Geschichte: Grauzonen der Wahrheitsfindung und Verschwörung

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Manipulation im Intrigenspiel dient dem Machterhalt

Zufällige Geschehnisse lassen sich durchaus aneinanderreihen, daß einem schier schwindelig sein mag, möchte man sie denn allesamt als logische Schlußfolgerung interpretieren. Doch diese bleibt meist auf der Strecke, sobald ein Warum, eine Hinterfragung auftaucht oder das eine oder andere Detail gar nicht so stattgefunden hat, wie man es der Weltöffentlichkeit zuvor verkaufte.

Sollte man dann weitergedacht, davon ausgehen, daß ohnehin die Geschichtsschreibung niemals den Anspruch erheben darf, sie entspräche vollumfänglich der Wahrheit? Ohja, dies ist wohl der Fall. Wer hat somit gezielte Interessen, den nebulösen Schleier über bestimmte Tatsachen zu ziehen, damit klare Indizien verschwinden, Menschen dafür gar zu töten, bloß um eigene Vorteile zu erreichen? Sie ahnen es schon. Natürlich all jene, die ungern bzw. gar nicht ihre Macht abgeben wollen, sondern vielmehr alles daran setzen, sie mindestens zu halten oder gar zu vergrößern.

Licht ins Dunkel bringen?

Tauchen wir beim gedanklichen nächsten Schritt nicht längst in den Bereich eines verschwörungstheoretischen Vakuums, um derartige Vorfälle aufzuklären, Licht ins Dunkel ungereimter Geschehnisse zu bringen? Auf alle Fälle sollte man dies in Betracht ziehen. Dennoch machen es sich gerade unkritische Zeitgeister ein wenig zu leicht, alles, was nicht logisch nachvollziehbar, eindeutig bewiesen wurde, einem Schwarz-Weiß-Denken entsprechend in eine Schublade der Verschwörungstheoretiker zu stopfen, um sogenannte wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse als die Errungenschaft zu verglorifizieren. Dazwischen existiert eine riesige Grauzone, wo viel wahrscheinlicher die Wahrheit im Verborgenen liegt, man manchmal sogar eingestehen muß, ihre Spur niemals zu finden.

Der könnte schon ins Grübeln geraten, welcher mit solchen Überlegungen die gesamte Menschheitsgeschichte betrachtet: Ob nicht doch vielerorts sehr gezielt nachgeholfen, ganz gewisse Machenschaften, man sollte sie viel eher beim Namen nennen, nämlich Verbrechen, vertuscht oder gar dermaßen bewußt verkehrt dargestellt wurden, so daß die eigentlichen Übeltäter meist ungeschoren davonkamen. Das läßt tief blicken, erst recht, weil dennoch beherzte Mitmenschen oft todesmutig keine Ruhe gaben, bis Intrigen entlarvt. Dann fiel halt mal die ein oder andere Macht. Gemessen am mehrfach praktizierten Unheil war dies trotzdem gerade mal die Spitze eines Eisbergs.

Mensch zwischen Religion und Pragmatismus

Notanker Religion, vom Koran bis zur Bibel, – helfen dabei muslimische oder christliche Wurzeln? Glaubenssache kann sicherlich trösten, aber gleichzeitig sind gerade auch Religionen hervorragende Machtinstrumente und üben bis heute ihren Einfluß aus, manipulieren Menschen für eigene Zwecke, selbst wenn in ihrem Namen Gutes getan werden mag. Die süße Versuchung des Machtmißbrauchs hat stets sehr viele Zeitgenossen dazu veranlaßt, sie unerschrocken anzuwenden. Um so deutlicher gilt es, genau das zu verhindern.

Pragmatisch gedacht, haben wir Menschen es selbst in der Hand, in wie weit das Zusammenleben sich gestaltet. Bei anhaltender Gewalt muß stets mit Gegengewalt gerechnet werden, das ist genauso sicher wie die unsinnige Redewendung vom eigenen Glück, welches jeder sich schmieden kann. So simpel schaut die Realität trotzdem nicht aus, denn wer am falschen Ort, unter verkehrten Familienverhältnissen aufwächst, obendrein gar verlogene Begleiter trifft, kann durchaus noch so sehr kämpfen, das Glück bleibt auf der Strecke.

Schön, wenn solche Sprüche beim ein oder anderen zutreffen, als allgemeinverbindlichen Rat wird eine solche Weisheit mitnichten dem Verzweifelten einen Hoffnungsschimmer geben. Dann besser den eigentlichen Tatsachen ins Auge schauen und das Beste draus machen, soweit einem sich Möglichkeiten bieten.

Lotar Martin Kamm

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Systemwechsel in altbekannte Bahnen

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Scharfe Worte voller Tatendrang
Wege der Entfaltung suchten,
manch Angeprangerte giftig fluchten.
Welch bösartig schriller Klang!

Statt Argumenten hohle Phrasen
Wege der Erschütterung fanden.
Ob sie beim Empfänger landen,
weil Fanatiker zum Angriff blasen?

Während gar Führergedanken
in manch verirrten Köpfen kreisen,
in Wortgefechten öfters total entgleisen,
mögen suchende Bürger noch schwanken.

Rattenfänger im lautstarken Übereifer
genau jene zu suchen beginnen,
fest überzeugt, auf ganzer Linie zu gewinnen.
Werden Menschen nach alldem niemals reifer?

Friedliche Ansagen voll ehrlichem Elan
können nur moderate Antworten sein.
Laßt sie in eure unsichere Herzen rein.
Wenn nicht, entfaltet sich Haß, voller Wahn.

Lotar Martin Kamm

Auch dieses Gedicht widme ich als neuen Beitrag zu Sylvias Projekt „Gegen das Vergessen“.

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Tschernobyl: Trotz Gedenken weltweit neue AKWs geplant

flickr.com/ bsdphoto/ (CC BY-NC 2.0)

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Zwei Super-GAUs können eine angeblich technische Überlegenheit nicht aufhalten

Heute vor 30 Jahren geschah der erste Super-GAU eines AKWs in der Ukraine, im Kernkraftwerk Tschernobyl, in damaliger Sowjetunion, der Mauerfall und Zusammenbruch des Warschauer Pakts war trotz einiger Vorzeichen noch nicht abzusehen. In Zentraleuropa, also ebenso hier in Deutschland, herrschte Ratlosigkeit, Panik und Angst. Zum ersten Mal wurde die Berechtigung einer Anti-AKW-Bewegung äußerst bitter vor aller Augen geführt. Dringend notwendig sofortiges Umdenken unter der Helmut-Kohl-Regierung? Fehlanzeige.

Befanden sich 1985 weltweit schon 363 AKWs am Netz, wurden in den nächsten fünf Jahren, die Tschernobyl-Katastrophe außer acht lassend, 53 weitere gebaut. Italien reagierte per Volksabstimmung vorbildlich nach dem Tschernobyl Super-GAU, die vier bestehenden AKWs wurden bis 1990 allesamt abgeschaltet. Unser nördlicher Nachbar Dänemark hatte bereits 1985 sich gegen die Nutzung von Kernenergie entschieden. Trotz heutiger Gedenken sind weltweit neue AKWs geplant, zwei Super-GAUs können eine angeblich technische Überlegenheit nicht aufhalten.

Deutscher Ausstieg nach Fukushima halbherzig – Profitdenken beflügelt Befürworter

Obwohl die Anti-AKW-Bewegung keineswegs müde wurde, ihre Bedenken der bundesdeutschen Regierung vorzutragen, beharrte gerade die CDU-Regierung unter Kohl auf diesen gefährlichen politischen Energie-Kurs, selbst die rot-grüne-Ära von 1998 bis 2005 konnte den überfälligen AKW-Ausstieg nicht vorantreiben oder gar abschließen. Frau Merkel hielt explizit an ihm fest.

Nach dem zweiten Super-GAU, in Fukushima am 11. März vor fünf Jahren, erfolgte endlich ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen in der BRD, was dennoch den damaligen EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, nicht davon abhielt, sich lautstark für den weiteren, weltweiten Ausbau von AKWs einzusetzen. Kein Wunder, daß mit solch einer Einstellung der deutsche Kernkraftausstieg eher halbherzig stattfindet, erst Ende 2022 die letzten drei Kernkraftwerke der derzeit noch acht in Betrieb befindlichen vom Netz gehen sollen.

Dem Gedanken einer „absoluten Sicherheit“ deutscher Kernkraftwerke, wie der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs großspurig verkündete, stehen aber gewisse Restrisiken gegenüber, von menschlichen Versagen über Naturkatastrohen bis hin zu Terroranschlägen.

Die „Big Five“ der meisten AKWs (Japan seit Fukushima ausgeklammert)

Vorneweg diese USA, die neben ihrer extrem hohen Militärausgaben, dem Fracking und anderen Ressourcen-Verbrechen ebenso die Liste der in Betrieb befindlichen AKWs (Stand Oktober 2014) mit 99 anführen. Unsere französischen Nachbarn haben so gar kein Problem mit dieser fragwürdigen Technik mit ihren 58 aktiven AKWs. Russland rutschte mit seinen 34 auf den dritten Platz, die VR China betrieb 30 und Südkorea 24 als der letzte der „Big Five“.

Weltweiter Ausstieg längst keine Option

Besonders die VR China erwägt möglichst viele neue AKWs zu bauen, von mehr als 80 weiteren ist die Rede. Auch die Russische Föderation, anstatt die eigene Technik zu hinterfragen in Hinblick zu Tschernobyl, setzt nach wie vor auf die Kernkraft, wie Putin beschlossen hatte, weitere 26 Reaktoren sollen bis 2030 gebaut werden.

In sofern kann von einem weltweiten Atom-Ausstieg keine Rede sein, das Gegenteil ist der Fall. Die zwei Nuklearkatastrophen und deren Folgen haben offensichtlich nicht ausgereicht, ein wirklich nachhaltiges Umdenken zu initiieren. Diese gefährliche Technik wird immer noch deshalb unterschätzt, weil die tödliche oder gesundheitlich extrem gefährliche Strahlenbelastung von den menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden kann, wir ducken uns, gewarnt mittels hör- oder sichtbaren Lärm bei gewissen Gefahren, ziehen Gasmasken an, wenn die Atemwege spürbar belastet, manche essen ahnungslos immer noch gepflückte Pilze mitten in Europa, Geigerzähler ticken an manchen Stränden des Pazifischen Ozeans.

Ich schließe heute mit folgdendem eigenen Zitat:

„Wenn ein Kind sich an der Herdplatte die Finger verbrennt, geschieht dies in der Regel kein zweites Mal. Zivilisierte Menschen haben aus Tschernobyl nichts gelernt, so daß Fukushima vermeidbar gewesen wäre. Doch bis heute verbleibt die arrogante Haltung, es passiere schon nichts weiteres.“

Lotar Martin Kamm

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Rot und Blau ist Kaspers Frau

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Fahnenhissen fördert die Unfähigkeit, selbstverantwortlich zu handeln

„Rot und Blau geht dem Kasper seine Frau, ein bißchen Grüner gehen seine Diener, ein bißchen Gelber geht der Hanswurst selber.“

Wer diesen Spruch des öfteren gehört hat, wird seine Kleiderauswahl dahingehend, bis auf minimale Ausnahmen, richten, Rot und Blau nicht zu kombinieren. Jedenfalls nicht einen roten Pulli, Bluse, Jacke mit einer blauen Hose, Rock oder umgekehrt.

Schätzungsweise war Ocker die erste Farbe, mit der unsere Vorfahren die ersten Zeichnungen auf Stein gemalt haben, gefolgt von Schwarz, Braun und Weiß. Warum? Weil diese Farben als natürliche Rohstoffe in der Natur vorkamen. Alle anderen Farben entstehen mehr oder weniger durch Verarbeitung, entweder durch Trocknung von Früchten, gemahlene Steine oder von Tieren, Beispiel Cochenille-Schildlaus (rot).

Nun fragt man sich wahrscheinlich oder auch nicht, warum waren unsere Vorfahren mit den Farbtönen ocker, schwarz, braun und weiß nicht zufrieden, sondern erschlossen für sich und die Nachwelt die Möglichkeit, „Gemälde“, Kleidung und Körperbemalungen mit einer ganzen Palette von Farben zu erweitern? Ohne weiteres sind doch mit nur einer Farbe plastische Darstellungen möglich.

Angenommen unsere Augen könnten nur die Farben Ocker, Schwarz, Braun und Weiß voneinander unterscheiden, alle anderen Farben könnten nicht wahrgenommen werden. Somit wäre es komplett einerlei, ob eine Blume rote oder gelbe Blüten hat. Demzufolge würde kein Interesse bestehen, eine gelbe Blume zu zeichnen, da sie für das Auge nicht als gelbe Blume wahrnehmbar wäre.

Da das menschliche Auge, bis auf einige Ausnahmen, die Fähigkeit besitzt, Hunderte von Farbnuancen zu unterscheiden, sogar mit den Reflexen der Beschaffenheit einer Farbe, ob glatt, strukturiert, glänzend, meliert, wäre es mehr als verwunderlich, wenn die Menschen nicht versucht hätten, diese Farbenpracht zu nutzen, um sie mittels Gemälden, Körperbemalungen, Stoffen „dauerhaft“ zu sehen und sich daran zu erfreuen.

Die Natur ist vielfältig, der Mensch ist vielfältig. Bis auf die Ausnahmen der Wenigen, die von der Vielfältigkeit überfordert sind und deshalb ein Schwarz-Weiß-Denken bevorzugen und dies mit aller Gewalt und Macht auf alle Andersdenkenden übertragen wollen. Dazu dienen ihnen vorgeschwärmte Werte, die es zu erhalten gäbe. Nicht beachtet wird dabei, daß gerade Werte immer einer Vielfältigkeit unterliegen.

Die Minderung der Vielfältigkeit führt zu strengeren Maßnahmen und schlußendlich zu starren Verhaltensmustern. Diese wiederum erzeugen die Unfähigkeit, selbstverantwortlich zu handeln.

Und wenn demnächst unsere Kinder und Enkelkinder morgens im Kindergarten und in der Schule vor den Fahnen der einzelnen Nationalstaaten salutieren müssen, dann können sie getrost Rot und Blau kombinieren, falls es noch erlaubt sein sollte, denn Hauptsache wird sein, ihre Kleidung ist nicht moralisch verwerflich!

Doris Mock-Kamm

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Zins und Zinseszins: Welch gefährliche Selbstverständlichkeit (Teil 2)

Börse

Wenn Banken den Lauf unserer Welt beherrschen

Arno von RosenNachdem wir nun im letzten Artikel festgestellt haben, wo wir als Einzelperson auf der Leiter des Banken-Ranking stehen (diejenigen unter Ihnen, die Höhenangst haben, müssen sich jetzt nicht sorgen, denn Sie stehen immer vor der Leiter, nie darauf), beleuchten wir heute die internationalen Banken, im Fachchinesisch auch „Investment-Banken“ genannt.

Hinter diesem schönen Begriff versteckt sich nichts anderes als der weltweite Geldhandel, von dem Sie natürlich schon gehört haben, aber von dem meistens nur ein Börsenbarometer hängen bleibt, wenn eine dieser Riesenbanker mal wieder eine Gewinnwarnung (weniger Ertrag als vorausgesagt) oder ein nach oben korrigiertes Ergebnis (die Anteilseigner = Aktionäre) jubelnd nach mehr Aktien gieren lässt, um den ausgeschütteten Gewinn der Bank für sich persönlich zu mehren. Wie kommt es dazu?

Nun, Gewinnwarnungen gehen nicht selten mit Strafzahlungen an Länder einher, die kriminelle Machenschaften einer Bank offen gelegt und verurteilt haben. Sehr beliebt ist dieser Finanzsport in den USA, denn dort kommen nicht selten Milliarden Beträge als Strafe zusammen (schon allein um den eigenen Finanzmarkt oben zu halten). Bevor diese Zahlungen letztendlich fällig werden (diese Gerichtsprozesse ziehen sich teilweise über Jahre hin, und jede Gerichtsinstanz wird komplett ausgeschöpft), nimmt die Bank eine Rückstellung vor. Sie legt das Geld für eine mögliche Strafe schon mal zur Seite, um diese dann bei einer Verurteilung zahlen zu können.

„Das ist doch sehr vernünftig“, denken Sie jetzt. Ja, ist es bestimmt, aber der eigentliche Zweck besteht darin, dass diese Rückstellung nicht versteuert werden muss, also den Gewinn des Rückstellungsjahres um diese Summe schmälert. Dadurch gehen, im Beispiel Deutsche Bank, dem deutschen Fiskus erhebliche Steuereinnahmen verloren. Besonders beliebt ist diese Vorgehensweise in Jahren mit großer Rendite. Ärgern sich da nicht die Anteilseigner? Die Kleinen bestimmt, denn ihnen wird die Ausschüttung vorenthalten. Bei den großen Anteilseignern ist das Teil des Geschäftsmodells, denn sie kaufen Aktien von enttäuschten Kleinanlegern, wenn der Kurs der Bank an der Börse abrutscht, weil diese ihre Aktien dann unbedingt verkaufen wollen, um ihr Geld zu retten oder in etwas anderes zu investieren. Schieben Banken ihre Gewinne und Verluste umher, um einer Besteuerung zu entgehen?

Panama Papers (1)

Natürlich tun sie das, wie alle großen Unternehmen, denn nichts anderes ist eine Bank, auch wenn diese zusätzlich anderen Unternehmen zur Seite steht, um deren Geld ebenfalls vor dem Finanzamt zu retten. Dazu benötigt man dann die „Briefkastenfirmen“, so wie in Panama, über die jetzt heftig diskutiert wird (natürlich verlogen). Das Ereignis sind ja nicht diese virtuellen Firmen (zumeist ein Bürohaus, in dem sich zig tausende Unternehmen und Einzelpersonen in einer Etage zusammen finden). Dieses Konstrukt ist völlig legal, wird von den Banken selbstverständlich nie hinterfragt (da selbst genutzt), ist auch jedem Politiker, egal welchen Landes, bestens bekannt, aber bisher wurden noch nie „Klarnamen“ von Firmen und Personen dahinter gefunden, außer mal in Einzelfällen, wo sich investigative Journalisten über Jahre die Mühe gemacht haben, diese Geflechte aus Rechtsanwaltskanzleien, Briefkastenfirmen, Grundbucheinträgen, Bankenverbindungen und Steuererklärungen aufzudröseln.

So kommt dann auch mal raus, dass die Flugzeugflotte von VW auf den Cayman Islands (knapp 60.000 Einwohner stehen über 200.000 eingetragenen Firmen gegenüber) registriert und (nicht) versteuert wird, die Verluste dagegen in Deutschland geltend gemacht werden, um die Steuerlast bei unserem Finanzamt zu drücken. Das ist natürlich extrem clever (schütteln Sie jetzt bloß nicht den Kopf) und auch total legal (jetzt dürfen Sie sich komplett schütteln). Da sind die Staaten völlig machtlos, stimmt’s?

Wer hat’s erfunden? Nein, knapp daneben. Die Kapitalverschiebung wurde in Frankreich erfunden, wo das Gesetz eine Versteuerung der Hauptfirma forderte, ohne konkrete Angaben zu machen, wo der Hauptsitz liegen müsse. So wanderte das erste Unternehmen mit der (unbemannten) Zentrale in die Schweiz (Sie waren schon nahe dran) und tausende folgten diesem Beispiel. Daraus wurde für das kleine neutrale Land ein baumdicker Wirtschaftszweig – vor über 100 Jahren. Richtig, jetzt dürfen Sie auf den A… Allerwertesten fallen, vor Schreck, Wut, Verwunderung, Unverständnis und gerne auch noch mal Wut, weil’s so schön ist und berechtigt. Nur eine winzige Korrektur würde ausreichen, um diesen Zustand weltweit zu unterbinden, indem die Steuern da gezahlt würden, wo die Unternehmen ihre Umsätze machen. Dann würden die Gelder von IKEA, REWE & Co. nicht auf irgendwelchen Auslandskonten landen, um in die Taschen von Multimilliardären zu kullern. Warum tut die Politik nix?

Ein gewisser Herr Seehofer, ein junger engagierter Gesundheitsminister, wollte eine schwarze Liste für Medikamente erstellen, um den Pharmariesen den unberechtigten Geldhahn für überteuerte Arzneimittel abzudrehen. Einer dieser Vorstandsvorsitzenden rief daraufhin rotzfrech den Minister an und sagte (sinngemäß), „mach die Liste und ein Skandal fegt dich von der politischen Bühne, für immer!“ Die Liste gab es nie, Herr Seehofer beendete seine Zweitbeziehung, ging zurück nach Bayern, verlautete diese Drohung (spekulativ zum Eigenschutz) und igelt sich fortan im Freistaat ein.

Steuervermeider

Rein Fiktiv gesponnen, könnte eine Firma in Panama, nennen wir sie „Blacklist“, eine Rechnung an ein Pharmaunternehmen, irgendwo auf der Welt stellen, und diese Rechnung würde beglichen, natürlich steuerentlastend für das Unternehmen in diesem Land, natürlich mit fiktivem virtuellem Vorstand dieser Briefkastenfirma (der Vorstand besteht aus weiteren Briefkastenfirmen usw.), es wäre nicht nachzuvollziehen, wem dieses Unternehmen letztendlich gehört, und es werden natürlich keine oder nur wenig Steuern fällig. Alles ganz legal, es sei denn, man könnte nachweisen, dass jemand in einem Land wie Deutschland Einnahmen hätte, die nicht nach Recht und Ordnung hier versteuert wurden. Dann wäre es nicht nur peinlich, mit dem System „Panama“ in Verbindung gebracht zu werden, von der Tatsache dann als gieriger Sack zu gelten, der den Hals nicht voll bekommt, ganz zu schweigen.

Das alles funktioniert ohne internationale Investment-Banken natürlich nicht und ist für den kleinen Bürger erstens undurchschaubar und zweitens uninteressant, da der monetäre Grundstock fehlt, ab dem sich solche Briefkastenfirmen und Banken lohnen, denn die neue ausgerufene Zielgruppe dieser Banken sind die… Superreichen – welch eine Überraschung.

Ich erspare Ihnen jetzt die gefühlte Wurzelbehandlung ohne Narkose und erwähne nicht, dass Spekulationen mit Lebensmittelernten die Preise in „Dritte-Welt-Ländern“ so nach oben treiben, dass die Menschen dort Matschkekse essen müssen, um etwas im Bauch zu haben, oder dass durch diese Spekulanten der Banken jährlich mehr Getreide in Indien verrottet, als alle hungernden Völker zusammen benötigten, oder in Deutschland jeder erwerbstätige Mensch nur noch 12 Stunden in der Woche arbeiten müsste, um richtig gut zu leben, und es auch keine Armut mehr gäbe, wenn diese optimierten legalen Steuerschlüpflöcher geschlossen würden, und das in einem Deutschland, welches als Steueroase noch vor Panama liegt. Die unbezahlbaren Mieten in Großstädten durch die Anlagewut der Vermögenden ist da schon fast lächerlich zu nennen, trifft aber wieder die Menschen, die nie eine wirkliche Wahl haben, nicht einmal alle paar Jahre, wenn wieder ein Kreuz auf einem Zettel fällig ist.

Ihr Arno von Rosen, total spekulationsfrei, mit nur einem Briefkasten (direkt vor der Haustür) und der unerschütterlichen Zuversicht, dass dieses System endet wie alle zuvor, nur um wieder von vorne zu beginnen, am Besten mit der Gründung einer neuen demokratischen Republik (da war doch mal was?), wo alle Menschen gleich sind, jedenfalls so ungefähr. Beenden werde ich den Artikel mit einem Zitat vom legendären Baron Nathan Meyer Rothschild. (1840-1915), erster Bankier der Gelddynastie, über Spekulationen:

„Kaufe, wenn das Blut auf den Straßen fließt, selbst wenn es dein eigenes ist.“

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Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 8)

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Ein Drama mit offenem Ende

Q tritt ab, die deutsche Nationalhymne erklingt:

Deutschland, Deutschland in Europa,
Von der Elbe bis zur Saar,
Wenn es stets vor Freude alle Leute
Inniglich zusammenhält,
Dabei ewiglich innerer Frieden zählt,
Kein böses Wort, keine Fremdenfeindlichkeit –
Deutschland, Deutschland keine Gefahr
Für unsere schöne Welt!

Der Vorhang öffnet sich. Vorm Reichstagsgebäude eine Traube von Journalisten sich tummelt zusammen mit Kameramännern und Photographen. Hinter den Mikrophonen stehen Angie, die Beerde, die USA, der Bär und Sackohrzieh.

Herr Jauch zückt sein Mikrophon, stellvertretend als Moderator und Vermittler zwischen Politik und Medien.

Herr Jauch: Nur für unsere Fernsehzuschauer. Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen mitteilen, daß soeben die hier anwesenden Politiker nach einer langen Sitzung vor die Kamera treten, um der interessierten Öffentlichkeit die Ergebnisse der Verhandlungen vorzutragen und zu begründen. Ich erteile das Wort an die Bundeskanzlerin.

Angie im Vorfeld sich räuspernd: Verehrte Kollegen, meine Damen und Herren der hier anwesenden Medienanstalten. Wir haben eine äußerst lange und harte Sitzung in der letzten Nacht gemeinsam nunmehr endlich beenden können, nachdem insbesondere die USA und der Bär einen moderaten Kompromiß aushandelten, der alle einigermaßen zufrieden stellen dürfte.

Herr Jauch: Wenn Sie gestatten, Frau Bundeskanzlerin, ich sehe gerade, Herr Sackohrzieh möchte etwas erwidern.

Sackohrzieh: Aber Madame Merkel, das entspricht nicht unbedingt der ganzen War-eit, n’est-ce pas? Schließlisch ‚at doch Wladimirowitsch unmißverständlisch auf seine berechtigten Standpunkte be-arrt ! Der Bär nickt heftig bejahend.

Herr Jauch: Wollen Sie sich dazu äußern? Nein? Die USA fällt Angie, die gerade etwas erwidern möchte, ins Wort.

USA: Dazu muß ich aber ein Veto einlegen, weil dies gar nicht mehr zur Diskussion stand, werter Kollege Sackohrzieh. In diesem Kontext muß ich im Namen meiner Nation darauf bestehen, daß wir Europa stets die notwendigen Freiheiten überließen, ganz im Sinne eines demokratischen Grundverständnisses in Anlehnung an George Washington, for sure!

Ein Großteil der Medienvertreter kann sich ein schallendes Gelächter nicht verkneifen.

Der Bär: Zunächst mal, vielen Dank für die französische Rückendeckung, Monsieur Sackohrzieh. Russland hat es nicht nötig, mit irgendwelchen fadenscheinigen Argumenten auftrumpfen zu wollen, wir halten uns an Fakten. Angesichts der langanhaltenden NATO-Belagerung entlang unserer Grenze zur EU reagierten wir selbstverständlich notwendig angemessen. Nunmmehr haben wir in der vergangenen Nacht uns dahingehend einigen können, dieses militärische Störmanöver schnellstmöglich abzubauen, wobei der Westen die ersten Schritte vornehmen muß. Ein Blitzlichtgewitter unterstreicht den Kommentar des Bären.

Herr Jauch: Was sagen Sie dazu, Beerde?

Beerde: Im Namen der Deutschen kann ich mich nur an die gewählte Bundeskanzlerin wenden, die die Verantwortung zu tragen hat, daß alles ordnungsgemäß abgewickelt wird.

Angie fühlt sich sofort angesprochen.

Angie kleinlaut: Nun, wir werden schrittweise die Truppen zunächst ins deutsche Hinterland abziehen, was auch schwere Waffen anbelangt. Dasselbe erwarten wir selbstverständlich von Russland.

Herr Jauch: Das Ganze erinnert sehr stark an die Vorgänge in der Ukraine, wo bekanntlich sich im Ergebnis nichts änderte, der Krieg weiterhin stattfindet.

Sackohrzieh: Da kann isch Ihnen nur beipflichten, das läuft wohl darauf ‚inaus.

Die Pressevertreter beginnen lautstark zu diskutieren, teilweise mittels Fußstampfen begleitet. Plötzlich weichen sie auseinander, weil das Gewissen erscheint und vor die Politiker tritt.

Das Gewissen: Immer noch so lernresistent, auf die eigene Macht beharren, um diesen lächerlichen Auftritt hier obendrein als tollen Kompromiß der Öffentlichkeit zu verkaufen? Wir erleben doch jetzt schon ein Scheitern! Solange die USA und Russland ihr Wettrüsten nicht beenden, der Ost-West-Konflikt weiter anhält, fühlen sich explizit selbst andere Länder wie China, Indien, der Iran etc. berufen, selbst ständig aufzurüsten, um wenigstens den Anschein zu wahren, mithalten zu können. Sie wollen keinen Frieden, sondern existieren vom weltweiten Leid der Betroffenen.

Das Bühnenlicht erlischt ganz langsam, während Blitzlichter aufflackern, es erklingt Richard Strauss „Also sprach Zarathustra, Op. 30: I. Einleitung“ und der Vorhang schließt langsam. Auf geschlossenem Vorhang erscheint unsere Mutter Erde mit der ausklingenden Musik.

Lotar Martin Kamm

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 1)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 2)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 3)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 4)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 5)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 6)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 7)

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Rechter Populismus findet ständig neue politische Spielwiesen

flickr.com/ Markus Wintersberger/ (CC BY-NC 2.0)

flickr.com/ Markus Wintersberger/ (CC BY-NC 2.0)

Vom Putinbashing über Antiamerikanismus zum Bündnis mit Russland?

Solle hinterher niemand verlautbaren, er habe nichts gewußt. Was geschieht hier eigentlich mitten im demokratischen Europa, wo seit über 70 Jahren die Meinungsfreiheit ein jeder genießen darf, von den sogenannten Systemmedien bis hin zum einfachen Bürger? Ein angebliches Aufwachen des deutschen Michels, in dem überall patriotische Gesinnungsgenossen sich plötzlich verbrüdernd einfinden, um endlich mal aufzuräumen, die Fremdherrschaft zu beenden?

Ganz besonders eindringlich unterstützt mittels einer stetig wachsenden Islamophobie seit 9/11, per Flüchtlingsströme, ob nun aus US-amerikanisch hervorgerufenen Kriegsgebieten oder weil das Elend in Nordafrika, im Nahen und Mittleren Osten Menschen beflügelt, Europa als Zuflucht zu suchen, einer bewußt installierten sozialen Schieflage, die eine eigene Bevölkerung erheblich belastet? All diese Mißstände reihen sich wunderbar ein, die versagende momentan verantwortliche Politik anzuprangern, um scheinbar den parlamentarischen Weg der Oppostion zu gehen, siehe AfD, parallel im Volk für möglichst viel Unmut zu sorgen über die Verteufelung sogenannter „Lügenpresse“ und Spaziergängen à la PEGIDA und Co.

Dazu ergänzen sich die unstreitbaren Verfehlungen europäischer Politik im Hinblick zur EU bis hin zur Vasallentreue über eine Atlantikbrücke, einem Besatzungsstatus der BRD, den die USA unerschrocken selbstverständlich für eigene Zwecke mißbrauchen, ob überdeutlich sichtbar in Ramstein oder entlang europäisch-russischer Grenzen, das NATO-Bündnis fordert seinen Tribut, das Feindbild alter Ost-West-Konflike wird mit aller Macht hochgehalten.

Doch genau jene eigentlich deutlich erkennbaren politischen Verstrickungen versuchen die jeweiligen Machthaber möglichst zu verschleiern. Während der US-Westen fast schon penetrant lakonisch für sich in Anspruch nimmt, auf der guten Seite zu stehen, Russland, China und den Iran, um nur mal jene drei Länder zu benennen, auf der Achse des Bösen zu wähnen, hat gerade Wladimir Putin es besonders schwer, das riesige russische Land vom Klammergriff alt eingesessener Oligarchen-Herrschaften zu befreien. Das gilt natürlich für alle Nationen, denken wir nur mal an Dilma, die den Kampf gegen die Korruption zu verlieren scheint.

Aber was bedeuten jene Zusammenhänge im politischen Einerlei, für den sehnlichsten Wunsch aller Menschen, einen Weltfrieden erreichen zu können? Er soll nicht stattfinden, da Macht sich stets eigene Spielwiesen sucht, so wie hier in Deutschland, wo nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Bevölkerung die Verfehlungen der Hitler-Herrschaft möglichst gründlich aufarbeiten sollte, was faktisch eben nicht geschah, weder im Goldenen Westen, schon gleich gar nicht in der DDR. Kein Wunder, daß jetzt erneut rechte Kräfte auf dem Plan stehen, sich formieren, ob im Deckmäntelchen patriotischer Gruppierungen oder über parteipolitische Versuche bis hin zu losen Einzelkämpfern, die dennoch per gezielter Agitation ihre abstrusen Weltbilder in ihrem Sinne einsetzen.

Daß eine AfD-Jugend in ihrer Partei mit der Putin-Partei anbandelt, mag man befremdlich beäugen. Ob ein Staatsmann wie Putin sich auf eine „patriotische Ebene mit rechtem Gedankengut“ einläßt, steht auf einem anderen Blatt. Er wäre sehr gut beraten, wenn er die im eigenen Land bestehende multikulturelle Vielfalt nicht außer acht läßt, sondern ganz im Gegenteil betont, daß eine gelungene Integration sehr wohl zwischenmenschlich stattfinden kann und zwar ohne Unterdrückungsmechanismen. Das praktiziert er ohnehin schon längst. Das wirklich Befremdliche an jener Vorgehensweise ist der Versuch gewisser Kräfte, Putin für eigene Zwecke zu benutzen. Natürlich kann man die Gratwanderung nachvollziehen, sich einerseits von der Bevormundung der US-Politik befreien zu wollen, andererseits einen starken Bündnispartner in Russland zu suchen, zumal die deutsch-russische Freundschaft tief verwurzelt stattfand und bis heute anhält im Gegensatz zur Skepsis den USA gegenüber.

Dennoch sollte man haarscharf unterscheiden zwischen einem gezielt angelegten neuaufflackernden Nationalismus, der stets ein Garant für immerwährende Kriege bedeuten kann und einer weltlichen Staatengemeinschaft, die eben den Austausch zwischen Völkern befürwortet ohne Grenzzäune, Religionszwänge, Handelshürden und vor allem einer Großkonzernpolitik, die regionale Strukturen zertrümmert. Eine schier fast unlösbare Aufgabe, wenn Mensch immer wieder sich vor den Karren selbstherrlicher Mächte spannen läßt, die nur eines im Sinn haben: die eigenen Pfründe.

Lotar Martin Kamm

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