Mit dieser hohlen Phrase wirst du bestehen

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Satirischer Rückblick…

Obwohl es ja heißt, durch diese hohle Gasse mußt du gehen. Doch darauf scheißt eine AfD, der ganze rechte Spuk sagt real letztlich zum Humanismus ade, beruft sich auf Lug und Trug der sogenannten „Lügenpresse“, wer ihm nicht folgt, kriegt dann was auf die Fresse!

Sie meinen, die Worte sind fäkalienbehaftet zu hart? Nichts glänzt, zeigt sich im Hauch ganz zart, wird keineswegs immer nur friedlich sein, nein, alles heuchlerischer Schein. Das verhält sich auch so mit gewissen Lobbyisten, die bisherig jeden Anstand vermißten, die Sojabohne mal wieder in Verruf gerät, man hugs flugs Gerüchte sät.

Es ist einfach nur noch zum Kotzen, was wirklich jetzt wirkt, ist dem rechten Diktat zu trotzen, selbst wenn es täglich vielen würgt. Verpassen wir die historische Chance erneut, diese Mischpoke ihre einmal gewonnene Macht nicht scheut, umzusetzen, sich erfreut im fiesen Verletzen und Hetzen.

Berlin hat gewählt, was nunmehr wirklich zählt, sind moderate Mehrheiten und keine erneuten Streitigkeiten. Herrschaftszeiten, setzt es um, eben drum! Denkt mal zurück an den Grenzwall, auch Limes genannt. Alles nur noch egal, weil Politik oftmals verrannt? In Sphären zwischen Selbsterkenntnis und Akzeptanz sollte man eher verweilen, anstatt irgendwelchen Phrasen hinterher zu eilen.

Immer wieder nur Bahnhof verstehen? Falls ja, solltest du lernen, genauer hinzusehen, ist ohnehin schon zuviel Unheil geschehen. Gerade hierzulande die SPD im freien Fall dem Neoliberalismus fröhnt, sich eben nicht mit der Basis, dem Volk versöhnt.

Wer kann ihr noch glauben, wenn Eliten den Bürgern alles rauben? Laßt euch nicht wegschicken, sondern eher nach einem neuen Leben entgegenblicken.

Mit positiv berherzten Aktionen wir nicht nur unsere Umwelt schonen. Dann heißt’s einfach, Ärmel hochgekrempelt. Selbst wenn beim größten Krach man sei abgestempelt. Ist schon gebongt, es sich durchaus lohnt.

Zumal obendrein die letzten Bundestagswahl-Umfragen den AfD-Aufwärtstrend offenbaren. Seid euch darüber im Klaren das alles folgt einem bestimmten Stil: Die Alleinherrschaft des Nationalismus ist ihr erklärtes Ziel!

Lotar Martin Kamm

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Eine Art Stil

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Der Hut saß nicht richtig,
doch das war nicht wichtig.
Daß der Lippenstift verschmiert,
war schon anderen passiert.

Schlimmer war das Kleid,
das war nicht nur zu weit,
sondern auch zu lang,
das störte beim Gang.

Den Gürtel zu knoten,
die Ästhetik hat es verboten.
Schließlich hat man Gefühl,
selbst in jungen Jahren eine Art Stil.

Das Problem läßt sich lösen,
man muß nur das Kleid anheben,
lässig mit der Schultertasche,
ein Griff, keine große Sache.

Mit Mamas Schuhen, beim Gehen
muß man sowieso achtgeben.
Der Spiegel zeigt das Ergebnis
vom Erwachsenenspiel-Erlebnis.

Er wird es für sich behalten,
Nina auf dem Weg begleiten,
ins Leben hineinzuwachsen
ein Genuß, ihr vertrauensvolles Lachen.

Nafia

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Bundestagswahl 2017: Umfragen verdeutlichen AfD-Aufwärtstrend

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Deutschland auf bestem Wege zurück zum Rechtspopulismus?

Oder sollte man die Frage noch direkter und zutreffender formulieren? Warum fallen immer mehr Menschen auf die Verheißungen dieser jungen Partei herein? Braucht der unmündig nicht gebildete Bürger starke Alpha-Wesen, vor einigen Jahrzehnten gab es noch den ein oder anderen Führer, denken wir an Franco, Mussolini oder Hitler? Es scheint so.

Obendrein haben sehr offensichtlich viele dieser Sympathisanten wohl das Parteiprogramm jener AfD eben nicht gelesen, zumal unter ihnen erschreckend viele Hartz-IV-Bezieher sich befinden, Frauen, die scheinbar ein Zurück nach Heim und Herd herbeisehnen, der Mann möge das Zepter in die Hand nehmen. Auf der Welle tröger Ausländerfeindlichkeit lassen sich prima Anhänger fischen, die mal wieder diesem ewig gestrigen Feindbild verfallen.

Zahlen sprechen ihre klare Sprache

Ob man die Allensbach-Umfrage von gestern heranzieht oder den Mo-Ma-Deutschlandtrend, von den sechs Parteien (CDU/CSU als eine Partei gewertet), die somit wahrscheinlich im Deutschen Bundestag vertreten sein werden, legen die FDP, die Grünen und die AfD zu, die drei anderen, also die CDU, SPD und die Linke verlieren Wählerstimmen.

Laut Allensbach-Institut erhielten die CDU/CSU 33,5%, die SPD 24%, die AfD 12,5%, die Grünen 11%, die FDP und die Linke lägen mit 7% gleichauf. Die Abweichungen zum Morgenmagazin sind im Prinzip geringfügig.

Mögliche Bündnisse vollkommen ausgeschlossen?

Hat die Große Koalition einer CDU/CSU-SPD-Regierung ausgesorgt? Betrachten wir doch mal mögliche Bündnisse. Ersteres reicht nicht mehr zur Mehrheit. Stießen die Grünen dazu, würde es langen. Zusammen mit einer FDP erst recht, dann wäre die Opposition das rechte und linke Lager.

Mit dem freien Fall dieser SPD zum Neoliberalismus wird ein R2G-Bündnis eher unwahrscheinlich, weil ansonsten die Linke ihre eigenen Prinzipien über Bord schmeißen müßte. Sollte die SPD plötzlich ihre ursprünglichen Ziele wiederentdecken, somit den C-Parteien den Rücken kehren, würde eine Koalition mit der Union, den Grünen und der FDP ebenso nicht ausreichen. Wie wäre es mit der AfD als Partner? Klaus-Peter Willsch schlug dies allen Ernstes bereits vor. Zwar negierte dies Unions-Fraktionschef Volker Kauder vehement, aber wenn es um die Verteilung der Macht möglicher Regierungsbündnisse geht, zählt morgen schon nicht mehr das, was man gestern verlautbarte.

Keine tollen Aussichten für all jene, die noch an ein sozial verträgliches Leben glaubten, zumal das bereits überdeutliche Spuren des Abbaus hinterlassen hat. Mögliche Regierungsbündnisse bedeuten eine Verschlechterung, die Gesellschaft driftet wesentlich mehr auseinander, die Armut wird noch mehr zunehmen, Bürgerrechte eingegrenzt oder gänzlich abgebaut, die sogenannte Freiheit kennt nur Gewinner, wer strauchelt, nicht funktioniert, darf dann gefälligst möglichst schnell abtreten.

Lotar Martin Kamm

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Gebongt und abgestempelt

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Um im besseren Licht zu erscheinen?

Es ist gebongt! Es ist abgemacht. Wir sind uns einig. Einverstanden. Der Ausspruch leitet sich von der Übergabe einer Quittung, Beleg, Kassenzettel, Rechnung ab, mit der Weitergabe dieses Nachweises sind Forderung und Verbindlichkeit hinfällig: Der Bon, abgeleitet vom Französischen bon, gut, alles in Ordnung. Wir können zufrieden sein.

Es ist abgestempelt, sollte somit doch denselben Sinninhalt im Sprachgebrauch aufweisen. Da durch das Abstempeln wie durch den Bon eine Sachlage geklärt, Forderung und Verbindlichkeit ausgeglichen sind. Aber weit gefehlt!

Du bist gebongt, du bist in Ordnung, du bist abgestempelt, an dir haftet ein negativer Eindruck. Etwas verwirrend, sehr wahrscheinlich hängt es nur an den Ursprungswörtern, bon für gut, Stempel für Abdruck, der diesen, und das ist er allemal, Unterschied zwischen den Bedeutungen ausmacht. Vielleicht liegt eine Erklärung noch zwischen dem Unterschied einer „unbefleckten“ Rechnung und einer Rechnung, die mittels Stempel, Siegel nochmals bestätigt, also abgezeichnet wurde. Und ganz vielleicht hängt es mit dem jeweiligen Stempler, Siegelgeber zusammen, der diesen Abdruck hinterläßt oder welches Zeichen der Abdruck zeigt, darstellt. So einfach lassen wir uns durch Begriffe, Wortursprünge manipulieren.

Der Stempel, mittelhochdeutsch stempfel, Stößel, Prägestock. Auch sprachverwandt mit stampfen, mit einem Mörser zerkleinern, fest mit den Beinen auftreten. Sämtliche Urkunden tragen einen Stempel, Siegel und sind ohne diesen sehr oft nicht „rechtskräftig“. Nicht gebongt.

Siegel, entstammt vom Lateinischen sigillum, Bildchen, dient als Verwendung für Beglaubigungen, Besitznachweise, (Brandmarken bei Tieren), und ihre Prägungen (Abbildungen) unterliegen klar abgegrenzten Motiven und Berechtigten zur Abgabe und Verwendung von den verschiedenen Siegeln, ähnlich wie Wappen und Fahnen.

Abgestempelt zu sein, hat sicherlich jeder schon einmal erlebt, entweder weil man aus der falschen Familie, Ort, Land stammt, das falsche Wort am falschen Ort ausgesprochen hat, man gewisse Konventionen nicht beherrscht hat, aus der Reihe fiel, entweder absichtlich oder unabsichtlich. Gründe gibt es dafür viele, und sie alle sorgen dafür, ein gewisses „Kennzeichen“, Mal aufgedrückt zu bekommen.

Manchmal sind diese Male nur vorübergehend belastend, manchmal können sie ein ganzes Leben begleiten, manchmal kann man sich nur davor schützen, indem man von der gewohnten Umgebung Abschied nimmt. Abgestempelt zu sein, kann zu großen psychischen Problemen führen, denn sie sind oftmals die ersten Anzeichen für Mobbing, für Ausgrenzung, für Neid, für „blinden Haß“.

Nicht nur derjenige, der aus dem kaufmännischen Bereich kommt, weiß, daß es oftmals unumgänglich ist, Belege, Bons, Rechnungen abzustempeln, seinen „Otto“ drunter zu setzen, um damit aufzuzeigen, die Unterlagen gesehen oder wie früher in Kladden eingeschrieben zu haben, also als erledigt, gebongt abgelegt werden konnten, sondern alle Menschen sortieren, stempeln das ihnen Vorliegende ab, stecken es in verschiedene Schubladen, versehen mit den jeweiligen an der Lade befestigten Gebongt-Begriffen.

Das geschieht mechanisch, nutzt oftmals einer schnellen Übersicht über Situationen, Einschätzungen von Personen, Umständen. Und ist gebongt. Deshalb gebongt, weil nicht jede Situationslage ständig neu zu bewerten erfordert, wir schaffen uns mit dem Gebongt und Abstempeln Freiräume für neues Erleben, können dadurch manche Gefahren schneller abschätzen. Nicht gebongt kann allerdings sein, wenn wir bewußt in schadwilliger Absicht jemanden oder einer Sache einen Stempel mit der Absicht aufdrücken, nur damit wir selbst im besseren Licht erscheinen oder dadurch Vorteile erhoffen.

Nicht jeder Bon muß abgestempelt werden, viele können auch ohne Stempelaufdruck Platz in unsere Karteikästen der Lebensansichten abgelegt werden, und wenn wir schon stempeln, sollten wir vielleicht einen Blick mehr auf den Stempel werfen, den wir da gerade in der Hand halten, schließlich besteht die Möglichkeit, durch den artverwandten nächsten Bon einen neuen, spannenden Blick auf das Leben zu erhalten.

Doris Mock-Kamm

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Es geschah vor 40 Jahren (20. bis 26. September 1976)

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flickr.com/ badgreep RECORDS – art-photos/ (CC BY-SA 2.0)

Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zur 30. Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Für all jene, die Interesse haben, was da im Hintergrund geschieht, bis solch eine Sendung aufgenommen, ein paar Infos zur Technik und Ausstattung:

Die Kulisse stammt noch aus meinen beruflichen Zeiten im Schloßtheater Neuwied, bestehend eine Aneinanderreihung aus zwei Wänden, zwei Portalwänden und einem Sturz mit dahinter gespanntem Stoff, per Klettverschluß befestigt.

Ausgeleuchtet mit zwei alten Scheinwerfern, zum einen einem „Mettmann – 1.000 Watt“, zum anderen einem „Strand Lighting – 650 Watt“, aufgenommen mit einer Samsung Video-Kamera.

Ständig wechselnde Bilder (Skulpturen) von uns an linker, großer Wand.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

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Gewässer entmüllen: Aufrufaktion mit neuem Internetportal

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flickr.com/ schmilar77/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Naturliebhaber und Wassersportler engagieren sich für Gewässerschutz

Was nutzen Verordnungen und Gesetze, wenn sich ohnehin viele keineswegs dran halten, sogar die Industrie im großen Stil herumtrickst, Schliche und Wege weiß, um völlig legal sich am Umweltschutz nicht zu beteiligen bis hin zu denjenigen, die einfach Müll in der Landschaft entsorgen?

Auf diese Weise ändert sich nicht wirklich nachhaltig etwas, ganz im Gegenteil muß man auch eine Zunahme des Plastikmülls vor allem in Meeren feststellen, trotz kleinster Teile gar in Fischen hält die andauernde Ignoranz an. Dem tritt nunmehr ein neues Internetportal entgegen, per Aufrufaktion Gewässer zu entmüllen, Naturliebhaber und Wassersportler engagieren sich für Gewässerschutz, Gewässerretter lautet ihr Namen.

Viel zu hohe Dunkelziffer bei Müllentsorgung in Gewässern

Trotz einer offiziellen Rückläufigkeit durch Umweltdelikte bei der Müllentsorgung in Gewässern, seien es Plastikabfälle, Ölrückstände, Biozide oder Schwermetalle, muß man von einer viel zu hohen Dunkelziffer solcher Straftatbestände ausgehen. Die Aufklärungsrate ist mit gerade mal 20 Prozent zu gering, um wirksam derartige Verbrechen in die Schranken zu weisen.

Nicht nur der Gesetzgeber, die betroffenen Staaten sind gefragt, sondern letztlich der einzelne Bürger, stets genauer hinzuschauen. Allerdings scheint dies keineswegs auszureichen, da müssen wohl andere Wege ersonnen werden. Gedacht, gesagt, getan.

NABU, die Gewässerretter und REWE bieten Lösungen an

Der in Berlin 1899 gegründete Bund für Vogelschutz (BfV) wurde Jahrzehnte später 1990 zum Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) umbenannt, engagiert sich vielfach, so auch jetzt für die neu ins Leben gerufene Seite „Gewässerretter“.

Am 01. Juni dieses Jahres gab die REWE Group den Plastiktütenverzicht bekannt, zumal bei einer dreimonatigen vorherigen Testphase die Verbraucher selbst diesen Verzicht befürwortet hatten. Somit bieten die REWE-Märkte Baumwolltragetaschen, Kartons, Papiertüten und Permanent-Tragetaschen aus Recyclingmaterial an. Selbst beim Lieferservice erfolgen keine Lieferungen mehr in Plastiktüten.

Wer sich Details der letzten Aktionen, auch Cleanups genannt, ansehen will, wird hier bei „Gewässerretter“ fündig. Umweltverbrechen halten leider weiterhin an, aber je mehr Menschen sich aktiv beteiligen, solche Ideen verwirklichen, um so mehr entsteht ein gewachsenes Umweltbewußtsein, was letztlich auch das Verhalten des Verbrauchers nachhaltig ändern kann.

Lotar Martin Kamm

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Einem neuen Leben entgegenblicken

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Die lange Zeit der Ungewißheit schien mit der neuen Arbeitsstelle wieder langsam in Vergessenheit zu geraten. Die Ängste, die sich während dieser Zeit in sie schlichen, übertrafen sogar den Trennungsschmerz, der das Ende ihrer Ehe ausgelöst hatte, obwohl sie die treibende Kraft war, die dem Zusammenhalt der Familie entgegenwirkte. Deshalb war der lang gewachsene Satz, „Es ist das Beste für uns alle, neue Wege zu gehen.“, für keinen erstaunlich. Gesagt am Küchentisch, abends, in Anwesenheit der pubertierenden Kinder, die längst auch schon den Drang nach Unabhängigkeit spürten, nicht in Bezug auf die Trennung der Eltern, sondern ihrer eigenen Sehnsucht entwachsen, so schnell wie möglich auf eigenen Beinen zu stehen, da man ja bereits so viel wisse.

Chris kaute ruhig weiter, Gespräche hatte es viele gegeben, Versuche an der innigen Liebe wieder anzuknüpfen, neue und alte Träume gemeinsam zu realisieren, aber irgendwo ganz tief im Herzen wußten beide, es waren Versuche, der Einsamkeit zu entkommen, in die sie stürzen könnten, wenn das Gewohnte, Alltägliche nicht mehr den Halt bieten würde, den man braucht, wenn Sorgen und Probleme anstehen. Es war einfach vorbei, daß wußte auch Chris, deshalb bemerkte er in seiner sie ansonsten zur Weißglut bringenden Art: „Da hast du wohl Recht.“

Hatte sie das wirklich, Recht, sie wollte das Recht nicht, sie wollte, wenn sie ehrlich war, wußte sie nicht, was sie wollte, wußte nicht, was sie trieb, warum eine Ehe verlassen, in die sie beide mit so viel Glück hineingestürzt waren, als ob es nie wieder möglich wäre, ein anderes Wasser zu finden, das Körper und Seele gleichzeitig reinigt. Der Schmerz der Unzulänglichkeit, der Unzufriedenheit, die sie sich nicht erklären konnte, ebbte ab, als sie sich dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stellte, Bewerbungen schrieb, Chris half ihr sogar dabei, selbst die Kinder trösteten sie, wenn der Frust über die vielen Absagen sie in die Gedanken, der Nutzlosigkeit abweichen ließ.

Nun war sie auf dem Weg zur zigten Wohnungsbesichtigung, dreißig Kilometer von dem alten Zuhause entfernt. Sie hätte problemlos mit einem Auto diese Strecke fahren können, aber eine eigene Wohnung war ihr wichtig. Zurzeit lebten sie noch alle gemeinsam unter einem Dach. Nicht nur bei ihr Aufbruchstimmung, ebenso bei der Ältesten, die ihr Studium in einem halben Jahr in Berlin beginnen wollte, Kunst, der Bequemlichkeit halber, Sergo, eigentlich Sebastian, hat das Gymnasium verlassen, er mochte unbedingt ins Ausland mit seinem Kumpel, Geld verdienen mit Straßenmusik.

Die Wohnung lag am Stadtrand, idyllisch, kleinbürgerlich, kurz gemähter Rasen, kleine Hecken, höchstens vierstöckige Häuser, vereinzelt kleine Bungalows. Die Wohnung, drei Zimmer, zweiter Stock links, mit großem Balkon, war bezahlbar und sollte auch für die Kinder die Möglichkeit, nicht nur auf Besuch, wenn nötig auch für längere Aufenthalte, Platz bieten. Im Treppenhaus roch es nach Kuchen, nach Gebäck, das hob ihre Stimmung und sie sortierte den Geruch als gutes Zeichen ab, diese Wohnung mieten zu können.

Bevor es wirklich in ihr Bewußtsein drang, war die Wohnung bereits an sie vermietet. Herr Pasteike von der Wohnungsgesellschaft war anwesend und eine ältere Dame, die sich einfach aus unerfindlichen Gründen angeschlossen hatte, als sie die Wohnung zum ersten Mal betrat. Herr Pasteike schien es sehr unangenehm, er unternahm aber keinerlei Maßnahmen, die alte Dame der Wohnung zu verweisen, sondern schien zunehmend unter Zeitdruck zu stehen, schließlich beendigte er die Besichtigung mit dem einfachen Satz: „Kommen Sie morgen um 10 Uhr ins Büro, der Mietvertrag liegt für Sie dort zur Unterschrift bereit.“ Das war’s.

Damit löste sich ihre ganze Angespanntheit, der Umzug verlief wie am Schnürchen, Chris half mit, die Kinder, Verwandte, Freunde und eh sie Abschied, richtigen Abschied nehmen konnte von ihrem alten Leben, dem Haus, ihrem einst so innig geliebten Chris, von den Kindern, wohnte sie bereits zwei Wochen in ihrer Wohnung. Trotz der anstrengenden Tage im Job, bei dem noch so viel Neues täglich auf sie einstürmte, saß sie oftmals abends auf der Terrasse, unausgelastet, nicht wirklich fähig das neue Leben zu verstehen. Es war eher ein Gefühl, vor einer großen Nebelwand zu sitzen, zu müde Willen aufzubringen, die Wand wahrzunehmen, es gab irgendwie kein außen, kein innen, es war wie eine mit Leere ausgestopfte Leere.

Das Haus roch morgens und abends nach Kochen. Es schien fast so, als ob das Haus mit Kochgerüchen tapeziert worden wäre. Nie unangenehm, nicht überlagernd, befremdlich, sich störend, sondern einfach nur das wohlige Gefühl von hungerlosem Appetit auf Geschmack.

Sergio klingelte Sturm, er brauche eine Bleibe, habe sich mit seinem Freund überworfen, weil der plötzlich seine Freundin mit auf die Reise nehmen wollte, das ging gar nicht, kenne die nicht mal einen Monat. Hat Vater gesagt, er solle niemanden mitteilen, wo er sei, er war wütend und er wolle für eine Weile bei Mutter bleiben. Sie hatte nichts dagegen, er solle aber mit ihr gemeinsam morgen Abend ein paar Klamotten von ihm abholen, schließlich könne er nicht dauernd in der gleichen Hose rumlaufen. Typisch Mutter, dachte sie, anstatt ihm endlich die Reise auszureden, war es wichtiger, sich um sein Aussehen zu kümmern.

Nach der Arbeit kaufte sie noch schnell etwas zum Kochen ein, sie hatte seit ihrem Umzug nur Pizzas oder andere schnell zu liefernde Menüs gegessen. Die Küche war noch gar nicht eingeweiht worden. Bevor sie die Haustüre aufschließen konnte, wurde sie von Sergio geöffnet mit seinem besten „Weihnachtsgeschenke auspacken“-Gesicht und einem Schwall von Sätzen, Gesten, sogar einer liebevollen Umarmung eben jener alten Dame, die bei ihrer Wohnungsbesichtigung anwesend war und jetzt mit ihrem Sohn zusammen in dem großen Treppenflur stand.

Sergio war getrieben von Hunger unterwegs zur nächsten Döner-Bude im Treppenhaus auf Frau Seidel gestoßen, als diese gerade den großen weißen Schrank, der hinten neben dem Ausgang zum Garten stand, mit ihren neuen Kochkreationen füllen wollte. Etwas verwundert über den Inhalt des Schrankes, der sich auf der linken Seite als Kühlschrank entpuppte und rechts voll mit Regalen war, auf denen Kuchen, Torten, Marmelade, Saucen und allerlei andere Köstlichkeiten standen. Frau Seidel bot ihm von ihrem neuen Rezept, einer Sachertorte, ein Stück an, um seine Meinung zu hören und wohl auch, um den nach außen hin wirkenden völlig ausgemergelten jungen Mann bei Futter zu halten.

Frau Seidel war verwitwet, finanziell unabhängig, da sie mit ihrem Mann zusammen ein großes Hotel geführt hatte, die Kinder schön längst auf eigenen Beinen stehend, hatte sie vor fünf Jahren beschlossen, aus ihrer Villa mit Seeblick auszuziehen. Aus Langeweile fing sie irgendwann an, die Speisen, die sie in den vielen Kochshows im Fernsehen gesehen hatte, mit- und nachzukochen. Ihre Haushälterin hat all die vielen Köstlichkeiten, die zu der Zeit in ihrer Küche durchbrutzelten, backten, entstanden, stets mitgenommen, so daß nur weniges in der Tonne landete.

Denn Frau Seidel konnte sich einfach nicht mit kleinen Portionen abgeben. Als die Haushälterin verstarb, war für sie selbst auch eine Welt zusammengebrochen, denn mit ihrem Tod verließ ein Teil ihres Lebens das Haus. So hat sie ihrer ungewissen Zukunft, die Kinder sprachen bereits von Altenheim, es gäbe da sehr schöne Altersruhesitze, ein Schnippchen geschlagen und in einer spontanen Idee dies Haus hier gekauft. Hier koche sie sich durch alle Arten von Speisen und fülle den hinteren Schrank, der entweder von den Hausbewohnern oder von dem Fräulein, das für eine karitative Einrichtung arbeitet, immer wieder rechtzeitig geleert werden würde, so daß inzwischen keine ihrer Kochbemühungen mehr in irgendeiner Tonne landen würden.

Auch würde sie durch das Kochen nicht ärmer werden, denn ihre Villa sei vermietet und die Mieteinnahmen dieses Hauses würden all ihre Kosten decken. Sergio war so hingerissen von, ja, ob von Frau Seidel oder ihren Kochkünsten, wer weiß das so genau im Nachhinein, daß er an jenem Tag mit ihr zusammen in der Küche stand, Handreichungen machte, probierte, abschmecken half und abends sicher war, den Beruf des Kochs erlernen zu wollen. Soll sein Freund doch alleine auf Reisen gehen, schließlich hätte er ja seine Freundin an seiner Seite.

Wenn sie jetzt manchmal an den Wochenenden oder abends in ihrer neuen Wohnung saß, die Ungewißheiten der Vergangenheit ab und an noch spürbare Schlingen auswarfen, ob alles so auch richtig war, half ihr der Gedanke an ihren Sohn, der mittlerweile im Gartenhaus sich befand, das Frau Seidel für ihn hat ausbauen lassen, damit er in ihrer Nähe sein und nach seinem anstrengenden Tag in der Hotelküche von ihr extra beköchelt werden konnte und um mit ihm über ihre neuen Rezepte fast den Schlaf und auch seine Mutter vergaß. Können Unwägbarkeiten, die wir anfangs nicht benennen können, warum sie uns aufsuchen, dafür da sein, auch anderen einen Weg zu bahnen? Sie schlief neben der Nebelwand ein, die längst nur noch aus dünnen Nebelschwaden bestand und freute sich auf das Wochenende bei Chris und ihrer Tochter.

Doris Mock-Kamm

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