Wenn Witze Wissen vermitteln

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Scherzkekse unterwegs oder erheitert uns der Schalk im Nacken?

„Kennste den schon?“ Mit dieser Frage wird höchstwahrscheinlich nicht danach gefragt, ob Sie den neuen Nachbarn, Lehrer, Chef, Song, Film kennen, sondern den neuesten Witz, der Ihnen daraufhin teilweise ohne Ihre Antwort abzuwarten, mitgeteilt wird. Es gibt regelrechte Witzbolde, die mitunter bei sämtlichen Situationen, ob nun dazu passend oder nicht, die Mitmenschen überhäufen mit Witzen. Ihr Arsenal (kann wirklich mit Waffen- oder Gerätelager verglichen werden), scheint zuweilen unerschöpflich.

Einige Witze sind in der Tat „Waffen der Worte“, sie können entweder eine brenzlige Situation entschärfen oder aber ein ernstes, schwieriges Thema durch scheinbar Widersprüchliches erklär- oder vermittelbar darstellen, natürlich können sie auch durch Sarkasmus erniedrigend moralische Werte in den Schmutz ziehen. Dies soviel zum Arsenal.

Der Witzeerzähler kann nicht in einer festen Kategorie, also einem gewissen Menschenschlag gehörig, definiert werden. Manchmal sind es unscheinbare Menschen, die einem plötzlichen Einfall nachgebend einen Witz zum Besten geben, manchmal sind es Menschen, die partout auf sich aufmerksam machen wollen und jene, die den Schalk auf der Zunge haben. Dabei trifft der Witz nicht überall auf Verständnis. Es gibt wesentliche Unterschiede zur Auffassung des Humors und zwar in allen Herren Ländern. Natürlich auch in allen Frauen Ländern und Kinder Ländern. Sicher gibt es hierzu ernste oder weniger ernstzunehmende Untersuchungen.

Der Witz vermittelt auf humorvolle, sarkastische, scherzhafte Weise Wissen. „Wizzi“, althochdeutsch, Wissen, Verstand, der Witzbold, „bold“ (stark, kühn) ist also der kühne, kecke Verbreiter von Wissen. Heute wird die Bezeichnung Witzbold eher in dem mit negativem Beiklang des Spaßmachers oder Scherzkekses angesiedelt. Eigentlich zu Unrecht. Vielleicht weil wir durch „bold“ der Assoziation verfallen, ihn in den Vergleich mit den Begriffen Trunkenbold und Raufbold zu ziehen.

Manch einer kann sich sicher noch an die allseits geliebte Schulzeit erinnern, der Ort, der von Wissen nur so tropft und dennoch sind viele von den Wissenstropfen nicht mal richtig benetzt worden, oder der Tropfen hat nicht einen Hauch einer Chance gehabt, überhaupt das Haupt zu treffen, andere hingegen saugten die Tropfen auf wie ein vertrockneter Schwamm. Aber in dieser Wissenshöhle gab es den einen oder anderen Lehrer, der es verstanden hat, das noch so langweiligste, uninteressanteste, schwierigste Thema mit Witz in den Verstand zu sprühen. Sie schufen mit Witz regelrechte blühende Verstandeslandschaften, selbst bei den unaufmerksamsten Schülern und erreichten oftmals ein stetiges Verbessern der als Bemessungsgrundlage fürs Wissen zu vergebenden Noten.

Wenn das Wissen also in überspitzter, sarkastischer, humorvoller, komischer, scherzhafter Form die Möglichkeit bietet, sich effektiv, besser und vor allen Dingen langanhaltender mit dem Verstand zu verbinden, dann sind Witze Macht.

Benützen wir also die Waffen der Worte pointiert in Witzen, können wir damit nicht nur den Verstand schärfen, sondern auch Verständnis vermitteln.

Verdrehen Sie daher nicht Ihre Augen, wenn wieder mal jemand in Ihrer Nähe mit: „Kennste den schon?“ ein Gespräch beginnt, vielleicht entgeht Ihnen dadurch eine neue Erkenntnis.

Doris Mock-Kamm

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Es geschah vor 40 Jahren (26. April bis 02. Mai 1976)

flickr.com/ New York + Philly Love!/ (CC BY-SA 2.0)

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Wußten Sie was vom 26. April bis zum 02. Mai 1976?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zur neunten Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr eine Aneinanderreihung von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm

Lotar Martin Kamm

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USA: Hegemon unterstreicht seine Unfähigkeit

flickr.com/ Mo_Lishomwa/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Viel Show und Abgründe US-amerikanischer Politik im Wahlkampf

Manch geäußerte Kritik am Wesen des Amis trifft eben doch den Kern, zeigt dessen Schwäche auf, mit der Welt nicht in Einklang zu leben. Vom Storyteller bis hin zur grotesken Schau getragenen Oberflächlichkeit zeichnet diesen nordamerikanischen Bewohner aus, wobei seine brutale Mentalität sämtliche Lebensbereiche einnimmt.

In sofern unterstreicht der Hegemon seine Unfähigkeit, die ganz besonders im Wahlkampf sich zeigt, viel Show und Abgründe US-amerikanischer Politik eine erstaunte Weltöffentlichkeit erleben darf. Da wird viel analysiert, akribisch beobachtet, was ein rebublikanischer Donald Trump während seines Wahlkampfes dem Volk zumutet, auch wenn sich dies per Überschrift auf „Amerika zuerst“ reduziert, trifft es eben den Inhalt dieser „arroganten Weltmacht“, die so gar keine Anstalten hegt, um ein friedliches Miteinander zu fördern. Der bald scheidende Präsident Barack Obama hat neulich erst sogar behauptet, die Welt sei noch nie so friedlich gewesen. Welch Verhöhnung derzeitiger Kriegsschauplätze und dessen Betroffenen!

Antiamerikanismus – keine Verunglimpfung, vielmehr ein tragisches Fazit

Wer die Welt in gut und böse nach eigener Fasson einteilt, dem sollte man eigentlich von vornherein mißtrauen. Konnte aber zunächst historisch bedingt schwerlich funktionieren mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als die US-Amerikaner Europa vom Faschismus befreiten, zumindest in Deutschland. Mit der Teilung beider deutschen Staaten wurde die scharfe Trennlinie zwischen dem guten Westen und dem bösen Osten den Menschen suggeriert, der Kapitalismus als einzig wahres System weltweit endgültig installiert.

Der Kommunismus konnte von Beginn an nicht bestehen, sich weltweit durchsetzen, was nicht nur die USA zu verhindern wußten, sondern insbesondere Wirtschaftsinteressen diktierten, Geldflüsse bestimmten stets den weltpolitischen Lauf, schreiben bis heute jedem System dessen begrenzte Handlungsfähigkeit vor, welch ideale Konstellation der Erpreßbarkeit, die Menschheit zu knechten. Die daraus hervorgegangene Aversion, ein wachsender Antiamerikanismus, somit keine Verunglimpfung darstellt, vielmehr ein tragisches Fazit.

Alternativloses Spektakel im November

Blickt die Welt tatsächlich gen USA, obwohl andererseits genügend Nationen weiterhin sich vom Klammergriff dieses Hegemons befreien, denken wir an die BRICS-Staaten, an etliche Nationen, die alles daran setzen, um in keine Abhängigkeit zu geraten? Sie versucht es zumindest, wenn auch schwerlich umsetzbar.

Im anhaltenden Wahlkampffieber bestätigen diese USA ihr Weltmachtgehabe, provozieren nonchalant mittels vorantreibender Kriege, sorgen für sehr viel Leid, ohne jedwede Gewissensbisse. Daran ändern weder ein Trump, eine Clinton noch ein Sanders etwas. Am Ende setzt sich die gewollt inszenierte Kraft durch, um der Welt wieder einmal zu beweisen, wie verächtlich der Hegemon Nächstenliebe und Frieden mit Füßen tritt.

Lotar Martin Kamm

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Fremdeln ein vollkommen natürlicher Selbstschutz

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Chancen sich von Angst und Skepsis zu befreien

Die Situation ist sicher jedem bekannt, auch wenn er, natürlich auch sie, selber keine Kinder haben. Das Kleinkind versteckt sich hinter dem Papa oder klammert sich an Mamas Beine, sucht ihre Hand, drückt das Gesicht hinter den Kopf von Oma oder Opa. Das Kind fremdelt. Eine entwicklungsnotwendige Phase, die bereits ab dem achten Lebensmonat ihren Beginn einläuten kann.

Ein Kind reagiert auf Menschen, indem es plötzlich, selbst bei Menschen, die es kennt, weint, sich verkrampft, wegdreht, denn ab hier beginnt das bewußte Erkennen der Umwelt, hier geht das blinde Vertrauen des Babys in ein gesundes Mißtrauen über. Die Einschätzungsfähigkeit von Gefahren wird trainiert, nicht nur „fremden Menschen“ gegenüber, sondern ebenso der Umwelt.

Nicht von ungefähr ist diese Phase bei jedem Kleinkind eine wichtige Entwicklungsperiode. Der Begriff Infantizid bedeutet in der Zoologie das Töten des Nachwuchses durch die eigene Spezies. Und das nicht nur bezogen auf Säugetiere. Es wird sogar davon ausgegangen, daß Infantizid ein natürliches Verhalten im Tierreich darstellt. Die Kindstötung kommt aber auch beim Menschen vor. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig und durch die gesamte Geschichtsschreibung bis in unsere Zeit belegt.

Ist es da nicht verwunderlich, daß eine gesunde Skepsis für den Lebensweg erforderlich ist, im Hinblick auf alle erdenklichen Gefahren? Das Fremdeln ein genereller Schutz für alle Zeiten? Nicht ganz! Jedes Wesen durchlebt das Fremdeln in seiner ihm eigenen Persönlichkeit, daher gibt es Kinder, die das Fremdeln nur in einer kurzen Zeitspanne durchleben. Kinder, die das Fremdeln bereits überbrückt haben und zu einem späteren Zeitpunkt nochmal durchleben. Kinder, die das Fremdeln über einen sehr langen Zeitraum, eventuell über Jahre durchleben.

Wichtig scheint in diesen Phasen, eine Vertrauensperson an der Seite zu haben, die das Kind weder ermahnt, gib Oma einen Kuß, stell dich nicht so an, du kennst doch Tante soundso, sondern dem Kind anhand von Verständnis und schutzbietender Person, das Vertrauen zu stärken. Auffällig ist allerdings, daß Kinder von aufgeschlossenen, kontaktfreudigen Erziehungsberechtigten die Fremdelphase schneller durchlaufen können.

Es kann also durchaus möglich sein, daß Ängste, die in der „Fremdelphase“ entstanden sind, noch immer das Dasein als Erwachsener prägen. Sicherlich sind Skepsis oder sogar Angst ein Lebensbegleiter, die als eine innere Schutzfunktion uns vor vielen Dingen bewahren können. Trotzdem reichen sie manchmal nicht aus, weil wir auf falsche Freunde hereinfallen, weil wir einen Partner geheiratet haben, der bereits schon verheiratet ist, weil wir unachtsam über die Straße gehen.

Es gibt kein Rezept für einen hundertprozentigen Schutz. Aber es besteht die Möglichkeit, aus Erfahrung, gesundem Mißtrauen, Enttäuschungen und Unfällen vorzubeugen. Aus Angst keine neuen Kontakte pflegen, weil wir oft schon auf falsche Menschen hereingefallen sind, nicht mehr Auto fahren, weil wir in einen Unfall verwickelt waren, keinen Hund mehr in unsere Nähe lassen, weil wir schon mal gebissen wurden, sind sicherlich keine guten Lösungen.

Fremdeln überwinden bedeutet, nicht nur das eigene Vertrauen in die verinnerlichten Erfahrungen stärker auszuprägen, sondern auch sich immer wieder zu befreien von festgefahrenen Ängsten. Jeder Schauspieler, Sänger, Artist geht nach mißglückten Auftritten wieder auf die Bühne, wir ermutigen Kinder nach einem schmerzlichen Sturz vom Fahrrad, es wieder zu versuchen, wir trösten Freunde, die vom Schicksal gebeutelt wurden, damit sie ihre innere Stärke wiederfinden.

Warum also sollten wir nicht uns selber die Stärke verleihen, Fremde mit neugierigen Blicken, Fragen kennenzulernen, vielleicht fremdelt der Fremde genauso wie wir.

Doris Mock-Kamm

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Geschichte: Grauzonen der Wahrheitsfindung und Verschwörung

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Manipulation im Intrigenspiel dient dem Machterhalt

Zufällige Geschehnisse lassen sich durchaus aneinanderreihen, daß einem schier schwindelig sein mag, möchte man sie denn allesamt als logische Schlußfolgerung interpretieren. Doch diese bleibt meist auf der Strecke, sobald ein Warum, eine Hinterfragung auftaucht oder das eine oder andere Detail gar nicht so stattgefunden hat, wie man es der Weltöffentlichkeit zuvor verkaufte.

Sollte man dann weitergedacht, davon ausgehen, daß ohnehin die Geschichtsschreibung niemals den Anspruch erheben darf, sie entspräche vollumfänglich der Wahrheit? Ohja, dies ist wohl der Fall. Wer hat somit gezielte Interessen, den nebulösen Schleier über bestimmte Tatsachen zu ziehen, damit klare Indizien verschwinden, Menschen dafür gar zu töten, bloß um eigene Vorteile zu erreichen? Sie ahnen es schon. Natürlich all jene, die ungern bzw. gar nicht ihre Macht abgeben wollen, sondern vielmehr alles daran setzen, sie mindestens zu halten oder gar zu vergrößern.

Licht ins Dunkel bringen?

Tauchen wir beim gedanklichen nächsten Schritt nicht längst in den Bereich eines verschwörungstheoretischen Vakuums, um derartige Vorfälle aufzuklären, Licht ins Dunkel ungereimter Geschehnisse zu bringen? Auf alle Fälle sollte man dies in Betracht ziehen. Dennoch machen es sich gerade unkritische Zeitgeister ein wenig zu leicht, alles, was nicht logisch nachvollziehbar, eindeutig bewiesen wurde, einem Schwarz-Weiß-Denken entsprechend in eine Schublade der Verschwörungstheoretiker zu stopfen, um sogenannte wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse als die Errungenschaft zu verglorifizieren. Dazwischen existiert eine riesige Grauzone, wo viel wahrscheinlicher die Wahrheit im Verborgenen liegt, man manchmal sogar eingestehen muß, ihre Spur niemals zu finden.

Der könnte schon ins Grübeln geraten, welcher mit solchen Überlegungen die gesamte Menschheitsgeschichte betrachtet: Ob nicht doch vielerorts sehr gezielt nachgeholfen, ganz gewisse Machenschaften, man sollte sie viel eher beim Namen nennen, nämlich Verbrechen, vertuscht oder gar dermaßen bewußt verkehrt dargestellt wurden, so daß die eigentlichen Übeltäter meist ungeschoren davonkamen. Das läßt tief blicken, erst recht, weil dennoch beherzte Mitmenschen oft todesmutig keine Ruhe gaben, bis Intrigen entlarvt. Dann fiel halt mal die ein oder andere Macht. Gemessen am mehrfach praktizierten Unheil war dies trotzdem gerade mal die Spitze eines Eisbergs.

Mensch zwischen Religion und Pragmatismus

Notanker Religion, vom Koran bis zur Bibel, – helfen dabei muslimische oder christliche Wurzeln? Glaubenssache kann sicherlich trösten, aber gleichzeitig sind gerade auch Religionen hervorragende Machtinstrumente und üben bis heute ihren Einfluß aus, manipulieren Menschen für eigene Zwecke, selbst wenn in ihrem Namen Gutes getan werden mag. Die süße Versuchung des Machtmißbrauchs hat stets sehr viele Zeitgenossen dazu veranlaßt, sie unerschrocken anzuwenden. Um so deutlicher gilt es, genau das zu verhindern.

Pragmatisch gedacht, haben wir Menschen es selbst in der Hand, in wie weit das Zusammenleben sich gestaltet. Bei anhaltender Gewalt muß stets mit Gegengewalt gerechnet werden, das ist genauso sicher wie die unsinnige Redewendung vom eigenen Glück, welches jeder sich schmieden kann. So simpel schaut die Realität trotzdem nicht aus, denn wer am falschen Ort, unter verkehrten Familienverhältnissen aufwächst, obendrein gar verlogene Begleiter trifft, kann durchaus noch so sehr kämpfen, das Glück bleibt auf der Strecke.

Schön, wenn solche Sprüche beim ein oder anderen zutreffen, als allgemeinverbindlichen Rat wird eine solche Weisheit mitnichten dem Verzweifelten einen Hoffnungsschimmer geben. Dann besser den eigentlichen Tatsachen ins Auge schauen und das Beste draus machen, soweit einem sich Möglichkeiten bieten.

Lotar Martin Kamm

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Systemwechsel in altbekannte Bahnen

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Scharfe Worte voller Tatendrang
Wege der Entfaltung suchten,
manch Angeprangerte giftig fluchten.
Welch bösartig schriller Klang!

Statt Argumenten hohle Phrasen
Wege der Erschütterung fanden.
Ob sie beim Empfänger landen,
weil Fanatiker zum Angriff blasen?

Während gar Führergedanken
in manch verirrten Köpfen kreisen,
in Wortgefechten öfters total entgleisen,
mögen suchende Bürger noch schwanken.

Rattenfänger im lautstarken Übereifer
genau jene zu suchen beginnen,
fest überzeugt, auf ganzer Linie zu gewinnen.
Werden Menschen nach alldem niemals reifer?

Friedliche Ansagen voll ehrlichem Elan
können nur moderate Antworten sein.
Laßt sie in eure unsichere Herzen rein.
Wenn nicht, entfaltet sich Haß, voller Wahn.

Lotar Martin Kamm

Auch dieses Gedicht widme ich als neuen Beitrag zu Sylvias Projekt „Gegen das Vergessen“.

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Tschernobyl: Trotz Gedenken weltweit neue AKWs geplant

flickr.com/ bsdphoto/ (CC BY-NC 2.0)

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Zwei Super-GAUs können eine angeblich technische Überlegenheit nicht aufhalten

Heute vor 30 Jahren geschah der erste Super-GAU eines AKWs in der Ukraine, im Kernkraftwerk Tschernobyl, in damaliger Sowjetunion, der Mauerfall und Zusammenbruch des Warschauer Pakts war trotz einiger Vorzeichen noch nicht abzusehen. In Zentraleuropa, also ebenso hier in Deutschland, herrschte Ratlosigkeit, Panik und Angst. Zum ersten Mal wurde die Berechtigung einer Anti-AKW-Bewegung äußerst bitter vor aller Augen geführt. Dringend notwendig sofortiges Umdenken unter der Helmut-Kohl-Regierung? Fehlanzeige.

Befanden sich 1985 weltweit schon 363 AKWs am Netz, wurden in den nächsten fünf Jahren, die Tschernobyl-Katastrophe außer acht lassend, 53 weitere gebaut. Italien reagierte per Volksabstimmung vorbildlich nach dem Tschernobyl Super-GAU, die vier bestehenden AKWs wurden bis 1990 allesamt abgeschaltet. Unser nördlicher Nachbar Dänemark hatte bereits 1985 sich gegen die Nutzung von Kernenergie entschieden. Trotz heutiger Gedenken sind weltweit neue AKWs geplant, zwei Super-GAUs können eine angeblich technische Überlegenheit nicht aufhalten.

Deutscher Ausstieg nach Fukushima halbherzig – Profitdenken beflügelt Befürworter

Obwohl die Anti-AKW-Bewegung keineswegs müde wurde, ihre Bedenken der bundesdeutschen Regierung vorzutragen, beharrte gerade die CDU-Regierung unter Kohl auf diesen gefährlichen politischen Energie-Kurs, selbst die rot-grüne-Ära von 1998 bis 2005 konnte den überfälligen AKW-Ausstieg nicht vorantreiben oder gar abschließen. Frau Merkel hielt explizit an ihm fest.

Nach dem zweiten Super-GAU, in Fukushima am 11. März vor fünf Jahren, erfolgte endlich ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen in der BRD, was dennoch den damaligen EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, nicht davon abhielt, sich lautstark für den weiteren, weltweiten Ausbau von AKWs einzusetzen. Kein Wunder, daß mit solch einer Einstellung der deutsche Kernkraftausstieg eher halbherzig stattfindet, erst Ende 2022 die letzten drei Kernkraftwerke der derzeit noch acht in Betrieb befindlichen vom Netz gehen sollen.

Dem Gedanken einer „absoluten Sicherheit“ deutscher Kernkraftwerke, wie der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs großspurig verkündete, stehen aber gewisse Restrisiken gegenüber, von menschlichen Versagen über Naturkatastrohen bis hin zu Terroranschlägen.

Die „Big Five“ der meisten AKWs (Japan seit Fukushima ausgeklammert)

Vorneweg diese USA, die neben ihrer extrem hohen Militärausgaben, dem Fracking und anderen Ressourcen-Verbrechen ebenso die Liste der in Betrieb befindlichen AKWs (Stand Oktober 2014) mit 99 anführen. Unsere französischen Nachbarn haben so gar kein Problem mit dieser fragwürdigen Technik mit ihren 58 aktiven AKWs. Russland rutschte mit seinen 34 auf den dritten Platz, die VR China betrieb 30 und Südkorea 24 als der letzte der „Big Five“.

Weltweiter Ausstieg längst keine Option

Besonders die VR China erwägt möglichst viele neue AKWs zu bauen, von mehr als 80 weiteren ist die Rede. Auch die Russische Föderation, anstatt die eigene Technik zu hinterfragen in Hinblick zu Tschernobyl, setzt nach wie vor auf die Kernkraft, wie Putin beschlossen hatte, weitere 26 Reaktoren sollen bis 2030 gebaut werden.

In sofern kann von einem weltweiten Atom-Ausstieg keine Rede sein, das Gegenteil ist der Fall. Die zwei Nuklearkatastrophen und deren Folgen haben offensichtlich nicht ausgereicht, ein wirklich nachhaltiges Umdenken zu initiieren. Diese gefährliche Technik wird immer noch deshalb unterschätzt, weil die tödliche oder gesundheitlich extrem gefährliche Strahlenbelastung von den menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden kann, wir ducken uns, gewarnt mittels hör- oder sichtbaren Lärm bei gewissen Gefahren, ziehen Gasmasken an, wenn die Atemwege spürbar belastet, manche essen ahnungslos immer noch gepflückte Pilze mitten in Europa, Geigerzähler ticken an manchen Stränden des Pazifischen Ozeans.

Ich schließe heute mit folgdendem eigenen Zitat:

„Wenn ein Kind sich an der Herdplatte die Finger verbrennt, geschieht dies in der Regel kein zweites Mal. Zivilisierte Menschen haben aus Tschernobyl nichts gelernt, so daß Fukushima vermeidbar gewesen wäre. Doch bis heute verbleibt die arrogante Haltung, es passiere schon nichts weiteres.“

Lotar Martin Kamm

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