Londoner Terroranschlag verdeutlicht ein Klima der Angst

Gewalt wird wesentlich mehr zunehmen

Schon wieder ein Terroranschlag, der dritte in diesem Jahr in Großbritannien, der einmal mehr verdeutlicht, wie schnell und simpel die Sprache der Gewalt sich Mittel und Wege der Entfaltung sucht. Dies dürfen wir unbedingt nahezu wörtlich nehmen. Im Facebook formulierte ein Mitglied, sie wünsche sich einmal Terroropfer „dieser links-grün-versifften“, damit jene mal aufwachen würden von ihrer „ewigen Gutheißung Flüchtlingen gegenüber“.

Schrecklich, wir sind mal wieder angekommen in einem Klima der Angst, und zwar auf allen Seiten. Auftrag ausgeführt, Terror als perfideste Waffe gegen ein friedliches Miteinander. Während weltweit Kriege und Elend die Menschen vor Ort ohnehin tagtäglich erdulden müssen, kommt der Terror ebenso nach Europa. Besonders Clevere argumentieren nunmehr, mit den Flüchtslingswellen gen Europa würde der Terror uns selbst bedrohen.

Mit 9/11 wurde der Islamismus als Feindbild geschürt

Dabei scheinen jene gänzlich zu übersehen, daß die Ursachen derartiger Entwicklungen wesentlich komplexer sind und teilweise ziemlich gezielt ins Leben gerufen wurden. Blicken Sie mal für Momente zurück in die Zeit vor 9/11. Na, fällt Ihnen was auf? Der Islam wurde von einem Tag zum anderen dafür instrumentalisiert, in der westlichen Welt ein neues Feindbild zu erschaffen.

Hatte gerade Europa mit dem Schlußpunkt der Osmanen vor den Toren Wiens, wo Großwesir Kara Mustafa Pascha und sein Heer vom 14. Juli bis 12. September 1683 am Ende erfolglos die Stadt belagert hatte und von dannen gejagt wurde, mit diesem US-amerikanisch größten Terroranschlag insofern den Haß auf den Islam erneut aufblühen lassen, müssen inzwischen nach 16 Jahren die Europäer am eigenen Leib erfahren, wohin dieser Weg führt.

Marek Lieberberg leistet einen Bärendienst für den Rechtsradikalismus

Kein Wunder, daß sich gerade rechtsradikale Gruppierungen das Thema des Fremdenhasses mit dem gezielt provozierten Islamismus auf die eigenen Fahnen schreiben, denken wir an jene Pegida, diese AfD, so leistet der „Rock am Ring“-Veranstalter, Marek Lieberberg, jenen Kräften einen Bärendienst mit der unhaltbaren Behauptung, Muslime hätten gefälligst längst zu Zehntausenden gegen den islamistischen Terror demonstrieren sollen. Erstens gibt es genügend muslimische Gruppierungen und Organisationen, die schon lange sich dagegen engagieren, und zweitens haben die Haßphrasen jener Rechtsradikalen somit ihre Wirkung erreicht, wie man leider feststellen muß.

Auf der anderen Seite haben die Zuschauer vor Ort auf dem Nürburgring sich vorbildhaft gelassen verhalten, trotz jener Terrorwarnung. Einmal mehr zeigen solche Reaktionen, daß die Menschen keineswegs gewillt sind, sich mittels Terroranschläge einschüchtern zu lassen. Andererseits ist leider zu befürchten, daß noch etliche Folgeanschläge auch in Europa stattfinden.

Die unsägliche Behauptung, man könne ihn tatsächlich bekämpfen, wird sich als fataler Irrtum herausstellen. Es gilt viel eher, die Ursachen zu ergründen, dazu zählen auch die geistigen Brandstifter in rechtsextremen Lagern, die nichts anderes im Sinn haben, als ihre eigene Macht auszubauen auf Kosten einer toleranten Gesellschaft. Verhindern wir das mit aller Entschiedenheit!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Terror

Veröffentlicht unter Terror | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Polens Umweltminister Jan Szyszko gefährdet Bialowieza-Urwald

Umweltschützer errichten neues Protestcamp

Den Blick gen Regenwälder gerichtet, sollte man nicht in unmittelbarer Nähe wegschauen. Nordöstlich von Warschau, im Grenzgebiet zu Weißrussland befindet sich Europas letzter einmaliger Urwald, der Bialowieza-Urwald, den jetzt Polens Umweltminister Jan Szyszko massivst gefährdet.

Widerstand läßt zurecht nicht lange auf sich warten, Umweltschützer errichten dort ein neues Protestcamp. Schließlich schwelt die Sorge bereits seit über einem Jahr, im Mai 2016 verkündete Jan Szyszko, daß bis 2023 an die 188.000 m³ Holz gefällt werden sollen, seine Begründung, die Ausbreitung der Gefährdung durch den Buchdrucker (Ips typographus) solle verhindert werden.

Professor Thomasz Wessolowski warnt vor einem Kollaps

ROBIN WOOD macht auf die tragischen Mißstände in seinem Bericht des Waldrefenten Jannis Pfendtner aufmerksam. Dort zitiert dieser Professor Thomasz Wessolowski von der Universität Breslau (poln. Wroclaw), der dem Guardian gegenüber betonte, daß wir mit jedem gefällten Baum dem „Point of no return“ näherkämen, ab einem bestimmten Punkt es einen Kollaps gäbe, das Ökosystem für immer weg wäre.

Obwohl die EU ein Vertragsverletzungsverfahren inzwischen eingeleitet hat, ignoriert die polnische Regierung die zunehmenden Proteste. Der verantwortlichen Politik scheint die ganze Tragweite völlig egal zu sein, auch hierbei zählen wohl nur kurzfristige Profite.

Białowieża-Nationalpark – Europas letzter Tiefland-Urwald

Der weitaus größere Teil befindet sich in Weißrussland, nämlich rund zwei Drittel, 874 km², und ca. 630 km² in Polen des gesamten Urwaldes. Der Nationalpark selbst hat in Polen eine Fläche von 105,17 km², wovon gerade mal 47,16 km² als besonders schützenswert gelten.

Insofern sind die 20.000 Tierarten, wovon allein 9.000 Insektenarten sich im Urwald tummeln, sowie die 3.500 Pilz- und 5.500 Pflanzenarten betroffen, sollte Polen seinen rücksichtslosen Kurs fortsetzen.

Anstatt Umweltaktivisten per schnell eingebrachte Gesetze in Polen zu kriminalisieren, sollte dieser Umweltminister seine fadenscheinigen, unhaltbaren Behauptungen über die angebliche Plage des Buchdruckers überdenken, da ansonsten auf polnischer Seite jener letzte europäische Urwald für immer verloren gehen wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

Veröffentlicht unter Naturschutz | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Wesen der Sinne beinhaltet nicht Verweilen

https://pixabay.com/de/aufstieg-die-aktivit%C3%A4t-silhouette-1807474/

pixabay.com

Vielfältigkeit der Anpassung fördert  die Entwicklung

Es gibt Tage, da weiß man sehr genau, nach was einem der Sinn steht. Da fallen die Entscheidungen leicht, da hat man Appetit auf Vanilleeis mit Erdbeersoße, da schreckt keine noch so große Speiseeiskarte einen davon ab, nicht doch lieber das Walnußeis mit Amarettolikör zu nehmen. Da stehen Sie nicht unschlüssig im Modeladen und probieren schon die zehnte Bluse an mit der Empfindung, nichts will so Ihrem Wesen entsprechend passen, nicht nur die Größe, der Schnitt oder die Farben kommen Ihrem Geschmack nicht gleich, obwohl Ihre Freundin permanent behauptet, die oder die sieht fabelhaft aus. Keiner Ihrer Sinne sträubt sich dagegen, sich für die zuerst erblickte, anprobierte Bluse zu entscheiden.

Der Sinn, althochdeutsch sin, ursprünglich, Gang, Reise, Weg. Andere Synonyme sind Instinkt, Wahrnehmung, Geschmack, Bewußtsein, Gesinnung, Wesen, Denke, Nutzen, Ziel, Zweck.

Das Wesen, althochdeutsch wesan, Sein; Aufenthalt; Hauswesen; Wesenheit. Andere Ausdrücke sind Charakter, Art, Grundgedanke, Zentrum, Eigenschaft, Person, Inneres, Idee, Hauptsache, Eigenheit, Veranlagung.

sinnen, althochdeutsch sinnan, eigentlich gehen, reisen. Andere Begriffe, denken, nachgrübeln, reflektieren, bezwecken, anstreben, grübeln, überdenken, ansteuern.

wesen, althochdeutsch wesan, sein; sich aufhalten, dauern, geschehen, verweilen, wohnen. In der Bedeutung von, als (lebende) Kraft vorhanden sein.

Von Sinnen sein bedeutet, von allen Geistern verlassen, irr, im schlimmsten Fall nicht mehr zurechnungsfähig. Wer seine fünf Sinne nicht mehr beisammen hat, der hat auch nicht mehr alle Tassen im Schrank, kurzum, der spinnt, ist verrückt. Interessant ist, daß „Wesen“ als ein Synonym von „Sinn“ in den gleichen Bezug gesetzt werden kann, aber nicht umgekehrt.

Der Sinn als ursprüngliche Bedeutung für Reise, Gang beinhaltet einen Wechsel der Örtlichkeit, wobei die eigentliche Bedeutung von Wesen die Beständigkeit eines festen Platzes beschreibt. Ist es demnach verrückt, wenn ein Sinn, Wesen sich auf eine Reise begibt, oder zwei, aber nicht, wenn sich alle fünf Sinne zusammen aus dem Staub machen?

Sind die Sinne der Wesen, wenn sie gemeinschaftlich handeln, ein Bewußtsein bilden, ein Ziel verfolgen, erst dann ein Zentrum, von dem „lebende Kraft“ ausgeht?

sein, althochdeutsch sīn, das neuhochdeutsche Verb enthält drei verschiedene Stämme: 1. althochdeutsch bin, ursprünglich, werde, wachse, 2. althochdeutsch ist, sint 3. mittelhochdeutsch was, wāren, althochdeutsch was, wārun, ursprünglich, war(en) da, verweilte(n), zu althochdeutsch wesan, wesen. Synonyme für sein sind, sich fühlen, sich befinden, ansässig sein, auf der Welt sein, existieren, passieren, tätig sein, verkörpern.

„Das Sein“ ist das Substantiv von „sein“ und bedeutet Bestehen, Existenz, Wirklichkeit, Vorhandensein, Leben.

Das althochdeutsche sīn für „Sinn“, (Reise, Gesinnung) genauso wie für „sein“, (existieren, verkörpern) haben die gleiche Bedeutung wie wesan für „Wesen“ (Charakter, Idee, Inneres) und „wesen“, verweilen, wohnen, lebende Kraft.

Zusammen bilden sie das „Sein“, die Existenz, Wirklichkeit, das Leben.

Wie jetzt? Gehen oder bleiben? Reisen oder lieber in der Wohnung sitzen?

The Clash – Should I Stay or Should I Go

Die Lösung haben unsere Vorfahren natürlich gewußt, Sie auch? Haben Wesen und zwar alle Wesen Sinne, sind sie: Ich bin. (althochdeutsch bin, ursprünglich, werde, wachse)

Werden und Wachsen kann nur, wer eine Vielfältigkeit der Anpassung und eine Harmonisierung mit sich selbst und der Umgebung, Umwelt eingeht und dabei akzeptiert, daß alles wandelbar ist. Sollte also heute dem Sinn nichts im Wege stehen, aber morgen schon wieder tausend Bedenken das Wesen zu keiner Entscheidung führen lassen, so ist das nichts anderes als ein „Wachstumsschub“ und ein „Wachstumsstillstand“, beides zusammen ist die Lebensreise und die Lebenswohnung. Oder wie Sportler womöglich sagen würden, (Muskeln) anspannen und entspannen. Oder Kutscher womöglich sagen würden, (Pferde) anspannen und ausspannen. Oder wie Sie womöglich sagen würden, bei der Arbeit angespannt und in der Freizeit entspannt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

The Donald gegen den Rest der Welt

https://pixabay.com/de/landschaft-h%C3%BCgel-berg-steigung-690990/

Satirischer Rückblick…

Das alles nur wegen dem blöden Geld, was Mensch halt antreibt, selbst wenn am Ende von ihm nichts übrigbleibt. Einerlei, ob am Anfang das Huhn oder das Ei, The Donald fühlt sich als ein Held der Helden, dann ham andere eben nichts mehr zu melden!

Nichts kommt in Schwung, selbst bei manch jutem Gedankensprung. Frisch gestrichen? Da wird nüscht ausjewichen. Wie man bei Xaviers Sympathiewelle für dubiose Reichsbürger ersehen kann, er und seine Jungs bleiben halt dran. Mannomann! Welch Verdruß, Politik zwischen Nationalismus und Globalismus.

Woher wohl manch schräge Einfälle kamen? Nach dem G7-Gipfel kehrte Merkel Trumps Porzellan zusammen, fraglich nach bisheriger Unterwürfigkeit diesen USA gegenüber. Doch was ist einem lieber? Wegducken oder besser kritisch hingucken? Ein Kettenhund spielt Klavier. Was kann denn jenes hochbegabte Tier dafür?

Und wenn Äußerungen kein Verzicht auf Verantwortung sind? Blödsinn, weeß doch jedes Kind. Entscheidend ohnehin die innere Haltung, drum Verschwörungstheorien Wege ihrer Entfaltung suchen. Da nützt och keen Fluchen. Manch Kommentator von Verschwörung spricht, nur wer führt hier wohl wen hinters Licht? Die Frage nicht so leicht zu beantworten ist, das entspricht der eigentlichen List!

Sind Menschen wirklich dazu bereit? Darum verjagt die Ungerechtigkeit, bevor jene uns das Fell über die Ohren zieht, wie man längst vielerorts sieht. Wer sich in Schweigen hüllt, sich mitschuldig macht. Erst recht, wenn er blindlings Befehle erfüllt, bis es weltweit heftigst kracht.

Doch Indien unterstützt lieber den Bergbaukonzern Vedanta per Verhaftungswillkür. Wer öffnet hier wohl wem welche Tür? Es geht nicht ums Volk, sondern es zählt der Wille zum Erfolg. Daß dabei viel Betrug dahinterstecken mag, wußten die meisten sowieso, woran das lag. Verbesserung erreichen wir allerdings nur in kleinen Stufen. Wie beim WHO-Weltnichtrauchertag, der wurde vor 30 Jahren ins Leben gerufen.

Es verbleibt oft das Schlechte, bayrische Abschiebepraxis mißachtet Menschenrechte. Selbst wenn manch verkappte ewiggstrige Neonazis sich über solch harte Zustände freuen, ihre menschenverachtende Haltung nicht im geringsten bereuen, jener tröge Nationalismus wird verbannt, sie ham’s nur noch nicht erkannt! Bekränzt ihr nur euer Haupt, es sei euch gerade noch mal erlaubt. Ergeht’s euch bald schon wie beim Gedicht mit der Ringeltaube, verbirgt sich manch ungeahntes unter der Haube.

Kommen wir zum Schluß. Es folgt, was ehedem schon lang sich anbahnte, sehr zum Überdruß vielen schwante: Die Autobahnprivatisierung der Bundestag beschloß. Die Wut ist zwar riesengroß, doch der Wähler entscheidet sich zum Herbst fürs gleiche Los.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Umfrage zu Trumps Absage des Pariser Klimaabkommens

https://pixabay.com/de/globale-erw%C3%A4rmung-%C3%B6kologie-natur-2034896/

pixabay.com

Trumps USA verabschieden sich tatsächlich vom Pariser Klimaabkommen, was auf der einen Seite die vollmundig betonte Konsequenz dieses neuen US-Präsidenten unterstreicht, gerade dessen Bewunderer danken ihm jene Haltung, andererseits stellt er diese Nation ins Abseits, wie bereits beim G7-Gipfel er eindrucksvoll aufzeigte.

„So what?“ als Frage steht insofern eigentlich nicht zur Diskussion, Donald Trump hält stoisch an seine Wahlversprechen fest, egal welche Konsequenzen daraus resultieren. Manche ganz schlauen Zeitgenossen wittern gar eine gewisse Genialität, die sich in der politischen Haltung des Präsidenten verbergen mag. Tatsächlich beweisen etliche Äußerungen sowie Entscheidungen viel eher nicht nur eine gewisse Kurzsichtigkeit, obendrein scheint ihm die Tragweite keineswegs bewußt zu sein.

Erst recht ein Grund für Querdenkende anschließende Umfrage an Sie zu richten, die bis nächsten Donnerstag, dem 08. Juni, freigeschaltet sein wird. Es stehen wieder unterschiedliche Antworten zur Verfügung, Sie dürfen auch mehr als eine ankreuzen. Natürlich kann nur einmalig gestimmt werden.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Umfragen | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ringeltaube

https://pixabay.com/de/taube-stadt-vogel-tier-tiere-2002748/

pixabay.com

Sie hat immer rote Bäckchen,
trägt meistens ein blaues Jäckchen,
ihre Augen blinzeln bisweilen frech,
ihre Fröhlichkeit ansteckend und echt.

Gerade ist sie zu Muttern gerannt,
im Gesicht blaß wie eine Wand.
Die Arme weit von sich gestreckt,
sie scheint zu Tode erschreckt.

Kein blaues Jäckchen trägt sie mehr,
sondern grün, die Taschen vermißt sie sehr.
Das Ei, das sie neulich gefunden bei der Laube,
war ein Schlangenbaby, keine Ringeltaube.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bundestagsbeschlüsse: Weg frei zur Autobahnprivatisierung

Ein Zurück zu mittelalterlichen Wegzöllen

Unabhängig davon, daß Bundeskanzlerin Angela Merkel die Öffentlichkeit getäuscht hatte mit ihrer Aussage, es gäbe mit ihr keine Pkw-Maut kurz vor der Bundestagswahl 2013, die CSU daraufhin die Maut im Koalitionsvertrag einforderte, folgte die Große Koalition bedenkenlos, dürfen die Bundesbürger sich zurückversetzt fühlen in Zeiten mittelalterlicher Wegzölle.

Gleich zu Beginn des ersten Sommermonats wird somit der Weg frei zur Autobahnprivatisierung mit den heutigen Bundestagsbeschlüssen per notwendiger Zweidrittel Mehrheit. Nur 32 Gegenstimmen der SPD sprechen Bände, wenigstens haben die Grünen und die Linken geschlossen dagegengestimmt, sehr deutlich ihren Unmut zum Ausdruck gebracht, ganz besonders Sahra Wagenknecht in ihrer berechtigten Wutrede.

Eine Gesellschaft privaten Rechts berücksichtigt staatliche Belange und Einwände?

Das wäre aber ziemlich illusorisch, das Gegenteil wird eintreten. Umso wichtiger und notwendiger der laute Aufschrei in der Öffentlichkeit über die Trickserei, die sich die seitens des damaligen Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel im August 2014 ins Leben gerufene Expertenkommission zur Stärkung von Investitionen in Deutschland mit dieser beschlossenen Infrastrukturgesellschaft erdacht hat.

Anstatt nochmals jenes Vorhaben kritisch zu überprüfen, verbleiben Schlupflöcher, welche sehr wohl einer Privatisierung im Autobahnverkehr dienen, selbst staatliche Unternehmen erhalten mit diesen Gesetzen die Möglichkeit, zur Erfüllung ihrer Aufgaben auf Dritte zurückzugreifen, insofern auf private Unternehmen. Im Artikel 90 wird dies per Änderung besonders deutlich mit der Einfügung eines 2. Absatzes, der wie folgt lautet:

„(2) Die Verwaltung der Bundesautobahnen wird in Bundesverwaltung geführt. Der Bund kann sich zur Erledigung seiner Aufgaben einer Gesellschaft privaten Rechts bedienen. Diese Gesellschaft steht im unveräußerlichen Eigentum des Bundes. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“ (laut Gesetzentwurf der Bundesregierung Drucksache18/11131.

Berufung auf Geschäftsgeheimnisse bei privaten Gesellschaften

Kommt Ihnen das nicht bekannt vor, wenn man einmal ganz kurz an die unsäglichen Freihandelsabkommen wie TTIP oder CITES nachdenkt? Privatisierung bedeutet im Klartext, daß der Schutz einer staatlichen Kontrolle entfällt, betroffene Bürger der Willkür auf Gedeih und Verderb solcher Unternehmen ausgesetzt sind, ohnehin die dortigst arbeitenden Mitarbeiter.

Derartige Firmen dürfen somit laut dieser Bundesregierung in Zukunft nach Gutdünken schalten und walten, wie es ihnen genehm. Der Wähler sollte entsprechende Kritik ausüben im Herbst dieses Jahres, ein Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble meint immerhin ziemlich arrogant und trocken, das schnelle Durchpeitschen jenes Gesetzespaketes sei wegen der bevorstehenden Bundestagswahl notwendig.

Mit höherer Geschwindigkeit hat der mündige Wähler dann die Möglichkeit, per entsprechendem Kreuzchen diesen Politiker sowie seine Kollegen abzuwählen. Daß auch dies eher einer trügerischen Illusion entsprechen mag, davon muß man leider ausgehen mit Blick zu den Meinungsforschungsinstituten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar