Schuft kein Schaffer

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Ob als Antreiber lichtscheu im Dunkeln?

Wer schuftet, ist ein Schaffer, aber kein Schuft. Nicht selten sind die Schaffer zu keinem Reichtum gekommen, die Schufte aber schon, oder?

Was ist der Unterschied von schuften und schaffen, beides bedeutet arbeiten, schwer arbeiten. Wobei schuften noch mal eine Steigerung zu schaffen darstellt. Auch in der Sprache finden sich zu schaffen eher positive Merkmale, erschaffen, rechtschaffen, selbst beschaffen und verschaffen müssen nicht unbedingt negative Ausdrücke sein, hier kommt es auf den Zusammenhang an, bei dem die Wörter gebraucht werden.

Da schuften eine Steigerung von schaffen ist, müßte doch eigentlich in der Sprache das Wort als positiver gewertet werden, das ist aber nicht der Fall. Es gibt kein Wort, das „schuften“ durch Anhängen einer Silbe noch mehr hervorhebt.

Schaffen, mittelhochdeutsch schaffen, althochdeutsch scaffan und scaffōn, abgeleitet von scepfen, schöpfen, ursprünglich schnitzen, mit dem Schaber arbeiten, schaben. Ersatzwörter sind bilden, gestalten, herstellen, anstrengen, befördern, werkeln, rackern, schöpfen, vollbringen, bewerkstelligen.

Schuften, laut Duden, Herkunft ungeklärt, eventuell vom niederländischen schoft, älter noch schuft, das war ein Viertel Tagwerk, und besagte in einem Schub arbeiten, wurde im 19. Jahrhundert aus mitteldeutschen Dialekten in die Studentensprache übernommen.

Der Schaffer ist ein tüchtiger Arbeiter, in der Seemannssprache, der die Schiffsmahlzeit besorgt und anrichtet, in Österreich war es der Begriff für einen Aufseher auf einem Gutshof.

Den Schufter gibt es in der deutschen Sprache nicht, wohl aber die Schufterei und Schuft. Schufterei ist kurz erklärt, das Wort steht für dauerndes Schuften, Plackerei, Knochenarbeit.

Der Schuft, aus dem Niederdeutschen, möglicherweise zusammengezogen aus niederdeutsch Schufut, elender Mensch (eigentlich, Uhu, mittelniederdeutsch schūfūt, lautmalend); der Name des lichtscheuen Vogels wäre dann auf Menschen übertragen worden. (Duden) Synonyme sind Betrüger, Verbrecher, Ganove, Mistkerl, Lump, Schweinehund Bösewicht, Dreckskerl, Strauchdieb, Gauner, niederträchtiger Mensch und als weniger gefährlicher Ausdruck, Schelm

Schuhu, ruft der Uhu, schuhu, ruft die Kolumnistin. Vielleicht auch mancher Leser.

Wie bereits öfter erwähnt, schreibt hier keine ausgebildete Sprachwissenschaftlerin, somit kann die Texterin ihrer eigenen Interpretation freien Lauf lassen. Schuhu!

Sicherlich mag ein Schuft gerne sich im Dunkeln verstecken und äußerst lichtscheu sich verhalten, aber in der Regel arbeiten Schufte in aller Offensichtlichkeit, dies ist sehr oft ein besserer Schutz als sich zu tarnen. Die Charaktere der Eulen, Uhus werden unterschiedlich in Erzählungen und in der Geschichte dargestellt, so gilt die Eule als Unglücksbote genauso wie als Glücksbringer. Sie gelten als weise genauso wie als dumm. (Indien) Der Uhu ist ein Sinnbild für schlaraffischen Humor. Sie sind Hexen- und Teufelsvögel, dabei spielte es in vielen Kulturen oftmals keinen Unterschied bei all diesen Aufzählungen, ob es sich um eine Eule oder Uhu handelte. Man hat also die Wahl zwischen gut und böse, weise und dumm, zwischen Hexenhelfern oder trägen, leichtsinnigen Humor.

Vergleicht man die Wortherkunft von schaffen und schuften genauer, so kann nicht übersehen werden, daß schaffen ein Ausdruck von schöpferischer Tätigkeit, von Anstrengung, von Vollbringen beinhaltet, wohingegen schuften (lediglich) eine Einteilung von zu leistender Arbeit bedeutete. Vielleicht kann man sich die Schuft besser vorstellen, wenn man weiß, daß der Schuft, das Tagwerk, oftmals eine erforderliche Arbeitsleistung darstellte, die selbst beim fleißigsten Schaffen nicht immer geschafft werden konnte. Um es krass zu sagen, man hätte sie nicht geschafft, wäre im Hintergrund nicht ein „Schuft“ gestanden, der die Menschen zu überdimensionaler Kraftanstrengung getrieben hätte. Hier kann man ohne weiteres auch von Sklavenarbeit sprechen. Als harmlose Variante sind die Schaffer auf den Gutshöfen zu bezeichnen, nicht alle, das sei hier nicht unerwähnt.

Warum sollte also ein Antreiber lichtscheu sein und im Dunkeln seinem Wirken nachgehen? Sie galten, und hier wird es paradox, zumindest für einige Mitmenschen als rechtschaffene Personen. Warum sollte sich eine rechtschaffene Person verstecken, ging sie doch bloß ihrer Arbeit nach? Hingegen mußte der Arbeiter zum Schaffen angetrieben werden, war er nicht der, der ein Schuft war, weil arbeitsfaul?

Wenn nun also die Sprachwissenschaft den Begriff Schuft als eventuell von Uhu (Schuhu) abstammend erklärt, dann vielleicht darum, weil der offensichtliche Zusammenhang besser im Dunkeln bleiben sollte, obwohl gerade der Hinweis zu der Studentensprache genügend Beweis darstellen könnte, daß hier etwas nicht korrekt wiedergeben wurde. Denn Studentensprache sowie Vulgärsprache brachten sehr oft gezielt auf den Punkt, was eigentlich sonst niemand zur Sprache brachte.

Somit kann man sagen, der Schuft läßt schaffen, wohingegen der Schaffende schöpft, bewerkstelligt, herstellt. Wer von den beiden rechtschaffen ist, mag jeder selbst beurteilen, schließlich obliegt es jedem, weise oder dumm zu sein, böse oder gut, lichtscheu oder im Rampenlicht stehend, dahingehend ist der Uhu sinnbildlich stellvertretend.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Frankreich-Wahl: Klares Nein zum Rechtsradikalismus

Emmanuel Macrons Kurs letztlich eine Fortsetzung von Hollandes Politik?

Die Franzosen haben sich gegen das Rechts-Links-Muster entschieden, mit Emmanuel Macron und seiner im letzten Jahr gegründeten Partei „En Marche“ erreichte zum ersten Mal in Frankreich die politische Mitte den direkten Weg zur Stichwahl am 07. Mai.

Tragisch genug, daß eine Marine Le Pen den zweiten Platz mit rund zwei Prozentpunkten hinter Macron für sich verbuchen konnte, in knapp zwei Wochen die Stichwahl mit bestreitet. Dennoch darf man zurecht feststellen, daß eine überwältigende Mehrheit der französischen Wählerschaft ein klares Nein zum Rechtsradikalismus vertritt. Macrons Kurs letztlich eine Fortsetzung von Hollandes Politik?

„Der Schöne und das Biest“ – EU-Befürworter und EU-Gegnerin

Es könnte noch gegensätzlicher sein, wenn denn Jean-Luc Mélenchon, Kandidat der Linkspartei (Parti de Gauche) es in die Stichwahl geschafft hätte. Immerhin erreichte er 19,6% der Wählerstimmen, ziemlich knapp hinter François Fillon, dem Kandidaten der Republikanischen Partei (Les Républicains), dem ehemaligen Premierminister unter Präsident Nicolas Sarkozy.

Hinsichtlich der EU beherrscht die Stichwahl aber die Gegensätze beider jetzigen Kandidaten mit „dem Schönen und dem Biest“, um deren Außenwirkung ein wenig zu verdeutlichen. Während Macron alles daran setzt, die EU zu verglorifizieren, lehnt Le Pen sie vehement ab, will den Franc zurück, per Referendum möge der Europa-Ausstieg erfolgen, bei Niederlage wolle sie allerdings zurücktreten.

Kann man einem ehemaligen Investbanker trauen, der obendrein mit denselben Mitteln eintritt wie hierzulande, nämlich steuerliche Erleichterungen für die Unternehmen sowie Lockerung des Arbeitsrechts? Daß damit Lohndumping Wege findet, ist letztlich vorprogrammiert, auch wenn er in den Bereichen Arbeit, Außenpolitik, Bildung, Sicherheit, Wirtschaft und einer sogenannten Demokratischen Erneuerung die Revolution will. Seine Argumente und Standpunkte weichen allerdings unwesentlich von François Hollande ab, nur daß er halt mit seiner jungen, dynamischen Erscheinung wesentlich mehr Wähler zu beeindrucken scheint.

Emmanuel Macron wird achter Präsident in der Fünften Republik Frankreich

Es müßte schon ein Wunder geschehen, daß Marine Le Pen es wider Erwarten schaffen sollte, in der Stichwahl zu gewinnen. Laut Prognose zur 2. Wahl läge Emmanuel Macron mit 62% ganz deutlich vorn, während Marin Le Pen mit den verbleibenden 38% sich geschlagen geben müßte.

Da die Franzosen mehrheitlich sich gegen den Rechtsradikalismus positionieren, wird Emmanuel Macron achter Präsident in der Fünften Republik Frankreich. Siegerposen seitens Marine Le Pen werden dies keineswegs verhindern. Eine deutliche Signalwirkung auch gen Deutschland an dortige Rechtsradikale, daß sie schlicht unerwünscht sind.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Weichzeichnen der Wirklichkeit

Krug auf dem Kopf,
runder Krug, bemalt,
Wasser gefüllt,
schwappt über,
Tropfen
auf Gesicht verteilt.
Keiner eilt!

Krug auf dem Kopf,
runder Krug, bemalt,
leer,
Staub im Gesicht.
Keiner spricht!

Krug auf dem Kopf,
runder Krug, bemalt,
Kind auf
dem Rücken.
Keiner strahlt!

Krug auf dem Kopf,
runder Krug, bemalt.
Keiner zahlt!

Kein Hintergrund,
kein Vordergrund,
nichts an den Seiten,
es gibt kein Ausweichen.

Es existiert der Krug,
bemalter Krug,
der Mensch,
die Tränen,
der Staub,
das Kind,

seit Urzeiten.
Hintergrund,
Vordergrund,
die Seiten,
sind Ablenkung,
die Wirklichkeit
weich zu zeichnen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Europas Bewährungsprobe am Scheideweg alter Strukturen

Wenn Rechtsradikale das Zepter in die Hand nehmen

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, zum Wechsel ins neue Jahrtausend glimmte Hoffnung auf, daß wenigstens eruopaweit der Nationalismus überwunden worden sei, mit der EU schien zunächst ein entsprechendes Bollwerk ihm zu trotzen.

Wenn da nicht völlig zurecht etliche kritische Bedenken aufkamen, die wiederum die Existenz dieser EU in Frage stellten, denken wir vor allem an den gegen Ende 2009 in Kraft getretenen Vertrag von Lissabon, der für erheblichen Unmut sorgte, Widerstand sich formierte. Acht Jahre später steht Europas Bewährungsprobe am Scheideweg alter Strukturen, wenn Rechtsradikale das Zepter in die Hand nehmen. Das könnte sich demnächst in Frankreich bewahrheiten, wenn eine Marine Le Pen mit dem Front National dort als neue, erste Präsidentin vereidigt wird. Alltagsrassismus gar in Deutschland?

Hysterie spielt den Rassisten in die Hände

Eine starke Demokratie kann selbst Rechtsradikalen die Stirn bieten, wie man just an diesem Wochenende in Köln beobachten darf, wo eine AfD während ihres Parteitages ihren Bundestagswahlkurs berät und beschließt. Viel Klatsch und Tratsch um Pöstchen mit ewiggestrig dürftig bekannten Inhalten, die nichts anderes besagen als die Herrschaftsübernahme im Sinne eines wiederkehrenden Nationalismus. Als ob ganz besonders Europa darauf gewartet hätte!

All jene, die jetzt deshalb in Hysterie verfallen, spielen jenen Rassisten in die Hände. Gleichzeitig muß man selbstverständlich deren Szene und Auswüchse sehr genau beobachten, denken wir an die Aktionen der Identitären, die zunehmende Gewalt unseren ausländischen Mitbürgern gegenüber bis hin zur Geschichtsklitterung oder Terrorbereitschaft. Dabei sollte die Justiz sich selbstkritisch überdenken mit Blick gen Sachsen, wo immer noch ein hoher Anteil an Ignoranz herrscht, rechtsradikale Verbrechen zu ahnden und zu bestrafen.

Verharmlosung nimmt Überhand – Widerstände trotzen den Rechtsradikalen

Und zwar äußerst schleichend. Genau das beinhaltet ebenso die Taktik jener rechtsradikalen Gruppierungen, die nunmehr mit der AfD zum ersten Mal ein Sammelbecken erschufen, wenn diese Partei obendrein im Herbst dieses Jahres im Deutschen Bundestag Platz nimmt. Dank all derer, die tatsächlich glauben, diese Partei sei eine Alternative für Deutschland. Nationalismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Arbeitslagerzwang und etliche andere rechtsradikale Parolen sind folglich die Alternative?

Wieder hin zu bewußt altverkrustetern Strukturen, die sich jahrhundertelang entwickelten, die diese Gesellschaft erfolgreich verbannten? Eine Kehrtwendung ohne wirklichen Lerneffekt, weil nachwachsende Generationen simpelst abgelenkt und geblendet werden können? Das Rezept jener Rechtsradikalen könnte fruchten mit einer Le Pen, einer AfD und ihren Rattenfängern, wenn da nicht noch eine große Mehrheit an Restverstand vorhanden wäre, was ohne weiteres gerade bei den Gegendemos sich offenbart trotz mancher Zurückhaltung. Es gibt gar welche, die bezeichnen sich als „links“, negieren allerdings gerade die friedliche Demo in Köln. Welch Widerspruch, zumal das Demonstrationsrecht ein verbrieftes Grundrecht in dieser Demokratie.

„Nichts ist dramatischer als Verharmlosung auf der einen Seite, aktuell eine AfD hierzulande hofierend gewähren zu lassen, andererseits bösartigste Hetze zu schüren, friedliebend Protestierende wie an diesem Wochenende in Köln von vornherein als Krawallmacher zu diffamieren!“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Jagt sie von dannen

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Hab noch schnell meine Meinung gesagt,
öffentlich, laut und deutlich.
Da hat tatsächlich jemand kritisiert, ungefragt,
find ich so gar nicht erfreulich.
Immer diese billigen Argumente im Raum,
so ganz ohne Sinn und Zweck.
Schlaft mal weiter in eurem Traum,
ick bin dann mal woanders, einfach weg.

Hab noch schnell Nachrichten gelesen,
im Stillen, ausführlich, war entsetzt.
Da haben die USA gebombt als sei nichts gewesen,
hier im Westen wurde erneut gehetzt.
Immer diese Verkünder von Wahrheiten,
so gänzlich ohne Scheu.
Hauptsache verunsichert, die Gescheiten
prassen mit Geld wie Heu.

Hab noch schnell letzten Sonntag gewählt,
öffentlich, im Stillen, für ne bestimmte Partei.
Denn eines ist unbedingt klar, was tatsächlich zählt:
Vergeßt jene radikale Schar und ihr tröges Konterfei.
Immer dieser Ruf nach Patriotismus, Nationalstolz und Ehre,
so als ob die Welt wär keineswegs bunt.
Seht ihre falschen Blicke, jene bösartige Lehre,
sie uns behandeln wie Schund.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Versiebt, verspekuliert, verschrien – die Welt nur ausgeliehen

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Satirischer Rückblick…

Dann heißt es nur noch fliehen? Wir wollen mal den Teufel nicht an die Wand malen, och wenn so manche hochgestochen prahlen, wie schlau sie vieles durchschauen. Am Ende wird eine wache Masse sich trauen, im Gegensatz zu früheren Zeiten dem bösen Treiben Einhalt zu gebieten. Klappt nur per gezieltes Vorbereiten, durchdachte Analysen uns verrieten.

Menschen nur noch als Zaungäste wirken dürfen, während Auserwählte Champagner schlürfen? Dies ist der Lauf der Welt, es regiert stets das Geld. Da kannste eigentlich och einen ganzen Tag auf der Bahnhofsbank verbringen, den Streß der Leute beobachten, ein Lied davon singen, welche Launen sie entfachen.

Kaum jemand interessiert, was so Verwerfliches passiert? Umweltschutz versagt auf halber Strecke, egal wer oder was da so alles verrecke. Profit den Kurs bestimmt, weeß doch inzwischen jedes Kind. Als die Schubkarre Freiheit bedeutete, es niemand scheute, sich freudig herumfahren zu lassen, da hatten wir in unseren Schränken noch sämtliche Tassen, heute lautet’s: prassen!

Einerlei mit Blick zur Türkei. Das Ja zum Präsidialsystem festigt Erdogans Alleinherrschaft. Wer dies wohl hat vollbracht? Mitnichten die Bürger im Land, sondern vielmehr die Weltpolitik mit ihrer Schand. Beispiel gefällig, Sie meinen, wer’s globt wird selig? TOTAL läßt Regenwald für Palmöl abholzen, schaut hin zu jenen Stolzen, die keinerlei Skrupel haben, stattdessen am Leid der Welt sich laben!

Manch einer meint zurecht, vergeudete Zeit alles andere als wichtig ist. Ick glob, mir wird schlecht ob all dem Lob mit janz viel List. Keine letzte Antwort parat? Wie schad. Es trifft ohnehin meist die Verkehrten. Erdo-Kann und seine treuen Weckgefährten sich die Türkei unterm Nagel reißen, so loft dat böse Spiel vom politischen Bescheißen!

Herrlich jene klare Luft nach einem Sturm, wenn selbst der letzte Wurm sich auf dem Wege macht, obwohl der Mensch soviel Kriege entfacht, Hauptsache nich darüber nachjedacht. Zuviel Wirbel um die dritte neue Partei gemacht? Na klar, wäre doch jelacht, wenn sie sich hinterher uflöst, auseinanderkracht. Typen gibt’s, die jib et jar nich, widerlich.

Einzig zählt, wenn die Liebe reift, sie dich nicht einjeseift, dann haste richtig jewählt. Andererseits ist eines völlig klar: Die Weltpolitik steht unter der Fuchtel der USA. Wer sich gegen sie positioniert, wird als Schurkenstaat gecancelt, och wenn manch eener noch sehr um sie herumschlawenzelt. Von Einschüchterung zur Bösartigkeit, dafür sind sie stets bereit, wie man tagtäglich sieht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Von Einschüchterung zur Bösartigkeit

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Selbstherrliche Menschen mißtrauen Herzlichkeit

„Des isch a schiecher Hund!“ Wer aus dem Süden Deutschlands und aus Österreich kommt, wird den Satz automatisch „übersetzen“. Er bedeutet, das ist ein häßlicher Hund! Oder je nach Situation, ein gereizter, ein böser Hund.

Schiech, mittelhochdeutsch schiech ist abgeleitet von scheu. Synonyme für schiech sind häßlich, scheußlich, ärgerlich, wüst, sauer, wütend.

Jetzt stellt sich die Frage, wie kann aus scheu, häßlich, böse werden?

Scheu, mittelhochdeutsch schiech, scheu, verzagt, abschreckend, häßlich.

Immer noch nicht verständlich? Was bedeutet scheu denn noch? Schüchtern.

Schüchtern, ursprünglich scheu gemacht (von Tieren), aus dem Niederdeutschen, zu mittelniederdeutsch schüchteren, (ver)scheuchen; scheu weglaufen, Weiterbildung von scheu(ch)en. (Duden)

Scheuen, mittelhochdeutsch schiuhen, besagt Hemmungen haben, zurückschrecken, ausweichen, vermeiden, zusammenzucken, durchgehen, davonstieben, den Schwanz einziehen, sich herumdrücken, in Panik geraten.

Scheu an und für sich ist nicht als schlechte Charaktereigenschaft zu benennen, vorausgesetzt allerdings, das Scheu sein ist eine persönliche Befindlichkeit und nicht „anerzogen“.

Anerzogen durch Einschüchterungen, Ängste, Zwänge, Drohungen, Gewalt, nicht nur als Erziehungsmaßnahme bei Kindern, sondern auch zwischen und unter Erwachsenen. In der Literatur finden sich eine Unmenge von Erzählungen, von Menschen, die mittels Unterdrückungen soweit eingeschüchtert wurden, daß sie sich vor gewissen Dingen, Situationen, Menschen fürchten, jeder kennt sehr wahrscheinlich aus seinem direkten Umfeld Personen, die anhand von „scheu machen“, sich durch etwas oder jemanden fürchten.

In der Tiererziehung wurde und wird leider noch oft diese Einschüchterung, dieses Scheu machen benutzt, um ihren Willen zu brechen, damit sie auf Kommando reagieren und so handeln, wie man es von ihnen erwartet, häufig verbunden mit einer absoluten Unterwürfigkeit.

Wer schon einmal mit Tieren zu tun hatte, die durch solch eine Schule gegangen, wird festgestellt haben, viele dieser Tiere werden falsch, unberechenbar, böse, hinterhältig, häßlich in ihrem Verhalten. Und hier schließt sich der Kreis zu „schiech“, scheu sein. Also böse, häßlich, gereizt.

Kann man auch sagen, durch zu viel Gewalt, Drohungen, Zwänge, Ängste (Einschüchterungen) werden Wesen, also auch Menschen schüchtern, scheu, gehemmt und neigen demzufolge zu Bösartigkeit, Häßlichkeit?

Ja, kann man, auch wenn es hier wie bei vielen anderen Themen natürlich die Ausnahmen der Regel gibt. Menschen, die sich herausgekämpft haben aus dem Kreislauf der Gewalt und ihrer Scheu.

Wer, und hier spielt es absolut keine Rolle, ob es sich um eine Einzelperson, eine Institution, eine Partei, einen Staat oder um wen oder was auch immer es sich handelt, wer durch Einschüchterungen, scheu machen, Menschen, Tiere sich „gehörig“, „abhängig“ macht, der handelt wider Nächstenliebe und Verständnis.

Gerade in Zeiten, die durch viele Umstände Differenzierungen verlangen, verlagern nach Macht ergreifende Menschen ihre Argumentationskette in bewußt geschürte Einschüchterungen. Dabei ist ihr Ziel keineswegs nur die daraus resultierende Angst bei den Menschen, sondern die als „Gegenwehr“ resultierende, als Böswilligkeit auszulegende Reaktion eines Widerstandes gegen diese verbale, aber ebenso gegen das körperliche Scheuchen.

Dieser Widerstand, dieses sich „Herauskämpfen“ aus der Einschüchterung, dies ist der Begriff schiech. Lassen wir uns nicht schiech machen, seien wir uns bewußt darüber, derjenige, der wirklich positive Veränderungen will, der wird alles unternehmen, um keine scheuen, sondern um forsche selbstbewußte Menschen um sich zu haben. Und warum forsche Menschen? Ganz einfach, forsch, aus dem mittelhochdeutschen forse, bedeutet Kraft und Macht. Es bedeutet aber zugleich beherzt, furchtlos, zielbewußt, couragiert, und dies sind Eigenschaften, die selbstherrliche Menschen nicht vertragen können und wollen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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