Silberfäden im Haar

© Doris Mock-Kamm

© Doris Mock-Kamm

Silberfäden durchzogen ihr langes Haar,
ihre Bewegungen alles andere als starr.
Von hinten anzuschauen wie eine junge Frau,
ihre Mimik das Lächeln, stolz wie ein Pfau.

Das Alter hat ihre dunkle Haut welken lassen,
die Wörter sprudeln wie Wassermassen,
wenn sie spricht, spürt man Lebensfreude,
kein böses Wort der Vergangenheit, keine Reue.

„Das Leben ist wie eine Bergwanderung,
du siehst den Gipfel, Nebelschwaden ringsrum,
du verirrst dich trotz Anstrengung, immer wieder,
gehst zurück, im Kreis, läßt dich eine zeitlang nieder.

Beweinst die Menschen, die entweder zurück
oder gestorben sind, woanders fanden das Glück.
Der wolkenumhangene Gipfel schien manchmal nah,
ein Irrtum, anderntags schien die Sonne, wunderbar.

Die einzige Mühsal, das ist erst im Alter zu erkennen,
die Strecke zum Gipfel ist kein Pferderennen,
deine Stärke zeigt sich auf den letzten Metern,
es ist die Kraft, durch Nebel den Gipfel zu betreten,

die Herrlichkeit der Wegstrecke, die Serpentinen,
die Nachtlager, die Bäume, die verwobenen Linien,
die Weite, die spärliche Luft, die das Atmen erschwert,
spürst dein Innerstes, Tod, dies Leben war es wert.

Dieser Moment zählt bei weitem zu den schwersten,
Zukunft, jetzt, Vergangenheit auf einmal im Herzen.“
Sie nestelt an ihrem Haar, wischt eine Strähne fort,
in ihrem Gesicht spiegelt sich das Lächeln der Geburt.

Nafia

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Vergewaltigung: Sexualstrafrecht in einer Welt des Patriarchats

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Freie Entfaltung vs. Menschenwürde im Widerspruch

Straftatbestände gegen die sexuelle Selbstbestimmung belasten erheblich ein friedliebendes Zusammenleben in allen Gesellschaften, zumal obendrein eine ungeahnte Dunkelziffer innerhalb von Partnerschaftsgemeinschaften inklusive dem dramatischen Bereich pädophiler Übergriffe erst recht für genügend Leid sorgt. Und der Staat schaut meist hilflos zu, das Sexualstrafrecht in einer Welt des Patriarchats muß auch hierzulande als ziemlich dürftig bezeichnet werden, was gerade die Strafmaße anbelangt.

Die freie Entfaltung vs. Menschenwürde etwa im Widerspruch? Auf alle Fälle, denn nach wie vor meinen Sexualstraftäter, das deutlich ausgesprochene Nein neben anderen klaren Signalen zur Abwehr gelte nicht für sie, was erst recht deren Tatfortsetzung beflügelt. Unabhängig davon, daß ein solch erzwungener Akt alles andere als angenehm sein kann, stellt sich genau hier die Frage: Wie krank muß die Moralvorstellung unserer Gesellschaft sein, daß viel zu oft in der Praxis die Opfer sich erklären müssen, während ein zu hohes Maß an Verständnis Tätern entgegengebracht wird?

Der Fall Gina Lisa-Lohfink

Garantiert geistert in den Köpfen manch hämischer Damen und Herren das vorschnelle Urteil, daß wenn jemand als Modell und It-Girl unterwegs sei, es nahewegs anlegen würde, sexuell auffallen zu wollen, um somit belästigt zu werden. Fehlanzeige! Gerade Menschen, die sich dermaßen selbstbewußt in der Öffentlichkeit präsentieren, sind eben in der Praxis kaum ein Opfer, das Gros der Sexualstraftäter vergreift sich an hilflos erscheinende Menschen.

Gina Lisa-Lohfink hat einen üblen Leidensweg bereits durchleben müssen nach der besagten Nacht, in der sie nach der Einnahme von Ko-Tropfen sexuell mißhandelt wurde, ein regelrechter Shitstorm durchs Netz geisterte, nachdem die Täter die enstprechenden Filme veröffentlicht hatten. Inzwischen kehrte ein Gericht die Vorfälle um, den Angeklagten wurde mehr Glauben geschenkt, sie solle dafür 24.000 Euro wegen Falschaussage berappen, woraufhin sie nach der Verhandlung verständlicherweise zusammenbrach. Jetzt hat sich Familienministerin Manuela Schleswig eingeschaltet.

Der Fall einer 22-jährigen Niederländerin

Das sollte eigentlich bekannt sein, in wie weit in muslimisch geprägten Ländern das Verhältnis zwischen Mann und Frau sich äußert, vom Alkoholverbot bis hin zur Kleiderordnung. Eine Frau hat sich dort anzupassen oder muß mit unangenehmen Folgen rechnen. Warum eine 22-jährige Niederländerin im arabischen Katar dies offensichtlich nicht beherzigte, liegt allerdings auf der Hand: Etliche andere westliche Touristen tun es doch ebenso, dann kann ja nichts schiefgehen.

Welch brutaler Irrtum! Man sollte sich niemals in Sicherheit wiegen, das Verbrechen lauert stets überall, erst recht in einer extrem nach dem Manne ausgerichteten Gesellschaft, in der dieser nahezu sämtliche Rechte seiner sexuellen Ausschweifungen genießen darf, während Frau dort zurückstecken sollte.

Reform des Sexualstrafrechts viel zu lang überfällig

Vielleicht wurden viel zu wenig prominente Politikerinnen oder gar Ehefrauen von Richtern sexuell mißbraucht, könnte man aus der Sicht von Opfern in die Welt brüllen, damit endlich eine längst überfällige Reform des Sexualstrafrechts stattfindet. Dabei sollte ummißverständlich das „Nein“ zusammen mit anderen Verlautbarungen als Gegenwehr vor dem sexuellen Mißbrauch im Gesetzestext ausformuliert festgehalten, im Strafrecht verankert werden. Daß Falschanzeigen folgen mögen, darf dennoch kein Hinderungsgrund sein, den Opfern dadurch mehr beizustehen, es gilt stets, daß erst deutliche Beweise, Zeugenaussagen Straftatbestände feststellen.

Ebenso das Grabschen muß mit in den Gesetzestext fließen, was seit der letzten Silversternacht einen neuen Stellenwert erhalten hatte, weil dermaßen massiv, obwohl bei manchem Oktoberfest oder ähnlichen Festen, denken wir an Schützenfeste, gleichwohl oftmals dort gängige Praxis ist.

„Schrecklich sind die Schwächen der Gewalt.“ (Stanislaw Jerzy Lec)

Lotar Martin Kamm

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Fußball-EM 2016: Stellvertreterkrieg simpler Hooligans

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Frankreich am Rande eines Kollapses?

Allein die Überschrift impliziert genügend Zündstoff, der so gar nicht in eine übersichtliche Schublade Platz finden kann, somit eine akribische Analyse viel eher Anwendung finden möge, anstatt dermaßen vorschnell Urteile zu fällen.

Selbstverständlich dürfen Gewaltausbrüche nicht gleich leichtfertig verharmlost werden, wie wir auch hier nachlesen können, in der Titulierung des Artikels eben nicht nur ein Schuldiger verbleibt nach jener blutigen Nacht in Marseille. Gleichwohl die Überlegung und Herleitung zur zurückliegenden „Schande von Marseille“ vor knapp 18 Jahren durchaus berechtigte Zweifel aufkommen läßt, ob da nicht ein gewisses Wutpotential mitschwingt.

Da kam wohl zuviel zusammen. Bedenkt man obendrein die angespannte Lage in Frankreich selbst, weil immer mehr Menschen in der Bevölkerung die harten zu erwartenden sozialen Einschnitte keineswegs mehr bereit sind hinzunehmen, heftige Proteste gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform in Ausschreitungen mündeten.

Wer hierbei zum Fazit gelangt, es kehre schon bald Ruhe ein, eventuell eine Verschnaufpause angesichts der Fußball-EM, der könnte schnell eines Besseren belehrt werden. Zwar beendete die französische Mannschaft gerade noch siegreich das gestrige Auftaktmatch mit 2:1, die Probleme im Lande lösen sich jedoch nicht von selbst, auch lauert obendrein die Terrorgefahr.

„Bienheureux ceux qui croient à l’amour plus qu’à la haine. Glücklich diejenigen,
die mehr an die Liebe als an den Haß glauben.“

Lotar Martin Kamm

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Menschheit dem Strudel böswilliger Kräfte ausgesetzt

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Satirischer Rückblick…

Was wird denn da erneut gehetzt? Ob seitens deutlich erkennbarer Despoten, die längst bekannten Vorboten einer vorausgesagten Zeit, die stets bereit, ihren Haß giftspritzend auszuschütten? Entfleucht von Mutters Riesentitten, die Welt in ihren Bann zu ziehen, heißt’s für etliche, möglichst schnell fliehen.

Denn wer jenen Treue schwur, mag plötzlich dennoch allein sein auf weiter Flur. Es lautet zwar meist, ohne Fleiß kein Preis, nur wer bezahlt am Ende jener gewagten Reis’, steht auf dem Abstellgleis? Machen wir uns nichts vor: Phantasie sucht stets Wege, Grenzen zu durchbrechen. Müssen dafür Denker und Künstler später die Zeche mit ihrem Leben blechen?

Schauen wir doch gen Südsosten zur Türkei. Dort ist’s mit der Freiheit längst vorbei, weil Erdoğans Gewitterwolken nicht abziehen wollen. Wer nicht ins gleiche Horn wie dieser Pascha bläst, kann sich kaummehr davontrollen, da man ihn nicht mehr gehen läßt. Das verhält sich wie beim Lauschen, mit dem Ertappten möchte wohl niemand tauschen.

Trugschluß oder unabdingbare Redensart sich um den Spruch, Schuster bleib bei deinen Leisten, schart? Wer weiß dies schon so genau. Mit Blick zum Wohnungsmarkt wird sehr schnell klar: Die Mietpreisbremse erweist sich als einziger Flop. Doch wer macht sich hinterher rar, formuliert ganz salopp, behauptet gar, dies sei alles top? Unsere ach so tolle Politik, die findet alles sehr schick. Kein Wunder manch einer die Fahrt ins Blaue dem Meer entgegen wagt, bevor er gänzlich an all jenem Betruge verzagt.

Menschsein dermaßen auf die Probe gestellt? Auch wenn es kaum jemand gefällt, so offenbart sich die von uns gestaltete Welt. Und während die NATO in Polen Russland entgegenschlängelt, kein westlicher Politiker sich nach vorne drängelt, um jene Aggressoren zu stoppen. Was in solchen Köpfen sich wagt, bei denen nur der Russen-Haß nagt? Stellt sie auf eine Wiese zum gegenseitigen sich Kloppen. Das wäre schon eine viel bessere Option.

Wenn trügerische Kindheitsträume in dieser Realität zerplatzen, wer mag dann noch Glauben schenken all jenen Fratzen, die uns tagtäglich belügen und betrügen? Obwohl der Kosmos scheinbar eine Ordnung innehat, der Mensch dem Chaos entgegenstrebt, seine Schwächen dürftig auslebt, sich gar fragt: Was hab ich verkehrt gemacht? Wird dann trotzdem gelacht bei der letzten Schlacht?

Einerlei – jetzt sei das Fußballfieber ein selbstherrliches Konterfei, fühlen sich entfesselte Ängste wieder frei, um den EM-Spielen zu frönen. Ein humanes Versöhnen trotz Terrorgefahren? Wir wissen’s später genauer, nach Jahren sind vielleicht einige schlauer.

Lotar Martin Kamm

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Deine Nafia

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Heute aber trete ich aus deinem Schatten,
ich versage dir die Freundschaft,
die nie wirklich Hilfe war.

Denn ich habe gelernt, du allein bist
für all meine Pein verantwortlich,
du hast nie die Fähigkeit besessen,
mich zu beruhigen, du hast dich wohl
eher an meinem Leid erfreut.

Wie oft habe ich am Fenster gesessen,
unfähig irgendeinen Schritt zu tun,
wenn du saßt in meinem Nacken.

Wie oft habe ich mich durch dich
verleiten lassen, auf den erhofften Brief
zu warten, weil nur dann die ersehnte
Ruhe beginnen sollte.

Wie oft habe ich an den Fingernägeln gekaut,
weil du Stunde um Stunde
an meinen Nerven gezehrt hast.

Wie oft habe ich wegen dir
keinen Appetit mehr besessen,
weil nur du meine Nahrung warst.

Wie oft habe ich wegen dir neben
dem Telefon ausgeharrt,
damit der Anruf meine Seele beruhigen sollte.

Wie oft habe ich wegen dir
Nächte durch geweint,
weil dein Ich mir Schmerzen zugefügt hat.

Liebe Sehnsucht

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Frankreich im Fußball-EM-Fieber trotz Terrorgefahren

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flickr.com/ Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken/ (CC BY-ND 2.0)

Auftakt politischer Eilverfahren neben Flatscreen-Bierlaune

Heute beginnt die 15. Austragung der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich wie schon zweimal zuvor 1960 und 1984. Trotz erheblicher Terrorgefahren lassen sich die Fans jenes Ereignis nicht nehmen, welches neben der Fußball-WM und den Olympischen Spielen ebenso im Vier-Jahres-Rhythmus sich wiederholt.

Ein Auftakt politischer Eilverfahren neben Flatscreen-Bierlaune, das neuzeitliche Happening ganz im Stile der „Brot und Spiele“ aus alten römischen Zeiten, welches das Volk geschickt blendet, auf daß es sich ablenken lasse, Hauptsache Mächte dürfen unbeschadet ihren Zielen frönen. Größtmögliche Spannung neben sportlichen Wettstreits veranschaulichen den zynischen Diskurs, die Ungewißheit eventuell stattfindender Terroranschläge schwebt im Umfeld und in den Stadien selbst.

Substanzloser Medienhype mit verkehrter Schlußfolgerung

Da tritt ein Terrorismus-Experte Guido Steinberg werbewirksam im ZDF in einer Talkshow auf, gibt zum Besten, was wir ohnehin allesamt wissen, außer daß das Charlie-Hebdo-Attentat längst nicht wirklich aufgeklärt wurde, um in der Talkrunde schließlich wenigstens einzugestehen, es gebe keinen nachhaltig wirksamen Schutz vor möglichen Terroranschlägen.

Substanzloser Medienhype oder einfach nur quotenträchtige Unterhaltung in der Glotze? Zumal gleich zwei wichtig erscheinende Themen aufeinandertreffen: Fußball und Terror. Man darf sich nur wundern, mit welcher Selbstverständlichkeit ein gewisser Sensationsjournalismus agiert, der damit schnell den Boden des Klatsch und Tratsch betritt, ohne die eigentlichen Ursachen für eben jenen Terror zu benennen, wie wir zu Beginn des Jahres bereits hinwiesen.

And the winner is – Fußball-EM in zehn Stadien

Zum ersten Mal treten 24 Nationalmannschaften gegeneinander an, ohne Griechenland, Dänemark und die Niederlande, um drei zu benennen, die in den Qualifikationsspielen ausschieden. Ein mögliches Endspiel zwischen dem amtierenden Fußball-EM-Meister und dem Fußball-Weltmeister, Spanien gegen Deutschland? Wohl ein Wunschfinale, Überraschungen sind ohnehin vorprogrammiert angesichts anderer gegnerisch starke Mannschaften, die sich in zehn Stadien in Frankreich messen.

Spekulationen bringen ohnehin nichts, bedenken wir, wie teuer der lukrative Fußball inzwischen seinen Sport zu Markte trägt, welch riesige Geldsummen so manch prestigeträchtiger Verein für den ein oder anderen Spieler berappen muß. Betrugen die Transferausgaben der Fußballbundesliga-Vereine 1980/81 noch rund 5,80 Millionen Euro, waren es in der letzten Saison 2015/2016 gar 411,43 Millionen Euro, knapp 71 mal mehr! Da offenbart sich die Geschäftspraxis. Im Endeffekt sollte es lauten: And the winnner is loosening the purse strings. Dieser Geldhahn wird wohl nicht mehr zugedreht.

Lotar Martin Kamm

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Kosmos und seine scheinbare Ordnung

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Mit Kosmetik dem Chaos des Schönheitsideals trotzen

Es gibt sie gewiß, die Menschen, die es schaffen, täglich ihre Wohnungen, ihr Auto, ihre Handtasche, ihre Schränke in Ordnung zu halten, die immer wissen, wo nun die verdammte Schere wieder ihren Platz gefunden hat. Und sie schaffen diese Ordnung im Handumdrehen, machen diese Dinge mit links, während alle anderen daneben stehen und sich verzweifelnd fragen, wie schaffe ich es, in dieses Chaos so etwas wie Ordnung zu bringen.

Zu dieser Thematik gibt es inzwischen ganze Bücherreihen, die Hilfestellungen anbieten, wie miste ich am besten meinen Schrank aus, welche Prioritäten zu setzen sind, um Entscheidungen der Auswahl zu treffen, was benötige ich noch, was nicht. Wie der Tagesablauf am besten zu organisieren ist, damit alle zu erledigenden Arbeiten auch wirklich ausgeführt werden können.

So mag es erstaunlich klingen, daß Kosmos, unser Begriff für Weltall, Weltraum vom griechischen Wort kósmos abstammt  und eigentlich Ordnung, Schmuck, Ehre, Glanz bedeutet. Wo bitte ist im Weltall Ordnung? Herrscht dort nicht ein einziges Chaos? Keiner der Planeten ist der Reihe nach aufgestellt, aufgeräumt, es gibt zwar Bemühungen der Wissenschaftler, in dem Chaos von Planeten, Sternen, schwarzen Löchern, Galaxien eine gewisse Ordnung zu erkennen und zu benennen, dennoch ist der Blick ins All eher ein Blick ins Chaos als in ein aufgeräumtes Zimmer.

Nun ist kósmos auch über das französische Wort cosmétique, aus dem Griechischen kosmētikḗ (téchnē), Kunst des Schmückens in unserem Wortschatz aufgenommen worden und bezeichnet abertausende Artikel, die zur Verschönerung des Körpers angepriesen werden. Diese Artikel schaffen dort Ordnung, wo die Natur anscheinend vergessen hat, daß hierauf momentan in diesem Zeitalter geachtet wird. Das Schmücken des Körpers oder Körperpartien, Parfüms, Öle für einen angenehmen Körperduft wurden dem Menschsein durch Ausgrabungen und Zeichnungen auf Gestein, Vasen nachgewiesen. Es ist also keine neuzeitliche Erfindung, sich der Kosmetik zu verschreiben.

Selbst Torturen des Leidens für ihr Schönheitsgefühl haben unsere Vorfahren in ähnlicher Weise auf sich genommen, um einem Ideal der Zeit entsprechend zu gefallen. Dabei haben nicht nur die weiblichen, sondern auch die männlichen Vorfahren nicht davor zurückgeschreckt, sich der jeweiligen Mode anzupassen. Es ist der Versuch, Ordnung (Kosmos) durch Schmuck (Kosmos) in eine Gemeinschaft zu transportieren. Wobei je nach Kultur, Land im Laufe der Jahrhunderte sich die Maßstäbe für das Aussehen, Kleidung verändert haben. Wie schnell so eine Veränderung des idealen Aussehens erfolgen kann, erlebt jeder, der sich mal wieder Photos, Filme ansieht, die vor 20 Jahren oder früher aufgenommen wurden.

Unser Kosmos, die Ordnung, die wir zurzeit gerne vertreten, die Kosmetik, der Schmuck, den wir zurzeit anwenden, um den jetzigen Vorstellungen von Schönheit zu entsprechen, mögen in wenigen oder vielen Jahren eine komplett andere sein, von denen wir jetzt nicht mal den leisesten Phantasieansatz erbringen können. Vielleicht ist die Ordnung das Chaos, vielleicht ist die Schönheit der kleine Leberfleck, der sich partout nicht wegretuschieren läßt.

Vielleicht sollten wir der griechischen Sprache dankbar sein, daß sie in einem durcheinander gewürfelten Wirrwarr von Planeten, Sonnen eine Ordnung erkannt hat, die dadurch zum Kosmos (Schmuck) wird, weil sie eben nicht „quadratisch, praktisch“ ist, ähnlich einem Mosaikbild, das bei genauerem Betrachten verschiedene Differenzen aufweist.

Doris Mock-Kamm

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