SWR-Entscheidung: Verweigerung zur TV-Wahldebatte falsches Signal

flickr.com/ Metropolico.org/ (CC BY-SA 2.0)

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Parteiausgrenzung wie im Fall der AfD

Sogenannte politische Größen, wie ein Herr Gabriel, haben es vorgemacht, denken wir an dessen „Pack“-Beschimpfung, andere äffen exakt diesen Kurs nach. Wer aber den politischen Gegner mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ausgrenzt, erreicht in der Regel viel eher das Gegenteil. Wenn die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, meint, sie müsse gezielt dazu beitragen, daß der SWR entscheidet, die AfD zur Fernsehdiskussionsrunde vor den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg nicht zuzulassen, dann nennt man dies schlicht eine Medienmanipulation par excellence.

Ebenso ihr Kollege Winfried Kretschmann bekräftigte zuvor, an der TV-Elefantenrunde fernzubleiben, sollte die AfD teilnehmen. Parteiausgrenzung setzt allerdings ein völlig falsches Signal, unterstreicht obendrein per Medienzensur die fatale Wirkung, die damit erreicht wird. Was sollen andere kleine Parteien wie die FDP oder gar die Linke, die ebenso mit ausgeschlossen wurden, davon halten?

Die Allmacht etablierter Parteien entblößt ihr Unvermögen

Zwar kann ein Patrick Schnieder, derzeitiger Generalsekretär der CDU von Rheinland-Pfalz, noch ganz gut punkten, in dem auch er das Vorgehen des SWR rügt, den Ausschluß der AfD als Stärkung der Politik- und Medienverdrossenheit wertet, sich aber dennoch beschwert, daß die FDP nunmehr nicht eingeladen würde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, waren doch die Liberalen vor fünf Jahren vom Wähler nicht mehr bestätigt worden.

Man sollte vereinzelte Stellungnahmen mancher der etablierten Parteien nicht allzu wichtig nehmen, im Grunde setzt sich die Allmacht der Parteidoktrin durch, so daß eine parteipolitische Ausgrenzung auf dem Fuße folgt, bis hin zur Medienbeeinflußung. Der Wahlkampf hat längst seine heiße Phase erreicht, bedenken wir, daß jenen Parteien nicht mehr viel Zeit verbleibt, schon in 7,5 Wochen finden drei Landtagswahlen statt, da positiert man sich gern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Rechtspopulismus eine naheliegende Antwort

Darüber sich aufregen, daß rechtspopulistische Parteien einen Aufschwung erlangen, nicht nur hierzulande, sondern europaweit, bringt faktisch nichts, zumal gerade die etablierten Parteien sich selbst fragen lassen müssen, was sie verkehrt gemacht haben. Wer dermaßen kurzsichtig Flüchtlingsströme unkontrolliert in europäische Länder einwandern läßt, nachdem dieselbe Politik der EU den USA Kriegsszenarien gestattete, darf sich nicht über den berechtigten Unmut der betroffenen Bevölkerung wundern.

Obendrein erst recht nicht, wenn kaum Zeit für Vorbereitungen verblieb, soziale Spannungen ungelöst sich etablieren können, wirksame Intergrationspolitik nicht stattfindet, gleichzeitig eine Willkommenskultur hochgehalten wird, ohne den Menschen Lösungen anzubieten. Das kann natürlich nicht gutgehen, erst recht nicht mit einer Bundeskanzlerin, die lediglich mit Phrasen wie „Wir schaffen das“ glänzt, sich aber aus Brennpunkten lieber raushält, dazu schweigt, selbst Anmahungen politischer Partner ignoriert.

Das verschafft Parteien wie der AfD unangeahnten Stimmenzuwachs, obwohl sie außer den Flüchtlingsproblemen nicht unbedingt gut durchdachte Parteikonzepte anbieten kann. Genau das macht Populismus so unberechenbar. Solange er im Fahrwasser berechtigter Kritik sichere Stimmen erhält, mag er sich vergrößern. Aber wehe die Probleme werden irgendwann gelöst, dann folgt meist die Ernüchterung.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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In Verbindung bleiben – please hold the line

flickr.com/ Norbert Reimer/ (CC BY-SA 2.0)

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Zwischen Einsamkeit und gesellschaftlichen Kontakten

„Please hold the line!“ Immer wieder übersetzt mit: Bitte warten! oder Bleiben Sie bitte am Apparat! Aber es heißt wörtlich: Halten Sie bitte die Linie!

So enervierend dieser Satz uns des öfteren zur Weißglut bringen kann, wenn wir in den berühmten Warteschleifen hängen, so interessant ist er auch, wenn wir seine Aussage näher betrachten. Die Linie halten, in Verbindung bleiben, verdeutlicht nicht nur in unserer inzwischen auf medialer Verbundenheit den Zustand eines Miteinanders, und sei es mittels einer Linie, eines Bandes, einer Schnur. Manche Verbindungen, die wir halten, sind aus dünnem Faden, der jederzeit reißen kann. Manche allerdings sind so festgezurrt wie ein gordischer Knoten, diese Verbindung kann nur mit einem Schwert zerschlagen werden. Es gibt auch Verbindungen, von denen wir davon ausgingen, sie seien nicht mehr existent, hätten sich aufgelöst über die Jahre, weil kein Kontakt mehr zustande kam, warum auch immer. Doch diese Kontakte können sich wiederherstellen, und man ist irritiert, wenn sie die gleiche Verbundenheit aufleben lassen, die man verloren glaubte.

In seinem Buch „Das Tier Mensch“ erläutert Desmond Morris die These, daß jeder Mensch zu ungefähr siebzig bis hundertzwanzig anderen Menschen Beziehungen hat, die in etwa dem Bereich des Bekannten zuzuordnen sind. Wenn dem so ist, entspräche das der Anzahl Menschen, die in einer größeren Gemeinschaft leben. Wer sich die Mühe macht, seine „Bekannten“ zu zählen, mit denen er lose Kontakt pflegt, mal mehr, mal weniger mit ihnen in Austausch tritt, wird feststellen, daß man selber ähnlich viele Bekannte aufzählen kann. Aber bleiben wir wieder bei der Verbindung. Was verbindet uns miteinander, warum streben wir eine Verbindung an, halten wir an Verbindungen fest?

Jeder Mensch ist durch die Nabelschnur mit der Mutter bis zur Geburt verbunden. Die weitere Verbundenheit ab diesem Zeitpunkt mit Mutter und Vater, Verwandten, Bekannten, Gesellschaft wird den Menschen für sein Leben als Erwachsener prägen. War diese Verbindung aufgebaut mit Liebe, Verständnis und Aufrichtigkeit, so wird der Erwachsene in der Regel seine Verbindungen ebenso wählen und gestalten. Wir halten auch Verbindungen fest, die wir aus rein materiellen Gründen, also zweckgebunden zum eigenen Vorteil nützen, hier seien nur kurz die sogenannten „Schlagenden Verbindungen“ und Geschäftsverbindungen genannt. Nicht alle, sogar eher die wenigsten Menschen, können ein Leben lang ohne Verbindung zu anderen leben. Die Menschen, die krankhaft sich an eine Verbindung klammern, haben das Gefühl, ohne diese Verbindung vom Leben abgeschnitten zu sein.

Please hold the line! Wenn wir nun zusätzlich wissen, daß „line“ ebenso mit Grenze übersetzt werden kann, wird dieser Satz zunehmend interessanter. Bitte halten Sie die Grenze! Wahren Sie in der Verbindung die Grenze des Anstandes, der Vernunft, des Respektes und denken Sie daran, es ist noch nicht so lange her, daß Briefe mit „in Verbundenheit“ unterschrieben wurden.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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Promibonus wie im Fall Hoeneß stößt schwer auf

flickr.com/ m.p.3./ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Vor dem Gesetz sind doch nicht alle gleich

Klar doch, wenn es um Prominente geht, obendrein um welche mit vielen Sympathiepunkten, dann werden interessanterweise Extrawürste gebraten, wie auch die Sueddeutsche völlig zu Recht kommentiert. Davon will allerdings der eingeschworene FC-Bayern-Fan nichts wissen, schließlich war es wohl schon schlimm genug, daß sein Ex-Manager überhaupt auf der Anklagebank saß.

In manchem Social Community Forum kann man dann mal nachlesen, daß Steuersünden eher an ein Kavaliersdelikt erinnern, Vergleiche mit Sexualstraftätern werden schnell vollmundig herangezogen. Sicherlich, jene kann man nicht hart genug strafen, sie gehören gleichwohl eingesperrt. Trotzdem sollte man eine derartige Verharmlosung nicht unterschätzen. Schließlich hatte Herr Hoeneß ohnehin genug Freiheiten im Gegensatz zu anderen mit ähnlichen Straftatbeständen, konnte zuletzt als freier Mann den Vollzug tagsüber verlassen, mußte sich nur des nachts in seine Zelle begeben.

Noch schärfer ging Qpress mit dem bayerischen Haudegen im März 2014 ins Gericht, rechnete die ihm eigentlich zustehende Gefängsnisstrafe hoch per Vergleich zu einem 16-jährigen Schwarzfahrer. Faktisch liegt der Fall auf der Hand: Auch hier gilt, die Kleinen fängt man, die Großen läßt man laufen.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Laurel und Hardy: Jon S. Baird führt Regie in geplanter Filmbiografie

flickr.com/ liborius/ (CC BY-NC 2.0)

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Steve Coogan und John C. Reilly schlüpfen in deren Rollen

Wer kennt sie nicht aus alten Kindheitstagen, besonders all diejenigen, die noch den Beginn der Fernsehzeit hautnah miterleben durften: Dick & Doof, die beiden Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy. Das britisch-US-amerikanische Schauspielduo bewies in etlichen Filmen, anfangs gar in der Stummfilmzeit, sein brillantes Können im Genre der Komik, beherrschten ihr unverwechselbares Talent äußerst facettenreich, wie die Nachwelt bis heute noch bewundern darf dank der erhaltenen Filme.

Ihnen wird die geplante Filmbiographie, auch als Anglizismus „Biopic“ bezeichnet, gewidmet, die jetzt die Spielfilmabteilung der BBC in Auftrag gab. Kein geringerer als der schottische Filmregisseur Jon S. Baird wird Regie führen, Steve Coogan und John C. Reilly schlüpfen in die Rollen von Laurel und Hardy.

Von „The Lucky Dog” zur meisterhaften Spätphase des Komiker-Duos

Zum allerersten Mal spielten der in Ulverston, eine Stadt im Nordwesten Englands, geborene Arthur Stanley Jefferson, der sich den Künstlernamen Stan Laurel gab und der in Harlem (Georgia) in den USA geborene Oliver Norvell Hardy im Kurz- und Stummfilm „The Lucky Dog“ zusammen. Während Stan mit dieser Komödie bereits zum Star gefeiert wurde, spielte Oliver nur eine kleine Nebenrolle als Schurke.

Dennoch war Oliver Hardy zunächst in wesentlich mehr Filmen, wenn auch fast ausschließlich als Nebendarsteller tätig im Gegensatz zu Stan Laurel, der dafür stets in Hauptrollen sich versuchte. Hardy schlug sich vor ihrer Zeit eher als Sänger durch, hingegen Laurel in eine Künstlerfamilie hineingeboren wurde, seine Eltern arbeiteten am Theater, was ihn schon früh veranlaßte, auf der Bühne zu stehen, in späten Jugendjahren bereits in Music Halls auftrat.

Den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm schafften die beiden spielerisch, um schon drei Jahre später 1932 in ihrem erfolgreichsten Kurzfilm „The Music Box“ zu wirken, für den sie ihren einzigsten Oscar erhielten. Es folgten noch etliche unvergessene Meisterwerke, darunter unter anderem die 1938 erschienene Filmkomödie „Blockheads“ (dt. Titel „Die Klotzköpfe“), die man als eine der besten bezeichnen darf.

Der schottische Regisseur Jon S. Baird darf sich versuchen

Der in Aberdeen geborene Jon S. Baird darf sich nunmehr versuchen, die Regie zu führen, um an die beiden Komiker zu erinnern. International bekannter wurde er durch den Film „Filth“, der dt. Titel etwas irreführend als „Drecksau“ bezeichnet. Steve Coogan spielt Stan Laurel, der britische Schauspieler und ursprüngliche Stand-Up-Komiker dürfte den meisten in der Rolle des überforderten Moderators Alan Partridge bekannt sein. Der gleichaltrige US-Schauspieler John C.Reilly wird Oliver Hardy verkörpern, den viele vom Film „Gangs of New York“ kennen werden, in seiner Rolle als „Happy“ Jack Mulraney.

Faye Ward, die zusammen mit Alison Owen bereits das Historiendrama „Suffragette“, u.a. Meryl Streep dort in einer Hauptrolle zu sehen, produzierte, freut sich wohl auf diese neue Herausforderung, wie sie hier schildert.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Interview mit Luzifer

flickr.com/ abstractartangel77/ (CC BY 2.0)

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Nach den vielen schrecklichen Geschehnissen der letzten Monate sah ich mich gezwungen, endlich den Drahtzieher hinter den Kulissen zur Rede zu stellen. Also versuchte ich, ein Interviewtermin bei Luzifer persönlich zu bekommen.

Natürlich war ich verblüfft, dass er mir tatsächlich eine Audienz gewährte. Aber wer weiß, vielleicht spekulierte er auch nur darauf, noch etwas mehr Publicity zu bekommen. Wäre zumindest typisch für solch einen Egomanen wie ihn! Beim Betreten des Raumes war ich recht aufgeregt. Mir schlug mein Herz bis zum Hals. Noch niemals war ein Vertreter der Presse beim Fürsten der Dunkelheit zu Gast gewesen. Und die wenigen Anekdoten von Menschen, die ihn persönlich zu Gesicht bekommen hatten, endeten nicht unbedingt mit einem Happy End.

Als ich mich endlich so weit beruhigt hatte, dass ich mich im Zimmer umsehen konnte, war ich über die Einrichtung sehr verwundert. Das Zimmer war sehr spartanisch eingerichtet. Es gab nur zwei Stühle, einen Tisch und eine Stehlampe. Die Wände waren unverputzt. Eine der Wände war mit einem sehr großen Fenster versehen, hinter dem ein wunderschöner Garten lag. Luzifer saß auf dem linken Stuhl und war in einen schwarzen, wallenden Mantel gehüllt. Die Kapuze war weit über den Kopf gezogen, so dass ich sein Gesicht nur schemenhaft erkennen konnte. Er hob den Arm und bot mir den anderen Stuhl an.

Ich setzte mich und zückte mein Aufnahmegerät. Dann begann ich: „Die Welt steht am Abgrund, wird es nicht langsam Zeit, dass Sie mit Ihren Spielchen aufhören?!“

„Spielchen?“, antwortete er trocken. Seine Stimme wurde lauter. „Nein, ich spiele niemals! Und dass die Welt am Abgrund steht, liegt allein an den Menschen selbst.“

„Wollen Sie damit sagen, Sie sprechen also nicht zu den Gewalttätigen und Selbstmordattentätern?“

Er lachte heißer: „Aber natürlich flüstere ich ihnen Worte zu. Worte, die sie hören möchten. Nur so kann eine neue Weltordnung entstehen.“

In mir begann Wut aufzusteigen. Ich war also wirklich an der richtigen Adresse.

„Dann hören Sie wenigstens damit auf, die Leute zu belügen!“

„Ich lüge nicht“, entgegnete er. Im gleichen Moment fiel ein Lichtstrahl vom Fenster herein und ermöglichte mir einen Moment, sein Gesicht zu sehen. Ein breites Grinsen spiegelte sich darin. „Nur manchmal, wisst ihr, benutze ich eine etwas bildhaftere Sprache. Sinngemäß basiert sie auf folgendem Inhalt: Folge meinem Weg, dann wird die Erde zu einem Paradies, und du wirst von allem Schmerz erlöst sein.“

Von wegen erlöst, dachte ich, und spürte wie die Wut größer wurde. Ich nahm mich zusammen. Gefühle waren im Moment fehl am Platz.

„Aber nicht nur den Extremisten flüstern Sie Worte zu. Immer mehr Menschen werden von Ihnen aufgesucht und indoktriniert – warum sonst sollten Misstrauen und Zwietracht so hell aufflammen wie noch nie zuvor?“

„Och, für dieses Verhalten der Leute muss ich nun wirklich nicht viel tun. Da brauch ich mich nur zurück zu lehnen und der Presse freie Hand zu lassen.“

Abrupt stand ich auf und schrie: „Das glaube ich nicht!“

Doch dann besann ich mich wieder. Ich wusste, dass es einige schwarze Schafe gab, die für eine gute Schlagzeile gerne einmal so das eine oder andere Detail aus ihrem Bericht heraus fallen ließen. Ich setzte mich wieder, atmete tief ein und aus und sagte: „Dennoch, Sie sind es, der die Menschen verführt, geben Sie es doch wenigstens zu!“

„Ich verführe niemanden! Die Menschen haben mich erschaffen, damit ich ihnen bei ihrem größten Problem helfe, das ist die einzige Prämisse meiner Existenz.“

Ich verschluckte mich und hustete: „Helfen???“

Luzifer nickte, ergriff dann mit beiden Händen die Kapuze und schob sie nach hinten. Mir stockte der Atem. Was würde er mir jetzt zeigen? Würde ich jetzt seine Hörner und sein abstoßendes Gesicht zu sehen bekommen? Aber ganz und gar nicht. Einen Moment setzte mein Herz aus. Was da zum Vorschein kam, war ein wunderschönes, filigranes Gesicht, das einen matt silbernen Glanz ausstrahlte.

„Als der Mensch begriffen hatte, dass er Gott nicht gleich ist“, erklärte er leise, „begann immer mehr Ärger in ihm hochzukommen. Er fühlte sich hilflos und ohnmächtig. Mit der Zeit vergaß er langsam auch immer mehr, dass er trotz aller Verschiedenheit zu Gott dennoch unglaublich viel Macht besaß. Und dies entfachte leider in ihm dann zudem das Feuer einer zerstörerischen Wut, deren einziges Ziel es war und ist, die göttliche Vollkommenheit zu vernichten. Aber zum Glück war da noch mehr: Gleichzeitig spürte der Mensch eine tiefe Reue für seine Taten. Er wußte, dass er sich selbst aufhalten musste. Nur wie sollte er das bewerkstelligen?

So erzeugten schließlich einige aus ihrem Schuldgefühl heraus Krankheiten in ihrem Körper, andere verdrängten die Weisheit, die in ihrem Herzen verborgen lag und suchten in der Wissenschaft nach neuem Heil. Und so mancher Mensch versuchte, sich schließlich als hilfloses Opfer darzustellen. Doch dies alles brachte die zerstörerische Wut im Menschen nicht zum Verschwinden. Ganz im Gegenteil. Und so erschufen seine Gedanken mich, damit ich eine Lösung für sein Dilemma finden sollte.“

Ich schloss einen Moment meine Augen. Von Luzifers betörender Ausstrahlung hatte ich ja schon einiges gehört und ich muss zugeben, dieser Engel, der da neben mir saß, war wirklich nicht ohne. Es dauerte wohl einige Sekunden, vielleicht auch Minuten, bis ich mich wieder gefangen hatte. Dennoch hielt ich sicherheitshalber die Augen geschlossen.

„Aber Sie sind es doch“, flüsterte ich, „der die Sehnsucht der Menschen nach Macht anstachelt und sie dazu bringt, noch mehr Zerstörung über die Erde zu bringen.“

„Das kommt alles nur auf die Perspektive an…“

Ich unterbrach ihn abrupt: „Aber Sie zerstören doch mit den Aktionen alles – auch Gottes Schöpfung, die Sie angeblich erhalten möchten!“

Er räusperte sich und schwieg einen Moment.

„Das mag vielleicht auf den ersten Blick so aussehen. Aber die Dosis macht erst das Gift. Ein völlig heruntergekommenes Haus muss ja auch erst entkernt werden, bevor man sich an die Sanierung macht. Da kann es durchaus mal zu Kollateralschäden kommen, aber am Ende steht dann doch das Heilwerden.“

„Heilung?“, hustete ich abermals.

„Natürlich. Mein einziges Bestreben ist es, die Natur und den Planeten zu erhalten. Und das geht nur, wenn der Mensch endgültig von der Erde verschwindet.“

„Nein, Ihre wahre Intension ist es, den wenigen, die auf Sie hören, zur Macht zu verhelfen, damit diese die anderen Menschen unterdrücken können!“

Ich hatte die Augen wieder geöffnet und klammerte mich voller Verzweiflung an die Wut in meinem Bauch. Sie sollte mich vor den Versuchungen Luzifers schützen. Allem Anschein nach probierte er an mir auch einen seiner Tricks, um mich auf seine Seite zu ziehen. Aber das würde ich nicht zulassen.

„Es scheint nur so, als ob ich diesen Fieslingen helfen würde.“

Ich spürte seinen Blick. Er ging mir unter die Haut. Dennoch gelang es mir, mit aller Kraft ihm nicht ins Gesicht zu sehen.

„Denkt doch mal nach! Ein Mensch, der nichts anderes im Kopf hat als Geld und Misstrauen, wird nach seinem Sieg doch wohl niemals plötzlich seinen Mitstreitern vertrauen. Nein, wenn sie alle Kleinbürger vernichtet haben, geht es dann in einem weiteren Kleinkrieg weiter. Und falls dann doch ein Sieger übrig bleiben sollte, wird er allein nicht mehr fähig sein, zu überleben!“

Was er da sagte, brachte mein Herz noch stärker in Wallung. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hinaus geeilt. Mir zitterten aber so die Knie, dass ich nicht in der Lage war, mich zu erheben. Ich wußte nicht, ob aus Angst oder aus Wut. In Gedanken schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel und antwortete Luzifer.

„Zumindest hätten Sie dann den ganzen Planeten für sich, dann wären Sie König und Gott zugleich!“

„Nein – nein“, antwortete er gedehnt und seine Stimme bekam von Satz zu Satz eine größere Leichtigkeit. „Wenn der Mensch verschwunden ist, werde auch ich mich auflösen. Denn ich existiere ja nur, weil die Gedanken der Menschen mich hervorgebracht und in all den Jahrtausenden ernährt haben.“

Der ganze Raum begann mit einem Mal heller zu werden. Ich konnte die geballte Kraft eines Engels spüren. „Und ich freue mich unglaublich auf diesen Moment. Denn dann bin ich endlich aus der langen Zeit in Gefangenschaft befreit. Dann bin ich für immer frei, und die Erde wird wieder das Paradies von einst sein.“

© Andrea Dejon

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Ernährungsreport 2016: Kritische Stimmen gen Christian Schmidt

flickr.com/ USDAgov/ (CC BY 2.0)

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Lebensmittelindustrie auf der Anklagebank

Der Verbraucher hat oftmals die Qual der Wahl zwischen halbwegs gesund erscheinenden Lebensmitteln, die ihm angeboten, und einer Fülle von hübsch verpackter Ware, obendrein mittels Werbung verklärten Informationen, die nicht nur an Betrug grenzt, sondern den Betroffenen nachhaltig gesundheitlich schädigen wird. Es hilft auch kein Ernährungsreport 2016, ein Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Herr Christian Schmidt, sich kritischen Stimmen stellen muß.

Dabei die Lebensmittelindustrie unbedingt auf der Anklagebank sitzt, wenn ihr der Prozeß gemacht werden würde. Wie schön, daß der Konjunktiv ihr nicht wirklich ans Leder will, jene Klientel sich wohl denken mag. Dennoch geben Skeptiker keine Ruhe, suchen die Schwachstellen und offensichtlichen Betrügereien aufzudecken, wie jüngst foodwatch in diesem Artikel anmahnte.

Verschleierung so weit das Auge reicht – Hauptsache die Kasse stimmt

Nicht der Mensch steht im Vordergrund, schon gleich gar nicht sogenannte Nutztiere in der Landwirtschaft, vielmehr die Gewinne einer Lebensmittelindustrie und Agrarwirtschaft, die längst vergessen zu haben scheinen, welch hohe Verantwortung sie tragen, wenn es um das Wohl ihrer potentiellen Kunden geht.

Das durch Etikettenschwindel Verbraucher täglich getäuscht werden, mag jenen profitorientierten Firmen und Konzernen genauso egal sein wie schlechte Ernährung, denken wir z.B. an Energy-Drinks. Die zur Zeit stattfindende „Internationale Grüne Woche“, die noch bis 24. Januar in Berlin Interessierte beglücken soll, wurde dementprechend völlig zu Recht per Demo begleitet, wie wir bereits beschrieben. Bringen jene Proteste etwas? Auf alle Fälle, das Bewußtsein in der Bevölkerung über die Machenschaften der Lebensmittelindustrie wächst, sie vermag noch mittels Werbung viele täuschen, aber immer mehr Menschen haben es tatsächlich satt, daß ihre Gesundheit dermaßen ungestraft aufs Spiel gesetzt wird, mehr Unmut breitet sich aus.

Die Medien im Reigen unkritischer Berichterstattung

Wie man unschwer diesem Artikel entnehmen kann. Überhaupt muß der kritische Beobachteer sich fragen, ob lediglich 1.000 Befragte tatsächlich ein fundiertes Bild über das Eßverhalten des Deutschen widerspiegeln vermag. Wohl eher nicht, unabhängig von den angemahnt manipulierten Suggestivfragen des Instituts im Namen des Bundesernährungsministeriums. Wer meint, er müsse dennoch einen Blick in den seriös wirkenden Ernährungsreport 2016 werfen, kann dies hier nachvollziehen.

Es bedarf folglich noch sehr viel Aufklärungsarbeit, um die Verbraucher davon zu überzeugen, welch fatale Entwicklung bei der Lebensmittelbranche sich eingeschlichen hat, wie viel Betrügereien stattfinden, was alles an chemischen Zusätzen in die biologischen Kreisläufe gelangt, die letztlich unsere Gesundheit gefährden. Die oftmals als Alibi angeführten sogenannnten Höchstgrenzen einer Unbedenklichkeit stellen sich bei genauer Betrachtung meist als Augenauswischerei und Verharmlosung heraus!

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Der gepackte Koffer, den wir in uns tragen

pixabay.com

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Packen wir das wirklich?

Wir packen das! Klar packen wir das! Was sollen wir denn packen? Wir packen alle unsere Werte, Vorstellungen für eine friedliche Zukunft, Wünsche für ein besseres Leben in einen Koffer und schütteln diesen kräftig durcheinander. Dann öffnen wir den Koffer und begutachten, ob etwas zu Schaden gekommen ist, und was wir noch gebrauchen können.

Wenn wir Glück hatten und unsere zerbrechlichen Werte, Vorstellungen, Wünsche doch nicht so dünnwandig waren, sind sie heil geblieben oder haben bloß ein paar unwesentliche Kratzer. Waren sie aber aus kostspieligem dünnem Glas, packen wir in einen Scherbenhaufen, der nicht so ohne weiteres Hoffnung erblicken läßt, etwas davon noch zu retten und eventuell die Chance auf Reparatur besteht. Den ein oder anderen Wert, Vorstellung, Wunsch hatten wir schon, bevor wir ihn in den Koffer gepackt hatten, ein wenig abgenützt oder schon etwas länger damit gehadert, ihn wirklich noch zu bewahren.

Irgendwie nackt und hilflos werden wir den Wert retten, der für uns am wichtigsten ist, das ist von Person zu Person unterschiedlich. Aber mit diesem Wert an Ihrer Seite haben Sie die Kraft, nach und nach den Koffer zu leeren. Nehmen wir an, Ihr wichtigster Wert ist Aufrichtigkeit. Sie werden deshalb alle Teile dieses Wertes zuerst aus dem Koffer nehmen.

Und genauso verfahren Sie mit Ihren Vorstellungen und Wünschen. Dabei werden Sie vielleicht feststellen, daß einige Ihrer wohl gehüteten Werte, Vorstellungen und Wünsche doch nicht so wichtig sind, um in einem unberührbaren Glanz hinter einer Glaswand zu stehen oder sogar komplett geschützt in einem Tresor?

Werte, Vorstellungen, Wünsche können nur dann von „wert“ sein, wenn wir mit ihnen Umgang pflegen so wie mit Freunden, Bekannten, Nachbarn, Fremden. Wir packen das! Klar packen wir das! Was sollen wir denn packen? Wir packen täglich unseren Koffer, den wir in uns tragen.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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