Anakonda 2016: NATO schlängelt in Polen Russland entgegen

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Neuer Kalter Krieg eine gefährliche Eskalationsoption

Als ob ausgerechnet Polen nicht schon genügend Leid erfahren hätte, wer mal die historischen Abläufe betrachtet, spielt die neue Führung unter der rechtspopulistischen Führung der PiS (Recht und Gerechtigkeit) mit dem Feuer, reizt vollkommen unnötig Russland. Mit dem nunmehr begonnenen größten Militärmanöver seit 1989 namens „Anakonda“ schlängelt die NATO in Polen Russland entgegen, ein neuer Kalter Krieg offenbart eine gefährliche Eskalationsoption.

Mal ganz abgesehen von weltweiten Spannungen, die allesamt keineswegs zufällig stattfinden, wird der kritische Beobachter das Gefühl nicht los, daß allen voran jene USA möglichst provozierend auftreten, jedes noch so kleine Mittel beherzt aufgreifen, um ihre aggressive, hegemoniale Politik durchzusetzen, explizit per militärische Drohgebärden bis hin zu tatsächlichen Kriegseinsätzen. Muß die in die Ecke gedrängte Russische Föderation nicht zwangsläufig reagieren, weil die USA ihr keine andere Wahl lassen?

Nach Napoleon und Hitler folgen bald schon Clinton oder Trump?

Am Ende der US-amerikanischen Vorwahl angelangt, entscheiden entweder Hillary Clinton oder Donald Trump das Rennen, wer nun 45. Präsident der USA anfang November werden wird. Bis dahin sortieren die Strategen im Weißen Haus ihre Taktiken, schüren das Feindbild Russland mit allen Mitteln, der/die neue Präsident(in) hat keine andere Wahl, als sich der Macht der Militärs und Rüstungsindustrie zu beugen.

Was Napoleon und Hitler vergeblich versuchten, soll dann die neue US-Führung wiederholen, Russland anzugreifen? Welch wahnsinnige Ideen in den Köpfen solcher Machtmenschen. Da hilft auch nicht die alte, erneut aus der Mottenkiste hervorgekramte Strategie des vergangenen Jahrhunderts, die die NATO-Führung auf ihre Fahnen schreibt: Abschreckung und Verteidigung. Das inpliziert einen möglichen Angriff seitens Russlands, der komplett fern jedweder Realität. Man mag Putin einiges unangebrachtes unterstellen, aber exakt das Gegenteil ist Fall: Die USA wollen in Wirklichkeit die Konfrontation, welche mittels Ukraine- und Syrienkrieg bisher nicht glückte.

Polens Waffenrausch und Steinmeiers Rolle – wenig Hoffnung auf Entspannung

In Polen greift ein ungebremster Patriotismus um sich, verbünden sich gar Gegner im Waffenrausch als Vorbild für Europa. Welch frapantes Signal in die falsche Richtung zum Ereignis des bevorstehenden NATO-Gipfels am 8. und 9. Juli kurz vor dem Fußball-EM-Finale, wenn deren Fans gen Frankreich glotzen, ob mit oder ohne dem Fußballweltmeister im Endspiel.

Dabei wünscht sich der Russland-Experte Alexander Rahr ausgerechnet Frank-Walter Steinmeier herbei, der doch sehr entscheidend den Maidan-Putsch befürwortete, vehement Putin Aggressionen unterstellt hatte? So kurzsichtig die Erinnerung, wenn zweckdienlich nach jedem Strohhalm gegriffen wird? Es verbleibt wohl wenig Hoffnung auf Entspannung, einen Dialog mag es im günstigsten Fall zwischen der russischen Führung und der NATO und deren Verbündeten geben, aber ob dann friedliche Ergebnisse folgen, darf angezweifelt werden.

Lotar Martin Kamm

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Eine Fahrt ins Blaue dem Meer entgegen (Teil 2)

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Träume sind Schäume mit jähem Ende

Autobahnfahren hat sowas eintönig wiederkehrendes, zumal Leitplanken, vorrüberhuschende Fahrbahnmarkierungen das Auge in Trance versetzen können, lediglich wachgehalten von großer Aufmerksamkeit, technikbeherrschend einer hohen Geschwindigkeit ausgesetzt. Steven, um auch mal den Namen des Journalisten zu nennen, saß gedankenversunken in seinem Sportwagen, nur sehr wenige nötigten ihn, mal kurz auf die Mittelspur auszuweichen, 260 km/h wollten erst mal überboten sein.

Schön, daß Kraftwerk selbst bei geringerer Geschwindigkeit ihren revolutionären Song in damaligen Zeiten komponierten, dachte Steven gerade, als eine kesse Rothaarige mit ganz vielen Sommersprossen im Gesicht, wie er für einen Moment registrierte, ihn überholte, nachdem kurz zuvor die aufgeblendete Lichthupe unmißverständlich ihn veranlaßte, elegant nach rechts auszuweichen. Freche Göre, schoß ihm mit einem Lächeln auf dem Gesicht durch den Kopf.

Die nächste Ausfahrt war ohnehin nicht fern, schon setzte er den Blinker und fuhr ab, folgte der Beschilderung gen Meer. Der Atlantische Ozean hat eine ganz eigene, unverwechselbare Seele, denn Meer ist längst nicht gleich Meer. Das Mittelmeer hingegen gleicht eher einem größeren See, ganz ähnlich wie der Vergleich zwischen Bodensee und Chiemsee oder Nord- und Ostsee. Hier in der Bretagne, dem wohl westlichsten Zipfel des europäischen Festlandes, spürte man das Aufbäumen bei Flut, die ganze Wucht, die aus der Neuen Welt Amerikas die alte heimsuchte, erst recht bei politischen Hintergedanken, die der Mittvierziger allerdings schnell beiseite schob.

Die Rothaarige ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, wohl ganz typisch für die Midlife-Crisis, so sinierte Steven, als lautes Hupen ihn zurückholte in die rauhe Wirklichkeit. Die Kreuzung war doch komplett frei, für lange Momente war er zu lang gestanden, beschleunigte und las noch rechtzeitig den Wegweiser zum Strand, à la plage 1,5km.

Dieses Blau, die salzige Luft, das Gekreische der Möwen, die heranschäumenden Wellen, die weit ausliefen am Strand, hie und da an zusammengewürfelten Steinfelsen lautstark brachen, aufgeregte Menschenstimmen etwas abseits, zwei bellende Hunde, wobei einer ständig vergeblich ins Wasser biß, der andere aufgeregt scharrend ebenso eine Sandburg bauen wollte wie manch Kinder hier. Steven beobachtete das emsige Treiben an jener malerischen Kulisse, die sich ihm bot, als er plötzlich die Rothaarige in der Sonne liegen sah, auf gelber, riesiger Decke.

Lässig schlenderte der Mitt-Vierzigjährige auf die rothaarige Sommersprossen-Versuchung zu, geballte Männerkraft überraschte andere am Strand, die wohlwollend hinschauten. Im letzten Moment aber endete unverhofft das vermeintliche Rendezvous. Eine hübsche rassig Schwarzhaarige stürmte salzwassernaß zur Liegenden, küßte diese auf den Nacken, die Lippen der beiden jungen Frauen fanden sich in trauter Gewohnheit, für Steven Grund genug, sich in die Fluten des Atlantiks zu stürzen, manch Badegast grinste.

Lotar Martin Kamm

Eine Fahrt ins Blaue dem Meer entgegen (Teil 1)

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Schuster bleib bei deinen Leisten

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Trugschluß oder unabdingbare Redensart?

Schuster bleib bei deinen Leisten. Entweder wird diese Redensart als einfache Aussage oder als Ausspruch, Ausruf verwendet. Die Bedeutung bezieht sich nicht nur auf den handwerklichen Bereich des Schusters, sondern verdeutlicht unter anderem, jemand soll sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, nicht über Dinge zu sprechen, die die Person eigentlich nichts angeht, bleibe bei dem dir vorgegebenen Weg, auch in Bezug auf deine Ausbildung, Beruf.

Es wird behauptet, daß diese Redensart schon seit hunderten von Jahren bekannt und angewandt wird. Anscheinend ist die Redensart auf den Maler Apelles, der zur Zeit Alexander des Großen in Rom gewirkt hat, zurückzuführen, der, nachdem ein Schuster ein Bild von ihm kritisierte, geantwortet haben soll: „Was über dem Schuh ist, muß der Schuster nicht beurteilen“, so jedenfalls schildert es der römische Schriftsteller Plinius.

Für einige Menschen mag sich ihr beruflicher Lebensweg schon sehr früh abzeichnen und sie wissen schon Anfang der Pubertät, durch ihre Berufswahl, mit welchen Talenten sie ausgestattet sind, um in ihrem gewählten Ausbildungsplatz bis ins Alter glücklich zu sein. Die meisten Menschen aber brauchen mehrere Anläufe, um die Tätigkeit zu finden, mit der sie nicht nur ihren Lebensunterhalt finanzieren, sondern sich auch identifizieren. Ausbildungs-, Schul- und Studienabbrüche sind in den Lebensläufen zu finden, nicht immer werden sie ehrlich angegeben, denn die Gesellschaft sieht in den Abbrüchen immer gerne noch ein Versagen des Menschen.

Anderseits wurde, wird gerade das Austesten verschiedener Berufswege als das Nonplusultra angepriesen, gleichzeitig aber war, ist diese Angabe im Lebenslauf oft der Grund, warum ein Bewerber abgelehnt wird. Wie denn nun?

Die Entwicklung eines Menschen kann, wird trotzdem gerne versucht, nicht in Tabellen genauestens angegeben werden. Zu unterschiedlich sind die Prioritäten, die Menschen brauchen, um sich zu entwickeln. So kann es ohne weiteres sein, daß ein Kind erst mit zweieinhalb Jahren zu laufen beginnt, aber sich bereits sprachlich sehr gut ausdrücken kann. Selbst Zwillingsgeschwister beginnen nicht unbedingt gleichzeitig, sondern oftmals durch Tage oder Wochen verschoben ihre ersten Schritte.

Die Aussage, Schuster bleib bei deinen Leisten, ist insofern nicht aussagekräftig, wenn es um berufliche Entwicklung geht, auch Einwände, die von jemanden geäußert werden, der nicht unbedingt von einem Fachgebiet Kenntnis hat, können zweifelsohne ihre Richtigkeit haben. Allerdings beim Einmischen in persönliche Angelegenheiten, Zwistigkeiten unter Freunden, sollte der sich Äußernde die Fähigkeit besitzen, nicht eine einseitige Betrachtungsweise in die Auseinandersetzung fließen lassen, sondern genügend Menschenverstand das Entstehen des Konfliktes zu betrachten und zwar aus beiderseitigem Standpunkt. Denn hier liegen meist zurückliegende Unstimmigkeiten vor.

Schuster bleib bei deinen Leisten zählt übrigens oftmals nicht in den „höher gestellten“ Positionen. In den USA konnte ein Schauspieler Präsident werden, politische Ämter und Vorstandsposten können auch von Menschen besetzt werden, die aus völlig anderen Sparten und deren berufliche Kenntnisse überhaupt nichts mit diesen Stellungen zu tun haben.

Bei „normalen“ Arbeitern und Angestellten wird dies allerdings verneint, es wird ihnen abgesprochen, daß sie die Fähigkeit besitzen, in bis dahin völlig berufsfremde Sparten ihren „Meister“ zu stehen. Ganz fatal trifft es die Älteren, bei ihnen kommt die Redensart, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, hinzu. Auch wenn eine Arbeitsministerin vor ein paar Jahren großspurig angekündigt hat, Menschen, die auf Grund ihrer körperlichen Tätigkeiten ihren alten Beruf nicht mehr ausüben können, könnten ohne weiteres in den kaufmännischen Bereichen neue Jobs bekommen. Nur wurde übersehen, daß der kaufmännische Bereich, bedingt durch vielerlei Umstände, überhaupt nicht mehr die Kapazität hatte, diese Menschen „unterzubringen“.

Schuster bleib bei deinen Leisten, trifft wohl dann am besten zu, wenn der Mensch sich selbst treu bleibt, unabhängig vom beruflichen, sozialen, wirtschaftlichen Stand und sich nicht aus Gründen der Vorteilsnahme, Beziehungen in seiner Persönlichkeit beeinflussen läßt.

Doris Mock-Kamm

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Wohnungsmarkt: Mietpreisbremse ein einziger Flop

denk klein

Spekulation und Wohnungsnot – welch dramatische Entwicklung

Arno von RosenDie Mietpreisbremse sollte alle erhitzten Gemüter beruhigen. Verbände rannten gegen die steigenden Mieten in den Großstädten an, und die große rot-grüne Koalition nahm sich des Themas wahlwirksam an. Und so wurde der große Wurf beschlossen. Der Mietzins sollte bei bereits bestehenden Mietverträgen nur noch kalkulierbar steigen und für Neuvermietungen zumindest bei der Vermittlung durch einen Makler das Auftragsprinzip gelten, also das derjenige die Provision an den Makler bezahlt, der ihn beauftragt.

Das waren bisher meistens die Vermieter, die sich die Arbeit gerne abnehmen ließen, Wohnungs- oder Hausbesichtigungen zu machen, dem zukünftigen Mieter unangenehme Fragen zu stellen wie etwa, wo und wie lange arbeiten Sie schon? Was verdienen Sie, haben sie Bälger und einen Köter, äh, ich meine liebreizende Kinderchen und den treuesten Freund des Menschen, und dergleichen mehr?

Was ein Vermieter will, sind pensionierte Beamte, die ihre Hose mit der Pinzette zumachen, weiße Socken tragen und zweimal im Jahr in den deutschen Urlaub fahren. Mieter sollten weder Tiere noch Kinder haben, nicht alleinstehend sein (wer will schon dauernd Besuch im Haus, außer neugierige Nachbarn vielleicht), natürlich müssen sie reinlich sein, ohne sich über den Zustand des Hauses zu mokieren, nie die Kürzung der Miete androhen, Reparaturen stets selbst ausführen, ein Fachbetrieb wäre schön und ganz wichtig, am 1. des Monats ist die Miete auf dem Konto des Vermieters.

Mieter sind da naturgemäß flexibler, denn Kinder und Tiere sind kein Problem. Vom geliebten Hund über eine Katze mit Diva-Allüren bis hin zu schmeichelnden Reptilien mit einer Länge von 5 Metern ist alles cool. Instandhaltung ist Sache des gierigen Hausbesitzers. Wenn Dreck neben den Mülltonen liegt, waren es sowieso die Nachbarn, und der Schimmel kommt immer von Kältebrücken, schließlich sind die Fenster so marode, dass ein Öffnen nicht mehr nötig, weil es sowieso zieht wie Hechtsuppe. Deshalb sind die Nebenkosten auch so gigantisch und werden mit 50 Ocken im Monat abgestottert, jedenfalls so lange man da überhaupt noch wohnt, in dem überteuerten Drecksloch. Und wer hat jetzt gewonnen bei dem neuen Gesetz?

Ähm, ich will ja kein Spielverderber sein, aber es hat sich eigentlich nix geändert, denn es gibt nur eine kleine Gruppe von Mietern, die von der komplizierten Regelung profitieren können. Die wohnen schon lange in der Wohnung, und der Vermieter hat dauernd vergessen, die Miete zu erhöhen. Es würde mich jetzt wundern, wenn ausgerechnet Sie zu dieser Gruppe gehören würden, denn die Wahrheit ist, dass der überwiegende Wohnraum nicht nur regelmäßig neu vermietet wird, sondern auch von Wohnungsgesellschaften verwaltet und vermarktet wird.

Mietzinsentwicklung

Dazu kommt, dass das Gesetz nicht bei Neubauten oder Luxussanierungen gilt. Was ist denn mit der Maklercourtage? Erst lief die Branche Sturm, und Szenarien von mittellosen Maklern machte die TV-Welt unsicher, aber schließlich fand man genug Tricks und Kniffe, um den zukünftigen Mieter doch wieder zu Kasse zu bitten, und das gilt nirgendwo mehr als in den Großstädten.

Wie kam es zu der Mietmisere in den Metropolen? Nun, als die Aktienmärkte abrutschten, die Immobilienblase weltweit platzte und die …, was? Wieso dann wieder die Immobilien so teuer sind, obwohl die Banken gerade damit auf die Schnauze gefallen sind? (Na gut, nicht nur damit, sondern auch, weil man mit miesen Papieren auf dem Aktienmarkt „Reise nach Jerusalem“ gespielt hat und die letzten und kleinen Banken wurden zum Schluss in den Allerwertesten gekniffen). Also, die Länder retteten die Banken, gerne mit Steuergeld, weil es davon so viel gibt (Ironiebutton bitte anschalten), und nachdem die Großaktionäre/Milliardäre wieder ihr sauer verdientes Geld in den langen schön gefeilten Händen hatten, gab es weder lukrative öffentliche Anleihen (Staatsschulden), Edelmetallkurse mit Zukunft, Aktienpapiere, denen man trauen konnte und …, aber das würde jetzt für das eine blöde Gesetz zu weit führen.

Also Menschen mit Geld entdeckten für sich das Betongold, und weil ja ein Grieche, Spanier, Italiener, Engländer, Deutscher, Schweizer…, äh auch hier beenden wir die Liste, sich nicht mit den guten Immobilienorten auskennt, kauft er einfach in Großstädten wie London, Paris, Berlin, München (ist für einen Bayer natürlich eine Metropole) usw. alles auf, was bei Drei nicht auf dem Baum war, und schwups stiegen die Preise ins unermesslich Absurde.

Ja, Sie sind ein Cleverle, denn damit haben wir natürlich die nächste Immobilienblase, die wieder zwangsläufig platzen wird, denn die Drei-Zimmer-80 m²-Wohnung in München Schwabing ist natürlich keine 650.000 Euro wert, vor allem, wenn die gleiche Bude in Meck-Pomm gerade mal schlappe 40.000 Schleifen kostet, nur mit dem Unterschied, dass dorthin kein Geldfürst seine Penunzen verschiebt. Und weil nun mal Geld die Welt regiert, vergessen Sie am besten das Gesetz und legen sich ihr Erspartes unter die Matratze, denn um ein Haus zu kaufen, dürfen Sie maximal drei Jahresgehälter ausgeben, alles darüber verschwendet ihr Geld, selbst wenn die Europäische Zentralbank den Zins auf minus 2% senken sollte (ist machbar, aber wäre Idiotie), können Sie sich keine eigenen vier Wände leisten.

Daher pendeln wir, sind nett zum Vermieter, zahlen unsere Miete pünktlich und heben den Müll neben der Tonne auf, selbst wenn er nicht von uns ist. Außer, ja, außer Sie wohnen in Wien, denn dort bezahlt die Stadt den normalen Menschen mit normalen Jobs den Anteil der Miete, den sie sich nicht leisten können, damit genau diese Menschen nicht wie Lohnsklaven täglich zwei Stunden pendeln müssen, um sich dann noch als Rabeneltern beschimpfen zu lassen.

Und so schließe ich den heutigen Artikel, der von einem Gesetz handelt, welches heiße Luft um die Ecke schiebt, mit einem Satz von Karl Valentin:

„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

Ach ja, Ironiebutton wieder aus…

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Lauschen – ein ungewollt oder zufälliges Unterfangen

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Eng geschnallte Gürtel und Bereicherung per rechter Indoktrination

Es geziemt sich nicht, doch jeder hat es schon getan, entweder absichtlich oder rein zufällig, denn unser Gehör können wir nicht abschalten. Gemeint ist das Lauschen, das Zuhören bei Gesprächen, die uns eigentlich nichts angehen sollten. Nun, wenn man unbeabsichtigt in einem Café, das seine Bestuhlung so aufgestellt hat, daß zwischen den einzelnen Tischen bequem auf den Stühlen zu sitzen, schon mit einem dicken Wintermantel Schwierigkeiten bereiten würde, ist es wohl zwangsläufig nicht zu vermeiden, ein Gespräch am Nebentisch mitzuhören.

„Über was du dir alles Gedanken machst?“

„Ne, das ist mir einfach so eingefallen. Damals als es hieß, den Gürtel enger schnallen, weil Rezension und so, da konnte man das doch gar nicht glauben, der Wirtschaft und den Leuten ging es doch verhältnismäßig gut. Die hatten doch unter anderem durch den Mauerfall unheimliche Gewinne eingeheimst.“

„Das hattest du gerade eben schon gesagt!“

„Also wurden überall Kürzungen vorgenommen, natürlich beim kleinen Mann, Lohnkürzungen, teilweise Weihnachts- und Urlaubsgeld gestrichen, mehr Stunden ohne Ausgleich, weißte noch?“

„Ja, mein damaliger Chef hat sich bei der letzten Weihnachtsfeier, die er für den Betrieb veranstaltete, das war, warte mal, 1998, hingestellt und gesagt, wenn er aus dem Fenster sehe, würde er nur dicke Autos sehen, seine Mitarbeiter in, ich glaube das war in Tschechien, würden zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit kommen. Und er müßte wegen der Erweiterung seines Betriebes Einsparungen vornehmen, damit die Firma konkurrieren könnte auf dem Weltmarkt, und nur damit sei es möglich, in ein paar Jahren wieder Gewinne zu erwirtschaften. Hinterher haben wir erfahren, daß er sich auf einem riesigen Grundstück ein fast herrschaftliches Haus mit Garten, Swimmingpool gebaut hat, seine Tochter hatte bei diesem Weihnachtsfest ein Pferd geschenkt bekommen und die Frau fuhr plötzlich Porsche. Mir brauchst du da nichts erklären.“

„Okay, so nach dem Beispiel deines damaligen Chefs sind dann so ziemlich alle Firmen vorgegangen, war plötzlich selbstverständlich, oder man hat Firmen verkauft, über Tochterfirmen eingekauft, danach den Mitarbeiten neue Verträge untergejubelt, die haben dann ihren langjährigen Mitarbeiterstatus verloren, obwohl der ehemalige Chef immer noch derselbe war. Zumindest bei einigen großen Firmen. Viele Mittelständische Betriebe sind Ende der Neunziger in die Pleitefalle geworfen worden. Und kannst du dich noch an die Immobilienblase erinnern? Reine strategische Vernichtungsmaschine für Menschen, man bot ihnen super Kredite an, in dem Wissen, daß ihre Arbeitsplätze auf Grund des getürkten scheinbaren Kollaps der Wirtschaft nicht sicher waren und sie die Häuser mittels Zwangsversteigerungen wieder in den Besitz der Banken kommen, günstiger natürlich. Nicht die Bank selber, das war selten der Fall, aber durch andere Kaufinteressenten, so konnte man auch seine eigenen Gewinne unter den Teppich kehren.“

„Waren zu der Zeit nicht auch so viele Menschen auf die Fonds reingefallen?“

„Ja, eine Nachbarin hat ihre beiden Lebensversicherungen vorzeitig gekündigt, sie in einen ihren glaubhaft versicherten Fond gesteckt und alles verloren. Schließlich kann niemand den Banken und Versicherungen nachweisen, wo sie das Geld platziert haben, somit stand der Weg frei, das investierte Geld der Kunden vorläufig zu verbrennen, um es anderweitig zu benützen.“

„Ging damals nicht auch die Selbstmordrate in die Höhe?“

„Nach offiziellen Angaben nicht, aber selbst in den ländlichsten Gegenden haben Menschen sich das Leben genommen, sich sogar mit ihren Häusern in Brand gesteckt. Was ich dir aber sagen wollte, also das, was mir so in den Kopf kam, ohne nachzudenken, ist die Strömung in Europa, die jetzt überall den völkischen, patriotischen Finger hebt, die profitiert von den Geldern, die durch die Wegnahme der sozialen Verantwortung der Betriebe mehr Gewinne scheffelten, und diese Gewinne verteilen sie, ohne selbst Verluste einzufahren, an all jene, die dafür sorgen, daß eine alte verkrustete Gedankenphilosophie wieder gestärkt wird.“

„Wie kommst du denn da drauf?“

„Ganz einfach, Geld, das mal da war, kann nicht verschwinden, du kannst nur den Wert kleinreden. Zweitens, kannst du dir vorstellen, daß ein unter humanitärer, ökonomischer Sicht arbeitender Betrieb Menschen unterstützt, die die Hierarchie- und Lebensform unterstützen, die an die Anfänge der sogenannten Industrialisierung erinnern?“

„Du meinst, die Verarmung, der soziale Abbau, ist von langer Hand geplant? Das hört sich doch wieder nach Verschwörungstheorie an! Und wie passen die Identitären und die jungen Rechten da rein?“

„Ach, das sind meistens junge Menschen, denen es noch nie wirklich an etwas gefehlt hat, die keine Ahnung von Hunger, Leid haben und teilweise abgestumpft an Gefühlen sich an einer verlogenen Ideologie der idyllischen Gemeinschaft angezogen fühlen, ohne dabei zu wissen, mit welcher Kraft ihre Eltern und teilweise Großeltern sich die Freiheit, die sie die gesamte Zeit genießen durften, erstritten haben.“

„Du kommst auf Sachen, das hieße ja, wenn man die Strömung weiter zuläßt, würde man damit…“

„Hallo Schatz, mußtest du lange auf mich warten? Irgendwie ist die ganze Stadt wieder vollgestopft mit Autos, erst im zweiten Parkhaus habe ich Glück gehabt, dafür mußte ich aber dort, du weißt schon, in die Lindenallee, da kostet eine Stunde Parken fünf Euro, außer du läßt dir im neuen Einkaufszentrum abstempeln, daß du dort für mindestens 20 Euro was eingekauft hast. Brauchen wir noch etwas zum Wochenende? Vielleicht können wir noch kurz durchschlendern? War es arg schlimm beim Zahnarzt? Ach ja, Bruno hat angerufen, ich habe ihm gesagt, am Samstag könnte ich vorbeischauen, um ihm beim Bau der Hundehütte zu helfen.“

Das hat man davon, wenn man lauscht, man kann ohne weiteres ertappt werden, durch irgendetwas davon abgehalten werden, also gestört werden, muß damit weiterleben, ohne jemals das Ende des Gespräches zu erfahren. Irgendwie kommt man sich so vor, ein Buch gelesen zu haben, um erst auf der letzten Seite festzustellen, daß fünf Seiten bis zum Schluß fehlen.

Doris Mock-Kamm

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Armenien-Resolution: Erdoğans Gewitterwolken ziehen nicht ab

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Von Morddrohungen bis hin zur Geschichtsklitterung

Der Vergleich mit den Wettertiefs, die in den letzten Tagen weite Teile Deutschlands in Atem hielten, mag hinken, aber nach der nahezu einstimmig verabschiedeten Armenien-Resolution des Bundestags am vergangenen Donnerstag ziehen Erdoğans Gewitterwolken nicht ab.

Im Gegenteil, die Töne aus der Türkei werden aggressiver, ihr Präsident heizt die Stimmung weiter an, von Mordaufrufen gegen elf türkische Bundestagsabgeordnete ist die Rede. Welch politische Signale an die Weltöffentlichkeit, dies alles nur, weil ein begangenes Massaker der Türken an der armenischen Bevölkerung vor 101 Jahren bis heute die Führung in Ankara nicht als Völkermord definiert haben will. Wortklauberei ohne Sinn und Verstand, zumal die historische Aufarbeitung schon lange abgeschlosssen keinen anderen Schluß zuläßt.

Genozide – weiterhin Spekulationen bis hin zur Negierung ausgesetzt

Eines der tragischsten, weil mitten im Herzen Europas geschehen: die Leugnung des Holocausts. Besonders rechtspopulistische Kräfte und deren Gedankengut wagen es gerade heutzutage vermehrt, ihn in Frage zu stellen, die Zahlen herunterzurechnen, erheblich zu verharmlosen, bis hin zu wilden Theorien, die den Alliierten, insbesondere den USA angelastet werden, die Öffentlichkeit getäuscht zu haben.

Man sollte viel eher der ausführlich, akribisch untersuchten allgemeinen Stellungnahme zu den bekanntesten Völkermorden folgen. Der nicht seitens des Deutschen Bundestages per Resolution benannte Aufstand der Herero und Nama, der in einen Völkermord durch die deutsche Kolonialmacht (1904-1908) mündete, was der Historiker Jürgen Zimmerer jüngst rügte.

Vor dem Holocaust sei eben der Armenien-Genozid, zugleich der Porajmos (1939-1945), Völkermord an den Sinti und Roma, genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg die Völkermorde in Burundi, in Ruanda und das Massaker von Srebrenica, ganz abgesehen von den Kongo-Gräueln, den Indianerkriegen, der Stalin-Säuberung, dem Holodomor (Tötung durch Hunger) in der Ukraine (1932 bis 1933) oder dem Massenmord an Kommunisten in Indonesien.

Wer schweigt, gar verharmlost oder droht, hat was zu verbergen

Allen voran eben jetzt die Türkei, an dessen Spitze ihr Präsident, der gern auch mal die USA nachäfft, bereits vor fünf Jahren deutlich seine Abneigung zur Aufarbeitung des Armenien-Völkermords unterstrich, in dem er das 30 Meter hohe „Denkmal der Menschlichkeit“ des türkischen Bildhauers Mehmet Aksoy abreißen ließ, welches der Versöhnung zwischen Türken und Armeniern galt.

Äußerst verwunderlich jene Haltung, zumal weder Erdoğan selbst noch ein anderer türkischer Zeitgenosse direkt für jene damaligen Massaker verantwortlich gemacht werden. Es geht lediglich um die Bekennung, ein Akt der Versöhnung. In sofern wollen dies wohl jene Morddrohenden und ein Herr Erdoğan mitnichten. Bei soviel unangebrachter Gegenwehr kann man schon ein Schuldeingeständnis deuten.

Lotar Martin Kamm

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Ohne Fleiß kein Preis

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Konkurrenz und Rivalität belastet die Gesellschaft nicht folgenlos

Ohne Fleiß kein Preis, denn haste was, biste was. Solange Gesellschaften unter diesem Motto ihre Grundfesten haben, kann kein wirkliches Miteinander funktionieren. Es ist der absolute Konkurrenzkampf, der mit diesen Floskeln eingeläutet und beständig als Leistungsbeweis erschreckenderweise schon in den Kindergärten vermittelt und eingefordert wird.

Selbst wenn wir von dem besten Fall ausgehen, den Eltern ihren Kindern zukommen lassen, nämlich bedingungslose Liebe, kann diese in den Momenten gestört werden, in denen dem Nachwuchs unterstellt wird, der kann noch nicht richtig laufen, sprechen, selbständig auf Toilette, Puzzle zusammenfügen, nur auf einem Bein stehen und das in dem Alter. Damit wird den Eltern impliziert, ihr Kind ist zurückgeblieben, auch wenn man sich als Eltern bemüht, dem keine Beachtung zukommen zu lassen, wird dadurch bereits ein kleiner Stachel der Unvollkommenheit zur Liebe gelegt. Denn spurlos gehen solche Äußerungen selbst bei Eltern mit dem dicksten Fell nicht vorbei.

Fleiß, die Wortherkunft ist ungeklärt, findet sich in dem althochdeutschen Wort flīʒ, das so viel bedeutet wie „laut Duden“ (Wett)streit. Ohne Wettstreit, kein Preis.

Fleiß, sich ständiges Bemühen ohne Unterlaß oder Wettstreit, sich ständiges Bemühen ohne Unterlaß, in Konkurrenz zu andern oder gegen sich selbst. Im Prinzip unerheblich, denn der Anspruch nach größer, besser, weiter, verbirgt sich hinter beiden. Erst kürzlich waren die Medien entsetzt (wirklich) über die Laufveranstaltung eines Kinderfestes, bei dem die Eltern ihre Kinder auf der Laufstrecke hinter sich herzogen, um ihrem Kind zu ermöglichen, als erstes durchs Ziel zu laufen, um auf dem Siegertreppchen zu stehen, eine Medaille, einen Pokal, eine Teilnahmebestätigung zu bekommen. Hier hat schon längst der Konkurrenzkampf unerbittlich zugeschlagen.

Und das obwohl es völlig unnötig ist, zumal eine Konkurrenz, Rivalität, sagen wir mal ganz frech, eine natürliche Eigenschaft des Menschen ist. Wer mit mehreren Geschwistern aufgewachsen ist, kennt dies sicher zur Genüge. Wer im Religionsunterricht aufgepaßt hat, kennt noch die Erzählung über Kain und Abel und den Ausgang dieser Konkurrenz.

Ohne Fleiß keine Anerkennung, ohne Ellbogendenken keinen Gewinn, keinen Wert. Für manche Eltern der Ansporn, ihre Kinder zu Höchstleistungen zu treiben, im schlimmsten Fall wie die salopp benannten Tigermütter. Wobei der Begriff sich nicht ausschließlich auf Mütter beziehen muß, sondern auch auf Väter, die alles dransetzen, aus ihren Sprößlingen einen Jahrhundertmeister in den, dann obendrein von ihnen ausgesuchten Fachgebieten werden zu lassen.

Damit löst sich die bedingungslose Liebe der Eltern auf, und Leistung wird zur Bedingung für Liebe. Nun beginnt der Kampf um das Sammeln von Pokalen, Lobhudeleien, Noten, kurz, Dinge, die man vorzeigen kann, denn haste was, biste was. Allerdings benötigen manche Kinder keine besonderen Preise, um damit zu konkurrieren, sie bringen von zuhause schon den Namen, den sozialen Status mit ins Rennen, der ihnen von vornherein eine bessere Startposition ermöglicht.

Dieser Wettstreit (Fleiß) wird vorausgesetzt für alle zukünftigen Handlungen, die das Kind fortan unternimmt, dabei werden die Mittel zum Erreichen der besten Position oftmals durch Hinterhältigkeit, Denunziation, Lügen, Heuchelei, Betrug nicht in dem Maße angemahnt wie der Wille zum Erfolg. Kein Wunder also, daß einige Menschen daran zerbrechen, Nervenzusammenbrüche, Burnouts, Selbstmord, Selbstaufgabe oder mit ihrem Umfeld abschließen und die große weite Welt bereisen.

Eine Gesellschaft, die Fleiß (Wettstreit) und Preis (Ware) als Bemessungsgrundlage für den Wert eines Menschen, als eine der obersten Prioritäten des täglichen Umgangs zwischen den Menschen fördert, darf sich nicht wundern, wenn Neid, Haß, Mißgunst in deren Mitte sich ausbreitet. Haste was, biste was. Haste nix, biste nix.

Doris Mock-Kamm

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