Ein Haufen Striche

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Ein Strich
und ein zweiter,
noch einer,
soll ich nochmal,
wieder einer mehr,
ein Bindestrich,
zu einfach,
Verbindungsstriche,
oh, ein Haken,
ein Kreuz,
ein Kreuzhaken,
Strich, Strich,
Striche, Striche,
ein Haufen Striche,
schwarze Flecken,
braunes Glänzen,
Schwarzdreck, Staub,
Braunfett, ranzig,
mein Schreibtischstuhl
dreht sich, Kreis, Kreise,
male Kreise,
Strichkreise,
durchgestrichen,
durch die Striche
gestrichen,
ein Strich,
zwei Striche,
noch einer,
Strich, Strich,
knülle,
Strichknülche
knüllen,
ab in den Eimer.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Schmeiß den Motor an, wir müssen fliehen

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Alles halb so schlimm, oder?

Wenn gar nichts mehr geht, mag Flucht eine Option sein. Denkste. Was glaubst du eigentlich, was dann geschieht? Es sei dir mitgeteilt, am besten auf silbernem Tablett. Du nimmst all deine beschissenen Probleme mit. Und nun?

Gerade zum Trotz bist du längst unterwegs gen Süden. Warum eigentlich immer in den Süden? Sowohl real zur Urlaubszeit oder in schnulzigen Komödien? Stets der Run nach Sonne, Strand und weiß der Geier was, manch Rockzipfel, wohl eher Bikini. Das lassen wir mal besser außen vor. Hier geht es zwar schon um nackte Tatsachen, aber halt keine sexuellen oder erotischen.

Nun denn, dann fährst du einfach mal zur Abwechslung gen Westen, äußerste Landbegrenzung der Atlantik. Auf der anderen Seite diese Amis, im Südwesten Brasilien und die anderen lateinamerikanischen Staaten, wo ein Leben weniger wert als sonstwo. Wie das gemeint ist? Wortwörtlich, stammt noch aus Zeiten der Eroberer, hauptsächlich den iberischen. Aber rühren wir besser nicht in der Geschichte, verbleiben hautnah in der Gegenwart.

Genau, Haut, Erotik und Nacktheit, so die Präsenz einer Realität, die kaum jemand in all ihren Facetten wahrhaben möchte. Dann lieber hinzu- oder wegdichten. Das läßt das bißchen Restleben angenehmer erscheinen. Ach, tatsächlich? Und manch Albtraum, der dich doch des Nachts erinnert, was schief- gelaufen? Per Drogen kriegste das nie und nimmer in den Griff, Ablenkung hilft auch nicht, schon gleich gar keine Flucht.

Doch die Karre flitzt mit 220 km/h über die Autobahn, das in Frankreich, aufpassen, bevor Flics dir erwischen, die wollen och nur leben, ein wenig kassieren. Doch du hast jetzt mal Glück, keine Ablenkung, raus mit der Sprache, wieso du fliehst!

Unendlich tief gewachsene Trauer also? Aha. Wir verstehen, nicht um den Verlust eines lieben Menschen, sondern wegen den verpaßten Gelegenheiten, die Mensch zuließ. Soso. Das Artensterben sollte niemand unterschätzen, der Kreislauf der Natur ist ein Heiligtum gemessen am Pomp der Kirchen. Umweltbelastung mit daraus resultierendem Klimawandel, sicher, alles menschengemacht, erst recht jener Rüstungswahn. Weltschmerz nimmt dich ein, eine Kurzschlußreaktion, diese Flucht? Ganz genau, du begreifst es selbst.

Langsam überholen dich andere Verkehrsteilnehmer, ebenso ein Polizeiwagen ohne Blaulicht und herausgehaltener Kelle aus offenem Fenster. Du steuerst einen Rastplatz an. Mal tief durchschnaufen, die Augen schließen, beim Stehen mit laufendem Motor. Schnippst dabei die fast heruntergebrannte Kippe weg.

„He, Sie da, das ist ein Parkplatz, kein Aschenbecher! Heben Sie mal schnellstens den Glimmstengel auf, haben Sie verstanden!“, schreit eine Mittfünfzigerin dich entrüstet an. Wortlos steigst du aus, sammelst sie auf, die Kippe, nicht die Frau, entsorgst sie im Aschenbecher deines Autos, verneigst dich entschuldigend und fährst wieder gen Osten, zurück ins Leben voller Probleme, aber deine biste nicht losgeworden. Schwamm drüber.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Ohne zu küssen

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Keinen Kuß zum Abend.
Keinen Kuß zum Abschied.
Gefühle trabend.
Herz verschied.

Keine Augen, die leuchten.
Keine Ohren, die verstehen.
Tränen Gesicht befeuchten.
Schmerzen Lachen verwehen.

Zu mir treib das Lachen.
Zu mir spritz das Naß.
Zu mir schlepp die Gefühle.
Zu mir zieh das Herz.

Dann ist das Ende nicht nah.
Dann ist das Scheiden nicht schwer.
Darin erkenne ich dich wieder.
Darin vertrauten wir uns sehr.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Und täglich grüßt der Hegemon

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Ende friedfertiger Schonfrist

Man darf ihn nicht, man sollte es aber dennoch, ihn kritisch betrachten und dessen weltweit expandierende politische Botschaft anprangern, egal ob dabei ein polemischer Antiamerikanismis unterstellt wird, der Hegemon will es ganz offensichtlich nicht anders.

Ein derartiges Vokabular in der Presse spricht Bände, verdeutlicht gleichzeitig den Ernst der Lage, wenn von „Trumps Handgranate“ beim US-chinesischen Handelskonflikt die Rede ist. Die Kriegsgefahr im Mittleren Osten nimmt viel eher zu, weil die USA einen Flugzeugträger und Bomber in Richtung Iran verlegen. Aller schlechten Dinge sind drei trotz vorläufigen Waffenstillstand, den die Hamas und Israel erreichen.

Überall haben die USA ihre Finger im Spiel

Die weltweite Einmischung, wo immer möglich, kann kaum jemand von der Hand weisen. Keine Nation war bisher in derart vielen Kriesen- und Kriegsszenarien verstrickt, das weltpolizeiliche Gehabe fordert einen gewissen Antiamerikanismus nahezu heraus, wer sich nicht gänzlich von den USA in Abhängigkeit bestimmen läßt. Widerstände verbleiben.

Der äußerst komplexe Nahost-Konflikt, ganz besonders sichtbar im Gazastreifen, einer sich verselbständigenden Gewaltspirale trotz etlicher Waffenstillstände, löst sich keineswegs in Luft auf, führt zu realem Frieden, nur weil ein Donald Trump dies mal eben twittert.

Was geschieht nach dem ESC, wenn dieser zumindest ohne Raketenbeschuß der Welt musikalische Freiheit in Szene setzt? Bekanntlich verschwinden Feindbilder nicht einfach aus den Köpfen, sondern suchen Wege ihrer Entfaltung.

China und der Iran – ein eng verknüpftes Band mit Russland im Hintergrund

Vielleicht hat The Donald feuchte Träume, seine Wut gen Iran noch mehr zu forcieren, das Ende des Atomabkommens hat schon genug Schaden angerichtet, die USA haben durch ihn jedwedes Veto seitens der EU und Deutschlands ignoriert, es gilt, die iranische Führung zu verteufeln.

Ein Dilemma ohne reale Chancen auf friedliche Wege, erst recht wenn Trump plötzlich Strafzölle auf China-Importe erläßt, parallel per Flugzeugträger dem Iran droht. Der Beginn des Worst Case? Schließlich ruht weder ein Syrien- noch ein Ukrainekrieg, verbleibt die Aufrüstung zwischen den beiden Supermächten, bestätigt sich, daß eine weltpolitische Soap keine Friedensfertigkeit offenbart.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Ihr Lächeln

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Ein Lächeln hat sie sich bewahrt,
aus vielen aufgespart,
ein Lächeln voller Güte,
daß es stets alles behüte,
ob die Zukunft oder das Gestern,
ob Brüder oder Schwestern,
das Lichtstrahllächeln,
das Angst wegfächeln,
das Frust im Keim erstickt,
vor dem Mut nicht erschrickt,
das Lächeln der Mona Lisa,
Wunschtraum oder Fata Morgana,
dies Lächeln zwischen den Zeiten,
das Lächeln, das den Tod kann begleiten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Dank Kevin endlich mal ne Sozialdebatte

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Keineswegs geht’s um den, der allein zu Haus, mit solch billigen Filmen mag man sich an anderen Stellen auseinandersetzen, die Rede ist von Kevin Kühnert, dem Juso-Chef. Hoffentlich nicht mit selbigem Anliegen wie seine Vorgänger unterwegs. Man erinnere an Mister „Ich will hier rein“, der am Zaun des Kanzleramtes lautstark rüttelte und an die jetzige Chefin der Sozialdemokraten.

Vielleicht hat er auch exakt den richtigen Ton angeschlagen mit seiner Sozialdebatte, um selbstverständlich polemisch zu übertreiben. Das ist nicht nur legitim, sondern dringend notwendig, besonders ablesbar anhand des Aufschreis politischer Kollegen aller Parteien, vorneweg vom Sigi, der gleich eine Methode Trump Kevin unterstellt. Man sollte derart kleingeistige Narzißten wie „Humpty-Trumpty“ nicht zitieren, um damit Kritik zu rechtfertigen. Das paßt so gar nicht als Vergleich. Was haben mafiöse Praktiken mit sozialistischem Gedankengut gemein?

Gleichwohl sollte man die Kirche besser im Dorf lassen, Katrin Budde, der ehemaligen Wirtschaftsministerin in Sachsen-Anhalt, scheint wohl entgangen zu sein mit ihrer Forderung, die Debatte über das rechte Maß an Privatisierung und staatlichen Betrieben im Osten Deutschlands hätte man zu Beginn, also 1990 führen müssen, daß ein einjähriger Kevin sich nicht als Wunder-Baby an solchen Diskussionen beteiligen kann.

Alle Parteien im Deutschen Bundestag fühlen sich angesichts Kevin Kühnerts losgetretenen Argumenten betroffen und angegriffen, außer Die Linke, Katja Kipping stimmt ihm eher zu. Alexander Dobrindt tönt gegenüber der „Bild am Sonntag“ von einem „DDR-Verharmloser“, während im Gegenzug der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Ralf Stegner, der Union vorwirft, sie vertrete die Interessen der Reichen und Topverdiener, Kevin Kühnert würde berechtigterweise explodierende Mieten, den Klimawandel und Profitgier ansprechen.

Der Kapitalismus fährt mit maßlos überhöhter Geschwindigkeit gegen die Wand, applaudierende, ewig gestrige Zuschauer hofieren obendrein dessen nicht zu übersehende Verfehlungen, feiern und baden sich selbst in ihrer stoischen Ignoranz ob des zunehmenden sozialen Elends auf der einen Seite und eines Überreichtums auf der anderen.

Wenn dann ein Kevin Kühnert endlich mal diese Sozialdebatte lostritt, stürzen sich etliche wie die Geier auf dessen Wagemut. Wenigstens aufmerksame Medien belichten das Thema, auch wenn erneut eine „Lügenpresse“ hüben wie drüben des Atlantiks beschimpft wird, die Problematik läßt sich nicht einfach wegdenken, sie artikuliert sich schärfer. Ein dringend notwendiger Prozeß.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Puppenleben

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Hinter Panzerglasfenstern
lungern sie, stets adrett,
modern gekleidet, frisiert,
ein Lächeln auf den Lippen,
keinen Frust, keine Wut,
ausgeglichen, steifer Rücken,
beneidenswert diese Ausdauer,
diese Geduld auf diesem Parkett,
vor Publikum, Sehnsüchtigen,
die zweifelnd, gierig, kokett
unerfüllte Wünsche anstarren.

Vor den Panzerglasfenstern
eilt man kurz blickend,
staunend verharrend,
versucht coole Mimik zu imitieren,
Gesten nachzuempfinden,
um puppenhaft, starr,
kalt wie Stein, ohne Regung,
stilsicher kostümiert, bestaunt,
die Welt hinter Glas zu verachten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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