Innehalten bei der Arbeit

Ein Ende der Schulen als „Drillstätten“

Wenn man davon ausgeht oder überzeugt ist, Müßiggang sei aller Laster Anfang, dann sollte man kein Kind mehr in die Schule schicken. Das klingt verwirrend oder etwa nicht? Die vielen Forderungen und Verweise das Schul- und Bildungssystem zu reformieren, ist seit Jahren ein nicht enden wollendes Thema. Einige Schulen haben bereits die Unterrichtsformen an die Bedürfnisse der Schüler angepaßt, wenn man diese Umstrukturierungen so nennen kann. Das Thema ist ein breitgefächertes Problemkonstrukt, das sicher nicht mit einem für alle zufriedenstellendes Konzept gelöst werden kann. Zu unterschiedlich sind die Ansätze und Möglichkeiten für eine Umsetzung in die Praxis, sprich Schule.

Schule, mittelhochdeutsch schuol(e), althochdeutsch scuola, abgeleitet vom lateinischen schola, die Unterrichts (stätte); Muße, Ruhe. Ursprünglich übernommen vom griechischen scholḗ, das Innehalten (bei der Arbeit).

Auf den ersten Blick ist hier ein enormer Widerspruch zu erkennen zwischen der Aussage des Wortes und der tatsächlichen Umsetzung des Begriffes. Die harte Schule des Lebens wäre demnach das harte Innehalten (Muße, Ruhe) des Lebens. Und somit hätten und haben Generationen die Schulstätten als Drillstätten für die Schüler sowie für den Lernstoff „mißbraucht“.

Noch heute zählen Menschen, die lernen, studieren oder einem hauptsächlichen geistigen Beruf nachgehen, oftmals noch als „“Faulenzer“. Menschen, die sich vor der Arbeit drücken, in ihren Zimmern über Büchern hängen, anstatt mit körperlicher Arbeit etwas für die Gesellschaft zu leisten. Das Innehalten, die Pausen, das Rasten gilt immer noch als sich vor der Arbeit drücken.

Viele künstlerische Tätigkeiten werden zudem als brotlose Kunst abgetan, und Menschen, die sich schöpferisch ausdrücken möchten, wird angeraten, zuerst einen ordentlichen Beruf zu erlernen, etwas Handfestes soll es sein, mit dem man sein Leben bestreiten kann. In diesem Zusammenhang sei an all die Menschen erinnert, die durch ihr Wirken bis in unsere Zeit, Schriften, Bilder, Musik, Skulpturen hinterlassen haben und dennoch teilweise erbärmlich, bitter arm gestorben sind.

Auf den zweiten Blick läßt sich erkennen, das Innehalten von der Arbeit eben auch bedeutet, dies war eine Pause, eine Rast, die Arbeit, das tägliche Quantum an notwendiger Leistung, um den Acker zu bestellen, die Früchte vom Feld zu holen, muß fortgesetzt werden, um nicht Hungers zu sterben.

Man kann davon ausgehen, daß es inzwischen die meisten Menschen wissen, geistige Arbeit ist genauso erschöpfend wie körperliche. Die Schüler sind nicht mehr einem ständigen Druck ausgesetzt wie noch vor hundert oder fünfzig Jahren, jedenfalls wenn man die jetzigen Situationen an den Schulen nicht zu „streng“ beurteilt. Denn es gibt auch jene, die „Schule“ unterstellen, zu lax zu handeln in Bezug auf die Schüler und den Unterrichtsstoff.

Bleibt die Frage, wie kann es überhaupt zu dem Begriff „innehalten bei der Arbeit“ als Stätte für Unterricht und Bildung gekommen sein? Sicher könnte man zu dieser Frage ganze Abhandlungen schreiben, die möglichst viele Einflußmöglichkeiten in Erwägung ziehen, dennoch wird es nicht gänzlich zufriedenstellende Antworten geben. Was heute daraus gelernt werden kann, ist allerdings die Aussage, die inzwischen nicht nur eine bloße Erkenntnis darstellt, sondern auch von Therapeuten und Ärzten bei den unterschiedlichsten Erkrankungen genannt wird: In der Ruhe liegt die Kraft!

Vielleicht ist es an der Zeit, festzustellen, das Innehalten, die Muße, die Ruhe eine stärkere Kraft „freilegt“, nicht nur bezogen auf körperliche Ausdauer, ebenfalls auf geistige Auffassungsgabe. Wenn es Schule macht, beides gleichwertig zu belohnen, zu behandeln, zu respektieren, dann könnte „die Arbeit“ die Schule, das Innehalten, die Ruhe sein.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Tönend völkische Barden erobern Nachbars Garten

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Satirischer Rücklick…

Und wenn du an den Monnemer denke tust, dessen Songtextzeilen durch diese Republik pust, dann weeßte wat Manipulation alles anrichten kann. Nicht etwa irgendwann, sondern täglich überall, das ist ja die Qual, wobei manch Ignoranten ihn trotzdem erst recht hofieren, über rechtsradikalen Scheiß braucht man in diesem Land sich bereits nicht mehr genieren!

Somit der Namen keineswegs unbekannt, es sei vielmehr die eigentliche Botschaft genannt, die statt Worten Gewalt folgen läßt, solche Töne auch die Neue Rechte gern hetzt. Xavier Naidoos „Marionetten“ schießt gänzlich übers Ziel hinaus, vom Wesen künstlerischer Freiheit wird wohl nichts draus, denn daraus resultierende Gewalteskalationen werden daher keinen schonen!

Erinnern wir uns ein Stückweit zurück an unsere Kindheit, da war vieles bereits längst bereit. Dreiundsiebzig Stufen sind zehn, und du kannst gehn. Frag nicht wohin, das ist ja der Sinn. Doch wer Güte ertränkt, der stets Humanismus versenkt. Wenn selbst ein Thomas de Maizière auf Stimmenfang deutscher Leitkultur unterwegs, nicht etwa einfach nur so ungefähr, nö, dazu bedarf es wesentlich mehr. So schließt sich der Kreis, wenn rechtsextreme Übergriffe harte Zeiten verheißen, solch Barden mitverantwortlich beim Vorbereiten.

Gerade deshalb die Fortsetzung derzeitiger Politik eine Farce darstellt, och wenn einem dat nich jefällt, sie hat versagt uff manchem Feld, folgt der Versuchung von schmutzigem Geld. Darunter gleichwohl Bienen zu leiden haben, statt Nervengifte der Chemieriesen zu verbieten. Bloß keene Verantwortung tragen, hinterher einfach aus der Politik ausgeschieden.

Daher sind erneut Rattenfänger unterwegs, die man stets stillschweigend duldet. Wer wohl daraus folgenden Haß verschuldet? Widerstand hat verschiedene Antworten bereit, es wird höchste Zeit zu handeln. Mensch draufmalen, entspricht keinem Verschandeln.

Oh, wie gemein, Donald Trumps ersten hundert Tage ohne Glanz und Glorienschein. Woran mag dies wohl liegen? Weil solche Figuren nie genug an Aufmerksamkeit kriegen. Ist man ohne Kapital kaputt? Na klar doch, dat jeht nich jut! Drum Humpty-Dumpty, sei auf der Hut.

Nicht zu vergessen, die Liebe, unser kostbarstes Gut! Um des Menschen Leben entsprechend zu gestalten, heißt’s, die Würde zu erhalten. Das beginnt bereits in frühen Jahren, sind sich darüber Verantwortliche wirklich im Klaren? Somit Schule eine Spiegelung gesellschaftlicher Abgründe? Geht’s immer noch um die vielfach zitierten Pfründe? Wann nimmt die Gewalt der Eliten ein Ende?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Die Liebe, unser kostbarstes Gut

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Engumschlungen schlenderten sie dahin,
gänzlich in Gedanken vertieft.
Keine Angst käme ihnen in den Sinn,
obwohl Haß an jeder Ecke trieft.

Kaum traten sie in den Laternenschein,
eine Meute junger Leute schrie:
„Was macht ihr hier so glücklich allein?
Wir treten euch zusammen wie Vieh!“

Fast gelähmt vor Schreck entsetzt sie schauten,
dennoch all ihren Mut aufbrachten,
sprachlich keck zu widersprechen sich trauten,
gar die Meute heftigst anlachten.

„Habt ihr nie verliebt euch hingegeben,
das Glück in vollen Zügen genossen?
Stattdessen unbesonnen in eurem Leben
die Zeit vergessen, ziemlich unverdrossen?“

Es tobt die Menge, um erstaunt inne zu halten,
sich fragend anzuschauen, was damit wohl gemeint.
Um nach einer lange Weile endlich zu schalten,
was Menschsein letztlich alle vereint!

Die Liebe, unser kostbarstes Gut.
Lebt sie, seid allesamt täglich auf der Hut.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Bildungssysteme auf dem Prüfstand

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Schule eine Spiegelung gesellschaftlicher Abgründe?

Bis zur Volljährigkeit verbringt man in der Regel die Schulzeit, wer den Weg des Gymnasiums wählt, was oftmals mit dem Erwachsensein gleichgesetzt wird. Nach früher Kindheit beginnt der „Ernst des Lebens“, wie gern manche Eltern ihren jungen Sprößlingen gegenüber bemerken, um sie auf eine Schulzeit aufmerksam zu machen, die kein Zuckerschlecken bedeutet, sondern sehr viel Mühe abverlangt, die zu erwartenden Lerninhalte zu verinnerlichen.

Damit später im Berufsleben diese sinnvoll angewandt werden können bzw. sie auf die Studienzeit vorbereiten mögen. Klingt so selbstherrlich einfach, wobei der kritiklos bescheiden Hinnehmende in sein Schicksal sich fügt, Hauptsache die Penne beendet, in die Arbeitswelt sich geflüchtet. Müssen wir nach wie vor feststellen, daß jahrzehntelange Bildungsreformen sich in einer Sackgasse befinden? Schule eine Spiegelung gesellschaftlicher Abgründe?

Lehrer Sündenböcke für verfehlte Schulreformversuche

Erinnern wir uns an die eigene Schulzeit, über tolle Lehrer und welche, die man am liebsten für immer wegbeamen wollte, um mal „Bezaubernde Jeanny“ oder „Raumschiff Enterprise“ zu zitieren. Lehrer haben die notwendige Aufgabe, ihren Schülern Lerninhalte zu vermitteln. Dabei spielen ihre eigenen Persönlichkeiten ohne weiteres ebenso eine Rolle, in wie weit sich Schüler beeinflussen lassen oder sich verweigern.

Man sollte nicht unterschätzen, daß dabei Sympathie und Antipathie mit ins Spiel kommen, selbst wenn Schulen immer wieder behaupten, die Lehrer würden ein hohes Maß an Neutralität bewahren, entspricht dies keineswegs der Realität. Eine Bevorzugung oder Herabwürdigung bestimmten Schülern gegenüber findet sehr wohl statt.

Das Wissen darum, daß Lehrer ganz entscheidend über den Verlauf der Schulzeit wirken, ob positiv oder eben negativ, gibt es nicht erst seit heute, sondern schon so lange Schulen existieren. Im Zuge vielfacher Schulreformversuche geriet es nur eher in Vergessenheit, alle anderen Umstände wurden als Schuldige gefunden, nur an der „Festung“ einer fundierten pädagogischen Ausbildung wollte niemand wirklich rütteln, mit dem Staatsexamen in der Tasche werden sie auf ihre Schüler losgelassen.

Kein Geringerer als der Erziehungswissenschaftler und Direktor des Melbourne Education Research Instituts an der Universität von Melbourne, John Hattie, hat 2008 in seinem Buch „Visible Learning“ beschrieben, in welchem die Ergebnisse seiner fünfzehnjährigen „Hattie-Studie“ einfließen. Brauchen wir tatsächlich ein solches Werk, um selbstverständliche Erfahrungen über den Sinn wertvoller oder eher unfähiger Lehrer uns verdeutlichen zu lassen? Dabei betrachtet Hattie weder Demokratiefähigkeit noch Kreativität oder stellt gezielte Fragen zu sozialen Belangen. Nein, dazu bedarf es wahrlich einer umfassenderen Analyse.

Ganzheitliche Bildungssysteme mit ein Schlüssel zur Besserung?

Dennoch haben sich Lehrer nach den Vorgaben einer Wirtschaft zu richten, weil sich alles dann im weiteren Verlauf der Bildung in dem zu erwartenden Berufsleben richtet. Und genau dort angesetzt wird, wenn wir generell etwas ändern wollen. Die Notwendigkeit eines grundlegenden Umdenkens wird immer bewußter uns vor Augen geführt, falls wir tatsächlich etwas zum Guten bewirken wollen. Was spricht gegen ganzheitliche Bildungssysteme, die im Einklang jedes Wesen berücksichtigen und nicht jene Ellenbogenmentalität anwenden, in der Verlierer untergehen und Gewinner sich behaupten? Karl-Heinz Schuster setzt sich seit geraumer Zeit dafür ein.

Gar nichts, ganz im Gegenteil, die Notwendigkeit, daß Mensch endlich begreift, in wie weit er sich zum Sklaven der Wirtschaft hat formen lassen, zeigt sich nun mal im Berufsleben selbst. Denn Bildung und Wirtschaft sind eng miteinander verbunden, weil Schule sich nach der Wirtschaft orientiert. Wenn diese Menschlichkeit im Fokus sämtlicher Überlegungen umgesetzt würde, kann auch die Bildung völlig neue Wege finden und gehen, die eine spürbare Erleichterung für alle bedeutet.

Radikale Reformen notwendiger denn je

Ein Ivan Illich mag womöglich nicht ganz unrecht haben, wenn er in seinem 1971 erschienenen Buch „Deschooling Society“ die Idee der Entschulung aufgreift, Schule als eine Autorität für die Ökonomie interpretiert, Menschen dahingehend vorzubereiten, ständig sich wiederholende Arbeiten bis ans Lebensende vollrichten zu müssen, in Schulen gedrillt zu Gehorsam, Fleiß und Pünktlichkeit, das hierarchische Denken einzuüben für eine Welt der Leistungskonkurrenz und Normkonformität. Ebenso die Progressive-Rock-Band Pink Floyd diese Thematik in „The Wall“ aufgriff.

Obwohl zuvor Paul Goodman, der das etablierte Schulsystem vehement kritisierte oder später ein Hartmut von Hentig, der statt einer Abschaffung der Schule eine radikale Reform befürwortet, eines sollten solche Überlegungen verdeutlichen: Es kann und darf nicht einfach eine dermaßen am Menschen vorbeigehende Pädagogik in der Bildung hingenommen werden, sondern es muß sich vieles nachhaltig ändern.

„In der modernen Geschäftswelt ist es nutzlos, ein kreativer Denker zu sein, wenn man das, was man erschaffen hat, nicht auch verkaufen kann.“ (David Ogilvy)

Stimmt ein Stückweit. Aber ich sage: „Wenn die moderne Geschäftswelt am Ende feststellen muß, daß viel Geld Reichtum, Macht und Ausbeutung bedeuten, letztendlich sie daher daran scheitert, wird der kreative Denker dann besonders wertvoll mit viel mehr Achtung behandelt.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Ist man ohne Kapital kaputt?

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Ein Nichts, wer keinen Stich mehr macht?

Das Mau-Mau-Kartenspiel oder seine ähnlichen Spielvarianten sind, abgesehen von Legespielen mit Karten, die wohl am meisten gespielten Erstkartenspiele für Kinder. Ihre Spielregeln sind recht einfach, und sie erhalten die Faktoren der Spielfreude innerhalb eines Spieles, aussetzen, zwei ziehen, Spielfarbe wählen, um nur drei der Möglichkeiten aufzuzählen. Dieser Reiz während des Spiels jemanden dadurch am Gewinnen zu behindern, ist oftmals, selbst nachdem man verloren hat, die versteckte glorreiche Freude. Und ein Antrieb nochmals zu spielen, um jetzt geschickter den Mitspieler auszustechen.

Beim Skatspiel oder beim Doppelkopf werden die Karten, die man gewonnen oder nicht gewonnen hat (zum Beispiel beim Null Ouvert Spiel), Stich genannt. Aus dem französischen Sprachgebrauch wurde „ohne Stich sein“ in unsere Sprache übernommen.

Kaputt, caput (capot) machen, französisch (Kartenspiel) être/faire capot, ohne Stich sein. Laut Duden Herkunft ungeklärt, was wieder einmal zeigt, daß hier ein offensichtlicher Zusammenhang nicht berücksichtigt wurde. Andere Wörter für kaputt sind entzwei, defekt, beschädigt, gebrochen, matt, müde, ausgelaugt, abgekämpft.

Auch wenn man es manchmal nicht für möglich hält, erscheint die Welt wie ein Spiel. Es gibt sogar regelrechte Verfechter der Behauptung, das Weltgeschehen sei vergleichbar mit Monopoly. Monopoly, das Spiel, das damit startet, indem jeder Spieler das gleiche Grundkapital bekommt und er durch geschickte Züge zur Vermehrung seines Kapitals den größten Besitz anhäuft. Nun, es kursieren über die Art der Taktik verschiedene Versionen, wobei das Zufallsprinzip sogar als nicht bestimmend sei, zum Erfolg.

Das Kapital, vom italienischen capitale bedeutet Grundsumme, Kapital, übernommen aus dem lateinischen capitalis, kapital. Synonyme für Kapital sind Barschaft, Finanzen, Geld, Vermögen, Rücklage.

Das Adjektiv „kapital“ ist ein Ausdruck für außergewöhnlich, enorm, ungeheuer, ungewöhnlich. (Ein kapitaler Hirsch, kapitaler Fehler). Das Wort stammt vom lateinischen capitalis ab, vorzüglich, hauptsächlich.

Und so war auch überleitend für Kapitän der Begriffsgeber. Kapitän, spätlateinisch capitaneus, durch Größe hervortretend, gebildet durch das Wort caput, Kopf, Stütze, Haupt. Der Kapitän, das Haupt, die Spitze ist der Führer auf Schiffen, Flugzeugen, Mannschaften.

Haben Sie die Zusammenhänge inzwischen verstanden, kapiert? Ach ja, das Wort fehlt noch bei der Erklärung.

Kapieren, vom lateinischen capere, nehmen, fassen, begreifen, entstanden durch die Schülersprache. Andere Ausdrücke sind erkennen, mitbekommen, innewerden, checken, durchsteigen, verstehen, realisieren.

Setzt man voraus, daß zur Sprachbildung zuerst die Substantive (siehe Hieroglyphen) zu ihren Namen kamen, würden wir hier das Wort caput als Begriffsanfang zugrunde legen. Caput, der Kopf, die Stütze, das Haupt. Capitaneus, durch Größe hervortretend, Führer einer Gruppe, capotalis, vorzüglich, hauptsächlich, capere, nehmen, fassen, begreifen. Diese vier Begriffe kann man ohne weiteres als Grundbegriffe für die daraus erschließenden Wörter benennen, denn sie ergänzen sich in der Vorstellung, die man sich von einem „leitenden Menschen“ hat… Kopf, Große hervortretend, (selbstbewußt), vorzüglich (außergewöhnlich), nehmen, fassen, begreifen (verstehen, erfassen, nachvollziehen).

Das Kapital (Haupt, Kopf) ist demnach die Fähigkeit, durch Größe (auch geistige) sich vorzügliche, (auch hauptsächliche) Sachen, Dinge, Wissen zu erfassen, zu begreifen, zu nehmen.

Kaputt, (dessen Herkunft ungeklärt zu sein scheint) bekommt durch diese Auflistung einen anderen Stellenwert, oder? Wenn man kein Kapital, keine Größe, nicht außergewöhnlich ist, nichts begreifen, nehmen kann, also keinen Stich machen kann, dann ist man kaputt, dann hat man verloren, oder?

Möglicherweise, eventuell liegt hier ein kapitaler Denkfehler vor, der sich über, sagen wir ganz frech, Jahrhunderte in den Köpfen festgesetzt hat, obwohl es philosophisch, religiös und sogar aus manchen staatlichen Gesetzesentwürfen zu erfassen ist, daß dies nicht den Tatsachen entsprechen kann. Und zwar dann, wenn man zum Beispiel Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes verinnerlicht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Und zwar dann, wenn man sich zum Beispiel die christlichen Werte Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Recht verinnerlicht. Und zwar dann, wenn man sich die verschiedenen Ethikvorstellungen sämtlicher philosophischer Richtungen verinnerlicht.

Dann bedeutet dies, daß das Kapital eines Menschen nicht von seiner Größe, seiner vorzüglichen Leistung, seiner Fähigkeit des Begreifens abhängig ist, sondern einzig und allein, daß er ist.

Solange aber Menschen nur nach Größe, Vorzüglichkeit, ihrer Auffassungsgabe (des Verstandes) wertgeschätzt werden, wird sich auch in Zukunft, egal unter welcher Flagge das Schiff über die Welt segelt, nichts ändern. Dafür müßte schon der Wille und die Bereitschaft zu einem neuen Kapitel des Verständnisses gelebt werden.

Vorausgesetzt, die Menschen besitzen genügend außergewöhnliche Köpfchen. Kapitel, mittellateinisch capitulum, Kapitel(überschrift), lateinisch capitulum, Köpfchen; Hauptabschnitt, abgeleitet von: caput, Kapitän.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Donald Trumps ersten hundert Tage ohne Glanz und Glorienschein

An ihren Taten sollt ihr sie erkennen

Wer kennt es nicht, das Bibelzitat aus dem 2. Kapitel des Johannesevangeliums, dessen Verse 1-6 zusammengefaßt besagen: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Jedoch lassen sich genügend Menschen blenden, fallen auf vollmundige Worte herein, die gar mit der neuentflammten Behauptung einer Lügenpresse besonders einfach ihre Propaganda unters Volk bringen.

Welch Shitstorm durften die US-Amerikaner im letzten Spätherbst erleben, als Donald Trump antrat, Hillary Clinton den Präsidentensessel zu mißgönnen, am Ende obsiegte nicht der analytische Verstand, sondern markante Worte mit verheißungsvollen Versprechungen, die sich bereits jetzt schon nach und nach schlichtweg als unwahr, nicht realisierbar herausstellen. Hauptsache laute Töne, ausgerechnet von einem Geschäftsmann, der antrat, das Establishment von dannen zu jagen.

Erste Amtshandlungen scheitern

Dessen Taten, die nach über 100 Tagen seiner Präsidentschaft folgten, lassen nicht unbedingt tief blicken für all diejenigen, die ohnehin eben nicht auf dessen Worte hereingefallen waren. Der klägliche, unüberschaubare Rest müßte eigentlich zugeben, in wie weit dieser sich geirrt hat. Politik funktioniert jedoch anders, weil letztendlich Menschen an bestimmten Schaltstellen zunächst sich austoben dürfen, selbst wenn manche Entgleisungen folgen wie im Fall dieses 45. US-Präsidenten.

Seine Amtshandlungen scheitern nahezu allesamt, bis auf die Zurücknahme bzw. den Ausstieg aus dem Klimaabkommen. Der Bau der Mauer zu Mexiko verzögert sich, die anfängliche Bestimmung, die Kosten mögen die Mexikaner sebst tragen, wird zurückgewiesen, zwei Einreiseverbote für Muslime werden gerichtlich für ungültig erklärt. Trumps „American Health Care Act“ setzt sich eben nicht durch, selbst die Republikaner verhindern es, nunmehr planen diese eine neue Obamacare-Abstimmung.

Am 07. April befehligt er dem US-Militär die Vergeltung gegen Assads angeblichen Giftgasangriff in der Provinz Idlib, in dem 59 Tomahawk Marschflugkörper den syrischen Luftwaffenstützpunkt Shayra beschießen. Im Nordkorea-Konflikt kann man keineswegs von einer Deeskalation sprechen.

Nicht der Präsident bestimmt die Politik, vielmehr die Weltlage

Donald Trump ist angekommen in der knallharten Wirklichkeit seines selbstgewählten politischen Amtes, da kann ebenso die Involvierung einzelner eigener Familienmitglieder dessen Politik nicht beschönigen, im Gegenteil, der fade Beigeschmack einer Übervorteiung schwingt mit, von den enormen Kosten der Sicherheit mal ganz zu schweigen. Selbst beim Ausstieg aus dem Klimaabkommen zeichnen sich erste Zweifel ab, wenn sein Energieminister Rick Perry stattdessen zu Neuverhandlungen rät.

Vielleicht geht Herrn Trump tatsächlich ein Licht auf, daß nicht er die Politik bestimmt, vielmehr die Weltlage. Obendrein mag er zwar „America First“ verkünden, jedoch im Globalismus können auch die USA sich nicht einfach wegducken, es sei denn, sie verabschieden sich von der Weltbühne.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Mensch draufmalen

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Soll ich nicht doch lieber,
Masken merken sich keine Gesichter,
vielleicht wäre es besser,
die Augenöffnungen zu vergrößern,
wahrscheinlich könnte man
den Mund einsparen,
Lippen draufmalen.

Soll ich nicht doch lieber,
schließlich wäre das doch modisch,
vielleicht kauf ich ein Mieder,
fest schnüren bringt aufrechten Gang,
wahrscheinlich könnte man
das Essen einsparen,
breite Querstreifen draufmalen.

Soll ich nicht doch lieber,
möglicherweise gäb’s Vorteile,
vielleicht einen Hut aufsetzen,
die Krempe bis auf die Stirn,
wahrscheinlich könnte man
das Sehen einsparen,
schöne Augen draufmalen.

Soll ich nicht doch lieber,
ich klatsch einfach Make-up drauf,
vielleicht wäre es besser,
mehr Parfüm zu verschwenden,
wahrscheinlich könnte man
Nähe einsparen,
Pockennarben draufmalen.

Soll ich nicht doch lieber,
vielleicht wäre es besser,
wahrscheinlich könnte man
dies einsparen,
Mensch draufmalen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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