Wortrauschen

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Sie sagte nichts,
nicht weil sie nichts zu sagen
gehabt hätte,
sich nicht artikulieren konnte,
die Themen ihr fremd waren
oder nicht interessant genug,
sie schwieg,
tauchte unter in
wörterrauschenden Sätzen,
in das murmelnde Lautgewirr
sprudelnder Texte,
in das Getöse spritzender
Silben,
die in alle Richtungen
ihre Buchstaben verteilten,
sie sagte nichts,
weil sie versunken
in Sprachmelodien
sich treiben ließ,
Begriffswellen sie
durch Schriftzeichen
forttrugen,
sie sagte nichts,
stand auf,
klatschte in die Hände
und verließ unter
tonloser Ruhe
das Restaurant.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Lockerung des Exportstopps läßt Saudis aufatmen

Geschäfte mit der Jemen-Kriegsallianz ignorieren humanitäre Katastrophe

Besonders zynisch wird die Behauptung, mittels forschem Vorgehen möglichst schnell den Jemen-Krieg beenden zu wollen. Was spukt da wohl in den Köpfen verantwortlicher Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin, wenn ein geheim tagender Bundessicherheitsrat Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien genehmigt?

Vor rund drei Jahren stellte Querdenkende die Frage, ob nach über einem Jahr ein Ende des Jemen-Kriegs in Sicht sei. Ganz ähnlich wie beim Syrien-Krieg scheint die Weltgemeinschaft seelenruhig dies zuzulassen, Hauptsache Rüstungsgeschäfte haben Hochkonjunktur, so die dringend gebotene Feststellung, die obendrein mit der erneuten Lockerung auch seitens der Bundesregierung sich leider bestätigt, die humanitäre Katastrophe hält an in Jemen.

Der Nahe Osten bleibt Pulverfaß

Schon gleich gar mit dem Sieg und bevorstehender fünfter Amtszeit des unersetzlichen israelischen Premiers Benjamin Netanyahu. Dessen rechtsradikale Regierung wird bei guter Zusammenarbeit mit Donald Trump noch für manche Überraschung sorgen, erst recht was den gemeinsamen Ezfeind Iran anbelangt, da paßt der Konfrontationskurs Saudi-Arabiens ganz gut ins Konzept.

Moral befindet sich ohnehin auf dem Scheiterhaufen der Geschichte, nicht erst mit den Rüstungsdeals en masse, von dem das Königreich Saudi-Arabien mit profitiert. Vielmehr bedeutet dies im konkreten Fall, daß der Nahe Osten ein Pulverfaß bleibt. Gezielte Absicht, weil Rüstungsgeschäfte stets Vorrang haben? Etwas anderes läßt sich hierbei kaum interpretieren, schöne Reden von Friedensabsichten nur noch Makulatur sind.

Medien verunsichern – rechtsradikaler Anteil sollte nicht unterschätzt werden

Dazu tragen insbesondere der Ruf einer angeblichen Lügenpresse genauso bei wie sogenannte Fakenews, die es bekanntlich real gibt, auch ein The Donald mit seinen ständigen Entgleisungen, die Unwahrheit zu verkünden, seinen Anteil hat. Im Kontext des Nahostkonflikts wird dies besonders ersichtlich angesichts etlicher Versuche von Antisemitismusvorwürfen.

Wie dramatisch und komplex gezielt verunsichert wird, deckt der Artikel des The Lower Class MagazinesRechter Angriff auf kritische Wissenschaftlerin an der FU Berlin“ auf (Empfehlenswert nachzulesen unter der Überschrift: Vom rechten Blog in die internationale Presse – und an die Universität). Dortigst deckt Can Yıldız auf, mit welchen Methoden Israelhetze behauptet wird, obwohl die junge Dozentin völlig zu Recht auf „Rassismus im Kapitalismus“ begründet hinweisen wollte.

Mit simplem Schwarz-Weiß-Denken kommt man aber keineswegs weiter. Wer sich mit dem Nahostkonflikt näher und intensiver beschäftigt, stellt schließlich fest, welche Interessensgruppen dort involviert sind, Rüstungsgeschäfte mit eingebunden. Auf der Strecke bleibt die Zivilbevölkerung vor Ort, die das alles aushalten muß.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Die Unscheinbare

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Verschwindend klein
kam sie mir entgegen,
von Mal zu Mal
schrumpelte sie mehr ein,
zuerst dachte ich,
es sei an mir gelegen,
mein Eindruck des Maßes
täuschte mein Empfinden,
doch nein,
es wurde immer mehr
ersichtlich,
sie verminderte
ihr Sein,
war fast nur noch
ein Hauch
in meinem Gedächtnis,
dem Staub anhaftete,
zu zart für jede
Berührung,
das Ende wär´s,
die Zerstörung.

Sie bemerkte
meine Unschlüssigkeit,
blähte sich auf
zu ihrer normalen Größe,
zerbrechlich, weich,
erinnerungsbestickt,
Narbennähte,
verwebte Festigkeit,
filigrane Stärke,
schwebende Formlosigkeit,
ihr Maß für Werte,
riesig,
Sehnsucht nährte
unseren Blick,
wie kleinlich
wertete ich
ihr Angesicht,
Liebe benötigt
keinen Palast,
in jeder Pore
findet sie Platz.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Gesundheitspolitik: Und ewig lockt die Pharmalobby

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Ein unüberschauberer Teufelskreis

Dürfen die Deutschen eine Trendwende in der Gesundheitspolitik erwarten? Keineswegs, erst recht nicht beim Merkel-Kabinett IV, mit einem Jens Spahn als neuer Bundesgesundheitsminister fallen Späne, wird er einer Kohl-Linie durchaus gerecht.

Man muß weiterhin befürchten, daß in der Gesundheitspolitik gilt: Und ewig lockt die Pharmalobby. Handelt es sich hierbei um eine polemische Phrasendrescherei, oder aber sitzt die berechtigte Kritik ganz tief verwurzelt im Bewußtsein derjenigen, die ahnungsvoll erkennen, welch perfide Absichten sich dahinter verbergen?

Chemie wider Pflanzenwissen

Genauso wie Banken sowie die Hochfinanz alles daran setzen, die Wirtschaftspolitik entscheidend zu beeinflussen, ganze Konzerne zusammen mit den Regierungen in wechselseitiger Abhängigkeit nach deren Pfeife tanzen, um es mal auf den Punkt zu bringen, verhält es sich mit dem Aufstieg der chemischen Industrie, in der ebenso pharmazeutische Erzeugnisse ihren Anteil am Gewinn beanspruchen und daher durchsetzen.

Nicht nur in Naturvölkern wie heute gern z.B. im Amazonas-Gebiet beobachtet wird, herrscht ein großes Wissen ob der dort vorhandenen Pflanzensubstanzen, die hilfreich dem Menschen bei allerlei Leiden dienen, sondern auch im europäischen Raum wußten von alten Druiden bis zu den Kräuterweiblein, sich per Heilpflanzen die Menschen zu helfen.

Mit aufkommender Industrialisierung und dem Forscherdrang im wachsenden pharmazeutisch-chemischen Bereich entstanden zunehmend deren Errungenschaften heilsbringender Medikamente, eine schier gigantische Anzahl an Produkten. Ob sie stets genau den Nutzen für den hilflosen Patienten erbringen, darf nicht nur, sondern muß angezweifelt werden. Doch wer vermag dies zu beurteilen?

Die Kritik an Pharmalobby wächst kontinuierlich

Einmal tief durchschnaufen, nicht einer Ärzteschaft ausgeliefert zu sein, die zugleich sich in gewisser Abhängigkeit zu bestimmten Medikamenten befindet, welche eine geschult instrumentalisierte Pharmaindustrie ihnen tagtäglich vorschlägt, ob werbewirksam aufgeschwatzt oder argumentativ einleuchtend nahegelegt. Vermögen Ärzte tatsächlich beurteilen, wie die jeweilige Medikation hilfreich ihren Patienten zur Seite steht? Natürlich nicht, sie verlassen sich auf die Auskunft der Arzneimittelhersteller und dessen Studien im Vorfeld. Und schon schnappt die Falle der Glaubwürdigkeit zu. Wem darf man noch trauen, wer mal einen Blick hinter Medikamentenstudien wirft?

Doch die Pharmalobby steht im Fokus kontinuierlicher Kritik. Der anhaltend und daher zunehmende Druck der Pharamindustrie auf die politischen Entscheidungsträger sollte als Gratwanderung einer profitorientierten Zielsetzung betrachtet werden, wobei der Patient nach wie vor auf der Strecke bleiben kann.

Daß die Pharmakonzerne explizit herzlos ihre eigenen Profite im Visier erwähnen, darauf wies neulich Dylan Grays Film „Fire in Blood“ hin, der 2013 in bestimmten Kinos in Hamburg und Berlin zu sehen war. Aber selbst die US-amerikanische Ärztin und ehemalige Chefredakteurin des „The New England Journal of Medicine (NEJM)“, Marcia Angell, übte scharfe Kritik an Pharmakonzerne, die Öffentlichkeit werde bewußt getäuscht.

Lebenswandel entscheidend

Es gibt einen umfassenden Zusammenhang zwischen einer Pharmalobby, ihren hilfreich zur Seite stehenden Politikern sowie der Gesellschaft, die nahezu ohnmächtig diesem Machtkartell aus Profitgier, Ignoranz den Betroffenen gegenüber ein scheinheiliges Wegducken hinnimmt, ohne wirklich etwas zu ändern. Der Schlüssel zur Beseitigung dieses dramatischen, keineswegs sinnvollen Weges liegt im Bewußtsein unserer Lebensweise.

Solange ein fortwährender Leistungsdruck die Gesundheitsgefahren erhöht, dürfen wir uns nicht wundern, daß die Pharmaindustrie sich unerschrocken bedient. Ritalin und ADHS-Medikamente sind alles andere als eine tolle Errungenschhaft, sondern mit ein Beweis dessen, wie eine gefährlich verlogene Notwendigkeit uns „verkauft“ wird.

„Viele Ärzte haben ihre Seele an die Pharmaindustrie verkauft. Wir brauchen eine Trennung von Ethik und Monetik. (Ellis Huber)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Der Vorstellung nachstellen

Den Test hatte ich bestanden, bevor ich ihn angefangen hatte. Warum? Ich hatte die Testfragen und -aufgaben selbst erstellt und aufgeschrieben. Aufgeschrieben, rein zu Gedächtniszwecken, obwohl es nicht nötig gewesen wäre, denn schließlich unterliegt es mir selbst, Veränderungen vorzunehmen und Streichungen. Dennoch sah ich es als die einzige Möglichkeit an, das Aufschreiben der Testfragen, wenigstens da nicht zu schummeln. Denn, daß ich schummeln würde, war von Anfang an klar, ja sogar eventuell war dies die gesamte Absicht dahinter, nicht das Aufschreiben, sondern die Lüge. Eigentlich quatsch so ein Selbsttest über Lüge, wenn von vornherein feststeht, daß ich mich belügen werde, aber immerhin bestand die Chance, ich tue es nicht, weil ich unter meiner eigenen Beobachtung stehe, der es oblag zu entscheiden, was wahr und was nicht.

Vieles ist nicht wahr, sondern nur ein bißchen wahr, dennoch ist es nicht gelogen, ausgeschmückt, leicht verändert, mit einer anderen Perspektive gesehen, einer Perspektive, die mir nicht entspricht, die ich annehme für einen kurzen Augenblick, um mich zu checken, alles in Anbetracht dessen, ich weiß, wie ich ticke und trotzdem stelle ich mir eine Falle, die ich kenne und beobachte, wie ich mich aus dem Schlamassel wieder auf die Beine stelle, um im nächsten Moment zuzusehen, wie ich mich winde, meine Falle als nicht bewußt zu rechtfertigen, sie quasi als Lüge, nicht wahrheitsgemäß darzustellen, damit ich im Vornherein nicht in meine eigenen Fallen tappe. Um dieser Täuschung vorzubeugen, ihr nicht zu erliegen, kann es nicht falsch sein, diese Lüge gleich mit ins Geschehen einzubeziehen und alle Konsequenzen als falsche Wahrheit oder wahre Lüge anzuerkennen. Anzuerkennen, sehr hochgestochen formuliert, aber vielleicht muß ich dies, damit ich die Absolution meiner selbst erhalte, alles andere wäre sonst nur Mumpitz.

Die Vorstellung von etwas ist, wie das Wort ausdrückt, ein Voranstellen, ein Ziel, eine Tafel, ein Schild, Stuhl, Meer, Einbildung, sie ist keine Vorwegnahme, denn eine Vorstellung kann man durch eine Vorwegnahme nicht aus dem Weg räumen, außer man verhält sich so wie ich und lügt, das schrieb ich bereits. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen sich täglich Vorstellungen über etwas bilden und diese aus den verschiedensten Gründen, nicht wirklich in Realität, Wahrheit umsetzen, sondern die Vorstellung unter tausendfachen Begründungen umgehen, in den Boden stampfen, umschiffen.

Sollten sie dennoch die Stellung erreicht haben, also ein Bildnis geschaffen, einen Plan vervollständigt, die Reise angetreten, ein Werk erschaffen haben, das leibhaftig vor ihnen steht, dann geben sie in der Regel keine Ruhe, bis sie der Stellung nachgestellt haben, sie von allen Aspekten beleuchtet, auseinandergenommen, ja bisweilen zerfetzt, zerredet haben, um festzustellen, ihre erstellte Vorstellung ist nackt, blank, ohne Wert, und hat im Nachhinein keinen Bestand, und das können sie niemals so stehen lassen, weshalb sie mit einer fast totalitären Vehemenz behaupten, ihre Stellung, Vorstellung, Bildnis, Meinung sei die absolute Wahrheit, wohl wissend, daß sie lügen, aber zugeben, niemals.

Moni zum Beispiel ist der Meinung, oder besser ihre Meinung unterliegt der Vorstellung, Frauen lieben Schuhe, wir sind alle Schuhfetischistinnen, deshalb erlaubt sie sich den unbändigem Drang folgend, ständig Schuhe zu kaufen, nur um sie zu besitzen, in manchen kann sie nicht mal fünf Schritte gehen, ich habe sie bloß ihrer Schönheit willen gekauft, es muß nicht alles einen praktischen Zweck haben, Schuhe also auch nicht, ist doch egal ob ich meinen Schrank mit Nippes vollstelle oder mich an sechzig paar Schuhen als Sammlerstücke ergötze, und sowieso Männer besorgen sich Handwerkzeug en masse, mit denen sie irgendwann einmal etwas reparieren, bauen wollen, denen geht es schließlich nicht nur darum, gutes Werkzeug zur Hand zu haben, sondern einfach nur darum, zeigen zu können, daß sie etwas von irgendeinem Handwerk verstehen, selbst ist der Mann, eine gewisse Maschinenaffinität besitzen zu wollen, die ihrer eigenen Power ähnelt, am besten ist es, wenn diese Maschinen richtig Lärm produzieren, das ist vergleichbar mit, auf den Putz hauen, ich bin bärenstark.

Haben Sie aufmerksam gelesen, Vorstellung, Stellung, Nachstellung, alles vorhanden, keine Lügen, Tatsachen, aber so was von ehrlich verlogen. Moni, sorry, wenn ich dich hier zitiere, aber es wird trotzdem unmöglich sein, einen direkten Bezug zu dir herzustellen, schließlich habe ich für deinen Namen ein Pseudonym verwendet und ungelogen, diese deine Vorstellung gibt es in so oder ähnlicher Form millionenfach. Ehrlich, das ist die Wahrheit.

Und auch wieder nicht, denn wissen Sie was? Möglicherweise bin ich selbst Moni, eine von Millionen Frauen, die ihrer Leidenschaft, muß ja nicht unbedingt auf Schuhe reduziert sein, frönen, Ihre Ansichten mit dieser Argumentationskette bestückt. Schließlich sind wir alle nur Menschen mit Vorstellungen, ob über uns selbst, die Welt oder das Himmelreich. Hauptsache ist lediglich, wir finden genügend Schlupflöcher, wenn wir in eine Falle geraten sind, und vermögen von dort so schnell wie möglich wieder herauszukraxeln, ohne Blessuren, ohne das Gesicht zu verlieren, ohne uns die Haxen zu brechen, und wenn diese Hoffnung nicht erfüllt wird, na, dann können wir immer noch eine Maske aufsetzen, am Krückstock gehen oder gleich sich eingestehen, ich schummle, lüge nicht direkt absichtlich, sondern in der Betrachtung, Vorstellung aller Eventualitäten.

Niemand mag wirklich, daß seine Vorstellung, also das vor einem steht, mit Schmutz überzogenen ist, schließlich putzt man ja auch die Fenster, um zu sehen, was draußen abgeht, so verwischt oder wischt man sich seine Meinung, um eine klare Vorstellung zu bekommen, und mein Hilfsmittel, um sauber und klar Meinung zu formulieren, ist, ich gebe es zu, geschummelt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Berufsfindung – Hauptsache Vitamin B fruchtet

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Chancenlos gen Null?

Sohnemann steckt in der Berufsfindungskrise, zumal all seine Klassenkumpel längst nur zu genau wissen, was sie bald werden wollen. Aber Marc hat nicht die geringste Ahnung. Das kommt seinem Vater sehr bekannt vor, obwohl zu seinen Zeiten ihm die Welt noch beruflich zu Füßen lag. Damals gab es kein Gerede von Hartz-IV-Aussicht, wenn er versagen würde, eine ziemlich geringe Arbeitslosenquote und Arbeitgeber, die händeringend Auszubildende suchten, die anschließend gern völlig problemlos übernommen wurden.

Heute gestaltet sich das wesentlich dramatischer. Ob der ewige Run nach Wachstum eine unübersehbare Grenze setzt, lediglich die weiterkommen, die mit entsprechendem Wissen auftrumpfen oder per nach außen markierter Charakterstärke, dabei der elterliche Geldbeutel keine geringe Rolle spielt? Wer sich genauer mit den Widrigkeiten der Berufswelt auseinandersetzt, wird schnell bemerken, wo Stolpersteine meist heimtückisch lauernd sich befinden, wenn entsprechende Beratung zur Seite steht. Nein, die Berufsberatungen der Behörden mögen zwar ein ausführlich anschauliches Material vermitteln, doch besser man lausche den Erfahrungsberichten von Menschen, die den ein oder anderen Beruf ausgeübt hatten.

Und Papa erzählt Marc über so manche Berufsaussichten.

„Weißt du, Marc, ich möchte jetzt hier keinesfalls belehrend rüberkommen. Sag ich bloß von vornherein, damit ich dich nicht abschrecke. Meinst du, ich hätte nicht ganz ähnliche Probleme gehabt wie du? Ich wußte so gar nicht, was mich ernsthaft interessieren könnte, weil ich eben vieles mochte, manches wiederum gar nicht. Es geht hierbei um nichts geringeres, als eine Entscheidung zu treffen.

Das wichtigste dabei: in dich hineinhorchen. Dir selbst Fragen zu stellen, was erwartest du, was willst du? Unterscheide, ob du beruflich mit vielen Menschen in Kontakt kommen magst oder lieber still und leise am Schreibtisch, im Labor oder an einer lauten Maschine. Doch wir kennen uns, bzw. ich habe dich mit großgezogen, weiß, worin deine Stärken sind, deine Schwächen.

Neulich fragtest du, wie es sei, als Handwerker unterwegs zu sein. Ich bin gelernter Tischler, hatte das Pech, in der Auusbildung mehr den Möbelbereich zu lernen, obwohl schon damals klar war, außer Innenausbau ist nichts mit Möbeln bauen, das durften nur ganz spezielle, wo du nur per Beziehung rankommst. Also versuchte ich mich als Bautischler oder war im Innenausbau dabei, mein Meister hatte ein Nische, für die Gerichte zu arbeiten: Podeste, Tische, Richterpulte, Bestuhlungen oder Holzvertäfelungen bauen. Du selbst hast keine zwei linken Hände. Sei dir aber darüber im Klaren, daß du dennoch viel schleppst, ständig dich bewegen mußt, den ganzen Tag auf den Beinen bist, ein Termin den nächsten jagt, oftmals auch Handwerksrechnungen viel zu verspätet bezahlt werden, solltest du mit dem Gedanken spielen, dich als Meister selbständig zu machen.

Ich weiß, du hast dir dies längst aus dem Kopf geschlagen, sei dir doch zu anstrengend, eine weise Entscheidung, weil es so ist! Was war das neulich mit dem Gedanken, Pauker zu werden? Das ist doch nicht dein ernst, oder? Du willst dich also mit entnervten Eltern auseinandersetzen, dich einem Schulsystem unterordnen, denn auch Lehrer haben die Lernpläne abzuarbeiten, die bekanntlich äußerst knapp bemessen sind. Wer da schwächelt, fällt sofort durchs Raster, bleibt sitzen oder sieht dem Ende der Schulzeit sehr schnell entgegen. Dieses System ist auf Eliteklassen ausgerichtet, die breite Masse wird einfach „verheizt“, hat kaum eine Chance, selbst wenn es genug Gymnasien gibt. Mit dem Abitur in der Tasche läßt sich zwar prima studieren. Aber genau dort beginnt sich zu zeigen, daß nur die weiterkommen, deren Elterhäuser entsprechend zahlen können. Studieren ist teuer, von Gebühren mal ganz abgesehen in vielen Bundesländern. Nicht jeder kommt klar im Studium, braucht Nachhilfe, spezielle Schulungen. Und danach?

Berufsaussichten? Kommt drauf an, was du studiert hast. Es gibt Berufe, die waren zu Beginn des Studiums heiß begehrt, manche danach kaum mehr gefragt, und somit bewerben sich zu viele für die heiß begehrten Stellen. Jetzt wirst du erst recht unsicher. Keine Sorge, finde deine Schwächen, natürlich auch die Stärken. Manchmal kann es auch nicht schaden, einfach mal zu jobben als Ungelernter, um unterschiedliche Arbeitsbedingungen zu erleben. Du weißt ja, hatte ich so durchlebt, bevor ich mich für die Tischlerausbildung entschied. Da wußte ich nach meinem Ausstieg als Tischler wenigstens, was ich nicht wollte. Solche Erfahrungen vermitteln dir ganz vieles, vor allem die menschlichen Beziehungen offenbaren sich dir knallhart. Dieses Chefgehabe, die Postenreiterei, ganz ähnlich wie in Schulzeiten, erinnere dich, das typische Gruppenverhalten, es spiegelt sich auch im Berufsleben wider, halt nur mit anderen Aufgaben und Rollen.

Sich beruflich zu finden, ist somit abhängig von dir selbst. Nicht zufällig meinte ich anfangs, horche in dich hinein, suche deinen Weg, und selbst wenn du bemerkst, ne, ist nicht dein Beruf. Dann besser aufhören, als verbissen dranbleiben. Natürlich möchte man dies vermeiden, weil ansonsten in der beruflichen Vita das nicht schön ausschaut, heute wird viel mehr darauf geachtet als früher. Obwohl es gleichzeitig auch geschönte Viten gibt, gefälschte Zeugnisse später, um sich den lukrativen Job zu erschleichen. Nützt nicht allen etwas, wenn sie dann im Beruf keine Leistung bringen. Gute Chefs bemerken das sehr schnell.

Das wichtigste aber, mein Sohn, laß dir jetzt die Zeit, die du brauchst. Jobbe irgend etwas, falls du keine Idee hast, welcher Beruf für dich in Frage kommt. Meine Unterstützung hast du weiterhin, frage, wann immer dir danach sein sollte. Und vor allem, schleppe Ungereimtheiten nicht mit dir rum, spreche darüber, mit deinen Freunden oder auch mit mir, wenn du magst. Komm, laß dich drücken.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Liebe im Abendschatten

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Liebe mußte warten,
noch.
Abend wehrte ab
die Schatten.
Sohlen durchgelaufen,
sie haben ein Loch.
Letzte Strahlen auf
grünen Albmatten.

Liebe abgelaufen,
fällt in ein Loch.
Abendsonne setzt
in Brand die Albmatten.
Auf leisen Sohlen
schlich Hoffnung, noch.
Letzte Strahlen, gefangene
Flecken im Schatten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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