Hört keiner die Schreie

pixabay.com

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Hört keiner die Schreie bei Tag und bei Nacht?
Menschenseele bist du noch nicht aufgewacht?

Schläfst du wirklich so tief und fest?
Verzweiflungen, schlimmer als die Pest.

Das Leiden, das Haß hervorbringt,
dein Körper noch nicht nach Atmen ringt?

Kann es sein, ja, ich vernehm,
du schluchzt, es ist dir unangenehm,

der Haß schnürt dir die Kehle zu,
keine Nacht, kein Tag mehr Ruh.

Verzweiflungen keinen klaren Gedanken bergen,
das Leid, den Haß zu schmälern.

Menschenseele, vielleicht, gib Acht,
reihen wir uns ein in die Schreie bei Tag und Nacht,

dann, wie die Trompeten von Jericho,
vertreiben den Haß aus der Seele, einfach nur so.

Nafia

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Iran-Sanktionen: Gute Zeiten, schlechte Zeiten offenbaren Dialektik

flickr.com/ Frode Bjørshol/ (CC BY 2.0)

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Heuchelei soll eigentliche Absichten vertuschen

Endlich der lang ersehnte Durchbruch in Sachen Iran-Sanktionen, die nunmehr aufgehoben die Islamische Republik aufatmen lassen, an den Weltmärkten wieder als gleichberechtigter Partner mitwirken zu dürfen? Das möchte man zunächst mal meinen, die Freude groß verkündet wird, weil die IAEA endlich das im letzten Sommer ausgehandelte Atomabkommen in Kraft setzt.

Wenn da nicht eine unbedingt angebrachte Skepsis im Raume stünde, gerade weil diesen USA man keineswegs über den Weg trauen sollte. Deren Heuchelei vielmehr eigentliche Absichten vertuscht. Gute Zeiten, schlechte Zeiten offenbaren daher die Dialektik, die sich unumstößlich dahinter verbirgt. Die zur Schau getragenen Befürchtungen seitens Israels unterstreichen das Ganze noch.

Neue Atombomben verheißen nichts Gutes

Die Wahrscheinlichkeit eines begrenzten Atomkrieges müssen wir viel eher annehmen angesichts der gezielten Weiterentwicklung kleinerer Atombomben seitens dieser Hegemonialmacht mit dem weltgrößten Wehretat. Widersprüchlicher kann man kaum auftreten, als einerseits akribisch andere Staaten zu beobachten, wenn diese Atomwaffen entwickeln wollen wie der Iran, um selbst kleine Atombomben herzustellen.

Die USA auf allerbestem Kurs, diese auch mal bei Gelegenheit einzusetzen? Angesichts weltweit zunehmenden Kriegsherden keineswegs so abwegig, denken wir vor allem an den Nahen und Mittleren Osten, wo längst die Fronten sich verhärten, dem Pulverfaß nur noch die Lunte fehlt. Das verheißt nichts Gutes, wenn erneut jene USA sich aufspielen, der Welt diktieren, wie diese sich zu verhalten hat. Machen wir uns doch nichts vor, der Westen tanzt schon viel zu lange nach deren Pfeife, nur Russland und China bieten ihr weiterhin die Stirn.

Irans Freude nur von kurzer Dauer?

Man mag es dem Iran durchaus gönnen, die Freude über das Ende einer knapp zehn Jahre langen Sanktion, so daß endlich die Republik am Weltmarkt teilhaben darf. Wichtig und richtig für das ohnehin in schwere Mitleidenschaft gezogene Volk mit seinen knapp achtzig Millionen Menschen.

Doch wird die Freude nur von kurzer Dauer sein? Denken wir an die feindseligen Nachbarstaaten, an Saudi-Arabien und Israel, die USA, die ohnehin jedwede Gelegenheit nutzen, um Staaten zu destabilisieren, Intrigen konstruieren, so daß erneut Mißtrauen entsteht, begleitet von angeblichen terroristischen Vorhaben bis hin zur Fortsetzung von Verdächtigungen, der Iran würde sein Atomprogramm wieder heimlich aufgreifen.

Nein, von Entspannung kann trotz dieser jetzigen Freude kaum die Rede sein angesichts der vielen Möglichkeiten, die sich jenen USA bieten.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Angst darf keinesfalls unseren Lebenswandel diktieren

flickr.com/ CBS_Fan/ (CC BY-SA 2.0)

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Wenn Menschen sich verkriechen, haben Mächte gesiegt

Angst verbreitet sich, wenn der Grund dafür nicht erklärbar oder verheimlicht wird, in rasender Geschwindigkeit. Angst ist ansteckend wie eine Seuche, aber auch wie hemmungsloses Lachen. Warum? Angst ist in erster Linie eine Schutzfunktion, die uns davor bewahrt, einer gefährlichen Situation aus dem Weg zu gehen. Jeder Mensch besitzt eine Urangst, allerdings ist diese Urangst bei jedem Menschen in einem anderen Grad vorhanden.

Wer oder was der Auslöser sein kann, der uns die Nackenhaare hochstellen läßt, ist ebenso von Person zu Person unterschiedlich. Die Gemeinsamkeit besteht lediglich darin, daß Angst unkontrolliert Besitz ergreifen mag, und keiner ist dagegen gefeit. Wahrscheinlich gibt es zu diesem Phänomen Hunderte von Büchern. Psychologen, Therapeuten setzen sich täglich mit ihren Patienten unter anderem diesem Thema aus.

Wieso ist diese Empfindung, Warnung vor Gefahr, so stark, daß sie Menschen erstarren läßt, sie zu unüberlegten Handlungen treibt, sich ansteckend auf ganze Gruppen verteilt? In der Tierwelt gibt es die verschiedensten Auswirkungen der Angst, Käfer, die sich tot stellen, Eidechsen, die ihren Schwanz abwerfen, Tiere, die ihre Nacken- und Schwanzhaare durch aufplustern aufstellen, um damit größer zu wirken, Tinte versprühen, Gift spucken, ihre Farbe wechseln. Sogar Pflanzen reagieren auf ungewollte Bedingungen. Spätestens seit Cleve Backster durch seine Experimente die Empfindungen von Pflanzen nachgewiesen hat, sollte das Wissen um die Urängste in der Pflanzenwelt nicht mehr als Humbug abgetan werden.

Wenn wir der Angst zugestehen, daß sie uns Schutz bietet, sie als Warnsignal auftritt, warum fürchten wir uns dann noch vor dem kommenden Ereignis? Wir sind doch durch die Angst, die uns beschleicht, sich uns bemächtigt, wachsamer, vorsichtiger und umsichtiger, bevor wir den nächsten Schritt wagen. Es sei denn, die Angst ist nicht erklärbar, weil wir das Wissen nicht besitzen, den angstauslösenden Faktor zu kennen. Dann fühlen wir uns wie die Maus vor der Schlange.

Angst zu überbrücken, kann nicht damit gelöst werden, sich vor der Gefahr zu verstecken. Es ist nicht Sinn und Zweck der Angst, wenn wir in unseren Häusern bleiben und uns nicht trauen, den nächsten Schritt zu wagen. Angst und Gefahr lauern überall. Das Unbekannte ist überall. Oder ist es gewollt, daß wir uns nicht mehr auf die Straße trauen sollen? Gegebenenfalls nur noch mit schriftlichem Einverständnis, daß wir selbst haftbar sind, wenn wir uns gegen die Angst stellen? Aber das sind wir doch sowieso!

Ihre

Doris Mock-Kamm

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Gewalt bestimmt unseren Alltag

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Satirischer Rückblick…

Wer werfe den ersten Stein, der keineswegs zufällig, sondern gezielt entsendet? Muß das wirklich sein, sich das Blatt für die Menschheit noch wendet? Nur ein paar Wenige uns eiskalt beherrschen auf Gedeih und Verderb. Uralte Erkenntnis, nichts Neues, weiterhin Schweigen – superb! Nicht etwa jenes Diktat so manchen in Erstaunen versetzen mag, eher des Menschen Hingabe Tag für Tag, sich bestimmen zu lassen, anstatt zu lieben, vieles zu hassen.

Der Lack ist ab – jene Redewendung an Bedeutung uns weist, worin der Sinn wohl lag, wieso Konsumrausch zu Verschwendung neigt, deutlich uns aufzeigt: Wir haben’s vergeigt. Manch einer meint, nie mehr allein zu sein. Was ist hierbei Wirklichkeit, was wohl Schein? Nicht nur Menschheit am Scheideweg der Erkenntnis steht, glaubt, es sei zu spät. Wer in der BRD Bürgerkriegszuständen den roten Teppich ausrollt, darf sich nicht wundern, wenn das Volk zunehmend grollt. Genau das ist so gewollt!

Der ganz normale Wahnsinn nimmt im Alltag seinen Lauf, obwohl man vieles verbessern sollte. Warum läßt Politik so viele Menschen hinein ins Land zuhauf, jemand all den aufkommenden Haß gezielt somit wollte? Manch Gedankenspiel zwischen Wut und Mut sich dabei Wege bahnen will. Woher nur der Gehorsam, dieser unkritische Drill?

Mag viel daran liegen, daß Mensch andauernde Ignoranz pflegt. Am Ende wird die Erkenntnis siegen, er den Ast absägt, auf dem er meint, sicher zu sitzen. Was ihn wohl dabei vereint, sich in Debatten zu erhitzen? Es nützt nicht viel, sich an alte Tage zu entsinnen, die unwiederbringlich davonrinnen, als noch per Griffel geschrieben ward, kreischend auf Schiefertafel, für Ohren meist zu hart.

Obwohl kurz nach Zwölf es nicht zu spät, mag manch einer glauben, die Zeit dennoch zu schnell vergeht. Im Hinblick zur deutschen Einwanderungspolitik zeigt sich dort viel Ungeschick, ein Ventil für unkontrollierte Gewalt. Noch mehr Wut in den Straßen schallt? Sich regen bringt Segen, vor Erleichterung Menschen tanzen, die Welt umarmend voll Freude im Ganzen. Kann man es ihnen angesichts des vielen Leids verdenken? Man möchte doch nur dem anderen Liebe schenken.

Ganz ähnlich wie an Fasnet wir böse Geister vertreiben, die nach dem Winter im Hause wollen bleiben, so neigen wir uns einzusetzen für ein friedfertiges Zusammenleben, statt andere zu verletzen, besser Liebe zu geben. Dem widerspricht das Verhalten einer bestimmten Nation, die USA per Weltmachtgehabe die Menschheit verhöhnen. Wer will das schon, daß sie sich mit uns versöhnen?

Wenn Homo sapiens am Scheideweg zu Lösungsansätzen steht, weil Terror den Alltag längst gestaltet, Angst und Schrecken waltet, ist es dafür niemals zu spät, entsprechend gezielt zu handeln. Muß man Gewalt in Frieden verwandeln. Erinnern Sie sich noch ans Trampen, ein Lebensgefühl aus alten Zeiten? Möge Gewalt sich nicht noch mehr ausweiten, für ein friedliches Sein ohne Qualen. Es liegt an uns allen.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Trampen: Lebensgefühl aus alten Zeiten heute eher gefährlich

flickr.com/ Cpt.Hook/ (CC BY-SA 2.0)

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Nur noch eine schöne Erinnerung?

Auf dem Weg in den Süden in den 60igern und den 70iger Jahren waren viele Autobahnauffahrten, Autobahnraststätten, Straßen bevölkert von Trampern. Auf dem Weg in den Norden, Osten und Westen ebenso. Überall, selbst in den kleinsten Dörfern oder an der Landstraße, standen die Langhaarigen, Hippies, den Daumen hochgehoben als Zeichen, einen Lift, eine Gelegenheit zu bekommen von einem motorisierten Mitmenschen mitgenommen zu werden, entweder zum Endziel oder eben nur ein kleines Stück weiter auf dem Weg.

Zuweilen traf man Gleichgesinnte, mit denen man dann gemeinsam auf die nächste Fahrt wartete. Es ist durchaus vorgekommen, sich in einer langen Reihe von Trampern ganz nach hinten anzustellen, denn auch hier galt: Wer zuerst hier stand, wird zuerst mitgenommen. Konnte ganz schön frustrierend sein, wenn die Sonne erbarmungslos vom Himmel ihre Strahlen schickte und sämtliche vorbeifahrenden Autos voll besetzt waren mit Kindern und Gepäck und kein Schattenplatz in der Nähe war, um sich wenigstens ein bißchen auszuruhen. Die gleiche Frustration erlebte man, wenn es nur so in Strömen regnete, die Schneeflocken kein Erbarmen kannten und die Tramper in einen Schneemann verwandelten.

Irgendwann wurde man erlöst und saß in einem Auto mit einem oder mehreren Unbekannten. Nicht jedes Gespräch verlief angenehm, nicht jede Fahrt war ein Erlebnis, es gab auch albtraumhafte Begegnungen. Wer mit seinem Hund unterwegs war, konnte meistens darauf zählen, schon der Tierliebe zufolge mitgenommen zu werden, selbst wenn man mitsamt Hund komplett durchnäßt war. Manchmal war es möglich, nicht nur einen Lift zum gewünschten Ort, sondern auch gleich eine Übernachtungsstätte zu bekommen, ohne irgendeine Bedingung. Je nachdem konnte es ohne weiteres passieren, daß der Fahrer extra Umwege fuhr oder sogar auf die Idee kam, jemanden bis zum Endziel zu fahren, auch wenn das bedeutete, so einfach mal 100 bis 300 km durch die Gegend zu fahren.

Alles nur nostalgisch verklärt! Trampen, ein gemeinsamer Weg mit Unbekannten, eine Gefahrensituation mit ungewissem Ausgang? Eine Studie des Kriminalamtes Wiesbaden 1989 kam zu dem Schluß, daß Trampen nicht explizit eine größere Gefahr darstellte, einer Gewalttat zum Opfer zu fallen. Da bleibt doch die Frage, waren die Menschen generell freundlicher, weniger gewaltbereit? Oder ist das alles Einbildung, daß heutzutage die Gefahren zugenommen haben? Sind wir nur ängstlicher geworden? Oder haben Sie in den letzten Tagen, Wochen, Monaten Tramper gesehen? Dann ist Trampen doch nostalgisch und die Erinnerung an die Massen, die auf eine Mitfahrgelegenheit warteten, nur eine Erinnerung an Zeiten, die längst hinter uns liegen.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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Terror: Menschheit am Scheideweg zu Lösungsansätzen

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Das Ende friedlichen Zusammenlebens

Radikale Lösungen folgen stets nach einer Vielzahl von Vorkommnissen, die unerträglich etliche Bürger verunsichern, in berechtige Wut versetzen, ihnen nahelegen, endlich schnell daher zu handeln. In etwa manchmal zu überstürzt, weil die Zeit eilt? Kaum mehr Raum vorhanden, mit Bedacht wohlüberlegt abwägend sämtliche Argumente auslotend einzubringen? Mensch reagiert dann eher reflexartig, was man ihm nicht unbedingt verübeln mag.

Klingt wahrlich ziemlich abstrakt, weil noch kein reales Beispiel angeführt. Nehmen wir mal das Geschehen um eines der bewegendsten Themen, die uns im Moment beschäftigen: die sogenannten Flüchtlingsströme gen BRD. Asylsuchende, Einwanderer, Flüchtlinge – drei Begriffe, die oftmals sich überschneiden, nicht immer sauber getrennt werden können. Ein Flüchtling, der Asyl sucht, ist ein Einwanderer? Welch verlockende Kombination aller drei Begriffe und dennoch faktisch möglich. Andererseits gibt es noch die vierte, erweiterte Variante, die des Wirtschaftsflüchtlings. In vielen Kreisen ein Schmarotzer, ein krimineller Eindringling, der rücksichtslos das Elend anderer für sich ausnutzt.

Kann man es ihm wirklich verdenken? Wo beginnt der Betrug, sich einfach aus seinem Heimatland hinauszuschleichen und das El Dorado BRD aufzusuchen, um dort auf Arbeit und soziale Absicherung zu hoffen? Einem Deutschen selbst den Platz dermaßen dreist zu nehmen? Hätten alle Deutsche mehr oder weniger einen festen Arbeitsplatz, würde man jenem Wirtschaftsflüchtling mit demselben Haß begegnen?

Was geschieht da vor unser aller Augen, wenn wie auf Kommando, übrigens ganz typisch für alle Flashmobs, ein “el-taharush el-gensi” nonchalant mitten in Europa tobt, für einen berechtigten Aufschrei sorgt, das Fundament eines friedlichen Zusammenlebens erheblich erschüttert, so daß erst Bürgerwehren sich formieren, weil die Polizei restlos überfordert, obendrein von der Politik allein gelassen wird? Knallharte Absicht, äußerst gezielt hier losgetreten, um ein gesellschaftliches Miteinander empfindlich zu stören, auf diese Weise extremistische Kräfte freizusetzen, vorschnelle Lösungen zu beschließen. Der Kreis schließt sich, Ziel erreicht: das Ende des friedfertigen Humanismus, das Aufstoßen einer Tür, die schon einen zu großen Spalt geöffnet war. Dahinter gähnende Gewalt, einem Höllentor gleich, Mensch sich verlierend in seinen Haßorgien.

Zu düster für Sie? Vielleicht auch nur eine Vorahnung dessen, was uns alle erwartet, wenn wir nicht rechtzeitig endlich aufwachen, all denen das Handwerk legen, die genau für solche Szenarien sorgen. Das bedingt, aber auch die Cleverness und tiefe Überzeugung, selbstverständlich Menschenrechte nicht aufzugeben und einzutauschen für ein Klima der Angst und Totalüberwachung. Warum? Weil dies exakt die Instrumente sind, die jedwede Diktatur gerne für sich beansprucht, um eigene Ziele durchzusetzen. Seien wir jetzt erst recht äußert wachsam!

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Fasnet: Ende der milchig graublauen Tage

flickr.com/ poeloq/ (CC BY 2.0)

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Wenn durch Masken Dämonen vertrieben werden

Stimmung. Mies. Stimmung! Immer noch mies. Stimmung!! Wird nicht besser. Dieses milchig graublaue Licht, das nur annähernd das Zimmer erhellt, hinterläßt keine Schatten und schon gar keine Lichtpunkte. Alles ist milchig graublau. Selbst die Regentropfen, die ab und an unregelmäßig, aber auch in fast schon musikalischer Abfolge auf den Fenstersims treffen, vermögen diese milchig graublaue Stimmung nicht verschönern. Stimmung!! Selbst die Farbe des Flusensiebs vom Wäschetrockner ist milchig graublau. Stimmung!!

Januar, Februar sind die Monate, die das milchig graublaue Licht in die Herzen der Menschen bringen. Die letzten Vorräte, die man im Vorjahr durch den Sommer und Herbst über angelegt hat, neigen sich dem Ende. Wenn es ein schlechtes Jahr war, ist nicht mehr viel davon übrig, Hunger macht sich breit. Es ist die Zeit der Fasnet. Historiker sind sich nicht endgültig einig, ob die ausgelassenen Feste der Fasnet heidnischen Bräuchen entspricht oder aber erst entstanden aufgrund der Existenz der Kirche, um gegen die Obrigkeit und Kirche offen Kritik zu üben.

Jedenfalls haben unsere Vorfahren (zu Recht) in diesen milchig graublauen Monaten die Sau rausgelassen! Hatten sie doch mit uns gemein, daß ihnen sicher diese Stimmung aufs Gemüt schlug. Anstatt nun aber in Depressionen zu versinken, fingen sie an, die Dämonen, die sich um ihre Seele gelegt hatten, Hunger, trübe Aussichten zu vertreiben, indem sie verkleidet durch die Dörfer, verstreute Höfe und Städte zogen. In einigen Gebieten gab und gibt es den Brauch, daß vornehmlich Kinder von Tür zu Tür zogen beziehungsweise ziehen, um Essen oder Kohle, Holz zu ergattern. Aber auch Erwachsene trieb es um die Höfe, wo sie mit Schnaps und Eßbarem empfangen wurden.

Viele dieser Bräuche werden vor allen Dingen im alemannischen Sprachraum bis heute gelebt. Wer die Gelegenheit hatte, einem Hemdglonkerumzug mitzuerleben oder einen Umzug der Guggenmusiker erlebt hat, die Masken und das Häs (Kostüm) der unterschiedlichen Gemeinden bewundern konnte, wird sich wohl eher ein Bild davon machen, welchen ursprünglichen Sinn die Zeit vor dem Fasten hatte. Es war nicht nur die Zeit, die Vorräte aufzubrauchen, bevor sie schlecht wurden, sondern oft eine Abrechnung mit mißliebigen Verhalten und Handlungen einiger Personen.

Lassen Sie sich Ihre Stimmung nicht durch die milchig graublauen Tage vertreiben, sondern vertreiben Sie mit Ihrer Stimmung und Stimme die milchig graublauen Tage, auf das es wieder ein neues Frühlingserwachen gibt.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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