Südkorea: Moon Jae-in setzt deutliches Signal als neugewählter Präsident

Nach bisheriger Amtsinhaberin Park Geun-hye Dialogbereitschaft mit Nordkorea?

Nachdem Emmanuel Macrons Wahl am Sonntag einen aufkommenden Nationalismus in Europa in die Schranken verwies, scheint im fernen Ostasien gelegenen Spannungsgebiet ein Hoffnungsschimmer aufzuflammen, da der sozialliberale Kandidat Moon Jae-in als neugewählter Präsident ein deutliches Signal setzten kann und wird.

Somit löst er die bisherige Amtinhaberin Park Geun-hye ab, die als Tochter des ehemaligen Militärdiktators Park Chung-hee (er regierte von 1961 bis 1979) keine glückliche Hand bewies, in dem sie sich in einem beispiellosen Korruptionsskandal verstrickte, sie schließlich von ihrem Amt suspendiert wurde, Premierminister Hwang Kyo-ahn vorrübergehend die Staatsaufgaben übernahm. Darf Südkorea mit Moon Jae-in auf eine Dialogbereitschaft mit Nordkorea hoffen?

Wer ist der ehemalige Menschenrechtsanwalt und neue Präsident?

Der Dialog mit dem Volk kann durchaus ein moderates Mittel sein, nicht nur mehr Vertrauen aufzubauen, sondern wenn der ehemalige Vorsitzende der Allianz für Demokratie, Moon Jae-in, der heutigen Minju-Partei (Demokratische Partei des Miteinanders) die Bevölkerung aufruft, Vorschläge für sein Regierungsprogramm zu unterbreiten, um im Anschluß deren soziale Forderungen aufzugreifen sowie ein verschärftes Vorgehen gegen sexuelle Belästigungen.

Moon Jae-in hat den Mut, nicht nur innenpolitisch an der Macht der Konzerne Samsung und Hyundai zu rütteln, sie einzuschränken, darüberhinaus wagt er China und den USA zu trotzen, den Nordkorea-Konflikt nicht ihnen allein zu überlassen, wo doch dortigst von Deeskalation keine Spur zu sehen ist. Donald Trumps Kurs hinterläßt beim neuen Präsidenten nachdenkenswerte andere Optionen, so daß man von ihm mehr diplomatische Gesprächsbereitschaft erwarten kann. Ob das ausreicht, Kim Jong-un zu besänftigen, bleibt zunächst mal abzuwarten.

Südkorea inmitten eines gefährlichen Konflikts

Wobei gleich drei Supermächte involviert sind, obendrein Japan als viertes Land weiterhin nicht unbedingt in der südkoreanischen Bevölkerung für hohes Vertrauen sorgt, zu tief sitzen die historischen Erinnerungen an die Kolonialzeit, die vor knapp 70 Jahren schließlich ein Ende fand, immerhin von 1910 bis 1948 andauerte.

Keine günstigen Voraussetzungen, um friedlichere Bedingungen zu erschaffen, das Auf und Ab zwischen den beiden koreanischen Staaten erschwert jedwede Friedensbemühungen. Obendrein stecken gleichwohl handfeste militärische Interessen dahinter, das nunmehr installierte US-Raketenabwehrsystem (USFK) in der östlichen Provinz Nord-Gyeongsang sorgt eher für Unruhe statt für Entspannung, der Nordkorea-Konflikt könnte sich ziemlich schnell zu einem großen Krieg entwickeln.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Wir waren verwandt

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Blütenweiße Sterne
blinken aus der Ferne.
Der Wagen schaukelt sacht
in dieser windigen Nacht.

Die Pferde sind müde,
keine Peitschenhiebe
vermögen sie anzutreiben,
im langsamen Trott sie bleiben.

Das Ziel ist, fort, fort, fort
zu einem friedlichen Ort.
Sie sind nicht alleine,
viele Wagen in der Reihe.

Hinter ihnen tobt Krieg,
Schutt, Asche fliegt
durch Rauchschwaden,
Hölle sozusagen.

Wann ist das geschehen?
Immer schon, seit Bestehen
von Intoleranz, Gier, Wut,
steigt herauf die Glut

des Zorns, der Zerstörung,
kein Wille zur Versöhnung.
Sie flüchten nach vorn,
zum nächsten Zorn.

Keine Änderung in Sicht?
Sag bloß, die gibt es nicht?
Erst wenn alles ist verbrannt,
Mensch weiß, wir waren verwandt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Olympische Spiele in Tokio: Das Volk der Penan wird weiterhin bedroht

Stoppt den malaysischen Konzern Shin Yang

Jahrzehntelang bedrohen Konzerne, die Behörden vor Ort das indigene Volk der Penan, trotz etlicher Proteste der Indigenen selbst, von Organisationen und Vereinen bis hin zum Schweizer Ethnologen und Umweltaktivisten Bruno Manser, der seit 25. Mai 2000 zunächst vermißt, inzwischen knapp fünf Jahre später für verschollen erklärte wurde.

Nachdem wir vor rund einem Jahr über die Spur der Pamlöl-Mafia, dem Schweizer Freihandelsabkommen zwischen Indonesien und Malaysia berichteten, den sich formierenden Druck in der Öffentlichkeit, scheint auch der malaysische Konzern Shin Yang im Zusammenhang mit den für 2020 geplanten Olymischen Spielen in Tokio bei der illegalen Abholzung von Regenwäldern auf Borneo beteiligt zu sein, bedroht somit das Volk der Penan. Der Verein Rettet den Regenwald setzt sich mit dieser Petition „Opfert unseren Regenwald nicht für Olympia!“ ein.

Jede Gelegenheit birgt ein Chance trotz anhaltender Gleichgültigkeit

Was muß noch alles geschehen, bis die Weltöffentlichkeit endlich mit Nachdruck das Volk der Penan vor mehr Leid bewahrt? Wieviel Regenwald dürfen Konzerne wie Shin Yang ungestraft vernichten, davon nicht nur äußerst lukrativ profitieren, sondern obendrein diesem betroffenen Volk die Lebensgrundlage nehmen, ohne irgendwelche greifenden Konsequenzen?

Die mitverantwortliche Weltpolitik schaut nahezu tatenlos zu trotz zunehmender Protestwellen und nichts geschieht? Da werden Erinnerungen wach ans großartige Buch „Tropischer Regenwald Der Garten Eden darf nicht sterben“ mit einem Vorwort von Helmut Kohl aus dem Jahre 1993. Und was geschah seither? Zu wenig.

Die Regierungen der betroffenen Länder vor Ort lassen sich schmieren, Korruption bahnt sich Wege bis in die Regenwälder selbst, indigene Völker sind genauso betroffen wie die ungehemmte Zerstörung der Baumriesen, somit der wertvollen Fauna. Umso wichtiger, jede Gelegenheit gezielter Poteste aufrecht zu halten und zu nutzen, nicht nachzulassen trotz anhaltender Gleichgültigkeit.

Ein Ende dennoch keineswegs in Sicht

Der Konflikt im Bundesstaat Sarawak begann bereits in den 1960er Jahren, der Hunger nach Palmöl und wertvollen Hölzern trieb genauso wie weltweit in anderen Regenwäldern entsprechende Konzerne und Firmen dazu, ungehemmt sich zu bereichern. Solange noch Großbanken mit im perfiden Spiel sowie etliche verantwortliche Politiker, ändert sich wohl kaum etwas zum Guten, dürfte ein Ende keineswegs in Sicht sein.

Wer möchte, kann sich am Ende dieses Artikels den eindrucksvollen Film „Bruno Manser -Laki Penan“, den Christoph Kühn drehte und der 2007 erschien, gern anschauen.

Was ist das für eine Welt, die Mensch sich erschafft? Hunger und Elend, Krieg und Zerstörung, statt im Einklang mit sich selbst und der Natur friedlich zusammen zu leben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Bedrohte Völker

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Mir fehlen

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Mir fehlen,
weil ich doch weiß,
da sitzt einer tagtäglich
ohne Schweiß Stunden auf dem Klo,
bezahlt, um zu brüllen,
Moral, Sitte kann nur
Patriotismus bringen.

Mir fehlen,
weil ich doch weiß,
da sitzt einer tagtäglich,
ohne Schweiß in Cafés
bezahlt, um zu überzeugen,
nur Liebe zum Eigenen
sei Sitte, Anstand, Wert.

Mir fehlen,
weil ich doch weiß,
da sitzt einer tagtäglich,
ohne Schweiß am PC,
bezahlt, um zu hetzen
gegen Minderheiten,
Kadavergehorsam währt.

Mir fehlen,
weil ich doch weiß,
da sitzt einer tagtäglich,
ohne Schweiß in der Sonne
bezahlt, um zu jammern,
wie schlecht es ihm geht,
weil Heimat ihn nicht versteht.

Mir fehlen,
weil ich doch weiß,
da sitzt einer tagtäglich,
ohne Schweiß, um zu erschrecken,
bezahlt, um sein Ego zu stützen,
mehrere Identitäten kosten,
den Betrug zu verstecken.

Mir fehlen,
weil ich doch weiß,
diese Gelder, Spenden
fehlen wirklich Leidenden.
Der, der vorne sitzt,
brüllt, überzeugt, hetzt,
jammert, erschreckt,
davon gibt es nicht nur einen,
sie sind meistens nur
der Hampelmann,
die Spender solcher
Hetzkampagnen
brauchen Ängste, Sorgen,
um ihre Gesinnung
zu bewerben.

Mir fehlen,
weil ich doch weiß,
ein Wort, Worte,
Wörter.
Niemand brüllt,
überzeugt, hetzt,
jammert, erschreckt,
der Hilfe nötig hätt.
Sie vertrauen auf uns,
dies Vertrauen ist
eine Ehre, ist
die Weisheit
der Weltensphäre.

Mir fehlen
Menschen,
die vertrauen,
Hilfe spenden.
Die fehlen mir.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Emmanuel Macron besiegt überdeutlich Marine Le Pen

Rechtsradikalismus wird in seine Schranken verwiesen

Sicher doch knallen manche Sektkorken, die Freude hat durchaus ihre Berechtigung, denn für Europa wäre ein französischer Rechtsruck alles andere als wünschenswert. All jene, die es immer noch nicht begriffen haben: EU-Kritik unbedingt scharf anwenden, ist folgerichtig, ein Europa zurück zum Nationalismus bedeutet sowohl eine Sackgasse als auch Kriegsszenarien untereinander, die Geschichte würde sich wiederholen. Genau deshalb tritt Frankreichs neuer Präsident an, will Extreme überzeugen.

Während gerade die Linken sich hierzulande deutlich spalteten, zwischen denjenigen, die eine Marine Le Pen verhindern wollten, in dem sie dazu aufriefen als „kleineres Übel“ bei der Stichwahl für Emmanuel Macron zu stimmen und den anderen, die rieten, aus Protest nicht zu wählen, setzten die Franzosen am Sonntag ein Zeichen, verwiesen den Rechtsradikalismus wie schon zuvor bei der ersten Wahl im April in seine Schranken. Gut so!

Agenda 2010-Politik und neoliberale Szenarien folgen auf dem Fuße

Emmanuel Macron hatte es bereits in seinem Wahlprogramm angekündigt, daß die Franzosen den Gürtel enger schnallen müßten. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Zwar benutzte er nicht dieselben Formulierungen wie zuvor die deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder, dennoch kocht auch ein Macron nicht mit Wasser, sondern wird seinen neoliberalen Kurs, den er von der Pike auf erlernte, einsetzen. Schließlich wollen Konzerne und die Hochfinanz bedient werden, eben nicht auf ihre Pfründe zugunsten des kleinen Mannes verzichten.

Wer jetzt meint, der achte Präsident der fünften Republik würde keine Stimmenmehrheiten im Parlament erhalten, obwohl En Marche noch als kleine Partei dort vor sich hindümpelt, könnte eines Besseren belehrt werden. Wenn es ums Geld geht, schweißen sich schnell Allianzen zusammen. Dennoch werden sowohl die Linken unter Jean-Luc Mélenchon als auch Marine Le Pens Front National oftmals ins selbe Horn blasen, um der EU auf die Füße zu treten. Zurecht, obendrein gemeinsam ziemlich stimmgewaltig. Genau dies könnte Emmanuel Macron zum Verhängnis werden. Insofern gilt es für ihn, tatsächlich Alternativen auszuarbeiten, manche neoliberale Szenarien auszulassen. Eine mögliche Patt-Situation?

Europa darf zunächst aufatmen – französische Wahl läßt AfD stagnieren?

Selbst wenn diese AfD am Sonntag den Sprung ins zwölfte Landesparlament erreichte, höchstwahrscheinlich ebenso in knapp fünf Monaten in den Deutschen Bundestag gewählt wird, so darf man jetzt schon davon ausgehen, daß jener Rechtsradikalismus eindeutig mehrheitlich als unerwünschte Randerscheinung gerade noch punkten kann.

Schlimm genug, daß sich europaweit etliche Menschen einlullen lassen, auf dermaßen simple Haß-Propaganda der Rechtsradikalen hereinzufallen, die eben keine Politik für die Belange der Menschen bereit halten, vielmehr schärfer auftreten als Neoliberale, obendrein Toleranz und etliche andere Errungenschaften lieber abbauen, somit nicht im geringsten Alternativen anbieten, letztlich auch Konzerne und Hochfinanz bedienen. Kommt uns dies nicht bekannt vor, wenn wir mal achtzig Jahre zurückdenken?

Europa darf zunächst aufatmen, sollte aber weiterhin sehr wachsam bleiben. Spekulationen, eine Marine Le Pen würde spätestens in fünf Jahren gewählt werden, mögen eintreten können, aber auch nur, wenn die jetzige Politik unter Emmanuel Macron es versäumt, die überdeutlichen Zeichen zu mißachten, ein „Weiter so wie bisher“ anstrebt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Wie das schallt

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Schleppende Schritte auf dem Asphalt,
Bewegungsmelder – wie das schallt.
Jeden Dienstag um viertel vor sechs
sie langsam schlürfend das Haus verläßt.

Gegenüber gehen die Gardinen zur Seite,
Herr Bruck blickt erwartungsvoll in die Weite.
Auch er längst Rentner verwitwet, schreit,
alte blinde Kuh, ich hoffe, du stirbst, wird Zeit.

Der Blindenstock ertastet die Hausecke.
Du Vogelscheuche, du Nacktschnecke,
hört sie ihn wüten und lauter brüllen,
früher trafen sie sich zum Feiern, Grillen.

Er war verliebt bis über beide Ohren,
doch ihr Herz war an Philipp verloren.
Das verzieh er ihr nie, niemals.
Heiratete Britta ganz schnell damals.

Seine Ehe mit ihr war nicht glücklich,
sie stritten ständig, für keinen erquicklich.
Er war verbittert, sie blieben kinderlos,
nebenan die Kinder wurden groß.

Ständig verglich er ihr glückliches Heim
mit seinem Leben, die Hexe war gemein.
Er jubelte, als ihr Mann früh verstarb,
verwüstete sogar heimlich sein Grab.

Und als sie alt wurde und fast erblindete,
erzählte er überall, sie schamlos schwindelte.
Jeden Dienstag um viertel vor sechs,
sie langsam schlürfend das Haus verläßt.

Sein Angebot sie dienstags in die Stadt zu fahren,
lehnte sie ab, sie wolle lieber ihre Ruhe haben.
Sein Körper kopfüber fällt auf den Asphalt,
Bewegungsmelder – wie das schallt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Im Einklang sein mit sich und der Welt da draußen

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Jeder ist seines Glückes Schmied – eine Gratwanderung

Ein jeder weiß, wozu Sprache dient, sich mit ihrer Hilfe mitzuteilen, wobei all jene, denen dies aus unterschiedlichen Gründen versagt bleibt, selbstverständlich andere Möglichkeiten der Mitteilung anwenden, von rein sichtbarer Gebärdensprache bis hin zur schriftlichen, mittels Tastendruck oder dem Zucken des Augenlides.

Das überlebensnotwendig Pragmatische beinhaltet die große Gemeinsamkeit, ohne bei der Kommunikation unverstanden zu bleiben oder auch hilflos ausgeliefert zu sein in Notsituationen. Wer sich im sozialen Miteinander in der Gesellschaft auf andere einläßt, sein Leben gestaltet, erfährt Momente des Leids, aber auch des Glücks im Alltag. „Ein jeder ist seines Glückes Schmied“, heißt es. Eine Gratwanderung. Wichtig dabei, im Einklang mit sich und der Welt da draußen zu sein.

Es gilt dabei, seinen inneren Frieden zu finden

Die Auseinandersetzung mit dem Glück verursacht genauso wie die Liebe oder der Haß eine ungeahnte, ellenlange Diskussion, weil ein jeder gern seine ganz eigene Interpretation anführt oder meint, für sich entdeckt zu haben. Grundsätzlich dürfen wir uns sehr wohl darauf einigen, daß Glück ein Gefühlszustand allgemein umschreibt. Das Wort selbst aus dem Mittelniederdeutschen stammend „gelucke“ oder dem Mittelhochdeutschen für „gelücke“, was soviel wie „Art, wie etwas endet/gut ausgeht“ bedeutete. Zuvor somit viel mehr Unglück herrschte? Nein, dazwischen spielt sich bekanntlich das ganz normale Leben ab, unser Alltag.

Muß man nicht davon ausgehen, daß in heutigen gestreßten Zeiten der Mensch viel eher vor lauter Ängsten, denken wir an Arbeitsplatzverlust, Armut, Kriege, Terror etc. kaum seinen inneren Frieden finden kann? Neidvoll schauen manche Zeitgenossen auf die sehr seltenen Glücklichen, die vielleicht mal im Lotto gewonnen haben oder mal im Spielcasino, auf diejenigen, die hineingeboren wurden in ewiglichen Reichtum, aber sind sie deshalb automatisch gleich glücklich? Der Zustand des Glücks beinhaltet keineswegs seine Selbstverständlichkeit, die sich am Materiellen orientieren mag, sondern läßt genau den Raum zu, den der eigene innere Frieden zunächst erst mal erkennen sollte, um davon zehren zu können.

Die Frage nach dem eigenen Sein, die Suche nach dem Sinn des Lebens

Man kann dem Menschen den inneren Frieden veranschaulichen wie bei Aristoteles, oder im Buddhismus, wo die „eigene Mitte gefunden wird“, sich dadurch all die Kanäle wie von selbst öffnen, Glück einen wesentlich höheren und vor allem längeren Stellenwert vermitteln, darüber hinaus die Glücklichen ihre nächste Umwelt in den Bann ziehen, sie gleich mit zu beglücken.

Kein Wunder, daß bis heute die Frage nach dem eigenen Sein, die Suche nach dem Sinn des Lebens boomt, welches gleichzeitig in trauter Gemeinsamkeit der Glücksmomente sich genau so schnell verlieren kann, vor allem wenn künstlich eingegriffen Drogen ganz besonders heftig mit ins Spiel gelangen. Ein gezielter Rausch eine zeitlang die Realität entrückt, um sich Glück zu verschaffen, was im nächsten Moment wieder verschwindet? Ganz einfach, Mensch hat noch nicht seine Mitte, seinen inneren Frieden gefunden. Eigentlich gestaltet sich das Leben völlig simpel, wir müssen lediglich zielstrebig diesen Zusammenhang verstehen, erkennen und umsetzen, und schon führt uns dieser Weg zu einer gewissen Zufriedenheit, mit garantieren Glücksmomenten reichlich garniert. Klingt dies zu abstrakt, weil nicht konkret greifbar?

Komplexere Zusammenhänge in Abhängigkeit zum Glück?

Meist profitieren gerade einfache Menschen, was jetzt keine Beurteilung ihres Geistes, ihres Intellekts oder gar ihres Charakters darstellen soll, sondern viel eher unkomplizierte Wesen, die halt sich nicht in lauter Selbstzweifel verrennen oder gar nahezu am Rande des Wahnsinns angekommen sind, genau davon und empfinden Glück wesentlich schneller, länger und genießen es mitunter des öfteren.

Vermögen sie deshalb gleich ausgeglichener, unbelasteter und darüber hinaus im Leben ungefährdeter sein? Sehr wahrscheinlich dürfen wir davon ausgehen. Dennoch sollte man stets vorsichtig mit Allgemeinplätzen hantieren, die Fallen einer zu vorschnellen Einschätzung sind bekannt. Glück steht nämlich stets in Abhängigkeit von sehr komplexen Zusammenhängen, die kein Mensch wirklich leicht durchschauen vermag, selbst wenn eine schnelle Lösung vordergründig zur Hand.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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