Die Verabredung – wenn aber auch alles schiefgeht

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So, das Taxi ist also unterwegs. Abgespült, Schmutzwäsche versorgt, Bett gemacht. Wie seh ich aus? Vielleicht zu viel parfümiert? Die Zähne, ich hab die Zähne vergessen! Nein, ich geh jetzt nicht ans Telefon. Bimmel du nur, keiner da. Mist, die wirken immer noch leicht braun. Salz, Salz soll helfen. Boah, abscheulich. Ein bißchen besser, oder? Wo ist der Vergrößerungsspiegel, verdammt. Auf der Nase sind ja kleine schwarze Punkte. Wie krieg ich die weg? Auch mit Salz, nee, jetzt ist sie auch noch rot. Irgendwo hatte ich doch noch Puder. Nein, ich geh nicht ans Telefon. Und wenn’s wichtig ist.

„Ja, hallo! Ach du bist’s, Beate? Glückwünschen willst du mir? Mensch, ich bin so aufgeregt! Ist ja nicht meine erste Verabredung, aber ich hab jetzt schon weiche Knie. Nein, hab mir ein Taxi bestellt, du weißt doch, am Hauptbahnhof gibt’s kaum Parkplätze und stundenlang um die Ecke kurven, wollt ich mir nicht antun. Wir wollten vom Bahnhof aus ins „Klammer“ gehen. Ja, ich hab einen Tisch bestellt. Nein, hör mal, du, da ist noch jemand in der Leitung. Nein, meine Verabredung hat keine Telefonnummer von mir. Ich bin vorsichtiger geworden, die letzte Erfahrung hat gereicht. Du, ich glaub, ich übernehm jetzt doch mal den anderen Anruf. Danke, wird schon schiefgehen, ja, sag dir spätestens morgen Bescheid.“

„Pagel. Das Taxi soll noch einen Moment warten. Ja, natürlich zahle ich den Aufpreis. Noch fünf Minuten.“

Ohje, hätte ich doch nicht in den Vergrößerungsspiegel geguckt. Meine Nase ist ganz rot. Kaltes Wasser draufhalten. Mist, jetzt ist auch noch das T-Shirt naß. Das trocknet oder ist das Fett? Quatsch, abwarten. Ruhe bewahren, warum bin ich auch so zittrig, schließlich ist es doch nicht meine erste Verabredung. Vielleicht hätten wir uns doch lieber einfach nur im Stadtpark treffen sollen. Nein, ich mußte unbedingt auf das „Klammer“ bestehen. Der Fleck ist immer noch da, verdammt, das ist mein Lieblingsshirt. Ich werd’s einfach trocken föhnen. Immer noch da. Schon wieder Telefon! Sind die fünf Minuten schon rum? Elf Uhr dreißig, was, schon? Da sollte ich doch am Bahnhof stehen. Macht zwar keinen guten Eindruck, gleich beim ersten Mal zu spät kommen, aber ich bin freiberuflich, da können immer mal wichtige Gespräche dazwischenkommen.

Wo ist denn nur das grüne T-Shirt, das muß doch hier im Schrank sein? Ja, läute du nur, bin eh schon nervös, soll ich das braune anziehen?

„Pagel. Ja, ich weiß, daß das Taxi wartet. Nein, Sie brauchen kein neues Taxi schicken, auch wenn es in 10 Minuten hier sein könnte. Der Taxifahrer hat jetzt eigentlich Feierabend? Dann soll er Überstunden machen. Eine Aushilfskraft! Ich leg Trinkgeld drauf. Wichtiger Termin. Dann stellen Sie keine Leute ein, die wichtige Termine haben, mein Termin ist auch wichtig. Teuer, ja, ich weiß, daß das eine teure Taxifahrt wird. Noch fünf Minuten, dann bin ich unten.“

„Pagel, ich hab doch gesagt, daß ich in fünf Minuten unten bin. Ach du bist’s, Beate. Ja, ich bin noch hier, die wollten ein neues Taxi schicken, der Fahrer hätte einen wichtigen Termin. Nein, ist geklärt, muß nur noch ein anderes T-Shirt anziehen, hab das blaue versaut. Okay, ist gebont, wenn es ein Reinfall war, treffen wir uns heute abend bei „Willis“, mehr schiefgehen kann sowieso nicht mehr.“

Okay, okay, ganz ruhig, durchatmen, natürlich bleiben, cool, dann hat das Shirt eben einen Fleck, dann ist die Nase gerötet, wenn ich so nicht genehm bin, dann hat es sich eben erledigt mit der neuen Liebe. Ist sowieso verrückt genug, sich auf dieses spontane Treffen eingelassen zu haben, hätte vielleicht besser noch abgewartet, schlechte Erfahrungen habe ich inzwischen genug gesammelt, aber verdammt, bis heute morgen hat es sich richtig angefühlt. Warum bin ich bloß so nervös? Jetzt klingelt’s auch noch an der Wohnungstür. Wer will mich denn jetzt besuchen? Sicher nur ein Paketdienst, damit ich wiedermal Paketannahmestelle spiele, aber heute nicht, heute habe ich eine Verabredung!

„Nein, ich nehme heute kein, – Melanie?“
„Herr Pag…, Tom?“
„Woher hast du…?“
„Das Taxi, das Taxi bin ich.“

Doris Mock-Kamm

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Apokalypse: Lösungen vorm finalen Countdown

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Der Weltuntergang fällt einfach aus

Allgemeines Aufatmen, weil tatsächlich das Unmögliche doch noch geschieht und dies in einer Ära, die einer Endzeitstimmung entspricht? Gab es sie letztlich nicht schon immer, die Resignation, das pessimistische Vorausschauen, da so gar keine Perspektiven sich durchsetzen können, weil bestimmte bösartige Kräfte alles unternehmen, um Gutes zu verhindern?

Tatsächlich geschah dies so bisherig. Fällt der Weltuntergang in etwa aus, obwohl schon so oft prophezeit? Dezember 2012 längst verstrichen, nicht die Welt geht unter, sondern das, was uns kaputt macht – und genau dies macht Hoffnung, darf man als positiven Weg werten.

Eine zu lang andauernd dramatische Fehlentwicklung

Wir sollten erkennen, daß nicht nur die real umgesetzten Gebote, die tatsächlich in sämtlichen Religionen und Naturvölkern formuliert wurden, wegweisend das gesellschaftliche Miteinander gewährleisten, sondern darüber hinaus unser Geist, der Anspruch eines gesunden Seelenlebens im Einklang mit unserem Körper ein allgemeines Grundrecht darstellt. Die Wortkreation Menschenrecht ist ebenso ein Ausdruck dessen.

Was unternahm Homo sapiens nicht alles, um exakt das Gegenteil zu vollrichten? Jahrtausende der Unterdrückung zeugen von einer dramatischen Fehlentwicklung, in der vielfaches Leid den Menschen zugemutet wurde, damit ein paar Wenige es sich so richtig haben gut gehen lassen. Der Gedanken und die eiskalte Verwirklichung eines elitären Herrschens durchzog sämtliche historischen Epochen, stets waren es Menschen, die sich unterjochen ließen und in allen Systemen treu ergeben sich aufopferten, nach oben blickend nicht bemerkten, wie sie mit simplen Mitteln abgelenkt und ausgenutzt wurden!

Paradigmenwechsel hat längst begonnen

Wer ganz genau hinschaut, hat längst erkannt, daß ein Paradigmenwechsel unwiderruflich begonnen hat, ob die derzeit noch Herrschenden es wahrhaben wollen oder nicht. Dabei zeigen sich die Signale keineswegs versteckt in stillen Kämmerlein, sondern äußerst offen.

Anhand sozialer Bewegungen, philosophischen Aussagen, unverblümten Veröffentlichungen vieler Querdenker und Systemkritiker, die mit dem Internet eine vielfache Chance erhalten, diese weiter zu verbreiten, bis hin zu Künstlern und sich neu entwickelnden Parteien sowie Gruppierungen: Überall bewegt sich etwas auf Mutter Erde, die Menschheit steht auf, fordert eine deutliche Veränderung, weg vom unterdrückenden Herrscherprinzip, dem sich alles unterzuordnen hat, hin zu reiner Mitmenschlichkeit, die jedem die helfende Hand reicht, in der kein Platz mehr ist für Gewalt, Zerstörung und Haß.

Der geläuterte Mensch verhindert Endzeitszenarien

Zuviel Optimismus? Wir alle leben zwar in diesem Endzeitszenarium, können uns dem zunächst nicht entziehen, müssen sehenden Auges ihm entgegenblicken, haben dennoch die Möglichkeit, uns selbst einzubringen. Wer einfach wegschaut, wird urplötzlich aus seiner Ignoranz erwachen und sich wundern, mit welchen perfiden Mitteln böse Mächte alles versuchen, erneut ihren Ansprüchen gerecht zu werden, weil bisherig genau dieser Weg wohl so prima funktionierte.

Der geläuterte Mensch, dessen Bewußtsein gewachsen im kritischen Hinterfragen, spielt dieses simple, leicht zu durchschauende Spiel eben nicht mehr mit. Sämtliche trögen Versuche mittels Kommerz und Glamour scheitern an den Erkenntnissen des eigentlichen Seins auf Erden: dazu beizutragen, daß wir alle uns das Paradies im Hier und Jetzt erschaffen können, anstatt es lediglich als Metapher ewiglich hochzuhalten, nur Wenigen (den Eliten) vergönnt, aber der Mehrheit vorenthalten.

Kurz vor dem finalen Countdown stehen wir auf und handeln. Aber nicht systemkonform, welches uns in jene Bahnen lenken möchte, die dem Herrschaftsdiktat dienlich. Man darf es als revolutionär bezeichnen, obwohl dennoch gänzlich ohne die Mittel der Gewalt dabei zu vollziehen. Jeder mag ein Stück dazu beitragen, sein Leben hinterfragen und genau dort ansetzen, wo Ungerechtigkeit gen Himmel schreit, Wege zu finden und zu gehen, gemeinsam, im Miteinander.

Verbannen wir all das, was uns kaputt macht und vertrauen den Dingen, die allen zugute kommen, bei denen es keine Diskriminierung gibt, jeder willkommen ist, jeder Mensch Mensch sein darf ohne irgendwelche Vorbehalte. Träume eines Idealisten? Nein, eine selbstverständliche Haltung.

Lotar Martin Kamm

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Liebe überdauert alle Zeit

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Meeresschaum und Wellenschlagen,
die Zeit vergeht, ob mit Freuden oder Klagen.
Das Lachen, das Lachen war schön
wie die klare, weite Sicht bei Föhn.

Die langanhaltende Musik dieser Freude
übersteht die Zeit, die Felsen, die als Beute
in kleinen Stücken vom Meer geschluckt
und als Kieselsteine an Land gespuckt.

Dies Lachen, das den Tag hat begrüßt,
wie ein lauer Sommerregen die Natur begießt
mit feinen Wassertropfen, die mehr streicheln,
anstatt Erde in kurzer Zeit aufzuweichen.

Dies Lachen hallt durch Mark und Bein,
durch Luft, durch Wasser, durch Felsgestein,
weil es aus tiefster Seele, dem Paradies,
dem Ort der Reinheit sich ergießt.

Zur gleichen Zeit in beider Herzen erwacht,
als sie erkannten dieselben Träume der Nacht,
das Meer, die Felsen gemeinsam erlebt,
engumschlungen die Körper wie verwebt.

Dies Lachen, die Freude, die den Tag hat erhellt,
zwei Wesen kurzweilig zu einem beseelt,
ohne Fragen, Antworten, irgendwann Vergangenheit,
wird aufgrund der Liebe überdauern alle Zeit.

Nafia

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Brexit – das britische Aus zur EU eine Chance ihrer Erneuerung

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Europa vor der Zerreißprobe?

Obwohl von einem britischen Nein zur EU nicht wirklich die Rede sein kann, Schottland, Nordirland sowie London selbst bevorzugen eine weitere Zusammenarbeit mit Brüssel, eine Petition gegen den Brexit wurde schnell gestartet, deren Chancen, Gehör zu finden, gar politisch sich durchsetzen läßt, gen Null tendieren. Das knappe Ergebnis besiegelt das britische Aus.

Tatsächlich beflügelt Großbritanniens Entscheidung den Rechtspopulismus, der nunmehr voller Überzeugung sich ans Werk machen wird, die Fortsetzung der EU-Demontage voranzustreiben, ein entschiedenes Zurück zur Nationaldümpelei zu fördern. Folgen daraufhin Griechenland, Ungarn oder gar Frankreich, wenn in unserem westlichen Nachbarland der Front National die Oberhand gewinnt, Marine Le Pen die verhaßte EU an den politischen Pranger stellt?

EU hängt am Tropf des Konzernlobbyismus

Im Prinzip nichts neues, daß stets die Wirtschaft den Kurs der Politik weltweit diktiert. Alles richtet sich danach aus, die Gesellschaft, deren demokratisch legitimierten Vertreter, um ständig nach Kompromissen zu suchen, damit wenigstens eine gewisse Balance bewahrt bleibt zwischen zu offensichtlicher Ausbeutung und ein wenig sozialverträglichen Lippenbekenntnissen.

Letztere befinden sich allerdings auf bestem Wege, geopfert zu werden, um den ungebremsten Hunger nach noch mehr Überreichtum zu stillen. Dem hat sich alles unterzuordnen. Im Fall der EU nutzt der Konzernlobbyismus sämtliche Register der Bevormundung bis hinein in die einzelnen Nationalparlamente, eine bürokratische EU-Krake öffnet etliche Türen, denken wir an die bevorstehenden Freihandelsabkommen TTIP und CETA.

Grund genug, erst recht der EU den Rücken zu kehren? Ein fadenscheiniges Argument, schließlich hat jeder Staat dennoch genug Möglichkeiten, seinen jeweils demokratisch gewählten Regierungen die rote Karte zu zeigen, bevor diese den Abkommen zustimmen.

Simple Phrasen lösen keine Probleme – Neuorienterung der EU

Doch genau solche Parolen wie die rechtspopulistischer Parteien und Strömungen reichen oftmals aus, um einfache Stimmen des Volkes zu mobilisieren, denken wir an das kurze Phänomen einer PEGIDA, an die AfD, obwohl letztere laut der Bundestag-Sonntagsfrage bereits rückläufige Zahlen hat von angeblich erfolgsversprechenden zwanzig Prozent zu gerade mal 12%, wie Emnid vorgestern ermittelte.

Macht sich etwa Verunsicherung breit, weil manche jetzt hautnah miterleben dürfen, daß die EU entschlossen die schnelle Abwicklung des britischen Aus vorantreibt? Ob Hollandes Einstellung hilfreich ist, bleibt mal dahingestellt, erst recht im Hinblick zur baldigen Präsidentschaftswahl im April des nächsten Jahres. Die EU wird sich baldigst neu orientieren müssen, beim bevorstehenden morgigen Brüsseler Gipfel könnten erste Sondierungsgespräche den Kurs einleiten, das Mißtrauen etlicher dieser EU gegenüber verbleibt, eine unsichere Gratwanderung auf ziemlich wackligen Beinen.

Lotar Martin Kamm

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Schwarz wie die Nacht

© Doris Mock-Kamm

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Schwarz wie die dunkelste Nacht,
schleicht sie zu mir ganz sacht.
Sie schmiegt sich zärtlich an mich,
ihre Bewegungen sehr zögerlich.
Sie konnte nicht widerstehen,
auch mal fremdzugehen.

Die Gelegenheit war günstig,
ertappt zu werden sehr winzig,
da alle mittags im Freibad waren,
bei diesen heißen ersten Tagen.
Ich blieb im dunklen Zimmer zurück,
Kopfschmerzen hatten mich erwischt.

Ansonsten bin ich für sie Luft,
ihre kalte Schulter zeigt sie mit Genuß.
Aus den Augenwinkeln beobachtet sie
mein Verhalten, Augenkontakt gibt’s nie.
Für sie bin ich seit Monaten geduldeter Gast,
ein Eindringling, Männer scheinen ihr verhaßt.

Sie versucht vorsichtig, die leichte Decke
anzuheben, damit sie mich nicht aufwecke.
Ihr Ziel hat sie wohl endlich erreicht,
denn ihr Schnurren entweicht
mit immer lauter werdenden Tönen,
ihre Pfoten massieren die Achselhöhlen.

Damit ist das Eis scheinbar geschmolzen.
Die erste Annäherung mit ihr, der stolzen
Lizzy, die eigenwillige Persönlichkeit,
die, die Liebe ansonsten nur mit Frauchen teilt,
verdeutlicht, sie kann mich riechen,
Hoffnung besteht, mit ihr Freundschaft zu schließen.

Nafia

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Lebenskrisen ein Fingerzeig für Wendepunkte

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Jede Veränderung birgt Chancen neuer Erkenntnisse

Manchmal geht unser Leben schon ganz merkwürdige Wege, besonders deutlich offenbart es sich, wenn unvorhergesehenes eintritt, was gestern noch undenkbar gewesen wäre. Eine unerschütterlich geglaubte Ordnung gerät ins Wanken, das blanke Chaos möchte über uns hereinbrechen, wenn dadurch plötzlich die Zeit stehen bleibt, die Emotionen angesichts einer unauflösbaren Aufgabe durcheinanderwirbeln.

In der Regel bewirken persönliche Krisen eines ganz deutlich: Sie sorgen meist für Veränderung. Sind dramatisch sich zuspitzende, schwierige Situationen im Leben, wie sie halt durchaus vorkommen können, ein hohes Maß an Entscheidungen uns abverlangen, etwa ein Wendepunkt? Und falls die Übersicht verloren wird auf bestem Weg in die Katastrophe?

Halt und Geborgenheit durch ein schützend soziales Umfeld

Wer innerhalb einer Familie geborgen zusammen mit Freundeskreis aufgefangen wird, falls eine Lebenskrise hereinbricht, darf sich glücklich schätzen. Das setzt natürlich entsprechendes Verständnis voraus, dem letztlich nicht alle Familienmitglieder oder Freunde nachkommen können, so daß auch hierbei Rückschläge bis hin zu kleineren Folgekrisen geschehen mögen.

Jedoch bietet das soziale Umfeld zunächst Halt und Geborgenheit, liefert Hilfestellung, um persönliche Krisen auf diese Weise meist einfacher bewältigen zu können. Menschen, die allein sind oder nur zweit, haben es da wesentlich schwerer, obendrein, wenn ausgerechnet der Lebenspartner Gegenstand einer Krise, denken wir nur an größere Streits mit Trennungsabsichten verbunden.

Meist wird der Gang zur Paartherapie ohnehin nicht in Erwägung gezogen, vielmehr versucht man, die Probleme selbst in den Griff zu bekommen, ob gemeinsam oder jeder für sich. Je länger und intensiver Krisen anhalten, desto mehr Kreise ziehen sie, neben den eng Vertrauten kommen Berufskollegen ins Spiel, die Existenz kann plötzlich sogar gefährdet sein, nicht immer reagieren Arbeitgeber mit Verständnis und erst recht nicht, wenn bestimmte Mitarbeiter im Visier sind, auf einer möglichen Kündigungsliste stehen.

Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe sollte daher niemals ausbleiben, morgen schon könnte jeder in Lebenskrisen sich befinden. Aber in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, oberflächlicher Beziehungen, zunehmender Verrohung und Gewalt, Zukunftsängsten, die oft nicht unbegründet, des Mobbings und der Statussymbole, wo Schwäche als Versagen ausgelegt wird, haben Krisen nur sehr wenig Platz, schwindet Verständnis.

Wenn der klare Verstand uns rechtzeitig bremst

Mit der Ernüchterung greift hoffentlich der klare Verstand, um nicht direkt in die nächste Krise zu schlittern. Nach jeder Krise setzt eine Veränderung ein, ob diese sich nachteilig auswirkt, bleibt mal dahingestellt. Wie heißt es so schön zutreffend: no risk, no life. Das ganze Leben besteht sowieso aus Entscheidungen, es kommt nur darauf an, ob wir die richtige treffen. Doch was bedeutet schon richtig: Was heute zutrifft, kann morgen völlig anders sich gestalten?

Wir sollten stets bedenken, wir selbst verändern uns, auch wenn ein scheinbarer Alltagstrott sich über Jahre einschleichen konnte. Und wenn dann eine Krise uns beschäftigt, wir sie sogar lösen, folgt nach solch einem Sturm die Ernüchterung, das Zurückblicken und Analysieren wie es soweit kommen konnte im günstigsten Fall. Das darf man als sehr hilfreich betrachten, um eben für die Zukunft ähnliche Krisen zu vermeiden.

Dennoch tickt Mensch gleichzeitig ganz unterschiedlich. Während der eine nüchtern und rational die ursprünglich dramatische Mißlage hinterher meistert, diese sich zum Guten wendet, mag es beim anderen nicht gelingen. Nichts geschieht statisch oder läßt sich irgendwie beeinflussen, viel zu vielschichtig ist die menschliche Psyche, sind die Möglichkeiten verfehlter Versuche, gekränkter Eitelkeiten, oftmals unverarbeitete Traumata mit im Spiel, die erkannt oder unerkannt mitschwingen, eine Bewältigung verhindern.

Insofern bedeuten Lebenskrisen nämlich auch Grenzen der Zumutung, eine Warnung und ein harter Hinweis darauf, radikale Lösungen finden zu müssen. Kein Wunder, daß für die Betroffenen die Zeit still steht, das Leben um sie herum weitergeht, während für sie selbst keine Lösung in Sicht, alles ausweglos erscheint. In solchen Momenten sollten sie die hilfreiche Hand annehmen, das Gespräch suchen und zulassen, andere Gedanken sich anhören, Abstand finden durch Ortswechsel oder Trennung und eine Veränderung anstreben Das nennt man Krisenbewältigung, eine Reinigung des eigenen Lebens, um gestärkt aus ihnen hervorgehen zu können.

Lotar Martin Kamm

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Die Kirche im Dorf lassen

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Oder warum Patrioten ständige Rechtfertigungen nachlegen

Manchmal kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, daß gerade in der jetzigen Zeit vermehrt Menschen die Kirche nicht mehr im Dorf lassen. Sie hausieren, angesteckt durch Ängste, Sorgen, um nicht zu sagen, durch Hetze mit sämtlichen Meinungsbildern, die sie zur Rechtfertigung ihres Haßes auf alles und jenes gerne weiterverbreiten.

Dabei spielt es keine Rolle, woher sie ihr Wissen bezogen haben, es gilt nur, das Gesehene, Gehörte anzuprangern mit der Unvernunft eines trotzigen Kindes, das partout behauptet, vom Kuchen nicht genascht zu haben, obwohl an seinen Händen und im Gesicht eindeutige Spuren der Nascherei zu sehen sind.

Die Kirche im Dorf lassen bedeutet in etwa, nicht so übertreiben, realistisch bleiben. Die Herkunft dieser Redewendung bezog sich auf die Messen in den Kirchen, die gerne als Prozession, nicht nur in der Kirche, sondern auch außerhalb, um das Dorf herum abgehalten wurde. Heute sind diese Prozessionen größtenteils auf die Fronleichnam-Prozession eingeschränkt. Laut Überlieferung haben zu große Prozessionen dazu geführt, daß die Dorfgrenzen überschritten wurden und dies den Nachbardörfern nicht gefiel, deshalb sollte die Prozession das nächste Mal innerhalb der Dorfgrenzen bleiben. Also, die Kirche im Dorf lassen.

Anscheinend haben einige Menschen es derzeit nötig, mit viel Tamtam und einem gewissen Grad an „auffallen um jeden Preis“ und dies bei sämtlichen sich bietenden Gelegenheiten wichtig zu tun, anstatt mit differenzierten, belegbaren Wissen oder zumindest mit dem Feingefühl zur Harmonisierung eines Konfliktes an einem Gespräch teilzunehmen. Viele sind schlicht überfordert, konstruktive Inhalte zu vermitteln, teilweise weil sie mit der Thematik sich nicht auseinandergesetzt haben, teilweise, um absichtlich Lügen zu verbreiten, damit Aufmerksamkeit zu erhaschen in der Hoffnung, an jeder Lüge klebt ein Stück Wahrheit.

Diese „Wahrheit“ wird im Handumdrehen zum Selbstläufer, denn jede Stellungnahme, die die Lüge enttarnen kann, wird nun zur Bestätigung begrüßt, daß man eben die „Wahrheit“ gesagt hat. Dieser Firlefanz wird angereichert mit „guten alten Werten“, Angst vor „nationalem“ Gefühl, Schuldkomplex, der zur Empathie führt, Disziplinlosigkeit, Verrohung der Gesellschaft, da ohne Ehre, Stolz, Loyalität kein zwischenmenschliches Zusammenleben möglich wäre und so weiter. Es folgt eine Vermischung der einzelnen Problemstrukturen zu einem Einheitsbrei aus „nur die eigenen Völker“ können die weltweiten Mißstände der Globalisierung retten, indem sie sich abschotten und Zuflucht in den gescheiterten Gesellschaftsformen der Vergangenheit anpreisen.

Romantisch verklärt werden diese Vorstellungen durch Hinzudichten oder Weglassen, je nach Belieben, wie perfekt doch die Ahnen ihre Vaterländer gestaltet und im Schweiße ihres Angesichtes das Beste, Größte für ihre Nachfahren geleistet haben. Allein das Wort Vaterland impliziert die patriarchalische Führungsrolle und zeigt eindeutig eine Respektlosigkeit gegenüber Frauen.

Wie erkennt man diese Hetzer, Heuchler, die der Welt ihre verklärte Sichtweise mit Phrasen gemischt unters Volk bringen, ähnlich wie die Wandermönche im Mittelalter, die durch die Dörfer zogen? Natürlich tragen sie keine Tonsur und kein Mönchsgewand, aber es gibt Haarschnitte und Kleidungsmerkmale genauso wie ein hämisches, überhebliches, süffisantes Lächeln, das ihrer erleuchteten Weisheit Nachdruck verleihen soll.

Sie kennen plötzlich, obwohl sie ansonsten nicht mit dem Thema beschäftigt waren, vielleicht überhaupt noch nie Interesse für gewisse Sachverhalte hatten, sämtliche Entwicklungsstufen, die zur jetzigen Situation der verschiedenen Problemstrukturen führten, diese sind ihnen bis ins kleinste Detail bekannt.

Sie berufen sich plötzlich auf das christliche Abendland, obwohl sie seit der Kommunion oder überhaupt noch nie eine Kirche von innen gesehen haben und der Papst und die Kardinäle für sie nur geldgierige Popanzen sind.

Sie sind plötzlich ernährungsbewußte Mitmenschen, die vor kurzem noch den Nachbar belächelt haben, der Gemüse anbaut, essen und trinken trotzdem die Lebensmittel, deren Konzerne sie dafür verantwortlich machen, daß ihre Gesundheit ruiniert ist, obwohl, wenigstens annähernd seit Jahrzehnten längst bekannt ist, daß verschiedene Inhaltsstoffe nicht der Gesundheit förderlich sind.

Sie zeigen plötzlich Mitgefühl für Menschen, natürlich nur für diejenigen, die sie zu ihrem eigenen Volk zählen, die aus welchen Gründen auch immer „gestrandet“ sind. Bis vor kurzem waren diese Menschen noch selbst schuld an ihrer Misere, denn wer arbeiten will, findet auch einen Job.

Sie verteufeln plötzlich wichtige Errungenschaften in der Familienpolitik, wie zum Beispiel das Scheidungsrecht, Abtreibungen, Schutz für Alleinerziehende.

Dies sind nur einige wenige Erkennungsmerkmale, ach ja, und sie betonen gebetsmühlenartig, ich bin nicht rechts, kein Nazi, ich bin Patriot.

Wenn diese aufgezählten Faktoren und einige mehr zutreffen, dann haben sie jemanden vor sich, der die Kirche nicht im Dorf läßt, sondern in übertriebener, aufdringlicher Form ihnen das neue heilsversprechende Zukunftsbild aufzeichnet, das, oh Wunder, alle Probleme wegzaubert.

Doris Mock-Kamm

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