Auch wenn ich mich drehe und wende

flickr.com/ ThomasKohler/ (CC BY 2.0)

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Auch wenn ich mich drehe und wende
und nach unten und oben sehe,
nichts, aber auch gar nichts
ist da, was mich interessiert.
Es gibt nichts an Angeboten, die mir
sagen, kauf mich, nimm mich mit.

Die Regale sind überfüllt mit Sinn
und weniger Sinnvollem.
Hier und da leuchtet ein kleines
Blinklämpchen, um auf sich
aufmerksam zu machen.
Aber alles erscheint mir wie ein
großer Tandhaufen.

Konsum, Konsum, die schnelle Mark,
reizvolle Sinnlosigkeiten locken das
Geld aus der Tasche.
Fühle mich selbst wie ein zum Platzen
gefüllter Sack.
Warum, warum nur reizt es mich, nicht
zuzugreifen und eben das zu tun, was
die anderen tun, kaufen, kaufen, kaufen.

Dies und jenes wäre sicher praktisch
in der Anwendung, aber es widerstrebt
mir, es mit nach Hause zu nehmen.
Viel zu viel steht bei mit schon herum
und verstaubt nur.
Ich brauche Platz, Platz, Platz.
Platz für all das, was in meinem Kopf ist.

Platz, damit ich all meine Gedanken in
meinem Haus unterbringe.
Ich benötige Leere, damit ich meine
Gedankengebäude aufstellen kann.
Deshalb, ihr lieben, zum Kauf angebotenen
Waren, dürft ihr weiterhin in euren Regalen
und Schaufenstern stehen und für andere
feilgeboten werden, die nicht so viele
Gedanken in ihr Heim stellen möchten.

Nafia

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Aufrechte Streiter hoch zu Ross in gnadenloser Mission

flickr.com/ Kass3tte/ (CC BY-SA 2.0)

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Nationalismus – unbelehrbares Relikt aus dem letzten Jahrtausend

Selbstherrlich glänzten sie im grellen Sonnenlicht, rüstungsgleich, um lautstark der gröhlenden Masse sich erhobenen Hauptes zu präsentieren. Ein paar Versprengte stießen zu ihnen, hatten wohl anderweitig dringendes erledigt. Nunmehr war die Riege der Auserwählten komplett, zeigten sich dem gemeinen Fußvolk, welches voller Andacht den aufrechten Streitern hoch zu Roß zujubelte. Deren einziges Ziel: in gnadenloser Mission all diejenigen aufspüren, die sich weigerten, diese Herrschaft anzuerkennen.

Irgendwo in einem weit zurückliegenden Jahrhundert oder in den Köpfen manch abstruser Phantasten mögen derartige Heldenepen den Restverstand umnebeln, der ihnen suggeriert, die Welt läge ihnen zu Füßen, alles würde linientreu einem gezielten System gehorchend funktionieren. Weit gefehlt. Welch fataler Irrtum, genauso wie die Mär des Nationalismus, wobei der inklusive lediglich theoretisch fruchten mag, was angesichts eines sich schnell verselbständigenden Chauvinismus zum exklusiven Nationalismus sich entwickelt. Die Falle schnappt zu, wir gelangen exakt an die Stelle der Geschichte, die zum fanatischen Völkerkult führte, jede andere Nation ächtend, um schließlich im Zuge gewinnbringender Vorteile Kriege anzuzetteln, beste Voraussetzung ein Feindbild zu erschaffen.

Das Visier nach unten geklappt stürmten die Reiter aufeinander zu. Fahnen verdeutlichten die jeweilige Nation zusammen mit markanten Symbolen, Farben und Mustern, wer hier für wen im Kriege kämpfen und bei Verlust sich opfern mochte. Ehrenvoll und stolzen Blickes droschen sie aufeinander ein im Waffengeklirr lautstarker Schreie, die Erde zerwühlend, manch Roß schnaubend gen Boden geschleudert, den Reiter unter sich begrabend, viel Blut zierte die wenig erhaltenen Gräser, die Schlacht verlief wie etliche zuvor. Am Ende viel Leid und Elend, Leben dahingerafft, im Sinne der jeweiligen Nation dienend gekämpft.

Heute nennen sie sich identitär, friedlich patriotisch Gesinnte, die zugleich keineswegs davor zurückschrecken, keinen kulturellen Austausch in einem gesellschaftlichen Miteinander zu dulden. Schön fein säuberlich schnitzt man sich sein verschroben behütetes Weltbild zusammen, Berührungsängste im Auge, daß da ja niemand es wage, die Ehre der Nation zu beschmutzen. Welch wunderbare schicksalshafte Laune der Geschichte, nach geduldigem Verharren ob des „multikulturellen Experiments“, das gar unbedingt den Grünen angelastet, gelangen in Scharen Horden voller Flüchtlinge ins Land, die sofort die eigene Pflicht und Ehre herausfordert, die Nation zu retten. Befreiung von einer verfehlten Politik, die gänzlich es versäumte, an alte Werte der Tradition festzuhalten. Mit Vehemenz werden die Messer gewetzt, natürlich in friedlichem Einklang, um ja keine schlafenden Hunde zu wecken.

In Wirklichkeit strategisch gutdurchdachte Strukturen von langer Hand aufgebaut längst in den Startlöchern stehen, um das Ruder herumzureißen, ein Europa der Nationen vorbildhaft erneut zu etablieren. Gleichwohl dazu einige Gleichgesinnte sich stets einfinden, die jetzt lediglich ihre Rolle aufsuchen sollten, um gemeinsam notwendige Schritte einzuleiten. Sie dürfen raten, wie das zu bewerkstelligen sei. Noch lassen sie sich wählen, europaweit ein Rechtsschwenk ohne weiteres sichtbar sich formiert. Ob hinterher die eine Nation die andere noch „riechen“ mag, bleibt mal dahingstellt. Schließlich bewegt es sich schlecht in nationalistischer Gesinnung, wenn stets der eigene Staat seine Interessen durchsetzen will.

Mal Hand aufs Herz eines jeden halbwegs klar denkenden Zeitgenossen: Wie soll das fruchten? Eine ohnehin komplett chaotisch aus dem Ruder laufende Welt, in der sowieso kaum Einigkeit herrscht, außer in dem Bemühen der Eliten, sich stets das größte Stück Kuchen zu gönnen, während die Völker einfach zu funktionieren haben. Wer will dabei noch eine nationale Gesinnung einfordern und gar umsetzen? Wobei gerade die Wirtschaft in ihrem Wachstumswahn keinerlei Rücksichten nimmt, der Globalismus längst den Kurs diktiert in seinem Raubbau sämtlicher Ressourcen, der Ausbeutung von Humankapital.

Sie sind gestorben für eine Idee, die letztlich zum Scheiten verurteilt war. Sinnlose Kriege forderten zig Millionen Menschenleben, ohne daß auch nur annähernd sie sinnvoll waren. Sie dienten lediglich einer selbstgefälligen Kaste von Herrschern, die bis heute ihre Ziele verfolgen. Solange die Völker sich dermaßen instrumentalisieren lassen, jedem politischen System blindlings dienen, ändert sich nichts.

„Mensch, entledige dich deiner Fesseln, die da lauten: Niemand hat das Recht, Nationalismus einzufordern, schon gleich gar kein Rassismus zuzulassen.“ Wir sind alle rein geboren, entsprungen aus Mutters Schoß, es gilt, die Welt friedlich zu gestalten, in einem Miteinander, ohne jeweden falschen Stolz, verlogene Ehre und anderweitige Doktrin. Nie wieder Nationalismus, der oftmals auch in getarnten Gewändern daherkommt!

Diesen Beitrag widme ich liebend gern Sylvias Projekt „Gegen das Vergessen“.

Lotar Martin Kamm

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Die Leserin (Teil 1)

pixabay.com

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Sie wußte, wenn sie die Treppenstufen des Hinterhauses in den zweiten Stock hochging, würde ihr Herz wieder so fürchterlich pochen, würden ihre Beine gleichzeitig starr und ungelenk und dennoch butterweich zähflüßig die Stufen treten, sie müßte wieder das Treppengeländer mit ihrer schwitzigen Hand umklammern und sich einbilden, sich an einem Strang nach oben zu ziehen, der sie in die Wohnung führte, an deren Eingangstür nur das Schild festgenagelt war mit dem Namenskürzel V.B.

Anonym, so anonym wie selbst die anderen Teilnehmer, die sie dort seit einem halben Jahr jeden Dienstag Abend antraf. Um überhaupt dort sein zu dürfen, mußte sie einwilligen, ihre Persönlichkeit äußerlich zu verändern, deshalb hatte sie an diesen Dienstagen blonde lange Haare, einen wallenden langen Rock und eine unförmige blaue Bluse an. Männliche Teilnehmer trugen ebenfalls Perücken, aber auch vereinzelt aufgeklebte Bärte und mußten ebenfalls in blauen Hemden erscheinen. Stillschweigen über das Gehörte wurde schriftlich vereinbart und bei Zuwiderhandlungen drohten je nach Schwere Gefängnisstrafen.

Namen durften nicht erwähnt werden, ihre gegenseitige Ansprache lautete immer, die Leserin oder der Leser und dabei mußten sie einen blauen Stock, der ihnen ausgehändigt wurde bei jedem Treffen, nach vorne ausstrecken. Es waren schwere Momente, die sie durchleiden mußte, aber immerhin besser, als gebrandmarkt durchs Leben zu gehen. Denn sie hatte es getan und sie machte es bisweilen immer noch, heimlich, und trotz ihres schlechten Gewissens erlebte sie dabei doch immer wieder ein absolutes Hochgefühl, wenn sie die an manchen Stellen kaum noch lesbaren Sätze entziffern konnte und so die Gesamtheit des Textes erlas.

Ja, ich bin eine Leserin. Das war der Satz, den jeder Teilnehmer jeden Dienstagabend zur Begrüßung zu sagen hatte. Heute hat sie mit den Einleitungssätzen die Therapiestunde zu eröffnen, sie hatte schon die ganze letzte Woche diese Sätze ständig wiederholt, damit sie ihr ja nicht verloren gingen. Und heute sollten alle hören, wie bei ihr das Laster anfing. Lesen allgemein war nicht verboten, denn wie sollten sonst Maßregelungen und Hinweise weitergegeben werden, aber das Lesen von Dichtern und Denkern, von Poesie und Romanen, von Philosophie und Religion und alles andere, das auf der Liste für verbotenen Bücher stand, und diese Liste war lang.

Sie hoffte, ihre Einleitung würde nicht so katastrophale Auseinandersetzungen nach sich ziehen, wie vor vierzehn Tagen, obwohl man konnte nie sicher sein, sie hatte sich deshalb vorgenommen, ihre Geschichte ein wenig zu verändern, und wenn sie schon von Schuld sprechen würde, dann von ihrer eigenen und nicht von ihren Großeltern, der Nachbarin und ihrem Onkel. Vor vierzehn Tagen wäre es beinahe zum Ausschluß eines Teilnehmers gekommen, weil er bei seinen Einleitungssätzen sich verleiten ließ, immer intensiver und fast nur noch seinem Gefühl ergeben über das am meisten verbotene Buch zu sprechen. Seither war sie überzeugt, er kenne das Buch auch auswendig wie sie. Der erste Satz aus diesem Buch, die Überschrift von Kapitel I wurde in der Runde kaum mehr als sonst auch aufgenommen:

“Staaten, die den Menschen, aus welchen Gründen auch immer sie in dieser Gesellschaft wohnen und leben, die Angst vermitteln und sogar fördernd mitwirken, die Ängste zu verstärken, allein gelassen zu werden bei Krankheit, Alter, bei allen nur erdenklichen Problemen, die Menschen widerfahren können, können nicht erwarten, daß selbstbewußte aufrichtige und ehrliche Mitmenschen in dieser Gesellschaft leben.“

Gelangweilt hörten die meisten über diesen Satz hinweg, wußten doch alle, woher er stammte. Bis dahin gab es solche Einleitungen nicht, die meisten Teilnehmer saßen hier auf Grund ihrer Vorlieben für Poesie und Romane, das jedenfalls hatte sie bis dahin angenommen. Und sie war sich seither auch nicht mehr so sicher, ob einzelne Gruppenteilnehmer oder vielleicht alle Lügen erzählten, um von ihren wahren Interessen für das Buch abzulenken.

„Jeder Mensch ist ein Individuum, egal in welcher gesellschaftlichen Schicht er hineingeboren wurde, damit ist er einzigartig und die größtmöglichste Förderung seiner Talente erhält, und sein Wesens obliegt dem gesamtem Staat, denn nur ein Wesen, das gemäß seinen Anlagen in die Gesellschaft intrigiert ist, kann dem Gemeinwohl sein Bestes geben, auch wenn das Wesen selbst nicht fähig ist, für sich zu sorgen, so fördert es durch seine Hilflosigkeit den Wert der verantwortungsvollen Mitmenschen (Pfleger).“ Das war ein Satz aus Kapitel III, zweiter Abschnitt, und kaum war er zu Ende gesprochen, zeigte der Gesprächstherapeut mit seinem blauen Stab auf den Teilnehmer, der nun mit weinerlicher Stimme über die schlimmen Verhältnisse in seinem Elternhause berichtete und nur sein Zurückziehen mit einem Gedichtband über romantische Liebe, das er, als er mal wieder abgehauen war, auf einem Hochsitz fand, ließ ihn nicht am Leben verzweifeln.

„Nur wenn in einem Staat kein materieller Besitz als Wertbemessung für ein Individuum angesehen wird und 100g Apfel genauso viel wert sind wie 100g Gold, wird dies gelingen. Bringen die Menschen ihre gefertigten Waren oder ihre gepflanzten Erzeugnisse in die gemeinschaftlichen Häuser (Füllhallen), damit jeder nach seiner Facon sich bedienen kann, dessen er bedarf, wird es keine Neider und Habgier, geschweige denn Raub mehr geben. – Dieser Wechselhandel setzt voraus, daß kein Produkt teurer bewertet wird als das andere.“

Die letzten Wörter wurden jetzt im Chor von mehreren Teilnehmern ausgesprochen, und das Aufzeigen mit dem blauen Stab konnte den Redefluß nicht stören. Der Therapeut schlug nun mit seinem Stab an die während der Sitzung nach vorne gestreckten Stäbe der Teilnehmer, und wie erstarrt waren alle stumm, nur der Teilnehmer, der die Einleitung begonnen hatte, sprach unbeeindruckt weiter, vielleicht auch deshalb, weil er als der Sprechende seinen Stab in die Höhe halten mußte. Er erzählte von seinen Eltern, denen irgendwann Arbeit und Familie über ihre Kräfte stieg und wie sie ausgezerrt ihre Hilflosigkeit an den Kindern ausließen, indem sie anfangs schlugen und brüllten, schließlich aber die Kinder ihrem Schicksal überließen und irgendwann nur noch Kraft aufwanden, um an Alkohol zu kommen.

Fortsetzung folgt.

Doris Mock-Kamm

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Jemen-Krieg: Nach über einem Jahr ein Ende in Sicht?

flickr.com/ Manogamo/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Vormachtstellung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran

Gestern vor einem Jahr begann die Militärintervention in der Republik Jemen, ein Krieg zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und dem faktisch entmachteten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der ins benachbarte Saudi-Arabien floh. Darf man Hoffnung schöpfen, daß nach über einem Jahr ein Ende in Sicht sein wird? Wohl eher nicht, geht es doch hauptsächlich um die Vormachtstellung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Selbst wenn erneut die UN eine Waffenruhe fordern, die Wahrscheinlichkeit einer Beilegung scheint nicht in greifbare Nähe gerückt. Dafür sind die Allianzen zu komplex und vor allem die aussichtsreichen Waffengeschäfte viel zu wichtig, um tatsächlich einen Frieden in dem gebeutelten Land zuzulassen.

Trotz breitem Bündnis für Hadi halten die Huthi-Rebellen erfolgreich dagegen

Erinnert uns das nicht an vergleichbare Kriege? Denken wir an Afghanistan, wo ebenso die Widerstandsgruppen der Mudschahidin, abgelöst durch die Thalibanbewegung, gleich zwei Supermächte in Schach hielten: Die ehemalige Sowjetunion sowie die USA vermochten letztlich nicht Afghanistan einen dauerhaften Frieden bescheren.

Dem breiten Bündnis für Hadi, an dem immerhin neben Saudi-Arabien noch sieben weitere Staaten direkt militärisch sich beteiligen, unterstützt von den USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Türkei und Marokko, halten schließlich die Huthi-Rebellen dagegen, dabei China, Russland und der Iran die Militärintervention entschieden ablehnen.

Saudi-Arabiens Angst vor schiitischer Einkreisung

Mag dies bereits mit ein Hauptgrund sein, warum das Königreich Saudi-Arabien so vehement militärisch gegen die Huthi-Rebellen im anderhalb mal so großen Jemen wie die BRD vorgeht, bisherig über 3.000 Zivilisten, darunter fast 800 Kinder ihr Leben verloren?  Die Vormachtstellung des Iran im Nahen und Mittleren Osten befürchtend?

Wir müssen davon ausgehen. Obendrein lassen vor allem die USA nicht locker, auch hierbei blühende Geschäfte zu tätigen neben einer militärisch aktiven Beteiligung in diesem Krieg im Jemen an der Seite Saudi-Arabiens. Auch ließ es sich Präsident Obama nicht nehmen, die iranische Führung vor einem Stellvertreter-Krieg im Jemen zwischen dem schiitisch geführten Iran und den sunnitisch-orientierten Staaten wie Katar, Oman und eben Saudi-Arabien zu warnen. Vorgeschoben findet dieser allerdings längst statt, muß man das US-westlich geführte Bündnis der Heuchelei zu Lasten der jemitschen Zivilbevölkerung bezichtigen.

Wieder einmal beweist die Weltpolitik auch hier ihre Unfähigkeit, das Leid einzudämmen oder gar zu beenden. Rüstungsgeschäftsinteressen bestimmen ziemlich offensichtlich den eigentlichen Verlauf, wobei selbst die BRD nicht unbeteiligt sich wegducken kann.

Lotar Martin Kamm

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Eine Ahnung voller Leidenschaft

pixabay.com

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Ein Hauch von Lavedelduft
umgibt dich.
Liebe in der Luft
findet ebenso mich.
Ach, könnten wir solch Momente
ewiglich festhalten,
müßten nicht warten bis zur Rente,
am Ende wir doch erkalten.

Ein Gedanke voller Zärtlichkeit
durchkreuzt meine Sehnsucht.
Und du, bist auch du bereit
oder letztlich auf der Flucht?
Ach, könnten wir nur ausbrechen
vom selbstgemachten Alltagstrott,
müßten nicht andauernd zechen,
um dann unschuldig zu stehen vor Gott.

Eine Ahnung voller Leidenschaft
spürst du in deinen Lenden.
Und dann wirst du bloß angegafft.
Kannst du das Blatt noch wenden?
Ach, warum willst du weiterziehen,
ohne es ernsthaft probiert zu haben?
Meinst tatsächlich, da hilft ein Fliehen,
weil andere dir besseres gaben?

Lotar Martin Kamm

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Spielt uns das Lied vom Terror – ein gnadenloser Chor

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Satirischer Rückblick…

Dies kommt uns nicht erst seit letztem Dienstag so vor. Mag jenes Gleichnis vom HB-Männchen in jenem Kontext auch zynisch unpassend sein, eine bestimmte Parallele findet sich dennoch ein: Am Ende steht die derzeitige Politik in ihrer Verantwortung isoliert allein. Wer sich auf Kosten der Bürger bereichern tut, darf nicht erstaunt sein über eine sich zunehmend entfesselnde Wut.

Mit Blick zur Türkei, wo ein Erdoğan erneut auftrumpfen darf: Hinterher groß das Geschrei, der Ton der Entrüstung wird scharf. Denn jener Flüchtlingspakt keineswegs als folgerichtig herausragt. Die Masse beklagt, daß soviel Dreistigkeit es wagt, einen Despoten zu hofieren. Der hat ohnehin nichts zu verlieren, findet weiterhin offene Türen.

Dem deutschen Wald geht es weiterhin an den Kragen, nicht erst seit den letzten Tagen, vielmehr schon jahrzehntelang. Doch im Überschwang angeblich gelöster Probleme lauert bereits berechtigte Häme: Nunmehr die Agrarindustrie ihn bedroht – welch dramatische Not.

Was möcht der Mensch all seine Erkenntnisse formulieren, wie manch Sprichwort und Redewendung aufzeigt? Nun, er hat dabei nichts zu verlieren, selbst wenn er vieles vergeigt. Schaut mal rüber übern Teich, dann werden Euch zugleich hoffentlich die Augen aufgehen, es es sei denn, niemand will sehen, wie die Fratze des Bösen sich offenbart, ihre Anhänger um sich schart. Die Welt sollte sorgenvoll gen USA schauen, viel mehr Widerstand sich zutrauen.

Allein schon der Terror in Brüssel deutlich macht, wer hier was und warum mitten in Europa entfacht. Denn der IS keinesfalls zufällig entstand, nur mal erwähnt so am Rand, da haben gewiße Herren jenen Schachzug geplant. Ihr meint noch, diese USA seien ein Garant für weltweite Sicherheit? Wer das treudoof glaubt, ist alles andere als gescheit. Sie haben der Menschheit den Frieden geraubt! Genauso wie vor vierzig Jahren der Eiserne Vorhang als Vorwand dient, bis heute Onkel Sam hinterlistig um die Ecke grient.

Es geht stets nur ums Geld, weil genau das wohl zählt. Trotz Hoffnung durch EU-Umweltausschuß, der Glyphosat nicht mehr auf Feldern sehen will, im Juli bereits wieder Schluß mit jener guten Nachricht? Weil geübter Korruptionsdrill keineswegs übt Verzicht? Während es heißt, mit Terroranschlägen im Strudel ungewißer Zeiten weiterzuleben, wird Menschheit endlich nach einer echten Gerechtigkeit streben?

Was soll solch Illusion, wenn wieder in Deutschland schon Hassen und Hetzen längst überhandnimmt? Nicht nur rechte Kräfte ganz geschwind im gemeinsamen Reigen dummdreiste Phrasen und Parolen sich holen, um ihr Weltbild der Gesellschaft zu diktieren: Wer nicht folgt, nicht tut parieren, wird am Ende alles verlieren.

Lotar Martin Kamm

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Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 6)

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Ein Drama mit offenem Ende

Kurzer Umbau zur zehnten Szene. Im Herzen Berlins, am Kottbusser Tor, lauter Verkehrslärm. Emsiges Treiben auf der Straße, ein Obdachloser sitzt auf dem Bürgersteig, neben ihm ein Plastikbecher, gefüllt mit etwas Kleingeld.

Passant beugt sich zum Obdachlosen: Sagen Sie mal, ich sehe Sie jeden Tag hier betteln, wieso so heruntergekommen? Pech gehabt oder keine Lust mehr aufs Leben?

Obdachloser: Wat soll’n det für Fragen sein? Haste noch alle Lattem am Zaun, nüscht besseres zu tun, als mir anzupöbeln? Dabei rappelt sich der Mittfünfziger langsam schwankend auf.

Passant: Wieso, ich habe doch höflich gefragt. Sie müssen mir nicht antworten. Weiter kommt er nicht, weil der Obdachlose ihn heftig schubst, so daß der Passant mit einer vorbeigehenden jungen Frau zusammenprallt.

Jugendliche empört: He, kannste nich aufpassen! Achso, der Penner hat dir wohl wechjestoßen?

Obdachloser brüllt: Paß mal uff, daß ick dir nüscht eene latsche, du Göre!

Eine Streife wird aufmerksam, hält an, zwei Polizisten steigen aus. Einer der Beamten dreht dem Obdachlosen gezielt den rechten Arm hinter den Rücken, schnappt den linken, Handschellen klicken.

Polizist: Guter Mann, wir haben Sie schon eine Weile beobachtet. Sie kommen mal mit auf die Wache, wir nehmen Ihre Personalien auf, verstanden? Zum Passanten gewandt: Wollen Sie Anzeige erstatten?

Passant: Lassen Sie mal, ist ja nicht viel passiert.

Jugendliche: Naja, immerhin haste mir fast umjestoßen.

Obdachloser: Und wenn ick mir weigere?

Polizist: Wir können Sie auch notfalls mit Gewalt in die Streife verfrachten, Ihre Entscheidung. Der Obdachlose winkt ab und folgt den beiden Polizisten mit deutlich hängenden Schultern.

Passant zur Jugendlichen gewandt: Sorry, konnte dich nicht sehen, ging alles viel zu schnell.

Jugendliche: Schon jut. Ick muß mal weiter, vielleicht sieht man sich mal wieda, dann können wir ja mal eenen zwitschern.

Passant: Einen zwitschern? Was bedeutet das?

Jugendliche: Du bist keen jebürtiger Bärlina, wa? Na, eenen Schnaps hinter die Binde jießen! Lachend geht sie zügig weiter.

Passant ruft ihr entrüstet hinterher: Na, aber, in deinem Alter?!

Verstohlen dreht er sich um, ob niemand hinschaut und greift nach dem Plastikbecher mit dem Geld. Eine ältere Dame beobachtet das.

Ältere Dame: Werter Herr, das unterlassen Sie mal schön. Oder wollen Sie, daß die Polizei nochmal anrückt und Sie als Dieb abführt? Überhaupt, was fällt Ihnen ein, das Geld von dem armen Obdachlosen zu nehmen?! Der Passant will den Becher schnell zurückstellen, mit Schamesröte im Gesicht.

Ältere Dame: Lassen Sie mal, können Sie mir geben, ich weiß, wo ich den Mann finde. Der Passant reicht ihn ihr, nickt kurz und entfernt sich schnell.

Vorhang. Umbau zur elften Szene.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 1)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 2)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 3)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 4)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 5)

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