Einen Bärendienst erweisen

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Gefährlich ist ein dummer Freund – weit besser ist ein weiser Feind

Haben Sie schon einmal jemandem einen Bärendienst erwiesen? Sind jemanden zu Hilfe geeilt und haben dabei mehr Unheil angerichtet als geholfen? Sicher kann es jedem passieren, denn oft wird in akuten Situationen das Hirn ausgeschaltet und man reagiert einfach. Natürlich auch mit erfolgreichem Ergebnis, und manchmal bündeln Menschen in diesen Momenten Kräfte, die über ihre eigentlichen körperlichen Leistungsfähigkeiten weit hinausgehen.

„Gesagt, getan: es packte der treue Fliegenwedel
einen Pflasterstein und warf ihn – hui –
die Fliege tötend, dem Mann auf den Schädel;
ein guter Schütze, doch ein schlechter Denker,
ward er dem Schläfer jäh zum Henker.
Gefährlich ist ein dummer Freund;
weit besser ist ein weiser Feind.“

(Jean de la Fontaine 1621-1695, Die Fabeln, Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf-Köln, 1964)

Die eigentliche Bedeutung des Sprichwortes, jemanden durch falsche Hilfe schaden, Gutes tun wollen, aber das Gegenteil erreichen, mit seinem Handeln mehr Schaden anrichten als nützen.

In der Fabel geht es um die Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Bären. Bären wurden gerne als drollig, gutmütig in vielen Geschichten dargestellt, erinnern wir uns an den Charakter von Balu im Dschungelbuch und unvergessen das Lied: „Probier´s mal mit Gemütlichkeit.“

Der Bärendienst in komischer Form wird oft in Slapstick-Filmen oder Comics benützt, um die Tollpatschigkeit von unseren Mitmenschen aufzuweisen. Dick und Doof, Pat und Patachon, Charly Chaplin, Buster Keaton, bei manchen Disney-Figuren, Tim und Struppi, Asterix und Obelix, um nur einige zu nennen. Es amüsiert uns zu sehen, wenn Mißgeschicke von anderen in guter Absicht ausgeführt werden, wir fallen der Schadenfreude anheim, jedenfalls solange bis es nicht dramatische Folgen auf sich zieht und nicht jemanden betrifft, den wir gern haben. Allerdings mag es den ein oder anderen geben, die sich sogar am Unglück beteiligter Personen ins Fäustchen lachen.

Die Redensart, jemanden einen Bärendienst erweisen, ist direkt über die Fabel von Jean de la Fontaine in unseren Sprachgebrauch übernommen worden. Je nachdem ob wir in der Rolle des Menschen oder des Bären gesehen werden, wird es genügend Gesprächsstoff geben, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, eigentlich genügt schon dieser Gedichtausschnitt.

„Gefährlich ist ein dummer Freund; weit besser ist ein weiser Feind.“

Nicht immer kann man im Vorfeld erahnen und wissen, ob ein Freund ein dummer Freund ist und ob ein weiser Feind wirklich nützlich ist, um zu mehr Erkenntnissen zu gelangen.

Doris Mock-Kamm

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NATO-Gipfel verdeutlicht alte Konzepte der Abschreckung

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Feindbild Russland Mittel zum Zweck

Dabei frohlocken die USA, endlich Europa dortigst zu wähnen, wo es den Hardlinern genehm. Hauptsache ein lang angelegtes, somit bewußt inszeniertes Feindbild wird aufrecht erhalten.

Was früher die alte UdSSR, der man mit rauher Hand und NATO-Doppelbeschluß noch fleißig wettrüstend gegenüberstand, durfte per Zwischenstadium ein Michail Gorbatschow gerade noch freundlichst glattbügeln per wirkungsvollen Mauerfall, jedoch nur historisch kurzweilig andauern sollte, um Wladimir Putin als personifizierten Inbegriff des Bösen anzuprangern. Der jüngste NATO-Gipfel in Warschau verdeutlicht alte Konzepte der Abschreckung, sie rüstet auf!

Medienpropaganda offensichtlicher denn je

Unfaßbar jene Dreistrigkeit, die nonchalant immer größere Wellen schlägt, um noch mehr Menschen aufzuwiegeln, den ganzen Haß abzuladen in der Bevölkerung, derweil genügend Wachsame vorhanden, die sich nicht blenden lassen von dermaßen offensichtlicher Medienpropaganda.

Genauso wie dieser Artikel, bei dem gleich eine NATO als Dienstleister des Friedens tituliert wird. Der Autor schlägt gar vor, aufgrund ihres angeblichen Verdienstes, daß Europa jahrzehntelang in Frieden verweilen durfte, sie mit dem Friedensnobelpreis belohnt werden solle. Keine Silbe über den Jugoslawienkrieg, in dem diese NATO und ebenso die rot-grüne Bundesregierung sich nicht gerade mit Ruhm bekleckerten, obendrein wähnt Casdorff den Ukraine-Krieg als „unerklärlich“, obwohl die USA mit freundlicher Genehmigung der EU den Maidan-Putsch initiierten, um die verständliche Folgereaktion Russlands als Aggression hinzustellen. Beste Vorrsausetzung für diese „Art Doppelbeschluß“.

Deutschland täte gut daran, sich neutral zu verhalten

Ganz anders und wesentlich nüchterner äußert sich Michail Gorbatschow, der die Rhetorik der NATO gen Russland als Kriegserklärung wertet. Na endlich wird ausgesprochen, was schon lange geschieht. Was Außenminister Steinmeier neulich entglitt, versuchen zwar die ewig gestrigen Kriegsschürer wieder zu relativieren, dennoch sollte gerade die BRD sich eher neutral verhalten, profitierte sie doch vom russischen Entgegenkommmen beim Fall des Eisernen Vorhangs.

In Wirklichkeit aber fördert die NATO bekanntlich den Fortgang der US-amerikanischen Destabilisierung Europas, um Russland mit allen Mitteln zu provozieren. Die angebliche Bedrohung Russlands entpuppt sich als Alibi des Westens, der NATO einen Freifahrtschein erneuter Aufrüstung zu gewähren. Verständlich, daß Putin den NATO-Gipfel verurteilt.

Andererseits gibt der Russland-Experte Peter Schulze zu Bedenken, die NATO befinde sich in einem Spagat mit ihrem Vorhaben der Abschreckung und Dialogsuche, ein Zurück zur politischen Symbolik alter Rezepte wie die NATO-Erklärung von Harmel sei verkehrt, alldieweil mittels des Helsinki-Prozeßes doch gelöst wurde.

Deshalb Ratlosigkeit sich manifestiert, eine SPD sich auf völlig falschem Kurs befindet mit ihrer „treudoofen Gefolgschaft“, den USA blindlings zu folgen, anstatt eigene, vergangene Bemühungen zu reflektieren. Insofern muß man Schulze zustimmen: Die Politik ist am Zug, endlich richtige Entscheidungen zu treffen, weg von dieser Rüstungsspirale, die just Frau Merkel zusammen mit dieser Kriegs… äh…Verteidigungsministerin aufgreift, ein Kadavergehorsam, der gen Himmel stinkt!

Lotar Martin Kamm

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Butter bei die Fische

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Heraus mit der Sprache

Jetzt aber mal Butter bei die Fische! Und? Sie sind ja ganz ruhig! Kein Interesse jetzt die Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, über das Geschreibsel von querdenkende.com ihre Meinung zu äußern? Fällt Ihnen nichts ein? Rein gar nichts? Na, dann kann man Sie regelrecht beglückwünschen, so zufriedene Mitmenschen findet man selten. Oder wir haben bis jetzt alles richtig gemacht, dann ist ja alles in Butter!

Butter, wieder mal so ein Fremdwort, das wir täglich und vielleicht bei dem ein oder andern Haushalt schon morgens beim Frühstückstisch in den Mund nehmen und uns keinerlei Gedanken hingeben, warum wir das gelbe Fett, das unter anderem so herrlich dafür zu gebrauchen ist, eine für Konfitüre oder Gelee brauchbare Untergrundschicht zu Brot oder Brötchen herzugeben. Oder dafür geeignet ist, den Kuchen besser schmecken zu lassen.

Mittelhochdeutsch buter, althochdeutsch, butera, über das Vulgärlateinische butyrum vom Griechischen boútyron, Kuh, Rind, eigentlich Quark aus Kuhmilch (Duden). Im französischen wird je bous gleich für mehrere Tätigkeiten in der Küche gebraucht, ich koche, ich siede, ich walle, ich brause.

Direkt nachvollziehbar, warum auf die Butter in etlichen Redewendungen Bezug genommen wurde, ist im Nachhinein allgemein nicht erklärbar, denn einerseits kann es sich bei der Butter um ein wertvolles Lebensmittel gehandelt haben oder um ein Lebensmittel, das überall zur Verfügung stand und somit täglich in Gebrauch war. In der angewandten Sprache finden wir öfters den Bezug auf Butter, so daß es uns mitunter gar nicht mehr auffällt, wie oft und bei welcher Gelegenheit wir, außer beim Frühstücktisch und um den Einkaufszettel zu schreiben, Butter erwähnen.

Jemanden nicht die Butter auf dem Brot gönnen, nicht die Butter vom Brot nehmen lassen,  wie warme Butter, wie Butter in der Sonne, die beiden oben erwähnten, Butter bei die Fische, alles in Butter und die eventuell weniger bekannten, Butter auf dem Kopf haben und bei jemanden liegt der Kamm neben der Butter, sind schon eine ganze Menge Butter, die da so mir nichts, dir nichts, sprachlich verteilt werden.

Jeder wird sicher so seine eigene Vorliebe bei der Anwendung der oben genannten Sprichwörter haben und sie bei der passenden Gelegenheit einsetzen. Zu keinem der erwähnten Redewendungen gibt es eine eindeutige Erklärung, es sind lediglich Vermutungen.

Butter auf dem Kopf haben, bedeutet, ein schlechtes Gewissen haben, soll sich darauf beziehen, daß Frauen die Butter in Körben auf dem Kopf zum Markt trugen und falls die Sonne schien, sie nicht schnell genug unterwegs waren, mit dem Ergebnis, daß die Butter geschmolzen war, als sie auf dem Markt ankamen, dann hatten sie ein schlechtes Gewissen, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Den Kamm neben der Butter liegen haben, klar, bezieht sich auf einen unordentlichen Haushalt. Wie warme Butter und auch wie Butter in der Sonne soll verdeutlichen, jemand schmilzt dahin, ist rührselig, sehr schnell nachgiebig. Jemanden nicht die Butter auf dem Brot gönnen, neidisch sein. Nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, sich nicht alles gefallen lassen. Butter bei die Fische, Sachverhalt klären, mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Norden Deutschlands, dafür spricht auch die falsche Grammatik, Butter kommt erst kurz vor dem Servieren über den Fisch, also in etwa, zur Sache kommen, die Wahrheit sagen, sich aussprechen.

Und zu guter Letzt: alles in Butter, alles in Ordnung. Sie haben diesen Text gelesen oder zumindest überflogen, was will man als Schreiberling mehr. Ach so, die Erklärung, da dürfen Sie sich es sich aussuchen, welche Ihnen am wahrscheinlichsten vorkommt. Bei häufigem Wechsel der verschiedenen Adelssitze soll das gute Geschirr in Butter eingelassen worden sein, und selbstverständlich wurde am Ankunftsort nachgefragt: Alles in Butter? Eventuell auch durch den Transport von Muranogläsern über die Alpen zu den verschiedenen Fürstenhäusern. Die andere Variante dieser Redensart könnte von einem Berliner Gastwirt stammen, der ein Schild mit: Alles in Butter! an seinem Schaufenster angebracht hatte, um damit seinen Kunden mitzuteilen, bei ihm wird alles mit Butter gekocht oder gebacken.

Es ist Zeit für die Butter bei die Fische! Guten Appetit!

Doris Mock-Kamm

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Fußball-EM 2016: Portugal bezwingt die Equipe tricolore

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Éder schießt in der 109. Spielminute das entscheidende Siegtor

Nach dem alten Reglement einer Fußball-EM wäre Portugal als Drittplatzierter in seiner Gruppe F längst rausgeflogen nach der Vorrunde. Jedoch seit dieser 15. EM sind mit 24 nicht nur 8 Mannschaften mehr im UEFA Euro-Wettbewerb, so die offizielle Bezeichnung, sondern die vier Dritt-Bestplatzierten der sechs Gruppen erhielten das Ticket zum Achtelfinale, Portugal war auch dortigst gerade noch die Nummer Drei vor Nordirland.

Einerlei, im 51. Spiel, dem gestrigen Finale, bezwang das südwest-europäischste Land auf der iberischen Halbinsel im Pariser Stadtion St. Denis den Gastgeber Frankreich, die Equipe tricolore unterliegt, weil Éder in der 109. Spielminute das entscheidende Siegtor schießt.

Fünf Siege und ein Unentschieden mit 13 Toren zum Endspiel

Frankreich gelang mit seinen 13 Toren ins Finale. Jedoch führten sie nach der Vorrunde die Gruppe deutlich an mit ihren 7 Punkten, bezwangen in zwei Gruppenspielen Rumänien mit 2:1, Albanien mit 2:0, mußten sich mit einem 1:1 gegen die Schweiz zufrieden geben. Im Achtelfinale lagen sie nach der ersten Halbzeit gegen die Überraschungsmannschaft Irland (ebenso hinterher Gruppendritter wie Portugal) mit 0:1 hinter ihren Erwartungen, konnten sich aber am Ende mit 2:1 durchsetzen. Ihr nächster Gegner Island legte ohnehin einen guten Start hin, immerhin nach der Vorrunde in derselben Gruppe F wie Portugal Zweiter wurde.

Allerdings stellte die Nationalmannschaft Frankreichs seine Klasse unter Beweis, bezwang Island sehr deutlich im Viertelfinale mit 5:2, um im Halbfinale noch eins draufzusetzen, den Weltmeister Deutschland mit 2:0 aus dem Wettbewerb zu fegen.

Drei Siege und drei Unentschieden mit 14 Toren am Ende Sieger

Die Seleção tat sich zunächst mal schwer, in der Vorrunde reichte es nur für drei Unentschieden, gegen Island 1:1, die Partie gegen Österreich blieb mit dem 0:0 torlos und dem stark aufspielenden Ungarn, welches in der Gruppe F am Ende Gruppenerster wurde, setzte Portugal eine deutliche Grenze mit dem erzielten 3:3.

Im Achtelfinalspiel konnte man schon bangen, daß in der Verlängerung die Kroaten sie bezwingen, doch am Ende gelang Ricardo Quaresma in der 117. Spielminute der Siegtreffer. Die Dramatik nahm ihren Lauf, während in keinem seiner bisherigen sechs Spiele bis zum Finale ohne Verlängerung auskam, mußte Portugal im Viertelfinale ein zweites Mal sich beweisen, nach dem 1:1 erfolgte das Elfmeterschießen gegen die starken Polen, welches mit 5:4 Portugal für sich entschied. Zunächst dachte alle Welt, die dritte Überraschungsmannschaft Wales würde die Portugiesen im folgenden Halbfinalspiel stoppen, jedoch endete deren Traum von einem ersten Finalspiel, verlor Wales mit 0:2 ziemlich deutlich.

Portugals zweiter Anlauf fruchtete – Alltag nach dieser Fußball-EM

Vor zwölf Jahren stand Portugal das erste Mal in einem Finale der EM, genauso wie in der Gruppe A, wo sich die beiden Finalisten anfangs begegneten, Griechenland das Gastgeberland Portugal in der ersten Partie dieser EM mit 2:1 bezwingen konnte, endete die Niederlage Portugals, in der 57. Minute erzielte Angelos Charisteas den Siegtreffer für die Griechen, die somit zum ersten und einzigsten Mal Fußball-Europameister wurden.

Mit dem Foul gegen Christiano Ronaldo in der achten Spielminute durch Dimitri Payet, was man gar als gezielte Absicht werten kann, welches der englische Schiedsrichter bezeichnenderweise nicht mit einer gelben Karte ahndete, war die Seleção beinahe schon geschlagen, nachdem ihr Kapitän Minuten später weinend per Bahre vom Platz getragen werden mußte. Jedoch genau das beflügelte die Portugiesen mit entsprechendem Biß der Equipe tricolore zu trotzen, deren vielen Angriffe letztlich nicht fruchteten. Am Ende unterlag sie Portugal.

Und in Frankreich? Schon zu Beginn dieser EM herrschte ein simpler Stellvertreterkrieg der Hooligans auf den Straßen Frankreichs, von einer möglichen Terrorgefahr ganz abgesehen, die zum Glück letztlich ausblieb. Gleichwohl folgten während der EM etliche Proteste gegen die Regierungspolitik von Hollande, der meint, er könne es der BRD gleichtun mit Sozialabbau und Lohndumping. Der Alltag wird schnell wieder einkehren, im nächsten Jahr wählt unser westlicher Nachbar seinen 20. Präsident oder unter Umständen die erste Präsidentin.

Lotar Martin Kamm

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Einen an der Waffel haben

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Zuviel Dilettantismus verhindert fruchtbare Denkanstöße

Irgendwie und irgendwann hat man immer mal wieder einen Menschen getroffen, der einen an der Waffel hatte. Das führte zu leichten oder heftigen Kopfschütteln, einem kurzen Ärgernis, das meistens schnell wieder vergessen wurde, da es nicht von großer Bedeutung war, sich darüber lang und breit auszulassen.

Grob eingeteilt in zwei Arten gab es die, die generell nicht alle Tassen im Schrank haben oder diejenigen, bei denen Hopfen und Malz verloren sind, weil sie bewußt „einen an der Waffel haben“, für ihre wie auch immer geartete Ziele benutzt haben.

Bei erstgenannten ist es natürlich ein leichtes, diese Menschen zu diffamieren, zu belächeln, sich über sie lustig zu machen, weil ihnen der Verstand fehlt für kausale Zusammenhänge. Selbst heute noch werden Menschen, die an einer geistigen Behinderung leiden, als Deppen bezeichnet. Vielleicht weiß der ein oder andere noch, als es nahezu in jedem Dorf einen Dorfdeppen gab, wie oft diese Menschen zum Spielball höhnischer Beleidigungen wurden und dem Gespött ganzer Kindergenerationen.

Bei den zweitgenannten, die bei denen Hopfen und Malz verloren sind, findet man eher die Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen dem „einen an der Waffel haben“ bedienen, um sich dadurch Vorteile und Erfolge zu ergattern. Denn hierzu zählen Menschen, die durch ihre spitze Zunge oftmals mit hinterhältigen Anspielungen Unfrieden stiften.

Einen an der Waffel haben, ist laut den Ausführungen der Gebrüder Grimm auf den Ausdruck für den Mund als Waffe zurückzuführen. Genauer auf das Wort waffen, beziehungsweise waffeln, die in etwa die Bedeutung von Unsinn schwätzen haben. Die englischen Wörter to waffle, schwafeln und waffle, Geschwätz, deuten ebenfalls darauf hin. In unserer heutigen Sprachanwendung ist das Wort Geschwafel noch in Gebrauch für belangloses, unzusammenhängendes Gerede. Den kausalen Zusammenhang zwischen Mund und Waffe stellten die Gebrüder Grimm durch das Auf- und Abbewegen des Unterkiefers beim Sprechen an. Waffeln, waffen ist eher ein Lispeln, Flüstern, Stammeln, Murmeln. Dem Schwafler ist oft Böswilligkeit zu unterstellen, da er nicht offen, laut und deutlich seine Meinung kundtut und durch das Flüstern oftmals seinen Äußerungen einen Hauch von Geheimnis anheftet.

Zurzeit beschleicht einem immer öfter das Gefühl, von einer regelrechten Horde von Schwaflern umgeben zu sein, sodaß eine regelrechte Sprachlosigkeit, auch ob der vielen Anhänger dieser Schwafler sich in vielen Bevölkerungsschichten breit macht. Es bleibt vielen Menschen zunehmend einfach die Spucke weg, über den Unverstand und Dilettantismus einer immer größer werdenden Anzahl von Menschen, die auf sämtliche Phrasen, Parolen der Schwafler hereinfallen und den größten Unsinn für bare Münze nehmen. Bei einigen Menschen mag es daran liegen, denen da oben oder worauf auch immer sie mißgünstig gestimmt sind, es mal zu zeigen, weil sie selbst nicht in der Lage sind, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und sie zu analysieren, weil sie mit gehässigen Zoten geeigneter ihren Frust befriedigen können.

Wer schon einmal einen Menschen getroffen hat, dem die Spucke weg blieb, aufgrund eines Schockes oder einer weniger dramatischen Situation, der weiß, daß diese Menschen im günstigsten Fall recht schnell wieder ihre Sprache finden, tun sie das aber nicht, kann dies zu einer über tage- oder wochenlange Störung führen, in denen die Menschen langsam wieder lernen zu sprechen und sie über stammeln, flüstern, murmeln wieder zu ihrem Wortschatz finden.

Während also einige schwafeln, flüstern, stammeln, um andere Menschen intrigenhaft zu verletzen, einen an der Waffel haben, weil sie in bösartiger Form ihre Interessen durchsetzen wollen und andere flüstern, stammeln, murmeln, sie ihre Sprache verloren haben, wird es da nicht Zeit, den Schwaflern gemeinsam entgegenzutreten, indem man ihnen keine Beachtung schenkt, sondern die Beachtung all jenen zukommen läßt, die noch die Möglichkeit haben, Gehör zu finden und mit neuen Ideen und Gedankenanstößen dazu beitragen können, konstruktive Lösungen für die anstehenden Probleme in sozialen, wirtschaftlichen, politischen Bereichen zur Diskussion stellen?

Doris Mock-Kamm

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Humor schlägt Brücken in aussichtslosen Zeiten

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Vom Witz zur Satire, von der Glosse zum Zynismus

Was haben wir gelacht, es schmerzte gar der Bauch, weil fast verkümmerte Muskelstränge sich schlagartig und über einen längeren Zeitraum zusammenzogen beim Betrachten der Stummfilme mit Charlie Chaplin, Dick & Doof, eines Karl Valentin oder eines Peter Ustinov, dessen trockener englischer Humor besonders tiefsinnig eine Pointe nach der anderen jagte.

Medium Film oder Schauspiel vermag dies dem Zuschauer live und direkt vermitteln, beim Lesen einer Satire, Parodie oder Glosse spielen währenddessen unsere eigenen Bilder und Assoziationen im Kopf eine Rolle, um so eindringlicher vermögen wir mit gewissem Abstand, sie entsprechend gelassener zu analysieren. Im Ergebnis erreicht der gemeinsame Nenner, der Humor uns Menschen, schlägt dieser oft Brücken in aussichtslosen Zeiten.

Bierernst oder einfach nur rechthaberisch?

Wer legt fest, in wie weit künstlerische oder schriftstellerische Freiheit gehen darf, sich nach außen zu präsentieren? Im schlimmsten Fall eine Zensur bishin zum Verbot. Ansonsten vermögen Texte der Leserschaft durchaus unterschiedlich begegnen. Während der eine meint, scharfe Trennlinien und somit Maßstäbe setzen zu müssen, was z.B. eine Glosse darf, sollte oder beinhalten mag, übt der andere eine gewisse Nachsicht, läßt mehr Toleranz walten.

Beispiel gefällig? Sven Kummereincke schrieb fürs Hamburger Abendblatt die Glosse „La Merkel befahl la Niederlage“. Ein bierernster oder einfach rechthaberischer Besserwisser mag hierbei die Glosse an sich in Frage stellen. Kann man ohne weiteres. Aber werden wir dem Autor dabei auch gerecht? Geht es nicht vielmehr um die Botschaft von Inhalten, einer Hinterfragung bis hin, den Spiegel der Gesellschaft selbst vors ratlose Gesicht zu halten? Unbedingt. Genau das ist ihm mit Bestimmtheit gelungen, gerade in Zeiten verschwörungstheoretischer Machenschaften, die sogar tatsächlich zutreffen mögen im ein oder anderen Fall.

Situationskomik und abgrundtiefe Traurigkeit – eine Symbiose nicht ohne Folgen

Die besonders bei Clowns einhergeht. Sie sind es, die uns zwar zum Lachen bringen, dennoch äußerst scharf und hintersinnig uns Menschen letztlich vorführen. Manch einer verinnerlicht dies, bemerkt die Botschaft, andere wiederum wollen einfach nur unterhalten werden, alldieweil auch bei Clowns unterschiedliche Ambitionen stecken.

Das weite Feld des Humors läßt viele Facetten gelten, wenn er denn freimütig zugelassen wird, ohne den moralischen Zeigefinger beim geringsten Anlaß emporzuheben. Kritik erwünscht, aber konstruktiv sollte sie schon sein, will man am Ende nicht als Spaßbremse gelten.

Manchmal sollte man nicht nur die Kirche im Dorfe lassen, sondern bedenken: Humor darf keinesfalls verlorengehen in einer Welt voller gegenseitiger Gewalt. Welch Gratwanderung! Freude und Tod so dicht beieinander, wer mag hierbei noch lebensfroh in die Zukunft blicken? Optimisten, Karikaturisten, Satiriker und alle Kunstschaffende, erhebt Euch und sagt Nein zu solch Aussichten!

Lotar Martin Kamm

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Lucinde auf Kur

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Lucinde
reist mit ihrem Gesinde
wie jedes Jahr
zur Kur nach Spa.

Die Reise ist beschwerlich
und nicht ganz ungefährlich,
Mann, Kinder bleiben zu Hause,
sie genießt diese Pause

weit entfernt von der Heimat,
ein neues Leben findet statt.
Nicht die Bäder, Massagen
erquicken sie über Maßen,

sie hat viele Freunde hier,
sonnt sich mit ihnen im Spalier
auf der großen Terrasse,
damit man niemanden verpasse,

über den man mal reden kann,
arglos und ohne Belang.
Solange es einen nicht betrifft,
sprüht man ein klein wenig Gift.

Man kann ja nicht jeden mögen,
Lästern ist auch Gott gegeben.
Hier sind Sitte und Anstand
manchmal nur ein Vorwand,

um völlig ungezwungen
nicht nur den Zungen,
sondern auch den Körpern
Blöße zu geben, zu verwöhnen.

Die Zeit der Kur rennt vorbei,
Lucinde kauft noch allerlei
für die Liebsten, das Gesinde
trug all die Zeit eine Augenbinde,

es sich ja nicht versünde
ob der vielen Abgründe,
die sie zu Gesicht bekamen,
nächstens wollen erneut mitfahren.

Frisch erholt fährt Lucinde
Richtung Heimat ganz geschwinde,
die Zeit möge eilen,
um nochmals in Spa zu verweilen.

Nafia

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