Gesellschaft: Jeder ist sich selbst der Nächste

flickr.com/ lennox_mcdough/ (CC BY-ND 2.0)

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Kurz vorm Kollaps oder Chancen der Verbesserung in Sicht?

„Jeder ist sich selbst der Nächste“ – eine Redewendung, die der römische Dichter Publius Terentius Afer, hierzulande als Terenz bekannt, in seinem Werk „Andria“ Charinus aussprechen läßt.

Gesunder Egoismus, weil dem Selbstschutz dienend oder eine wahrlich gefährliche Haltung im Alltag, gerade dort, wo soziale Mißstände vorhanden, besonders in Situationen, bei denen Solidarität und Zivilcourage viel eher nicht nur gefragt sind, sondern eine friedliche Gemeinschaft ausmachen?

Menschenrechte – zwischen Allgemeingültigkeit und Wirklichkeit

Hierzu steht die oben genannte Redewendung im krassen Gegensatz zum Anspruch des allgemeingültigen Menschenrechts, welches die Würde und Geltung eines jeden voraussetzt. Kontrollorgane hat die Politik inzwischen längst erschaffen, fest verankert in nahezu allen Verfassungen der Staaten, Diktaturen oder ähnliche Herrschermodelle mal ausgeklammert, Menschenrechtsorganisationen gegründet, eine der bekanntesten: Amnesty International.

Dennoch treiben Gewaltexzesse in Gesellschaften bis hin zu Kriegen ihr Unwesen, widersprechen der Einhaltung der Menschenwürde, sämtlichen Menschenrechten der gängigen Praxis, offenbaren teilweise eine grausame Wirklichkeit. Politik verwickelt in Korruption so wie die Wirtschaft selbst in global abhängigen Verhältnissen und Verflechtungen sich gegenseitig belauert. Mittendrin die Bürger der Länder, ausgesetzt jenen Gesetzmäßigkeiten, die selbst Menschenrechte notfalls mißachten, weil diese sich der Spirale des Proftgedankens und des Überreichtums unterzuordnen haben.

Nur ein Dilemma oder Lösungen in Sicht?

Im Grunde genommen ein Dilemma, welches die Menschheit seit Jahrtausenden begleitet, weil stets die soziale Komponente vernachläßigt wird im Reigen des Konkurrenzgedankens, wo am Ende viel Zerstörung folgt, Verlierer auf der Strecke bleiben. Im Kapitalismus kein Platz für den sozial Schwächeren? Wieder zunehmend, wie auch hierzulande längst bekannt sein sollte, denken wir an die Hartz-IV-Gesetze, an Tafeln und Obdachlosigkeit, an simple Phrasendrescherei, die es gewissen Bewegungen und Parteien leicht macht, ohnehin unzufrieden Gebeutelte zu ködern.

Deutliche Signale an derzeitig verantwortliche Politik, daß sie dringend nachbessern, etwas verändern muß. Eine unlösbare Pattsituation, auf der einen Seite der nimmersatte Raubtierkapitalismus, den es nach wie vor faktisch gibt, andererseits die Verrohung der Gesellschaft bei zunehmender Gewalt und sozialen Mißständen. Abhilfe kann nur eine dringende Umsetzung der Rückbesinnung zu sozialer Gerechtigkeit führen, wird dies versäumt, wiederholt sich die Geschichte, so wie sämtliche Hochkulturen letztlich daran scheiterten.

Mit folgendem eigenen Zitat schließe ich:

„Jede Gesellschaft kann nur dann friedlich zusammenleben, wenn ein sozial ausgewogenes Miteinander gepflegt wird. Bei Vernachlässigung setzt sich die Hierarchie der Gewalt durch, gilt keine Moral, Religion oder Humanismus mehr.“

Lotar Martin Kamm

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Die gewonnene Wette

flickr.com/ manoftaste.de/ (CC BY 2.0)

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„Liebling, schreib mal ein Gedicht!“
„Wieso? Das kann ich nicht!“
„Da bin ich aber froh!
Mir geht’s genauso.“

„Warum fragst du dann?
Du kindischer Mann!“
„Ich wollte dich nur testen,
beim Wettstreit mit dir messen!“

„Okay, mit Gewinner und so,
wer darf morgens zuerst aufs Klo?“
„Nein, um des Wettstreits willen,
ohne Pokale zu gewinnen.“

„Ich tät mich schon einlassen,
wenn’s was gäbe zu prassen.
Denn wer Gewinner sein wird,
im Vorfeld längst feststeht!“

„Du bist wohl von dir überzeugt,
wenn du das mal nicht bereust!
Also, um was wetten wir,
das auszusuchen, überlaß ich dir!“

„So, so, na dann bin ich mal so nett
und sag, eine Woche vorlesen im Bett!“
„Auf Gegenseitigkeit, wer gewinnt, darf
zuhören, bis ihn übermannt der Schlaf.“

Der Tag war lang, die Arbeit viel.
Liebling sich trotzdem wach hielt.
Sie hatte die Wette haushoch gewonnen
und genoß das Vorlesen mit Wonnen.

Nafia

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ESC 2016: Größte Musikshow zwischen Kommerz und Politik

flickr.com/ webbgun/ (CC BY 2.0)

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Jamala gewinnt den Wettbewerb – Jamie-Lee wird auf den letzten Platz verbannt

In Stockholms Ericsson Globe Halle schauten gestern gute 10.000 Menschen zu, 200 Millionen an den Bildschirmen, wie die Sänger der 26 teilnehmenden Nationen mit oder ohne Begleitung auf großer Bühne mit viel Lichttechnik ihr bestes präsentierten. Die größte Musikshow der Welt zwischen Kommerz und Politik, wobei am Ende Jamala für die Ukraine den Wettbewerb gewann, Jamie-Lee für Deutschland auf den letzten Platz verbannt wurde.

Während stets betont wird, der ESC möge sich nicht politisch beeinflussen lassen, muß man der Fairneß halber feststellen, daß politische Neutralität faktisch nicht existiert. Das Leben ist Politik, daher kann auch ein ESC sich davon keineswegs befreien.

Eurovision Song Contest – ein paar Fakten

Was am 24. Mai vor 60 Jahren im Teatro Kursaal von Lugano in der Schweiz unter dem Namen „Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne“ begann, bei dem sieben europäische Nationen (Belgien, BRD, Frankreich, Italien, Niederlande, Luxemburg und die Schweiz) in diesem musikalischen Wettbewerb mit zwei Musiktiteln antraten, setzte sich daraufhin unter wechselnden Namensbezeichungen und stetig steigenden Teilnehmernationen fort. Ab 1992 im schwedischen Malmö entschieden, verbleibt der Name „Eurovison Song Contest“.

Obwohl die EBU (Europäische Rundfunkunion) im Rahmen der Eurovision den ESC veranstaltet, der ebenso etliche Staaten Nordafrikas angehören, nimmt nur Israel außereuropäisch beim Songcontest teil. Australien wurde sowohl im letzten Jahr als auch diesjährig seitens der EBU zur Teilnahme eingeladen, eine Entscheidung, ob Australien in Zukunft als assoziiertes Mitglied dauerhaft teilnehmen darf, steht wohl noch aus.

61. Songcontest – nur im Zeichen medialer Häme?

Darüber hinaus viel Frust sich entlädt? Dazu später. Zunächst ein paar Eindrücke zum Verlauf der Live-Veranstaltung im weltweit größten sphärischen Gebäude, in der Ericsson Globe in Schwedens Hauptsstadt Stockholm, vor 27 Jahren erbaut, mit einem Durchmesser von 110 Metern und einer Höhe von 85 Metern, in der bis zu 16.000 Zuhörer bei Konzerten Platz finden.

Lichttechnik trifft Videotechnik mit enstprechenden Klangbildern ein Ereignis der Superlative für menschliche Sinne, kaum noch zu toppen, wobei jeder Interpret sein individuell abgestimmtes Bühnenszenarium erhält, ein ganz normaler Vorgang in der Welt der Performances.

Peter Urban, der mal wieder den Songcontest moderierte, leistete sich zwei größere Schnitzer, zum einen kündigte er Nina Kraljić für Kroatien als Nummer 15 an, obwohl sie an 17. Stelle dran war, zum anderen zitierte er den nächsten Song des Russen Sergey Lazarev als „You Are Not The Only One“. Was hat ihn bloß geritten, dort ein „not“ unterzubringen?

Poli Genova für Bulgarien präsentierte sich in tollem Kostüm, Jamie-Lees Song und Ohrwurm überzeugte, die Serbin Sanja Vučič vertrat auch stimmlich Frauenpower, aber Sergey Lazarevs gesangliche Qualität wurde viel eher per Video-Technik kaschiert, zurecht kündigte Urban den Song als „Eurovision Video Contest“ an. Bei der Spanierin Barai kochte der Saal nicht nur wegen des Songs selbst, sondern auch aufgrund ihrer fuß-tänzerischen Darbietung. Auffällige Parallele zu Depeche Mode der Song von Justs für Lettland. „Midnight Gold“ für Georgien musikalische Begleitung per Indie-Rock mit Kaleidoskop-Effekten. Sprachlich sorgte neben den meistens Englisch gesungenen Songs die Österreicherin Zoë für eine Überraschung, sang „Loin d’ici“ entsprechend konsequent Französisch, während der Franzose Amir selbst den Refrain in Englisch trällerte.

Was soll dieser mediale Hype, wie die Süddeutsche zum besten gibt? Dabei eines entscheidend außer acht läßt. Sicher doch, der NDR hat vieles falsch gemacht, weil bekanntlich eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, dennoch versäumt das Blatt erneut die richtige Herleitung. Wurde etwa Jamie-Lee, die letzte Voice of Germany-Siegerin, die mal eben Politik verbannte, Axel Diehl ihr im Vorentscheid unterlag, selbst Opfer politischer Haltungen? Man kann das so interpretieren, Deutschland soll sich nicht unbedingt so wichtig nehmen, schon gleich gar nicht mit solch einer Kanzlerin an der Spitze, dies hat auch europäische Zuschauer beflügelt, da 10 Punkte für sie eine deutliche Sprache sprechen, im direkten künstlerischen Vergleich sich widersprechen.

Und die FAZ? Die läßt sich erwartungsgemäß zu einer pro-politschen Stellungnahme in Richtung US-Führung hinreißen: Ein Sieg auch für die Krim. Soviel Zufall kann es nicht geben, daß eine Jamala ins musikalische Rennen geschickt wird, deren eigene Familiengeschichte durchaus sich so abgespielt haben mag, aber dennoch ein Fauxpas gen Russland bedeutet. Die Zuschauer selbst gaben schließlich Russland die meisten Stimmen (361), was am Ende nur den dritten Platz bedeutete, da die Jury Dami Im für Australien favorisierte, welche schließlich den zweiten Platz erreichte. Alles in allem ein lauter, durchaus politischer Songcontest.

Lotar Martin Kamm

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Mein Schatz – oder welche Koseform auch immer

pixabay.com

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Wenn der Viehbestand familiäre Sicherheit bedeutet

Manchmal sind sie nur für vier Ohren bestimmt, dringen nicht nach außen, oftmals haben sie aber so einen tiefen Zugang in den Sprachgebrauch gefunden, daß sie andere Namen komplett verdrängten. Manche wirken niedlich, sogar passend, andere hingegen eher abstoßend, vielleicht sogar erniedrigend, die meisten sind aber wohl einfach alltäglich, flach, platt, ohne persönliche Aussage.

Schatz, Baby, Liebchen, Schnuffelbär, Häschen, Fröschlein, Lady, Juwel, Honey, Süßer, Sweetheart, Engel, Herzblatt, Hummelchen, Katerchen, Kuschelmaus, Schäfchen, Frechdachs, Täubchen, Zuckerschnecke, Goldspatz, Bussibärchen, Rehkitz, Schnuckelchen, Purzel, Herzchen, Knuffelchen, Biene und bis zur Unendlichkeit und weiter sind den Kosenamen keine Grenzen gesetzt.

Mitunter kann man dankbar sein, daß einige der Kosenamen selten anzutreffen sind. Und öfters weiß man auch nicht, ob man jetzt weinen oder lachen soll, wenn ein Ehepaar sich den ganzen Abend mit Scheißerchen und Spatzi anspricht. Wer weiß, vielleicht haben sie den richtigen Vornamen des Partners längst vergessen? So wie wir vergessen haben, was kosen, eher bekannt unter liebkosen, eigentlich bedeutet.

Mittelhochdeutsch kösen, althochdeutsch köson, bedeutet plaudern. Das Wort ist abgeleitet von kösa, lateinisch causa, eine Rechtssache führen, verhandeln. Wenn wir also liebkosen, dann besagt es, daß wir lieb plaudern, verhandeln. Oder anders ausgedrückt, wir hätscheln, tätscheln, streicheln, herzen mit einem Gegenüber. Wobei das Gegenüber nicht unbedingt ein Mensch sein muß, sondern das Liebkosen bezieht sich auch auf Tiere und nicht selten auf Pflanzen, die wir liebevoll pflegen. Und wenn wir etwas unheimlich lieb haben, dann erhöhen wir diesen Status gerne mit Kosenamen.

Viele der Kosenamen sind der Tierwelt entnommen, wenn sich deren Verhalten oder Aussehen dazu eignen, einen niedlichen Bezug zum liebkosenden Gegenüber herzustellen.

„Mein Schatzzz.“ Wer kennt diesen Ausdruck nicht, den Gollum in der Trilogie von „Herr der Ringe“ mehr als einmal in der ihm eigenen Art ausspricht. Schatz, in der Vorstellung vieler Reichtum pur, Juwelen, Gold- oder Silbermünzen und Perlen, zuhauf und nie gänzlich aufzubrauchen, da reichlich vorhanden für mehrere Leben.

Kann man für unsere Liebste, für unseren Liebsten einen besseren Beweis unserer aufrichtigen Zuneigung mit dieser Kosebezeichnung erbringen? Das sei jedem selbst überlassen.

Schatz, sprachlich abgeleitet von skatts, skat, sket, bedeutet in fast allen Sprachdialekten zuerst Geld, als einzelnes Goldstück. Die eigentliche Herkunft ist nicht hundertprozentig mehr nachzuvollziehen, doch scheint es in direktem Zusammenhang mit dem im altfriesischen Wort, sket, schet, verwandt zu sein, das auch für das Wort Vieh benützt wird. Sprachwissenschaftler sind sich auch hier nicht einig, aber die Wahrscheinlichkeit, daß der Schatz einer Familie in frühen Zeiten eher aus dem Viehbestand seinen Wert erhielt als aus Gold und Silber, das man nicht essen konnte, erscheint zumindest realistisch.

Mein liebstes Vieh, mein liebster Schatz, meine liebsten Leser, Ihnen allen noch ein wunderschönes, entspanntes und liebkosendes Wochenende mit Ihren Liebsten.

Doris Mock-Kamm

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Politik ohne Furcht und Tadel entspricht dem alten Adel

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Satirischer Rückblick…

Wenn eines der Mensch gelernt haben soll: Nichts geschieht einfach nur so, gleich gar nicht ohne Groll, die Gesellschaft bleibt roh. Manch einer mag es für übertrieben halten, beweis er das Gegenteil, dieses herzlose Schalten und Walten, hinterher ist fast nichts mehr heil.

Mit jenen Gedankentropfen, die hinaus müssen nach entferntem Pfropfen, beginnt in hoffnungsfrohen Prozessen ein Weg gegen das Vergessen.

Was verbirgt sich wohl hinter gesellschaftspolitischen Stillstand? Eine scheinbar unsichtbare Wand? Reißt sie endlich ein, nicht nur zum Schein, sonst sind wir am Ende wieder allein mit noch mehr Sorgen, blicken ungewiß gen nächsten Morgen. Wut in Mut gestählt, wer sich richtig entscheidet, das zählt, bevor Menschheit noch mehr leidet.

Selbst wenn Erdoğans Präsidialsystem die USA nachäfft, fragt sich trotzdem, wer hier unbescholten herumkläfft: die Wirtschaft, weil sie des Menschen Garten Eden dahinrafft. Wer schwimmt im riesengroßen Aquarium ahnungunslos gaffend herum? Nicht etwa nur Fische, sondern wir selbst in bedenklicher Nische, die sich offenbart, weil alles sich um den Mammon schart.

Wenn auch Nachbarschaftsstreit den Alltag belasten mag, so ist dies noch harmlos, jene Klag. Erst recht, wenn sich wirres Zeug in Gedanken verfängt, einige mancher Doktrin verfallen, die mal wieder von den Bühnen schallen, so hört besser genauer hin: Das macht Sinn. Wir erleben es erneut bei Kunst und Kultur, die Spielball politischer Gängelung ist. Nicht nur, weil sie wieder die Fahnen gehißt, sondern Haß deren Seele auffrißt!

Kein Interesse Schmeicheleien und Lügen bedeuten, erst recht bei manch Leuten, die verlogen dich nett begrüßen, dabei Intrigen umherfließen. Darüber ist man sich im Klaren, ob heute oder vor 40 Jahren. Politische Machtwechsel oftmals nur Makulatur, und man fragt sich nur, wieso Mensch sich dermaßen simpel einseifen läßt, ewiglich gestern bis jetzt: Damit der weiche Schaum der Träume ein wenig manch Gehirn aufräume?

Mit Blick zum Reich der Mitte freut sich der ein oder andere Experte, was alles an Erkenntnis er durchlitte, geht gar in die Offerte, die letztlich nicht viel bringt, wenn eigener Wirtschaftsstern stetig sinkt. Eitelkeit trifft Häme – sich hinterher keiner gräme. Ach Mensch, so tief gesunken, Nächstenliebe in einem Meer voller Zweifel ertrunken?

Lotar Martin Kamm

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Eitelkeit trifft Häme – sich keiner gräme

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Wir wollen Spaß haben und quatschen, was och immer –
nicht diskutieren, uns stimulieren
im Ausmachen der geschönten Fronten.
Die Gelegenheit verfliegt im Nu, kommt nimmer,
beim Markieren, Sinnieren,
was einzig zählt, sind fette Konten.

Einst waren wir als Babys letztlich gleich,
hatten scheinbar alle dieselben Chancen –
geliebt, gefunden und verloren –
sind ein wenig ärmer oder gar reich,
treffen uns in Foren mit gebrochenen Lanzen
wie Krieger vor verschlossenen Toren.

Was wollen des Dichters Worte Euch damit sagen?
Das möget Ihr Euch fragen.
Es ist gar nicht so schwer
in Zeiten, wo Zukunft sich sagen muß:
Wo kommt all die Gleichgültigkeit her,
der Neid, der Haß, der Verdruß?

Schaut tief in Euch, wenn Ihr es wollt
und fraget und saget es Euren Kindern:
Bösartigkeit gebet kein Wort, – hinweggetrollt!
Es darf kein Dämon, kein Spötter uns daran hindern.

Lotar Martin Kamm

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China Exporte: Wirtschaftspolitisches Gezeter mit viel Kalkül

shanghai-skyline

Das Reich der Mitte befindet sich nie auf der Verliererseite

Arno von RosenEin dramatischer Rückgang der chinesischen Exporte (im Februar 2016 um 25%) schockte Experten! Experten? Ich fange eigentlich keinen Artikel mit einem Sprichwort an, aber hier und heute mache ich eine Ausnahme: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Warum sage ich das? Nur ein paar wenige Fakten hierzu.

Tatsächlich ist der Export im Februar dieses Jahres auf 125 Milliarden Dollar zurückgegangen, gegenüber dem Vorjahr, aber im Dezember lag dieser noch bei 225 Milliarden Dollar. Allerdings hat man nicht erwähnt, dass das chinesische Neujahrsfest auf den 8. Februar fiel (das Datum ändert sich in jedem Jahr) und damit nicht nur auf die Glückszahl 8, sondern auch auf das Jahr des Feuer-Affen. Zugegeben, für westlich geprägte Wirtschaftsgedanken klingt das abstrus, aber Chinas Wirtschaft funktioniert anders. Zum Neujahrsfest bekommen alle Wanderarbeiter Urlaub, die sonst wie in einer Kaserne auf dem Produktionsgelände eng zusammengepfercht leben.

Damit sind auch Reisen durch das riesige China verbunden, die oft Tage dauern und nicht selten zu dem Ergebnis führen, die letzte Arbeitsstelle aufzugeben. Es gibt keine Arbeitsverträge in China, und fehlende Arbeiter werden durch neue ersetzt, die dann erst wieder angelernt werden müssen, denn Ausbildung ist in China Mangelware. Ich breche den kleinen Exkurs ab, weil Sie ja jetzt schon verstanden haben, dass die Produktion für das Frühjahr bereits im Herbst erledigt wurde, die Ware sich auf Schiffen befindet und Richtung Europa unterwegs ist, um unseren Alltag billig zu verschönern.

Falls Sie sich jetzt noch ein bisschen Sorgen machen, die Exporte sind bereits wieder sprunghaft im März angestiegen auf über 175 Milliarden US Dollar, die chinesische Wirtschaft schleppt sich niedergeschlagen mit über 6% Wachstum dahin (Zahlen, von denen in Europa nur noch unsere Urgroßeltern berichten könnten, denn hier sind es selten mehr als 2%). Die Jammerei ist eher der Kultur der irrsinnigen Leistungserfüllung der politischen Führung Chinas geschuldet als tatsächliche Gründe, da die Partei alles steuern will, auch den Erfolg. Deshalb sind die von China genannten Daten eher mit Zweifel zu betrachten. Ja, aber der Zoll und das Statistische Bundesamt müssen es doch nun wirklich wissen, oder?

Jain, denn der Zoll rechnet ja nur die angegebenen Einfuhrpreise zusammen, welche traditionell beschummelt werden, um höhere Zölle zu vermeiden, und das Statistische Bundesamt stützt sich auf die übermittelten Zahlen der Unternehmen, die sich ebenso ungerne in die Karten gucken lassen. Es ist also viel Kaffeesatzleserei im Spiel, und es sind keine verlässlichen Zahlen. Da finde ich es schon bemerkenswert, wie sich Experten aus dem Fenster lehnen und China als Exportgiganten in die Krise reden. Trotzdem gibt es einen Faktor, den man nicht außer Acht lassen kann. Die Automobilimporte Chinas.

Galt unseren deutschen Automobilbauern China bisher als goldene Gans, gehen die Einfuhren der Deutschen Hersteller (die Teile selbst kommen auch aus aller Welt) zurück. Das liegt zum einen an der Sättigung des chinesischen Marktes, denn auf dem Land fährt niemand Neuwagen „Made in Germany“, in der Stadt verursachen Fabriken, Autos und antiquierte Techniken zum Smog-Infarkt, und zum anderen werden in sehr kurzer Zeit (etwa 6-10 Jahre) chinesische Hersteller den eigenen und europäischen Markt mit Automobilen überfluten, denn der Chinese an sich empfindet es als Ehrerbietung, dem Konkurrenten gegenüber dessen Produkte nachzuäffen (das Wortspiel war gewollt) und damit in den kommenden Jahren unsere Autobauer in die Knie zu zwingen.

Denken wir nur an die 70er Jahre, wo wir als Extra den rechten Außenspiegel hatten, die Japaner uns mit elektrischen Fensterhebern verwöhnten und diese anfänglich belächelt wurden. Heute führt VW einen offenen Kampf mit dem Weltmarkführer im Automobilbau aus Japan, und niemand lächelt mehr über den kleinen Inselstaat, obwohl dort hohe Lebensstandards herrschen im Gegensatz zu China, wo wenigstens der Durchschnittslohn von 80 Euro pro Monat (bei einer Arbeitszeit von 80 Wochenstunden) auf etwa 160 Euro gestiegen ist. Es wird also sehr leicht für die Mitbewerber, unsere Stückkosten extrem zu unterbieten.

buddha

Fazit. China hat natürlich keine Krise im wirtschaftlichen Bereich, außer dessen Wachstum aus technologischen Gründen weiter explodieren zu lassen. Die Umwelttechnik könnte von uns kommen, wenn wir clever genug sind, ansonsten haben wir China fast alles auf dem Silbertablett serviert, was der Riese benötigt, um in Europa in Zukunft zu dominieren.

Denn lässt man diese Produkte aus unseren Geschäften weg, wären Onlineplattformen und Innenstadtgeschäfte nahezu leer und machte auch vor Edelboutiquen nicht halt. Woher ich das alles weiß? Ich mache seit über 10 Jahren Geschäfte mit China, ob Produktion oder Import, und nie haben die Chinesen Geld bei einem Auftrag verloren, wirklich nie. Ach ja, falls es Sie interessieren sollte, ich wurde im Jahr des Feuerdrachen geboren, mehr geht eigentlich nicht.

Hier zwei chinesische Weisheiten die gut den Charakter wirtschaftlichen Verhaltens widerspiegeln:

„Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld“

„Verwandle große Schwierigkeiten in kleine und kleine in gar keine“

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