Was soll der ganze Zinnober

pixabay.com

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Wenn Schwachsinn als goldenes Zeitalter proklamiert wird

„Was soll der ganze Zinnober“ ist gleich „Was soll der Blödsinn“. Was bitte hat die Farbe Zinnober, die wir als Kinder (Erwachsene tun es bisweilen auch noch) aufs Papier gepinselt haben, um damit entweder Herzchen oder Blumenblüten zu malen?

Sicher, der Ausdruck wird nicht mehr so oft im Sprachgebrauch verwendet und der ein oder andere hat ihn noch nie gehört und kann sich keine Assoziation vorstellen, warum „Zinnober“ für Unsinn, Quatsch, Firlefanz gedeutet wird. Diese orange-rote Farbe verdeutlicht doch eher Gefahr, Liebe. Und wenn wir ansonsten eher in der Gesichtsfarbe bläßlich wirken, so sind rote Bäckchen ein Zeichen für Gesundheit. Oder auch ein Zeichen, wenn sich die Backen röten, für Verlegenheit, Unsicherheit.

Haben Sie sich schon einmal grün und blau geärgert? Sicherlich! Ob sie allerdings schon mal jemanden grün und blau geschlagen haben, darf ruhig Ihr Geheimnis bleiben. Kein Geheimnis aber ist die Herkunft, auch wenn sie nicht zu hundertprozent nachweisbar ist. Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, deren Haut schon beim kleinsten Stoß auf Ihrem Körper sichtbare Hämatome aufweisen. Dann wird Ihnen das Farbspiel grün und blau bestens bekannt sein. Sich grün und blau ärgern, ist ein sogenannter Umkehrschluß zu jemanden grün und blau schlagen, also sich so ärgern, daß der ganze Körper vor Wut grün und blau wird.

Falls Sie in Ihrer Wut auch noch schwarzsehen, so deutet das darauf hin, daß Sie einer Ohnmacht nahe sind. Oder kurz vor einem Nervenzusammenbruch, vielleicht sogar kurz vorm Herzversagen, denn schwarzsehen, bedeutet, sich zu Tode ärgern.

Nicht zu verwechseln mit rotsehen. Falls Sie jetzt rotsehen, sind Sie von ausgeglichen auf ungebremste Wut umgestiegen, meist erfolgt dies in kurzer Abfolge. Schätzungsweise erfolgte diese Annahme irrtümlich auf das Schwenken eines roten Tuches, um den Stier in der Arena wütend zu machen. Aber es ist vollkommen egal, welche Farbe das Tuch hat, das der Torero schwenkt, der Stier reagiert nur auf das Flattern und da er im Vorfeld schon etliche Verletzungen erlitten hat und unter Schmerzen leidet, wird er zusehends aggressiver. Allerdings gibt es eine Sehstörung, die Erythropsie, bei der das Auge die Gegenstände rötlich wahrnimmt. Und sind Sie so richtig in Wut, können die kleinen Blutäderchen im Auge hervorquellen oder sogar platzen.

Ach ja, und wenn Sie mal über den Durst getrunken haben und blau sind, so hat das nichts damit zu tun, daß sich Hämatome von eventuellen Stürzen auf Ihrem Körper bilden, aufgrund Ihrer fehlenden Koordinationsfähigkeiten unter Alkoholeinfluß, sondern bezieht sich auf die Trinkernase, die sich in den Farben eines Veilchens zeigt. Obwohl, dies sei ausdrücklich erwähnt, auch hier von nicht ganz korrekten Tatsachen falsche Schlüsse gezogen wurden und vielleicht noch werden, wie beim roten Tuch, das den Stier reizen soll. Die Rosacea, Rosenfinne, Kupferfinne ist eine Hauterkrankung und kein Beweis für übermäßigen Alkoholgenuß.

Was soll denn der ganze Zinnober? Was soll denn das ganze unnütze Zeug? Die Beantwortung kann sich jeder selber denken, wenn er denn will, denn als Textschreiber kann man noch das Thema selbst aussuchen, auch wenn es für viele heute unerträglich scheint. Mag sein, daß die Freiheit nicht mehr lange währt, da zu jedem Thema zig Gegenthemen und Argumente ins Feld geführt werden, anstatt differenziert die Wiese zu betrachten. Leider sind anscheinend nur wenige Menschen fähig, die versprochenen goldenen Zeiten als Zinnober zu erkennen.

Ach so, die Erklärung fehlt noch, für den Zinnober, den Tinnef. Na denn, der Ausdruck kommt noch aus den Tagen, als Alchemisten unbedingt mit Hilfe von Quecksilber (galt als Essenz sämtlicher Metalle) Gold herstellen wollten. Bleibt zu hoffen, daß es wache Geister gibt, die die Transformation von Quecksilber zu Gold mittels Schwefels (sollte die Farbe des Goldes liefern) durchschauen und erkennen, daß es sich nur um Zinnober handelt. Und deshalb Schwachsinn ist.

Doris Mock-Kamm

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Serengeti wird bald sterben

flickr.com/ Marc Veraart/ (CC BY-ND 2.0)

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Kenias Regierung gibt ein Riesengebiet des Mau-Waldes zur Abholzung frei

Der Serengeti geht es erneut an den Kragen, diesmal betrifft es den Mau-Wald, dem größten indigenen Wald Ost-Afrikas, der sich östlich des Victoria-Sees in Kenia befindet und sich über eine Fläche von 273.000 Hektar erstreckt, was immerhin 273 km² entspricht, zum Vergleich etwas größer als Erfurt mit seinen 269 km².

Die Regierung Kenias hat rund 17.000 Hektar des Mau-Waldes zur Abholzung freigegeben, dem Quellgebiet des Mara-Flußes, der vor allem als einziger Fluß im Serengeti-Nationalpark die Wasserversorgung dort sichert und somit das Überleben riesiger Herden wilder Huftiere wie Antilopen, Gnus oder Zebras. Rettet den Regenwald e.V. bittet eindringlich um Unterzeichnung dieser Petition, die sich an den Präsidenten der Republik Kenia, Uhuru Muigai Kenyatta, richtet, der seit drei Jahren das Land leitet als einer der reichsten Männer Afrikas.

Bernard und Michael Grzimeks Kinodokumentarfilm wird nachhaltig verhöhnt

Weil Profitgier ihren Hals nicht voll genug bekommen kann. Dabei hatten die beiden Tierfilmer, Michael Grzimek schrieb das Drehbuch zum Film „Serengeti darf nicht sterben“, vor allem eines im Sinn, die riesige Serengeti, welche mit ihren 30.000 km² in etwa 8 Prozent der Größe der BRD entspricht, genauer zu beobachten, zu schützen, vor allem die Tierwanderungen, um die Ende der 1950iger geplante Einzäunung im 1951 gegründeten Serengeti-Nationalpark im Schutzgebiet um den Ngorongoro-Krater zu verhindern.

Hatte Tansania noch vor sechs Jahren eine Autobahn mitten durch den Serengeti-Nationalpark geplant, verwarf diese jedoch das schreckliche Bauvorhaben aufgrund heftigen Widerstands, auch unter Androhung der UNESCO, dem Park den Status als Weltnaturerbe abzuerkennen. Nunmehr hat sich Kenias Regierung entschlossen, den Mau-Wald weiterhin abholzen zu lassen, wie schon die letzten 15 Jahre zuvor, wo bereits 25 Prozent des Waldbestandes zerstört wurden, wie Serengeti Watch anführt.

Grzimeks Erbe in Gefahr

Wird die Serengeti tatsächlich bald sterben? Die Menschheit seelenruhig zuschauen, ohne eines der wichtigsten Gebiete Afrikas zu bewahren und davor zu schützen? Michael Grzimek verstarb kurz vor Ende der Dreharbeiten, weil tragischerweise ein Geier ihm in einer Dornier Do 27, ein einmotoriges STOL-Mehrzweckflugzeug, in die Quere kam, die Maschine abstürzte.

Dessen Vater Bernard bestand aber auf die folgende Film-Passage, die die zuständige Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) streichen wollte als Entgegenkommen Grzimeks, dafür solle der Dokumentarfilm das Prädikat „wertvoll“ erhalten:

„Diese letzten Reste des afrikanischen Tierlebens sind ein kultureller Gemeinbesitz der ganzen Menschheit, genau wie unsere Kathedralen, wie die antiken Bauten, wie die Akropolis, der Petersdom und der Louvre in Paris. Vor einigen Jahrhunderten hat man noch die römischen Tempel abgebrochen, um aus den Quadern Bürgerhäuser zu bauen. Würde heute eine Regierung, gleich welchen Systems, es wagen, die Akropolis in Athen abzureißen, um Wohnungen zu bauen, dann würde ein Aufschrei der Empörung durch die ganze zivilisierte Menschheit gehen. Genau so wenig dürfen schwarze oder weiße Menschen diese letzten lebenden Kulturschätze Afrikas antasten. Gott machte seine Erde den Menschen untertan, aber nicht, damit er sein Werk völlig vernichte.“

Der Tierarzt und Dokumentarfilmer setzte sich durch, das Prädikat „wervoll“ erhielt der Film ohne Auflage, 1960, ein Jahr nach der Erscheinung, erhielt er gar einen Oskar für die beste Dokumentation. Dennoch befindet sich Grzimeks Erbe in Gefahr, die Serengeti bleibt weiterhin gefährdet, zumal profitorientierte Wirtschaftsinteressen ihr auf die Pelle rücken nicht nur wie jetzt aktuell mit der erneuten Abholzung im Mau-Wald, sondern ebenso wegen Straßenbauplanungen und Wilderei.

Lotar Martin Kamm

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Liebesspiel bei Dämmerung

flickr.com/ Gruenewiese86/ (CC BY-ND 2.0)

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Reizvolle Einblicke erhellten den Tag,
nach Wochen der Winterkälte.
Wie schön frühlingshaft sie da lag,
genußvoll das warme Sonnenlicht wählte.

Liebreizende Bewegungen Interesse weckten,
eh und je dem Liebesspiel glich.
Schön langgeformte Beine sich streckten,
um zu kokettieren, verführten jeden an sich.

Was in jungen Jahren unvergessen uns widerfuhr,
suchte stets Wege liebreizender Erinnerung,
ob im Bad, im Zimmer oder auf einem langen Flur,
das Liebesspiel fand statt, des tags, bei Dämmerung.

Drum wollen wir auch heute noch beisammen sein,
etwas gealtert, aber um Erfahrung reicher,
uns liebend vereinen, gar romantisch im Kerzenschein,
und fühlen die Nähe, die Knie werden weicher.

Lotar Martin Kamm

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Feindbilder schaffen die rechten Affen und gaffen

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Satirischer Rückblick…

Wer hat Angst vorm flüchtenden Mann, so mit allem drum und dran? Der ahnungslos vorurteilsbehaftete, rechtslastige Genosse, kaum entsprungen aus Mutters Schoße, übergießt er die Umwelt mit seiner braunen Soße. Welch widerlich politisches Desaster fällt da erneut durch angeblich kritisches Raster. Immer noch auf dem rechten Auge blind? Ganz besonders des Volkes Mitt. Igitt, igitt, wohl nicht genug gelitt?

Man möcht Isabell alles Gute gönnen, überhaupt die Menschheit letztlich versöhnen, wenn da nicht Vaterlandsliebe auf Abwegen wär. Sie belullt schon wieder zu viele mit ihrer bösartigen Mär! Wer das nicht glauben mag, schau doch mal in manch Landtag, was dort sich jüngst jetzt abspielt, wenn durchaus selbstgefällig gezielt der Abwärtstrend der alten Parteien für eigene Zwecke benutzt. Und kaum jemand stutzt?

Kein Problem, weil Jammern in manch dunklen Kammern doch vorzüglich angenehm. Schließlich geht es doch um eigenen Frust und ums Vaterland, welches bedroht, oh Schand. Die Lösung menschlicher Fortplanzung erschaffen im Labor? Mitnichten, Mensch, du Tor! Oder haben sie doch nichts mehr zu verlieren, kriechen am Ende wie Tiere auf allen Vieren?

Mit Blick zur Rüstung, zu all den Waffen: Was soll jenes Treiben, dieses Erschaffen, was stets Krieg bedeuten muß? Des Menschen Überfluß, gar Überdruß? Am Ende alles zerstört, Schluß. Sich wiederholende Kreisläufe verfehlter Politik, welch Mißgeschick, ob viel früher oder vor 40 Jahren, ist sich Mensch wirklich darüber im Klaren, daß seine Zukunft verbaut? So wenig Widerspruch, kaum jemand sich traut?

Auch Chemieriesen, so wie Bayer und Co., ihre dicken Geschäfte zu Lasten anderer, in dem Falle den Bienen, schamlos genießen. Manch Wanderer fühlt sich etwa an die Wand gedrängt, furchtbar beengt in einer Welt voller Tücken. Oder möchte man sich auf anderem Wege beglücken? Denken wir zurück an die gute alte Stub, an Zeiten, wo man kaum böse Fallen grub. Mensch, noch nicht genug?

Mit Blick zum Zins und Zinseszins wird klar, wer hier das Sagen hat, Jahr für Jahr. Das ist nicht nur schad, sondern zeigt wie fad Banken die Welt beherrschen. Sie denken, kein geschickt inszeniertes Märchen? Kein Betrügen, kein ständiges Belügen? Homo sapiens mauschelt seit Urzeiten mit Muscheln, da hilft kein stilles Tuscheln. Er sollt der Wahrheit ins Gesicht blicken, und die verlogene Mischpoke von dannen schicken.

Wenn nicht, dann kehren sie zurück, wie das jüngste Gericht. Jene Patrioten und Nationalisten, die allzu gern ihre eigenen Fahnen hißten. Stück für Stück erneutes Grauen zu uns kriecht. Sie aufzuhalten, unsere menschenwürdige Pflicht.

Lotar Martin Kamm

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Homo sapiens mauschelt seit Urzeiten mit Muscheln

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Was haben Muscheln mit Betrügen und Lügen zu tun?

Muscheln essen gilt für manche Menschen als Delikatesse. Während andere sich ekelnd abwenden und es gar nicht nachvollziehen können, so etwas als Nahrung anzusehen. Sie haben vielleicht eher Freude daran, an den Stränden der Meere zu schlendern und das ein oder andere verlassene Muschelhaus mit nach Hause zu nehmen als Erinnerungsstück, oder um es in ihre bereits bestehende Sammlung aufzunehmen.

Muscheln bevölkern nicht nur unsere Meere, sondern sind auch im Süßwasser zu finden. Wer selbst die Gelegenheit hatte, als Kind entweder an der Küste oder einem See aufgewachsen zu sein, wird schätzungsweise in seinen Kindertagen die ein oder andere Muschel gesammelt und eventuell die ersten Tauschgeschäfte damit abgewickelt haben.

Die Schönheit und Artenvielfalt der Muscheln hat bereits den frühen Homo sapiens dazu veranlaßt, Muscheln nicht nur als Schmuckstücke zur Zierde des eigenen Körpers zu benützen, sondern hat ebenso zum Tauschgeschäft angeregt. Der Wert einer Muschel wurde nicht nur nach der Schönheit, auch die Häufigkeit des Vorkommens trug wesentlich dazu bei, den Wert der Handelsware zu bemessen.

Der Name Muschel führt zurück auf eine Muschelart, die von den Römern gern gegessen wurde, aber so oft vorkam, daß sie von geringem Wert war und die Ähnlichkeit mit einer Maus aufwies. musculus, mittelhochdeutsch muschel, althochdeutsch muscula, < lateinisch = Mäuschen, wohl nach der Ähnlichkeit in musculus, eigentlich Form und Farbe mit einer Maus. (Duden)

Die Angewohnheit vieler Muscheln sich an irgendwelchen Dingen fest zu ankern, hat Wissenschaftler dazu verleitet, einen Superkleber zu erfinden. Oder besser gesagt, sie haben mal wieder in der Natur abgekupfert.

Unbestritten ist jedenfalls, daß noch nicht alle „Fähigkeiten“ dieser Tiere bekannt sind und scheinbar ausgestorbene Arten plötzlich wieder auftauchen.

Falls Sie jetzt ein bißchen neugierig geworden sind und mehr über diese Spezies erfahren wollen, können Sie beim nächsten Urlaub Ihr Wissen in diesen erwähnten Museen vertiefen.

Aber kommen wir zurück zur Sammlung der Muschelgehäuse und das eigentliche Thema dieser Kolumne, nämlich: mauscheln. Muscheln, das alemannische Wort für undeutlich sprechen, dumpfe Töne von sich geben, hat sicher unter anderem auch dazu beigetragen, das Wort mauscheln, mit Betrügen und Lügen gleichzusetzen. Als der Handel, Wechsel von Besitz, noch nicht von „festgesetzten“ Werten abhängig war, sondern von individuellem Wert einzelner Gegenstände, haben sicherlich einige der Händler gewisse Unkenntnisse der Geschäftspartner ausgenützt.

Man muß ja nicht jedem gleich auf die Nase binden, daß diese Muscheln an dem einen oder anderen Ort zuhauf vorkommen, quasi nichts oder nur wenig wert sind. Und wenn man bei diesen Handelsgeschäften etwas in den Bart gemuschelt hat, so hatte man gewiß auch keine böse Absicht, der andere hat nur falsch verstanden.

Das Mauscheln, Betrügen und Lügen ist der Menschenseele wohl mit in die Wiege gelegt worden, ähnlich der Schadenfreude, denn wenn der Mensch das Gefühl erhält, einen für ihn guten Deal abgeschlossen zu haben, freut er sich königlich, ähnlich wie über eine unvorhergesehen scheinbar komische Situation, in der sich der andere blamiert. Dabei spielt es oft keine Rolle, ob der andere sich dabei verletzt hat oder nicht.

Und wer jetzt denkt, die Sammlung der Muscheln sei nur eine kindliche Leidenschaft, der irrt. Denn sie kann die Vorbereitung sein für clevere Tauschgeschäfte.

Doris Mock-Kamm

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Lieb Vaterland – ick dräng Dir mal an den rechten Rand

flickr.com/ 37sechsblogger/ (CC BY-NC 2.0)

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Wenn Patrioten und Nationalisten Hochzeit feiern, müssen Aufrechte reiern

Eine heftige Sehnsucht sitzt da ganz tief in den Herzen Verpönter, die jetzt endlich nach Jahrzehnten ihre Chance als gekommen sehen, wieder geschlossen aufzustehen, vereint im Reigen ihres unerbitterlichen Nationalismus, den sie nunmehr ausleben wollen. Welch günstige Konstellation, welch politische Finte, daß mitten im alten Europa eine Nation, die längst als gekapert, besetzt geglaubt, sich erhebt, um ihre lästigen Feinde abzuschütteln.

Geschickt eingefädelt durchs enge Nadelöhr von bösen Stimmen und stillen Beobachtern, agieren im Hintergrund exakt jene Geldgeber, die schon vor über achtzig Jahren selbstgefällig gezielte Schaltstellen bedienten, auf daß diese das Volk für sich gewinnen. Was damals schon funktionierte, sollte heute nonchalant mittels Glotze und Internet erst recht folgen. Man konstruiere ein kontinuierliches Feindbild, welches brillant die Taktik übernimmt, auf der einen Seite eine völlig unfähige Parteipolitik, die stets den Spuren des Geldes nacheifert, dabei wie eh und je die Belange des Volkes mißachtet, andererseits erschafft man die ewig Schuldigen, die USA.

Und schon schnappt die Falle zu. Was zuvor Horden Linker nicht gelang, alldieweil vor über 25 Jahren der russische Kommunismus weichen mußte, die Balance zwischen Ost und West ins Wanken geriet, den ewiglichen Antiamerikanismus hochzuhalten, sollte dafür von langer Hand geplant bei den überfällig sich formierenden Rechten europaweit nunmehr fruchten. Die Geschichte wiederholt sich, Mensch scheint vergangene Zeiten zu vergessen, man muß nur oft genug die „dunklen Jahre“ Deutschlands und andere Faschisten in Europa verharmlosen und kleinreden, Propaganda macht’s möglich.

Wenn Patrioten und Nationalisten Hochzeit feiern, müssen Aufrechte reiern. Soweit sind wir schon wieder. Sie finden haufenweise Zulauf, weil viel Frust sich angestaut, eine riesige Wut auf all die Versäumnisse einer dekadenten Politik, die vor lauter Konzern-Hofiererei den Überblick verloren hat. Welch günstige Gelegenheit, obendrein lang unterdrückten Fremdenhaß jetzt auszuleben, weil die Mischung zwischen Sozialabbau, sinkenden Löhnen, latenter Arbeitslosigkeit den Faktor Neid erhöht, wenn gleichzeitig Rattenfänger zur Stelle eilen mit vollmundigen Versprechungen. Phrasendrescherei funktioniert auch heute noch, Hauptsache die derzeitig Regierenden verschwinden per Haßtiraden. Notfalls per Gewalt, die bereits in sozialen Netzwerken unverblümt und schonungslos wortgewaltig sich Luft macht.

Was heute in Worten geschieht, wird morgen sich entladen? Mit der Zunahme des Haßes, der Größe der Wut, braucht es lediglich ein paar wenige Orte gezielter Versuche, um die Ordnungskräfte zu testen, schon kurz danach erblüht das Chaos. Billigend in Kauf zu nehmen eine Bundeswehr oder gar eine Eurogendfor. Szenarien längst durchdacht: Wann ein Bürgerkrieg entfacht? Während böse Kräfte sich sammeln, sollten wache Geister rechtzeitig notwendige Schritte wissen, bevor sie selbst gefährdet. Also aufgepaßt, seid wachsam und haltet zusammen, Ihr, die Ihr keine Wiederholung einstiger Geschichte wollt!

Lotar Martin Kamm

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Die gute alte Stube

flickr.com/ pilot_micha/ (CC BY-BC 2.0)

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Nostalgie oder noch vorhandenes Aushängeschild?

Wer kennt sie noch: die gute Stube? Das für viele Kinder ehrfürchtig zu betretende Zimmer der Wohnung. Stube, eigentlich beheizbarer Baderaum, laut Duden, Herkunft ungeklärt, der Ort in der Wohnung, der bei vielen Familien nur zu Essenszeiten und sonn- und feiertags betreten werden durfte. Und natürlich, der Raum, der, außer der Küche, beheizbar war.

Was heute unser Wohnzimmer genannt wird, war vor gar nicht so langer Zeit ein Ort in der Wohnung, der aufs peinlichste gesäubert und nur für die Eltern und Gäste meistens zugänglich, bis auf oben erwähnte Ausnahmen. Und natürlich nur in den Familien, in denen so eine Stube vorhanden war, denn so selbstverständlich gab es die Stube nicht. Vielmehr gab es für die meisten Menschen gerade mal einen Kochraum und ein oder zwei Zimmer zum Schlafen. Innentoilette und Bad ein Traum. In Mietshäusern war die Toilette ein Stockwerk tiefer oder höher, je nachdem. Eine Waschmöglichkeit befand sich nur in der Küche.

Stubenhocker! Wurden Sie auch schon mal so beschimpft? Der Ausdruck galt all jenen, die gerne ihre Zeit in der Wohnung verbrachten oder aufgrund einer Krankheit nicht so oft nach draußen gingen. Es gibt sogar eine Gesichtsfarbbenennung, die Stubenfarbe bezeichnet, eine sehr blaße Gesichtsfarbe, wie bei jemandem, der selten an die Luft kommt, sagt man.

Oder sind Sie einer jener Stubenarrestler gewesen? Jene Kinder, die als Strafe nicht nach draußen zum Spielen durften, weil sie über die Stränge geschlagen hatten. Schätzungsweise saßen die Kinder die Strafe auf keinen Fall in der Stube ab, sondern eher in der Besenkammer oder wenn ein anderes Zimmer zur Verfügung stand, dann mußten sie dort über ihr Fehlverhalten nachdenken. Denn die Stube war „heilig“. Sie war das Aushängeschild eines guten Hausstandes und der Hausfrau.

Vielleicht kennen Sie den Ausdruck Stubengelehrter noch, oder Sie selber benutzen ihn, um anderen damit zu sagen, daß er sein Wissen ja nur aus Büchern kenne und keine Lebenserfahrung besitze. Heute vielleicht vergleichbar mit den vielen Internetnutzern, die sämtliche geschriebenen Texte, die so durchs Internet brausen, als bare Münze nehmen, ohne zu hinterfragen oder nachzuforschen. Internetgelehrte in heutiger Sprache.

Mag sein, daß die gute Stube deshalb verschwunden ist, weil sie immer mehr zum Versammlungspunkt fürs fern Sehen geworden ist. Denn in den Wirtschaftsjahren der 60iger des letzten Jahrhunderts nahmen immer mehr die Kästen, teilweise versteckt im Fernsehschrank, den Einzug in die Wohnungen, und mit Beginn von Kinderprogrammen war auch der Nachwuchs nicht mehr so schnell, jedenfalls ohne Streitereien aus der Stube zu vertreiben. Man ging mit der Zeit und die bestimmte fortan einen Teil des Tagesablaufs. Wenn nämlich Bonanza, Daktari, 77 Sunset Strip, Verliebt in eine Hexe, Lassie, um nur einige zu nennen, über den Schirm flimmerten, saßen selbst die quirligsten Kinder still vor dem Fernseher.

Natürlich ist uns doch ein bißchen die gute Stube geblieben, denn auch heute noch führen wir unsere Gäste selbstverständlich ins Wohnzimmer oder in die Wohnküche. Dort sind all jene Gegenstände besonders platziert, deren stolzer Besitzer wir sind. Wir können den Besuch doch nicht ins Schlafzimmer führen, um unsere neueste Errungenschaft, den super großen Flatscreen TV zu zeigen.

Ein Hinweis auf die stets reine und ordentliche Stube finden wir heute vor allem in der Aussage: Der Hund, die Katze ist stubenrein. Womit verdeutlicht wird, daß der Stubentiger seine Notdurft entweder im Katzenklo tätigt oder aber der Hund sich rechtzeitig meldet, wenn es Zeit ist, Gassi zu gehen.

Selbst für uns Menschen ist ein Stück der alten Zeit noch übrig geblieben, denn wird Ihnen attestiert, Sie hätten eine gute Kinderstube gehabt, so ist dies ein Kompliment für Ihr vorzügliches gutes Benehmen und Verhalten.

Und wenn Ihnen die Stubenfliege wieder mal zu arg auf die Nerven geht, schnappen Sie Ihre Stubenhocker, damit diese Ihre Stubenfarbe verlieren, Sie Ihre Stubengelehrsamkeit erweitern können und genießen die Welt außerhalb der guten Stube.

Doris Mock-Kamm

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