Welt der Meere in Gefahr

© Lotar Martin Kamm

Mythenrankend verbirgt sie ihre Geheimnisse

Kein Wesen auf Erden handelt dermaßen unklug, arrogant und selbstzerstörerisch wie der Mensch. Dabei wagt Homo sapiens mittels seines Forscherdrangs sich wissenschaftlich  in Gebiete vor, die noch kürzlich unerreichbar galten, denken wir an die Astronomie, die selbst entfernteste Winkel im Universum inzwischen aufzuspüren vermag.

Doch vor eigener Haustür, wenn wir an die Küsten unserer geringen Landmassen herantreten, umspült unsere Füße im Gezeitenwellengang die Meereswelt ihr nasses, salzhaltiges Element, um trotzdem mythenrankend ihre Geheimnisse zu verbergen. Demutsvoll die einen noch deren Sinn erfassen mögen, während die anderen vielfach abgelenkt dem Festland verpflichtet kaum Notiz nehmen, was da Mutter Erde bereithält.

Seewege und wirtschaftliche Ausbeutung

Als noch keine Motoren Schiffe fortbewegten, dienten uns Segelschiffe, um weltweit auf bestimmten Seewegen die jeweiligen Kontinente zu erreichen. Dieses Wissen der einzelnen Routen in Abhängigkeit der unterschiedlichen Winde eignete sich der Mensch im Laufe der Jahrtausende an, war er doch minimum vor knapp 10.000 Jahren bereits in der Lage, die Hohe See per Wasserfahrzeuge zu durchqueren.

Ganz seinem geschäftstüchtigen Expansionskurs folgend, bereiste und erforschte er die weltweiten Landmassen, verhalfen Seewege den Abtransport wirtschaftlicher Ausbeutung. Und was ihm zweckdienlich über den Weg schwamm, in diesem Fall sämtliche Fische in den Meeren bis hin zu den größten Säugetieren, den Walen, nützte ihm in erster Linie als Nahrung. Solange die menschliche Bevölkerung noch weltweit eher gering vertreten, die Fangmethoden nicht gar so effektiv wie heutzutage, überlebten die Fischarten. Allerdings mit zunehmend extrem anwachsender Bevölkerung dezimieren sich die Meeresbewohner.

Ökologisches Gleichgewicht außer Rand und Band

„Ich weiß, daß ich nicht weiß“, sagte mal Sokrates. Das sollte Mensch sich ganz besonders fürs Meer verinnerlichen. Dessen nach wie vor uns unbekannte Welt wird allein schon aufgrund des Umstandes seiner Größe im Verhältnis zur wesentlich kleineren Landmassenlandschaft ziemlich deutlich. Obendrein vermögen wir zu Lande wenigstens tagsüber das Sonnenlicht zur besseren Beobachtung sinnvoll nutzen, hingegen aber in den Tiefen der Ozeane ewige Finsternis herrscht, die ein winziges Stückweit mittels Unterwasserscheinwerfer erhellt werden kann, dennoch niemals den Raum wir wirklich erfassen.

Völlig unbedarft nutzen und beuten wir das kostbare Naß aus, trotz lieb gemeinter Walfangregelung kündigt Japan Rückkehr zum komerziellen Walfang an. Keiner kann ernsthaft die weltweiten Schäden des Ressourcen-Raubbaus kleinreden oder gar weiterhin ignorieren, auch wenn inzwischen gigantische Plastikmüllmassen auf den Ozeanen schwappen, ganz langsam ein gewisses Bewußtsein entsteht, daß die Weltmeere sehr entscheidend dazu beitragen, das ökologische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, findet real menschliche Ignoranz stets neue Ausreden des kriminellen Verhaltens.

Warnende Stimmen erschaffen nicht nur Gleichnisse

Wer sich eindringlich auszudrücken vermag mittels künstlerischer Fähigkeiten, hat etwas der Nachwelt mitzuteilen. Denken wir an Jules Vernes „Vingt mille lieues sous les mers“ (20.000 Meilen unter dem Meer), an den Zeichentrickfilm „Finding Nemo“ oder an Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“.

Letzterer hat allerdings gleich einen sehr entscheidenden Aspekt: eine eindringliche Warnung an die Menschheit selbst. Selbstverständlich beharrt der Autor auf sein Anliegen, obgleich ihm die zwischenmenschlichen Dialoge und Charaktere der Romanfiguren ein wenig entgleiten, so schafft es Schätzing dennoch, uns wesentlich kritischer und wie mit neugierig fragenden Kinderaugen hinzuschauen in die rätselhafte Welt der Meere, den derzeitigen Istzustand zu überdenken. Selbst Parallelen zu Tanja Kinkels „Götterdämmerung“, die ihren Roman zuvor verfaßte, kann man erkennen: nicht über die Meereswelt, aber die menschliche Gleichgültigkeit, der jedes Mittel recht ist, um die eigene Macht auszubauen.

Was nehmen wir mit an Zweifeln und eindringlicher Vorstellung, inwieweit Mensch das Meer nunmehr betrachtet? Am Ende doch dessen Freiheit, Wahrheit und Lebensquelle, die es unter allen Umständen zu bewahren gilt?!

„Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer!“ (Antoine de Saint-Exupéry)

 Lotar Martin Kamm

 Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ab jetzt nur noch im Morgenmantel

https://pixabay.com/photos/roe-deer-baby-wild-animals-forest-2614967/

pixabay.com

Ihr ging es nie darum, in irgendeiner Form auffällig extravagant aufzutreten, weder kleidungsmäßig, noch in ihren künstlerischen Arbeiten, sie empfand ihr Handeln stets salopp, kratzbürstig, kokettierend laut Emanuel träfe es besser. Als sie in den Morgenstunden beobachtete, wie ein Reh über den Gartenzaun sprang, sich umdrehte und wieder zurückhüpfte, konnte sie nicht einordnen, ob dies nun in Realität geschah oder sie nur eine Traumsequenz aufschnappte, denn die Szene wollte so überhaupt nicht in ihre Traummuster passen, sie stierte in einen Raum voller emotionaler Empfindlichkeiten, die es nicht erlaubten, konkrete Figuren und Gegenstände zu bilden, noch ihr eine Erklärung zu liefern, warum dieses springende Reh trotz ihres Wissens zu träumen, tatsächlich kurz in ihrem Garten von ihr gesehen wurde. Aus den tiefen eines Gewässers auftauchend, saß sie in ihrem Bett und blickte in von Nebelschwaden getrübtes Licht, das es unmöglich machte, die Bäume und Sträucher klar umrissen zu erkennen. Bevor sie anfing, sich den Gedanken hinzugeben, du wirst alt, bist verrückt geworden, schalt sie sich, wage es nicht, so etwas bloß ansatzweise zu denken, schließlich ist nicht jede Logik verständlich und nicht jede Wahrheit frei von subjektiver Wahrnehmung.

Natürlich bombardierte sie Emanuel, sobald dieser die ersten Anzeichen von sich gab, aufgewacht zu sein, mit den verschiedensten Eventualitäten, die das morgendliche Erlebnis zu bedeuten, aussagen, zu erklären, zu verstehen wäre, mit kleinen Worteinwürfen versuchte Emanuel, sich in diesem Gewirr aus empfundenen Tatsachen, hineininterpretierten Vorstellungen zu befreien, obwohl er wußte, aus dieser Flut von sich selbst beantworteten Fragen kommt er so schnell nicht an ein rettendes Ufer.

„Stell dir vor, wie eine Gazelle sprang das Reh mehr oder weniger aus dem Stand über diese fast zwei Meter hohen Elemente. Es hätte sich sämtliche Knochen brechen müssen. Selbst ein Elch kann nicht so hoch springen, oder? Ach was, es war doch eindeutig ein Reh, kein ganz so junges, ein älteres Reh, ich weiß doch, wie ein Reh aussieht.“

„Es hätte Flügel haben müssen, um diese Höhe zu überwinden, aber in Träumen stolzieren selbst Elefanten grazil über hohe Türme“, versuchte Emanuel den Wind aus den Segeln zu nehmen, die sie durch bestätigende analytisch unterlegte Behauptungen aufblähte, damit ihr morgendliches Erlebnis ein wirklich stattgefundenes Ereignis in ihrem Kopf und in Emanuels Kopf heimisch werden sollte.

„Wenn es kein Reh gewesen ist, und ich sowieso nichts hätte sehen können, weil der verdammte Dunst, der morgens vom Wald her über die Gärten schleicht, jede Sicht vernebelt, welchen Zweck hätte so ein Traum, es ergibt nur einen Sinn, ich habe das Reh gesehen, bevor der Morgennebel aufzog und war davon so irritiert, daß ich beim verzweifelten Versuch, meine Augen auf Wachzustand zu regeln, du weißt, ich bin nach dem Aufwachen eher träge als froh und munter, diese dem Morgen ebenso bekömmliche diesige, vernebelte Eigenschaft zuzurechnen ist, daß wir beide in einem Dämmerzustand zurückversunken sind, weil wir nicht fassen konnten, was wir gesehen haben, er hat natürlich etwas anderes gesehen, der Morgen meine ich, stell dir vor, wir beide hätten uns über ein springendes Reh in unserem Garten gewundert, das wäre ein Traum, oder? Jetzt wollen wir frühstücken, Liebling, du siehst schrecklich mitgenommen aus, hast du nicht gut geschlafen?“

Wie zu erwarten ließ sie Emanuel keine Zeit, sich in seinen Tag einzufühlen, das springende Reh über den zwei Meter hohen Zaun, der ist doch zwei Meter hoch, war das Gesprächsthema des Vormittags, unterbrochen nur von Toilettengängen, zwei Anrufern, die abgewimmelt wurden, sie seien auf dem Sprung zum Einkaufen und anschließendem Arzttermin, nein, du mußt dir keine Sorgen machen, nur die jährliche Augenuntersuchung, dieser Termin wurde bereits vor einem halben Jahr festgesetzt, wir melden uns, wenn wir zurück sind, sagte sie bestimmend ins Telefon, wissend, sie würde nicht zurückrufen, weil Emanuel und sie so einiges heute zu klären hätten, womit sie ihn einbezog in ihre Überlegungen, damit er ihre Gedankengänge mit ihr gemeinsam durchforsten konnte, um nicht später behaupten zu können, er hätte von nichts eine Ahnung, diese Option seinerseits wollte sie von Anfang an ausschließen, denn ihr schwante dieser Morgen trug zu einer Veränderung ihres Lebens bei.

„Weißt du, mir ist es jetzt unverständlich, warum ich so ziemlich die meiste Zeit meines Lebens kein Frühaufsteher bin“, begann sie am Mittagstisch das Gespräch fortzuführen, weil Emanuel sich unter dem Hinweis für Charlotte das Rad fertig zu reparieren, in seine in der Garage eingerichtete Werkstatt flüchtete, aus der sie ihn herausholte, es hat an der Tür geklingelt, gehst du bitte öffnen, aber du siehst doch, ich trage immer noch den Morgenmantel, und er vermeinte, sie bei dieser Aufforderung grinsend gesehen zu haben, und er vermied es, sie darauf hinzuweisen, das hat dir doch sonst nie etwas ausgemacht, da er befürchtete, dafür von ihr den Rest des Tages mit finsteren Blicken abgestraft zu werden.

„Was ist daran auszusetzen, kein Frühaussteher zu sein, zumal du bis in die Puppen wach bleibst, weil du dein Tageshoch erst im Dunkel entfalten kannst, schon vergessen?“, versuchte Emanuel ihre bisherige Lebensweise zu verteidigen, ahnend oder besser wissend, sie führt etwas im Schilde, wenn sie beginnt, ihre geliebten Gewohnheiten aufzugeben und dies schien sich anzubahnen, egal, was auch immer er dazu zu sagen hätte, sie würde es ignorieren und im schlimmsten Fall ihn einen verbohrten Ochsen nennen, der nie aus seinem Stall ins Freie gehen will, aus der Befürchtung heraus, seine Standposition würde er nie wieder finden, wie er es gewohnt war, ein Spruch, den sie ihm leidenschaftlich gerne in ihrer Kennenlernzeit an den Kopf warf, triumphierend, ihn an einem wunden Punkt getroffen zu haben.

„Nun denn, das Reh sprang heute Morgen über unseren Zaun und sofort wieder zurück, ehe ich realisierte was ich sah, zog der Frühnebel auf und tunkte alles, was im Dämmerlicht wahrnehmbar war, in eine wolkenverwischte Unkenntlichkeit, aus der ich folgerte, geträumt zu haben. Habe ich aber nicht. Ich war wach, bevor ich träumte. So wie der Morgen bereits da ist, bevor er in Dämmerung versinkt. Verstehst du?“

„Nicht wirklich“, schien Emanuel die beste Argumentation zu sein, um sich vor dem nächsten Ansturm von erklärenden Begründungen zu schützen.

„Ja, nun, für mich bedeutet es, ich habe über Jahrzehnte das Schönste des Tages verpaßt. Und weiterhin bedeutet es, höchste Zeit dies zu verändern.“

„Und wie soll das aussehen, du willst mir nicht wirklich erzählen, ab heute gehst du früh ins Bett, um morgens zeitig aufzustehen?“

„Nein, Emanuel, du solltest mich nach so vielen Jahren besser kennen. Ich verbringe den Tag genüßlich im Morgenmantel, habe gesurft, es gibt da Modelle, die kannst du nicht mehr von Ausgehmänteln unterscheiden, zwei habe ich bereits bestellt, will schließlich nicht immer in den gleichen Klamotten rumlaufen, bin damit ständig bereit, mich dem Schlaf zu überlassen, sammle unter tags genug Schlafeinheiten, um die Nacht über längere Wachstunden zu generieren, somit kann ich ohne weiteres morgens in der Frühe putzmunter die dämmrigen Träume vorbeiziehen lassen, weil mein Verstand bereits mein Gemüt auf Hochtouren laufen läßt. Das Reh, verstehst du, das Reh, ich springe wie das Reh von einer Seite auf die nächste, Garten oder Wiese ist unwichtig, der Sprung, Emanuel, der Sprung, das ist das Wichtigste.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Flüssiggas der USA durch die Hintertür nach Deutschland

Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt

Beim Erlenkönig der Neuzeit droht der US-amerikanische Energieminister Rick Perry damit, wer kein Flüssiggas der USA kaufe, solle damit rechnen, es würde kein BMW, Mercedes Benz oder ein anderes hübsches Auto im Gegenzug gekauft werden. Dabei lamentiert er obendrein, die EU produziere sie, obwohl Deutschland gemeint ist. Das Ganze im Kontext zur geplanten russischen Pipeline Nord Stream 2.

Erpressung nennt man einen solchen Vorgang, was wiederum ins Konzept der Trump-Administration paßt, bei Verweigerung sollen die angekündigten Schutzzölle auf europäische und vor allem deutsche Autos eingeführt werden. Perry verweist auf eine Abhängigkeit der EU von russischem Gas. Weitergedacht ist dem tatsächlich so mit einem sich zuspitzendem kalten Krieg, den die beiden Supermächte längst zulassen.

Was hierzulande verpönt, in den USA selbstverständlicher Alltag

Einem Flickenteppich gleich haben die Amis den dortigen Fracking-Boom auszuhalten, Hauptsache profitable Steigerung bis zur Klimakatastrophe, die es laut The Donald ohnehin nicht gibt. Was interessieren Umweltbelange, mit Blick zu den Grünen in den USA läßt sich das überdeutlich ablesen, der Hegemon trampelt ungeniert im eigenen Lande alles nieder, was sich nicht beugt, weltweit per kriegerische Einsätze und Raubtierkapitalismus.

Bleibt zu hoffen, daß bei erneuter Debatte im Deutschen Bundestag übers Fracking hierzulande im offiziellen Wahljahr 2021 die richtigen Parteien in der Regierung sitzen, um ein Nachäffen der US-Praxis zu verhindern. Besonders die Union hat vor drei Jahren für entsprechende Hintertürchen gesorgt, wen wundert’s.

Wirtschaftliche Abhängigkeit diktiert die Politik

Man sollte trotz sämtlicher mahnenden Stimmen ob jener dreisten Umweltbelastung realistisch bleiben. Am Ende obsiegt leider nicht die Vernunft, sondern viel eher das Diktat der Wirtschaft wie überall bisher festzustellen. Die Formel ist letztlich ganz simpel. Die Forderung nach mehr Einfuhr von amerikanischem Flüssiggas in die EU steht der pragmatischen Lösung mittels Nordstream 1 und 2 entgegen.

Die USA werden nicht locker lassen, haben andere Möglichkeiten, die transatlantischen Partner unter Druck zu setzen. Das wissen alle, entscheidend wird sein, inwieweit Kompromisse scheitern, um die Spannungen zwischen Ost und West erneut erheblich zu forcieren. Ein wirtschaftliches Geflecht zwischen Europa und den USA läßt wenig bis gar keinen Spielraum für Entscheidungen zugunsten der Umwelt zu.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Leiden leiten

https://pixabay.com/illustrations/fire-heart-heart-fire-love-symbol-961194/

pixabay.com

Er verteuerte,
er beteuerte
seine Liebe,

ich zahlte,
ich erzählte
mein Leben,

er befeuerte,
er feuerte
mit meiner Seele,

ich brannte,
ich verbrannte
mein Herz.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Internationaler Sportgerichtshof Cas zwingt Frauen zu Hormonpräparaten

Der Fall Caster Semenya läßt tief blicken

Zunächst mal vorneweg muß man generell feststellen, daß die Sportwelt mit äußerst fragwürdigen Praktiken agiert, Doping und die damit angeblich verbundenen Vorteile, – gesundheitliche Nachteile werden einfach „ausgeblendet“ -, ist lange schon an der Tagesordnung trotz strengem Prozedere, dies zu kontrollieren.

Aber die nunmehr erfolgte Cas-Entscheidung gegen die südafrikanische Läuferin Caster Semenya muß man als „völlig vermessen“ werten, wie Daniel Reacke im Spiegel-Artikel betitelt. Erneut steht die Stellung des Internationalen Sportgerichtshofs in der Kritik, möge ein regelrechter Shitstorm aufkommen, um der IAAF (Leichtathletik-Weltverband) Einhalt zu gebieten, die schließlich diese Verurteilung gegen Caster Semenya initiiert hatte.

Diskriminierende Praxis tatsächlich gerechtfertigt und gar verhältnismäßig?

Was mag wohl in den Köpfen der Gerichtsbarkeit vorgehen, die nonchalant nicht nur über Caster Semenya derart unqualifiziert entscheidet, sondern darüber hinaus billigend in Kauf nimmt, daß auch andere Betroffene Hormonpräparate einnehmen müssen, um der festgelegten Norm zu entsprechen?

Von den gesundheitlichen Risiken mal ganz abgesehen, daß bis heute nicht sämtliche Einflüsse des Hormonhaushalts im menschlichen Körper bekannt sind, inwieweit sie schädlich sein mögen, Wechselwirkungen hervorrufen können bis hin zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen bei gezielter Manipulation mittels den besagten Präparaten. Zu viele Fragezeichen, somit jede Menge Unsicherheit. Das alles läßt man tatsächlich zu?

IAAF glänzt durch Korruption und Doping-Verharmlosung

Dennoch hat sie dermaßen hohe Machtbefugnisse, über das Leben von Sportlerinnen zu entscheiden wie im Fall Caster Semanya, darüber hinaus auch über etliche andere, um das mal an dieser Stelle zu betonen.

Unabhängig davon, daß generell beim Hochleistungssport Sieger und Opfer auf dem Fuß folgen, scheinen sowohl die IAAF als auch der Cas das seelische und körperliche Leid der betroffenen Sportlerinnen zu ignorieren, Hauptsache man zwingt seine Sichtweise anderen auf. Ein Skandal sondergleichen. Es verbleibt die Hoffnung, daß nicht nur Caster Semanya sich rechtlich wehrt, sondern obendrein noch etliche aufbegehren, um solchen Funktionären die Stirn zu bieten. Das Ganze grenzt an Körperverletzung, an das Recht körperlicher Unversehrtheit, an Ansichten, die an mittelalterliche Zeiten erinnern, wo Frau kaum bis gar nichts zu sagen hatte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Sport

Veröffentlicht unter Sport | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Verräterisches Blenden

https://pixabay.com/photos/eye-rock-waters-tear-longing-3314176/

pixabay.com

Ein gülden Armband
am Handgelenk,
glänzend
in der Sonne.

Funkelnde Strahlen
Tränen auslösen,
blenden
leuchtende Augen.

Blitz und Regen
Ängste gebären,
verdunkeln
Himmel und Vertrauen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Urbaner Gartenbau sowie Schulgärten

https://pixabay.com/photos/vegetables-vegetable-patch-food-eat-3507843/

pixabay.com

Eine sinnvolle Ergänzung zur Landwirtschaft

Manchmal kann man schon zusammenzucken, wenn uns Kinder begegnen, die nicht wissen, wie Erbsen wachsen, keinen Mangold oder Quitten kennen, noch nie Beeren geerntet haben. In einer Zeit des Fastfoods, einer deutlichen Zunahme der Fettleibigkeit, wo gleichzeitig beide Elternteile arbeiten müssen, um zu überleben, verbleibt weder Raum noch entsprechende Möglichkeiten, den Heranwachsenden unsere Natur näherzubringen.

Um so wichtiger, dem Survival (Überleben) eine höhere Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Die Notwendigkeit des Urbanen Gartenbaus sowie des Schulgartens erfährt einen wesentlich höheren Stellenwert, nicht nur weil die Preise ohnehin zu schnell steigen.

Was Platon schon anlegte, setzte Julius Hecker in Berlin fort

Während bereits bei den alten Griechen Platon mit seinen Schülern extra Gärten anlegte, die der Inspiration dienen sollten, in mittelalterlichen Klostergärten Mönchen das Wissen um der Pflanzenkunde vermittelt wurde, Hildegard von Bingen gar in ihrem Werk Physica (Naturheilkunde) mehr als ein halbes Tausend Pflanzen akribisch beschrieb, entstand um 1750 im preußischen Berlin der erste Schulgarten.

Der Theologe und Pädagoge Johann Julius Hecker ließ diesen errichten, nachdem er bereits zuvor von seinem Lehrer August Hermann Francke erste Erfahrungen mit dem angelegten Schulgarten auf einem Gelände der zuvor ins Leben gerufenen Franckeschen-Stiftungen in Halle sammeln konnte.

Inbesondere in der alten DDR besann man sich des Schulgartens, war dort dessen Unterricht fester Bestandteil der ersten vier Grundschuljahre. Müssen wir davon ausgehen, daß jenes Schulfach Schulgarten verschwindet? Nicht ganz, in Thüringen gibt es noch dieses Schulfach. Die vor 17 Jahren gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten, kurz BAGs, setzt alles daran, um dieses förderliche Schulfach am Leben zu erhalten, entwickelt sowohl pädagogische Konzepte als auch Fortbildungsmöglichkeiten, so entand z.B. das Gartentheater mit Tier- und Pflanzenfiguren. Noch sind es nicht viele Schulgärten, aber ein wachsendes Interesse darf man erfreulicherweise dennoch beobachten.

Urbaner Gartenbau erhält neuen Stellenwert

Der Mensch hat schon immer ein Bedürfnis gehabt, sich mittels Bepflanzung selbst zu versorgen, ob im Kleinen wie im Großen, zumindest seit dem er über genügend Kenntnisse verfügt. Das gilt daher genauso für den städtischen Bereich. Was zunächst sich am Rande von Klein- oder Großstädten an landwirtschaftlicher Nutzung abspielte, denken wir dabei an Schrebergärten, erhält inzwischen viel mehr Bedeutung in den Städten selbst, wie man in Andernach längst beobachten kann.

Nicht nur, weil früher in Kriegszeiten die Bevölkerung aufgefordert wurde, überall wo möglich Nutzgärten anzulegen, selbst nach Naturkastrophen wie dem Hurrikan Katrina 2005, wo innerhalb von drei Tagen Engpäße der Versorgung mit Lebensmitteln eintraten, sondern erst recht als wichtiger Bestandteil werden urbane Gärten in naher Zukunft das Überleben in Ballungsgebieten garantieren. Man könnte jetzt spitz formuliert und angedacht einer sozialrassistischen Politik nahelegen, dies viel mehr zu fördern, damit eine verarmende Bevölkerung sich wenigstens selbst versorgen mag. Jedoch scheitern solche Überlegungen sofortigst, wenn man sich die Miet- und Pachtflächenverträge betrachtet, die in Städten zunehmend teurer werden. Hier hat die Politik gefälligst ihre Hausaufgaben zu machen und dafür Sorge zu tragen, daß erst kein soziales Gefälle entstehen kann!

Bewahren wir unser letztes Stück Natur

Und zwar bevor es zu spät ist. Schlimm genug, daß Mensch sich dem Profitdiktat zu Lasten eigener Gesundheit beugt. Ein gesundmachender Ausgleich: Schulgärten und urbaner Gartenbau. Mögen solche praxisnahen Ideen wieder viel mehr Zulauf erhalten, dienen sie nicht nur einer besseren Ernährung, sondern gleichzeitig einer mindestens genauso wichtigen Kommunikation untereinander.

„Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht. Würde der Städter kennen, was er frißt, er würde umgehend Bauer werden.“ (Oliver Hassencamp)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar