Lauschen – ein ungewollt oder zufälliges Unterfangen

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Eng geschnallte Gürtel und Bereicherung per rechter Indoktrination

Es geziemt sich nicht, doch jeder hat es schon getan, entweder absichtlich oder rein zufällig, denn unser Gehör können wir nicht abschalten. Gemeint ist das Lauschen, das Zuhören bei Gesprächen, die uns eigentlich nichts angehen sollten. Nun, wenn man unbeabsichtigt in einem Café, das seine Bestuhlung so aufgestellt hat, daß zwischen den einzelnen Tischen bequem auf den Stühlen zu sitzen, schon mit einem dicken Wintermantel Schwierigkeiten bereiten würde, ist es wohl zwangsläufig nicht zu vermeiden, ein Gespräch am Nebentisch mitzuhören.

„Über was du dir alles Gedanken machst?“

„Ne, das ist mir einfach so eingefallen. Damals als es hieß, den Gürtel enger schnallen, weil Rezension und so, da konnte man das doch gar nicht glauben, der Wirtschaft und den Leuten ging es doch verhältnismäßig gut. Die hatten doch unter anderem durch den Mauerfall unheimliche Gewinne eingeheimst.“

„Das hattest du gerade eben schon gesagt!“

„Also wurden überall Kürzungen vorgenommen, natürlich beim kleinen Mann, Lohnkürzungen, teilweise Weihnachts- und Urlaubsgeld gestrichen, mehr Stunden ohne Ausgleich, weißte noch?“

„Ja, mein damaliger Chef hat sich bei der letzten Weihnachtsfeier, die er für den Betrieb veranstaltete, das war, warte mal, 1998, hingestellt und gesagt, wenn er aus dem Fenster sehe, würde er nur dicke Autos sehen, seine Mitarbeiter in, ich glaube das war in Tschechien, würden zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit kommen. Und er müßte wegen der Erweiterung seines Betriebes Einsparungen vornehmen, damit die Firma konkurrieren könnte auf dem Weltmarkt, und nur damit sei es möglich, in ein paar Jahren wieder Gewinne zu erwirtschaften. Hinterher haben wir erfahren, daß er sich auf einem riesigen Grundstück ein fast herrschaftliches Haus mit Garten, Swimmingpool gebaut hat, seine Tochter hatte bei diesem Weihnachtsfest ein Pferd geschenkt bekommen und die Frau fuhr plötzlich Porsche. Mir brauchst du da nichts erklären.“

„Okay, so nach dem Beispiel deines damaligen Chefs sind dann so ziemlich alle Firmen vorgegangen, war plötzlich selbstverständlich, oder man hat Firmen verkauft, über Tochterfirmen eingekauft, danach den Mitarbeiten neue Verträge untergejubelt, die haben dann ihren langjährigen Mitarbeiterstatus verloren, obwohl der ehemalige Chef immer noch derselbe war. Zumindest bei einigen großen Firmen. Viele Mittelständische Betriebe sind Ende der Neunziger in die Pleitefalle geworfen worden. Und kannst du dich noch an die Immobilienblase erinnern? Reine strategische Vernichtungsmaschine für Menschen, man bot ihnen super Kredite an, in dem Wissen, daß ihre Arbeitsplätze auf Grund des getürkten scheinbaren Kollaps der Wirtschaft nicht sicher waren und sie die Häuser mittels Zwangsversteigerungen wieder in den Besitz der Banken kommen, günstiger natürlich. Nicht die Bank selber, das war selten der Fall, aber durch andere Kaufinteressenten, so konnte man auch seine eigenen Gewinne unter den Teppich kehren.“

„Waren zu der Zeit nicht auch so viele Menschen auf die Fonds reingefallen?“

„Ja, eine Nachbarin hat ihre beiden Lebensversicherungen vorzeitig gekündigt, sie in einen ihren glaubhaft versicherten Fond gesteckt und alles verloren. Schließlich kann niemand den Banken und Versicherungen nachweisen, wo sie das Geld platziert haben, somit stand der Weg frei, das investierte Geld der Kunden vorläufig zu verbrennen, um es anderweitig zu benützen.“

„Ging damals nicht auch die Selbstmordrate in die Höhe?“

„Nach offiziellen Angaben nicht, aber selbst in den ländlichsten Gegenden haben Menschen sich das Leben genommen, sich sogar mit ihren Häusern in Brand gesteckt. Was ich dir aber sagen wollte, also das, was mir so in den Kopf kam, ohne nachzudenken, ist die Strömung in Europa, die jetzt überall den völkischen, patriotischen Finger hebt, die profitiert von den Geldern, die durch die Wegnahme der sozialen Verantwortung der Betriebe mehr Gewinne scheffelten, und diese Gewinne verteilen sie, ohne selbst Verluste einzufahren, an all jene, die dafür sorgen, daß eine alte verkrustete Gedankenphilosophie wieder gestärkt wird.“

„Wie kommst du denn da drauf?“

„Ganz einfach, Geld, das mal da war, kann nicht verschwinden, du kannst nur den Wert kleinreden. Zweitens, kannst du dir vorstellen, daß ein unter humanitärer, ökonomischer Sicht arbeitender Betrieb Menschen unterstützt, die die Hierarchie- und Lebensform unterstützen, die an die Anfänge der sogenannten Industrialisierung erinnern?“

„Du meinst, die Verarmung, der soziale Abbau, ist von langer Hand geplant? Das hört sich doch wieder nach Verschwörungstheorie an! Und wie passen die Identitären und die jungen Rechten da rein?“

„Ach, das sind meistens junge Menschen, denen es noch nie wirklich an etwas gefehlt hat, die keine Ahnung von Hunger, Leid haben und teilweise abgestumpft an Gefühlen sich an einer verlogenen Ideologie der idyllischen Gemeinschaft angezogen fühlen, ohne dabei zu wissen, mit welcher Kraft ihre Eltern und teilweise Großeltern sich die Freiheit, die sie die gesamte Zeit genießen durften, erstritten haben.“

„Du kommst auf Sachen, das hieße ja, wenn man die Strömung weiter zuläßt, würde man damit…“

„Hallo Schatz, mußtest du lange auf mich warten? Irgendwie ist die ganze Stadt wieder vollgestopft mit Autos, erst im zweiten Parkhaus habe ich Glück gehabt, dafür mußte ich aber dort, du weißt schon, in die Lindenallee, da kostet eine Stunde Parken fünf Euro, außer du läßt dir im neuen Einkaufszentrum abstempeln, daß du dort für mindestens 20 Euro was eingekauft hast. Brauchen wir noch etwas zum Wochenende? Vielleicht können wir noch kurz durchschlendern? War es arg schlimm beim Zahnarzt? Ach ja, Bruno hat angerufen, ich habe ihm gesagt, am Samstag könnte ich vorbeischauen, um ihm beim Bau der Hundehütte zu helfen.“

Das hat man davon, wenn man lauscht, man kann ohne weiteres ertappt werden, durch irgendetwas davon abgehalten werden, also gestört werden, muß damit weiterleben, ohne jemals das Ende des Gespräches zu erfahren. Irgendwie kommt man sich so vor, ein Buch gelesen zu haben, um erst auf der letzten Seite festzustellen, daß fünf Seiten bis zum Schluß fehlen.

Doris Mock-Kamm

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Armenien-Resolution: Erdoğans Gewitterwolken ziehen nicht ab

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Von Morddrohungen bis hin zur Geschichtsklitterung

Der Vergleich mit den Wettertiefs, die in den letzten Tagen weite Teile Deutschlands in Atem hielten, mag hinken, aber nach der nahezu einstimmig verabschiedeten Armenien-Resolution des Bundestags am vergangenen Donnerstag ziehen Erdoğans Gewitterwolken nicht ab.

Im Gegenteil, die Töne aus der Türkei werden aggressiver, ihr Präsident heizt die Stimmung weiter an, von Mordaufrufen gegen elf türkische Bundestagsabgeordnete ist die Rede. Welch politische Signale an die Weltöffentlichkeit, dies alles nur, weil ein begangenes Massaker der Türken an der armenischen Bevölkerung vor 101 Jahren bis heute die Führung in Ankara nicht als Völkermord definiert haben will. Wortklauberei ohne Sinn und Verstand, zumal die historische Aufarbeitung schon lange abgeschlosssen keinen anderen Schluß zuläßt.

Genozide – weiterhin Spekulationen bis hin zur Negierung ausgesetzt

Eines der tragischsten, weil mitten im Herzen Europas geschehen: die Leugnung des Holocausts. Besonders rechtspopulistische Kräfte und deren Gedankengut wagen es gerade heutzutage vermehrt, ihn in Frage zu stellen, die Zahlen herunterzurechnen, erheblich zu verharmlosen, bis hin zu wilden Theorien, die den Alliierten, insbesondere den USA angelastet werden, die Öffentlichkeit getäuscht zu haben.

Man sollte viel eher der ausführlich, akribisch untersuchten allgemeinen Stellungnahme zu den bekanntesten Völkermorden folgen. Der nicht seitens des Deutschen Bundestages per Resolution benannte Aufstand der Herero und Nama, der in einen Völkermord durch die deutsche Kolonialmacht (1904-1908) mündete, was der Historiker Jürgen Zimmerer jüngst rügte.

Vor dem Holocaust sei eben der Armenien-Genozid, zugleich der Porajmos (1939-1945), Völkermord an den Sinti und Roma, genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg die Völkermorde in Burundi, in Ruanda und das Massaker von Srebrenica, ganz abgesehen von den Kongo-Gräueln, den Indianerkriegen, der Stalin-Säuberung, dem Holodomor (Tötung durch Hunger) in der Ukraine (1932 bis 1933) oder dem Massenmord an Kommunisten in Indonesien.

Wer schweigt, gar verharmlost oder droht, hat was zu verbergen

Allen voran eben jetzt die Türkei, an dessen Spitze ihr Präsident, der gern auch mal die USA nachäfft, bereits vor fünf Jahren deutlich seine Abneigung zur Aufarbeitung des Armenien-Völkermords unterstrich, in dem er das 30 Meter hohe „Denkmal der Menschlichkeit“ des türkischen Bildhauers Mehmet Aksoy abreißen ließ, welches der Versöhnung zwischen Türken und Armeniern galt.

Äußerst verwunderlich jene Haltung, zumal weder Erdoğan selbst noch ein anderer türkischer Zeitgenosse direkt für jene damaligen Massaker verantwortlich gemacht werden. Es geht lediglich um die Bekennung, ein Akt der Versöhnung. In sofern wollen dies wohl jene Morddrohenden und ein Herr Erdoğan mitnichten. Bei soviel unangebrachter Gegenwehr kann man schon ein Schuldeingeständnis deuten.

Lotar Martin Kamm

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Ohne Fleiß kein Preis

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Konkurrenz und Rivalität belastet die Gesellschaft nicht folgenlos

Ohne Fleiß kein Preis, denn haste was, biste was. Solange Gesellschaften unter diesem Motto ihre Grundfesten haben, kann kein wirkliches Miteinander funktionieren. Es ist der absolute Konkurrenzkampf, der mit diesen Floskeln eingeläutet und beständig als Leistungsbeweis erschreckenderweise schon in den Kindergärten vermittelt und eingefordert wird.

Selbst wenn wir von dem besten Fall ausgehen, den Eltern ihren Kindern zukommen lassen, nämlich bedingungslose Liebe, kann diese in den Momenten gestört werden, in denen dem Nachwuchs unterstellt wird, der kann noch nicht richtig laufen, sprechen, selbständig auf Toilette, Puzzle zusammenfügen, nur auf einem Bein stehen und das in dem Alter. Damit wird den Eltern impliziert, ihr Kind ist zurückgeblieben, auch wenn man sich als Eltern bemüht, dem keine Beachtung zukommen zu lassen, wird dadurch bereits ein kleiner Stachel der Unvollkommenheit zur Liebe gelegt. Denn spurlos gehen solche Äußerungen selbst bei Eltern mit dem dicksten Fell nicht vorbei.

Fleiß, die Wortherkunft ist ungeklärt, findet sich in dem althochdeutschen Wort flīʒ, das so viel bedeutet wie „laut Duden“ (Wett)streit. Ohne Wettstreit, kein Preis.

Fleiß, sich ständiges Bemühen ohne Unterlaß oder Wettstreit, sich ständiges Bemühen ohne Unterlaß, in Konkurrenz zu andern oder gegen sich selbst. Im Prinzip unerheblich, denn der Anspruch nach größer, besser, weiter, verbirgt sich hinter beiden. Erst kürzlich waren die Medien entsetzt (wirklich) über die Laufveranstaltung eines Kinderfestes, bei dem die Eltern ihre Kinder auf der Laufstrecke hinter sich herzogen, um ihrem Kind zu ermöglichen, als erstes durchs Ziel zu laufen, um auf dem Siegertreppchen zu stehen, eine Medaille, einen Pokal, eine Teilnahmebestätigung zu bekommen. Hier hat schon längst der Konkurrenzkampf unerbittlich zugeschlagen.

Und das obwohl es völlig unnötig ist, zumal eine Konkurrenz, Rivalität, sagen wir mal ganz frech, eine natürliche Eigenschaft des Menschen ist. Wer mit mehreren Geschwistern aufgewachsen ist, kennt dies sicher zur Genüge. Wer im Religionsunterricht aufgepaßt hat, kennt noch die Erzählung über Kain und Abel und den Ausgang dieser Konkurrenz.

Ohne Fleiß keine Anerkennung, ohne Ellbogendenken keinen Gewinn, keinen Wert. Für manche Eltern der Ansporn, ihre Kinder zu Höchstleistungen zu treiben, im schlimmsten Fall wie die salopp benannten Tigermütter. Wobei der Begriff sich nicht ausschließlich auf Mütter beziehen muß, sondern auch auf Väter, die alles dransetzen, aus ihren Sprößlingen einen Jahrhundertmeister in den, dann obendrein von ihnen ausgesuchten Fachgebieten werden zu lassen.

Damit löst sich die bedingungslose Liebe der Eltern auf, und Leistung wird zur Bedingung für Liebe. Nun beginnt der Kampf um das Sammeln von Pokalen, Lobhudeleien, Noten, kurz, Dinge, die man vorzeigen kann, denn haste was, biste was. Allerdings benötigen manche Kinder keine besonderen Preise, um damit zu konkurrieren, sie bringen von zuhause schon den Namen, den sozialen Status mit ins Rennen, der ihnen von vornherein eine bessere Startposition ermöglicht.

Dieser Wettstreit (Fleiß) wird vorausgesetzt für alle zukünftigen Handlungen, die das Kind fortan unternimmt, dabei werden die Mittel zum Erreichen der besten Position oftmals durch Hinterhältigkeit, Denunziation, Lügen, Heuchelei, Betrug nicht in dem Maße angemahnt wie der Wille zum Erfolg. Kein Wunder also, daß einige Menschen daran zerbrechen, Nervenzusammenbrüche, Burnouts, Selbstmord, Selbstaufgabe oder mit ihrem Umfeld abschließen und die große weite Welt bereisen.

Eine Gesellschaft, die Fleiß (Wettstreit) und Preis (Ware) als Bemessungsgrundlage für den Wert eines Menschen, als eine der obersten Prioritäten des täglichen Umgangs zwischen den Menschen fördert, darf sich nicht wundern, wenn Neid, Haß, Mißgunst in deren Mitte sich ausbreitet. Haste was, biste was. Haste nix, biste nix.

Doris Mock-Kamm

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Kultur: Gestaltung braucht stets Freiräume

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Schöpferische Gedanken – Impulse aus dem Kosmos

Kann uns die Urknalltheorie (The Big Bang Theory), wenn sie denn überhaupt als ernsthafte Annahme sich bestätigen sollte, schlüssig dem neugierig erstaunten Menschen plausibel erklären, was das Sein der Dinge ausmacht, wie diese ursächlich entstanden? Im Johannesevangelium lautet es: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“.

Ersetzen wir Gott durch die Schöpfung als den Beginn allen Seins, ist der zündende Gedanke als Wort manifestiert letztlich die Kreativität selbst. Jede sich fortsetzende Entwicklung, in der wir ihr freien Lauf lassen, entspricht dem Wesen der Schöpfung. Mensch braucht nur noch Kreativität vom Alltag bis zur Kunst ausleben, so wie er es bekanntlich auch meistens praktiziert.

Ohne Spielen kaum kreative Momente entstehen

Erwachsene, die naserümpfend oder gar pikiert sich abwenden, wenn Kinder spielen, manchmal dabei lärmen, sich ausleben, Gedanken freien Lauf lassen, ihre Grenzen ausloten, Regeln und Normen nicht beachten, unterwegs sind, erkennen dabei ein Stückweit tief im Unterbewußtsein ihre eigenen verlorenen Fähigkeiten, sich eben genauso frei zu entfalten. Da mag eine autoritär aufgesetzte Haltung dies noch so heftig zu retuschieren versuchen, solche Menschen unterdrücken zum eigenen Leidwesen etwas ganz wichtig entscheidendes: die spontan sich dabei entfaltende Kreativität. Das Spielen somit die Wiege solcher Prozesse?

Die sogenannte Naivität, das Kind im Menschen, möge somit nie verloren gehen. Wer das auslebt bzw. unbedarft bis in den Alltag hinein zuläßt, dem bieten sich viel öfters kreative Momente, Gedanken, die das Leben selbst bereichern. Denn einzig und allein die Kreativität muß als der Motor betrachtet werden, der ganz entscheidend jedwede Entwicklung vorantreibt. Würde sie ausbleiben, nicht stattfinden, wäre Stillstand die Folge, ein trister Alltag vorprogrammiert.

Phantasie sucht stets Wege, Grenzen zu durchbrechen

Das gilt natürlich auch für behinderte Menschen, die durchaus sehr kreativ in Erscheinung treten bis hin zu Genies, die am Rand des Wahnsinns ebenso kreative Momente wahrnehmen und umsetzen. Dies verdeutlicht, daß Phantasie grenzüberschreitend in Erscheinung tritt und nicht ausschließlich eine Frage des Verstandes beinhaltet. Ganz im Gegenteil: Erst wenn man ihr eben keine Regeln, Normen und Gebote vorschreibt, entfaltet sie sich in Gänze. Heißt das im Umkehrschluß, daß jede Begrenzung Gift für das Ausleben der Kreativität bedeutet, sie dadurch eingeengt sich nicht richtig entfalten kann? Auf alle Fälle!

Kaum verwunderlich daß sich viele Künstler ihren Platz erkämpfen, sogar soziale Bindungen notfalls beenden, wenn sie aufgehalten werden, um ihren Drang nach kreativer Entfaltung auszuleben. Hierbei durchbricht Kreativität eine Grenze, und selbst wenn es das Ende einer Beziehung bedeutet, zwischen Eltern und Kindern, bei Paaren oder Freundschaften, sie sucht sich ihren Weg der bestmöglichen Entfaltung, vorausgesetzt, der betreffende Künstler hat die entsprechende Kraft, sich durchzusetzen. Wie verhält es sich mit all jenen, die das nicht vermögen?

Disput zwischen Ignoranz und Toleranz

Exakt zwischen diesen beiden Begriffen versucht Kunst, sich stets ihren Freiraum zu ergattern. Wird sie toleriert, kann sie sich ausleben. Bei Ignoranz verkümmert sie wie ein unbeachtetes Mauerblümchen und stirbt gar, denken wir an ihre Instrumentalisierung in politischen Systemen, vom Verbot bis hin zur Verfolgung, von Propaganda bis zu Statussymbolen. Das gilt ebenso für die Lebenskunst, in der Freiheit und Herzlichkeit verlorengeht, wenn wir sie einschränken.

Dabei muß Kunst selbst stets anmahnen, das Bedürfnis der Selbstreflektion Bestandteil ihres Wesens zum Ausdruck bringen, sie letztlich im kreativen Akt alles Dasein analysieren. Die Grenzen der Toleranz werden manchesmal überstrapaziert oder gar bis ins Unerträgliche überschritten, was keineswegs bedeutet, alles erdulden zu müssen – selbst das Ausleben der Kunst unterliegt der zwischenmenschlichen Nächstenliebe, die es zu respektieren gilt.

Nada Brahma – die Welt ist Klang

Der Kreis schließt sich, denn nicht nur das Wort war im Anfang, sondern zuvor die Idee, die wiederum das Wort entstehen ließ. Somit der Gedanke, also die Kreativität selbst, alles Sein verwirklicht, ob nun materiell oder spirituell? „Nada Brahma – die Welt ist Klang“, so das Buch des Musikjournalisten und Musikproduzenten, Redakteurs beim Südwestfunk Baden-Baden, Joachim-Ernst Berendt, welches im Ursprung einer indischen Meditationsform entspricht, die man dahingehend interpretieren darf, und genau dies versuchte Behrendt, in seinem Werk zum Ausdruck zu bringen, daß alles Sein klingt, der gesamte Kosmos. Dürfen wir daher, wenn wir die Kreativität wegdenken, sie nicht zulassen, davon ausgehen, daß alles Sein einer Illusion entspricht?

Lotar Martin Kamm

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Treue

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Sie wollte nicht in der Nacht fahren,
dennoch befreite sie das Rasen
durch die leeren Straßen
von endlosen Fragen.

Sie liebte eines dieser Biester,
manche meinten, wie ein Geliebter
dürfte er sich alles bei ihr erlauben,
sie müßte endlich ihr Gehirn gebrauchen.

Schließlich war es nicht das erste Mal,
daß er weg und wieder angekrochen kam,
weil jemand ihn aufgegriffen,
und dann riefen

sie teils belustigt, teils ärgerlich an,
damit sie ihn abholen kann.
Nun, der Anruf der Frau aus „Weilen
unter den Rinnen“, sie brauche nicht eilen,

denn er sei bei ihr nicht nur einmal
und fast schon so etwas wie ein Gemahl,
hier bei ihr gut aufgehoben,
sein Benehmen sei zu loben.

Sie fluchte, dachte an Kastration,
ein Denkzettel, das hätte er dann davon!
Kaum hatte sie den Motor abgestellt,
wurde auch schon die Auffahrt erhellt.

Die junge Frau stand lächelnd in der Tür.
Sie dachte: „Gleich werd ich zum Tier.“
Da kam er auch schon angelaufen,
tänzelnd, es war zum Haare raufen,

wer kann diesem Blick schon böse sein?
„Kommen Sie doch bitte rein!
Denn die Turteltäubchen sind heute
Eltern geworden von einer kleine Meute

Hundekinder, eins schöner als das andere,
und wir sind dadurch fast Verwandte.“
Die Mama Hündin lag ausgestreckt
auf einer Decke, Samson leckt

ihre Schnauze, die Babys Ebenbilder
vom Papa, unverkennbar seine Kinder.
Die Liebe zwischen den Hunden,
ihre Treue zeigen sie unumwunden.

Nafia

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Gauland verpönt Boatengs Hand – rechter Rand eine einzige Schand

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Satirischer Rückblick…

Egal in welchem Gewand sie erscheinen, schreibt an jede Wand: Deutschland will nicht mehr soviel Haß beweinen! All jene Soldatengräber mögen ein sichtbares Mahnmal sein, fallt nicht drauf rein auf jene bösartigen Intrigen mit ihrem Gewäsch voller Lügen.

Sie sind’s, die uns betrügen, statt heut dem Juden mit dem Muslim, erneut dem Schwulen und Farbigen, in rassistischer Form ganz genehm, ein Feindbild erschaffen. Mittenmang dabei: dieses heuchlerische Gaffen ohne Zivilcourage. Ohje, alles am Ar…äh….ziemlich harsch.

Ein Lächeln voller Wehmut zurück? Welch Glück, der Kritische sich’s holt, Stück für Stück. Dennoch Rassismus keineswegs verbannt, manch Ewiggestrige dermaßen verrannt in ihren Köpfen. Was mag dort wohl hinaus tröpfeln, etwa ein wenig Restverstand? Bleibt nur zu sagen: Da geht’s lang. Mit ganz viel Unbehagen, ohne viel Überschwang.

Haben die heutigen Alten den neuen einiges voraus an mehr gelebten Jahren? Höchstwahrscheinlich muß man dies bejahen, weil jetzt entstandene toxische Belastung ergebnisoffen oder unnützes Hoffen. Zugleich die Technik im alltäglichen Disput von uns viel abverlangt, manch Ärger uns entgegenrankt. Da mag zutexten Lassen ein nerviges Unterfangen sein, will mancher daher lieber allein für sich sein.

Doch per sozialem Abstieg herrscht tatsächlich Krieg in mancher Gruppe, in Beziehungen, in Familien löffeln viele die fade Suppe, die uns solch Politik hat eingebrockt. Welch Desaster, der im sicheren Job noch nicht geschockt, weil die Verlockung des Konsums in dessen Geiste hockt. Eine Fahrt ins Blaue dem Meer entgegen bringt vielleicht rettenden Segen? Von wegen. Der Traum vom scheinbaren Glück zerplatzt ganz schnell.

Schöne neue Welt per freiem Handel, siehe CETA und TTIP, welch fadenscheinig verlogener Wandel. Der sechste Sinn sollte uns hinlänglich warnen, sie tun sich geschickt tarnen. Von der Putin-Verglorifizierung bis zur „Lügenpresse“, Rechtspopulisten haben nur ein Interesse: Auf der Welle tröger Ausländerfeindlichkeit sind sie zu ganz viel Haß bereit, Weimarer Verhältnisse erneut im Land, ist es schon wieder soweit? Tragisch, wer dies noch nicht erkannt!

Die Sprache, die’s einem verschlägt, kommt nicht mehr zurück. Außer man wehret gleich zu Beginn den Anfängen, bevor sie morgen manch Andersdenkenden hängen. Entspannung tut Not bei soviel Sorgen, wir können uns keine andere Welt borgen. Bedenkt, der Mensch ist, was er ißt – seid nicht weiter abgelenkt mittels all dem Konsum. Es geht nicht um Reichtum und Ruhm, sondern es zählt nur das menschengerechte Tun.

Lotar Martin Kamm

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Entspannung

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Seit einer Stunde liege ich jetzt schon in der Wanne,
in der Hoffnung mein Geist, mein Körper entspanne.
Doch ganz ehrlich, ich fühle es, noch ist nichts passiert,
kein relaxen, kein lockern der Muskeln, ich bin irritiert.

Der Duft nach Zitrone, Kiwi, Mango, Orange ist verflogen,
er sollte intensiv und lange sich halten, alles gelogen,
ich rieche den Geschmack von Kaugummi mit Schaum,
der Text auf der Packung versprach pazifischen Urlaubstraum.

Inzwischen sind nicht nur Hände und Füße krumpelig,
der gesamte Körper wirkt, blaß, weiß und schrumpelig.
Das Wasser immer noch heiß, das Fließen eher berauscht
als die Duschcreme, die ist inzwischen fast aufgebraucht.

Von wegen pazifischer Urlaubstraum, ein Sommergewitter
tobt in meinen Geist, meine Muskeln gleichen eher einer Zither,
deren Saiten nicht nur zu fest gespannt, auch falsch platziert,
schon beim zarten Anzupfen, anstatt Muskeln, manch Nerv vibriert.

Nicht ein Nerv, tausende von Nerven, man bin ich auf Fahrt,
eins weiß ich mit Sicherheit, dieser Kauf bleibt mit zukünftig erspart.
Falls mich je mal wieder der Wunsch nach Entspannung beschleicht,
gehe ich in den Holzschuppen, nehme die Axt und hacke Holz klein.

Nafia

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