Radikalisierung der Gesellschaft gewollt

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Der neue europäische Rechtsruck keineswegs zufällig

Sie laufen durch die Straßen, schmeißen schwere Pflastersteine in die Schaufenster der Geschäfte, bestimmter Geschäfte, nämlich die von ihren jüdischen Mitbürgern, schlagen sie in aller Öffentlichkeit zusammen, kein Polizist greift ein, Männer in unverkennbaren Uniformen holen sie einfach ab, um sie in Lager zu verfrachten, so geschehen in den 1930iger Jahren dieses Landes, welches sich gerne auf seine Werte beruft.

Den anschließend, sich dramatisch verselbständigenden Holocaust ließen die Bürger Deutschlands zu, das heißt eine große schweigende, ängstliche Masse, von der kein Mut aufkam, die Verbrechen der Nazis zu stoppen. Das Ausland wußte nur zu genau ob jener brutalen Schandtaten, griff aber ebenso nicht ein. Während manche ins Exil flüchteten, um ihr Leben zu retten, einige gar mitwirkten, Landsleute aus den Klauen dieser Verbrecher zu befreien, zog es die Weltgemeinschaft vor, den Zweiten Weltkrieg, der ohne weiteres absehbar war, mit zu dulden. Eine hämische Finanzwelt profitierte vom Leid der Menschen.

Und heute? Hat sich da etwas geändert in dem politischen Bewußtsein, daß eine derartige rassistische Ausgrenzung, eine Nationalstaaterei nie mehr sich problemlos und ungehindert ausbreiten darf? Anfangs schon. Man übte sich in den Versuchen einer Aufarbeitung damaliger Verbrechen, die Schuldfrage schwebte über der deutschen Bevölkerung, diejenigen, die im Ausland mitgewirkt hatten, ein nationalsozialistisches Gedankengut zuzulassen, kamen einfach davon. Eine EU wurde in den Folgejahrzehnten erschaffen, die Nationalstaaterei gerade in Europa mildern sollte, der längste Friedensprozeß gab ihr Recht, außer dem Jugoslawienkrieg.

Bereits zu Beginn der 1990iger Jahre, nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs, versuchten schlummernde rechte Kräfte, Einfluß zu nehmen, was bei den Republikanern zunächst mißlang, eine NPD konnte sich ebenso nicht vergrößern. Statt jene klare Botschaften zu erkennen, zog es die verantwortliche Bundesregierung vor, ihren Kurs des Sozialabbaus nonchalant fortzusetzen, duldete die imperialistische Politik der USA, die weltweit kriegerische Konflikte mit inszenierte, denken wir an Afghanistan, den Irak, Libyen, Syrien und die Ukraine.

Voraussehbare Flüchtlingsströme in Folge dienen nunmehr einer erneuten Haßpropaganda, der künstlich entstandende Terrorismus, das Tor dazu wurde mit 9/11 ganz weit aufgestoßen seitens der Amis, reiht sich als Angstfaktor wunderbar in die Rhetorik jener Neuen Rechten ein. Das Fatale daran: Unterschiedliche politische Lager werden mit instrumentalisiert, die gesamte Gesellschaft dadurch radikalisiert. Überall Gewalt, die sich ausbreitet, ob verbal oder per realer Taten, denken wir an brennende Asylantenheime. Gleichzeitig nutzt die Neue Rechte das altbekannte Muster einer sogenannten „Lügenpresse“, um ihre eigenen Verbrechen ungemeldet ausüben zu können, was nicht kundgetan, findet nicht statt.

Kommt uns das bekannt vor? Im Nachbarland Österreich offenbaren 46% seiner Bürger, daß sie schon wieder einer rechtsradikalen Politik auf den Leim gehen. Und in Deutschland? Wir werden es erleben bei der Bundestagswahl. Man bedenke, ein NSU-Prozeß hat bereits die Marschrichtung gezeigt: vieles im Unklaren, eine Justiz, die auf dem rechten Auge ziemlich blind. Wehe, jene Kräfte dürfen sich erneut tummeln wie schon im letzten Jahrhundert!

Lotar Martin Kamm

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Bis der Nebel sich lichtet

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Wehmutslichter
werden immer dichter,
schleichen durch die Landschaft,
nehmen Kraft.

Heller Nebelschleier,
Schatten werden kleiner,
umhüllen jedes Wesen,
als wären sie nie gewesen.

Schritte knallen,
verlieren sich in Hallen,
angefüllt mit Schweiß vermischter Luft,
todbringender Moderduft.

Herbsttage
erklimmen Seelen, auf einer Trage
vertäut alle Klagen,
die wir in uns tragen.

Schwingungen
verursachen langsame Bewegungen,
bis der Nebel sich lichtet,
und ein kleines Licht wird gesichtet.

Nafia

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CDU-Parteitag: Rechtsruck diktiert Wahlkampf

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Machtspielchen können nicht über das Los der Verlierer hinwegtäuschen

Manche wollen es einfach nicht wahrhaben, welche Klientel sie selbst dorthin erst hievte, wo sie sich jetzt befindet. Oder hat Frauke Petry tatsächlich geglaubt, eine große Masse Intellektueller hätte die AfD gewählt? Mitnichten. Vielmehr den schon immer hier in Deutschland Lebenden, dem Frau Merkel obendrein anriet, doch einen Integrationskurs aufzusuchen.

Mit Blick in Social Media wie Facebook bestätigen sich die deutschsprachigen Defizite. Wie könne sie nur, empörte sich Frau Petry, um im nächsten Atemzug per Halal-Kochkurs und einer korrekten Kopftuchbindung zu kontern.

Welch armselige Methode von eigener verfehlter Politik abzulenken. Man darf zurecht nur hoffen, daß solche Rechtspopulisten niemals in einer Regierung sitzen. Andererseits übt eine CDU bereits schon mal, sich entsprechend anzupassen, wenn im Parteitag der vor ihr liegende Weg sich abzeichnet, ein Rechtsruck den Wahlkampf diktiert.

Welche Werte, was für eine Zukunft, Frau Merkel?

Wer mit der Wir-Form um die Ecke kommt, dem sollte man per se mißtrauen. Das kennen wir doch bereits vom Ruf rechter Mischpoke, die ihn von den Menschenmassen vor dem Mauerfall klaute. „Wis sind das Volk“ mag damals durchaus berechtigt gewesen sein, um dem DDR-Regime zu trotzen. Aber wer mit rechten Parolen durch die Straßen zieht, rassistische Reden schwingt und dabei sich auf diese vier Worte beruft, scheint wohl zu ignorieren, daß nach wie vor eben nicht die Mehrheit ihnen folgen will.

Insofern paßt dieses „wir“ dort nicht hin. „Unsere Werte. Unsere Zukunft.“ prangt beim CDU-Parteitag von oben herab. Dies mögen unbedingt die Werte dieser Partei sein, das weltweite Ausbeuten, die Waffengeschäfte, die Beteiligung bei Kriegseinsätzen, die Zuspitzung zum erneuten Kalten Krieg, der Sozialabbau, um nur mal ein paar Verfehlungen zu benennen, die ebenso die SPD mit zu verantworten hat.

Auch die Grünen würden diesem Kurs folgen, eine FDP erst recht, und bei einer AfD sollte man sich keiner Illusion hingeben, sie wäre besser oder gar umsichtiger. Auf eine solche Zukunft sollte der Bürger eher verzichten, sie taugt nichts, mit Frau Merkel wird der Rechtspopulismus erst recht erstarken. Das verdeutlichte nunmehr der CDU-Parteitag.

R2G zum Scheitern verurteilt

Es sei denn, die Linke verrät ihre eigene Politik. Mit einer Sahra Wagenknecht müßten SPD und die Grünen endlich den Sozialabbau stoppen und die Kriegsrhetorik augenblicklich beenden, dem ungebremsten neoliberalen Kurs der Wirtschaft entgegentreten. Das wiederum würde allerdings ein Bündnis zwischen den C-Parteien, einer FDP und der AfD vereiteln.

So unwahrschheinlich eine derartige Koalition erscheint, nach der Bundestagswahl werden nur die Karten neu gemischt, wer möchte schon die Macht einfach so abgeben. Insofern ist wohl eine R2G-Regierung in doppelte Hinsicht zum Scheitern verurteilt. Einerseits gut, wenn die Linke ihre Prinzipien einhält, zum anderen haben die Bürger das Nachsehen mit einer derart kaltschnäuzigen Zukunftsaussicht.

Lotar Martin Kamm

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Mehrwert alles andere als eine Frage des Preises

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Der Werterhalt eines Menschen steht über jedweder Kreativität

Die Anzahl der Versteigerungen, die jährlich stattfinden, um Kunstwerke, ganze Kunstsammlungen, aber auch Gegenstände von Persönlichkeiten die Möglichkeit zu geben, den Besitzer zu wechseln, sind sicher nicht alle auflistbar, bis auf die wenigen, die durch berühmte Versteigerungshäuser stattfinden.

Nun kann man über den Begriff Kunst natürlich stundenlang debattieren, auch warum ein Kleidungsstück einer Schauspielerin teilweise enorme Summen erzielt und sich der Wert den persönlichen Empfindlichkeiten nicht erschließt, so kann man nicht umhin, über die Summen sich zu wundern, die dafür aufgebracht werden, diese „Schätze“ zu ersteigern.

Die „Schätze“, die erachtenswert gehalten werden, um sie für die Nachwelt zu sichern, damit viele Generationen nach uns sich auch daran erfreuen können, finden sich oftmals in Museen wieder. Einige allerdings verschwinden in privaten Safes oder Räumlichkeiten, und die Nachwelt kann sie nur noch auf Photographien bewundern.

Nicht weiter schlimm, denn man kann sowieso nicht alle Plätze dieser Welt aufsuchen, in denen die „Schätze“ lagern, geschweige denn alle in ihrer Wertigkeit bewundern, die ihnen zukommt, außer man ist beruflich dazu in der Lage, die Zeit aufbringen zu können, sich den Werken zu widmen.

Angesichts der Nöte in dieser Welt, die übrigens nicht erst seit gestern erklingen, ist die Frage nach dem Wert und der Verbleib der „Schätze“ in privatem, öffentlichen Besitz, aber auch der Aufwand, der zu ihrem Schutz notwendig ist, mehr als gerechtfertigt.

Ist es gerechtfertigt, sich durch Räume mit Millionen oder Milliarden Werten zu bewegen, wenn an anderen Plätzen Menschen hungern, kein Dach über dem Kopf haben, für diese Menschen keine Gesundheitsvorsorge-/leistung getroffen wird, Bomben ihr Leben bedrohen, Umweltgifte in ihrem Trinkwasser schwimmen?

Ist ein Bild eines Malers, die Gitarre eines Musikers, das Abendkleid einer Schauspielerin, die Halskette einer Adeligen, das Buch eines Autors wirklich mehr wert als das Leben von Menschen? Sind die Emotionen, die beim Betrachten der ausgestellten Werke so viel berauschender, so viel mehr wert als ein Bild glücklicher Menschen, die die Möglichkeit haben, einigermaßen menschenwürdig zu leben? Ist der Stolz über den Besitz von „Schätzen“ mehr wert als der Stolz, Menschen zu helfen? Ist die Anerkennung durch andere mehr wert, wenn die „Schätze“ materieller Art sind und nicht humaner Art? Ist der Aufwand zum Schutz der „Schätze“ mehr wert als der Aufwand zum Schutz von Leben? Ist es wichtiger diese „Schätze“ für die Nachwelt zu erhalten und nicht Menschen?

Stimmt es vielleicht nicht, daß ein Mensch eine wichtigere, wertvollere Verbindung für unsere Nachwelt darstellt?

Kein wirklich schöpferischer Mensch wird für einen materiellen „Schatz“ den Maßstab höher ansetzen als für einen Menschen, denn der „Schatz der Schöpfung“ ist human, nicht materiell, mag er auch noch so viele Inspirationen bieten, der Mensch wird diese schöpferische Aussage immer übertreffen. Wo ist also der Mehr-Wert?

Dieser Text soll keine Aufforderung sein, sich von der schöpferischen Kunst abzuwenden oder sie nicht mehr wert zu schätzen, vielmehr soll er als Aufforderung gesehen werden, sich bewußt zu werden, daß kein schöpferischer Akt möglich wäre ohne kreative Menschen.

Und sind Sie sich sicher, daß das Kind, das gerade versucht vor den herabfallenden Bomben in Deckung zu gehen, die Frau, die gerade wieder einen Schluck Wasser aus dem verseuchten Fluß trinkt, der Mann, der gerade sich ein provisorisches Nachtlager unter einer Brücke herrichtet, nicht der Mensch sein kann, der das Potential für eine grandiose Erfindung, das Talent für eine schriftstellerische Meisterleistung, die Kreativität zur gestalterischen Zukunft ohne Ressourcenverschwendung hat?

Wenn ja, so vergessen Sie diesen Text, wenn nein, so werden Sie aktiv mit Ihrem Gestaltungsspielraum, der Ihnen zur Verfügung steht. Der Möglichkeiten gibt es viele. Mensch vor Konsum muß nicht bedeuten, sich der Kunst nicht zu erfreuen, aber es muß bedeuten, die Schöpfung ist mehr wert als das Ansehen durch den Erwerb von Kunst, und Ansehen kann nur ersteigert werden durch „Werterhalt“ des Nächsten. Solange Menschen unser Herz ersteigern, die sich mit materiellen „Schätzen“ eindecken, wird sich allerdings an der Not, die die Welt unterhält, nichts ändern.

Doris Mock-Kamm

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Türkei: Erdoğans Präsidialsystem schon bald Realität

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Vom Präsidenten zum Despoten – von der Demokratie zur islamistischen Diktatur

Seit über vierzehn Jahren regiert dieser Recep Tayyip Erdoğan in der Republik Türkei, die nach der Militärherrschaft endlich den Weg zur Demokratisierung fand, unter der Regierung Bülent Ecevits wurde unter anderem die Todesstrafe abgeschafft.

Doch mit Erdoğan hatte sich die Türkei keinen Gefallen getan, dessen Machtbesessenheit darf man mit Fug und Recht ihm bescheinigen, die vielen politschen Entscheidungen sprechen eine nur zu deutliche Sprache. Sein erwünschtes Präsidialsystem wird bald schon Realität, er will unbedingt per Dekret regieren. Vom Präsidenten zum Despoten, die Türkei von der Demokratie zur islamistischen Diktatur?

Zu viele tanzen nach seiner Pfeife

Hat Erdoğan schon viel zu lange eine weltpolitische Narrenfreiheit genießen dürfen, weil diesem immer wieder dessen Entgleisungen und harten politischen Entscheidungen verziehen wurden? Zumal die Gründe oftmals mehr als offensichtlich? Er nonchalant die militärisch strategische Rolle der Türkei ausnutzt als wichtigster NATO-Verbündeter im Südosten, genauso wie in der Flüchtlingspolitik?

Am Beispiel der Armenien-Resolution, die der Deutsche Bundestag Anfang Juni mit großer Mehrheit verabschiedet hatte, sieht man doch, wie vorschnell in Erdoğans Sinne reagiert wird. Nach anfänglichen Gewitterwolken Erdoğans, die zunächst nicht abzogen, knickte schließlich nach der Sommerpause die Bundesregierung mit ihrem Statement zur Armenien-Resolution ein, Regierungssprecher Steffen Seibert verkündete, sie sei rechtlich verbindlich.

Getürkter Putsch Mittel zum Zweck – wohin verschlägt es den „türkischen Pascha“?

Mit dem Beginn seiner dritten Amtszeit im Jahre 2011 offenbarte Erdoğan immer mehr sein wahres Gesicht, gleichzeitig hatte kurz zuvor der Syrien-Krieg begonnen, ein willkommener Anlaß für den türkischen Machthaber, der Trend zur ausufernden Polizeigewalt gegen Demonstrierende setzte genauso ein wie die Interventionen seitens der Regierung in die Justiz, seine unüberhörbare europafeindliche Rhetorik, die Einschränkungen der Presse- und Internetfreiheit (im Bericht auf Seite 29 nachzulesen), die Säuberungswellen innerhalb der Bürokratie, kurzum, dieser Despot zeigt seinen unabdingbaren Machtwillen, während die Welt nahezu tatenlos zuschaut.

Nicht weiter verwunderlich, dies per getürkten Putsch zu unterstreichen. Zwar ranken natürlich etliche Verschwörungstheorien, ob die CIA verwickelt sei, Erdoğan selbst ihn inszeniert haben könnte. Wir wissen es nicht, dennoch geschah er genau im richtigen Moment, ein Schelm wer dabei böses denkt.

Die Beunruhigung des außenpolitischen Kurswechsels von Erdoğan hat durchaus ihre Berechtigung, ebenso die des „Neo-Osmanismus“, die Kurden werden sowohl in der Türkei als auch in den Nachbarländern auf schärfste bekriegt, sein Gedankenspiel, die seit 1923 festgelegten Grenzen der Türkei in Frage zu stellen, weisen gleichwohl auf seine Machterweiterung hin.

Lotar Martin Kamm

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Deshalb

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Oft sprach ich von Liebe –
zu manchem Mädchen, mancher Frau.
Seitdem in mir erwacht die Triebe –
bin ich geil und oberschlau…

Oft hat es so begonnen –
sah Mägdelein im Tanz sich dreh’n.
Trank allerlei, so ganz versonnen –
und sah sie mit dem And’ren geh’n…

Oft hab ich’s auch gepackt –
sie schlief in meinen Armen.
Und ich bin splitternackt –
sie nicht – zum Gotterbarmen…

Oft hat’s so aufgehört zu sein –
weg war der Liebestraum.
Es blieben Korn und Wein –
ich schlaf‘ am Waldessaum…

Oft träum‘ ich von der Liebesnacht –
in der die Kälte kam.
Ich bin nicht wieder aufgewacht –
werd‘ wohl nie wieder warm…

Peter Petereit

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Auf den Spuren der Profis

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Manch Profil hat viel Profit nötig

Etliche Gazetten, Zeitschriften, Zeitungen, Medien überhaupt berichten fast täglich von Profis. Menschen, die auf Grund eines besonderen Talents oder schwer erarbeiteter Leistung, meistens Sportler, so wichtig erscheinen, daß ihre, so erschleicht einem die Vermutung, gesamte Lebensgeschichte, jeder einzelne Lebensweg, jedes Ereignis, das mit ihm in Zusammenhang zu stehen scheint, jedes Treffen mit XY, ihre Urlaubsorte samt Beweisphotos präsentiert werden, damit alle anderen Menschen teilnehmen können an dem Leben dieser außergewöhnlichen Personen.

Es gibt natürlich auch in anderen Sparten Profis, seien es Fachleute, Spezialisten, Sachverständige, diesem Personenkreis wird zwar auch das Attribut Profi zugeschrieben, aber ihre Aussicht durch die Medien benannt zu werden, ist nur gegeben in Bezug auf seltene Fallösungen, an denen sie mitgearbeitet haben oder wenn sie Chef einer Institution, Firma sind, dessen Profis für ihn tätig waren. Die Profis, die in handwerklichen Betrieben ihren Talenten frönen, haben so gut wie keine Chance, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen, um dafür einen Artikel in den Medien wert zu sein. Kleine Ausnahmen gibt es im Kfz-Bereich oder in mehr oder weniger ausgestorbenen Berufssparten.

Profi, die Kurzfassung von Professional, aus dem englischen professional entlehnt, bedeutet berufsmäßig. Die Profession, aus dem lateinischen professio, öffentliche Bekanntgabe eines Gewerbes, Geschäft. Der Profess, die Bekennung als Mitglied eines Ordens, abgeleitet von profiteri, frei, öffentlich bekennen, erklären. Der Professor ist jemand, der sich öffentlich zu einer wissenschaftlichen Tätigkeit bekennt.

Nun kann man ja ruhig durch seine Professionalität, sein berufsmäßiges Handeln profitieren, seinen Nutzen daraus ziehen, einen Vorteil daraus haben, oder? Profitieren bedeutet in etwa ausbeuten, benutzen, absahnen, einsacken, herausschlagen, einstreichen, kassieren, zulangen. Hört sich irgendwie gar nicht nach „gerechter“ Entlohnung an. Vielleicht weil die berufsmäßige Tätigkeit zu viel profiliert wurde? Profilieren, Anerkennung finden, bekannt, berühmt werden, sich einen Namen machen, sich hervortun.

Wurde vielleicht zu viel Profil gezeigt? Profil, aus dem lateinischen profilo, profilare, mit einem Strich einen Umriß ziehen, von filo, der Faden. (Nur so nebenbei, das Wort Filet stammt ebenso davon ab und bedeutet eigentlich kleiner Faden, filum) Ist das Profitieren deshalb so negativ besetzt, weil das Profil, der Umriß zu oft zu intensiv bezeichnet, benannt wurde, oder steckt vielleicht doch bei dem ein oder anderen Profi die Gier nach mehr als eigentlich „angebrachte“ Entlohnung dahinter, daß das Profitieren mit dem negativen Aspekt der Ausbeutung behaftet ist? Oder ist es bloß der Neid der Nicht-Profis, die die höhere (oftmals jedenfalls) Entlohnung den Profis nicht gönnen?

Bleibt zu klären, woher das Wort Profit stammt. Profit, aus dem lateinischen profectus, Fortgang, Zunahme, Vorteil, von proficere abgeleitet, weiterkommen, gewinnen, eigentlich im Ursprung, voranmachen.

Wir haben es hier also mit drei verschiedenen und doch gleichzeitig mit drei ineinander fließenden Begriffen zu tun. Profiteri, frei, öffentlich bekennen, erklären, profilare, mit einem Strich einen Umriß ziehen, proficere, weiterkommen, voranmachen, gewinnen.

(Profi) Öffentlich erklären, benennen, anzeigen, (Profil) mit einem Strich einen Umriß ziehen, (Profit) um weiterzukommen, voranzumachen, zu gewinnen.

Das Prinzip ist möglicherweise besser zu erkennen, wenn die Reality-TV-Teilnehmer wie zum Beispiel „Kardashian“, „Katzenberger“ in diesem Zusammenhang in die Erklärungen mit einbeziehen. Keineswegs aber soll dies bedeuten, daß Prinzip, Profi, Profil, Profit erst eine neuzeitliche Erscheinung darstellen, sondern im Gegenteil, denn ansonsten hätte es diese Begriffe, so wie sie jetzt angewandt werden, nicht schon früher geben dürfen und es wären möglicherweise völlig neue Worte entstanden.

Vielleicht sind Sie nicht der Profi, der sein Profil von der besten Seite zeichnet und Sie machen auch nicht mehr Profit, als Sie zu ihrem Glück und Auskommen brauchen, so beachten Sie trotzdem, falls Sie Autofahrer sind, Ihre Reifenprofile, damit Sie sicher nach Hause kommen, um die Profis weiter zu „verfolgen“ durch sämtliche Medienwelten.

Doris Mock-Kamm

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