Es geschah vor 40 Jahren (21. bis 27. Juni 1976)

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Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zur 17. Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, eher der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Für all jene, die Interesse haben, was da im Hintergrund geschieht, bis solch eine Sendung aufgenommen, ein paar Infos zur Technik und Ausstattung:

Die Kulisse stammt noch aus meinen beruflichen Zeiten im Schloßtheater Neuwied, bestehend aus zwei Wänden, zwei Portalwänden und einem Sturz mit dahinter gespanntem Stoff, per Klettverschluß befestigt.

Ausgeleuchtet mit zwei alten Scheinwerfern, zum einen einem „Mettmann – 1.000 Watt“, zum anderen einem „Strand Lighting – 650 Watt“, aufgenommen mit einer Samsung Video-Kamera.

Ständig wechselnde Bilder (Skulpturen) von uns an linker, großer Wand

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr eine Aneinanderreihung von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

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NATO fördert US-amerikanische Destabilisierung Europas

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Ziel des Hegemon: Russland mit allen Mitteln zu provozieren

Vorneweg ein NATO-Generalsekretär, ohnehin Gallionsfigur in einem globalen Schachspiel, in welchem zwar nett formulierte Friedensabsichten verkündet werden, den weiteren Verlauf wie schon stets zuvor Kriege bestimmen zum Leidwesen betroffener Völker.

Was nützen angeblich gutgemeint vorgeschaltete Organisationen und Bündnisse, denken wir an die UNO, Amnesty International oder ausgerechnet eine NATO, die mal als Bollwerk gegen einen sowjetisch-kommunistischen Ostblock gegründet wurde? Man bedenke, der Warschauer Vertrag folgte erst sechs Jahre später, danach setzte die Spirale des Wettrüstens ein, die Eskalation des Kalten Krieges begann.

BRD chancenlos dem Kurs der USA ausgesetzt

Da keimte noch Hoffnung auf bei den Bemühungen der SPD-Regierung unter Willy Brandt, als ein Egon Bahr entscheidend mit von der Partie in den Ostgesprächen- und Verhandlungen, die Entspannungspolitik im Anschluß sich fortsetzte, ein Herbert Wehner in Moskau ein- und ausging. Spätestens mit Helmut Schmidts NATO-Doppelbeschluß, mit dessen politischen Freund Henry Kissinger, wurde deutlich, auf wessen Seite die BRD stand: den USA fortan verpflichtet.

Zusammen mit dem „Dicken“, einem Ronald Reagan, trotz dem Fall der Mauer, des Eisernen Vorhangs, hielten die USA an ihrem Ziel fest, Russland mit allen Mitteln zu provozieren. Deutlich sichtbar fördert die NATO den Weg einer US-amerikanischen Destabilisierung Europas, selbst der heute abzustimmende Brexit darf mit einbezogen werden, wenn es darum geht, die Wirtschaftsmacht USA, den Dollar zu stärken, alle Szenarien zu mobilisieren, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Steinmeiers NATO-Kritik offenbart ein viel zu zaghaftes Veto

Welches obendrein zu spät erfolgt, die Karten sind längst gemischt in einem perfiden Spiel, dessen Ende kein Mensch wirklich voraussehen, höchstens erahnen vermag. Selbst ein herbeigeeilter Gernot Erler, in seiner wichtigen Aufgabe als Russlandbeauftragter der Bundesregierung, entsinnt sich zwar plötzlich der alten Gedankengänge einer friedliebenderen SPD, warnt daher vor einer Eskalationsspirale „bis hin zum Krieg“, doch dieses Déjà-vu nützt nichts mehr angesichts der nahezu unaufhaltbaren Entwicklung.

Inzwischen hat sich Wladimir Putin auf die NATO-Provokation eingestellt, droht seinerseits mit Aufrüstung, während Frau Merkel nichts besseres einfällt, als in mehr Rüstung zu investieren, eine ganz klare Absichtserklärung dieser Kanzlerin: die Fortsetzung ihres „Kadavergehorsams“ seit der Solidaritätsbekundung zum damals bevorstehenden Irak-Kriegseinsatz als Antwort zum Nein von Gerhard Schröder.

Die USA schüren unbegründete Ängste

Binnen weniger Stunden könnte eine russische Panzer-Übermacht Vater Rhein überqueren, die BRD quasi überrollen oder wie Europas Befehlshaber der US-Army, General Hodges, zu bedenken gab, das Baltikum sei nicht zu verteidigen vor einer russischen Invasion.

Dabei dient in jener Argumentationskette die angebliche Annexion der Krim. Kein Wort zum inszenierten Maidan-Putsch seitens US-Europas, was Putin veranlaßte, die Krim-Bevölkerung vor Repressalien ukrainischer Nazis zu schützen. Gregor Gysi darf und kann weitergehen mit der berechtigten Kritik zu den NATO-Manövern an russischer Grenze, wundert sich über Steinmeiers späte Einsicht, zugleich auch über mangelnde Gedenkaktionen zum Überfall auf die UdSSR vor 75 Jahren.

Fazit zum dramatischen Geschehen:

Stell dir mal vor, Russland hat noch nie Europa angegriffen, umgekehrt geschah dies schon. Während es einen neu ernannten Hegemon immer weiter gen Osten trieb, setzt er nunmehr auf Sieg im bevorstehenden Krieg. Stell dir mal vor, wir wollen das nicht, du Tor, daher Widerstand jetzt oberste Pflicht!

Lotar Martin Kamm

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Ich habe fertig

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flickr.com/ PAN Photo Agency/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Kein Fiasko des ehemaligen Trainers vom FC Bayern München

Wer kennt sie nicht, diese drei Wörter, diesen einen Satz, der alles, aber auch wirklich alles auf den Punkt bringt? „Ich habe fertig!“

Giovanni Trapattonis Statement bei der Pressekonferenz am 10. März 1998, nachdem FC Bayern München gegen FC Schalke 04 verloren hatte. Nicht zu vergessen, der ebenso bei dieser Rede gefallene Ausdruck: „…waren schwach wie eine Flasche leer.“

Woran liegt es, daß Giovanni Trapattonis Aussagen bei dieser Pressekonferenz immer noch im Gedächtnis haften? Die Niederlage, die Bayern München damals hinnehmen mußte, ist längst Schnee von gestern oder interessiert höchstens noch Statistiker, die alle Tore, Niederlagen, Gewinne, Elfmeterschießen, Fouls, Abseits des Vereins auflisten, um bei passender Gelegenheit mit dem Wissen oder etwaigen Vergleichen zu anderen Vereinen sich brüsten zu können.

Schätzungsweise ist es auch nicht unbedingt seine Art, sich über ein Ärgernis Luft zu machen, sein Temperament, das sich hier präsentiert hat. Es ist doch wohl eher die Tatsache, daß mit „ich habe fertig“ und „waren schwach wie eine Flasche leer“ genau den Aussagepunkt, den Nerv, die Erklärung für die Situation und über die Situation geäußert wurde. Treffender geht’s nicht.

Oder blieben noch Fragen übrig? Was uns alle veranlaßt, diese Sätze zu wiederholen, ist ihre Essenz. Obwohl sie nach grammatikalischen Regeln der deutschen Sprache nicht richtig formuliert wurden und eher eine Eigenkreation darstellen, so muß man diesen Ausdrücken trotz ihrer Eigenwilligkeit, ihrem aussagekräftigen Sinn zusprechen.

Ich bin fertig mit meiner Arbeit, ich habe meine Arbeit fertiggestellt, damit bringen wir zum Ausdruck, etwas wurde zu Ende gebracht. Der Ursprung des Wortes fertig, althochdeutsch fartīg, niederländisch vaardig, niederdeutsch fardig bedeutete zur Fahrt fertig, reisebereit, auf dem Sprung stehend. Das Wort ist verwandt mit parare, zur Fahrt rüsten.

Sicher ist Ihnen der Ausdruck „du Flasche“ bekannt, der besagt, daß jemand unfähig ist, er nutzlos sei. „Flasche leer“ ist demzufolge noch eine Steigerung dieses Ausdruckes. Im Italienischen gibt es nachweislich seit dem 18. Jahrhundert den Ausdruck „fiasco“ für einen Mißerfolg, Fehlschlag, kleinere und größere Katastrophen. Schauspieler, Publikum, Kritiker nannten ein Theaterstück, das keinen Erfolg hatte oder die Aufführung mißraten war, „fiasco“.

Warum das Publikum so eine Vorstellung „far fiasco“, also „Flasche machen“ genannt hat, darüber gibt es etliche Theorien, die wie Theorien so sind, eben nicht hundertprozentig nachweisbar. Eigentlich heißt fiasco einfach eine bauchige Weinflasche. Das Fiasko kam über die französische Sprache und über E.T.A. Hoffmann und Heinrich Heine in unseren Sprachgebrauch. „Flasche leer“ ist also demnach eine Steigerung von einer Unfähigkeit zur totalen Unfähigkeit. Insoweit hat Giovanni Trapattoni durch die Vermischung der beiden Sprachgebräuche eine neue hinzugefügt.

Da Sprachen, hoffen wir, daß es so bleibt, eine „lebendige“ Vielfalt der Ausdrucksformen über Jahrhunderte durchleben, so kann es durchaus möglich sein, daß „waren schwach wie Flasche leer“ und „ich habe fertig“ in etlichen Jahren im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr als „exotisch“ klingend auffallen.

Doris Mock-Kamm

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Wo sind die kleinen Helfer hin?

 

© Andrea Dejon

© Andrea Dejon

 

Wo sind die kleinen Helfer hin – von Mutter Natur?
Was ist mit den Wiesenhelden da nur geschehen?
Sie tanzten einst mit dem Wind,
folgten dem Duft der Blüten blind.
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?

 

Wo sind die kleinen Helfer hin – von Mutter Natur?
Was ist mit den Wiesenhelden da nur geschehen?
Die Pflanzen wuchsen geschwind
voll Kraft und Mut wie ein Kind.
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?

Wo sind die kleinen Helfer hin – von Mutter Natur?
Was ist mit den Wiesenhelden da nur geschehen?
Blüten wandelten sich hier,
Früchte nährten Mensch und Tier.
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?

Wo sind die kleinen Helfer hin – von Mutter Natur?
Was ist mit den Wiesenhelden da nur geschehen?
Wasser kristallklar und rein,
zauberten einst Blütenhain.
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?

Wo sind die kleinen Helfer hin – von Mutter Natur?
Was ist mit den Wiesenhelden da nur geschehen?
Artenvielfalt im Donnerhall,
Farbenexplosion überall.

Wo sind die kleinen Helfer hin – von Mutter Natur?
Was ist mit den Wiesenhelden da nur geschehen?
Töne schwangen auf und nieder,
trugen in sich Wiegenlieder.
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?

Wo sind die kleinen Helfer hin – von Mutter Natur?
Was ist mit den Wiesenhelden da nur geschehen?
Sie tanzten einst mit dem Wind,
folgten dem Duft der Blüten blind.
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?

Andrea Dejon

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Chemie in Lebensmitteln: Ignoranz seitens TTIP, CETA und Politik

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Nein zum Palmöl im Essen – Aushebelung des Vorsorgeprinzips

Die globale Zerstörungswut greift immer weiter um sich, Mensch in seiner zunehmenden Verschwendungssucht scheint sich selbst und der Natur zuliebe keinerlei Grenzen zu setzen, außer einige beherzt Engagierte trotzen jenem Raubbau, leisten Widerstand auf unterschiedlichen Ebenen, von Bürgerbewegungen vor Ort bis hin zu groß organisierten Verbänden.

Obwohl schon ein erheblicher Bedarf herrscht, Palmölplantagen den Regenwald vernichten, Völker in Folge vertrieben werden, dies nicht nur für den umweltentlasteten Biosprit, sondern ebenso für die Lebensmittelbranche, schrecken all jene Profiteure keineswegs davor zurück, diesen gewinnbringenden Kurs unerschrocken fortzusetzen. Eine Nachfrage wird schlicht bedient, jedoch der Endverbraucher hat das leidvolle Nachsehen, oftmals unwissentlich.

EFSA bestätigt sogar gefährliche Giftstoffe im Palmöl

Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA), die nicht unbedingt einen guten Ruf genießt angesichts weitreichender Zusammenarbeit mit etlichen Lebensmittelkonzernen wie Nestlé, Kraft Foods oder Unilever, hat immerhin nach etlichen in Auftrag gegebenen Untersuchungen bekundet, daß die im Palmöl enthaltenen Glycidol-Fettsäureester Krebs erzeugen können als auch Erbgut und Organe zerstören. Der Rettet den Regenwald e.V. hat daraufhin diese Petition ins Leben gerufen.

Dennoch fühlt sich die Lebensmittelbranche kaum in der Pflicht, entsprechend zu reagieren, eine erfolgreiche Verbannung etlicher Gifte findet viel zu halbherzig statt, und dies auch nur nach heftigen Protesten seitens aufgebrachter Bürger. Nach mehreren Aufrufen, Informationsveranstaltungen und gut organisierten Demonstrationen, die obendrein medienwirksam begleitet werden, greifen schon mal deutliche Widerstände, entsteht Bewegung auf politischer Bühne. Ob es am Ende ausreicht, erleben wir just am Beispiel Glyphosat, wo das EU-Parlament gar die WHO-Einschätzung ignoriert.

Internationales Rechtsgutachten entlarvt die Aushebelung des Vorsorgeprinzips

Wie gestern foodwatch warnend beschrieb, Politik und Wirtschaft täusche uns über TTIP und CETA, was ohnehin schon längst in aller Munde derjenigen, die nicht auf die lobbygekauften Interessen mancher Volksvertreter hereinfallen. In sofern nichts neues. Trotzdem darf man sich wundern, mit welcher Dreistigkeit Politik die Menschen in die Irre führt, nach wie vor die Freihandelsabkommen CETA und TTIP gutheißt.

Es zählen nicht begründete Sorgen, man richtet sich nach dem Wirtschaftsdiktat des Konzernlobbyismus, selbst die neulichen Greenpeace-Enthüllungen, die sowieso längst im Vorfeld bekannt waren, wer genauer die Thematik verinnerlicht hatte, ändern nichts an dem Vorgehen seitens der Politik.

Solange viele bedenkenlos krankmachende Lebensmittel essen, einer verlogenen Politik sowie einer profitgeilen Industrie stets Freiräume zulassen, denken wir ans bevorstehend geplante TTIP, ändert sich kaum etwas. Jeder Verbraucher hat durchaus Möglichkeiten des Widerstands. Worauf noch warten?

Lotar Martin Kamm

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Zuckerbrot und Peitsche

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Eine fragwürdige Methode verharrt bis in die Gegenwart

„Bist du damit nicht zufrieden, gibt es gar nichts.“ „Wenn wir dieses Spiel jetzt nicht spielen, bist du nicht mehr mein Freund, Freundin.“ „Sei pünktlich Zuhause, sonst gibt es kein Abendbrot für dich.“ Zuckerbrot und Peitsche, hoffentlich nicht mehr in Erziehungsfragen eine angewandte Form.

Viele Kinder wurden mit dieser Methode groß und haben sie selbst auch bei ihren Kindern angewandt. Den Wert des Zuckerbrotes kann sicher nur noch von denjenigen verstanden werden, die den seltenen Genuß erleben durften, Zucker auf einer Scheibe Brot, wie wunderbar, wenn auch noch mit Butter bestrichen, ablecken durften. Über den Wert der Peitsche, Rohrstock, Teppichklopfer oder ähnliche Gegenstände, die zur Anwendung kamen, um dem Kind Gehorsam beizubringen, muß wohl nicht näher beschrieben werden.

Die Herkunft dieses Ausdruckes kommt allerdings aus den Zuckerrohrplantagen, bei Erhitzung des Zuckers bleibt in karamellisierter Form Zucker auf dem Boden des Topfes hängen, dieses Zuckerbrot wurde den Sklaven oft als Belohnung überlassen. Auch in diesem Zusammenhang braucht die Peitsche nicht näher erklärt werden, oder?

Bismarcks Politik wird gerne in Zusammenhang mit den Sozialgesetzgebungen als Zuckerbrot und Peitsche-Politik beschrieben, weil die Vermutung oder sogar der berechtigte Einwand nahelag, daß die Sozialgesetze nur die Funktion hatten, die Arbeiterklasse (und damit die sozialistische Bewegung) in den monarchischen Obrigkeitsstaat einzugliedern. Kurt Tucholsky veröffentlichte 1930 unter dem Pseudonym Theobald Tiger ein Gedicht, Zuckerbrot und Peitsche, in der Weltbühne.

Das Prinzip, Zuckerbrot und Peitsche, wird zurzeit auch in der Aufforderung „Fördern und Fordern“ im Zusammenhang mit Hartz IV angewandt. Auch hier ganz deutlich, parierst du nicht, wie ich es will, hat das negative Konsequenzen, machst du, was ich dir vorschreibe, passiert dir nichts. Diese Logik ist gespickt mit undifferenzierten Platitüden, die den Zweck verfolgen, Menschen in Wirklichkeit zu unterdrücken oder sie gefügig zu machen. Das Verhältnis ist Unterdrücker und Unterdrückte und nicht die Bemühung, auf gleicher Augenhöhe einen Disput zu klären.

Natürlich ist es nicht immer einfach, gerade im Hinblick auf das Zusammenleben mit Kindern und Jugendlichen, nicht selbst in dieses Muster zu verfallen, gerade in Streßsituationen. Dann kann schon mal das „Wenn-dann-Prinzip“ die Oberhand gewinnen und wird nicht zu großem Schaden führen, solange es nicht bei genereller Handhabung für Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kindern und Eltern bleibt.

Zuviel Lob kann zu Selbstüberschätzung, der Tadel oft zu Ängsten, Beklemmungen und Furcht führen, die letztendlich keine Vertrauensbasis schaffen. Gerade heutzutage, nein, eigentlich immer schon, sollte das „Wenn-dann-Prinzip“ nur sehr selten zum Einsatz kommen, es wird aber bei politischen, wirtschaftlichen, sozialen Entscheidungen permanent angewandt, und bist du nicht willig, wirst du sanktioniert.

Jeder Programmierer weiß, wie zeitaufwendig und mit welcher akribischen Genauigkeit aller möglichen Aspekte das „Wenn-dann–Prinzip“ eingesetzt werden muß, um ein funktionsfähiges, ohne große Anfälligkeiten und Fehlerhinweisen, Programm zu erstellen.

Wenn dieser Zeitaufwand auch für zwischenmenschliche Konflikte angewandt werden würde, dann wäre irgendwann „Zuckerbrot und Peitsche“ für immer Vergangenheit.

Doris Mock-Kamm

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Gewalt beschneidet die Freiheit des Einzelnen

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Zerstörung vs. Liebe – Mensch verwirkt seine Daseinsberechtigung?

Gewalt hat sehr viele Facetten, innerhalb der Familie, in Schulen, am Arbeitsplatz, auf der Straße oder in Kriegen. Stets findet sie Wege der Entfaltung, immer unerschrockener, ob im Alltag oder gegen Künstler, Politiker. Friedliche Kommunikation kommt zu kurz trotz weltweiter Vernetzung?

Letztlich beschneidet Gewalt die Freiheit des Einzelnen. Verwirkt Mensch in etwa seine Daseinsberechtigung, heißt es somit: Zerstörung vs. Liebe? Um es gleich mal vorwegzunehmen, die größte Kraft im Universum ist und bleibt die Liebe, weil sie bedingungslos dem Schöpfungsplan folgend sich weiterentwickelt trotz Naturgewalten und dem Haß, der Menschen innewohnt.

Wer erinnert sich noch an den 1970 erschienenen Song von Rio Raiser, „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, den im Anschluß die Hausbesetzerszene gern aufgriff? Damals nach den ersten großen Demos im kleinbürgerlichen Herzen Europas eine gewisse Signalwirkung? Im Grunde kann jeder freiheitsliebende Mensch nicht anders, als machtbessene Vorgaben von dannen zu jagen, unwichtig welch politischem Korsett sie dienen mögen, denken wir an den Mauerfall.

Doch was geschieht da eigentlich, wenn sich Neuzeitritter, in dem Fall Polizisten gut geschützt, der Politik gehorchend einem aufgebrachten Volk gegenüberstehen? Staatsgewalt sich schützend vor einem entrüsteten Volkswillen, der sich unverstanden fühlend Luft macht, siehe gen Nachbarland Frankreich, wo soziale Spannungen und Fußball-EM parallel für unterschiedliche Gewaltausbrüche sorgen? Minderheiten, und das sind sie weiterhin trotz Hunderttausender auf den Straßen gemessen an millionenfach Daheimgebliebenen, wollen per Gewalt den Weg der Politik fordernd bestimmen?

Umkehr von demokratisch legitimierter Politik hin zum Gesetz der Straße, wo Gewalt freien Lauf hat, ebenso all jene mitreißt, die dieser Wut nicht auf diese Weise folgen wollen? Wer bestimmt den Geruch der Anarchie, letztlich der Revolte, wieder einige als Alpha-Wesen im Rausch eigener Machtbestrebungen?

Im Grunde führt Gewalt als Akt enttäuschter Mißachtung, als Antwort, weil Sprache kein Gehör sich mehr verschaffen kann, immer wieder entweder zu verheerender Zerstörungswut, etliche Opfer in Kauf nehmend oder zu Gegengewalt, wenn der Angegriffene keineswegs kleinlaut beigibt. Eine Lösung mag da kaum folgen, außer man betrachtet Vernichtung als Chance, es möge anschließend neues entstehen, entlehnt aus der Beobachtung von Naturgewalten.

Dennoch verdrängt ein Klima der Oberflächlichkeit das Wesentliche, herrscht längst ein Defizit untereinander, was die Vielfalt des kommunikativen Austausches anbelangt. Sowohl das Zuhören verliert sich im Stakkato eines streßgeladenen Tagesablaufs genauso wie das daraus resultierende Weghören, das nicht mehr Wahrnehmen der vielen Töne im zwischenmenschlichen Miteinander.

Nicht weiter verwunderlich, daß daraus Mißverständnisse vorprogrammiert gar Vorurteile erst recht schüren, um den einmal eingeschlagenen Kurs des Unfriedens zu unterstreichen. Die Meßlatte gewisser Gewalteskalationen verliert dadurch zwangsläufig an Höhe, schnellere Gereiztheit sucht sich Ventile wie stets beim Schwächeren, um die eigene aufgestaute Aggression abzubauen. Dabei könnte sich vieles wesentlich harmonischer gestalten, wenn Mensch denn endlich begreifen würde: Gewalt führt nicht zum angedachten Ziel, sie ist darüberhinaus eine Saat für deren Fortsetzung.

Lotar Martin Kamm

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