Vater und Mutter einer Idealisierung ausgesetzt

pixabay.com

pixabay.com

Einkehr scheinheiliger Familienidylle fragwürdig

Die Festtage für Mutter und Vater sind vorbei, und der Alltag ist wieder ungebremst eingekehrt. Die Glorifizierung der Mutter als Gebärende, Umsorgende, des Vaters als Ernährer, Vorbild haben nach Muttertag und Vatertag für die nächsten Wochen und Monate eine Ruhephase.

Oder vielleicht doch nicht, denn in den Köpfen vieler schwirrt unablässig eine Idealisierung von der natürlichsten Sache der Welt, des Mutterseins, Vaterseins. Oftmals bis an die Grenzen des nicht oder nie Erreichbaren und zum Leidwesen von Frau und Mann unterlegt mittels veralteter Symbolik der Begriff von Mutter und Vater.

Kann Frau denn nicht Mutter sein ohne eigene Kinder, Mann, Vater sein ohne eigene Kinder? Selbstverständlich. Denn nichts, rein gar nichts, außer einer verlogenen Konvention über Sitte und Brauchtum, hindert sie daran.

Mutter, abgeleitet vom Stammlaut , im Sanskrit mâtṛ, im Lateinischen mater, gilt als eine der ältesten Verwandtschaftsbezeichnungen und bedeutet ausmessen, austeilen, womit die Mutter als Vorsteherin eines Haushaltes und Verteilerin des Bestandes bezeichnet wurde.

Vater, im Sanskrit, pitar, im Lateinischen pater, von Wortstamm pa abgeleitet, für nähren, schützen, hüten, gilt auch hier als die älteste Form der verwandtschaftlichen Beziehung.

Mit keiner Silbe, im wahrsten Sinne des Wortes, ist hierin die Gebärende oder der Zeugende benannt.

In Eltern, steckt alt, die Älteren, hier wird schon in früherer Zeit von, die geboren, gezeugt und aufgezogen haben, gesprochen.

Auch wird in den Begriffen Mutter, Vater keinerlei Bezug zu den oftmals selbstherrlich benützten Attributen, Liebe, Geborgenheit, Selbstaufgabe erwähnt. Und wenn dem so wäre, warum wird alleinerziehenden Müttern und Vätern nicht in dem Maße geholfen, daß sie sich den ehrenden Gefühlen mehr widmen können, als durch Doppelbelastung, Kind und Arbeit das Leben noch schwerer zu machen? Warum sind Alleinerziehende oftmals nicht in den gesellschaftlichen Ablauf integriert? Eher werden sie hämisch beobachtet, ihre „Leistung“ begutachtet, mit Genugtuung gelästert, wenn Probleme in der Erziehung auftauchen, die auch in anderen Familiengemeinschaften vorkommen?

Vätern spricht man oftmals von vornherein ab, ein Kind alleine großziehen zu können. Tiefverwurzelt scheint auch zu sein, daß Stiefmütter, Stiefväter nie die richtige Mutter, den Vater ersetzen können. Wobei völlig außer acht gelassen wird, wie schwierig eine Annäherung für beide Seiten, Kind wie neuer Partner eines Elternteils sein kann.

Natürlich ist es wundervoll, wenn eine Partnerschaft harmonisch mit ihren Kindern erlebt werden kann, für die Partner und die Kinder. Aber liest man nicht hin und wieder in den Biographien von Berühmtheiten oder weniger Berühmten, wie schwierig ihr Leben als Kind aufgrund der Verhältnisse im Elternhaus war? Dabei spielt die finanzielle Grundlage eine absolute Nebenrolle, es sind die zwischenmenschlichen Wertigkeiten, die Menschen formen. Und es sind die als Vorgaben für eine „gute Ehe“ aufgesetzten Moralvorstellungen. Nicht wenige Menschen zerbrechen daran und übertragen ihr vermeintliches Scheitern auf ihre Kinder.

Frauen auf eine Mütterlichkeit zu reduzieren und Männern „Mütterlichkeit“ abzusprechen, gehören nicht mehr in eine moderne Gesellschaft. Vielmehr sollte auf all jene „Schicksalsgemeinschaften“ hingewiesen werden, die durch all die Jahrhunderte, bedingt durch viele Unwegsamkeiten des Lebens, Kindern ein liebevolles, Vertrauen aufbauendes, Toleranz förderndes Verständnis für Familien, Gemeinschaften und Gesellschaften aufgezeigt haben. Das zurzeit gepriesene Familienidyll kann keine Zukunft haben, außer in verlogenen, hemmungsgeladenen Strukturen, die das einzelne Individuum abwerten.

Frau und Mann können auch ohne Kinder Mutter und Vater sein, und nicht jede Mutter und jeder Vater kann der Norm entsprechend Mutter- oder Vatergefühle aufbringen, das zu erkennen und einzugestehen, sollte die Tendenz für die Zukunft darstellen, anstatt einer Ideologie zu verfallen und wegzusehen, wenn hinter den Wohnungstüren eine kräfteaufreibende scheinheilige Familienidylle wieder einkehrt.

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Lärm: Unterschätzte Hörschäden bis hin zum Tinnitus

flickr.com/ pppspics/ (CC BY 2.0)

flickr.com/ pppspics/ (CC BY 2.0)

Zu wenig Schutz vor zunehmenden Lärmquellen

In Deutschland gibt es weiterhin kein allgemeines Gesetz zum Schutz vor Lärm, sondern jede Menge rechtliche Einzelregelungen und -vorschriften, um halbwegs Lösungen bei Lärmproblemen anzubieten. Wer in der Flut der gesetzlichen Regelungen Rat sucht, sollte einfach sich an das Umweltbundesamt, aber auch an die Kommunen selbst wenden, dort werden entsprechende Ansprechpartner aufgeführt.

Unsere Augen können wir operieren und lasern lassen, vieles hilft tatsächlich, unser Sehvermögen wieder zu verbessern. Doch beim Hörschaden sind irreparable Faktoren im Spiel, die für immer dafür sorgen, daß unsere Hörfähigkeit nie wieder so sein wird wie in Tagen sorgloser Zeiten. Dabei hat im Laufe der letzten Jahrzehnte die Welt der Lärmquellen erheblich zugenommen, so wie auch die Bevölkerungszahl in Ballungszentren ihren Anteil hat. Hauptlärmquellen sind der Verkehrslärm, also der Straßen- und der Fluglärm sowie die Eisenbahnlärmbelästigung.

Belastungsgrenzen im Fokus genauerer Betrachtung

Der Verkehrslärm ist immer noch eines der Hauptlärmquellen bei unserer täglichen Belastung, der wir ausgesetzt sind, ohne daß wir es etwa verhindern könnten, außer wir leben einfach beispielsweise in einem Naturschutzgebiet. Stark befahrene Straßen in größeren Städten belästigen uns mit 70 bis 80 Dezibel. Mindestens 10 Dezibel mehr werden es, wenn ein Lastkraftwagen vorüberdonnert. Beim Abheben eines Flugzeuges werden gar 120 bis 140 Dezibel erreicht. Hierzulande wird noch verhältnismäßig wenig gehupt, in den europäisch-südlichen Ländern gehören somit die Hupgeräusche von etwa 100 Dezibel zum Alltag. Während noch ein Landregen bei 30 Dezibel als angenehm empfunden wird, erreicht unsere Stimme in einem Gespräch immerhin schon 60 bis gar 70 Dezibel.

Richtig dramatisch greift eine dauerhafte Lärmbelästigung, wobei es schon Unterschiede gibt, kein Organismus verhält sich gleich. Und dennoch wird besonders in der Freizeit die stetige Lärmquelle vernachlässigt, überhört, um es mal genauer zu sagen. Ständig lautes Musikhören, auch der stundenlange, wochenendmäßige Discobesuch, wo meist mehr als 100 Dezibel an der Tageordnung sind, rufen einen Hörschaden hervor. Dabei werden die hochempfindlichen Haarsinneszellen im Innenohr regelrecht herausgerissen. Sind sie erst mal zerstört, gibt es kein Mittel der Besserung mehr, sie wachsen weder nach, noch können sie künstlich ersetzt werden. Am Ende hilft nur noch ein Hörgerät.

Ursachen des Lärmes per langer Liste von Krankheiten

Als unmittelbares Ergebnis von dauerhafter Lärmbelästigung stellen sich erbarmungslos Hörschäden ein. Eine weitere, schreckliche Folge: Tinnitus. Aber es gibt noch ganz andere Folgen. Zum Streß, der beim Lärm ganz schnell sich gesellt, folgen viele Herz-Kreislauferkrankungen, somit ist auch der Herzinfarkt mit von der Partie. Bei einer dauerhaften Verkehrslärmbelästigung von mehr als 65 dB(A) hat das Umweltbundesamt immerhin jährlich cirka 4.000 Herzinfarkte ermittelt.

Schlafstörungen sowie Bluthochdruck treten ebenso vermehrt auf beim Dauerlärm. Selbst der Hormonhaushalt wird durcheinandergewirbelt. Eine erhöhte Konzentration der Aktivierungshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin in unseren Körperflüssigkeiten sind meßbar. Neben den organischen Schäden muß auch darauf hingewiesen werden, daß die schulische Leistungsfähigkeit unter Lärm erheblich beeinträchtigt wird, in vielen Klassenräumen ist ein dB(A)-Wert von über 55 Dezibel keine Seltenheit, während später für Büroarbeitsplätze Richtwerte von 40 Dezibel empfohlen werden. Diesen völlig unverständlichen Gegensatz gilt es allemal zu hinterfragen und schnellstens zu regulieren. Wie kann es sein, daß bei unseren Schülern dermaßen hohe Werte hingenommen werden, wobei bestimmt Unkenntnis mit im Spiel ist, während gewisse hochanspruchsvolle Bürotätigkeiten mit angenehmen Höchstgrenzen geschützt werden?

Man sollte gleichwohl nicht die psychischen Folgen bei dauerhaft täglicher Lärmbelästigung unterschätzen, die natürlich unser Wohlbefinden beeinflußt und daher unser soziales Miteinander erheblich beeinträchtigen kann. Eine Studie in Österreich aus dem Jahre 2002 hat dies deutlich aufgezeigt, die 1.400 Kinder im Alter zwischen acht und elf Jahren untersuchte, die umweltbedingten Lärm ausgesetzt waren. Sowohl die Leistungen als auch das soziale Verhalten verschlechterten sich eindeutig.

Kann man sich prophylaktisch vor Lärm schützen?

Klar doch, zweifellos. Beim Arbeitsplatz benutzen immer mehr aufmerksame Mitarbeiter Kopfhörer oder Ohrstöpsel. Selbst Musiker schützen sich bei ihren Auftritten. Von der Trittschalldämmung bis hin zu Lärmschutzwänden entlang von Wohngebieten bei Autobahnen und Schnellstraßen, der Verzicht von eigentlich unnötigen, neuen Startbahnen bei Flughäfen wäre doch mal eine Option, statt stets irgendwelche scheinheiligen, wirtschaftlichen Argumente vorzutragen, lärmarme Elektrogeräte im Haushalt sich anschaffen, wer diese Kosten aufbringen kann, wenn schon Musik mit Kopfhörer genießen, darauf achten, eben keine hohe Lautstärke sich zuzumuten. Richtig gefährlich sind auch Feuerwerkskörper.

Hält sich wenigsten das weibliche Geschlecht bei extrem auftretendem Lärm die Ohren instinktiv zu, scheint das männliche Pendant eher cool darüber hinwegzuhören. Das sollte man(n) tunlichst vermeiden, weil wie gesagt, ein Ohrschaden ein Ohrschaden bleibt.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Gesundheit | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Verwerflichkeit hat mich eingeholt

 pixabay.com


pixabay.com

Die Verwerflichkeit hat mich eingeholt,
trotz Wissen, Weisheit, Hunger, kein Brot.

Hab die Spiele mit Leidenschaft gespielt.
War stets der Kämpfer, dem Sieg obliegt.

War willkommen auf vielen Feiern und Festen,
konnte Reden schwingen ohne viele Gesten.

Texte formuliert, Strategien entwickelt, gelächelt,
wenn genervte Kunden über dies und das gestänkert.

Mein Platz war stets bei den Mutlosen, Trost gespendet,
das Spiel erklärt, manch böses Schicksal abgewendet.

Ich wurde hofiert, abgeworben, herzlich empfangen,
Job gemeistert, Leistung erbracht, von alleine gegangen.

Manchmal hab ich die Familie tagelang nicht gesehen,
Überstunden, Verantwortung, Termine im Kalender stehen,

die waren wichtig, das Spiel lief, keiner gibt den Ball ab,
bevor die Abschlüsse sind unter Dach und Fach.

Irgendwann waren die Familie, Freunde und Kollegen weg,
Krankheiten schlichen sich ein, das Zuhause wurde das Bett.

Als Körper und Geist wieder geheilt, war fast alles dahingerafft
von meinem ehemaligen Fleiß, an Materiellen erschafft.

Das einst gegebene Geld, die bedingungslose Liebe,
war vergessen, man vertrieb mich, es trafen mich Stockhiebe

voll Ignoranz, Verleugnungen, Lügen, Verständnislosigkeit,
kein Schulterklopfen, kaum einer mehr zum Händedruck bereit.

Begegnungen auf der Straße bewegten viele zum Seitenwechsel,
andere, die mich zu spät bemerkten, schenkten ein müdes Lächeln.

Meine neue Heimat, der Park am See mit angrenzendem Wald.
Ich lebe von der Hand in den Mund, manchmal von Flaschenpfand.

Meine Verwerflichkeit war Ehrlichkeit, Kompetenz, Toleranz,
Verhandlungsgeschick, meine Ernte Häme und Arroganz.

Sie wollten in mir auch mal den Verlierer sehen,
wollten selbst allein auf dem Gewinnertreppchen stehen,

wollten meinen Charakter durch ihren Haß, Verhalten entblößen,
vergaßen, Persönlichkeit kann in Reichtum und Armut leben.

Nafia

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Es geschah vor 40 Jahren (17. bis 23. Mai 1976)

flickr.com/ info-graz/ (CC BY 2.0)

flickr.com/ info-graz/ (CC BY 2.0)

Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zur zwölften Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr eine Aneinanderreihung von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter makadomo TV | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Menschheit am Scheideweg selbst gestellter Fallen

pixabay.com

pixabay.com

Jede Veränderung beginnt mit der Selbstreflexion

Manchmal möchte man einfach die Zeit anhalten, verharren in einem Vakuum selbstreflektierter Gefühle und Erinnerungen, eine Chance ersehnen, gewisse Erkenntnisse erlangen, die es einem ermöglichen, Veränderung im Sein zu initiieren. Viel Wunschdenken, das sich schnell verlieren kann in schier hoffnungsloser Illusion, weil nur die Realität uns zurückholt, etwas direkt zu verändern oder eben es zu versäumen.

Der Einzelne ausgesetzt dem großen Ganzen, welches den Lebenslauf beeinflußt, ob er es wahrhaben will oder nicht? In einer Welt zunehmender Bevölkerungsdichte kaum mehr Nischen des Rückzugs vorhanden, die selbst einem Eremiten vergönnt? Einserseits Ballungszentren in stetig neu entstehenden Weltmetropolen, ein Großteil der Menschheit ohnehin am Meer verweilt, andererseits die letzten, nahezu unbesiedelten Gegenden als Opfer profitorientierter Gier vernichtet werden.

Verweilen in der Masse, in einer scheinbaren Anonymität, die mittels exakter Registrierung und Datenkatalogisierung ungeahnte Überwachungsmöglichkeiten bieten, das Individuum ausgesetzt in der Beurteilung einiger weniger, die es an der langen Leine begleiten. Mensch in Begriff all seine erdachten Science-Fiction-Geschichten in die Tat umzusetzen, als Folge eines kreativen Plans, der in den Weiten des Kosmos ihn erreichte? Welche Aufgaben erwarten ihn daher im ahnungsvollen Rausch hin zu apokalyptischen Szenarien, auf die er sich unentwegt und ungebremst zubewegt?

Mutter Erde schier hilflos ausgesetzt seitens unserer Spezies, die nicht nur sich selbst vernichtet, sondern die Natur, das Leben auf ihr. Hochmut kommt nicht vor dem Fall, viel eher schlägt geistiges Unvermögen hart auf, wenn konsequent zu Ende gedacht. Na, erraten Sie es? Genau, Homo sapiens ist eben nicht das Maß aller Dinge, vielmehr ein winziger Teil im Kosmos, entsprechende Antworten verweilen in jener Unendlichkeit, die obendrein sich nicht anschicken, zu uns zu gelangen. Gut so.

Man stelle sich nur für Momente vor, jene Erdenspezies würde im All an Einfluß gewinnen. Passiert aber nicht, den Mond mag man erreicht haben, mit dem Mars im Visier technisches Wissen bereits bis an dessen Grenzen überfordert, zumal manche unwägbare Überraschung ihn erwartet. Wer bisher nicht geistig-spirituelle Fähigkeiten verinnerlicht hat, der stößt erst recht in realer Praxis schnell auf Widrigkeiten. Zufall oder Absicht? Ersteres gibt es mitnichten, der Kosmos bestimmt unser Dasein.

Wir können weder das Rad der Zeit zurückdrehen noch das Geschehene aus heutiger Sicht revidieren. Aber wir vermögen im Hier und Jetzt stets uns der Vergangenheit erinnern, um aus den Fehlern zu lernen, sie vor allem nicht zu wiederholen. Worauf warten wir noch?

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Anderssein – Individualität im Kontrast zur konformen Gesellschaft

pixabay.com

pixabay.com

Qual oder Chance anders zu sein?

Beides kann sich bedingen, muß aber nicht. Für manchen bleibt das Anderssein eine lebenslange Qual, für andere die Möglichkeit, sich zu einer starken Persönlichkeit zu entwickeln. Wobei die Persönlichkeit nicht unbedingt im positiven Sinne zu sehen ist. Genausogut kann die Qual einen „Schutz“ bedeuten. Daran erkannt man schon, jeder ist anders, und zwischen diesen Lebensmodellen gibt es noch viele mehr.

Obwohl alle Menschen biologisch gleich sind, das heißt, unser Körperbau und die Funktionalität sind im Wesentlichen keine große Unterscheidungsmerkmale, haben wir dennoch unsere eigenen Charakteristiken. Sei es der Körperwuchs, die Farbe des Haares, der Augen, der Haut, die Gesichtsform oder andere äußerliche Unterschiede. In den ersten Lebensmonaten und Jahren nehmen wir dies als einfache Tatsache wahr, bis wir durch andere oder uns selbst erkennen, daß das Gegenüber rote Haare hat. Wir bemerken, der große Bruder mag keine Bananen, die Oma lispelt, die neuen Schuhe gefallen auch Tante Rosa, einige sagen, wir ähneln Onkel Rolf und so weiter. Jetzt beginnen wir, andere zu erkennen und hinterfragen unsere Erkenntnis mit Hilfe der anderen oder durch uns selbst.

Viele „andere“ im obigen Text, aber ohne die keine Reflektion eben durch „andere“, egal ob ich mich selbst als anders definiere oder durch andere als anders reflektiert werde. Zur Qual des Anderssein wird es erst, wenn es als negativ oder positiv hevorgehoben wird.

Man muß und man kann nicht immer nachvollziehen, warum das “Anderssein“ von dem einen als gut, vom anderen als schlecht bezeichnet wird. Dies bleibt seine Ansicht, seine Meinung, seine Erkenntnis und sei jedem gestattet. Allerdings nur bis zu der Grenze, an der Abgrenzung, Ausgrenzung beginnt. An der Grenze, an der das Anderssein als abartig, nicht hinnehmbar verteufelt wird.

Manch einer versucht, deshalb sich zu ändern, läßt sich formen, um dieser Ausgrenzung zu entkommen, andere akzeptieren diese Diskriminierung irgendwann und vermögen an der Ausgeschlossenheit zu einer Persönlichkeit heranwachsen, die aufgrund ihrer Erfahrungen und Qualen anderen gegenüber empathisch auftreten. Für andere führen diese Abgrenzungsqualen zum geschultesten Förderer von jeglicher Art der Diskriminierungsformen. Beide sind Opfer durch Anderssein, beide haben diese Abgrenzung als Chance benutzt, der eine zum positiven Verständnis, der andere, um das positive Verständnis abzulehnen.

Diejenigen, die die Qualen nicht als Chance, sondern als Schutz betrachten, schlenkern für jedes Ausgrenzungsgefühl an einen andern Standpunkt und begrüßen den Hinweis auf das Anderssein als „Geschenk“, ihren Standpunkt zu verändern. Diese Menschen sind sogenannte „Fähnchen im Wind“. Oftmals sind sie auch diejenigen, die sich permanent nicht geliebt und geachtet fühlen und sich hinter Fassaden verstecken, sei es hinter „Führern“ oder „Ideologien“.

Der Wert des Andersseins ist trotz vieler Aufklärungsarbeit und vorgelebter Möglichkeitsformen immer noch nicht gänzlich in den Gesellschaften angekommen.

Gesellschaften, die in der Entwicklung des Menschen vom Kleinkind zum Erwachsenen nicht bewußt auf die persönliche Entwicklung jedes Individuums, sein Recht auf Anderssein eingehen, dürfen sich nicht wundern, wenn Troglodyten (Höhlenmenschen), wie in Platons Werk „Politeia“ beschrieben, die Mehrheit des Volkes stellen.

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Konfrontationskurs gen Russland über Ausgrenzung bis hin zu Kriegshetze

flickr.com/ SciF0r/ (CC BY 2.0)

flickr.com/ SciF0r/ (CC BY 2.0)

Guter Ami und böser Russe – welch simple Dialektik

Wer vom Globalismus spricht, darf keineswegs politische Verflechtungen außer acht lassen, genau sie bestimmen den Verlauf wirtschaftlicher Entscheidungen, an deren Tropfhahn ebenso unsere Gesellschaft hierzulande hängt, eine unübersehbare Abhängigkeit vorherrscht. Und da zumindest in der westlichen Geschäftswelt der US-Dollar noch entscheidenden Einfluß für sich in Anspruch nimmt, richten sich politische Beschlüsse nach ihm.

Nach der unsäglichen Ära des Eisernen Vorhangs trat aber mitnichten eine wirkliche Entspannungspolitik ein, da der US-Westen das Feindbild Russland mit allen Mitteln schürt. Fest verankert im NATO-Bündnis, in der EU und im Europarat wurden entsprechende Institutionen erschaffen, um den vermeintlichen Gegner in Schach zu halten, greift der Konfrontationskurs gen Russland über Ausgrenzung bis hin zu Kriegshetze, die besonders per simpler Dialektik unterstrichen wird, einem Schwarz-Weiß-Denken per „guter Ami und böser Russe“.

Vierte Gewalt untergräbt eigenen Presse-Kodex

Und beugt sich dem Diktat eines erklärten Feindbildes, welches es nicht im geringsten geben müßte. Doch spätestens beim Maidan-Putsch war die Zielsetzung besiegelt, outete sich der US-Westen als Aggressor, inszenierte alle weiteren Entscheidungen, um die Russische Föderation nicht nur global auszugrenzen, sondern darüber hinaus ihr auf die Pelle zu rücken, denken wir an die schnell beschlossenen Wirtschaftssanktionen, die Truppenverlegungen an den europäisch-russischen Grenzen.

Während auch „Die Zeit“ fortwährend keine Mühen scheut, kräftig mitzumischen bei angeblicher Demaskierung, der „Europarat könne auf Russland verzichten“, dem inzwischen 47 Mitgliedsstaaten angehören, neben vier anderen Staaten die USA immerhin Beobachtungsstatus im Ministerkomitee genießen, sollten wir eben nicht unterschätzen, daß es in erster Linie Europa betrifft.

Eine dermaßen einseitige Stellungnahme seitens weiten Teilen der Vierten Gewalt hinsichtlich „angeblicher russischer Bedrohung“ widerspricht dem eigenen Presse-Kodex, genügend Objektivität wahren zu lassen. Gerade in Sachen Einhaltung der Menschenrechte haben die USA genügend Klärungsbedarf, siehe rassistische Diskriminierung im eigenen Land, Guantanamo und vor allem weltweite kriegerische Einsätze. Zunahme des Ausverkaufs der Meinungs- und Pressefreiheit?

Deutschland sollte sich neutral verhalten – dritter Weltkrieg weitet sich aus

Mit einer derartigen Kanzlerin unmöglich umsetzbar. Falls ein Nachfolger per Wahl den Sessel erklimmt in etwa Besserung in Sicht? Wohl kaum, nicht nur wegen der Kanzlerakte. Zu viele wirtschaftliche Verflechtungen diktieren die Marschrichtung gen einmal ernannten Feindbild, von Rüstungsaufträgen mal ganz zu schweigen.

Den Beginn eines dritten Weltkriegs kann man mit dem „Arabischen Frühling“ im Nachhinein festmachen, spätestens seit dem Syrienkrieg und in Folge dem Ukraine-Krieg verdeutlichen die USA ihre Ziele, nämlich Russland massiv zu provozieren, die pazifischen Scharmützel mit der VR China deuten in dieselbe Richtung. Deuschland mitten im Herzen Europas gelegen, täte sehr gut daran, sich tatsächlich neutral zu verhalten. Fehlanzeige. Die Bundeswehr beteiligt sich fleißig, Berlin will zusätzliche Truppen zur Verteidigung an der NATO-Ostflanke entsenden.

Karl Jaspers formulierte mal:

„Der Krieg ist in wachsendem Umfang kein Kampf mehr, sondern ein Ausrotten durch Technik.“

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare