Zeit totschlagen bedeutet, Zeit zu befreien

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R: Sie wissen, wessen Sie beschuldigt werden?
T: Ich habe die Zeit totgeschlagen.
R: Sie gestehen also?
T: Meistens habe ich wohl gesessen und ich stehe aufrecht bequem.
R: Wie bitte?
T: Die Zeit kann nichts dafür, es ist das Datum, das sich aufdrängt.
R: So oder so, Ihnen ist klar, daß Sie sich eines
schweren Verbrechens schuldig gemacht haben!
T: Der Verbrecher ist das Datum, sie hat mir ständig im
Nacken gesessen.
R: Datum kann nicht im Nacken sitzen.
T: Zeit ist endlos, Datum ist endlich,
das Datum bringt sich immer selber um.
R: Laut Aktenlage haben Sie nichts getan.
T: Ja.
R: Nicht morgens aufgestanden, nicht zur Arbeit gefahren,
keine Termine wahrgenommen.
T: Ja. Ich habe nichts getan.
R: Sie gestehen also, die Zeit totgeschlagen zu haben.
T: Meistens habe ich wohl gesessen und die Zeit an mir
vorüber ziehen lassen.
R: Aber Zeit ist kostbar!
T: Das isses.
R: Wie bitte?
T: Die Zeit ist zu kostbar, um sie zu vergeuden, deshalb habe
ich sie auch nicht festgehalten, sondern habe ihr die Freiheit
gegeben, zu tun und zu lassen was sie will. Sie nennen es
Zeit totschlagen, ich nenne es: Zeit leben lassen.

Nafia

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Wohnungsmarkt: Barbara Hendricks fordert japanische Verhältnisse

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SPD entpuppt sich als asoziale Partei par excellence

Ein kurzer Blick in so manche Nobelvilla eines deutschen Bundespolitikers, erst recht im Ministersessel sich genußvoll räkelnd, was keineswegs mit Neidgedanken verwechselt werden sollte, erweist sich erneut als eine Farce angesichts des Vorschlags, der aus dem Munde der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit entfleucht.

Barbara Hendricks fordert doch tatsächlich japanische Verhältnisse, „Leute brauchen nicht mehr als 30 Quadratmeter“. Erneut entpuppt sich die SPD als asoziale Partei par excellence, setzt ihren einmal ins Leben gerufenen Kurs nonchalant fort, initiiert vom damaligen Kanzler Schröder, der unter Rot-Grün das neoliberale Tor gänzlich aufstieß mit den Hartz-IV-Gesetzen im Reigen des Niedriglohnsektors.

Politik richtet sich unerschrocken nach den Vorgaben der Konzerne

Insofern braucht sich niemand zu wundern, daß unsere Volksvertreter, – wachsende Wut spricht längst von „Volksverrätern“ -, keine wirklich sozial ausgewogene Entscheidungen treffen, vielmehr alles daran setzen, nach Gutsherrenart den Vorgaben der Konzerne nachgeben.

Ob die halbherzig unausgegorene, daher überflüssige Mietpreisbremse, die sich ohnehin als Flop herausstellte, die Fortsetzung der Hartz-IV-Gängelung, denken wir an die bevorstehende Reform von Frau Nahles, ein Desaster ohnegleichen, wie auch Martin Behrsing vom ELO-Forum in diesem Interview erläutert hatte oder jetzt Hendricks Vorschlag, eine SPD in der Großen Koalition versagt wohl gänzlich, entfernt sich vom „einfachen Volk“. Mit welcher Frechheit werden hierbei Flüchtlinge und die an den sozialen Rand Gedrängten gegeneinander ausgespielt, um per Bezahlbarkeit von Wohnraum Menschen eine 30-Quadratmeter-Wohnung zuzumuten? Leben auf Abruf, Hauptsache dem Billiglohnarbeitsmarkt dienlich?

Eine Welt des Sklavenarbeitsmarktes

Die Angst, selbst seinen Arbeitsplatz verlieren zu können, hält genügend Menschen im Lande davon ab, lieber einmal mehr zu schweigen, ziemlich offensichtliche politische Fehlentscheidungen anzuprangern. Gerade im Internet geäußerte Bemerkungen hinterlassen Spuren, die manch potentieller Arbeitgeber gegen sie verwenden könnte.

Stillschweigendes Arrangement, um sich nicht selbst zu belasten? Sollen doch andere ins Fettnäpfchen treten? Duckmäusertum hat eine ganz besondere, eigene Note, dient den Herrschenden stets, um aufkommende Kritik gegegeinander auszuspielen. In einer Welt des Sklavenarbeitsmarktes, und den gibt es unbedingt mitten in Europa, also hierzulande, andere Länder folgen längst, denken wir an Frankreich, wo zur Zeit Widerstände unübersehbar in den Straßen wüten, ist kein Platz mehr für Mitmenschlichkeit.

Die arbeitende Bevölkerung hat wie und je der Wirtschaft zu dienen. Solange nicht umgekehrt, folglich die Wirtschaft dem Menschen, setzt sich dieser Sozialrassismus fort.

Lotar Martin Kamm

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Zugfahrt

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flickr.com/ David Ortmann/ (CC BY-NC 2.0)

Ja, ja, es wird spannend, komm her, setze dich nur,
siehst du das Glänzen, Leuchten der neuen Spur?
Auch die alte Strecke erhielt neue Gleise,
drei neue Tunnel gebaut, das war sehr weise,
verbinden jetzt die Bahnhöfe miteinander,
so kommst du bequem von hier nach Mittweida.

Sicher, die Namen der Orte sind nicht treffend,
denn man muß die Realität nicht nachäffen.
Vor jedem Tunnel dampft und pfeift die Lok,
das Licht springt an, das siehst du gleich noch.
Längs der Strecke wurden Häuser erneuert,
Bäume gesetzt, Bäche umgeleitet, gescheuert,

die alten Signalmasten, Schranken repariert,
Viecher auf die Weide platziert, Straßen betoniert.
Es hat lange gedauert, keine Kosten wurden gescheut,
schließlich wurde Rom auch nicht an einem Tag erbaut.
Die Geldmittel, sie wurden gegen Schluß etwas knapp,
trotz Kauf der drei Züge mit Waggons hat es geklappt.

Sind sie nicht makellos, können herrlich fauchen?
Diese Lok läßt es aus dem Schornstein rauchen.
Im Tender liegen echte Kohlen obenauf,
in den Waggons, alles im Original nachgebaut.
Wart’s nur ab, gleich wirst du staunen,
die Kamera führt dir die Strecke vor Augen.

Noch schnell die Fahrkarten für uns abstempeln,
damit der Computer den richtigen Film kann einblenden.
Die Brille setze auf, ein Wunderwerk der Technik,
wir fahren von Hirzenhain über Mittweida nach Kettwig.
Na, gefallen dir die sanften Hügel, das Grün der Wiesen?
„Ja, aber besonders die Frauen, die sich räkeln auf den Liegen!“

Nafia

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Orlando: Touristen-Hauptstadt nach Attentaten unter Schock

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Politisches Ausschlachten exemplarisch für unsere verrohte Gesellschaft

Zunächst erschoß der mutmaßlich geistig verwirrte Kevin L. „The Voice“-Sängerin Christina Grimmie und im Anschluß sich selbst am letzten Freitag während einer Autogrammstunde in Orlando, in der Nacht zum gestrigen Sonntag wurde die Touristen-Hauptstadt vom schlimmsten Blutbad eines Einzeltäters in den USA heimgesucht.

In dem Schwulenclub „Pulse“ soll Omar Mateen mehrere Dutzend Menschen erschossen und viele Geiseln genommen haben, nach der erfolgreichen Erstürmung durch die Polizei sind inklusive des Täters 50 Tote und 53 verletzte Menschen zu beklagen, wurde beim Einsatz aber der Tod von 30 Menschenleben verhindert.

Terrorattentate willkommene Gelegenheiten

Es stellt sich die dringende Frage: für wen? Angst und Schrecken verbreiten sämtliche Gewaltszenarien, von heimischer Gewalt durch Eltern an ihren Kindern, über Pausenhofprügeleien, ob Mobbing oder Bossing bis hin zu suizidalen Folgererscheinungen, gar Amokläufen, ganz besonders mittels weltweit zunehmender Terroranschläge und Kriege. Mensch, das klügste Wesen, die gefährlichste Bestie auf Erden.

Kein Wunder, daß Terrorattentate sehr willkommene Gelegenheiten darstellen, ein nachfolgendes politisches Ausschlachten exemplarisch für unserer verrohte Gesellschaft steht. Während ein Tag nach dem Orlando-Blutbad die Suche nach dem „Warum“ verständlicherweise beginnt, nützen manche jene tragische Tat für ihre eigenen Zwecke. Mitten im US-Wahlkampf beansprucht Donald Trump für sich, es schon immer gewußt zu haben, daß Muslime krimineller Natur, somit sein Einreiseverbot wiederholt unterstreicht, sogar Barack Obama zum Rücktritt auffordert.

Das Ende friedlicher Koexistenz steht uns bevor

Auf sämtlichen Ebenen. Die Fortsetzung etlicher Gewaltexzesse nimmt ihren Lauf, wie man jüngst auch hierzulande nicht übersehen kann. Noch wurde die BRD von Terrorakten verschont, tobt dennoch ein regelrechter Shitstorm gegen die Bundesregierung, die „Lügenpresse“ nicht nur in den Social-Medien, sondern ebenso mittels etlichen Zusammenschlüssen in rechtspopulistischen Strömungen, die oftmals die Nähe von „Nazi-Gedankengut“ brüsk von sich weisen. Die Leitsätze, Programme und öffentlichen Äußerungen von PEGIDA, den Identitären oder der AfD bestätigen letztlich jene Entwicklung, während der Staat viel zu halbherzig agiert, denken wir an den NSU-Prozeß.

Schlechte Zunkunftsaussichten, zumal Mensch längst begriffen haben sollte, daß Waffen keine Ängste beseitigen können, tatsächlich der weise Slogan „Frieden schaffen ohne Waffen“ Gültigkeit hat. Nur bestehen kaum Aussichten, die sich verselbständigende Entwicklung aufzuhalten. Am Ende zählt Menschlichkeit vor Ort: Entweder beherzte Zivilcourage setzt sich durch oder das Unvermeidbare geschieht weiterhin, ein dramatisches Morden.

Dem Ruf nach Vergeltung und Rache folgt meist eiliger Gehorsam voraus, gewisse Vorurteile für sich bestätigt zu interpretieren. Eine widerliche Haltung, die mehr denn je aufzeigt, wie menschenverachtend manche Zeitgenossen auftreten.

Lotar Martin Kamm

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Silberfäden im Haar

© Doris Mock-Kamm

© Doris Mock-Kamm

Silberfäden durchzogen ihr langes Haar,
ihre Bewegungen alles andere als starr.
Von hinten anzuschauen wie eine junge Frau,
ihre Mimik das Lächeln, stolz wie ein Pfau.

Das Alter hat ihre dunkle Haut welken lassen,
die Wörter sprudeln wie Wassermassen,
wenn sie spricht, spürt man Lebensfreude,
kein böses Wort der Vergangenheit, keine Reue.

„Das Leben ist wie eine Bergwanderung,
du siehst den Gipfel, Nebelschwaden ringsrum,
du verirrst dich trotz Anstrengung, immer wieder,
gehst zurück, im Kreis, läßt dich eine zeitlang nieder.

Beweinst die Menschen, die entweder zurück
oder gestorben sind, woanders fanden das Glück.
Der wolkenumhangene Gipfel schien manchmal nah,
ein Irrtum, anderntags schien die Sonne, wunderbar.

Die einzige Mühsal, das ist erst im Alter zu erkennen,
die Strecke zum Gipfel ist kein Pferderennen,
deine Stärke zeigt sich auf den letzten Metern,
es ist die Kraft, durch Nebel den Gipfel zu betreten,

die Herrlichkeit der Wegstrecke, die Serpentinen,
die Nachtlager, die Bäume, die verwobenen Linien,
die Weite, die spärliche Luft, die das Atmen erschwert,
spürst dein Innerstes, Tod, dies Leben war es wert.

Dieser Moment zählt bei weitem zu den schwersten,
Zukunft, jetzt, Vergangenheit auf einmal im Herzen.“
Sie nestelt an ihrem Haar, wischt eine Strähne fort,
in ihrem Gesicht spiegelt sich das Lächeln der Geburt.

Nafia

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Vergewaltigung: Sexualstrafrecht in einer Welt des Patriarchats

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Freie Entfaltung vs. Menschenwürde im Widerspruch

Straftatbestände gegen die sexuelle Selbstbestimmung belasten erheblich ein friedliebendes Zusammenleben in allen Gesellschaften, zumal obendrein eine ungeahnte Dunkelziffer innerhalb von Partnerschaftsgemeinschaften inklusive dem dramatischen Bereich pädophiler Übergriffe erst recht für genügend Leid sorgt. Und der Staat schaut meist hilflos zu, das Sexualstrafrecht in einer Welt des Patriarchats muß auch hierzulande als ziemlich dürftig bezeichnet werden, was gerade die Strafmaße anbelangt.

Die freie Entfaltung vs. Menschenwürde etwa im Widerspruch? Auf alle Fälle, denn nach wie vor meinen Sexualstraftäter, das deutlich ausgesprochene Nein neben anderen klaren Signalen zur Abwehr gelte nicht für sie, was erst recht deren Tatfortsetzung beflügelt. Unabhängig davon, daß ein solch erzwungener Akt alles andere als angenehm sein kann, stellt sich genau hier die Frage: Wie krank muß die Moralvorstellung unserer Gesellschaft sein, daß viel zu oft in der Praxis die Opfer sich erklären müssen, während ein zu hohes Maß an Verständnis Tätern entgegengebracht wird?

Der Fall Gina Lisa-Lohfink

Garantiert geistert in den Köpfen manch hämischer Damen und Herren das vorschnelle Urteil, daß wenn jemand als Modell und It-Girl unterwegs sei, es nahewegs anlegen würde, sexuell auffallen zu wollen, um somit belästigt zu werden. Fehlanzeige! Gerade Menschen, die sich dermaßen selbstbewußt in der Öffentlichkeit präsentieren, sind eben in der Praxis kaum ein Opfer, das Gros der Sexualstraftäter vergreift sich an hilflos erscheinende Menschen.

Gina Lisa-Lohfink hat einen üblen Leidensweg bereits durchleben müssen nach der besagten Nacht, in der sie nach der Einnahme von Ko-Tropfen sexuell mißhandelt wurde, ein regelrechter Shitstorm durchs Netz geisterte, nachdem die Täter die enstprechenden Filme veröffentlicht hatten. Inzwischen kehrte ein Gericht die Vorfälle um, den Angeklagten wurde mehr Glauben geschenkt, sie solle dafür 24.000 Euro wegen Falschaussage berappen, woraufhin sie nach der Verhandlung verständlicherweise zusammenbrach. Jetzt hat sich Familienministerin Manuela Schleswig eingeschaltet.

Der Fall einer 22-jährigen Niederländerin

Das sollte eigentlich bekannt sein, in wie weit in muslimisch geprägten Ländern das Verhältnis zwischen Mann und Frau sich äußert, vom Alkoholverbot bis hin zur Kleiderordnung. Eine Frau hat sich dort anzupassen oder muß mit unangenehmen Folgen rechnen. Warum eine 22-jährige Niederländerin im arabischen Katar dies offensichtlich nicht beherzigte, liegt allerdings auf der Hand: Etliche andere westliche Touristen tun es doch ebenso, dann kann ja nichts schiefgehen.

Welch brutaler Irrtum! Man sollte sich niemals in Sicherheit wiegen, das Verbrechen lauert stets überall, erst recht in einer extrem nach dem Manne ausgerichteten Gesellschaft, in der dieser nahezu sämtliche Rechte seiner sexuellen Ausschweifungen genießen darf, während Frau dort zurückstecken sollte.

Reform des Sexualstrafrechts viel zu lang überfällig

Vielleicht wurden viel zu wenig prominente Politikerinnen oder gar Ehefrauen von Richtern sexuell mißbraucht, könnte man aus der Sicht von Opfern in die Welt brüllen, damit endlich eine längst überfällige Reform des Sexualstrafrechts stattfindet. Dabei sollte ummißverständlich das „Nein“ zusammen mit anderen Verlautbarungen als Gegenwehr vor dem sexuellen Mißbrauch im Gesetzestext ausformuliert festgehalten, im Strafrecht verankert werden. Daß Falschanzeigen folgen mögen, darf dennoch kein Hinderungsgrund sein, den Opfern dadurch mehr beizustehen, es gilt stets, daß erst deutliche Beweise, Zeugenaussagen Straftatbestände feststellen.

Ebenso das Grabschen muß mit in den Gesetzestext fließen, was seit der letzten Silversternacht einen neuen Stellenwert erhalten hatte, weil dermaßen massiv, obwohl bei manchem Oktoberfest oder ähnlichen Festen, denken wir an Schützenfeste, gleichwohl oftmals dort gängige Praxis ist.

„Schrecklich sind die Schwächen der Gewalt.“ (Stanislaw Jerzy Lec)

Lotar Martin Kamm

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Fußball-EM 2016: Stellvertreterkrieg simpler Hooligans

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Frankreich am Rande eines Kollapses?

Allein die Überschrift impliziert genügend Zündstoff, der so gar nicht in eine übersichtliche Schublade Platz finden kann, somit eine akribische Analyse viel eher Anwendung finden möge, anstatt dermaßen vorschnell Urteile zu fällen.

Selbstverständlich dürfen Gewaltausbrüche nicht gleich leichtfertig verharmlost werden, wie wir auch hier nachlesen können, in der Titulierung des Artikels eben nicht nur ein Schuldiger verbleibt nach jener blutigen Nacht in Marseille. Gleichwohl die Überlegung und Herleitung zur zurückliegenden „Schande von Marseille“ vor knapp 18 Jahren durchaus berechtigte Zweifel aufkommen läßt, ob da nicht ein gewisses Wutpotential mitschwingt.

Da kam wohl zuviel zusammen. Bedenkt man obendrein die angespannte Lage in Frankreich selbst, weil immer mehr Menschen in der Bevölkerung die harten zu erwartenden sozialen Einschnitte keineswegs mehr bereit sind hinzunehmen, heftige Proteste gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform in Ausschreitungen mündeten.

Wer hierbei zum Fazit gelangt, es kehre schon bald Ruhe ein, eventuell eine Verschnaufpause angesichts der Fußball-EM, der könnte schnell eines Besseren belehrt werden. Zwar beendete die französische Mannschaft gerade noch siegreich das gestrige Auftaktmatch mit 2:1, die Probleme im Lande lösen sich jedoch nicht von selbst, auch lauert obendrein die Terrorgefahr.

„Bienheureux ceux qui croient à l’amour plus qu’à la haine. Glücklich diejenigen,
die mehr an die Liebe als an den Haß glauben.“

Lotar Martin Kamm

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