Zutexten lassen – ein nerviges Unterfangen

https://pixabay.com/de/sprechen-sprache-schweigen-k%C3%B6pfe-140053/

pixabay.com

Neue Themen schaffen Abhilfe

Fühlen Sie sich auch manchmal zugetextet? Zutexter gibt es schätzungsweise in jeder Familie, Bekanntenkreis, Gruppe oder wo immer eine Ansammlung Menschen sich treffen. Sie treten völlig altersunabhängig als Frau oder Mann, frei vom Bildungs- Gesellschaftsstand, aus allen sozialen Schichten auf. Kein Thema, das nicht von der Betrachtung eines Staubkornes in die Welten des Alls führt, dabei ist es sehr oft unerheblich, ob es um reine Spekulationen oder fundierte wissenschaftliche Exkursionen handelt. Der Zutexter kann einfach nicht den Schnabel halten, auch auf die Gefahr hin, daß keiner ihm mehr zuhört oder nur einen kleinen Teilausschnitt seiner Ausführungen bei den anderen ankommt.

Es ist immer wieder erfreulich, wie einfach Sprache aufgebaut ist, versucht man die Hintergründe für einen Begriff zu verstehen. Text, aus dem Lateinischen textus, Inhalt, zusammenhängende Worte einer Schrift oder das Gewebe der Rede, übernommen von texere, weben, flechten. Ein guter Redner sowie ein gut geschriebener Text vermögen durch die Wortwahl und Satzfolgen genauso gut spannungsgeladene, aufregende, betörende, traurige Gefühlsmomente auslösen, die dem Zuhörer oder dem Lesenden den Eindruck des selbst Erlebten vermitteln. Sie weben mit ihren Worten Decken, Teppiche voll umhüllender Leichtigkeit oder Schwere.

Über die Thematik der guten Rede und deren Vertreter gibt es, wie soll es auch anders sein, zuhauf Bücher, Abhandlungen, gleichwohl wie über Qualität der angewandten Sprache in der Literatur. Selbstverständlich gibt es ganze Regalwände voll Bücher in Bibliotheken oder Buchhandlungen, um die Kunst des Redens und der guten Schreibweise zu erlernen. Vorträge werden veranstaltet, auf denen Tipps und Tricks verraten werden, Angebote von Redenschreiber finden sich in Zeitungen, und natürlich gibt es Kursangebote, um das freie Sprechen und Schreiben guter Texte zu erlernen.

Aber alle Mühen der sich Bildenden an guter Sprache oder der perfekten Rede nützen wenig, wenn nicht die Kunst des Talents in ihnen steckt. Denn wie bei allen anderen Tätigkeiten kann es zwar von Vorteil sein, eine gewisse Technik, Handhabung zu erlernen, die Kunstfertigkeit aber liegt in der Begabung, die Decke so zu weben, daß ihre Material-, Farb- und Musterwahl mit dem Adjektiv perfekt umschrieben werden kann.

Perfekt, fehlerfrei, makellos, mustergültig, vollkommen, tadellos, aus dem Lateinischen perficere, vollenden. Dem ist nichts hinzuzufügen, es ist ein für sich geschlossener Kreis. Jedes mehr oder weniger würde die Harmonie, das Gleichgewicht stören. Nur etwas völlig Neues kann dann, wenn überhaupt, damit konkurrieren. Wer selbst webt, schreinert, schraubt, zeichnet, musiziert, Sport betreibt, singt oder irgendein anderes Gewerbe ausübt, kennt diese Situation, dabei ist es oft nicht entscheidend, ob die Perfektion sich über das gesamte „Gewebe“ erstreckt, ausschlaggebend ist das Gesamtwerk.

Die Kunst des Zutexters ist deshalb nicht auf seine inhaltswichtigen Themen zurückzuführen, sondern auf die Gabe, in jedem noch so unwichtigem, längst bis zur Verzweiflung ausdiskutiertem Thema immer noch eine bis dahin scheinbar nicht berücksichtige Ansammlung von Thesen und Erklärungen ins Feld zu führen. Die einzige Chance den Redefluß dieser Menschen zu stoppen, ist nicht, Argumente vorzubringen, sondern selbst ein Thema zu weben, außer Sie genießen mit Freuden einem Stimmklang, der Sie melodisch in eine Entspannung führt, ähnlich einer meditativen Musik.

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Hartz IV: Geplante Reform ein Desaster – Interview mit Martin Behrsing

https://www.flickr.com/photos/missmuffin/43343368/sizes/z/

flickr.com/ Miss Muffin/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Hoffnung oder Resignation? Was meint der Presse-Sprecher des ELO-Forums?

© Martin Behrsing

© Martin Behrsing

Im Jahre Elf nach Inkrafttretung der Hartz-IV-Gesetze hat sich mitten in Europa in Deutschand der große Wurf keinesweg eingestellt, der unter der rot-grünen Regierung mittels vollmundiger Versprechen initiiert wurde. Außer per getrickster Statistiken, die eher vorgaukeln, daß die Fortsetzung jener Sozialreform unter der erneuten Großen Koalition im Grunde ein Vertrauensbruch bedeutet, anstatt eine tatsächliche Verbesserung all jener, die an den Rand der Gesellschaft verharren müssen.

So beweist auch Andrea Nahles, daß die SPD sich von einer ausgewogenen, behutsamen Sozialpolitik längst verabschiedet hat, wir zuletzt Ende Januar dieses Jahres berichteten. Die noch in den Schubladen unter Verschluß verweilende geplante Reform verspricht alles andere als Erleichterung für Betroffene, wie auch die ARD-Sendung „Report Mainz“ schilderte.

Grund genug, den Presse-Sprecher des ELO-Forums, Martin Behrsing, entsprechend zu befragen, wie aus seiner Sicht diese Entwicklung einhergeht, vor allem wegen seines Erfahrungsschatzes im Austausch etlicher Betroffener. Da wir vor einigen Jahren mal in einem Fall intensiv kooperierten, uns austauschten, führen wir hier dieses Interview eben nicht in förmlicher Anrede.

Lotar Martin Kamm: Unabhängig von dem ständig verweilenden Damoklesschwert etlicher Sanktionen, die oftmals einer Erpressungspolitik gleichkommen, Hartz-IV-Bezieher gefügig machen sollen, verweilt diese Bundesregierung im geheimen Prozedere der angeblichen Rechtsvereinfachungen im Hartz-IV-System, wovor du schon im Herbst 2014 gewarnt hattest, Andrea Nahles den Erwerbslosenverbänden eine Abfuhr erteilte. Verhärten sich jetzt die berechtigten Befürchtungen?

Martin Behrsing: Die Befürchtungen sind leider zur traurigen Wahrheit geworden und werden im Juni dann zum Gesetz. Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass es von Seiten Andrea Nahles überhaupt kein Interesse gab, mit den betroffenen Organisationen zu sprechen. Denn es ging nicht um Rechtsvereinfachung, sondern nur darum, Kosten einzusparen und Beziehern von Sozialleistungen noch mehr Rechte zu nehmen. Eine ähnliche Entwicklung haben wir ja auch jetzt beim sog. Integrationsgesetz gesehen. Auch hier ging es nicht um Integration, was ja von beiden Seiten ein aufeinander Zugehen bedeutet, sondern nur um Assimilation.

Lotar Martin Kamm: Überprüfungsanträge möglicher Versäumnisse und Fehler in Bescheiden werden folglich schon bald nicht nur beschnitten, sondern darüber hinaus den Betroffenen die Möglichkeit faktisch genommen, diese einzufordern. Letztlich Jobcenter zu entlasten zu Ungunsten der Hartz-IV-Bezieher, sie leer ausgehen, keine Nachzahlungen folgen werden?

Martin Behrsing: Es bewahrheitet sich leider immer wieder: Hartz IV ist das Produkt der neoliberalen Politik. Es geht letztendlich nur darum, den überflüssig gemachten Teil der arbeitenden Klasse – sprich Erwerbslose – so kostengünstig wie möglich, die Profitrate nicht belastend, öffentlich zu alimentieren. Bereits 2011 wurde eine Regelung eingeführt, die es bei keinen anderen Trägern des Sozialgesetzbuchs gibt. Nämlich, dass Nachzahlungen bei fehlerhaften Bescheiden nur ein Jahr rückwirkend ausgezahlt werden. Bei allen anderen Trägern, z. B. Rentenversicherung, entstehen Ansprüche aus fehlerhaften Bescheiden bis zu vier Jahre rückwirkend. Jetzt wird dann allerdings bei Hartz-IV-Beziehern noch mal eins draufgelegt, so dass es quasi zu keiner Nachzahlung mehr kommt. Dies in dem Wissen, dass mehr als 90 Prozent aller ALG-II-Bescheide fehlerhaft sind. Man hat nur dann eine Chance, wenn man direkt Widerspruch einlegt. Allerdings wissen viele Menschen gar nicht, dass ihre Bescheide fehlerhaft sind, da die Bescheide und Gesetze viel zu komplex sind. Oftmals erkennen die Menschen das erst, wenn sie beispielsweise eine Beratungsstelle oder einen Rechtsanwalt aufgesucht haben. Dann ist aber in der Regel die Widerspruchsfrist abgelaufen.

Lotar Martin Kamm: Selbstverständlich kommt auch für dich Resignation nicht in Frage trotz vehementen Gegenwindes seitens dieser SPD, der Union und gleichwohl den Grünen. Nur die Linke steht zu ihrer konsequenten Haltung, würde am liebsten dieses menschenunwürdige Hartz IV gänzlich abschaffen. Von Hoffnung kann dennoch kaum die Rede sein angesichts dieser mageren Oppositionsnische im Deutschen Bundestag, oder?

Martin Behrsing: Manchmal kann man schon resignieren. Insbesondere dann, wenn dann Betroffene nur aus Protest mal eben einer rechten Partei wie der AfD zu unglaublichen Wahlergebnissen verhelfen. Dabei richtet sich deren Parteiprogramm gerade gegen sie. Aber aufgeben will ich deshalb trotzdem nicht, denn es ist nicht einfach nur ein Kampf gegen die Hartz-IV-Gesetze, sondern es ist für mich auch ein Kampf gegen den Neoliberalismus. Letztendlich muss an dessen Ende die Überwindung des Kapitalismus stehen, also einer sozialeren und gerechten Welt.

Lotar Martin Kamm: Obendrein bündeln sich just im Rausche des erwachten Rechtspopulismus all die Kräfte, die sowieso schon immer ausländische Mitbewohner im Lande argwöhnisch belauert hatten, nunmehr aufgrund der Flüchtlingswelle über PEGIDA und AfD erstarken. Auch ein dringendes Thema im Kreise der Erwerbslosen, die oftmals leider kaum sich politisch interessieren, obwohl gerade sie dies sollten?

Martin Behrsing: Zunächst müssen wir sehen, dass Erwerbslose keine homogene Gruppe sind. Das macht es sehr viel schwieriger, sie zu politisieren. Hinzu kommt, dass Erwerbslose ihre Arbeitslosigkeit häufig als ein subjektives Problem sehen, welches mit Scham und dem Gefühl des eigenen Versagens gepachtet ist. Der soziale Abstieg passiert dann so schnell, dass man eigentlich keinen Kopf dafür hat, da es auch noch andere Probleme und andere Menschen gibt. Die ganzen Hartz-Gesetze sorgen zudem dann auch noch dafür, dass die Menschen marginalisiert sind. Deshalb braucht eine herrschende Klasse sich nicht vor politisierten Erwerbslosen zu fürchten. Erreichen kann man die Menschen nur dann, wenn sie dringend auf Hilfe angewiesen sind.

Aber dann geht es ja ganz oft um die bloße Existenzsicherung. Erst wenn man hier an den Menschen dran bleibt, gelingt es einem vielleicht, dass man über den Tellerrand hinaus schaut und merkt, dass man sich auf ganz vielen Ebenen wehren muss. Wir haben es leider auch damit zu tun, dass viele Menschen schon immer ein rassistisches und/oder rechtsextremes Weltbild haben, dessen Fratze man jetzt im Zuge von PEGIDA und der AfD offen zeigen kann. Wer sich denen allerdings anschließt, wählt seine eigenen späteren Henker. Denn PEGIDA oder AfD haben mit einer sozialen und gerechten Welt nichts zu tun.

Lotar Martin Kamm: Der jüngste, tragische Fall des getöteten Prügel-Opfers Niklas K. hat einmal mehr aufgezeigt, wie vorschnell Rechtsextreme dies für ihre Zwecke ausschlachten. Selbst eiligst herbeiströmende rechte Demonstranten, angeführt von der „Dügida“-Chefin Melanie Dietmer, entweihten die kondulierenden Trauernden am Gedenkort in Bad-Godesberg, wurden von der anwesenden Polizei nicht daran gehindert. Ein Affront, auch gegen das Bündnis „Bonn stellt sich quer“, welches du als Presse-Sprecher vertrittst?

Martin Behrsing: Ich empfand es als besonders schlimmen Affront, dass Neonazis einen Ort der Trauer und den so tragisch verstorbenen Niklas K. für ihren Rassismus missbrauchen. Leider ist dieser Spuk nicht vorbei, denn für den 18. Juni haben sich erneut Neonazis für eine Demonstration in Bonn Bad-Godesberg angekündigt. Und wieder soll Niklas K. für ihren Rassismus herhalten. Wir sind jetzt allerdings schon dabei, Blockaden zu organisieren. Zumindest ist man sich mehrheitlich in Bonn einig, dass für solche Leute dort kein Platz ist.

Lotar Martin Kamm: Das Team von Querdenkende drückt dir und dem Bündnis „Bonn stellt sich quer“ auf alle Fälle die Daumen, denn wenn wir hier in Deutschland, europa- und weltweit eines nicht gebrauchen können, dann die Wiederbelebung jenes Rassismus und Rechtsradikalismus. Vielen lieben Dank für das Interview.

Veröffentlicht unter Interviews | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Technik im alltäglichen Disput hektischer Zeiten

https://pixabay.com/de/technik-patent-steampunk-grunge-1122577/

pixabay.com

Nur Funktionalität oder geheime Wissenschaft?

„Verfluchte Technik!“ Zwei Wörter, die in unserem Sprachgebrauch täglich leicht über die Lippen fließen. Man schimpft, zetert, schreit, flucht, bisweilen wirft man das Objekt des Frustes leichtfertig auf den Boden. Erstaunlicherweise funktioniert die Technik gerade zu dem Zeitpunkt nicht so, wie man es gerne hätte, wenn es eilt, wenn man eine bestimmte Sendung nicht verpassen will, wenn man per Handy jemanden etwas Wichtiges mitzuteilen hat, wenn man freudig jemanden etwas vorführen möchte. Dann versagt die Technik sehr gerne, es ist wie verhext, oder?

Technik aus dem Griechischen technikós, über die französische Sprache, technique, Einzug in die deutsche Sprache gefunden, bedeutet eigentlich, die Kunst- oder Gewerbetätigkeit. Es ist ein Überbegriff für Regeln, Grundsätze, Handgriffe, die für die Arbeiten von Kunst und Gewerbe vonnöten sind.

Dies ist bis heute in unserem Sprachgebrauch gefestigt. Inzwischen allerdings werden sämtliche elektrischen Erfindungen ebenso benannt. Kein Wunder, werden doch kaum noch Produkte erfunden und gebaut, die rein mechanisch ohne elektronische Hilfe funktionieren. Wir sind von elektronischer Technik umgeben, schön verkleidet unter irgendeiner Form von Gehäuse.

Uns ist somit der Blick auf die Funktionalität verborgen, konnte man bei älteren Maschinen noch von außen zusehen, wie Räder ineinander griffen, oder Stifte sich anstießen, so bleibt uns dies heute verwehrt. Die ein oder andere Uhr wurde auseinandergenommen, wenn man geschickt war, konnte man die Uhr wieder heile machen, ohne daß ein Erwachsener die Neugierde, die dafür verantwortlich war, austrieb. Gelang wohl nicht so oft. Nähmaschinen, Lokomotiven waren oft Anschauungsobjekte, die viele Kinder faszinierten.

Nicht nur die teilweise zu Recht hinter Gehäusen versteckten technischen Funktionen verhindern oftmals das Verstehen der teils komplexen Zusammenhänge von Maschinen und Geräten, sondern und vor allem die tägliche Handhabung und Sichtung der Funktionalität. Hatten frühere Generationen noch die Gelegenheit, bei ihren Familien, Nachbarn bei der Handhabung der Geräte oder bei der Reparatur zusehen zu können, so bleibt diese Chance heute weitestgehend den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen versperrt.

Da ist es nicht besonders erstaunlich, daß selbst kleinste Reparaturen nicht mehr ausgeführt werden können, zumal bei einigen elektronischen Geräten allein durch das Öffnen eines Gehäuses die Garantie erlischt. Konnten durch das Wissen der Handhabung noch Reparaturen an Waschmaschinen, Autos, Rasenmähern schnell behoben werden, so ist man heute oft auf einen teilweise teuren technischen Dienst angewiesen, oftmals belaufen sich die Reparaturzahlungen in der Höhe des Anschaffungspreises.

Technik, Regeln, Grundsätze, Handgriffe sind erlernbar und selten ein Buch mit sieben Siegeln, es sei denn, man macht daraus eine geheime Wissenschaft.

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Altern: Fortschrittlicher Segen vs. katastrophaler Zukunft

https://pixabay.com/de/alte-menschen-liebespaar-mann-frau-545232/

pixabay.com

Die heutigen Alten haben den neuen einiges voraus?

Wer kennt sie nicht und liest allenthalben über medizinische Errungenschaften, die ein verlängertes Leben ermöglichen sollen. Allein schon die Vorstellung, die letzten Jahre seines Lebens als Pflegefall verbringen zu müssen, dürfte den ein oder anderen davor abschrecken, unbedingt ein hohes Alter zu erreichen.

Die heutigen Alten haben insofern etwa den neuen einiges voraus und dies trotz zweier Weltkriege, zumindest für diejenigen, die in Europa leben? Woher will man wissen, was da in Zukunft geschehen kann, abgesehen von einer Apokalypse, die Leben ohnehin vernichten mag, so daß die Frage des Alterns sich erübrigt.

Folgt Emma Morano-Martinuzzi etwa Jeanne Calment?

Schwer zu beantworten, da fehlen der Italienerin, Emma Martina Luigia Morano-Martinuzzi, wie sie mit vollständigen Namen heißt, die am 29. November 1899 im norditalienischen Dorf Civiasco das Licht der Welt erblickte, noch gute sechs Jahre, um den offiziell ältesten Menschen, die vor knapp 19 Jahren verstorbene Französin Jeanne Calment, zu entthronen.

Nahezu 100 Jahre hatte Jeanne Calment geraucht, was jetzt kein Beweis oder gar eine Verharmlosung jenes Suchtverhaltens bedeuten mag, bekanntermaßen gibt es tatsächlich Menschen, die ohne Folgeerkrankungen dennoch ein hohes Alter erreichen können, aber wohl eher die Ausnahme sein dürfte.

Die Italienerin und derzeit älteste Frau der Welt soll keinerlei Medikamente zu sich nehmen, sich täglich zwei Eier und ein Gläschen hausgemachten Grappa gönnen, in ihrer Familie andere Mitglieder ebenso ein hohes Alter erreicht haben. Übrigens sind es wohl einige Frauen, die die Liste der ältesten Menschen anführen, erst nach der 12. folgt ein Mann als die Nummer 13, der vor knapp drei Jahren im Alter von 116 Jahren verstorbene Japaner Jiroemon Kimura.

Eine tückische Welt voller toxischer Belastungen

Genau das sollten wir trotz medizinischen Fortschritts bedenken. Die heutigen Uralten waren in jungen Jahren eben nicht dermaßen hohen Konzentrationen etlicher Umweltgifte ausgesetzt, von denen wir bis heute nicht mal wissen, welche Folgeschäden in Kombination untereinander noch entstehen können.

Plastik in den Meeren, atomar verseuchte Landschaften, kaum noch schadstoffreie Luft – die Welt vor hundert Jahren war eine andere, weniger toxisch belastet, gar noch bis hin in Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Danach tobte Menschheit sich aus in ihrem ewigen Run unendlicher Wachstumssteigerung, dem sich alles bis heute unterzuordnen hat. Schöne neue Welt des Alterns? Wohl eher kaum.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Da geht’s lang

https://www.flickr.com/photos/drzaro/106421317/sizes/z/

flickr.com/ dr. zaro/ (CC BY-NC 2.0)

Schneidig treten sie auf,
die jungen Leut,
Haare an den Seiten kurz,
das Deckhaar lang,
fehlt noch der Schnurrbart.
Da geht’s lang.

Pflichtbewußt verteidigen sie
Vaterland, Stolz, Ehre.
Patriotismus in jeder
Geistessphäre.
Da geht’s lang.

Es zählt keine
Nächstenliebe,
Ordnung, Strenge,
sonst gibt’s Hiebe.
Da geht’s lang.

Die Welt besteht
aus der eigenen Kultur,
fremde Einflüsse
stören nur.
Da geht’s lang.

Mütter sind nett
zum Kinderhüten und Bett.
Alleinerziehende müssen
sich wieder verkriechen
Da geht’s lang.

An den Pranger,
wer sich da nicht anschließt.
Europa sonst
in den Abgrund fließt
Da geht’s lang.

Angst wird verbreitet,
Tradition hervorgeholt,
verherrlicht die alten
Zeiten, triefend von Moral
und Anstand.
Da geht’s lang.

Ihr wißt gar nichts
vom Korsett
der Gleichmacherei.
Keine Sorge, euer
pubertierendes Gehabe
geht auch wieder vorbei.
Da geht’s lang!

Nafia

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Rassismus keineswegs verbannt aus den Köpfen Ewiggestriger

https://www.flickr.com/photos/iks_berto/7406715796/sizes/z/

flickr.com/ magro_kr/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Was Gauland und China miteinander verbindet

Kaum eine Meldung im Ticker von Straftaten, die nicht irgendwelchen „ausländischen“ Banden angelastet wird, sofort erscheinen warnende Stimmen, besonders gern in Social-Media-Foren wie in Facebook, die Horden von Flüchtlingen verantwortlich machen. Bei geringster Kritik, es könnten auch mal von Deutschen verübte Verbrechen sein, wird schnell die anti-deutsche Keule hervorgeholt, prasselt ein regelrechter Shitstorm nieder.

Wir sind längst mittendrin in einer gesellschaftspolitischen Gratwanderung, geprägt vom Konsens eines rechtspopulistischen Aufwindes, der mittels PEGIDA und AfD immer weitere Kreise zieht, Hauptsache einer „unfähigen Bundespolitik“ die A-Karte zeigen, mittels geschickter, von langer Hand geplanter Diffamierung die vierte Gewalt per „Lügenpresse“ in Frage stellen, um eigene Propanada einer unkritischen Masse als „Wahrheit“ zu verkaufen.

Alexander Gauland wagt sich an den heiligen Fußball

Kaum ein Fettnäpfchen wurde in letzter Zeit ausgelassen, ob eine Frau Petry selbstherrlich inszeniert das Gespräch mit dem Zentral der Muslime abbrach oder wie neulich ein Alexander Gauland gar ein Eigentor schoss, in dem er ausgerechnet den heiligen Fußball mit rassistischer Bemerkung antastete, er wolle nicht den Nationalspieler Jérôme Boateng als Nachbarn haben.

Die beiden Kirchen, die Evangelische als auch die Katholische, argwöhnten völlig zurecht der AfD, die nichts unterläßt, um ihren harten Kurs gen Flüchtlinge zu rechtfertigen, auch der alte, neue Ministerpräsident Kretschmann warnte eindringlich vor neu entflammten Nationalismus beim Katholikentag in Leipzig, dem sich ebenso Wolfgang Thierse anschloss.

„Schwarzsein ist unsexy“ – Waschmittelmarke Quiaobi sorgte für Empörung

Im Land des unübersehbaren Rassismus, in den USA, sorgte ein Werbespruch des Waschmittelherstellers Quiaobi für heftige Empörung: „Schwarzsein ist unsexy“. Dazu im Videoclip ein Schwarzer von einer Chinesin per Waschgang zum asiatisch-weißen Mann „gesäubert“ wird, ein überdeutlich rassistischer Affront. Während in der Netzgemeinde ein regelrechter Aufschrei entstand, blieb in China selbst eine Reaktion eher aus.

Was bewegt solche Werbestrategen? Sie müßten doch wissen, wie empfindlich inzwischen rassistische Slogans bewertet werden. Oder wird ganz bewußt eine Grenze überschritten, hin zur Polemik? Zumal ohnehin ein weltweiter Rassismus nach wie vor alltäglich praktiziert wird, inzwischen nicht nur weit enfernt, sondern längst wieder hierzulande.

„Jede einem Menschen zugefügte Beleidigung, gleichgültig welcher Rasse er angehört, ist eine Herabwürdigung der ganzen Menschheit.“ (Albert Camus)

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Ein Lächeln voller Wehmut

https://pixabay.com/de/landschaft-mond-sonnenuntergang-1412287/

pixabay.com

Die Luft anhalten
in feuchtem Abendlicht,
ohne bewegendes Sinnen,
einfach schalten und walten,
bei Meereswogen und Gischt,
gedankenverloren ganz tief drinnen.

Der Welt den Rücken kehren
nach endlos langem Raunen,
im Gepäck ein Ticket ins Aus.
Viele Ideen sich innig vermehren,
erzeugen leises Erstaunen,
man fühlt sich gar zuhaus.

Fragende Blicke verweilen,
deren Antworten längst bekannt,
chancenlos unruhig manch Nacht.
Belassen wir’s mit diesen Zeilen,
ehe sich gänzlich verrannt.
Gebt unbedingt auf Euch acht.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar