Frieden nur eine Illusion?

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Gar keine Zeit,
stets bereit
dem Land zu dienen.
Soldaten auf den Schienen.
Wer kennt nicht das Bild
vom übermächtigen Schild?

Gar keine Zeit,
entrückt vor Übelkeit
über soviel Zerstörungswut.
Sie predigen, alles wird gut.
Wir kennen die Wirkung vom Krieg,
dennoch erhoffen welche den Sieg?!

Gar keine Zeit
vor lauter Schnellebigkeit,
die uns die Welt versaut.
Daß Politik sich das noch traut?
Massen folgen ihren Führern,
wer aufmuckt, zählt zu den Verlierern.

Gar keine Zeit,
stets bereit
das schlimmste in Kauf zu nehmen.
Wohin mit all den Problemen?
Wer kennt nicht die Vorzeichen,
initiiert von den Überreichen?

Jede Zeit der Welt,
wenn Ihr endlich verbannt das schmutzige Geld!
Jenes Krebsgeschwür versaut unser Leben,
genau sein Ende sollten wir anstreben.
Wir hätten das Paradies auf Erden,
stoppen wir jenes sinnlos kriegerische Sterben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Facebook verfährt äußerst undifferenziert

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Querdenkende wurde in letzter Zeit des öfteren einfach gesperrt

Selbstverständlich kann man ganz einfach den Account löschen und das Kapitel Facebook hat sich erledigt. Nur ganz so simpel wollen wir von Querdenkende denjenigen nicht das Feld überlassen, die genau das beabsichtigen. Höchstwahrscheinlich sind wir ihnen in letzter Zeit zu kritisch, haben wohl genau die Themen auf den Punkt gebracht, die deren Schmerzgrenze überschritten haben, um uns nonchalant bei Facebook anzuschwärzen.

Und wie reagiert Facebook selbst? Es handelt per Computersystem, bis jetzt am Samstagabend werden sämtliche von uns verteilten Artikel als Spam gewertet und somit blockiert. Interessant. Ein Gedicht oder ein kritischer Artikel über den Rechten Terror betrachtet das System von Facebook kurzerhand als Spam, schon hat sich jedwede Diskussion erledigt. Man kann ja noch nachvollziehen, wenn Vulgärausdrücke, generelle Beleidigungen oder ähnliches wie gar Hetze stattfindet, daß dies dann berechtigterweise geahndet und gesperrt wird. Nichts davon trifft auf uns zu!

Einmal angeschwärzt immer angeschwärzt?

Da gibt sich die Socialmedia-Plattform aber keinerlei Mühe, um ihre eigene Vorgehensweise zu überarbeiten. Denn wer Querdenkende dauerhaft sperren will, braucht nur mal eben kurz Spam lostönen, schon reagiert das Facebook-Computer-System vorbildhaft ohne jedwede Überprüfung. Am Rande erwähnt, bis jetzt hat Facebook es nicht für nötig befunden, die einmal unberechtigterweise gefällte Entscheidung zurückzunehmen.

Man stelle sich nur mal kurz bildhaft vor, dieses Unternehmen würde sich beim Stern, Spiegel, Zeit oder anderen Medien so verhalten? Macht Facebook natürlich nicht, die gehören ja auch zu den zahlenden Kunden.

Algorithmen je nach Geldbeutel?

Einerseits macht Facebook große Werbung, es sei weiterhin kostenlos, andererseits bekommen genau dies jene Kunden zu spüren, die auch nichts einzahlen. Mit anderen Worten, wer nicht zahlt, wird entsprechend dürftiger im großen Netzwerk verteilt. Vielleicht geht jetzt dem ein oder anderen ein Lichtlein auf, wieso er vom Freund X schon länger nichts mehr zu lesen bekam. Wer also von sich aus nicht ständig mit anderen kommuniziert, hat eben das Nachsehen.

Zumal auch nicht ganz einfach, je größer die Freundesliste. Wie im Kleinen so auch im Großen. Insofern können ein paar unliebsame Zeitgenossen uns dermaßen simpel „abstrafen“, weil Facebook auf die Masche hereinfällt. Fraglich nur, wieso im umgekehrten Fall Facebook gern sämtliche Augen schließt und sich wegduckt bzw. Haßbotschaften bishin zur Verharmlosung von Gewaltaufrufen „stehen läßt“? Wir haben bereits etliche Male darum gebeten, solch Gedankengut bei Facebook nicht mehr öffentlich zu dulden. Fehlanzeige. Es lautete stets zur Begründung, unser Einwand verstieße nicht gegen die Gemeinschaftsstandards. Aha. Rassismus verstößt nicht, aber die Beiträge von Querdenkende werden in letzter Zeit sofort als solche degradiert?

Facebook somit zum Steigbügelhalter rechtsradikaler Gruppierungen?

Den Eindruck gewinnen wir nicht erst seit den letzten Vorfällen. Exakt in den Gruppen, die sich gegen Rassismus und Rechtsradikalismus verwehren, liest man schon seit längerer Zeit jene Handhabung bei Facebook, eben viel zu lasch oder gar nicht zu reagieren. Kein Wunder, daß sich die Neue Rechte besonders ausschweifend auf Facebook austobt, dort läßt man sie ja im Großen und Ganzen gewähren.

Nur muß sich dann Facebook natürlich die Frage stellen lassen, ob es denn selbst mit denen unter einer Decke steckt, oder? Sollte sich dies anders verhalten, wäre eine fundierte Antwort nicht nur hilfreich, sondern würde auch wieder ein Stück Glaubwürdigkeit zurückbringen. Darüberhinaus sollte sich Facebook schnellstmöglich eine andere Möglichkeit sogenannter Spam-Meldung überlegen. Ansonsten haben nämlich Gegner leichtes Spiel, uns einfach „auszuknipsen“. Ob das auch im Sinne der gesamten Facebookgemeinschaft ist, bleibt mal dahingestellt. Im übrigen verteilen wir unsere Artikel und Beiträge auch über andere Plattformen im Internet, wo wir ohnehin längst eine wesentlich höhere Reichweite als durch Facebook selbst erzielen.

Lotar Martin Kamm

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Betrügerische Grübler

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Betrüblich!
Wie üblich!

Wer will das verübeln?
Das ständige Grübeln!

Es ist wie fischen im Trüben,
ohne Zeit zu üben.

Man schnappt zu, furchtenthemmt,
als gilt es zu retten sein letztes Hemd!

Wer oder was flennt,
egal, wenn Wut brennt!

Maul auf, es drängt,
Fremdes uns überrennt!

Aufwühlen!
Sand in die Augen spülen!

Zwietracht vorspielen!
Keiner wird was abkriegen!

Verboten Nähe zu spüren!
Nur einer kann führen!

Klarheit ist verpönt!
Dem Zweifel man frönt!

Keiner wird verwöhnt!
Das wird als Erstes abgewöhnt!

Trübheit uns versöhnt!
Klare Sicht wird verhöhnt!

Zweifel säen!
Überall Feinde spähen!

So ist das üblich!
Das ist betrüblich!

Alle wissen dies längst!
Kennen dies Zeitgespenst!

Falls du das Eintrüben verpennst,
diese Welt du nicht mehr erkennst.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Rechter Terror: Wie viel Gewalt verträgt die Bundesrepublik?

Wenn der Pöbel meint, sich über andere stellen zu müssen

Läßt er eben kurzerhand mal seinen Hund mitten in Dresden auf eine verschmähte Ausländerin los, das Tier als Waffe mißbraucht, ein Vorfall, der im Lande nicht zum ersten Mal stattfindet. Im Bundesland Sachsen, in dem gerade jene rechtsradikale AfD laut Umfragen vor einem Monat ganz besonders hoch punktet, zeigt sich deutlich, wohin die Gesellschaft driftet.

In eine Gewaltspirale, die sich längst verselbständigt, allerdings durch nichts entschuldigen läßt. Nur wer bestimmt das, wenn nicht wir selbst? Wo beginnt Zivilcourage wirklich zu greifen, wird die Ordungsmacht Herr der Lage? Die Gefahr, selbst Opfer zu werden bei Einmischung, nutzen die unerschrockenen Täter aus, der rechte Terror hat somit sein Ziel erreicht.

Geistige Brandstifter lachen sich ins Fäustchen

Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Jene Häme, wenn auch der historische Vergleich an allen Ecken und Kanten hinkt, wir leben nun mal in einer anderen Zeit, so haben jene geistigen Brandstifter eines bestimmt erwirkt: ihren abgrundtief, ekelerregenden Haß auf andere zu projezieren, um deren krude Botschaften in Taten umzusetzen. Das Maß des Rechten Terrors ist schon lange voll!

Die Gesellschaft schaut nur viel zu lange einfach weg. Mittels Ignoranz läßt sich rechtsradikaler Pöbel aber nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil, jene Kräfte scheinen sich ihrer Sache inzwischen immer sicherer, anders kann man die Zunahme solcher Verbrechen nicht werten.

Die Politik hat keine guten Antworten

Genau das sieht man unschwer mit Blick in den Deutschen Bundestag. Wenn dortigst bereits eine rechtsradikale Partei vom Volk gewählt Platz nimmt, dann hat sie ihre Hausaufgaben schlampig gemacht. Denn in der Regel verpönt der Bürger extremistisches Gedankengut, es sei denn, man teilt nicht seine Sorgen und Nöte.

Wenn Politik den Sozialstaat schröpft, gleichzeitig aufrüstet, die Finanzhaie weiterbedient, Großkonzerne hofiert, während Hartz-IV-Betroffene und Migranten sich den desolaten Wohnungsmarkt teilen müssen, der Niedriglohnsektor weiterboomt, dann dürfen wir uns nicht wundern, daß Haß, Neid und Mißgunst wachsen. Ideale Voraussetzungen, um per Hetze besonders Flüchtlinge, Migranten als Opfer entsprechend zu mißhandeln.

Die Politik wäre insofern sehr gut beraten, entsprechend schnelle Lösungen zu erschaffen, bevor die Gewalt dermaßen aus dem Ruder läuft, daß ein friedliches Zusammenleben stets gefährdet bleibt. Das kann und darf unsere Gesellschaft im eigenen Interesse unter keinen Umständen länger hinnehmen oder gar dulden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Brücke überqueren

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„Ich wollte gerade die Brücke überqueren,
da sah ich ihn stehen,
sein Gesicht, sein Antlitz
leuchtete wie meins, doch waren wir beide uneins.
Er sagte, er käme von weither,
doch er fände nirgendwo das Meer.“

Soll ich antworten, ihn einfach ignorieren?
Unheimlich wirkt er, aber mich würd es interessieren,
woher er kommt, zu welchem Meer er will,
sein Outfit ist nicht abgenützt, vor Jahren sicher mal schrill.
Ich seh ihn an, will Näheres erfahren, Auskunft geben,
Sprache und Gedanken sind eins, ich brauch nicht reden.

Keine Mimik verwischt sein Gesicht,
ich grinse, grinse ich wirklich?
Albern, ich erinnere mich an mein Meer,
das ist schon so lange her,
daß ich es sah,
damals, als ich noch nicht war.

Wir setzten uns, wir gingen, wir standen,
wir erklärten uns, unsere Geschichten uns verbanden.
Wir atmeten die Luft zwischen Nadir und Zenit, in unserer Seelenfront
lag die Grenze zwischen Himmel und Erde, der Horizont.
„Ich wollte gerade die Brücke überqueren,…“
dem weichen Sand, den tönenden Wellen mein Herz entleeren.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Ende herrschaftlicher Dekadenz in Sichtweite?

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Bittsteller sollen einfach von dannen ziehen

Unter gar keinen Umständen teilen, schließlich hat man sich den eigenen Wohlstand nach jahrelanger, harter Arbeit redlich verdient. Somit besteht keinerlei Anlaß, ein mieses Gewissen sich einreden zu lassen, sollen doch die Bittsteller oder diejenigen, die eine Selbstverständlichkeit der Nächstenliebe einfordern, gefälligst von dannen ziehen.

Ende herrschaftlicher Dekadenz in Sichtweite, wo die entscheidenden Fragen anknüpfen: Wer gibt ab, wer weigert sich? Haben sie einkalkuliert, was wäre, wenn die großen Massen einfach sie in Zukunft überrennen, sich nicht mehr ohne weiteres ausbeuten lassen? Sie haben und fürchten sich somit völlig zu Recht.

Überreiche Eliten geben nichts freiwillig ab

Während das höchste Bestreben im Kapitalismus darin besteht, möglichst viel Reichtum anzuhäufen, in sofern das häßlich aber treffsichere Wort des Raubtierkapitalismus in seiner Bedeutung schrecklicher denn je daherkommt, zog es der sogenannte Kommunismus vor, einen Gegenpart zu bilden, in dem Menschen auf Augenhöhe zusammenleben.

Doch die Idee des Kommunismus konnte natürlich in einer kapitalistisch geprägten Welt sich nicht durchsetzen, zumal etliche der „oberen Zehntausend“ sich nette Ausnahmen gönnten, wie spätestens nach dem Mauerfall zur Gewißheit wurde, was viele längst vorher angeprangert hatten. Können wir daher davon ausgehen, daß das Ende des Überreichtums als logische Schlußfolgerung eintritt? Der Schein trügt dennoch!

Obwohl eine latent anhaltende, gar weiterhin zunehmende Verarmung der Massen fortschreitet, sollte man es nicht zu simpel betrachten mit dem plötzlichen Wegfall überreicher Eliten. Wer gibt schon freiwillig ab, was er hochmütig für sich beansprucht? Die Ergebnisse zweifellos verständlicher Revolten kennen wir zu genüge.

Divide et impera – ein Erfolgsrezept grausamer Konsequenzen

„Teile und herrsche“, wie Niccolò Machiavelli dies treffsicher und sinnig formulierte, findet heute weltweit völlig skrupellos Anwendung, allerdings im Ergebnis ein Erfolgsrezept grausamer Konsequenzen. Ein eigentlich vermeidbarer Kollateralschaden wird daher von vornherein ausgeschlossen, schließlich obsiegen die beträchtlichen Gewinnmargen, bedeuten das Maß aller Dinge in den menchenverachtenden Gehirnwindungen einer reichen Oberschicht, die nicht ansatzweise nachvollziehen kann, was es bedeutet, in Armut zu leben.

Deshalb verlaufen die alten Rezepte der herrschenden Klasse in denselben Bahnen wie schon seit Jahrtausenden, die Systeme und in ihnen die Ablenkungsmanöver bilden die nötige Distanz, das aufbegehrende Volk sich fern zu halten. Früher waren es Söldner, die heute durch Privatarmeen, Bodyguards Widerstände im Keim ersticken sollen, Hauptsache Eliten können unbedarft ihren ausbeuterischen Kurs fortsetzen.

Mag diese simple, bisher wirkungsvolle Rechnung aufgehen? Mitnichten. Denn menschliches, gereiftes Bewußtsein sucht sich eigene, aber äußerst effektive Wege der Verbreitung und Festigung einmal positiv gewonnener Erfahrungen. Dann lassen sich Unterdrückungsmechanismen nicht mehr aufrecht erhalten, wird Widerstand nicht zur Pflicht, sondern gelebte Selbstverständlichkeit.

Nichts vermag uns mehr erschüttern, als wenn das Urvertrauen verloren geht, welches in einem gesellschaftlichen Miteinander auch unsere Rolle bereithält. In sofern hat die Gesellschaft eine Verpflichtung, jeden zu berücksichtigen. Unterläßt sie dies im großen Stil, ist ein Zerfall vorprogrammiert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Bumerangeffekt

Er trieb es mit ihr zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eigentlich ist das nicht richtig. Also nochmal. Sie trieb es mit ihm an jedem nur erdenklichen Ort und genoß seine leidenschaftlichen Ergüsse, wenn er versuchte zu kontern. Irgendwie müßte es lauten, sie trieben es beide zu jeder Tages- und Nachtzeit, an jedem nur erdenklichen Ort. Punkt. Sie liebten es, sich zu necken, zu foppen, sich zur Weißglut zu bringen. Ohne Pardon. Ohne Rücksicht auf Verluste. Selbst ihre eigenen Verluste zählten nicht. Das gehörte nun mal dazu. Sich Wunden zu holen, Magenkrämpfe zu bekommen. Manchmal reichte schon der Anblick des anderen, um an Kopfschmerzen zu leiden.

Sie mochten sich. Sie mochten sich, weil sie sich an des anderen Reaktion erfreuten. Wenn der Bumerang zurückkam, umso besser. Nicht jeder Bumerang kommt zurück, sagte Ringelnatz, und Publikum noch stundenlang wartete auf Bumerang. Bei den beiden allerdings schon. Denn der Bumerang wurde mit dem Versuch geworfen, nicht einen Treffer zu landen. Klingt, klingt nach was? Genau. Es klingt nach Zermürbung. Haben Sie schon einmal einen Bumerang geworfen, wahrscheinlich schon, aber haben Sie ihn aufgefangen, wenn er die Kurve gekriegt hat und wieder zurückflog? Möglicherweise nur einmal. Denn die Wucht der Bumerangs kann ihre Handinnenfläche empfindlich verletzen. Regel Nummer Eins lautet daher, Wurftechnik erlernen schön und gut, Fangtechnik erlernen unbedingt erforderlich. Im Gegensatz zu anderen fliegenden Objekten ist das Fangen des Bumerangs mit beiden Handflächen zu bewerkstelligen. Ihre Hände ähneln zwei Fliegenklatschen, die aufeinander geschlagen werden.

Oder im Sinne von ihr und ihm, ein ständiges Beifallklatschen über den Wind, den man über des anderen Kopf hinweg gefegt hat. Dies Treiben blieb natürlich den gemeinsamen Freunden nicht verborgen, schließlich trieben sie bereits seit Kindergartentagen diese Spielchen. In der Schule hieß es später dann und wann, was sich liebt, das neckt sich. Weit gefehlt. Was sich nicht leiden kann, das zermürbt sich. Zu Feten wurden sie nicht mehr gemeinsam eingeladen. Trotzdem schafften sie es, so nebenbei in Gesprächen mindestens einen Bumerangwurf gezielt abzusetzen, der durch Freunde, Bekannte dem andern zugetragen wurde und auf diese Weise ihm um die Ohren flog.

Er zog irgendwann nach Berlin, um zu studieren, nicht wie von ihr behauptet, um dem Wehrdienst dadurch zu entgehen. Sie heiratete spontan Miguel de Castello, den sie beim Trampen durch Italien kennengelernt hatte und lebte seitdem in der Nähe von Madrid, und nein, sie tat es nicht, weil sie schwanger war. Selbst diese räumliche Trennung vermochte nicht, dem Hänseln Einhalt zu gebieten. Egal ob bei persönlichen Besuchen im Heimatort oder bei Telefonaten, beide schafften es irgendwie, immer Bezug zu nehmen auf den jeweils andern und einen neuen Wurf zu platzieren.

Inzwischen sind beide gealtert, haben ihre Leben gelebt in verschiedenen Welten. Einige ihrer beiden Freunde und Bekannten sind inzwischen gestorben. Die Kontaktmöglichkeiten sind dadurch verringert, dennoch nicht minder geworden. Es scheint, als ob für sie das anfängliche Foppen, Necken, das spätere Hänseln, Anschwärzen einer Sucht gleicht. Einer Spielsucht. Spielen des Spielens willen. Da geht es nicht um gewinnen oder verlieren. Da geht es nicht um bestimmte Taktiken, die wurden längst schon alle durchanalysiert. Da geht es nicht darum, Menschen an der Seite zu wissen, die zujubeln. Da geht es nicht darum, den andern und sich zu verletzen oder zu schonen. Es ist einzig und allein das Spiel, das einmal begonnene Spiel. Selbst der Kontrahent oder Mitspieler wäre austauschbar.

Er treibt es weiterhin mit ihr, so wie sie mit ihm. Ein eingespieltes Team von Werfern. Von Wortwerfern, die es meisterlich verstehen, die auf dem Wurfgeschoß entgegengeflogenen Sätze umzuformulieren. Sie spielen kein Ping-Pong. Sie werfen den Bumerang, weil dieser ihr Eigentum ist, stets zu ihnen zurückfliegt, weil sie gute Fänger sind und erst in zweiter Linie Werfer.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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