Rot und Blau ist Kaspers Frau

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Fahnenhissen fördert die Unfähigkeit, selbstverantwortlich zu handeln

„Rot und Blau geht dem Kasper seine Frau, ein bißchen Grüner gehen seine Diener, ein bißchen Gelber geht der Hanswurst selber.“

Wer diesen Spruch des öfteren gehört hat, wird seine Kleiderauswahl dahingehend, bis auf minimale Ausnahmen, richten, Rot und Blau nicht zu kombinieren. Jedenfalls nicht einen roten Pulli, Bluse, Jacke mit einer blauen Hose, Rock oder umgekehrt.

Schätzungsweise war Ocker die erste Farbe, mit der unsere Vorfahren die ersten Zeichnungen auf Stein gemalt haben, gefolgt von Schwarz, Braun und Weiß. Warum? Weil diese Farben als natürliche Rohstoffe in der Natur vorkamen. Alle anderen Farben entstehen mehr oder weniger durch Verarbeitung, entweder durch Trocknung von Früchten, gemahlene Steine oder von Tieren, Beispiel Cochenille-Schildlaus (rot).

Nun fragt man sich wahrscheinlich oder auch nicht, warum waren unsere Vorfahren mit den Farbtönen ocker, schwarz, braun und weiß nicht zufrieden, sondern erschlossen für sich und die Nachwelt die Möglichkeit, „Gemälde“, Kleidung und Körperbemalungen mit einer ganzen Palette von Farben zu erweitern? Ohne weiteres sind doch mit nur einer Farbe plastische Darstellungen möglich.

Angenommen unsere Augen könnten nur die Farben Ocker, Schwarz, Braun und Weiß voneinander unterscheiden, alle anderen Farben könnten nicht wahrgenommen werden. Somit wäre es komplett einerlei, ob eine Blume rote oder gelbe Blüten hat. Demzufolge würde kein Interesse bestehen, eine gelbe Blume zu zeichnen, da sie für das Auge nicht als gelbe Blume wahrnehmbar wäre.

Da das menschliche Auge, bis auf einige Ausnahmen, die Fähigkeit besitzt, Hunderte von Farbnuancen zu unterscheiden, sogar mit den Reflexen der Beschaffenheit einer Farbe, ob glatt, strukturiert, glänzend, meliert, wäre es mehr als verwunderlich, wenn die Menschen nicht versucht hätten, diese Farbenpracht zu nutzen, um sie mittels Gemälden, Körperbemalungen, Stoffen „dauerhaft“ zu sehen und sich daran zu erfreuen.

Die Natur ist vielfältig, der Mensch ist vielfältig. Bis auf die Ausnahmen der Wenigen, die von der Vielfältigkeit überfordert sind und deshalb ein Schwarz-Weiß-Denken bevorzugen und dies mit aller Gewalt und Macht auf alle Andersdenkenden übertragen wollen. Dazu dienen ihnen vorgeschwärmte Werte, die es zu erhalten gäbe. Nicht beachtet wird dabei, daß gerade Werte immer einer Vielfältigkeit unterliegen.

Die Minderung der Vielfältigkeit führt zu strengeren Maßnahmen und schlußendlich zu starren Verhaltensmustern. Diese wiederum erzeugen die Unfähigkeit, selbstverantwortlich zu handeln.

Und wenn demnächst unsere Kinder und Enkelkinder morgens im Kindergarten und in der Schule vor den Fahnen der einzelnen Nationalstaaten salutieren müssen, dann können sie getrost Rot und Blau kombinieren, falls es noch erlaubt sein sollte, denn Hauptsache wird sein, ihre Kleidung ist nicht moralisch verwerflich!

Doris Mock-Kamm

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Zins und Zinseszins: Welch gefährliche Selbstverständlichkeit (Teil 2)

Börse

Wenn Banken den Lauf unserer Welt beherrschen

Arno von RosenNachdem wir nun im letzten Artikel festgestellt haben, wo wir als Einzelperson auf der Leiter des Banken-Ranking stehen (diejenigen unter Ihnen, die Höhenangst haben, müssen sich jetzt nicht sorgen, denn Sie stehen immer vor der Leiter, nie darauf), beleuchten wir heute die internationalen Banken, im Fachchinesisch auch „Investment-Banken“ genannt.

Hinter diesem schönen Begriff versteckt sich nichts anderes als der weltweite Geldhandel, von dem Sie natürlich schon gehört haben, aber von dem meistens nur ein Börsenbarometer hängen bleibt, wenn eine dieser Riesenbanker mal wieder eine Gewinnwarnung (weniger Ertrag als vorausgesagt) oder ein nach oben korrigiertes Ergebnis (die Anteilseigner = Aktionäre) jubelnd nach mehr Aktien gieren lässt, um den ausgeschütteten Gewinn der Bank für sich persönlich zu mehren. Wie kommt es dazu?

Nun, Gewinnwarnungen gehen nicht selten mit Strafzahlungen an Länder einher, die kriminelle Machenschaften einer Bank offen gelegt und verurteilt haben. Sehr beliebt ist dieser Finanzsport in den USA, denn dort kommen nicht selten Milliarden Beträge als Strafe zusammen (schon allein um den eigenen Finanzmarkt oben zu halten). Bevor diese Zahlungen letztendlich fällig werden (diese Gerichtsprozesse ziehen sich teilweise über Jahre hin, und jede Gerichtsinstanz wird komplett ausgeschöpft), nimmt die Bank eine Rückstellung vor. Sie legt das Geld für eine mögliche Strafe schon mal zur Seite, um diese dann bei einer Verurteilung zahlen zu können.

„Das ist doch sehr vernünftig“, denken Sie jetzt. Ja, ist es bestimmt, aber der eigentliche Zweck besteht darin, dass diese Rückstellung nicht versteuert werden muss, also den Gewinn des Rückstellungsjahres um diese Summe schmälert. Dadurch gehen, im Beispiel Deutsche Bank, dem deutschen Fiskus erhebliche Steuereinnahmen verloren. Besonders beliebt ist diese Vorgehensweise in Jahren mit großer Rendite. Ärgern sich da nicht die Anteilseigner? Die Kleinen bestimmt, denn ihnen wird die Ausschüttung vorenthalten. Bei den großen Anteilseignern ist das Teil des Geschäftsmodells, denn sie kaufen Aktien von enttäuschten Kleinanlegern, wenn der Kurs der Bank an der Börse abrutscht, weil diese ihre Aktien dann unbedingt verkaufen wollen, um ihr Geld zu retten oder in etwas anderes zu investieren. Schieben Banken ihre Gewinne und Verluste umher, um einer Besteuerung zu entgehen?

Panama Papers (1)

Natürlich tun sie das, wie alle großen Unternehmen, denn nichts anderes ist eine Bank, auch wenn diese zusätzlich anderen Unternehmen zur Seite steht, um deren Geld ebenfalls vor dem Finanzamt zu retten. Dazu benötigt man dann die „Briefkastenfirmen“, so wie in Panama, über die jetzt heftig diskutiert wird (natürlich verlogen). Das Ereignis sind ja nicht diese virtuellen Firmen (zumeist ein Bürohaus, in dem sich zig tausende Unternehmen und Einzelpersonen in einer Etage zusammen finden). Dieses Konstrukt ist völlig legal, wird von den Banken selbstverständlich nie hinterfragt (da selbst genutzt), ist auch jedem Politiker, egal welchen Landes, bestens bekannt, aber bisher wurden noch nie „Klarnamen“ von Firmen und Personen dahinter gefunden, außer mal in Einzelfällen, wo sich investigative Journalisten über Jahre die Mühe gemacht haben, diese Geflechte aus Rechtsanwaltskanzleien, Briefkastenfirmen, Grundbucheinträgen, Bankenverbindungen und Steuererklärungen aufzudröseln.

So kommt dann auch mal raus, dass die Flugzeugflotte von VW auf den Cayman Islands (knapp 60.000 Einwohner stehen über 200.000 eingetragenen Firmen gegenüber) registriert und (nicht) versteuert wird, die Verluste dagegen in Deutschland geltend gemacht werden, um die Steuerlast bei unserem Finanzamt zu drücken. Das ist natürlich extrem clever (schütteln Sie jetzt bloß nicht den Kopf) und auch total legal (jetzt dürfen Sie sich komplett schütteln). Da sind die Staaten völlig machtlos, stimmt’s?

Wer hat’s erfunden? Nein, knapp daneben. Die Kapitalverschiebung wurde in Frankreich erfunden, wo das Gesetz eine Versteuerung der Hauptfirma forderte, ohne konkrete Angaben zu machen, wo der Hauptsitz liegen müsse. So wanderte das erste Unternehmen mit der (unbemannten) Zentrale in die Schweiz (Sie waren schon nahe dran) und tausende folgten diesem Beispiel. Daraus wurde für das kleine neutrale Land ein baumdicker Wirtschaftszweig – vor über 100 Jahren. Richtig, jetzt dürfen Sie auf den A… Allerwertesten fallen, vor Schreck, Wut, Verwunderung, Unverständnis und gerne auch noch mal Wut, weil’s so schön ist und berechtigt. Nur eine winzige Korrektur würde ausreichen, um diesen Zustand weltweit zu unterbinden, indem die Steuern da gezahlt würden, wo die Unternehmen ihre Umsätze machen. Dann würden die Gelder von IKEA, REWE & Co. nicht auf irgendwelchen Auslandskonten landen, um in die Taschen von Multimilliardären zu kullern. Warum tut die Politik nix?

Ein gewisser Herr Seehofer, ein junger engagierter Gesundheitsminister, wollte eine schwarze Liste für Medikamente erstellen, um den Pharmariesen den unberechtigten Geldhahn für überteuerte Arzneimittel abzudrehen. Einer dieser Vorstandsvorsitzenden rief daraufhin rotzfrech den Minister an und sagte (sinngemäß), „mach die Liste und ein Skandal fegt dich von der politischen Bühne, für immer!“ Die Liste gab es nie, Herr Seehofer beendete seine Zweitbeziehung, ging zurück nach Bayern, verlautete diese Drohung (spekulativ zum Eigenschutz) und igelt sich fortan im Freistaat ein.

Steuervermeider

Rein Fiktiv gesponnen, könnte eine Firma in Panama, nennen wir sie „Blacklist“, eine Rechnung an ein Pharmaunternehmen, irgendwo auf der Welt stellen, und diese Rechnung würde beglichen, natürlich steuerentlastend für das Unternehmen in diesem Land, natürlich mit fiktivem virtuellem Vorstand dieser Briefkastenfirma (der Vorstand besteht aus weiteren Briefkastenfirmen usw.), es wäre nicht nachzuvollziehen, wem dieses Unternehmen letztendlich gehört, und es werden natürlich keine oder nur wenig Steuern fällig. Alles ganz legal, es sei denn, man könnte nachweisen, dass jemand in einem Land wie Deutschland Einnahmen hätte, die nicht nach Recht und Ordnung hier versteuert wurden. Dann wäre es nicht nur peinlich, mit dem System „Panama“ in Verbindung gebracht zu werden, von der Tatsache dann als gieriger Sack zu gelten, der den Hals nicht voll bekommt, ganz zu schweigen.

Das alles funktioniert ohne internationale Investment-Banken natürlich nicht und ist für den kleinen Bürger erstens undurchschaubar und zweitens uninteressant, da der monetäre Grundstock fehlt, ab dem sich solche Briefkastenfirmen und Banken lohnen, denn die neue ausgerufene Zielgruppe dieser Banken sind die… Superreichen – welch eine Überraschung.

Ich erspare Ihnen jetzt die gefühlte Wurzelbehandlung ohne Narkose und erwähne nicht, dass Spekulationen mit Lebensmittelernten die Preise in „Dritte-Welt-Ländern“ so nach oben treiben, dass die Menschen dort Matschkekse essen müssen, um etwas im Bauch zu haben, oder dass durch diese Spekulanten der Banken jährlich mehr Getreide in Indien verrottet, als alle hungernden Völker zusammen benötigten, oder in Deutschland jeder erwerbstätige Mensch nur noch 12 Stunden in der Woche arbeiten müsste, um richtig gut zu leben, und es auch keine Armut mehr gäbe, wenn diese optimierten legalen Steuerschlüpflöcher geschlossen würden, und das in einem Deutschland, welches als Steueroase noch vor Panama liegt. Die unbezahlbaren Mieten in Großstädten durch die Anlagewut der Vermögenden ist da schon fast lächerlich zu nennen, trifft aber wieder die Menschen, die nie eine wirkliche Wahl haben, nicht einmal alle paar Jahre, wenn wieder ein Kreuz auf einem Zettel fällig ist.

Ihr Arno von Rosen, total spekulationsfrei, mit nur einem Briefkasten (direkt vor der Haustür) und der unerschütterlichen Zuversicht, dass dieses System endet wie alle zuvor, nur um wieder von vorne zu beginnen, am Besten mit der Gründung einer neuen demokratischen Republik (da war doch mal was?), wo alle Menschen gleich sind, jedenfalls so ungefähr. Beenden werde ich den Artikel mit einem Zitat vom legendären Baron Nathan Meyer Rothschild. (1840-1915), erster Bankier der Gelddynastie, über Spekulationen:

„Kaufe, wenn das Blut auf den Straßen fließt, selbst wenn es dein eigenes ist.“

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Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 8)

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Ein Drama mit offenem Ende

Q tritt ab, die deutsche Nationalhymne erklingt:

Deutschland, Deutschland in Europa,
Von der Elbe bis zur Saar,
Wenn es stets vor Freude alle Leute
Inniglich zusammenhält,
Dabei ewiglich innerer Frieden zählt,
Kein böses Wort, keine Fremdenfeindlichkeit –
Deutschland, Deutschland keine Gefahr
Für unsere schöne Welt!

Der Vorhang öffnet sich. Vorm Reichstagsgebäude eine Traube von Journalisten sich tummelt zusammen mit Kameramännern und Photographen. Hinter den Mikrophonen stehen Angie, die Beerde, die USA, der Bär und Sackohrzieh.

Herr Jauch zückt sein Mikrophon, stellvertretend als Moderator und Vermittler zwischen Politik und Medien.

Herr Jauch: Nur für unsere Fernsehzuschauer. Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen mitteilen, daß soeben die hier anwesenden Politiker nach einer langen Sitzung vor die Kamera treten, um der interessierten Öffentlichkeit die Ergebnisse der Verhandlungen vorzutragen und zu begründen. Ich erteile das Wort an die Bundeskanzlerin.

Angie im Vorfeld sich räuspernd: Verehrte Kollegen, meine Damen und Herren der hier anwesenden Medienanstalten. Wir haben eine äußerst lange und harte Sitzung in der letzten Nacht gemeinsam nunmehr endlich beenden können, nachdem insbesondere die USA und der Bär einen moderaten Kompromiß aushandelten, der alle einigermaßen zufrieden stellen dürfte.

Herr Jauch: Wenn Sie gestatten, Frau Bundeskanzlerin, ich sehe gerade, Herr Sackohrzieh möchte etwas erwidern.

Sackohrzieh: Aber Madame Merkel, das entspricht nicht unbedingt der ganzen War-eit, n’est-ce pas? Schließlisch ‚at doch Wladimirowitsch unmißverständlisch auf seine berechtigten Standpunkte be-arrt ! Der Bär nickt heftig bejahend.

Herr Jauch: Wollen Sie sich dazu äußern? Nein? Die USA fällt Angie, die gerade etwas erwidern möchte, ins Wort.

USA: Dazu muß ich aber ein Veto einlegen, weil dies gar nicht mehr zur Diskussion stand, werter Kollege Sackohrzieh. In diesem Kontext muß ich im Namen meiner Nation darauf bestehen, daß wir Europa stets die notwendigen Freiheiten überließen, ganz im Sinne eines demokratischen Grundverständnisses in Anlehnung an George Washington, for sure!

Ein Großteil der Medienvertreter kann sich ein schallendes Gelächter nicht verkneifen.

Der Bär: Zunächst mal, vielen Dank für die französische Rückendeckung, Monsieur Sackohrzieh. Russland hat es nicht nötig, mit irgendwelchen fadenscheinigen Argumenten auftrumpfen zu wollen, wir halten uns an Fakten. Angesichts der langanhaltenden NATO-Belagerung entlang unserer Grenze zur EU reagierten wir selbstverständlich notwendig angemessen. Nunmmehr haben wir in der vergangenen Nacht uns dahingehend einigen können, dieses militärische Störmanöver schnellstmöglich abzubauen, wobei der Westen die ersten Schritte vornehmen muß. Ein Blitzlichtgewitter unterstreicht den Kommentar des Bären.

Herr Jauch: Was sagen Sie dazu, Beerde?

Beerde: Im Namen der Deutschen kann ich mich nur an die gewählte Bundeskanzlerin wenden, die die Verantwortung zu tragen hat, daß alles ordnungsgemäß abgewickelt wird.

Angie fühlt sich sofort angesprochen.

Angie kleinlaut: Nun, wir werden schrittweise die Truppen zunächst ins deutsche Hinterland abziehen, was auch schwere Waffen anbelangt. Dasselbe erwarten wir selbstverständlich von Russland.

Herr Jauch: Das Ganze erinnert sehr stark an die Vorgänge in der Ukraine, wo bekanntlich sich im Ergebnis nichts änderte, der Krieg weiterhin stattfindet.

Sackohrzieh: Da kann isch Ihnen nur beipflichten, das läuft wohl darauf ‚inaus.

Die Pressevertreter beginnen lautstark zu diskutieren, teilweise mittels Fußstampfen begleitet. Plötzlich weichen sie auseinander, weil das Gewissen erscheint und vor die Politiker tritt.

Das Gewissen: Immer noch so lernresistent, auf die eigene Macht beharren, um diesen lächerlichen Auftritt hier obendrein als tollen Kompromiß der Öffentlichkeit zu verkaufen? Wir erleben doch jetzt schon ein Scheitern! Solange die USA und Russland ihr Wettrüsten nicht beenden, der Ost-West-Konflikt weiter anhält, fühlen sich explizit selbst andere Länder wie China, Indien, der Iran etc. berufen, selbst ständig aufzurüsten, um wenigstens den Anschein zu wahren, mithalten zu können. Sie wollen keinen Frieden, sondern existieren vom weltweiten Leid der Betroffenen.

Das Bühnenlicht erlischt ganz langsam, während Blitzlichter aufflackern, es erklingt Richard Strauss „Also sprach Zarathustra, Op. 30: I. Einleitung“ und der Vorhang schließt langsam. Auf geschlossenem Vorhang erscheint unsere Mutter Erde mit der ausklingenden Musik.

Lotar Martin Kamm

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 1)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 2)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 3)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 4)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 5)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 6)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 7)

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Rechter Populismus findet ständig neue politische Spielwiesen

flickr.com/ Markus Wintersberger/ (CC BY-NC 2.0)

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Vom Putinbashing über Antiamerikanismus zum Bündnis mit Russland?

Solle hinterher niemand verlautbaren, er habe nichts gewußt. Was geschieht hier eigentlich mitten im demokratischen Europa, wo seit über 70 Jahren die Meinungsfreiheit ein jeder genießen darf, von den sogenannten Systemmedien bis hin zum einfachen Bürger? Ein angebliches Aufwachen des deutschen Michels, in dem überall patriotische Gesinnungsgenossen sich plötzlich verbrüdernd einfinden, um endlich mal aufzuräumen, die Fremdherrschaft zu beenden?

Ganz besonders eindringlich unterstützt mittels einer stetig wachsenden Islamophobie seit 9/11, per Flüchtlingsströme, ob nun aus US-amerikanisch hervorgerufenen Kriegsgebieten oder weil das Elend in Nordafrika, im Nahen und Mittleren Osten Menschen beflügelt, Europa als Zuflucht zu suchen, einer bewußt installierten sozialen Schieflage, die eine eigene Bevölkerung erheblich belastet? All diese Mißstände reihen sich wunderbar ein, die versagende momentan verantwortliche Politik anzuprangern, um scheinbar den parlamentarischen Weg der Oppostion zu gehen, siehe AfD, parallel im Volk für möglichst viel Unmut zu sorgen über die Verteufelung sogenannter „Lügenpresse“ und Spaziergängen à la PEGIDA und Co.

Dazu ergänzen sich die unstreitbaren Verfehlungen europäischer Politik im Hinblick zur EU bis hin zur Vasallentreue über eine Atlantikbrücke, einem Besatzungsstatus der BRD, den die USA unerschrocken selbstverständlich für eigene Zwecke mißbrauchen, ob überdeutlich sichtbar in Ramstein oder entlang europäisch-russischer Grenzen, das NATO-Bündnis fordert seinen Tribut, das Feindbild alter Ost-West-Konflike wird mit aller Macht hochgehalten.

Doch genau jene eigentlich deutlich erkennbaren politischen Verstrickungen versuchen die jeweiligen Machthaber möglichst zu verschleiern. Während der US-Westen fast schon penetrant lakonisch für sich in Anspruch nimmt, auf der guten Seite zu stehen, Russland, China und den Iran, um nur mal jene drei Länder zu benennen, auf der Achse des Bösen zu wähnen, hat gerade Wladimir Putin es besonders schwer, das riesige russische Land vom Klammergriff alt eingesessener Oligarchen-Herrschaften zu befreien. Das gilt natürlich für alle Nationen, denken wir nur mal an Dilma, die den Kampf gegen die Korruption zu verlieren scheint.

Aber was bedeuten jene Zusammenhänge im politischen Einerlei, für den sehnlichsten Wunsch aller Menschen, einen Weltfrieden erreichen zu können? Er soll nicht stattfinden, da Macht sich stets eigene Spielwiesen sucht, so wie hier in Deutschland, wo nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Bevölkerung die Verfehlungen der Hitler-Herrschaft möglichst gründlich aufarbeiten sollte, was faktisch eben nicht geschah, weder im Goldenen Westen, schon gleich gar nicht in der DDR. Kein Wunder, daß jetzt erneut rechte Kräfte auf dem Plan stehen, sich formieren, ob im Deckmäntelchen patriotischer Gruppierungen oder über parteipolitische Versuche bis hin zu losen Einzelkämpfern, die dennoch per gezielter Agitation ihre abstrusen Weltbilder in ihrem Sinne einsetzen.

Daß eine AfD-Jugend in ihrer Partei mit der Putin-Partei anbandelt, mag man befremdlich beäugen. Ob ein Staatsmann wie Putin sich auf eine „patriotische Ebene mit rechtem Gedankengut“ einläßt, steht auf einem anderen Blatt. Er wäre sehr gut beraten, wenn er die im eigenen Land bestehende multikulturelle Vielfalt nicht außer acht läßt, sondern ganz im Gegenteil betont, daß eine gelungene Integration sehr wohl zwischenmenschlich stattfinden kann und zwar ohne Unterdrückungsmechanismen. Das praktiziert er ohnehin schon längst. Das wirklich Befremdliche an jener Vorgehensweise ist der Versuch gewisser Kräfte, Putin für eigene Zwecke zu benutzen. Natürlich kann man die Gratwanderung nachvollziehen, sich einerseits von der Bevormundung der US-Politik befreien zu wollen, andererseits einen starken Bündnispartner in Russland zu suchen, zumal die deutsch-russische Freundschaft tief verwurzelt stattfand und bis heute anhält im Gegensatz zur Skepsis den USA gegenüber.

Dennoch sollte man haarscharf unterscheiden zwischen einem gezielt angelegten neuaufflackernden Nationalismus, der stets ein Garant für immerwährende Kriege bedeuten kann und einer weltlichen Staatengemeinschaft, die eben den Austausch zwischen Völkern befürwortet ohne Grenzzäune, Religionszwänge, Handelshürden und vor allem einer Großkonzernpolitik, die regionale Strukturen zertrümmert. Eine schier fast unlösbare Aufgabe, wenn Mensch immer wieder sich vor den Karren selbstherrlicher Mächte spannen läßt, die nur eines im Sinn haben: die eigenen Pfründe.

Lotar Martin Kamm

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Dämmern zwischen Zweifel und Gewißheit

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Altbekanntes etwa doch neu überdenken?

„Na, dämmert es langsam bei dir?“ „Na, verstehst du es langsam?“ Diese beiden Sätze sagen so ziemlich das gleiche aus, jemand fragt sein Gegenüber, ob er langsam irgendeinen Zusammenhang begreift, ob ihm langsam etwas bewußt wird.

Eigentlich komisch, oder? Dämmern bedeutet doch langsam dunkel werden, wenn der Tag sich verabschiedet und die Nacht schon in greifbarer Nähe ist, so in etwa die Abendstunden beschreibt. Es ist der Übergang von hell zu dunkel. Abenddämmerung. Ups! Da ist aber auch die Morgendämmerung, wenn die Nacht zart durchbrochen wird, durch leichte Nebelschwaden das erste Sonnenlicht wieder erahnen läßt. Es ist der Übergang von dunkel zu hell.

Wenn uns also etwas dämmert, dann befinden wir uns eher in der Morgendämmerung, somit haben wir genügend einleuchtende Stunden, etwas zu verstehen, das uns bis dato nicht so ganz klar war. Es wär also unlogisch, wenn bei „Dämmert es langsam bei dir?“ der Übergang vom Tag zur Nacht als der Moment der Erleuchtung zu verstehen wäre. Aber so sicher kann man sich bei manchen Menschen nicht sein. Denn bei einigen Menschen scheint das Dämmern tatsächlich eher in die Nacht, das Dunkle zu führen.

Dämmern, schlagen, klopfen, daß es schallt, durch Schlagen bewältigen, niederdrücken.

Dämmern, er geht gedankenverloren seines Weges, er dämmert vor sich hin.

Dämmern, die Übergange von hell zu dunkel oder dunkel zu hell, das Zwielicht, diesige Stimmung.

Anderseits muß man wirklich immer alles verstehen, muß wirklich bei allen nicht zu verstehenden Angelegenheiten ein Dämmern stattfinden? Darf denn nicht mal irgendetwas im Unklaren bleiben, in der Dämmerung, im zwielichten Schein oder sogar im Dunkeln? Ist es nicht manchmal so, daß gerade das Erkannte oft den Reiz, des nochmaligen Überlegens, des Grübelns verhindert? Daß dadurch die Möglichkeit verloren geht, eine andere Sichtweise wahrzunehmen?

Dämmerung ist nicht umsonst mit Zwielicht umschrieben. Das Zwielicht, das geteilte Licht, das Zweilicht, das Licht, das Gegenstände in der Ferne nicht mehr klar umformt, das Spekulationen die Möglichkeit gibt zum Rätseln, ob das Objekt, das man vermeintlich wahrnimmt, ein Baumstamm oder doch eher ein Tier ist. Dämmert es Ihnen?

Auch wenn wir etwas verstehen, brauchen wir trotzdem nicht auf ewig an diesem Platz stehen bleiben, die berühmte Schublade mit der Erkenntnis geschlossen halten, wir können ohne weiteres auch diesen Platz räumen und unser Verstehen an einen anderen Ort stellen.

Denn wenn wir zu viel eindämmen, durch Schlagen bewältigen, Dämme aufstellen, kann das Dämmerlicht uns nicht mehr erreichen, und wir bleiben auf festgefahrenen Wegen stecken.

Vielleicht kann aber auch das Dämmerlicht nicht mehr weichen und wir verbringen unser Leben im stetigen Dämmerzustand, das jegliches Neues nicht mehr zu uns vordringen läßt. So wie es Heinrich Heine in seinem Gedicht „Rückschau“ umschrieb, „so dämmersüchtig, so sterbefaul“.

Wenn wir uns auf die Frage einlassen: „Na, dämmert es langsam bei dir?“, so ist dies nicht unbedingt die Unfähigkeit, etwas nicht zu verstehen, sondern auch die Fähigkeit etwas neu Vernommenes oder etwas Altbekanntes im möglichen Zwielicht erneut zu überdenken.

Doris Mock-Kamm

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Ein heißer Sommer steht bevor – nicht vom Wetter, du Tor

Ohne Wenn und Aber

Satirischer Rückblick…

Denn bereits beim Frühlingsklappern zeigt sich der gezielte Kurs, wenn Europa demnächst dahinsiecht, die USA bereit zum Sturz, den es somit zu vermeiden gilt, bevor uns alles um die Ohren fliecht. Wer dabei wohl auf die eigene Pfründe schielt?

Denn willste rüstig bis ins hohe Alter sein, darfste nicht nur so tun zum Schein, sondern mußt vortrefflich die Leut unterhalten, beim Schalten und Walten. Was schon dem Kinski widerfuhr im Regenwald, äffte nach alsbald die Kunst, der Kommerz per Dschungelbuch. Nunmehr indigene Völker verjagen ein rotes Tuch: Was will uns das bloß sagen?

Doch zurück zum heißen Sommer, zum Wetter mit gravierenden Unterschieden. Einmal zur Sache, andersmal wenn sie vertuschten, vieles bisherig vermieden. Schaut mal genauer hin zur Politik, vielleicht bemerkt mancher deren Sinn, das wär schick. Da wird doch wiedermal Deutschland per Vaterlandsliebe dem Nationalismus feilgeboten. Seid wachsam, sonst zählen wir bald schon erneut die Toten! Obwohl Spazierengehen veraltet ist, bedeutet eine PEGIDA letztlich derselbe braune, bösartige Mist.

Am Vorabend neuer Herrschaft dunkle Wolken am Horizont aufziehen? Sollte bekannt sein, daher am besten vorher fliehen. In Brasilien Dilma Korruptonskräften ausgesetzt? Wer dabei wen verletzt? Schließlich handelt ein Vize-Präsident Tulmer mit demselben, korrupten Schema, das ist viel eher das anrüchige Thema.

Wir können dies doch lange schon beim Feindbild Russland sehen, wo gerade die USA mit allen Mitteln schüren. Sie tun so, als wären sie unbeteiligt beim NATO-Geschehen, öffnen gleichzeitig für bevorstehende Kriege sämtliche Türen. Jaja, wenn der Rahmen runterfällt, zeigt sich die grausame Realität: Es geht stets nur ums Geld. Dies zu stoppen, ist nie zu spät. Wollen dies bestimmte Herrschaften, genau wie vor 40 Jahren? Keineswegs, drum werden sie weitergewählt von nichtsahnenden Scharen.

Stets dieselben Muster greifen, wie beim TTIP die Medien großangelegt uns einseifen. Man darf sich schon wundern wie die Masse schweigt. Hinterher großes Jammern. Na, wer hat das dann wohl vergeigt? Messie-Verhalten ebenso ein typisches Signal, weil viele meinen, sie hätten keine andere Wahl. Allein schon der Segen der Technik wie Smartphones überfordert manch menschliches Verhalten, kein Weg zurück zum Alten, als noch mehr Kommunikation untereinander stattfand, heute sitzt man sich gegenüber wie eine schweigende Wand.

Die Tücken der Technik uns stets begleiten, wenn sich inzwischen manche wegen Navigationsgeräten streiten, per Karte auf Reisen, das waren noch Zeiten, oder per Bahn auf holpernden Gleisen. Mensch hat sein Dasein selbst gestaltet, was heute noch zählt, ist morgen längst veraltet.

Lotar Martin Kamm

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Tücken der Karten und Navigationsgeräte

flickr.com/ conticium/ (CC BY-SA 2.0)

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War das nicht diese Ausfahrt?

„War das nicht die Ausfahrt, die wir nehmen sollten?“

„Meinst du?“

„Sieh doch mal nach!“

„Wie hieß die noch mal?“

„Wer?“

„Die Ausfahrt.“

„Weiß ich nicht, Ausfahrten haben doch keine Namen, sondern Nummern!“

„Du weißt doch, was ich meine, also, wo sind wir überhaupt?“

„Sicher nicht auf deiner Landkarte! Schau doch mal auf die Schilder!“

„Du bist doch der Fahrer!“

„Ich kann doch während der Fahrt nicht auf die Karte sehen! Paß doch auf! Die Karte ist ja schon auf dem Lenker! Sag mal, brauchst du eine Brille?“

„Was kann ich denn dafür, daß die so groß ist! Verdammt! Laß mich in Ruh! Dann fahr halt rechts ran und mach’s besser!“

„Geht’s noch, wir sind auf der Autobahn! Du bist vielleicht zickig, soll ich dir jetzt auch noch sagen, wie man eine Karte liest!“

„Du…!“

So oder ähnlich verliefen Fahrten zu Zeiten, als zur Orientierung die Straßenschilder und die Straßenpläne die wichtigsten Hinweisgeber zur sicheren Erreichung des Urlaubsortes waren. Nicht selten begann die Hinreise mit einem handfesten Streit, wenn eine Abfahrt verpaßt wurde, eine Umleitung nicht der versprochenen Orientierung standhielt, wenn Straßen befahren wurden, die noch nicht in der Karte verzeichnet oder Verkehrsschilder so aufgestellt waren, daß sie nur aus der anderen Richtung kommend den Namen des Ortes zu ersehen waren.

Nun ja, diese Zeiten sind vorbei. Keine hilflosen verwirrten, mit dem Nerven am Ende in den Autobahntankstellen auftauchenden Menschen, die verzweifelt nach dem richtigen Weg fragen mußten. Oder Helfer protokollierten, daß der Fahrer eine aufgeschlagene Straßenkarte auf dem Schoß liegen hatte, als es zum Unfall kam.

Diese Zeiten sind vorbei. Dank modernster Technik sind nicht Beifahrer in Person die hilfeleistende Stützen, sondern Navigationsgeräte.

„Sei mal ruhig, gleich müßte doch gesagt werden, in welche Spur ich mich anreihen soll!“

„Ich hör nichts.“

„Psst! Versteh ich nicht, vorher hat sie doch gesagt, in 500 Meter halten sie sich links!“

„Wann vorhin? Ich hab nichts gehört!“

„Du hörst doch nie zu! Aber die Musik kannste aufdrehen bis zum Anschlag!“

„Bis gerade eben hat es dich nicht gestört! Und die 500 Meter wäre inzwischen auch eine Schnecke gelaufen, so schnell wie du fährst!“

„Schssst, da guck mal, sie lädt sich neu.“ *Fahren Sie in 3 km rechts ab!* „Hab ich’s doch gewußt, wir hätten vorhin links abbiegen sollen!“

„Dann fahr halt jetzt auf die rechte Spur.“

„Witzbold, soll ich in die LKWs reinfahren?“

„Dann mach halt was du willst! Aber sie hat gesagt, rechts abbiegen und bei deiner Geschwindigkeit sind die 3 km gleich erreicht! Aber anscheinend kannste ja nicht auf eine Frau hören, hättest besser ein Gerät mit Männerstimme gekauft!“

„Was soll…?“

Ja, so ganz scheinen die Zeiten sich nicht geändert zu haben, wahrscheinlich liegt es daran, daß die Karte ein steifes Papier ist und das Navigationsgerät ein unflexibles technisches Instrument, und wenn diese Faktoren, steif und unflexibel, auf Menschen treffen, die nicht anpassungsfähig sind auf unvorhersehbare oder schnell zu reagierende Situationen, ja, dann wird es auch zukünftig noch genügend Potential geben, über die Anreise zum Urlaubsort zu schreiben.

Doris Mock-Kamm

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