Nähe zu ihm oder ihr verhindert dessen raumfüllende Aura, die niemand übersehen kann, wer nicht gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Das wirkt irgendwie verwunderlich, aber wer kennt nicht solche Wesen, deren schlichte Präsenz die Luft zum Vibrieren bringt, wobei keinerlei spezielle affektierte Verhaltensmuster nötig oder gar eine gezielt autoritäre Haltung, sie wirken einfach schlicht im stolzen Sein ihrer dadurch besonders eindrucksvoll anmutenden Gestalt.

Dennoch die Frage im Raum steht, wieso manchmal uns solche Menschen begegnen und vor allem, welche Umstände oder gar tief verwurzelte Anlagen sie zu derart starken Persönlichkeiten werden ließen. Der Möglichkeiten mag es viele geben, zumal die Schöpfung allerlei Überraschungen parat hat, von bestimmten Konstellationen, die keineswegs zufällig vorhanden, einmal ganz abgesehen.

Begabtenförderung steckt immer noch in den Kinderschuhen

Unsere genormte Gesellschaft, die ohnehin gleichgeschaltet alles äußerst mißtrauisch beäugt, was gar nicht in ihr zurechtgelegtes Bild zu passen scheint, macht es verborgenen Talenten besonders schwer, die sich selbstverständlich entfalten wollen. Wer unterdrückt schon freiwillig seine einmal gefundene, entdeckte Begabung, es sei denn, äußere Umstände erzwingen dies.

Das beginnt bereits im Kindergartenalter und kann sich verhängnisvoll im weiteren Verlauf eines unsensibilisierten Schulsystems fortsetzen, welches so gar nicht auf gewisse Talente vorbereitet ist, oftmals die Lehrkräfte oder gar die Schulleitung restlos überfordert oder hilflos sind. Dies hat dann häufig zufolge, daß begabte Schüler keinerlei Förderung erhalten, ihr andersartiges Verhalten, welches zwangsläufig sich einstellt, völlig mißverstanden wird, und die Betroffenen sogar des öfteren in Sonderschulen landen, wenn die Eltern nicht ausdrücklich intervenieren.

Allerdings stellt sich aber ein zunehmendes Wissen darum ein, wenn es auch noch mühsam sich entfalten muß, bis eine Begabtenförderung erkannt und dementsprechend gezielt gehandelt wird. Immerhin, ein träges Schulwesen beginnt langsam, den ganzen Menschen zu erkennen, obwohl dies schon etliche andere Alternativen ihm aufzeigten, denken wir an die Waldorfschulen zum Beispiel.

Kreative und Hochbegabte suchen Anschluß

Nahezu unnahbar begegnen sie einem, manchmal entstehen vertrauensvolle Gespräche, doch meist verbleibt eine ehrfurchtsvolle Distanz mit solchen Ausnahmeerscheinungen. Was nicht dem Muster gewohnten Verhaltens entspricht, erzeugt Skepsis. Solch kreative oder hochbegabte Außenseiter im Trubel der Heiterkeit, denken wir an festliche Anlässe, suchen ihren Weg, wollen auch nur Anschluß, ein ganz normales Leben führen, selbst wenn ihnen über die Jahre längst bewußt, daß sie ständig anecken.

Viele haben kein Verständnis für sie, begreifen nicht deren Außenseiterrolle. Ob der übergroße sichtbar kräftige Zwei-Meter-Hüne, der stets treffsichere Redegewandte, diejenigen mit extravaganter Kleidung, jene bei allen Gelegenheiten Jonglierenden, Tanzenden, Singenden oder Geschichtenerzählenden, der in sich gekehrte ohne irgendeine Regung im Gesicht, sie alle haben eines gemeinsam: Sie fallen aus dem Rahmen gewohnter Gesellschaftsnormen, unterscheiden sich erheblich von der Masse. Fordern einen gewissen eigenen Freiraum. Geben wir ihnen diesen ohne langes Zögern, weil sie eine tolle Bereicherung für alle darstellen.

Manchmal sollte man nicht nur die Kirche im Dorfe lassen, sondern bedenken: Humor darf keinesfalls verlorengehen in einer Welt voller gegenseitiger Gewalt. Welch Gratwanderung! Freude und Tod so dicht beieinander, wer mag hierbei noch lebensfroh in die Zukunft blicken? Optimisten, Karikaturisten, Satiriker und alle Kunstschaffende, erhebt Euch und sagt Nein zu solch Aussichten!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Immer schön nicken?

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Abgehetzt, zerfetzt, verletzt,
Augenblicke der Ahnungslosigkeit.
Aber bloß immer bereit.
Vernetzt, gepetzt, jetzt
ist es soweit – keine Zeit?

Immer schön nicken,
niemals austicken.
Botschaften schicken,
in Lügen verstricken?

Verpatzt, aufgekratzt, im Knast
könnt ihr dabei landen.
Kaum Chancen vorhanden.
Welch Last, verhaßt, ohne Rast
tummeln sich kriminelle Banden.

Immer schön nicken,
niemals austicken.
Botschaften schicken,
in Lügen verstricken?

Gewagt, vertagt, beklagt,
so tickt stupide Politik.
Das war schon immer schick.
Überragt, angenagt – sagt:
„Was soll dieser ewigliche Krieg?“

Immer schön nicken,
niemals austicken.
Botschaften schicken,
in Lügen verstricken?

Und wenn ihr Antworten habt,
diese zu Grabe tragt,
weil Mensch zu spät agierte,
all das Leben krepierte,
dann handelt jetzt sofort weise,
sonst war’s die letzte Reise.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Songtexte

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Das Konzert ist zu Ende

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Die Grillen haben ihre
Streichinstrumente
eingepackt,
das Konzert ist zu Ende.

Die Blumen haben ihre
Köpfe
gesenkt,
die Ausstellung ist zu Ende.

Die Sterne haben ihr
Leuchten
eingestellt,
das Licht ist zu Ende.

Da schreit der Joschi,
meine Hose
fehlt,
meine Ehe neigt sich dem Ende.

Ein Strahl scheint in sein Gesicht,
ziemlich grell,
ein Blitz
macht seinem Traum ein Ende.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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G20-Gipfel: Ausnahmezustand steht Hamburg bevor

Die Gruppe der 20 hat vieles im Gepäck – Gegendemos prangern den Gipfel heftig an

Die Staatsmacht rüstet sich unübersehbar in der Hansestadt, dem Veranstaltungsort, den die Bundeskanzlerin als „Tor zur Welt“ somit in Erinnerung rufen möchte, aber auch an den verstorbenen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der bereits 1975 derartige Treffen mit initiiert hatte.

Ein Ausnahmezustand steht Hamburg bevor, die Gruppe der 20 hat vieles im Gepäck, jedoch prangern Gegendemos völlig berechtigt den Gipfel heftig an. Im Vorfeld gab es bereits mehrere Anschläge wie Brandstiftungen und Sabotageaktionen gegen die Deutsche Bahn. In sogenannten „Transferkorridoren“ sind jedwede öffentliche Versammlungen sowie Demonstrationen untersagt, über 23 Stadtteile erstreckt sich jene Versammlungsverbots-Zone.

Von Bill Clintons Willard Group zur Gruppe der 20

Beim Höhepunkt der Asienkrise rief der damalige US-Präsident Bill Clinton im November 1997 die Willard Group, die Gruppe der 22, ins Leben. Nach kurzfristiger Erweiterung, zwei Jahre später zur G33, fand schließlich das Gründungstreffen der G20 Mitte Dezember 1999 in Berlin statt.

In bisherig 22 Zusammenkünften, darunter am meisten jeweils dreimal in Kanada und Deutschland, trafen sich die Vertreter der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Eines fällt schnell auf: Die Schweiz ist nicht mit dabei. Ansonsten setzen sich die 20 Staaten wie folgt zusammen: aus der G8-Gruppe (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland und die USA), der O-5-Gruppe (Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika) sowie Argentinien, Australien, Indonesien, Saudi-Arabien, Südkorea und die Türkei. Wenn Sie richtig gezählt haben, ergibt dies 19. Als 20. Mitglied gehört zur G20 die Europäische Union.

Die Welt widerspricht vehement diesem Gipfel

Einserseits ein sehr hohes Polizeiaufgebot, um Gipfelteilnehmer zu schützen, Demonstranten möglichst weit weg zu verbannen, andererseits widerspricht die Welt vehement diesem Gipfel. Eine Gratwanderung unserer Demokratie, selbst wenn die Bundeskanzlerin friedliche Proteste ausdrücklich begrüßt. Dadurch ändert sich nichts an den Vorhaben jener G20-Gruppe, möglichst profitabel ihren ausbeuterisch politischen Kurs zu planen und umzusetzen.

Diesjährig steht die Versorgungskrise und der Hunger Afrikas im Mittelpunkt, Frau Merkel möchte sich parallel für die Stärkung der Frauen (W20) einsetzen, mit Trumps Tochter Ivanka hatte sie bereits diesbezüglich sich ebenso ausgetauscht. Mit ein Grund, warum die Bundeskanzlerin trotz des Streits um Klimapolitik den US-Präsidenten beim G20-Gipfel nicht isolieren möchte?

Faktisch bedeutet dieser Gipfel im Endeffekt nichts gutes, Afrika steht noch wesentlich mehr Leid bevor, weil von einem fairen Umgang mit diesem betroffenen Kontinent kann kaum die Rede sein. Nach bisheriger Rohstoffplünderung erwägen die G20-Länder weitere Möglichkeiten der Ausbeutung, wie neue Märkte zu erschließen, wobei die dortige Bevölkerung ebenso ausgebeutet wird.

Wer schon in den eigenen Ländern dem Volk vieles nichts gönnt, der verhält sich bekanntlich woanders noch wesentlich rücksichtsloser. Insofern kann man Proteste nicht nur gutheißen, sie sind oberste Pflicht. Allerdings sind Gewalteskalationen weder zielführend noch hilfreich, auch wenn man die Wut durchaus nachvollziehen kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Nein, Mama

Janine, 28, blond, nicht verheiratet, bei den Eltern lebend, Studium BWL, halbherzig, noch immer nicht wissend, was sie wirklich interessieren könnte. Jane, wie sie von Freunden gerufen wird, rot gefärbte Haare, fast orange, mittellang, schlendert durch die Fußgängerzone einer x-beliebigen Kleinstadt in Deutschland.

Rechts und links dieser Straße sind Modegeschäfte von exquisiten Modelabels, weniger exquisiten Modelabels, No-Name-Modelabels, Hauptsache Modelabel. Dazwischen Coffee-Shops unter amerikanischen Besitz, bekannte, weniger bekannte Bäckereien, auch mit Coffee-To-Go-Angeboten von Bäckereifilialen, aus der näheren und aus deutschlandweiten Filialketten. Zwei Spielhallen, drei Schuhgeschäfte, in denen man immer ein Paar Schuhe umsonst bekommt, wenn man drei Paar Schuhe kauft, ach ja, drei Pizzerien, eine davon von der oberen Preisklasse. Auf dem kleinen Platz zwischen der Fußgängerzone, die von Süden sich über vier Straßenzüge Richtung Norden zieht und an der Straße des kleinen Flußes endet, verkaufen zwei Imbissbuden Kebab und Würstchen.

Sie ist verabredet mit Yannick und Dörte in der Pizzeria der oberen Preisklasse, weil dort nicht nur Pizzen angeboten werden, sondern auch viele andere Gerichte, und man kann auf einer kleinen Terrasse sitzen, dem Treiben auf dem Fluß zusehen, ab und an tuckert zwischen Frühling und Herbst ein Touristenschiff vorbei, dazwischen verirrt sich schon mal ein privates Boot, vor allen Dingen an den Wochenenden. Manchmal hat man zudem das Glück, Kanuten zuzusehen, die in schnellen Zügen den Fluß abwärts fahren. Auf diesem Streckenabschnitt verirren sich nicht so oft Schwäne, Enten, Tauben, will man diese zu Gesicht bekommen oder wenigstens die, die diese Tiere füttern, muß man etwa 800 Meter nach Ende der Fußgängerzone rechts gehen, bis man an die Brücke kommt, die den Ort verbindet. Dort unter der Brücke ist das Ufer an großen Flächen versandet, der ideale Platz, um bis runter zum Fluß zu gelangen, aber man kann die Tiere auch von der Mauer, die den Fluß auf der ganzen Länge des Städtchens auf beiden Uferseiten umschließt, füttern, beobachten.

Yannick und Dörte verbringen öfters die Woche über ihre Mittagspause bei Giulio, sie arbeiten zusammen bei Henderson GmbH &Co KG, Hausverwaltung von Großprojekten, in der Buchhaltung, haben sie sich dort kennengelernt, sind aber nur Freunde. Nur Freunde behaupten sie, Jane bezweifelt das. Yannick ist ihr alter Schulfreund, sogar seit Kindergartentagen, sie sind wirklich nur Freunde, eher wie Bruder und Schwester.

„Der merkt einfach nicht, daß sie ihn anhimmelt. Und sie traut sich nicht, den ersten Schritt zu tun. Habe so oft schon versucht zu vermitteln, Anstöße gegeben, mit ihm alleine gesprochen, mit ihr. Die sind irgendwie beide verklemmt, wenn es um ihre Freundschaft geht. Die machen sich beide was vor. Oder wollen mich auf den Arm nehmen?“

Jane hat wieder mal die Laune von „alles egal“, uninteressant. Ihre Mutter würde inzwischen sogar nichts mehr dagegen haben, wenn sie das Studium abbrechen würde, den Vater würde sie schon überzeugt kriegen. Ach, Mutter! Und was soll ich dann machen? Die Straße kehren! Dann machst du erstmal Urlaub, ich klär das schon mit Papa. Nein, Mama!

„Nein, Mama!“ sagt sie laut vor sich hin. „Das würde ich auch sagen!“ In ihrem Blickfeld taucht ein in Anzug und Krawatte gekleideter, geschätzte 45, sonnengebräunter Mann auf, der wie aus heiterem Himmel fast vor ihr steht. Sie sieht im direkt in die Augen, er zwinkert und lächelt mit einem schneeweißen Gebiß zurück wie in den amerikanischen Filmen, in denen die 100-Jährigen noch die Zähne aus ihrer Pubertätsphase besitzen.

„Wie, wie bitte?“ „Das würde ich auch sagen, nein, Mama!“ „Aha, wie kommen Sie auf nein, Mama?“ „Nicht ich, Sie, Sie sagten, nein, Mama!“ „Ich? Das habe ich gar nicht gemerkt!“

Janes Gesicht überzieht eine leichte Röte, sie nickt geistesabwesend, stammelt „Entschuldigung“, greift nach dem Smartphone in ihrer Jackentasche, eigentlich nur, um irgendetwas zu tun und versucht, schnellen Schrittes zum Giulio zu gelangen, wobei es ihr vorkommt, als würde sie plötzlich auf moorigem Boden gehen, denn anscheinend kommt sie nicht vom Fleck. Einen kurzen Blick zurück wagt sie, trotz ihrer Bemühung schnell den Standort zu wechseln. Der Anzugträger ist nirgends zu sehen, Fata Morgana am Mittag, sah gar nicht so übel aus, der Typ, viel zu alt, zu hübsch, sicher verheiratet, oder er hat tausende Freundinnen, mal hier mal da. Ein Casanova erster Klasse, so geschniegelt wie der rumläuft! Hey, nicht mit mir, so eine Anmache. Nein, Mama!

„Wie siehst du denn aus, bist du auf der Flucht!“ „Wieso?“ „Du wirkst so abgehetzt, als ob gleich eine Feuerwalze hinter dir ausbricht!“ „Nö, nö, alles in Ordnung! Wartet ihr schon lange?“ „Nein, haben gerade die Getränke bestellt, sind ein bißchen später aus dem Büro rausgekommen, weil wir noch in einer Konferenz festsaßen und…“

Yannick steht auf, Jane denkt, er will mir seinen Platz anbieten, damit ich neben Dörte sitzen kann, diese zwei Freundschaftslügner, nur Freunde, Mensch, seid doch mal ehrlich, ich weiß doch, daß es dauernd zwischen euch funkt, nicht hinter mir brennt eine Feuerwalze, zwischen euch, da streckt Yannick seine Hand aus, wie zu einer Aufforderung oder einem Handschlag, als sie hinter sich eine vertraute, eben erst gehörte Stimme hört: „Nein, Mama!“

„Hallo Omar, was soll das heißen, nein, Mama?“ „Ach, das ist so eine Redewendung, um Leute kennen zu lernen, so wie hey, Mann, wie geht’s, oder so, kennt ihr die noch nicht? Ist die neueste Begrüßungsformel, unverbindlich, bedeutet in etwa, ich bin cool, kann schon alleine entscheiden, oder so.“

Yannick und Dörte lachen, Janes Gesicht gleicht inzwischen ihrer rot-orangenen Haarfarbe, und als sie sich umdreht, nimmt ihre Gesichtsfarbe für einen kurzen Augenblick den Farbton von cremeweißer Wandfarbe an, um sich danach in ein leicht gesprenkeltes Altrosa zu verwandeln, ähnlich den Modellen auf den Bildern der großen Maler des Mittelalters.

„Jane, das ist Omar, unser neuer Abteilungsleiter. Omar, das ist Jane!“, hört Jane Dörte sagen, sie spricht wie aus einem gedämpften Tunnel heraus. Jane schüttelt den Kopf, nicht das letzte Mal während des Essens mit ihren Freunden und auch in den kommenden Wochen und Monaten.

Omar liebt es, dieses „nein, Mama“ bei sämtlichen Gelegenheiten zum Besten zu geben, so daß Jane sich des Gedanken öfters nicht erwehren kann, er liebe diesen Ausdruck mehr als sie, besonders wenn Omar sich zu seiner Tochter runterbeugt, ihr einen sanften Kuß gibt und ihr zuflüstert: „Keine Sorge, nein, Mama, wir lassen beide Mama nie mehr alleine durchs Leben gehen!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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