Ins Gesicht weht der Wind

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Bin mir manchmal selbst ein fremdes Kind,
das aufrecht steht, ins Gesicht weht der Wind.

Der Trotz, die Sturheit sind auf die Stirn geschrieben,
egal was ich tu, ich kriege es nicht abgerieben.

Nur ein liebendes, freundliches Kind zu sein,
brennt in meinen Augen wie Sonnenschein.

Ich verstehe die Menschen, die Erwachsenen nicht,
scheinbar haben sie vergessen, zu leben, ich nicht.

Emotionen, Gedankenaustausch brauche ich zum Sein,
kein Verstecktes zum eigenen Vorteil, das tut man nicht, nein.

Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Respekt habt ihr mich gelehrt,
danach lechze ich, aber ihr selbst lebt in einem Lügenbett,

ihr traut euch nicht, zu stehen zu euerm eigenen Anstand,
tragt Masken und drückt damit die Wahrheit an die Wand.

Da bleib ich lieber das verschmähte, mir manchmal fremde Kind,
gemeinsam stehen wir aufrecht, ins Gesicht weht uns der Wind.

Nafia

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Wetter: Wenn der Sommer ins Wasser fällt

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Viel Nässe und zu kühl – nichts außergewöhnliches, oder doch?

Kaum ein Wort läßt Augen heftiger rollen, Unmut freien Lauf wie das Wort Wetter, das an fast allem schuld zu sein scheint. Ob bei einer Fußball-EM in Frankreich, auf der Fahrbahn, bei Partys oder Großveranstaltungen, spielt das Wetter verrückt, hat man schnell den Schuldigen ausgemacht.

Wenn der Sommer ins Wasser fällt, und bisherig hält der regenreiche Trend in weiten Teilen Deutschlands an, sinkt die Laune bei vielen, gerade in der einsetzenden Urlaubszeit daher der Weg zum Flughafen gen trocken-warmen Süden umso sehnsüchtiger stattfindet. Jene anhaltende Nässe begleitet mit eher kühlen Temperaturen nichts außergewöhnliches, oder doch?

Rückblicke extremer Wetterverhältnisse im Herzen Europas

Frost im Juli in Europa? Keine Sorge, danach schaut es trotz des bisherigen Verlaufs des derzeitigen Sommers nicht aus. Aber bekanntlich spielen heftige Vulkansausbrüche eine nicht unwesentliche Rolle aufs Wettergeschehen, so auch der Ausbruch des Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa im Jahr 1815. Ein Jahr später, also genau vor 200 Jahren beherrschte das „Jahr ohne Sommer“ weite Teile der nördlichen Halbkugel, somit ebenso Europa, es gab Frost im Juli, extreme Mißernten, die Menschen wanderten vermehrt aus.

Auf der anderen Seite die gegenteilig lange Liste der sogenannten Jahrhundertsommer. Neun Jahre zuvor gab es in Deutschland gleichauf wie im Jahre 2003 den heißesten August seit Beginn der offiziellen Wetteraufzeichnung (1761). Zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg beherrschte der sogenannte „Steppensommer“ Deutschland. Wer erinnert sich noch an die große Dürre in Europa im Sommer 1976, als die Wiesen ockerfarben bis braun das Landschaftsbild prägten? Im neuen Jahrtausend bzw. Jahrhundert folgten gleich vier Sommer mit extremen Hitzewellen: 2003, 2006, 2010 und der vom letzten Jahr. Ersterer war der längste bisher stattgefundene Sommer, der obendrein sämtliche Höchsttemperaturrekorde brach.

Prognosen und Wettertrend verheißen nichts gutes – Siebenschläfer keine Mär?

Werfen Sie einen Blick zum Wettergeschehen des 27. Juni, dem Siebenschläfertag. Die alte Bauernregel, eine aufgrund etlicher Jahre zurückliegenden Beobachtung zum Wettergeschehen der weiteren sieben Wochen mag man als Mär abtun, in Wirklichkeit haben sich aber dessen Prognosen in der Regel bestätigt.

Dürfen wir demnach auch in diesem Jahr eher mit einem naßkalten Sommer rechnen, selbst wenn er zaghaft hervorblinzeln soll? Vergessen wir dabei nicht, meteorologisch befinden wir uns längst im zweiten Drittel an diesem heutigen Tag, den die USA als ihren 240. Nationalfeiertag feiern. Länger anhaltendes Hochdruckwetter kündigt sich zunächst mal nicht an. Sehnsuchtsvoller Blick gen August, obwohl schon der Hochsommer mit solch kühl-naßem Wetter seinen Zenit erreicht hat, der ja bekanntlich von Mitte Juni bis Ende Juli dauert? Dann mögen es vielleicht die Hundstage (vom 23. Juli bis 23. August) richten, die in der Regel als die heißeren Sommertage gelten.

Lotar Martin Kamm

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Du bleibst ein Ich

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Als das Ich diese Welt betrat,
hatten zwei Menschen sich vereint,
das Ich ward ungefragt,
ob es wollte oder nicht,
ob es geschah mit Gewalt oder Liebe,
aus Freude oder Gewaltanwendung,
aus dem Akt wurde eins, ein Ich.

Das Ich gedieh
mit Fürsorge und Strenge,
bekam einen Namen,
damit man es erkenne
unter all den andern Ichs.
Es lernte Hunger, Wärme,
Wohlbefinden, Einsamkeit
und verglich verschiedene
Reaktionen, und merkte es sich.

Das Ich fühlte sein Sein
und ließ es die Umwelt spüren,
erste Reibungen entstanden,
Trotz, Wut, Verständnis, Liebe
wechselten sich ab,
Lachen, Weinen, Schmerz, Trauer,
Unterschiede bildeten sich
auf Dauer, die Persönlichkeit wuchs.

Das Ich lernte Wörter, Begriffe,
Zusammenhänge,
auch Ablehnungen, Zuspruch,
Freunde, Gegner,
mit Gleichgesinnten trieb das Ich
sich herum, das stärkte für später.
Mit der Zeit der Rebellion wuchs
Wissen und Kraft fürs Erwachsensein.

Das Ich verschleuderte seine
Jugendlichkeit mit vollen Händen,
alle aus Erfahrung gezogenen
Konsequenzen, bis der Körper
die erste Bremse zog.
Es begann ein Nachdenken,
vielleicht ein Umdenken,
das Ich in andere Bahnen zu lenken.

Das Ich resümierte, haderte eine Weile,
blieb sich treu, erkannte Fehler,
ging stur weiter voran, verzieh,
wurde verbittert, einsam oder aufgefangen
im Kreis von Verständigen, von Liebenden.
Am Tag des Abschieds aus dieser Welt
das Ich ward wieder ungefragt,
ob es wollte oder nicht,
ob es geschah mit Gewalt oder Liebe,
aus Freude oder Gewaltanwendung,
aus dem Akt blieb eins, sein Ich.

Nafia

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Gesellschaft: Trugschluss ewiger Jugend verhöhnt das Altern

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Arbeitsmarkt fördert Altersarmut

Eine freie Entfaltung der Jugend sei ihr unbedingt gegönnt, um dies gleich mal vorneweg zu betonen. Gibt es doch nichts schöneres, als sorgenlos in den Tag hinein zu leben, was interessiert schon die Zukunft, jetzt reißen wir Bäume aus, stellen die Welt auf den Kopf und zeigen es den Alten. Na, kommt Ihnen das bekannt vor?

Ganz genau, sie sind gemeint, die jenseits der 50 manchmal wehmütig zurückblicken auf ihre jüngeren Tage, nicht wissend, was da noch so alles auf sie zukommen mag. Älter werden, nichts leichter als das? Oder vielleicht doch viel eher schwieriger als uns die Gesellschaft glauben lassen will? Willkommen in der Wirklichkeit, die manchen eben nicht weich auffängt, sondern ihr eher hart entgegenblickt.

Der Geist mag willig sein, der Körper dennoch versagt

Vieles vermag der Geist zu meistern, läuft er doch teilweise in Hochform auf, bedenken wir, daß bei Bedarf jede Menge Erfahrung abgerufen werden kann, die der Jüngere erst mal sich anzueignen hat. Dennoch häufen sich die Momente, wo Geist und Körper eben nicht mehr im Einklang miteinander harmonieren. Während manche Menschen schon ziemlich früh zu altern beginnen, das verhält sich halt so unterschiedlich, wie Organismen ohnehin selbst sind, vermögen andere wiederum bis ins hohe Alter hinein, nicht nur jung auszusehen, sondern besitzen noch ungeahnte physische Kräfte.

Natürlich kann ein jeder ein Stückweit vorbeugend die eigene Fitness sich bewahren, was auf diese Weise dazu beiträgt, den Altersprozeß zu verlangsamen, dennoch wirklich aufhalten kann ihn real niemand. Auf eine einfache Formel gebracht, verhöhnt dabei der ewige Jugendwahn nicht die Alten?

Werbeindustrie verlogener denn je

An jeder Ecke, auf jedem Plakat blicken uns die ewig junggebliebenen Alten entgegen, erst recht wer denn die Glotze einschaltet. Da läuft eine angeblich über 50-Jährige gazellengleich mit der Haut einer 30-Jährigen barfüßig über den sterilsauberen Laminatfußboden, das Licht dem erstaunten Zuschauer strahlend hell jede Pazifikinsel am Äquator toppt, Hauptsache der passive Konsument verfällt dem Irrtum, mittels etwas entsprechender Creme sein Altern aufzuhalten, ihn wesentlich jünger aussehen zu lassen. Schön, wenn so viele Verbraucher nach diesen Vorgaben handeln, das Konzept der Werbeindustrie aufgeht.

Machen wir es uns hierbei nicht ein wenig zu leicht, weil in Wirklichkeit stets die Gesellschaft bestimmt, was sie will und eben was nicht? Wir dürfen uns nicht wundern, wenn der Traum vom ewigen Jungsein meist platzt, spätestens, wenn mit den ersten Falten, dem Nachlassen der Kondition und dem Verblassen bestimmter Erinnerungen uns knallhart aufgezeigt wird, daß wir in die Jahre gekommen!

Eigentlich sollte uns das keineswegs ängstigen. Und doch nagen ständig Selbstzweifel an uns, die allesamt ganz viel mit dem verlogenen Verhalten dieser Gesellschaft zusammenhängen. Es verträgt sich eben nicht, die Ignoranz des Altwerdens mit dem Anspruch nach außen hin stets jung zu bleiben. Ganz einfach: Die Menschen werden halt alt, na und? Steckt ebenso das Sterben, das Tabu des Todes mit dahinter, weil weiterhin immer noch verdrängt wird? Ob nun Madonna mit zu denjenigen gehört, die per Botox-Behandlungen und Schönheitsoperationen ihr natürliches Alter retuschieren, bleibt mal dahingestellt, dadurch erreicht auch sie keine Unsterblichkeit, weil Äußerlichkeit eben das wahre Alter nicht aufhalten kann.

Renteneintrittsalter und Arbeitsmarkt keineswegs kompatibel

Deshalb paßt da was nicht zusammen: Auf der einen Seite die dramatische Weichenstellung der Politik, was das Renteneintrittsalter nach oben anbelangt, der real physisch-psychisch stattfindende Altersprozeß und auf der anderen Seite Arbeitsmärkte, die ältere Bewerber nicht berücksichtigen, sondern viel eher jüngere einstellen. Es nutzen keine Hochglanzbroschüren, vollmundige Podiumsdiskussionen und Lippenbekenntnisse quer durch sämtliche politisch-wirtschaftlichen Institutionen, wenn die Wirklichkeit uns Lügen straft. Die Alten haben den Hut zu nehmen, die Jungen rücken nach. Punkt!

Ohnehin übersieht die verantwortliche Politik nicht nur den Umstand, daß Menschen heutzutage viel älter werden als früher, sondern genau deshalb in naher Zukunft schon wesentlich das Gesellschaftsbild prägen, alldieweil die Geburtenrate äußerst gering. Nonchalant Menschen bis 70 arbeiten lassen zu müssen, mag ja in den Vorstellungen der Köpfe von Politikern sich theoretisch prima einfach per Gesetz verordnen, in der Praxis blickt ihnen schon sehr bald eine rollende Lawine der Altersarmut entgegen. Doch das wird einfach ausgeblendet. Merkwürdig kaltschnäuzig offenbart die Politik dabei ihre eigentliche Entfernung vom Volk, wobei gerade die Alten von morgen diejenigen sein werden, die als Wähler einen gewissen Einfluß haben, wer Politik gestaltet und wer nicht.

Lotar Martin Kamm

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Wir zusammen

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Wenn ich euch erzähle,
wieviele Tränen ich vergossen habe,
weil ich Prügel bezog,
sollt ihr nicht weinen.

Wenn ich euch erzähle,
wieviele Tränen ich vergossen habe,
weil ich ausgenutzt wurde,
sollt ihr nicht weinen.

Wenn ich euch erzähle,
wieviele Tränen ich vergossen habe,
weil ich diskriminiert wurde,
sollt ihr nicht weinen.

Wenn ich euch erzähle,
wieviele Tränen ich vergossen habe,
weil meine Liebe mißbraucht wurde,
sollt ihr nicht weinen.

Wenn ich euch erzähle,
wieviele Tränen ich vergossen habe,
weil Schmerzen mich plagten,
sollt ihr nicht weinen.

Einige dieser Tränen sind längst getrocknet,
viele sind zu einem Ring angeschwollen,
umgeben mich als Schutzwall,
diese Tränen sind mein Besitz.

Wenn ich euch aber erzähle,
wieviele Tränen ich vergossen habe,
ob der Ungerechtigkeit,
ob der Empathielosigkeit,
ob der Mißgunst,
ob des Hasses,
das seit Jahrhunderten
die Menschen in arm und reich,
in würdig und unwürdig
einteilt,
dann, ja dann will ich,
daß ihr weint,
mit mir gemeinsam weint,
damit all unsere Tränen
endlich die Dämme
einbrechen, die bis jetzt
verhindert haben,
zu erkennen,
wir alle sind umgeben vom Tränenmeer,
und deshalb sind wir alle gleich.

Nafia

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Europa ohne Netz und doppelten Boden

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Satirischer Rückblick…

Wer hat dabei wohl den größten Profit? Oh, shit, erneut die US-Amerikaner, trinkt drauf nen Paulaner oder laßt es bleiben, sie tun sich ohnehin ihre Hände reiben. Viele haben eines nicht bedacht: Lug und Trug kommen daher schwarz wie die Nacht, haben Intrigen im Gepäck für uns mitgebracht.

Oder sollten wir besser die Kirche im Dorfe lassen angesichts solch Hassen? Schließlich führen jene stets Ehre, Stolz und Loyalität auf, hauen aber selbst immerfort drauf, um klare Verhältnisse zu vertuschen, fordern selbstgefälliges Kuschen vor ihrer Doktrin. Ick glob, die ham allesamt nen Spleen! Und während Veränderung Chancen neuer Erkenntnisse birgt, hat jener rechtspopulistische Haufen jedwedes Recht verwirkt, da hülft och keen Saufen.

Doch bevor es soweit: Liebe überdauert alle Zeit, viel Lachen verhindert unnötigen Streit, laßt es krachen und verzettelt Euch nicht, am Ende stehen wir alle so oder so vorm Jüngsten Gericht. Kein Schreck oder Graus, der Weltuntergang fällt zunächst aus. But instead: „There may be trouble ahead?“ Der Brexit belastet das europäische Haus?

Wir wissen alle, daß manch Verabredung schiefgeht. Noch ist es nicht zu spät. Mit Blick zum Bayer-Monsanto-Deal, wo zwei Chemiegiganten geschäftsmäßig ringen, wird verhandelt ganz viel, um sehr viel Geld, kann man ein Lied von singen, manch einem nicht gefällt. Wir sehen doch, wie der Hase läuft, sich Frust aufhäuft, denken wir nur an das Fracking-Verbot. In höchster Not entstand kürzlich jenes Gesetz. Oh weh, welch Geschwätz.

Befindet sich diese EU auf bestem Kurs zur Einbahnstraße? Wolle wir sie wirklich lasse? Jene Politik in Brüssel? Die ham doch allesamt einen in der Schüssel vor lauter Prassen und Machtbestreben, oh man, laßt die Menschen friedlich leben. Kein Spaß, gebt jedwedem Haß den Laufpaß, ansonsten wird kein freundliches Wort mehr reichen, es folgen Leichen über Leichen!

Wir wollen alle so erwachsen sein, und doch zeigt humanes Vermögen sich dermaßen klein. Schaut Euch um im Alltagsleben, wohin viele streben. Steht „busines as usual“ auf dem Plan, oder verhindern wir es besser schnell, nicht irgendwann, wenn ein Licht ganz hell uns Wege aufzeigt. Sind wir wirklich dazu bereit?

Lotar Martin Kamm

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Business as usual – herrenloser Koffer sorgt für Aufregung

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flickr.com/ dtrzolek/ (CC BY-NC-ND 2.0)

“What’s up? Brexit? Bullshit! Why do you want to stay in the EU?”

“I certainly don’t want to, it’s not me but my business.”

“Your business? I’m laughing about such arguments, cause concers are the winners at least, aren’t they?”

“Well, you’re right. Maybe I’m hoping just for fun.”

“Don’t mind, no-one will order the cash flows.”

Zwei britische Touristen beim Einchecken auf dem Düsseldorfer Flughafen.

„Ihre Bordkarten, bitte. Danke.“

Kurz vor 13 Uhr, emsiges Treiben, manche Passagiere wischen den Schweiß von der Stirn, ein Kind weint, während seine Mutter eifrig bemüht ist, es zu beruhigen. Ein älterer Mann bückt sich, um seinen linken Schuh neu zu binden. Dabei hält er plötzlich inne. Die Mutter des Kindes bemerkt dessen kreidebleiches Gesicht.

„Was fehlt Ihnen denn?“

„Da liegt ein Koffer, wo keiner sein sollte. Weit und breit kein Besitzer!“

Die Frau schnappt sich die Hand des Kindes und rennt zugleich schreiend los. Heller Aufruhr auf dem Flughafen, alle Passagiere werden aufgefordert, sofort die Halle zu verlassen, allerdings ohne dabei panisch zu laufen. Leichter gesagt als getan. Manche schubsen ihre Vorderleute vor sich her, zwei Polizisten greifen ein, können schlimmeres verhindern.

Die beiden britischen Touristen sitzen längst in ihrem British-Airways-Flieger, der just in diesem Moment abhebt, gen London. Sie können die schwarze Rauchwolke nicht sehen, die aus der Abflughalle dringt, genauso wenig die kurz aufflackernden Blitze.

Lotar Martin Kamm

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