Gut Ding will Weile haben

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Von Thingplätzen bis Dingsda zieht manches sich in die Länge

Ich meine, der Ding, na, du weißt doch, der neulich in der Talkshow aufgetreten ist. Erst gestern habe ich den, na das Dingens, im Schaufenster gegenüber vom Schuhmarkt gesehen. Das Ding, ein Ersatzwort für entfallende Namen, Begriffe, Orte ist jedermann geläufig, und doch scheint es sehr oft bei der Erwähnung dieses Wortes beim Gegenüber ein Kopfschütteln, ein Grinsen auszulösen, manchmal mit dem Effekt, daß der Gesprächspartner das Wort Ding als Hilfestellung für seine nach anfänglichem Stirnrunzeln beginnende Suche, wie das Ding, das Dingens nun heißen würde, wie es auszusehen hat, wo es sich befindet, das Ding.

In guter Dinge ist man, wenn der Name, der partout nicht mehr einfallen wollte, dann doch plötzlich wie aus dem Nichts wieder in absoluter Erkenntnis im Geiste auftaucht. Dann ist man fröhlich und guter Hoffnung, dies war nur ein vorübergehender Blackout und hat ansonsten nicht zu bedeuten, daß man das Gedächtnis verliert. Vom mittelhochdeutschen gedinge, die Hoffnung, die Zuversicht und auch Laune. Und um hier eine kleine Bresche zu schlagen für die Notwendigkeit des Feminismus, der zurzeit von etlichen national angehauchten Menschen „verteufelt“ wird, hier eine kleine charakterliche Gedankenwelt, die unsere Vorfahren sich von Mädchen gemacht haben, denn die Aussage alberne Dinger bedeutete nicht, einen Begriff nicht zu kennen, sondern die albernen, lustigen Dinger bedeuteten junge, fröhliche, dumme Mädchen. (Das Wort Ding für Mädchen wird hoffentlich heutzutage nicht mehr angewandt)

Das Wort Ding scheint auch prädestiniert zu sein, um es in Sprichwörtern, Ausdrücken zu verwenden, da es keiner direkten Bezeichnung bedarf, das heißt, das Ding die Sache ist neutral, nicht festgelegt. Jedes Ding hat zwei Seiten, aller guten Dinge sind drei. Ein Ding drehen, eine Straftat begehen. Das ist kein Ding, nicht der Rede wert, kein Problem. Gut Ding will Weile haben, was richtig werden oder sein soll, braucht eben eine gewisse Zeit. Krumme Dinger machen, etwas tun, das nicht erlaubt. Die simpelsten Dinge nicht begreifen, selbst etwas anschaulich Einfaches nicht verstehen. Das geht nicht mit rechten Dingen zu, Unverständliches, Merkwürdiges, Unerklärbares passiert. Unverrichteter Dinge wieder gehen, etwas nicht erreicht haben. Der Dinge harren, die da kommen, in Ruhe abwarten, um zu sehen, was geschehen wird. Diese Aufzählung ist sicher nicht vollständig in Bezug auf die Anwendung von dem „Ersatzwort“ Ding für eine Begrifflichkeit der unerschöpflichen Sachen, Angelegenheiten, Vorgänge, Begebenheiten, Themen.

Er verdingt sich als Arbeiter, wird heute wohl niemand mehr sagen, um zu erklären, jemand verdient sich den Lebensunterhalt als Arbeiter. Mittelhochdeutsch verdingen, althochdeutsch firdingōnt ist wortverwandt eng mit dingen verknüpft. Dingen bedeutet so viel wie anheuern, verpflichten, einstellen, anwerben. Mittelhochdeutsch dingen war der Ausdruck für vor Gericht verhandeln.

Das eine bedingt das andere. Die Bedingung bleibt so lange bestehen, bis eine andere Lösung gefunden wurde. Bedingen heißt in etwa auch, bewirken, verursachen, voraussetzen, brauchen, erfordern und wird ebenso wie das Substantiv Bedingung in unserem jetzigen Sprachgebrauch angewandt. Das Wort Bedingung kann man gleichsetzen mit Forderung, Grundlage, Kondition, Voraussetzung und stammt als Begriff aus dem 16. Jahrhundert für eine rechtliche Abmachung.

Wer im Geschichtsunterricht aufgepaßt hat, wird noch wissen, daß thing (althochdeutsch), mittelhochdeutsch dinc, eine Gerichtsversammlung freier Männer bedeutet hat. Diese Things wurden unter freiem Himmel abgehalten, es gab für diese Rechtsversammlungen bestimmte Thingplätze, oft wird in diesem Zusammenhang auch von einer Gerichtslinde gesprochen, unter der die Gerichtsverhandlungen gehalten worden sind. Aus diesen Thingversammlungen, die zu bestimmten Zeiten abgehalten wurden, entstand dann der Begriff für Rechtssache, Rechtshandlung. Das Wort Ding oder Thing ist zurückzuführen auf das Wort „dehnen“. Im übertragenen Sinne das Zusammeneinfinden von Menschen oder ein eingefriedeter Platz mit Flechtwerk für Versammlungen.

Dehnen kann gleichgesetzt werden mit ausweiten, in die Länge, Breite ziehen, dauern, sich hinschleppen, sich strecken, sich spannen. Apropos Spannen, das Dingsda, Dingsbums, die Kolumne hat sich ganz schön in die Länge gezogen, um das Ding zu erklären. Das Ding, dieser eingefriedete Ort für Rechtsprechung, das Wort, das für nicht definierbare, für etwas, was man nicht kennt, eingesetzt werden kann, das sich in die Länge, Breite dehnen läßt, das sich hinzieht, auch zeitlich, ist deshalb genau der richtige Ausdruck für das Sprechen oder Besprechen von Recht.

Nicht nur im Ausdruck des Dehnens, sondern auch im Begriff „Flechtwerk“ läßt sich die Herkunftsableitung erklären, denn der Verbindungen, Abwägungen, Verstrickungen zur Wahrheitsfindung, zur Beweisaufnahme, zur Besprechung von Dingen, über die es zu entscheiden, zu urteilen gilt, ist es vonnöten, möglichst viele Dinge zu beachten. Vorschnelle Urteile können zu nicht mehr wiedergutmachenden Situationen führen. Jedes Ding hat nun mal zwei Seiten, und aller guten Dinge sind drei. Und nicht zu vergessen, gut Ding will Weile haben, auch wenn es manchmal zu einem langweiligen oder langwierigen Text ausarten kann.

Doris Mock-Kamm

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Merkels Neujahrsansprache alles andere als optimal

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Die Politik verschläft weitreichende Veränderungen

Gute Vorsätze fürs Neue Jahr taugen nur sehr wenig, weil Mensch mit all seinen Macken und Schwächen keineswegs plötzlich sich ändert, um zielstrebig anvisierte Umstände verbessernd in die Tat umzusetzen. Das gilt für den Einzelnen genauso wie für die Politik, die gerade in letzter Zeit zurecht in Frage gestellt nicht nur ihre Arbeit äußerst kritisch überdenken sollte, sondern ihren Kurs ändern muß, will sie nicht noch mehr Vertrauen verlieren und eine Welt des Terrors dadurch fördern.

Wenn Frau Merkel von einem islamistischen Terrorismus in ihrer Neujahrsrede spricht, der die schweste Prüfung sei, dann hätte sie in den letzten Jahren mehr als genügend Gelegenheit gehabt, mit daran zu wirken, diesen eben nicht zu bestärken. Die Politik der BRD und vor allem der USA und ihrer Verbündeten hat doch erst jene Schreckgespenster ins Leben gerufen mit 9/11, den vielfachen Waffenlieferungen, den angezettelten Kriegen, um genau jenes Leid zu schaffen, sehr viel Zerstörung, Tote, Verletzte und Flüchtlingsströme, die natürlich Schutz auch hierzulande suchen.

Was kann besser ins Konzept jener politischen Vorgehensweise passen als losgelassene Widersprüche im Volk selbst: links gegen rechts, Humanismus, der Rassismus verhindern will und muß. Ablenkung vom Wesentlichen tritt ein. Man kann nicht Mitmenschlichkeit anmahmen, die offene, freie Gesellschaft, wie Frau Merkel in ihrer Rede verlautbart, gleichzeitig aber soziale Mißstände im Lande selbst eben nicht lösen. Das macht ihre Behauptung über angeblich tolle Arbeitsplatzverhältnisse deutlich. Es sollen nie so viele Menschen Arbeit haben wie heute.

Wie bitte, Frau Bundeskanzlerin? Nur zu welchem Preis, obendrein die vielen statistisch weggerechnet ausgeklammerten Menschen unbedingt erwähnt neben denjenigen, die per Niedriglöhne ums erträgliche Überleben tagtäglich kämpfen müssen, vielfach mit Hartz-IV-Geldern aufstockend? Klar doch, die Unternehmen stehen überwiegend gut da, wie Sie bemerken, aber Ihre selbstgerechte Schönrede unterschlägt die sozialrassistischen Zustände, Ihre beginnenden Wahlkampfphrasen sind an Heuchelei kaum mehr für die Alleingelassenen zu ertragen!

Das Wohl aller, dem die Wirtschaft dienen möge, wie die Bundeskanzlerin am Ende ihrer Rede bemerkt, gilt eben nur für eine ausgesuchte Klientel, viele Menschen gehen in Wirklichkeit leer aus. Somit sind auch die Aussichten fürs neue Jahr 2017 alles andere als rosig. Mit Sätzen wie „Wir schaffen das“ wird es nicht getan sein, genauso wenig wie die selbstgefällig an den Tag gelegte Zuversicht einer Frau Merkel. Da bedarf es schon wesentlich weitreichender Vorsätze. Diese sollten das Ende von Rüstungsgeschäften gleichwohl beinhalten wie eine grundsätzliche Veränderung in der Wirtschaft selbst, weil immer mehr Menschen eben keine Teilhabe am Arbeitsleben gegönnt sein wird.

Lotar Martin Kamm

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Jahresrückblick 2016: Vertrauensverluste allenthalben

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Querdenkende zieht Résumé

Die alten Querelen zwischen den USA und dem Iran scheinen zunächst beigelegt mit dem Ende der Sanktionen, die Heuchelei soll derweil eigentliche Absichten vertuschen, möchte man meinen. Darf die Welt für Momente im Mittleren und Nahen Osten aufatmen? Mitnichten. Es sind die alten Wunden, die nicht reißen sollen, schließlich das ins Leben gerufene Projekt „Gegen das Vergessen“ an die Verbrechen der NS-Zeit erinnern möge, ein Mahnmal gerade gegen aufkommenden Rechtspopulismus.

Stichwort Reinheit im Zusammenhang zum deutschen Bier so manchen aufhorchen läßt, erst recht wenn Glyphosat im Spiel, selbstverständlich Proteste sich mehren. Monsanto und Co. tief beeindruckt? Wohl eher nicht. Weiterhin bleibt MH370 verschollen, wie auch der Ermittlungsbericht kundtut, viel Medienhype und Spekulationen helfen weder den Familienangehörigen noch dienen sie der Wahrheitsfindung, dies die traurige Erkenntnis.

Daß der Flüchtlingspakt mit der Türkei alles andere als folgerichtig, stellt sich im Laufe dieses Schaltjahres noch heraus, Erdoğan nutzt seine despotische Haltung in jeder Hinsicht für sich. Da wird doch nicht etwa dessen Satire-Phobie außer Kontrolle geraten mit jener Flut von Klagen nach der Böhmermann-Affäre? Aber getroffene Hunde bellen gern, gelle.

Im Reigen anhaltender TTIP-Proteste offenbaren die Greenpeace-Enthüllungen ohnehin die gesamte Skepsis, bestärken den Kurs aufgeregt berechtigter Schelte gen Politik und Konzernlobbyismus. Dazu reiht sich nahezu nahtlos das Interview mit Martin Behrsing ein: Druck gen Hartz-IV-Empfänger mit „hämischer“ Unterstützung ewig gestriger Neo-Nazis. Die olle SPD spricht gar von Reform, wenn mehr sanktioniert wird.

Mitten im US-Wahlkampf den Terroranschlag in Orlando gar Trump ausnutzt, Obama am liebsten zurückgetreten sehen will. Taktik oder bloßer Zufall? Steinmeiers NATO-Kritik mag eine Welle der Entrüstung auslösen, so richtig glaubwürdig versickert sie eher, wenn man dessen bisherige Haltung betrachtet.

Mit dem Bayer-Monsanto-Deal, der nunmehr in trockenen Tüchern, zeigt sich der eigentliche Werdegang jener Klientel, wie auch Jan Pehrke im Interview erläutert. Doch weit gefehlt, wer meint, Fracking sei in Deutschland verbannt: ein Gesetz verhindert ein generelles Verbot, ein Hintertürchen für Trump, möchte man aus heutiger Sicht meinen, oder?

Die einen deuten es wie schon lang vorausgesagt: als Kriegserklärung. Der Terroranschlag von Nizza bestätigt die Folgen, noch mehr Rechtspopulismus fühlt sich bestärkt, mehr Überwachung folgt auf dem Fuße. Fast schon könnte man vermuten, daß der Sozialrassismus nicht nur deutsche Gründlichkeit betont, sondern dieser geradewegs in die Hände einer AfD spielt, die ohnehin wesentlich härter durchgreifen wird.

Mensch kann sich den Naturgewalten nicht entziehen, aber entsprechend vorsorgen. Nachdem Accumoli zur Hälfte zerstört, wird gewiß, wie gefährlich leichtsinnig Italien handelt. Das politische Erdbeben hingegen in Brasilien veranlaßt Dilma, ihren Platz zu räumen, Temer frohlockt ziemlich hämisch. Ein Sieg besserer Korruption.

Hingegen die Resignation der Friedensbewegung hierzulande anhält, die Proteste zum US-Atomwaffenstandort Büchel viel zu gering sind, das Modell des Kalten Krieges nimmt seinen Lauf. Man möchte zwar hoffen, aber der Putin-Besuch scheint keineswegs als Hinweis auf einen Wandel zu deuten, da lenken auch R2G-Planspiele nicht ab, es sei denn, das Volk läßt sich erneut verschaukeln.

Trumps Wahlsieg im November beflügelt die schlummernden Kräfte, wo doch niemand mit diesem rechnen wollte, findet Rassismus jetzt Wege der Entfaltung. Wir wissen doch, Westwinde zahlreich gen Europa wehen! Nahtlos schnelles Statement zur Bundestagswahl läßt Pessimisten bestätigen, was ohnehin fast sicher: Merkel kandidiert zum vierten Mal.

Was zu Beginn des Jahres sich anbahnte, findet schnell Raum, Erdoğans Präsidialsystem schon bald Realität wird, von der Demokratie zur islamistischen Diktatur, welch dramatische Gewißheit. Gleichwohl Trumps Kabinett nichts gutes offenbart, ein derartiger Kurs niemals gegen das Establishment handelt. Dazu ziemlich passend die westliche Arroganz, um beim EU-Gipfel das Schmierentheater fortzusetzen, Syrien-Krieg als Aushängeschild weiterer Schandtaten?!

Noch im Dezember kurz vor Heiligabend nach dem tragischen Anschlag in Berlin Rechtspopulisten mit ihren Haßtiraden sich überschlagen, besonders in den Social Media freien Lauf gewähren, parallel das bösartige Spiel staatlicher Überwachung sich einfügt.

Mensch, wohin steuerst du? Rückblickend das Jahr 2016 mit Vetrauensverlusten allenthalben, Terror auf dem Fuße, auch von Staats wegen, weltweit!

Lotar Martin Kamm

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Dann war auch die Liebe weg

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Sie stand an der hinteren Gartenpforte,
ein kurzer letzter Blick zurück zur Tür,
sie ahnte, bevor sie wußte, hierfür
gab es nie mehr die richtigen Worte.

Ach was, Worte, Aussagen, Sätze
trafen schon lange nur ins Leere,
zurück kamen verletzende Speere,
voll listenreicher scheinheiliger Etikette.

Schließlich brauchte man sie bisweilen,
dafür lohnte es sich, mit den Ehrlichkeiten
sparsam zu sein, denn bei Widrigkeiten,
zum Ausheulen, zur Hilfe bei den Kleinen

konnte man sich immer auf sie verlassen.
Doch dies sind keine Werte für Freunde,
die haben alle viel Geld in ihrer Scheune,
da zählt der Mammon als Wert, das Prassen.

Das waren die ersten kleinen giftigen Pfeile,
peinlich, wie ärmlich sie lebt, zum Schämen
ist dies, auch ist sie stolz, kennt kein Grämen,
für ihr Alter zu jugendlich, nie in gestreßter Eile.

Dies der letzte Besuch, die Freunde bereits
zum Feiern durch die große Haustüre kamen,
wurde sie lächelnd mit linkischem Umarmen
verabschiedet, da war ihr Leben längst abseits.

Seitdem war keine Hoffnung auf Verständigung,
und es wurde klar, da war auch die Liebe weg,
für Liebe gibt es keine Hintertür, sie ist kein Fleck
auf dem Herzen, sie ist Seelenergänzung.

Nafia

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Silvesterknaller verpuffen ungehört für taube Ohren

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Satirischer Rückblick…

Ihr liebe Leut, denn noch scheint nichts verloren, selbst wenn manch einer fühlt sich auserkoren, garantiert nicht als Heiland geboren, nachzubohren, was andere wohl heraufbeschworen. Dabei gezielte Fragen stellt, das für kein Geld der Welt, wohl einigen bestimmt mißfällt, in die richtige Richtung bellt, um dafür zu sorgen, daß wir morgen vielleicht noch eine Zukunft haben, bevor zuviel Gier es wird wagen, die letzten Ressourcen davonzutragen.

Genug lamentiert, die Liebe zum Nächsten liegt weiterhin an, bevor Mensch sich verliert. Nicht irgendwann. Vielmehr all die Zeit sei er dazu bereit. Wenn Demographie unter die Lupe genommen, Demoskopen janz benommen uns per Auftrag weismachen wollen, wir sehen zu vieles verschwommen vor lauter Ohnmacht, na, dann jute Nacht!

Regenbogenfarben schillern bunt und uns erinnernd, inwieweit Mensch sich besinnen muß, weil vor lauter Stuß und Überdruß die Welt ins Chaos versinkt. Manch politische Entscheidung gen Himmel stinkt. Ob dabei wohl Falco eher singt, drah di net um, die Trumpomanie geht rum? Irgendwie logisch klingt.

Das Gebot der Stunde muß jetzt wohl lauten: Innehalten im Rausch verwirrender Meldungen über jene aufkommende Nationalstaaterei. Keinesfalls einerlei, sondern seid mit dabei, um dem Einhalt zu gebieten, erst recht wenn Demagogen erneut Unschlüssige berieten. Dem Mißbrauch menschlicher Pannen gilt es entgegenzutreten, weil solch Rechtspopulisten bisherig stets Zwietracht säten.

Schreckgespenster deutlicher Drohkulissen sich längst offenbaren, Blender zugenüge unterwegs in Scharen, um die Menschheit zu gefährden. Da helfen och keene verlogenen Gebärden. Leiddurchzogenes Lebensschicksal birgt so manche Qual, dennoch haben wir die Wahl, uns für Frieden zu entscheiden, sollten Kriegstrommeln verhindern und vermeiden.

Da sitzt er nun, Christian Schmidt, ein Garant der Fleischlobby. Kriegt der überhaupt noch mit, welch Gefahren für Verbraucher im Verborgenen ruhn? Apropos nix tun, während ausgiebiges Fläzen stets Anhänger findet, sich manch Hämischer windet, um kreative Gedanken nicht zuzulassen. Stattdessen lautet’s: die einen hassen, aber selbst prassen.

Genauer hinschauen, es finden sich unheilvolle Allianzen bei gegenseitigem Mißtrauen in der Weltpolitik. Auf der Kippe des Menschheits Glück? Nur nicht hudeln, um es mal Schwäbisch zu formulieren. Kritisch denken, so gar nicht parieren, dahin sollte man seine Aufmerksamkeit lenken.

Da hilft keineswegs die Flucht vor dem Ungewissen, am Ende werden wir sowieso beschissen.

Lotar Martin Kamm

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Flucht vor dem Ungewissen

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Reißleine ziehen,
ganz schnell fliehen.
Aber nur wohin,
macht dies denn Sinn?
Alles ständig am Wandeln,
fraglich übereifriges Handeln.

Wohlüberlegt in Ruhe planen,
damit Neugierige nichts erahnen.
Für Außenseiter eher leicht,
die große Masse sie nicht erreicht.
Häme überall Futter gefunden,
Fairneß lang schon verschwunden.

Flucht vor dem Ungewissen,
zu viele fühlen sich beschissen.
Wer mag schon ins offene Messer laufen?
Bei manchen hilft nur noch saufen,
während wenige die Kurve kriegen.
Eliten verzetteln sich in Siegen.

Doch es gibt gar keine Gewähr,
nicht von ungefähr keinen Frieden mehr.
Mensch möge rastlos auf Erden verweilen,
ihm Hunger, Elend und Kriege nacheilen.
Am Ende die Schöpfung ohnehin übernimmt:
Das All nichts bedauert, selbst das letzte Weltenkind.

Lotar Martin Kamm

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Nur nicht hudeln

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Nehmen Sie sich mehr Zeit, erst recht zum Jahresende

Nur nicht hudeln! Und doch erkennt man, wenn man durch die Straßen der Städte flaniert, unruhige, teils gehetzte, eilige Menschen. In den Einkaufszentren auf der grünen Wiese, mag sein für einige Kinder die einzige Möglichkeit, etwas grüne Fläche zu sehen, bevor es hurtig mit den Erwachsenen in die Kauftempel geht, stehen Menschen ungeduldig in einer Schlange, immer mal wieder mit schräg geneigtem Kopf Richtung Kasse sehend, weil das Gefühl, während man in einer Schlange steht, vorgaukelt, die Zeit würde stehenbleiben, nur außerhalb dieser Reihe würde sie weiterrasen, und genau dahin treibt es die Menschen, zurück zur Eile.

Was gibt es nicht noch alles zu erledigen, die Festtage vorbei, man hat die besinnliche Ruhe ausgekostet, vielleicht auch mit dem Gefühl, es sei etwas übertrieben worden mit der freundlichen Art gegenüber allen und jeden. Nun genug der Ruhe und all der leckeren Gebäcke, Braten und sonst noch allerlei verschiedenen Koch- und Backkünste, die es unmöglich machten, standhaft zu bleiben, den angebotenen Gelüsten nicht nachzugeben.

Jetzt kurz vor Jahresende scheint nicht nur die Zeit, das Jahr, der Arbeitgeber oder wer auch immer seinen Tribut zu fordern, schnellstens das alte Jahr zu verlassen, nicht ohne noch dringend dies, jenes, das, zu Ende zu führen. Es ist Eile geboten, man ist hektisch, der Vorstellung zu verfallen, jetzt sei der Moment des Handelns und nicht erst nächstes Jahr, obwohl zwischen jetzt und nächstem Jahr nicht mal mehr 48 Stunden liegen. Also ist Streß angesagt.

Die Händler versuchen noch schnell, ihre Waren zu verkaufen, die Kunden versuchen noch schnell, ein Schnäppchen zu ergattern, die Regierungen versuchen noch schnell, das in diesem Jahr Geschehene zu relativieren, die Bürger versuchen noch schnell, den Haken zu finden, denn kein Fischfang ohne Haken, die Medien listen teilweise minutiös die Katastrophen, Unfälle, Schicksale auf, die Leser überfliegen die Listen, um herauszufinden, wo eine Lüge sich verbergen könnte, denn wer kann noch sicher sein, daß selbst bei dem Miterlebten alles mit rechten Dingen sich zugetragen hat.

So sind die letzten Stunden des Jahres angefüllt mit einem Strudel aus hektischen Eindrücken, die man vertreiben will, indem man selber sich durch die letzten Stunden des Jahres wurstelt und hudelt. Eventuell ist einigen Lesern das Wort hudeln nicht geläufig, da es im süddeutschen und österreichischen Raum wesentlich öfter im Sprachgebrauch angewendet wird.

Hudeln, Verb von Hudel, besagt soviel wie schnell etwas erledigen, meistens in Verbindung mit einer gewissen Vorahnung oder der Tatsache dabei Fehler zu begehen, das heißt, fehlerhaft arbeiten, weil zu hektisch sich abhetzen. Das Wort kann gleichgesetzt werden mit schludern, pfuschen, Murks machen, stümperhaft arbeiten. In seiner ursprünglichen Bedeutung ist hudeln ein Begriff für zerfetzen. Der Hudel, der Lappen, der Lumpen, liederlicher Mensch. Mach nicht so einen Hudel, wirbel nicht so viel Staub auf.

Sie haben sich nun durch diesen Text gehudelt, vielleicht in der Hoffnung noch auf die Schnelle etwas Interessantes zu erfahren, vielleicht etwas Abwechslung erwartet, möglicherweise erkannt, alles ist schon mal dagewesen irgendwo im Wissensschrank, möglicherweise haben Sie den Anfang Ihrer Sendereihe verpaßt, sind schon zweimal zum Essen gerufen worden, Ihr Kind zerrt an Ihrem Ärmel, weil es wie versprochen jetzt Zeit ist, mit ihm zu spielen, Ihnen fällt gerade ein, daß in einer halben Stunde Freunde vorbeikommen, um danach gemeinsam einen Trip durch die Kneipen der Stadt zu unternehmen, Sie bemerken, daß es bereits dunkel ist, obwohl Sie mit Ihrem Hund noch bei Helligkeit rausgehen wollten, und schon hudeln Sie Ihren Gedanken nach, weil die Welt nun mal hektisch ist.

Ein kleiner Tip zum Jahresende kann sich die Kolumnistin nicht verkneifen, bedenken Sie, Hudel ist ein Lappen, ein Lumpen, nehmen Sie ihn zur Hand und wischen Sie damit die „genormte“ Zeit weg, „zerfetzen“ Sie nicht Ihre Zeit, finden Sie Ihr eigenes Zeitempfinden, und es könnte sich herausstellen, daß trotz Gelassenheit und ruhigerem Tempo viel schneller Ereignisse, Arbeiten oder was immer auch Sie in Ihrem Leben tun oder vorhaben, zügiger vonstatten gehen.

Doris Mock-Kamm

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