Fußball-EM 2016: Portugal bezwingt die Equipe tricolore

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Éder schießt in der 109. Spielminute das entscheidende Siegtor

Nach dem alten Reglement einer Fußball-EM wäre Portugal als Drittplatzierter in seiner Gruppe F längst rausgeflogen nach der Vorrunde. Jedoch seit dieser 15. EM sind mit 24 nicht nur 8 Mannschaften mehr im UEFA Euro-Wettbewerb, so die offizielle Bezeichnung, sondern die vier Dritt-Bestplatzierten der sechs Gruppen erhielten das Ticket zum Achtelfinale, Portugal war auch dortigst gerade noch die Nummer Drei vor Nordirland.

Einerlei, im 51. Spiel, dem gestrigen Finale, bezwang das südwest-europäischste Land auf der iberischen Halbinsel im Pariser Stadtion St. Denis den Gastgeber Frankreich, die Equipe tricolore unterliegt, weil Éder in der 109. Spielminute das entscheidende Siegtor schießt.

Fünf Siege und ein Unentschieden mit 13 Toren zum Endspiel

Frankreich gelang mit seinen 13 Toren ins Finale. Jedoch führten sie nach der Vorrunde die Gruppe deutlich an mit ihren 7 Punkten, bezwangen in zwei Gruppenspielen Rumänien mit 2:1, Albanien mit 2:0, mußten sich mit einem 1:1 gegen die Schweiz zufrieden geben. Im Achtelfinale lagen sie nach der ersten Halbzeit gegen die Überraschungsmannschaft Irland (ebenso hinterher Gruppendritter wie Portugal) mit 0:1 hinter ihren Erwartungen, konnten sich aber am Ende mit 2:1 durchsetzen. Ihr nächster Gegner Island legte ohnehin einen guten Start hin, immerhin nach der Vorrunde in derselben Gruppe F wie Portugal Zweiter wurde.

Allerdings stellte die Nationalmannschaft Frankreichs seine Klasse unter Beweis, bezwang Island sehr deutlich im Viertelfinale mit 5:2, um im Halbfinale noch eins draufzusetzen, den Weltmeister Deutschland mit 2:0 aus dem Wettbewerb zu fegen.

Drei Siege und drei Unentschieden mit 14 Toren am Ende Sieger

Die Seleção tat sich zunächst mal schwer, in der Vorrunde reichte es nur für drei Unentschieden, gegen Island 1:1, die Partie gegen Österreich blieb mit dem 0:0 torlos und dem stark aufspielenden Ungarn, welches in der Gruppe F am Ende Gruppenerster wurde, setzte Portugal eine deutliche Grenze mit dem erzielten 3:3.

Im Achtelfinalspiel konnte man schon bangen, daß in der Verlängerung die Kroaten sie bezwingen, doch am Ende gelang Ricardo Quaresma in der 117. Spielminute der Siegtreffer. Die Dramatik nahm ihren Lauf, während in keinem seiner bisherigen sechs Spiele bis zum Finale ohne Verlängerung auskam, mußte Portugal im Viertelfinale ein zweites Mal sich beweisen, nach dem 1:1 erfolgte das Elfmeterschießen gegen die starken Polen, welches mit 5:4 Portugal für sich entschied. Zunächst dachte alle Welt, die dritte Überraschungsmannschaft Wales würde die Portugiesen im folgenden Halbfinalspiel stoppen, jedoch endete deren Traum von einem ersten Finalspiel, verlor Wales mit 0:2 ziemlich deutlich.

Portugals zweiter Anlauf fruchtete – Alltag nach dieser Fußball-EM

Vor zwölf Jahren stand Portugal das erste Mal in einem Finale der EM, genauso wie in der Gruppe A, wo sich die beiden Finalisten anfangs begegneten, Griechenland das Gastgeberland Portugal in der ersten Partie dieser EM mit 2:1 bezwingen konnte, endete die Niederlage Portugals, in der 57. Minute erzielte Angelos Charisteas den Siegtreffer für die Griechen, die somit zum ersten und einzigsten Mal Fußball-Europameister wurden.

Mit dem Foul gegen Christiano Ronaldo in der achten Spielminute durch Dimitri Payet, was man gar als gezielte Absicht werten kann, welches der englische Schiedsrichter bezeichnenderweise nicht mit einer gelben Karte ahndete, war die Seleção beinahe schon geschlagen, nachdem ihr Kapitän Minuten später weinend per Bahre vom Platz getragen werden mußte. Jedoch genau das beflügelte die Portugiesen mit entsprechendem Biß der Equipe tricolore zu trotzen, deren vielen Angriffe letztlich nicht fruchteten. Am Ende unterlag sie Portugal.

Und in Frankreich? Schon zu Beginn dieser EM herrschte ein simpler Stellvertreterkrieg der Hooligans auf den Straßen Frankreichs, von einer möglichen Terrorgefahr ganz abgesehen, die zum Glück letztlich ausblieb. Gleichwohl folgten während der EM etliche Proteste gegen die Regierungspolitik von Hollande, der meint, er könne es der BRD gleichtun mit Sozialabbau und Lohndumping. Der Alltag wird schnell wieder einkehren, im nächsten Jahr wählt unser westlicher Nachbar seinen 20. Präsident oder unter Umständen die erste Präsidentin.

Lotar Martin Kamm

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Einen an der Waffel haben

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Zuviel Dilettantismus verhindert fruchtbare Denkanstöße

Irgendwie und irgendwann hat man immer mal wieder einen Menschen getroffen, der einen an der Waffel hatte. Das führte zu leichten oder heftigen Kopfschütteln, einem kurzen Ärgernis, das meistens schnell wieder vergessen wurde, da es nicht von großer Bedeutung war, sich darüber lang und breit auszulassen.

Grob eingeteilt in zwei Arten gab es die, die generell nicht alle Tassen im Schrank haben oder diejenigen, bei denen Hopfen und Malz verloren sind, weil sie bewußt „einen an der Waffel haben“, für ihre wie auch immer geartete Ziele benutzt haben.

Bei erstgenannten ist es natürlich ein leichtes, diese Menschen zu diffamieren, zu belächeln, sich über sie lustig zu machen, weil ihnen der Verstand fehlt für kausale Zusammenhänge. Selbst heute noch werden Menschen, die an einer geistigen Behinderung leiden, als Deppen bezeichnet. Vielleicht weiß der ein oder andere noch, als es nahezu in jedem Dorf einen Dorfdeppen gab, wie oft diese Menschen zum Spielball höhnischer Beleidigungen wurden und dem Gespött ganzer Kindergenerationen.

Bei den zweitgenannten, die bei denen Hopfen und Malz verloren sind, findet man eher die Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen dem „einen an der Waffel haben“ bedienen, um sich dadurch Vorteile und Erfolge zu ergattern. Denn hierzu zählen Menschen, die durch ihre spitze Zunge oftmals mit hinterhältigen Anspielungen Unfrieden stiften.

Einen an der Waffel haben, ist laut den Ausführungen der Gebrüder Grimm auf den Ausdruck für den Mund als Waffe zurückzuführen. Genauer auf das Wort waffen, beziehungsweise waffeln, die in etwa die Bedeutung von Unsinn schwätzen haben. Die englischen Wörter to waffle, schwafeln und waffle, Geschwätz, deuten ebenfalls darauf hin. In unserer heutigen Sprachanwendung ist das Wort Geschwafel noch in Gebrauch für belangloses, unzusammenhängendes Gerede. Den kausalen Zusammenhang zwischen Mund und Waffe stellten die Gebrüder Grimm durch das Auf- und Abbewegen des Unterkiefers beim Sprechen an. Waffeln, waffen ist eher ein Lispeln, Flüstern, Stammeln, Murmeln. Dem Schwafler ist oft Böswilligkeit zu unterstellen, da er nicht offen, laut und deutlich seine Meinung kundtut und durch das Flüstern oftmals seinen Äußerungen einen Hauch von Geheimnis anheftet.

Zurzeit beschleicht einem immer öfter das Gefühl, von einer regelrechten Horde von Schwaflern umgeben zu sein, sodaß eine regelrechte Sprachlosigkeit, auch ob der vielen Anhänger dieser Schwafler sich in vielen Bevölkerungsschichten breit macht. Es bleibt vielen Menschen zunehmend einfach die Spucke weg, über den Unverstand und Dilettantismus einer immer größer werdenden Anzahl von Menschen, die auf sämtliche Phrasen, Parolen der Schwafler hereinfallen und den größten Unsinn für bare Münze nehmen. Bei einigen Menschen mag es daran liegen, denen da oben oder worauf auch immer sie mißgünstig gestimmt sind, es mal zu zeigen, weil sie selbst nicht in der Lage sind, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und sie zu analysieren, weil sie mit gehässigen Zoten geeigneter ihren Frust befriedigen können.

Wer schon einmal einen Menschen getroffen hat, dem die Spucke weg blieb, aufgrund eines Schockes oder einer weniger dramatischen Situation, der weiß, daß diese Menschen im günstigsten Fall recht schnell wieder ihre Sprache finden, tun sie das aber nicht, kann dies zu einer über tage- oder wochenlange Störung führen, in denen die Menschen langsam wieder lernen zu sprechen und sie über stammeln, flüstern, murmeln wieder zu ihrem Wortschatz finden.

Während also einige schwafeln, flüstern, stammeln, um andere Menschen intrigenhaft zu verletzen, einen an der Waffel haben, weil sie in bösartiger Form ihre Interessen durchsetzen wollen und andere flüstern, stammeln, murmeln, sie ihre Sprache verloren haben, wird es da nicht Zeit, den Schwaflern gemeinsam entgegenzutreten, indem man ihnen keine Beachtung schenkt, sondern die Beachtung all jenen zukommen läßt, die noch die Möglichkeit haben, Gehör zu finden und mit neuen Ideen und Gedankenanstößen dazu beitragen können, konstruktive Lösungen für die anstehenden Probleme in sozialen, wirtschaftlichen, politischen Bereichen zur Diskussion stellen?

Doris Mock-Kamm

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Humor schlägt Brücken in aussichtslosen Zeiten

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Vom Witz zur Satire, von der Glosse zum Zynismus

Was haben wir gelacht, es schmerzte gar der Bauch, weil fast verkümmerte Muskelstränge sich schlagartig und über einen längeren Zeitraum zusammenzogen beim Betrachten der Stummfilme mit Charlie Chaplin, Dick & Doof, eines Karl Valentin oder eines Peter Ustinov, dessen trockener englischer Humor besonders tiefsinnig eine Pointe nach der anderen jagte.

Medium Film oder Schauspiel vermag dies dem Zuschauer live und direkt vermitteln, beim Lesen einer Satire, Parodie oder Glosse spielen währenddessen unsere eigenen Bilder und Assoziationen im Kopf eine Rolle, um so eindringlicher vermögen wir mit gewissem Abstand, sie entsprechend gelassener zu analysieren. Im Ergebnis erreicht der gemeinsame Nenner, der Humor uns Menschen, schlägt dieser oft Brücken in aussichtslosen Zeiten.

Bierernst oder einfach nur rechthaberisch?

Wer legt fest, in wie weit künstlerische oder schriftstellerische Freiheit gehen darf, sich nach außen zu präsentieren? Im schlimmsten Fall eine Zensur bishin zum Verbot. Ansonsten vermögen Texte der Leserschaft durchaus unterschiedlich begegnen. Während der eine meint, scharfe Trennlinien und somit Maßstäbe setzen zu müssen, was z.B. eine Glosse darf, sollte oder beinhalten mag, übt der andere eine gewisse Nachsicht, läßt mehr Toleranz walten.

Beispiel gefällig? Sven Kummereincke schrieb fürs Hamburger Abendblatt die Glosse „La Merkel befahl la Niederlage“. Ein bierernster oder einfach rechthaberischer Besserwisser mag hierbei die Glosse an sich in Frage stellen. Kann man ohne weiteres. Aber werden wir dem Autor dabei auch gerecht? Geht es nicht vielmehr um die Botschaft von Inhalten, einer Hinterfragung bis hin, den Spiegel der Gesellschaft selbst vors ratlose Gesicht zu halten? Unbedingt. Genau das ist ihm mit Bestimmtheit gelungen, gerade in Zeiten verschwörungstheoretischer Machenschaften, die sogar tatsächlich zutreffen mögen im ein oder anderen Fall.

Situationskomik und abgrundtiefe Traurigkeit – eine Symbiose nicht ohne Folgen

Die besonders bei Clowns einhergeht. Sie sind es, die uns zwar zum Lachen bringen, dennoch äußerst scharf und hintersinnig uns Menschen letztlich vorführen. Manch einer verinnerlicht dies, bemerkt die Botschaft, andere wiederum wollen einfach nur unterhalten werden, alldieweil auch bei Clowns unterschiedliche Ambitionen stecken.

Das weite Feld des Humors läßt viele Facetten gelten, wenn er denn freimütig zugelassen wird, ohne den moralischen Zeigefinger beim geringsten Anlaß emporzuheben. Kritik erwünscht, aber konstruktiv sollte sie schon sein, will man am Ende nicht als Spaßbremse gelten.

Manchmal sollte man nicht nur die Kirche im Dorfe lassen, sondern bedenken: Humor darf keinesfalls verlorengehen in einer Welt voller gegenseitiger Gewalt. Welch Gratwanderung! Freude und Tod so dicht beieinander, wer mag hierbei noch lebensfroh in die Zukunft blicken? Optimisten, Karikaturisten, Satiriker und alle Kunstschaffende, erhebt Euch und sagt Nein zu solch Aussichten!

Lotar Martin Kamm

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Lucinde auf Kur

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Lucinde
reist mit ihrem Gesinde
wie jedes Jahr
zur Kur nach Spa.

Die Reise ist beschwerlich
und nicht ganz ungefährlich,
Mann, Kinder bleiben zu Hause,
sie genießt diese Pause

weit entfernt von der Heimat,
ein neues Leben findet statt.
Nicht die Bäder, Massagen
erquicken sie über Maßen,

sie hat viele Freunde hier,
sonnt sich mit ihnen im Spalier
auf der großen Terrasse,
damit man niemanden verpasse,

über den man mal reden kann,
arglos und ohne Belang.
Solange es einen nicht betrifft,
sprüht man ein klein wenig Gift.

Man kann ja nicht jeden mögen,
Lästern ist auch Gott gegeben.
Hier sind Sitte und Anstand
manchmal nur ein Vorwand,

um völlig ungezwungen
nicht nur den Zungen,
sondern auch den Körpern
Blöße zu geben, zu verwöhnen.

Die Zeit der Kur rennt vorbei,
Lucinde kauft noch allerlei
für die Liebsten, das Gesinde
trug all die Zeit eine Augenbinde,

es sich ja nicht versünde
ob der vielen Abgründe,
die sie zu Gesicht bekamen,
nächstens wollen erneut mitfahren.

Frisch erholt fährt Lucinde
Richtung Heimat ganz geschwinde,
die Zeit möge eilen,
um nochmals in Spa zu verweilen.

Nafia

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Vom Tanz zur Jagd ums goldene Kalb

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Satirischer Rückblick…

So viele Tränen wurden schon vergossen, Pulver verschossen, des Friedens willen manch einer im Stillen verzichtet. Und doch wird brutalst gerichtet, holt man sich nicht nur harmlose Schrammen, beim gemeinsamen Ziel eines „Wir zusammen“. Dann läßt man lieber Haß entflammen, der stets arglistige Wege sucht – oh, wie verrucht.

Während die Gesellschaft dem Trugschluß ewiger Jugend verfällt, wird simpelst manch Mär erzählt, das Altern verhöhnt, anstatt im Anschluß sich versöhnt. Kein Wunder, daß die Werbeindustrie so erfolgreich völlig ungeniert agiert. Auch sie hat es nicht kapiert, denn du bleibst ein Ich, selbst wenn die Lüge noch so widerlich. Am Ende muß es für sein Handeln geradestehen, da hülft kein Betteln oder Flehen.

Hereinspaziert ins reale Geschehen. Wenn der Sommer ins Wasser fällt, man sich fragt, was hierbei wohl zählt: die Erkenntnis vom Wettertrend und Prognosen? Mensch, mach dir nicht in die Hosen, klatsch lieber in die Händ‘, bevor das blühende Leben davonrennt, ins Gesicht weht der Wind, sei besser ein fröhliches Menschenkind.

Bedenke dabei, rechtes Geschmeiß steht längst in den Startlöchern, Pfeil und Bogen in den Köchern, ohne Scheiß. Und eins, zwei, drei wiederholt sich die Geschicht. Betrachtet bei Licht, möchte man schier platzen vor Wut, daß erneut emporkommt diese üble Brut. Oh, welch Schand, jene dermaßen süffisant und arrogant etwas von Ehre, Vaterland, Loyalität und Stolz beteuert. Merkt ihr’s nicht, seid so bescheuert, was da auf euch zukriecht?

Und wenn die Staatsmacht sich doch durchsetzt, zusammen mit der Technik den Humanismus nonstop verletzt? Mensch in die Ecke gedrängt? Wer hat sie in jene Sackgasse gelenkt? Nachts im Schaufenster kannst du sie wispern hören, jene Stimmen niemand stören, weil sie ganz leise sich unterhalten, während Gesellschaften sich spalten, Moral und Ethik längst verhallten.

Chancengleichheit nur Lippenbekenntnisse der Ellenbogengesellschaft, in Wirklichkeit gehört sie letztlich abgeschafft. Doch niemand sich aufrafft, den Schritt zu vollziehen. Man kann durchaus jedem Konsumrausch entfliehen. Menschheit erneut am Scheideweg steht, seht nur, wohin sie geht. Anstatt gewonnene Erkenntnisse umzusetzen, fährt sie fort, sich gegenseitig zu verletzen. Da wird bereits ein ganzer Staat gemobbt, nicht nur Unmengen an Geld verzockt, sondern perfide gelockt. Hauptsache initiierte Macht verbreiten – keine guten Zeiten erneut uns entgegengleiten.

Lotar Martin Kamm

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Mobbing eines ganzen Staates

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Mehr Zeit für Bürgernähe fordert der Redner

Wenn ein ganzer Staat gemobbt wird, auf Ihren Zwischenruf werde ich noch eingehen, also wenn ein ganzer Staat gemobbt wird, dann können wir analog von Tätern und Opfern sprechen. Das Opfer Staat und die Täter, die sich dadurch in den Vordergrund bringen, ins Rampenlicht. In diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit negativer Aufmerksamkeit, schlechte Kritik bringt auch Schlagzeilen. Ihre Zwischenrufe bestätigen doch nur die Richtigkeit meiner Ausführungen, Ihnen zuliebe werde ich in einfachen Worten diesen Sachverhalt klären, damit Sie die Möglichkeiten bekommen, Ihr Verhalten zu verstehen.

Das Kleinkind, das unbedingt Beachtung erhaschen will, schafft dies am schnellsten, wenn es nörgelt, schreit oder die DVD-Sammlung ausräumt, um sich dem knirschenden Geräusch hinzugeben, das entsteht, wenn man darauf hüpft. Nicht unbedingt in all diesen Fällen liegt Arglist dahinter, so kann es ohne weiteres natürlich beim Schreien oder Nörgeln um reelle Bedürfnisse von Hunger, Durst, Schmerzen oder einer vollen Windel gehen und das Ausräumen des Schrankes kann nur dazu dienen, die Umwelt genauer in Augenschein zu nehmen, sozusagen, learning by doing. Diesen englischen Ausspruch können Sie doch nachvollziehen, oder?

Aus den erwähnten Beispielen erfolgen logischerweise Reaktionen von den Eltern, Geschwistern oder anderen Beziehungspersonen. Und um es vorweg zu nehmen, dies ist noch kein Mobbing. Auf Grund der Reaktionen, die dem Kleinkind widerfahren, zieht es kausale Zusammenhänge und speichert die Reflektionen auf sein Handeln ab. Je öfter die Reaktionen sich gleichen, desto besser lernt das Kleinkind „die Regel“. Diese „Regel“ wird das Kleinkind nach und nach unbewußter wahrnehmen und sein Verhalten danach richten.

Unter Geschwistern oder mit Gleichaltrigen im Kindergarten erlebt das Kind bei Problemstellungen um den „Kampf“ einer bestimmten Puppe, Auto oder Beachtung durch die Erzieher wiederum eine neue „Regel“. Diesmal allerdings bezieht das Kind in die Zusammenhänge der „Regel“ auch den Erfolg oder Mißerfolg des Gegenübers mit ein. Ab hier kann man von „kindlichen Mobbing“ sprechen, wenn das Kind hinterrücks ein anderes Kind schubst, ihm ein Spielzeug entwendet und auf Nachfragen erklärt, es nicht getan zu haben. Je öfter ein Kind merkt, daß sein Verhalten ohne „Ermahnung“ bleibt und eventuell es sogar gewisse Lacher und Zuspruch durch andere Kinder bekommt, dann beginnt hier die „Regel“, je unschuldiger oder frecher, nicht verwechseln mit stärker, ich mich verhalte, desto mehr Erfolg habe ich mit meinem Handeln.

Das macht natürlich noch kein Kind zum Mobber als Erwachsener. Denn den Lerneffekt von diesem Verhalten erleben alle Kinder gemeinsam und ziehen ihre Schlüsse daraus. Es ist eine Kollektiverfahrung. Diese Kollektiverfahrung zieht sich durch die Kindergarten- und Schulzeit, jeder ist ihm ausgesetzt und handelt entsprechend seiner, für ihn als Erfolg meßbarem Handeln, in entsprechender Weise.

Nein, Ihr Einwand ist auf keinen Fall hier relevant, da das Erfolgsprinzip für jeden Menschen gilt, oder unterstellen Sie sich selber, Ihr Handeln nach beabsichtigtem Mißerfolg zu richten?

Aber verlassen wir nun die zwischenmenschlichen Persönlichkeitsstrukturen, denn die Mannigfaltigkeit der psychologischen Hintergründe der Täter, ihrer eventuellen Bewunderer und Mitläufer und der Opfer ist zu vielfältig, um sie hier in aller Ausführlichkeit wiederzugeben. Verbleiben wir bei der Grundstruktur von Mobbing, auch wenn diese schon nicht so einfach oberflächlich wiederzugeben ist. Wenn ich eingangs vom Mobbing eines ganzen Staates gesprochen habe, so ist in diesem Fall das Opfer Staat nicht so ganz unschuldig. Da das Verhalten des Staates bezüglich seiner Verantwortung gegenüber dem Volk nicht fehlerfrei vonstattengehen kann, gleiches Recht für alle, keiner ist fehlerfrei, die Bemühungen vollzogene Fehler zu korrigieren ausblieben, ist es berechtigt, die Verantwortlichen zu ermahnen und Verbesserungen anzustreben.

Ein ganz normaler Verlauf und in einer Demokratie eine Selbstverständlichkeit. Keine Selbstverständlichkeit allerdings ist es, durch gezieltes Schüren von Angst, Streuen von Lügen, nach dem Motto, überall hängt ein bißchen Wahrheit, Verunglimpfungen und Drohungen von Personen als Mittel zur Durchsetzung von Lösungsvorschlägen anzuwenden. Wer durch Lügen, Diffamierungen, Verleumdungen sich das Recht und den Zuspruch erwirken will, seine Lösungsansätze wären die einzig wahre Möglichkeit zur „Wiederherstellung“ eines perfekten Staates, der wird Schiffbruch erleiden. Es sei denn, und hier kommt die Mobbingmöglichkeit zum Zuge, man hetzt mittels Phrasen einzelne Bevölkerungsstrukturen aufeinander, läßt hämisch unterlegte Bemerkungen zu Diffamierungszwecken verbreiten, trotzt bewußt Wertevorstellungen, die noch nicht gänzlich zur „Tradition“ gezählt werden und schürt Existenzängste in sozialen, nationalen, gesellschaftlichen Bereichen.

Ab hier ist jeder Versuch eines Opfers, sich aus diesen Vorwürfen zu befreien der gleiche Erfolg wie der einer Fliege, die im Spinnennetz gefangen, und jedes Bemühen sich zu befreien, sie nur noch mehr verstrickt. Kaum ein Mobbingopfer kann sich ohne Hilfe aus diesen Fängen befreien. Da die Täter meistens am besten agieren, wenn ihr Erfolg von möglichst vielen gesehen und beklatscht werden kann, werden Gleichgesinnte, beziehungsweise aus den verschiedensten Beweggründen Menschen, die aus diesem Treiben Vorteile erzielen können, zur Seite stehen, um sich mit dem Täter im Rampenlicht zu sonnen. Interessant, daß der Herr Zwischenrufer seinen Platz, gefolgt von seinen Parteifreunden, verläßt und an der Schlußausführung kein Interesse zeigt.

Also, wenn der Staat gemobbt wird, kann es nur eine schlichte Antwort darauf geben, und zwar ein gezieltes Desinteresse an den Tätern. Solange sie die Möglichkeit bekommen, im Lichte zu glänzen, werden sie ihr Verhalten nicht ändern. Andererseits muß der Staat dafür Sorge tragen, daß neue konstruktive Ideen diskutiert werden und Anwendungen finden. Es wird Zeit für mehr Bürgernähe und Diskussionspodien landesweit, denn die größte, schönste Perle kann sich in der unauffälligsten Muschel befinden.

Doris Mock-Kamm

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Menschheit am Scheideweg lebensnotwendiger Maßnahmen

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Humanismus im Gefängnis eigener Verfehlungen

Einfach mal durchatmen, aufgestauten Frust bestenfalls ignorieren, sich fallenlassen in der Gewißheit, daß Entspannung nicht nur gesundheitlich förderlich, sondern der unruhige Geist neue Kräfte sammelt, um sich vor den Herausforderungen des Alltags zu wappnen. Welch schöne Vorstellung, die jedem angeraten, sie anzuwenden.

Wir benötigen den Abstand, die Gelassenheit und Ruhe, alldieweil nicht nur im Arbeitsleben genügend Herausforderungen uns beschäftigen bis hin zu Widrigkeiten, sondern darüber hinaus die Flut der Nachrichten, die direkt uns betreffenden Probleme, sei es in der Familie selbst, im Freundes- oder Bekanntenkreis. Mensch reagiert eben jeder auf seine Weise.

Obwohl wir tagtäglich versuchen, unser Leben in den Griff zu bekommen, offenbaren sich genauso die Momente bestimmter Erkenntnisse, denen zumeist ein Zusammenbruch vorausgeht. Jahrzehntelang können wir durchaus funktionieren in einer trügerisch heilen Welt, bis ein bestimmtes Schlüsselerlebnis diese ins Wanken bringt, ausgelöst durch ganz unterschiedliche Ereignisse, der Tod eines Freundes, sehr hohe plötzliche Schulden, der unvorhergesehene Arbeitsplatzverlust, der Lebenspartner sich trennt.

Spannungen in der Familie belasten die Gesellschaft

Wenn Menschen zusammenleben, wird es immer Streitereien geben, das läßt sich keineswegs vermeiden, da wir alle Individuen sind und daher nicht in allem einer Meinung sein können. Doch die Kommunikation dient uns dazu, in den verbalen Auseinandersetzungen über gegenseitige Kompromißbereitschaft die Konflikte zu beheben und so auch zu schlichten. So weit so gut. In dem Augenblick, wo das Gespräch ein Ende findet und Gewalt einsetzt, auch ein Anschreien muß als der Beginn von Gewalt bezeichnet werden, wird der „Kriegsschauplatz“ eröffnet.

Wir können in Familien durchaus damit umgehen, wenn wir schnellstmöglich erst gar nicht eine Fortsetzung dieser einmal entstandenen Gewalt zulassen und uns darüber hinaus professionelle Hilfe holen. Klingt sehr einsichtig, in der Praxis schaut es jedoch leider anders aus. Familien zerbrechen an Gewaltexzessen, die generell insgesamt in der Gesellschaft zugenommen haben. Hierbei spielen äußere Umstände wie Massenarbeitslosigkeit, eine generelle Verrohung in der Gesellschaft, aber auch die Medien sowie zunehmende Armut eine große Rolle, um den Gewaltformen in und außerhalb der Familien eine neue Dimension der Zunahme zu begünstigen.

Haben oder Sein – Fehlentwicklung überdeutlich

Erich Fromm ließ es sich keineswegs nehmen, in seinem wichtigsten immer noch hochaktuellen Buch, „Haben oder Sein„, wo er unmißverständlich die westlich orientierte Industriegesellschaft an den Pranger stellt, die Auswüchse eines nimmersatten Kapitalismus im stetigen Konsumrausch zu bemängeln, wobei das eigentlich Wahrhaftige viel zu kurz kommt: das Sein.

Der Mensch im Strudel einer immer oberflächlicher werdenden Gesellschaft, selbstverloren und orientierungslos zwischen den Fronten verweilend. Kein Wunder, daß Drogenkonsum, Gewaltszenarien neben sozialer Verelendung weiterhin zunehmen, sich Parallelwelten ganz besonders in bestimmten Großstadtmetropolen bilden, die Gesellschaft selbst ins Ungleichgewicht gerät, was zwischenmenschliches Zusammenleben anbelangt.

Rückbesinnung hin zu einer Welt tatsächlicher Gerechtigkeit

Hand aufs Herz, schauen Sie sich um, kann man angesichts weltweiter Kriege, Zerstörung der Umwelt mittels Industrialisierung, einer unübersehbaren Kluft zwischen Armut und Reichtum noch von einer gerechten Welt sprechen, in der Menschen im Einklang mit sich selbst und der Natur zusammenleben? Mitnichten.

Solange jene Entwicklung anhält, sind sämtliche Menschen und deren Folgegenerationen dazu aufgefordert, sie zu stoppen, bevor es zu spät ist. In sofern sich zurück besinnen, was das generelle Dasein von uns allen abverlangt. Worauf warten wir noch?

Lotar Martin Kamm

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