Menschheit am Scheideweg selbst gestellter Fallen

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Jede Veränderung beginnt mit der Selbstreflexion

Manchmal möchte man einfach die Zeit anhalten, verharren in einem Vakuum selbstreflektierter Gefühle und Erinnerungen, eine Chance ersehnen, gewisse Erkenntnisse erlangen, die es einem ermöglichen, Veränderung im Sein zu initiieren. Viel Wunschdenken, das sich schnell verlieren kann in schier hoffnungsloser Illusion, weil nur die Realität uns zurückholt, etwas direkt zu verändern oder eben es zu versäumen.

Der Einzelne ausgesetzt dem großen Ganzen, welches den Lebenslauf beeinflußt, ob er es wahrhaben will oder nicht? In einer Welt zunehmender Bevölkerungsdichte kaum mehr Nischen des Rückzugs vorhanden, die selbst einem Eremiten vergönnt? Einserseits Ballungszentren in stetig neu entstehenden Weltmetropolen, ein Großteil der Menschheit ohnehin am Meer verweilt, andererseits die letzten, nahezu unbesiedelten Gegenden als Opfer profitorientierter Gier vernichtet werden.

Verweilen in der Masse, in einer scheinbaren Anonymität, die mittels exakter Registrierung und Datenkatalogisierung ungeahnte Überwachungsmöglichkeiten bieten, das Individuum ausgesetzt in der Beurteilung einiger weniger, die es an der langen Leine begleiten. Mensch in Begriff all seine erdachten Science-Fiction-Geschichten in die Tat umzusetzen, als Folge eines kreativen Plans, der in den Weiten des Kosmos ihn erreichte? Welche Aufgaben erwarten ihn daher im ahnungsvollen Rausch hin zu apokalyptischen Szenarien, auf die er sich unentwegt und ungebremst zubewegt?

Mutter Erde schier hilflos ausgesetzt seitens unserer Spezies, die nicht nur sich selbst vernichtet, sondern die Natur, das Leben auf ihr. Hochmut kommt nicht vor dem Fall, viel eher schlägt geistiges Unvermögen hart auf, wenn konsequent zu Ende gedacht. Na, erraten Sie es? Genau, Homo sapiens ist eben nicht das Maß aller Dinge, vielmehr ein winziger Teil im Kosmos, entsprechende Antworten verweilen in jener Unendlichkeit, die obendrein sich nicht anschicken, zu uns zu gelangen. Gut so.

Man stelle sich nur für Momente vor, jene Erdenspezies würde im All an Einfluß gewinnen. Passiert aber nicht, den Mond mag man erreicht haben, mit dem Mars im Visier technisches Wissen bereits bis an dessen Grenzen überfordert, zumal manche unwägbare Überraschung ihn erwartet. Wer bisher nicht geistig-spirituelle Fähigkeiten verinnerlicht hat, der stößt erst recht in realer Praxis schnell auf Widrigkeiten. Zufall oder Absicht? Ersteres gibt es mitnichten, der Kosmos bestimmt unser Dasein.

Wir können weder das Rad der Zeit zurückdrehen noch das Geschehene aus heutiger Sicht revidieren. Aber wir vermögen im Hier und Jetzt stets uns der Vergangenheit erinnern, um aus den Fehlern zu lernen, sie vor allem nicht zu wiederholen. Worauf warten wir noch?

Lotar Martin Kamm

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Anderssein – Individualität im Kontrast zur konformen Gesellschaft

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Qual oder Chance anders zu sein?

Beides kann sich bedingen, muß aber nicht. Für manchen bleibt das Anderssein eine lebenslange Qual, für andere die Möglichkeit, sich zu einer starken Persönlichkeit zu entwickeln. Wobei die Persönlichkeit nicht unbedingt im positiven Sinne zu sehen ist. Genausogut kann die Qual einen „Schutz“ bedeuten. Daran erkannt man schon, jeder ist anders, und zwischen diesen Lebensmodellen gibt es noch viele mehr.

Obwohl alle Menschen biologisch gleich sind, das heißt, unser Körperbau und die Funktionalität sind im Wesentlichen keine große Unterscheidungsmerkmale, haben wir dennoch unsere eigenen Charakteristiken. Sei es der Körperwuchs, die Farbe des Haares, der Augen, der Haut, die Gesichtsform oder andere äußerliche Unterschiede. In den ersten Lebensmonaten und Jahren nehmen wir dies als einfache Tatsache wahr, bis wir durch andere oder uns selbst erkennen, daß das Gegenüber rote Haare hat. Wir bemerken, der große Bruder mag keine Bananen, die Oma lispelt, die neuen Schuhe gefallen auch Tante Rosa, einige sagen, wir ähneln Onkel Rolf und so weiter. Jetzt beginnen wir, andere zu erkennen und hinterfragen unsere Erkenntnis mit Hilfe der anderen oder durch uns selbst.

Viele „andere“ im obigen Text, aber ohne die keine Reflektion eben durch „andere“, egal ob ich mich selbst als anders definiere oder durch andere als anders reflektiert werde. Zur Qual des Anderssein wird es erst, wenn es als negativ oder positiv hevorgehoben wird.

Man muß und man kann nicht immer nachvollziehen, warum das “Anderssein“ von dem einen als gut, vom anderen als schlecht bezeichnet wird. Dies bleibt seine Ansicht, seine Meinung, seine Erkenntnis und sei jedem gestattet. Allerdings nur bis zu der Grenze, an der Abgrenzung, Ausgrenzung beginnt. An der Grenze, an der das Anderssein als abartig, nicht hinnehmbar verteufelt wird.

Manch einer versucht, deshalb sich zu ändern, läßt sich formen, um dieser Ausgrenzung zu entkommen, andere akzeptieren diese Diskriminierung irgendwann und vermögen an der Ausgeschlossenheit zu einer Persönlichkeit heranwachsen, die aufgrund ihrer Erfahrungen und Qualen anderen gegenüber empathisch auftreten. Für andere führen diese Abgrenzungsqualen zum geschultesten Förderer von jeglicher Art der Diskriminierungsformen. Beide sind Opfer durch Anderssein, beide haben diese Abgrenzung als Chance benutzt, der eine zum positiven Verständnis, der andere, um das positive Verständnis abzulehnen.

Diejenigen, die die Qualen nicht als Chance, sondern als Schutz betrachten, schlenkern für jedes Ausgrenzungsgefühl an einen andern Standpunkt und begrüßen den Hinweis auf das Anderssein als „Geschenk“, ihren Standpunkt zu verändern. Diese Menschen sind sogenannte „Fähnchen im Wind“. Oftmals sind sie auch diejenigen, die sich permanent nicht geliebt und geachtet fühlen und sich hinter Fassaden verstecken, sei es hinter „Führern“ oder „Ideologien“.

Der Wert des Andersseins ist trotz vieler Aufklärungsarbeit und vorgelebter Möglichkeitsformen immer noch nicht gänzlich in den Gesellschaften angekommen.

Gesellschaften, die in der Entwicklung des Menschen vom Kleinkind zum Erwachsenen nicht bewußt auf die persönliche Entwicklung jedes Individuums, sein Recht auf Anderssein eingehen, dürfen sich nicht wundern, wenn Troglodyten (Höhlenmenschen), wie in Platons Werk „Politeia“ beschrieben, die Mehrheit des Volkes stellen.

Doris Mock-Kamm

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Konfrontationskurs gen Russland über Ausgrenzung bis hin zu Kriegshetze

flickr.com/ SciF0r/ (CC BY 2.0)

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Guter Ami und böser Russe – welch simple Dialektik

Wer vom Globalismus spricht, darf keineswegs politische Verflechtungen außer acht lassen, genau sie bestimmen den Verlauf wirtschaftlicher Entscheidungen, an deren Tropfhahn ebenso unsere Gesellschaft hierzulande hängt, eine unübersehbare Abhängigkeit vorherrscht. Und da zumindest in der westlichen Geschäftswelt der US-Dollar noch entscheidenden Einfluß für sich in Anspruch nimmt, richten sich politische Beschlüsse nach ihm.

Nach der unsäglichen Ära des Eisernen Vorhangs trat aber mitnichten eine wirkliche Entspannungspolitik ein, da der US-Westen das Feindbild Russland mit allen Mitteln schürt. Fest verankert im NATO-Bündnis, in der EU und im Europarat wurden entsprechende Institutionen erschaffen, um den vermeintlichen Gegner in Schach zu halten, greift der Konfrontationskurs gen Russland über Ausgrenzung bis hin zu Kriegshetze, die besonders per simpler Dialektik unterstrichen wird, einem Schwarz-Weiß-Denken per „guter Ami und böser Russe“.

Vierte Gewalt untergräbt eigenen Presse-Kodex

Und beugt sich dem Diktat eines erklärten Feindbildes, welches es nicht im geringsten geben müßte. Doch spätestens beim Maidan-Putsch war die Zielsetzung besiegelt, outete sich der US-Westen als Aggressor, inszenierte alle weiteren Entscheidungen, um die Russische Föderation nicht nur global auszugrenzen, sondern darüber hinaus ihr auf die Pelle zu rücken, denken wir an die schnell beschlossenen Wirtschaftssanktionen, die Truppenverlegungen an den europäisch-russischen Grenzen.

Während auch „Die Zeit“ fortwährend keine Mühen scheut, kräftig mitzumischen bei angeblicher Demaskierung, der „Europarat könne auf Russland verzichten“, dem inzwischen 47 Mitgliedsstaaten angehören, neben vier anderen Staaten die USA immerhin Beobachtungsstatus im Ministerkomitee genießen, sollten wir eben nicht unterschätzen, daß es in erster Linie Europa betrifft.

Eine dermaßen einseitige Stellungnahme seitens weiten Teilen der Vierten Gewalt hinsichtlich „angeblicher russischer Bedrohung“ widerspricht dem eigenen Presse-Kodex, genügend Objektivität wahren zu lassen. Gerade in Sachen Einhaltung der Menschenrechte haben die USA genügend Klärungsbedarf, siehe rassistische Diskriminierung im eigenen Land, Guantanamo und vor allem weltweite kriegerische Einsätze. Zunahme des Ausverkaufs der Meinungs- und Pressefreiheit?

Deutschland sollte sich neutral verhalten – dritter Weltkrieg weitet sich aus

Mit einer derartigen Kanzlerin unmöglich umsetzbar. Falls ein Nachfolger per Wahl den Sessel erklimmt in etwa Besserung in Sicht? Wohl kaum, nicht nur wegen der Kanzlerakte. Zu viele wirtschaftliche Verflechtungen diktieren die Marschrichtung gen einmal ernannten Feindbild, von Rüstungsaufträgen mal ganz zu schweigen.

Den Beginn eines dritten Weltkriegs kann man mit dem „Arabischen Frühling“ im Nachhinein festmachen, spätestens seit dem Syrienkrieg und in Folge dem Ukraine-Krieg verdeutlichen die USA ihre Ziele, nämlich Russland massiv zu provozieren, die pazifischen Scharmützel mit der VR China deuten in dieselbe Richtung. Deuschland mitten im Herzen Europas gelegen, täte sehr gut daran, sich tatsächlich neutral zu verhalten. Fehlanzeige. Die Bundeswehr beteiligt sich fleißig, Berlin will zusätzliche Truppen zur Verteidigung an der NATO-Ostflanke entsenden.

Karl Jaspers formulierte mal:

„Der Krieg ist in wachsendem Umfang kein Kampf mehr, sondern ein Ausrotten durch Technik.“

Lotar Martin Kamm

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Lass dir das eine Lehre sein

flickr.com/ daniel.stark/ (CC BY 2.0)

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Nicht in die Fußstapfen des Lehrers treten

„Das laß dir eine Lehre sein!“ Entweder als liebgemeinte Warnung oder im hämischen Ton an uns gerichteter Ausspruch, wenn wir etwas augenscheinlich falsch gemacht haben. Was bedeutet Lehre? Warnung, Mahnung, Denkzettel, Erfahrung? Nein, es hat auch nichts mit der Lehre zum Messen eines Werkstückes, der Schieblehre zu tun. Lehre ist also kein Maßstab.

Das gotische Wort laisjan für lehren ist eng verwandt mit dem gotischen Wort laistjan, was soviel bedeutet wie folgen. Am deutlichsten erkennbar durch lâst, Fußstapfen, Fußspur und læstan, folgen. Sprachlich aus der weidmännischen Ausdrucksform zur Verfolgung eines Wildes und später in der Bedeutung übernommen für das Erkennen, Erfahren.

(…mit seinem öfter vorkommenden verbum laistjan folgen, und das ags. lâst fuszstapfe, fuszspur mit læstan folgen, ferner altn. leistr the foot below the ankle, und ahd. leist, calopodium, forma, uuagan-leisa orbita noch deutlich zeigt: in jenem verbum haben wir wol einen alten weidmännischen ausdruck vor uns, der sich auf das ausspüren des wildes und auch des feindes bezog und der erst später in die allgemeine bedeutung des erfahrens und kennens auslief. für den fall nun, dasz das causativ goth. laisjan, unser lehren, zu jenem leisan eine alte bildung ist, die schon bestand, als das letztere noch bloszes jägerwort war, und nicht etwa erst zu der zeit sich bildete, wo schon die allgemeinere bedeutung von leisan sich ausgeprägt hatte, so ist unser wort zufrühest auf den älteren weidmann bezogen gewesen, der dem jüngeren die spur des wildes erkennen und beachten lehrte; womit für lehren allerdings ein sehr entfernter und interessanter hintergrund gewonnen wäre. über das verhältnis von lernen zu lehren. DWB Trier)

Okay, der Textabschnitt ist jetzt sicher ein bißchen zuviel des Guten, aber ein wenig Lehre schadet nicht, damit es besser verstanden werden kann, da durch diesen Textabschnitt veranschaulicht wird, wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, nicht nur auf Deutungen Wert zu legen, sondern auf die Umstände, die dazu geführt haben, wie Wörter und Begriffe zu ihren „Aussagen“ kamen.

Im übertragenen Sinne bedeutet Lehre also auch lernen, das Lernen, die Fußstapfen richtig zu deuten, nicht in die Fußstapfen des Lehrers zu wandeln, sondern aus der Erfahrung des Lehrers Lehren zu ziehen.

„Das laß dir eine Lehre sein!“ Lerne zu lehren, den Fußstapfen zu folgen und lehre nicht zu lernen, den Fußstapfen zu folgen.

Doris Mock-Kamm

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Atomenergie: Zwei Super-GAUs bremsen keine menschliche Ignoranz

flickr.com/ Global2000/ (CC BY-ND 2.0)

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Was absehbar war: EU forciert die AKW-Technik

Deutschland steigt aus der Atomenergie aus, die EU mitnichten. Eine schallende Ohrfeige gen jahrzehntelang berechtigten Widerstand einer Anti-AKW-Bewegung, die ihren Beginn im Volk selbst hatte, aus der europa- und schließlich weltweit Umweltparteien wie die Grünen hervorgingen, sich etablierten.

Die EU-Kommission ganz auf Linie mit ihrem ehemaligen EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, will die Atomkraft mittels neuer Reaktoren massiv stärken. Es zeichnet sich exakt das Szenarium ab, worüber wir noch am Gedenktag zum 30-jährigen tragischen Unglück in Tschernobyl schrieben, Profitdenken beflügelt weiterhin die Befürworter. Insofern können wohl zwei Super-GAUs keine menschliche Ignoranz bremsen.

Parteien Spielball wirtschaftspolitischer Interessen

Ohne Fukushima wäre das Ende der Atomenergie in der BRD keine Option, würde auch die Große Koalition ihr zustimmen, die SPD hatte sowieso kaum bedenken, tat sich schon unter Rot-Grün schwer. Ein sicheres Indiz, in wie weit Parteien als Spielball wirtschaftspolitischer Interessen sich instrumentalisieren lassen.

Besonders anschaulich mag man dies im Grundsatzprogramm der AfD nachlesen, die ebenso auf Linie mit der EU-Kommission die AKW-Technik befürwortet. Die Verneinung zum CO2-Ausstoß rechtfertige dies, wobei die Risiken dieser Technik einfach ausgeblendet werden, obendrein ebenso das umstrittene Fracking nicht ausschließt.

Erfreulicherweise befinden sich wenigstens zwei Parteien im Deutschen Bundestag, die Farbe bekennen zum Atom-Ausstieg: die Linke und die Grünen. Einer Großen Koalition und erst recht der FDP als auch der AfD, die beiden letztgenannten Parteien sitzen wohl im Herbst 2017 im Plenum, traut man viel eher zu, sich einem EU-Diktat letztlich unterzuordnen.

Ein Fluch für Folgegenerationen

Falls diese tatsächlich den weltpolitischen Wahnsinn erleben dürfen, denken wir an eine massenvernichtungswaffenverseuchte Welt, die durchaus wahrscheinlich angesichts zunehmender Spannungen beim erneuten Wettrüsten. Zurück verbleibt, Atomausstieg hin oder her, ebenso die Problematik des Atommülls selbst. Dessen Transporte übers Meer sind tickende Zeitbomben, welches gar die rot-grüne Regierung in Hamburg nicht so recht wahrhaben will. Wie was das nochmal mit der politischen Macht, der Kungelei?

Faktisch liegt es an den Bürgern selbst, ob sie weiterhin diesen Wahnsinn zulassen, einer Manipulation auf den Leim gehen, dieser strahlenden Atomenergie erneut trauen, oder endlich begreifen, welche Gefahren dabei lauern. Braucht die Menschheit einen dritten Super-GAU, bis endlich begriffen wird, daß es keine hundertprozentige Sicherheit gibt? Es schaut ganz danach aus mit Blick zur EU und weltweit anderen Nationen.

Lotar Martin Kamm

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Seifenkistenrennen ein Tränenmeer der Freude oder Trauer

flickr.com/ Tom Hiller/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Karriere auf der Laufbahn des Lebens

Ist es nicht manchmal erstaunlich zu sehen, wenn kleine Dinge, nicht klein von Größe, sondern Dinge, die an und für sich keine große finanzielle Wertigkeit besitzen, Menschen ob jung oder alt die Tränen in die Augen treiben? Entweder, weil man selber sich damit eine Freude bereitet, oder ein Familienmitglied, guter Freund, Bekannter gerade eben siegreich durchs Ziel gefahren ist?

Die Rede ist vom Seifenkistenrennen. Oberursel bei Frankfurt wird als der Geburtsort von Kinderautomobilrennen genannt, weil dort 1904 und 1907 nach dem Vorbild des Gordon-Bennett-Cup und dem Kaiserpreisrennen Väter ihre Söhne mit mehr oder weniger originalgetreuen nachgebauten Sportwagen auf die Piste schickten. Das waren natürlich nicht die Seifenkisten, die wir kennen und die aus Amerika kommend bei uns Einzug gefunden haben. Nichtsdestotrotz gehören diese Rennen mitaufgezählt, da es sich bei diesen Rennen ebenso um selbstgebaute „Eigenmarken“ handelte.

Den Begriff „soap box“ kreierte Myron E. Scott, nachdem er Jugendliche beim Bau von Kinderautomobilen beobachtet hatte. Am 19. März 1933 fand in Dayton das erste größere Seifenkistenrennen statt. Ab 1949 fuhren auch wieder in Deutschland die ersten Seifenkisten über eine Rennstrecke. Und seither ist ihr „Siegeszug“ und die Faszination über die Kisten ununterbrochen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen die folgenden Rennen für 2016 noch an, die im Seifenkistenrennkalender einzusehen sind.

Sicher ist der Reiz des Sieges nicht der alleinige Umstand, schon beim Anblick einer Seifenkiste mit benetzten Augen das Prunkstück anzusehen. Es sind die Arbeit, die Stunden, das Austesten, das Verwerfen, die Suche nach einem bestimmten Teil, das Hämmern, das Schleifen, das Formen, Bemalen, Lackieren, Kleben, Messen, das Erwachsenen und Kindern Gefühle des Stolzes über das Geschaffte, ein Tränenmeer der Freude entlockt. Wenn dann noch das Gefährt als erstes die Ziellinie erreicht, erleben die Erbauer Weihnachten, Ostern und Geburtstag in einem. Und nicht zu vergessen, die mißlichen Umstände, die im Vorfeld geschehen können, vom Abkupfern der Konstruktion bis zum Behindern während eines Rennens. Die Filmreihe „Ein toller Käfer“ ist nur ein Beispiel dafür, was so alles vor, während eines Rennens passieren kann.

So eine Kiste, umgangssprachlich auch Karre, kann sämtliche Höhen und Tiefen des eigenen Talents bei der Konstruktion, beim handwerklichen Geschick, bei der Fahrkunst bis hin zum Erleben eines Sieges oder einer Niederlage und den Umgang mit diesen dabei erfahrenen Erkenntnissen wiedergeben.

Gar nicht so abwegig ist daher für einen beruflichen Werdegang, der vom Tellerwäscher zum Millionär führen kann, mit Karriere zu umschreiben. Die Karriere, abgeleitet von karre, karro, aus dem Lateinischen carrus, vierrädriger Wagen, carraria, der Fahrweg und vom Französischen carriére, Rennbahn, Laufbahn, steht in vielerlei Bezug eng mit den Wegen in Zusammenhang, die wir Menschen begehen.

Wir sind mit Talenten ausgestattet, die anfangs durch andere erkannt und gefördert, aber in die wir manchmal erzwungenermaßen hineingestoßen werden. Auf dem Weg zur beruflichen Ausbildung wird an uns geformt, geschliffen, kommen wir schon mal vom Weg ab, werden Steine in den Weg gelegt, wird gemobbt, fällt uns der Zufall zu Hilfe, werden wir gefördert, strengen wir uns an, wenn Rückschläge unvermeidbar waren, sind Menschen an der Seite, die uns unterstützen, den Rücken freihalten, und haben wir den Beruf oder die Berufung erreicht, dann fängt das Spiel von vorne an. Manche benützen gern ihre Ellbogen, Beziehungen, gönnen sich keine Freizeit mehr, werden gesponsert, obwohl kein wirkliches Talent vorhanden, werden fallengelassen wegen den kleinsten Unstimmigkeiten.

Einige schaffen es bis ganz oben, sagt man so. Aber ob wirklich immer diejenigen den besten Platz bei diesem Lebensrennen erreichten, die auch die Kompetenz, die Erfahrung, den Sieg „verdient“ haben, scheint manchmal zweifelhaft. Beispiele dafür gibt es genügend, sei es im gesamten künstlerischen, wirtschaftlichen, politischen Bereich oder einfach im eigenen Umfeld.

Deshalb ist es umso wichtiger, sich vor Augen zu führen, nicht das Ziel, der Sieg ist der Lebensinhalt, sondern der Weg, ob als permanenter Zuschauer oder als aktiver Fahrer auf der Laufbahn des Lebens.

Doris Mock-Kamm

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Querdenkende – Résumé nach einem halben Jahr

 Bühnenbild-Froschkönig 1996

Unser Dank an alle Leser – wir bleiben dran

Es war ebenso ein Montag, dieser 16. November 2015, wo zunächst „Quergedachtes“ als Blog ins Netz ging, seit 01. Dezember als Seite „Querdenkende“. Heute blicken wir auf ein halbes Jahr zurück. Immerhin erschien am Vormittag der 398. Beitrag, 545 Kommentare schalteten wir frei, über 129.000 Menschen schauten vorbei.

Obwohl die Leserzahlen tendenziell im Moment zurückgehen, was unterschiedliche Gründe haben mag, auf die wir mal nicht näher eingehen, erfreuen wir uns über viel Zuspruch seitens etlicher Leser, erreichen uns interessante Anregungen, ein wichtiger Austausch, eine zunehmende Stammleserschaft, die uns ans Herz gewachsen. Danke dafür.

Auch unser Team vergrößerte sich von anfangs drei Mitgliedern nunmehr auf sieben, eine erfreuliche Entwicklung. Neben großer Bandbreite etlicher Themen, die in entsprechenden Kategorien ihren Platz fanden, riefen wir auch auf YouTube den Kanal „Querdenkende TV“ ins Leben, wo zunächst die Nachrichten-Sendereihe „Es geschah vor 40 Jahren“ ihren Anfang hat.

Parallel entstand unsere Seite „Kulturnews“, die seit Januar sich im Internet präsentiert. Dort könnt Ihr täglich eingestellt zusammengetragene Links aus dem kulturellen Bereich einsehen, anklicken, in sofern ein nützlicher Newsticker für alle Interessierte.

Natürlich bleiben wir dran, legen ganz großen Wert auf viel Austausch untereinander, blicken ins Geschehen dieser Welt, widmen uns den Sorgen und Themen, wollen aber auch Denkanstöße und kritisches Hinterfragen vermitteln. Wer uns anschreiben möchte, erreicht uns stets unter dieser E-Mail-Adresse: quergedachtes@gmail.com

In diesem Sinne wünschen wir Euch noch einen schönen Pfingstmontag,

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

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