Extremismus in Reinkultur: Petry trifft Mazyek

flickr.com/ Franz Ferdinand Photography/ (CC BY-NC 2.0)

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RAfD und Medien – eine unglückliche Allianz

Tisch, Mikrophon und Kamera bereit nebst an ihm sitzende Akteure, in Begleitung eigener Gefolgsleute sowie etlicher Medienvertreter, bis hin zum technischen Personal. Unruhige Lärmkulisse, viel Blitzlichter, aufgeregtes Tuscheln neben zurechtrückenden Versuchen, in entsprechende Kameras zu grinsen. Manchmal per enttäuschten Blick abgewandt, weil das rote Licht nicht eingeschaltet, die schnelle Suche der richtigen erfolglos.

Wer kennt es nicht, jenes Prozedere mit Fernseh-Teams, dem anhängenden Stab, dem Wort des Regisseurs oder Aufnahmeleiters vor Ort. Besonders empfindlich sensibles Unterfangen im Live-Interview-Modus, weil trotz vorheriger Vorbereitung manchmal unerwartet überraschendes geschehen kann. Denken wir an Künstler, die vor laufender Kamera sich per Rasierklinge in die Stirn ritzten, eine Axt hervorholten, um den Tisch im Studio zu zertrümmern. So geschehen im deutschen Fernsehen, in anderen Staaten ähnliches sicher auch.

Die RAfD traf sich, das ist die Partei, die noch das entscheidende „R“ für „Rechtspopulistische“ in ihrem Parteinamen vergaß voranzustellen, mit einem mickrigen Verein, dem Zentralrat der Muslime in Deutschland, kurz ZMD. Dessen Mitglieder gerade mal 0,25% der Muslime in der BRD ausmachen. Grund genug für die Medien, einen gewaltigen Hype zu inszenieren, in den Hauptrollen eine Frau Petry und ein Herr Mazyek.

Lächerlich, man schmeißt sich gleich gar weg, über solchen Gag. Was treiben jene Figuren für ein Spiel mit der Öffentlichkeit, die obendrein jene Medien begaffen und beurteilen? Ein jeder für seine Belange ein Podium erhält, was um ein vielfaches Talkshows in den Schatten stellt. Bei letzteren weiß der Aufmerksame, welches Format ihn erwarten darf, was einschalten oder ignorieren bedeutet.

Aber ein mit seriösem spectaculum per TV und Pressevertreter in Szene gesetzes Gespräch, welches ohnehin zum Scheitern verurteilt? Perlen vor die Säue, dem Wahlvolk? Geeicht auf eine baldige Bundestagswahl, in der über die Islamismus-Frage Politik sich selbst zerlegt, wo doch Staat und Religion Lichtjahre von einander entfernt sein sollten? Eine RAfD beansprucht stellvertretend für ihre geistigen Dümpel von HoGeSa, über PEGIDA und NPD, als Partei gebündelt die Fokusierung darauf, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder eben nicht?

Rubbish, sagt der Brite, wo doch ein jeder weiß, sämtliche Religionen gehören zur BRD, weil hier dies laut Grundgesetz im Artikel 4 gewährleistet. Geht gar nicht, weil im Boot der Rechtspopulisten sitzen doch noch die Staatenlosen, für die eine BRD ohnehin Humbug ist, ein Zurück zum Deutschen Reich gefordert wird. Denen muß man folglich gerecht werden.

Nun gerät daher die RAfD in Erklärungsnot, wie man all die Forderungen unter einem Hut erbringen könne: Nationalismus, Patriotismus, Anti-Islamismus, Rechtspopulismus. Ganz einfach, was schon immer fruchtete, siehe Geschichte: Wenige führen die Masse an, Hauptsache viel Zerstörung, viel Krieg, der Rest sei unwichtig.

Lotar Martin Kamm

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Die Furcht

flickr.com/ matthias.penke/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Die Furcht,
sie weicht
zurück,
wenn man weiß,
sie ist ein
Luftballon.

Er fliegt so
gedankenverloren dahin,
pflichterfüllt,
Angst gestreut,
da treibt der Wind
den Ballon
ins Geäst.

Er hat sich verfangen,
kein Sturm
kann ihn befreien.
Die Angst sitzt fest.
Hinaufklettern, ihn abschneiden,
den Baum fällen?
Möglich.

Doch wirklich das Beste?
Ihn an seinem Platz
belassen,
zu wissen, er ist da,
dann kann er nicht mehr
überraschend
die Gefühle
mit Angst erfassen.

Nafia

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Österreich-Wahl: Europa auf rechtsradikalen Kurs

pixabay.com

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Politischer Zerfall demokratischer Kräfte schafft Raum für Despoten

Nicht nur die Spatzen pfeifen es von den Dächern, Wähler lassen die regierende Politik spüren, daß sie seit etlichen Jahren versäumte, die Belange des Volkes ernst zu nehmen. Könnte man so interpretieren. Aber trifft dies tatsächlich zu, selbst wenn nach der Österreich-Wahl Europa auf rechtsradikalen Kurs zusteuert?

Viel eher schafft ein politischer Zerfall demokratischer Kräfte Raum für Despoten, wie man besonders gut in der Türkei sehen kann, wo letzten Freitag das türkische Parlament per Kniefall vor Erdoğan für die Aufhebung der Immunität von 138 Abegeordneten stimmte. Europas Bürger schauen zwar empört zu, schenken aber gleichzeitig zunehmend rechtspoplustischen Parteien ihr Vertrauen.

Nach Ungarn und Polen auch in Österreich Rechtspopulismus regiert?

Heute abend endet die Ungewißheit, wenn die Briefwahlergebnisse als Zünglein an der Waage das knappe Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem grünen Wirtschaftsprofessor Alexander Van der Bellen und dem FPÖ-Politiker Norbert Hofer sich entscheidet. Der Jubel bei der FPÖ allein schon deshalb, weil ihr Kandidat knapp 3 Prozent mehr der Stimmen erhielt.

Kein geringerer als der österreichische Essayist und Schriftsteller Robert Menasse bringt es auf den Punkt, was da just im kleinen Österreich geschieht, erklärt anschaulich im Interview mit dem „Kurier“, daß der sich entwickelnde nationale Weg ins Desaster führt. Gegen Schluß des Interviews schwingt dennoch ein Funken Resthoffnung, man sich in Österreich der bunten Vielfalt erinnert, statt den Blauen das Feld zu überlassen.

Ein Europa mit Russland als Chance die USA auf Distanz zu halten

Im Grunde genommen die einzige Option, um eine Ausbreitung des dritten Weltkrieges zu verhindern. Europa somit in der Rolle, möglichst neutral sich zu verhalten, die extreme Gegnerschaft zwischen den USA und Russland wenigstens einzudämmen, die simple Dialektik des „Guter Ami, böser Russe“ zu hinterfragen.

Ganz schwieriges Unterfangen, wo doch seit geraumer Zeit die Rechtspopulisten Wladimir Putin als Patrioten in den Himmel loben, um ihr eigenes krudes Weltbild ihren Anhängern und möglichen Neuwählern anzupreisen, obendrein als Retter in der Not vor einer US-amerikanischen Bedrohung. Letztere greift gerade in Europa um sich, rückt per NATO-Drohkulisse tatsächlich Russland auf die Pelle.

Mitnichten werden Rechtspopulisten über mehr Frieden in Europa richten! Da kommt ihnen letztlich dieses Schwarz-Weiß-Denken nicht zugute. Denn wer einen berechtigten Antiamerikanismus hochhält, muß noch längst nicht blindlings Putin folgen. Dieser sollte unbedingt in solch politischen Zeiten wie einem aufkommenden europäischen Rechtspopulismus ein klares Signal setzen, daß er in nicht am Ende im selben Boot sich mit ihnen befindet. Verpaßt er das, fragt der kritischer Beobachter sich, in wie weit dann die Nazis in der Ukraine sich von Europas Gleichgesinnten unterscheiden.

Lotar Martin Kamm

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My Red New Shoes

pixabay.com

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Maybe you are proud to drive a big fast car,
but I wear red new shoes!

With my red new shoes,
I can dance,
I can walk,
I can fly away
to the stars
of phantasy.

Maybe you are proud to have many friends
and they’re often around you,
But I learned to be also happy alone.
I wear red new shoes!

Maybe you are proud to have the best parents
and they often buy things you need.
But I have learned to play with stones and wood.
I wear red new shoes!

With my red new shoes,
I can dance,
I can walk,
I can fly away
to the stars
of phantasy.

Maybe you are proud to fly and drive in foreign, far countries,
whenever you want to do.
But I know the district around my village.
I wear red new shoes!

Maybe you are proud to swim in the ocean
and you can hang around on beach.
But I can swim in the pond, where is the duck’s home.
I wear red new shoes!

With my red new shoes,
I can dance,
I can walk,
I can fly away
to the stars
of phantasy.

Maybe you are proud to climb to the highest mountaintop,
and you have a distant view to the horizon.
But I can slip through all seasons and sled from the nearby hill.
I wear red new shoes!

Maybe you are proud to wear fashionable clothing,
and you take care of them, many people admire you.
But I can frolic around without to take care of groovy clothes.
I wear red new shoes!

With my red new shoes,
I can dance,
I can walk,
I can fly away
to the stars
of phantasy.

Doris Mock-Kamm

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Anonymous: Vom Kollektiv zum Trittbrettfahrer in Facebook

flickr.com/ raincoaster/ (CC BY-SA 2.0)

flickr.com/ raincoaster/ (CC BY-SA 2.0)

Rechtspopulisten im Rausche breit angelegter Hetze

Was kritisch genau Hinschauende ohnehin schon lange vermuteten, wird jetzt zur Gewißheit. Die Facebook-Seite „Anonymous (Kollektiv)“ entpuppte sich als eine Fälschung, die im Gegensatz zur echten Anonymous Kolletiv-Netzkultur massiv per verschwörungstheoretischen und vor allem rechtspopulistischen Inhalten in der Social Community auftrat.

Immer mehr Rechtspopulisten im Rausche breit angelegter Hetze fühlen sich angesichts zunehmender Befürwortung in der Bevölkerung selbst aufgerufen, in Aktion zu treten, so wie Deutschlands ehemalig größte Hetzseite gegen Flüchtlinge, von PEGIDA bis hinein in die Parteipolitik per AfD, unterstützt von etlichen Blogs und Seiten im Facebook.

Eine gezielte Diffamierung der Medien als „Lügenpresse“ bietet ihnen genug Räume, um eigene Propaganda-Medien zu installieren, die gerade im Internet verteilt ihre Wirkung nicht verfehlen. Man muß Herrn Maas in vielen Punkten nicht mögen, aber in einem hat er zweifellos recht: Die Zivilgesellschaft ist sehr wohl aufgefordert, Online-Hetze eben nicht zu dulden.

Anonymous – aus Spaßbewegung wurde berechtigt handfeste politische Kritik

Inzwischen gehört die Gesichtsmaske des katholischen Attentäters Guy Fawkes, entlehnt aus dem dyspotischen Polit Comic „V wie Vendetta“, zum Markenzeichen der Netzkultur und Bewegung. Anfangs hervorgegangen aus der englischsprachigen Webseite „4chan“, einem Imageboard, welche der Spiegel noch als Mem-Schleuder titulierte, entschied sich die lose entstehende Netzkultur von Anonymous für den konstruktiven Weg politischer Kritik, die sich im Internet schnell ausbreitete, auch per Hacker-Angriffe und Demonstrationen in Aktion trat.

Kern jener Netzkultur: Sie arbeitet im Kollektiv zusammen ohne jedwede Hierarchie, ist insofern eben keine Organisation im herkömmlichen Sinn, viel eher eine Bewegung. Da sie für jeden Aktivisten frei zugänglich, besteht gleichzeitig die Gefahr, sie kriminell für andere Zwecke zu instrumentalisieren. Kein Wunder, daß der Facebook-Betrug somit Fuß fassen konnte.

Propaganda soweit das Auge reicht

In einer Welt zunehmender Gewalt, Verteilungskämpfen bis hin zu Weltkriegsgefahren fühlen sich besonders extrempolitische Strömungen aufgefordert, ihr menschenverachtendes Gedankengut in die Tat umzusetzen. Durch Europa weht ein wiederaufkommender, rechtpopulistischer Wind, der nichts gutes verheißt. Während auch heute in Österreich sich zeigen wird, in wie weit die Bevölkerung dieser Strömung folgt, lassen jene „Rattenfänger“ gleichwohl im Internet nichts unversucht.

Einerseits ein riesiger Vertrauensverlust hinsichtlich der Medien selbst, andererseits wenigstens noch geistig wertvolle Kritik mittels Kabarett, der Theaterwelt, der Literatur und Musikwelt. In letztere transportieren Ewiggestrige nach wie vor „rechtspopulistisches Gedankengut“, welches auf diese Weise einfacher unsichere Herzen erreichen kann.

Wie sagt Anonymous ebenso gern? „Kowledge is free.” Achten wir tunlichst darauf, jetzt erst recht.

Lotar Martin Kamm

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Ruhelos des Nachts

pixabay.com

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Der Abend gelaufen,
Nacht zu verschnaufen,
hat er so gedacht,
aber es war Mitternacht.

Der Park erhellt durch Lampen,
trotzdem seine Beine schwanken,
als ging er über heißen Sand,
Wellen schlugen an den Strand.

Den Wasserhahn nicht zugedreht,
was läuft denn hier verkehrt?
Am Hafen der Luxusdampfer tönt,
ein Zug durch den Tunnel dröhnt.

Schaffner brüllt: „Wer zugestiegen?“
Fahrkarten ein Loch kriegen.
Stundenlang die Welt berauscht,
vorbei an Klippen getaucht.

Die Flugbahn der Rakete
gleicht dem Schnitt mit der Machete,
die das hohe Gras zerschnitt,
für einen besseren Ausblick.

Wieder das Wasserrauschen,
er wollte längst eine neue Brille kaufen.
Die Uhr, die tickt, der Kuckuck ruft, einmal,
er sitzt auf dem Klo und schläft erstmal.

Nafia

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Die Welt am Abgrund – außer Rand und Band

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Satirischer Rückblick…

Oh, welch Schand! Welch Garant kann ganz galant sie aus morastigem Drecke ziehen? Mensch vermag nicht mehr rechtzeitig fliehen. Sei’s ihm verzieh’n? Mitnichten, Kosmos wird ihn richten, da hilft kein Schlichten im Nachhinein, am Ende steht diese Spezies ganz allein vor eigener Zerstörung, schaut bitter drein vor lauter Empörung.

Zurück in jetzige Gegenwart, die sich noch um uns schart. Ach, mein Schatz, welch Koseform auch immer. Was soll all die Hatz, hilft doch nimmer? Es kommt eh ganz fett, ob verlorene oder gewonnene Wett’. Selbst in Hinblick auf diesjährigen ESC, als Musikshow zwischen Kommerz und Politik, sehr schick heftigst gelobt übern Klee, gilt nur der äußere Schein, kein kreatives Sein.

Ein jeder in dieser Gesellschaft sich selbst der Nächste ist, kaum mehr die Muse wird geküßt, dafür mehr die Fahne gehißt. Wohin führt uns das? Ohne Spaß, direkt erneut in dunkle Zeit, die schon allzu bereitsteht: Seht wie sie geht, weil zuviel Böses gesät!

Kann uns dies eine Lehre sein, viele verfallen dem trickreichen Schein? Wohl eher kaum, man sollte sich nur trau’n auf der Laufbahn des Lebens, sonst wär vieles vergebens. Mit Blick zu menschlichem Genie wird einem Angst und Bang, weil Mensch im Überschwang weiter vertraut der Atomenergie: Ein Fluch für Folgenerationen, der strahlende Balast wird sie nicht schonen!

Anderssein – Individualität im Kontrast zur konformen Gesellschaft bleibt vielen vergönnt. Seht den verlogenen Schein, wie er Ideen hinrafft, Menschheit dem Mommon nachrennt! Kein Entrinnen, weil wie von Sinnen Neid dem Bösen Flügel verleiht.

Simple Dialektik wieder bereit, Krieg zu entfachen. Ja, der Ami macht keine halbe Sachen, zusammen mit vierter Gewalt die Mär vom bösen Russen übern Globus schallt. Menschheit am Scheideweg selbst gestellter Fallen sich entscheiden muß: Überdruß im Überfluß, Demut tut letztlich uns gut?

Oder hat Verwerflichkeit uns am Ende eingeholt? Zu viele Mächte Unkritische verkohlt? Neben all dem Lärmen, der bis in wackere Herzen dröhnt, unlauteres Schwärmen den guten Geist verhöhnt? Eltern und Familien einer Idealisierung ausgesetzt, in der zuletzt wird gezielt gehetzt im Hier und Jetzt.

Und es schließt sich der Kreis, weil ein jeder Nachdenkliche weiß, die Welt am Abgrund steht, wieder aufatmen kann, wenn Mensch von ihr geht. Irgendwann.

Lotar Martin Kamm

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