Sprache der Straße

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Sie hat mich wieder die Straße,
warten auf den nächsten Lift.
Sie, die ewig lärmende Meisterin
der schwebenden Bodenhaftigkeit,
ich ihre unflätige Schülerin,
die mit gieriger Selbstverständlichkeit
ihre offensichtliche Einsamkeit
mit Füßen trete, um ihre Geschichten
nicht mit meinem Leben zu füllen.

Man wird sensibel während des Wartens,
eine spitzfindige Senilität schleicht sich an,
ausgespuckt, geschmatzt, flüsternd, piepsig,
mehrstimmig manchmal tönend, schwebend,
gruselig genug, um unruhig auf- und abzugehen,
damit sie spürt, wie sie dich irritiert
mit ihrer aufgeklebten Bürde,
der Weg für die Massen von Schicksalen zu sein,
geformt aus tausenden pulsierenden Adern.

Ich warte geduldig, jemand nimmt mich mit
auf die Weiterfahrt, hinter mir lassend,
kilometerweise Sekunden, abgelaufene Frist,
für sie und mich, sie möchte, daß ich bleibe,
mit ihr fühle, leide, reise in Zeiten, weit zurück.
Oft empfinde ich Liebe in ihrer Aufdringlichkeit,
warnende Ströme, zärtlich streichelnd,
kalt rieselnde Quellen von flüchtigen Winden,
hauchdünne Zeichen, Gefahr früher, jetzt, ebenda.

Es wispert, es knackt, es ist vollkommen still.
Kennst du die Melodie der Nackenhaare,
das Surren, das die Haut blitzartig gefrieren läßt,
und mit Trommelwirbel Schweiß aus Poren preßt?
Diese Magie verknüpft sie gerne mit Phantasie.
Nein, das ist nicht meine Richtung! Danke.
Ich bleibe noch ein Weilchen, bei dir.
Genieße betört, getragen, umschlungen
den Rhythmus der Wartezeit, dafür sind wir hier.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Humpty-Trumpty Does Not Fall, but Wants the Wall

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Das Bier wird dabei schal, und auf einmal ertönt ein Raunen in manch Saal. Wann erfolgt ein Ende jener unnötigen Qual? Noch nicht genug Widerhall? Es braucht scheinbar nen heftigen Knall, um jenen blonden Dollen zu stoppen. Der läßt sich aber nicht foppen, sondern kann dat gar toppen! Mit dem Shutdown noch mal eben den Notstand ausrufen?! Oh, Herr, stell diesen Donald doch einfach auf Kufen, um ihn hangabwärts gleiten zu lassen, dann möge er in seinem eigenen Himmelreich prassen.

Was muß noch alles geschehen, bis alle Welt wird endlich einsehen, daß jener Narzißt verbockt viel zu viel Mist?! Ne kleene Bombe abwerfen, kurz zuvor per Twitter surfen, daß man das gerne tut, Hauptsache es fließt viel Blut? Ach ja, na klar, er feiert sich gern als Friedensengel, obwohl all seine Mängel sichtbar trotz ewiglichem Gequengel.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten regieren ab nun nicht mehr die Gescheiten, vorbei solch Zeiten, wir sollten uns eher drauf vorbereiten, daß sich noch mehr Kriege verbreiten. Es nützt auch nicht, davor die Augen zu verschließen, wenn so nen Humpty-Trumpty darauf erpicht, uns tagtäglich zu verdrießen. Die Menschen in den USA haben diesen Präsident gewählt, seitdem Haß, Wut, Resignation schwelt. Das paßt zum veränderten Weltgeschehen, kann man überdeutlich sehen.

Nationalismus breitet sich erneut überall aus, welch fragwürdiger Graus, daß Menschen so simpel sich blenden lassen, wollen nochmals ordentlich prassen, bevor sowieso das Kind in den Brunnen gefallen, Phrasen der Zerstörungswut sich in den Köpfen festkrallen. Hauptsache Krawall entfacht, das wär doch gelacht, wenn’s überall kracht.

Flüchtlinge haben sich gefälligst zu verpissen, man erfreut sich übers Fahnen hissen, baut nicht nur in den Köpfen Mauern, wo ehemals schöne Gedanken versauern. Ob in China, Deutschland oder jetzt zwischen Mexiko und den USA, der blonde Dolle will ein klares Ja. Diese Mauer muß als Denkmal seiner Politik herhalten, doch längst hat sie die Gesellschaft gespalten.

Apropos spalten. Besser mal innehalten beim Schalten und Walten. So mancher Spaltpilz will’s bewußt drauf ankommen lassen, hat wohl im Schrank nicht alle Tassen. Statt friedlich miteinander umzugehen, da nutzt och keinerlei Flehen, wird auf alte Rezepte gesetzt, auf Teufel komm raus gehetzt, Menschenrechte bewußt verletzt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Labyrinth ohne Wände

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In die Fußabrücke zu treten,
die zurückliegenden,
so vorsichtig bedächtig,
umsichtig zärtlich,
dem ersten verliebten Kuß ähnlich,
dessen hauchfeine Berührung
tagelang Wellen
durch unbetretene Gefilde spült,
keine Furcht hinterlassend
weggewischt zu werden
vom großen Meer des Vergessens,
hineingetragen in die Wogen
des Erinnerns.

Ein Trick Verfolger zu irritieren,
abzulenken vom Weg,
dem tatsächlich gegangenen,
in Kindheitstagen fasziniert
vom Erfolg des Rückwärtslaufens
in den Abdrücken des Vorwärtskommens,
Verwischen ohne zu verändern,
Labyrinth ohne Ende,
ohne Wände,
frei im Vor und Zurück,
kein Erschrecken vorm Stranden
an unbekannten Ufern,
nur das Folgen von Belangen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Gleichnis vom Sein aller Dinge

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Keine Inspiration ohne kreative Gelassenheit

In stürmischen Zeiten so manche Wesen ihre Vorteile erst recht ausnutzen, um den Mitmenschen ihre Überlegenheit spüren zu lassen, gewissenlos sich ergötzen am Leid anderer, während sie selbst auf sicherer Seite maßloser Verschwendungssucht erlegen. Dabei finden sich stets einige Untergebene, instrumentalisiert für eigene Belange, neben einer großen Schar von Mitläufern, die auch nur aus Angst vor Repressalien gehorsamst einstimmen in verwerfliches Ausbeuten.

Der Lauf der Menschheit vollzieht sich eben fortwährend in jenen unfaßbar inhumanen Bahnen schier grenzenloser Gewaltanwendung, die skrupellos in einer Selbstverständlichkeit sich manifestieren, ohne daß erheblicher Widerstand sie jemals beenden vermag. Und dennoch finden sich oftmals beherzte Mutige, die selbst aufopferungsvoll das eigene Leben riskieren, um ihren Gleichgesinnten die Augen zu öffnen, ihnen aufzuzeigen, inwieweit selbstlos Herrschende gestoppt werden sollten.

Demut birgt ein unendlich großes Potential an Klarheit

Hektik und damit sich einstellender Streß hinterläßt auf alle Fälle seine Spuren im täglichen Run der Superlative, dem so viele verfallen. Und die Zahl derjenigen, die meinen, sie müßten dem nacheifern, nimmt nunmehr eher zu, wo doch vieles auf einen gewaltigen Systemcrash hindeutet. Eine Form letzten Aufbäumens, damit man noch schnellstmöglich ein Stück vom verlockenden Kuchen eines luxusbesessenen Lebens mitnehmen kann, bevor alles zusammenbricht, was Mensch je erschaffen? Es schaut ganz danach aus.

Doch was ist mit all jenen, die irgendwann und daher vielleicht rechtzeitig erkennen, daß diese Ziele alles andere als erstrebenswert, weil letztlich zerstörisch krankmachend, dagegen viel eher eine bestimmte Demut für sich entdecken? Obendrein nach längerem Abstand bemerken, sie birgt ein unendlich großes Potential an Klarheit? Bedeutet Demut in etwa, daß sie den Schlüssel zum eigentlichen Sein in sich inne hat? Wer länger darüber nachdenkt, weiß dies ohnehin schon.

In jedem Sandkorn spiegelt sich der Kosmos wider

Und erst recht in allen Dingen, egal wie groß oder klein sie sein mögen. Es ist nicht nur das Wort, welches der Mensch an den Anfang allen Seins vermutet, sondern darüber hinaus erstreckt sich über unserem Blauen Planeten die Unendlichkeit des Universums mit all ihren Existenzformen, wobei hier auf Erden lediglich ein Bruchteil manifestierter Schöpfungsvielfalt sich uns präsentiert.

Wenn Mensch endlich begriffen hat, was seine eigentliche Rolle denn sein soll, könnten wir ohne weiteres friedlicheren Zeiten entgegenblicken. Aber solange er verwurzelt ist im widerwärtigen konkurrenzbehafteten Neidgedanken, sich materiell messend, wer denn der Überlegenere sei, vergessend, daß aller Ursprung aus derselben Wiege unendlicher Liebe entstammt, braucht es der Kriege und des Haßes, bis am Ende der Zerstörungsgewalten vielleicht die übrigbleiben, die nicht mehr bereit, solch bösartige Saat zu kultivieren.

Dabei folgt eventuell dann mit solchen Erkenntnissen die Einsicht, wie wunderbar wichtig sämtliches kreatives Schaffen alles bereichert, was somit ein verlängerter Arm der Schöpfung selbst bedeutet. Nicht neidisches Gaffen ob jener kreativer Ideen mag folgen, sondern besser ein Ansporn mitzuwirken, weil jeder gewisse Begabungen in sich trägt. Es müssen jene nur gefunden werden im gelassenen Dasein, welches möglich, wenn die Umwelt entsprechende Freiräume zuläßt.

Ein jeder von uns hat es in der Hand, die nähere Umwelt ein Stückweit mitzugestalten. Wer friedliebende Demut an den Tag legt, gegenseitigen Respekt lebt, seinen Mitmenschen durch eigenes freundliches Entgegenkommen aufzeigt, in wie weit Nächstenliebe greift, trägt mit dazu bei, die Welt vom blinden Haß zu befreien.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Massenhaft Brei

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Persönlichkeit flüchtig wie Brei in der Masse,
auf daß keiner sich auf irgend etwas verlasse,
jetzt kann schon morgen sein,
womöglich war sie später früher und allein,
als Persönlichkeit sich lieben ließ
im nebeligen Spiegel, komm und lies,
stand da geschrieben,
wir sind nicht verschieden,
dreckige Erde im Gesicht,
dämmert es nur bei Neonlicht,
Morast an den Händen,
eingegipst die Lenden,
als Masse bewegt sich das Fremde
zäh, undefinierbar, formbar, im Hemde
der Gleichgültigkeit ausgesetzt,
überall drapierbar, das fetzt,
modern vermodern,
verlodern
Persönlichkeiten wie Brei in der Masse,
orientierungslos, Zeit bedient sich aus Kasse.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Politischer Widerstand zeigt Matteo Salvini die rote Karte

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Leoluca Orlando geht mit guten Beispiel voran

Wegsperren, Ausgrenzen, gar ertrinken lassen, auch Italien scheut keine Mühe, seine abscheuliche Politik gegen Flüchtlinge zu Markte zu tragen, allen voran jener Innenminister Matteo Salvini, der mit seiner rechtspopulistisch politischen Einstellung all Diejenigen beflügelt, die ihren Haß auf Ausländer in vollen Zügen ausleben.

Doch der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, widersetzt sich harter Einwanderungspolitik, selbst wenn Salvini gar mit sarkastischen Unterton droht, nicht die Armee zu schicken, was den promovierten Juristen, wohlweislich umstritten international bekannt, der Mafia zu trotzen, eher nicht beeindrucken wird. Dennoch zeigt Orlando dadurch entsprechenden Mut, eben nicht in stillem Gehorsam zu verfallen.

2018 über 2.200 ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer

So die offizielle, statistische Zahl des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, ein Jahr zuvor sind 3.139 Todes- oder Vermisstenfälle zu beklagen, ein leichter Rückgang, was sich ebenso bei der Zahl der Geflüchteten selbst widerspiegelt. Waren es 2017 noch rund 172.000, schafften im letzten Jahr ca. 113.000 Menschen die Flucht übers Mittelmeer.

Während immer wieder bei kleinsten Anlässen, die man dadurch nicht verharmlosen soll, behauptet wird, Flüchtlinge seien generell kriminell, nutzen jene rechtsradikalen Kräfte Parolenbrüllerei für ihre Zwecke bis hin zur Behauptung, Flüchtlinge wären Invasoren, die die europäischen Völker überrennen wollen, um selbst an die Macht zu kommen. Davon kann natürlich keineswegs die Rede sein!

Politischer Zivilcourage den Rücken stärken

Selbst wenn man den politischen Werdegang des Leoluca Orlando kritisch betrachten mag, der verstorbene Mafiajäger Giovanni Falcone bezeichnete Orlandos Kampf gegen die Mafia als „reine Rhetorik“, wechselte er vielfach Parteien, verließ die Democrazia Christiana, um im Anschluß die Demokratiebewegung „La Rete“ zu gründen, neun Jahre später in die I Democratici trat, um schließlich seit 2006 sich der Italia dei Valor zu verpflichten.

Wege der Selbstfindung, offensichtlich Räume, um mit gewissen Abstand kritischer hinzuschauen. So auch gen Rom, um dem Innenminister Matteo Salvini zu trotzen. Dem dortigen Neofaschismus, der als längst auf dem Vormarsch bezeichnet werden muß, gilt es, nicht kampflos hinzunehmen, sowohl in Italien selbst als europaweit, wenn man Österreich, Ungarn und andere rechtsradikale Politik mit einbezieht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Davor war dahinter

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Es war etwas zu früh,
das Davor war noch nicht gegangen,
traumtrunken
in der letzten Zeit gefangen
gab es kein zurück.

Die Blumen, die er brachte,
gehindert ihr Wuchs, davor die Karte,
Berge verdecken fadenscheiniges Licht,
zurück durch den Tunnel, errate,
davor oder dahinter der Morgen anbricht.

Davor war die Angst früher,
Angst davor ist jetzt in der kühlen Wärme,
noch so fern, so nah verletzt,
inmitten surrender Mückenschwärme,
trillernder Vögel spaltet sich Blitz und Eis.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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