Warum so schweigsam

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Um mich herum so viel Schweigen,
so wenige, die ihre Meinung verteidigen,
so viele, die sich der Stimme enthalten,
Nationalismus beginnt sich zu entfalten.

Da postet so ein feister Widerling,
Frauen wehrt ab den Eindringling.
Er selbst war nicht zu Hilfe bereit,
als einem Kind widerfuhr solch Leid.

Der Vergewaltiger ein deutscher Mann,
was kümmert ihn die Sache dann?
Lohnt nicht, dafür Geld auszugeben,
einen Tag weniger nach Wollust leben.

Essen, Sauna, in der Sonne fläzen,
im Internet Menschen aufhetzen,
damit verdient er sein Geld,
überhaupt, der Deutsche, ein Held.

Ich bin nicht dafür geschaffen,
von solchen ungehobelten Affen,
die mit gespaltener Zunge reden,
einfach so den Frieden zerstören,

sich positionieren als Aufklärer,
sich am liebsten sehen als Anführer,
hämisch lächeln als Wahrheitsverkünder,
ihr echtes Gesicht, Menschenschinder,

meine Sprache mir nehmen zu lassen,
niemand sagt mir, wen ich soll hassen.
Und überhaupt Stillschweigen, weggucken,
das ist wie gegen den Wind spucken.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Vom Alleinsein in einer Welt etlicher Ablenkungen

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Krisen meistern, ohne in Einsamkeit abzudriften

Unsere Welt präsentiert sich bunt, laut und vielfältig für Menschen, und kaum jemand käme auf die Idee, das Leben selbst in Frage zu stellen, die täglichen Sorgen bis hin zu den ganz Verzweifelten, denken wir an die Suizidgefährdeten oder Todkranken, die mal hierbei ausgeklammert seien.

Mitten im Leben und doch ganz allein für sich vor lauter Einsamkeit? Wie können solch Betroffene zurechtkommen, und was für Strategien entwickeln sie? Meist scharen wir doch die Familie selbst um uns, die wenigen Freunde und viele Bekannte. Aber was geschieht mit all jenen, die sich viel eher aus ganz unterschiedlichen Gründen zurückgezogen haben, darüber hinaus sogar im Extremfall möglichst oft Mitmenschen meiden?

Hilfreich per Rückzug?

Keiner von uns vermag nonstop sämtliche Eindrücke einfach so im Alltag verarbeiten. Man sollte nicht die gewaltige Flut an Informationen und Bildern unterschätzen, die auf uns niederprasseln, ganz besonders aufgrund der technisierten Welt, die ebenso das Berufsleben nachhaltig beeinflußt. Anstatt sich die nötige Ruhe zu gönnen, wird meistens am Feierabend der Fernseher oder der PC eingeschaltet, Geist, Seele und Körper finden keine Ruhepunkte der Entspannung.

Ein kurzer Rückzug muß somit als empfehlenswert gewertet werden, dient hilfreich, um mal mit entsprechendem Abstand in sich zu kehren. Hierbei kann von Einsamkeit keineswegs die Rede sein, sondern vielmehr von notwendigem Innehalten, angenehmer Entspannung.

Nicht im Einklang mit sich selbst – ein Defizit als Hauptursache für Einsamkeit?

Wer erfolgreich sein Leben meistert, sämtliche Probleme mit der gebührenden Notwendigkeit löst, scheint wohl im Einklang mit sich selbst zu stehen. Das gilt allerdings nicht für alle. Denken wir nur mal an das unübersehbare Single-Dasein in unserer Gesellschaft, welches keineswegs als ein zufälliges Phänomen zu betrachten ist. Selbstzweifel können aufkommen, gerade weil die Erwartungshaltung im Berufsleben, im Familien- und Bekanntenkreis enorm hoch gesteckt uns entgegnet.

In einer Welt der Superlative bei gleichzeitiger Notwendigkeit den eigenen Status sich zu erkämpfen, angesichts drohenden sozialen Abbaus, zunehmender Armut, wer nicht wachsam vorsorgt, hat die Psyche ohnehin ständig diesem Druck standzuhalten. Wer dann noch die Eigenliebe zu verlieren beginnt, weil Ängste des Versagens hinzukommen, andere Menschen nicht mehr „erreicht“ werden, die man natürlich benötigt, um selbst als liebenswert bestätigt zu werden, der kann langsam aber sicher in einen Strudel der Einsamkeit geraten.

Wege aus der Krise – sinnvolle Abwechslung der Rückbesinnung

Es macht wenig Sinn, all die Formen der Einsamkeit hier aufzuzählen, zumal wir alle die dramatischsten Folgen im eigenen Umfeld bis hin zu deutlichen Schlagzeilen nachlesen. Vielmehr gilt das Augenmerk, Wege aus solchen Krisen zu suchen und aufzuzeigen. Es beginnt bereits während der vielen kleinen Dinge im Alltag, wobei die größte Unterstützung derjenige erfährt, welcher zunächst das eigene Selbstwertgefühl wieder aufgebaut und gestärkt hat: Eigenliebe somit unbedingte Vorraussetzung. Wenn gar nichts hilft, spricht hierbei nichts gegen eine begleitende Unterstützung in Therapieform.

Wer länger schon den Kontakt zu seinen Mitmenschen verloren hat, braucht entsprechend vorsichtige Schritte zurück in die Gesellschaft, das läßt sich keineswegs übers Knie brechen. Was wir nahezu selbstverständlich in Kindertagen spielerisch lernten, Kontakte herzustellen und zu pflegen ohne jedwede Bedenken, geschah eben nicht von heute auf morgen. Einsamkeit verliert sich ebenso auf wundersam einfache Weise, wenn man mit der Selbstfindung seine eigenen Stärken und Talente neu entdeckt, den Austausch mit Gleichgesinnten nach anfänglichen Kontaktversuchen wieder meistert, beim Wechselspiel zwischen Bestätigung und Reflektion zurückfindet aus der Isolation mitten hinein in die Gesellschaft. Nicht die Größe und Vielfalt darf als Meßlatte betrachtet werden, sondern bereits kleinste Erfolge in Richtung Zweisamkeit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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„Inselmenschen“ sehen nur ihre Welt

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Wenn du morgens aufwachst,
erzählen sie mit Engelszungen,
versteckt die Häme, der Haß,
ist die Übernahme gelungen.

Du bist in einer fremden Welt,
ausgetauscht die bisherige Kultur,
erobert nicht nur von Männern mit Geld,
von Krieg, von Raketen, keine Spur.

Eindringlinge lautlos bei Nacht,
halten Millionen in Schach,
ein paar Tausend dies fertig gebracht,
so einfach ist die Sach.

Sicherheit bieten sie dir an,
Treue, Heimatliebe, Ehre,
wenn du verfolgst ihren Wahn,
Gehorsam, Pflicht, ihre Lehre.

Warum dieser ganze Aufwand?
Ängste schüren, Tatsachen verdrehen.
Toleranz, Nächstenliebe sei Tand.
Ganz simpel, sie wollen im Licht stehen!

Die wirkliche Übernahme,
die erfolgt, wenn wir schlafen,
ist ihre „das ist meine Welt“-Schikane,
spurtet nach meinem Willen, sonst gibt’s Strafen.

Auf die Schnelle Massen zu betäuben,
um Narzißmus einiger Weniger zu sichern,
reicht es die Köpfe mit Nationalstolz zu bestäuben,
seht, hört ihr nicht ihr psychopathisches Kichern?

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Die Achse des Guten bestätigt ihr wahres Gesicht

Wenn die Neue Rechte ihre Profilneurose ausleben will

Endlich kommt mal Fahrt in jenes Vakuum dieser Neuen Rechten, die schon viel zu lang ihre „Messer gewetzt“, wenn sie ihre Profilneurose ausleben will, mit den Flüchtlingswellen immer mehr Befürworter umschmeicheln konnte, Nationalismus sich auf ihre Fahnen schrieb, als angebliche Alternative parteilich sich organisierte, den Sprung in den Bundestag schaffte.

Keineswegs verwunderlich, daß hierbei ganz besonders die alternativen Medien sich ins Zeug legen, nachdem man lange Zeit die sogenannte Lügenpresse anprangerte, anstatt genauer zu differenzieren, um schließlich zu behaupten, die Bundeskanzlerin mache die Bekämpfung der Opposition zur Staatsaufgabe. Als ob unser Land keine anderen Probleme hätte, als ausgerechnet jene rechtsradikale AfD nonstop zu korrigieren. Diese Partei stellt sich eindeutig selbst bloß mit ihren kruden Vorschlägen, den gehässigen Versuchen, die Gesellschaft zu spalten und die Neue Rechte in den Mittelpunkt rücken zu wollen.

Verharmlosung entlarvt viel eher eine angebliche Vielfalt

Vor vierzehn Jahren als politischer Blog gegründet, Die Achse des Guten, eine Analogie, um George W. Bush eins auszuwischen mit dessen Achse des Bösen. Im Grunde zunächst eine moderate Idee, auch mit dem Ziel, den Autoren die nötige Freiheit zu geben, die in der Medienlandschaft wohl weniger vorhanden. So weit, so gut.

Allerdings war schnell Schluß mit sogenannter Freiheit, es setzten sich andere Tendenzen durch, eben nicht den Kapitalismus zu kritisieren, einer angeblichen Klima-Hysterie zu folgen und zuletzt nunmehr sich viel eher politisch rechts zu orientieren, was auch den Publizisten und Dokumentarfilmer Michael Miersch veranlaßte, im Novemver 2015 den Weblog zu verlassen.

Die angebliche Vielfalt möge Versuche wagen, sich zu präsentieren wie im jüngsten Artikel von Thilo Schneider, der dabei gleichwohl die AfD verharmlost, als „hobbyfaschistischen Hähnchenflügel der NPD“ bezeichnet, um zuvor sie in Luckes Zeiten als „FDP light“ zu titulieren. Beides trifft nicht zu, weil er zu vergessen scheint, welche rechtsradikalen „Pappnasen“ dieser Partei die Stange halten, von Pegida-Anhängern über rechten Medien bishin zum Kopp-Verlag, den vielen geistigen Brandstiftern, die ihnen quasi den Teppich ausrollen, um sich nunmehr austoben zu dürfen. Alles andere als nur eine „harmlose Protestpartei“. Rassismus ist weder eine Meinung noch Protest, sondern ein Verbrechen.

Klimawandel negieren, den Islam verteufeln – Merkelkritik ein Muß

Die Achse des Guten entpuppt sich als Sammelbecken, den Klimawandel zu negieren, den Islam zu verteufeln, die Neue Rechte zu unterstützen, wobei auch ein Mitbetreiber des Weblogs wie Henryk Marcin Broder gern entsprechend polarisiert.

Selbstverständlich gehört Kritik an der Politik Merkels zum Konsens all derer, die längst bemerkt haben, welch Schaden sie angerichtet, sowohl außen- als auch innenpolitisch mit den sozialen Einschnitten, dem ewiglichen Hochhalten einer angeblich niedrigen Arbeitslosigkeit. Dennoch kein Grund, die Neue Rechte zu stärken, wie es ganz offensichtlich geschieht, auch im Hinblick zur CSU, die sich weiter rechts positioniert. Der kritische Bürger und Leser sollte tunlichst darauf achten, welchen Medien er Glauben schenkt, bevor er klammheimlich eingelullt wird, ihnen auf den Leim geht, um am Ende selbst dort sich zu wähnen, wo er ursprünglich nicht hinwollte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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Keine Spinne im Netz

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Florian war seinem Glück dankbar, okay, es war Zufall, ein zufälliges Glück, ein Glück, das ihm in den Schoß gefallen ist, einfach so, zwar zum richtigen Zeitpunkt, das ist jetzt übertrieben, es war vor dem richtigen Zeitpunkt, es hatte bloß schon angefangen, sich vorzubereiten auf diesen Tag, die ersten Gedankenspiele schlichen sich in seinen täglichen Ablauf, wie dieser Schritt zu bewältigen wäre, ob sein Einkommen die Kosten tragen könnte, ob sein Abschied zu viel Schmerz hinterlassen würde.

Dabei merkte er, daß er ganz gut mit seinen Gefühlen kalkulieren konnte, ja, erstaunlicherweise fiel es ihm leicht, selbst die Gefühle der anderen in seinen Berechnungen einzubeziehen und, das empfand er als erwachsen, diese Gefühle, selbst die seiner Mutter, in eiskalter Manier, es war eher eine gekühlte Vorstellung seines Verhaltens, zu den erwartenden Abschiedsszenarien zu bewältigen.

„Ach Mist, der Pudding, ich habe den Pudding vergessen!“, fluchend stieg er an der nächsten U-Bahn-Station aus. Es war zwar kurz vor acht, aber der Discounter hatte erst kürzlich seine Öffnungszeiten geändert, jedenfalls war er überzeugt, dies gelesen zu haben in einem der vielen Reklamezetteln, die an manchen Wochentagen den Briefkasten vollstopften. Vanillepudding, wo steht nochmal der Vanillepudding? Sein Gedächtnis hatte ihn vor die lange Regalreihe geführt, jetzt galt es, nur noch den Vanillepudding zu finden, der bei seiner Mutter als der beste Vanillepudding galt. Den, den alle zuhause mögen.

Einen andern kenne ich überhaupt nicht, schoß es ihm durch den Kopf, und er war erleichtert, als er die Packung erkannte. An der Kasse scheinen sich nur die Gemüter getroffen zu haben, die schnell noch das Vergessene einkaufen wollten, bevor der Laden schließt. Wäre zu grauenvoll, den restlichen Tag ohne diese lebensnotwendigen Waren, bei manchen waren es mehrere, verbringen zu müssen, und diesen Umstand ließen sie in Übertragung von hektischer Unruhe alle spüren, die sich an den beiden offenen Kassen in der Schlange aufhielten.

Von einem Bein auf das andere sein Gleichgewicht simulierend, schweifte sein Blick an die große ehemals weiße Tafel, die rechts vor dem Ausgang aufgestellt war, damit die Nachbarschaft, man war schließlich nicht nur Treffpunkt für den Konsum, sondern auch Verbindungsglied für Tausch-, Kaufgeschäfte seiner Kunden, quasi eine Solidargemeinschaft vorgaukelnd zwischen Konsumenten und Geschäftsinhabern, dachte Florian, und belustigte sich an seinen Gedanken genauso wie an dem alten Herrn, der Mühe zu haben schien, seinen Zettel anzukleben. Oder bemüht er sich, ihn zu entfernen?

Im Hinausgehen vermeinte Florian, einen hilflosen Blick des Mannes aufzufangen, der ihn bewog, seinen Schritt zu verlangsamen und schließlich den älteren Mann zu fragen: „Kann ich Ihnen helfen?“

„Womit?“, kam die Gegenfrage. „Haben Sie einen besseren Klebestreifen dabei als ich?“

„Nein, aber!“, den Rest verschluckte Florian, oder er bekam nicht die Zeit, den angefangenen Satz zu Ende zu sprechen, wer kann im Nachhinein schon behaupten, den Verlauf des Gespräches richtig analytisch wiederzugeben.

„Diese Tafel ist so verdreckt, daß der Klebestreifen partout nicht haften will. Meinetwegen habe ich auch eine billige Variante ergattert, oder das Schicksal wehrt sich dagegen, daß ich diesen verdammten Zettel heute hier anbringe!“

Eigentlich hatte Florian nicht mehr vor, dem alten Herrn zu helfen, denn weder seine Stimme noch sein Gesichtsausdruck ließen auf einen freundlichen Menschen schließen, aber er stand nun mal da, wie bestellt und nicht abgeholt, und wohl seine Erziehung zur Freundlichkeit, die seine Mutter immer wieder voll Stolz erwähnt, veranlaßten ihn, in salopper Form seine Hilfe anzubieten: „Lassen Sie mich mal versuchen!“

Und wie durch Zauberei hielt er den Zettel in der einen Hand, einen abgeschnittenen Klebefilm in der anderen und las anstatt zu kleben. Vermiete kleine Dreizimmerwohnung, Souterrain, Karl-Friedrichstraße 5, Telefon 285394.

„Wie hoch ist denn die Miete?“, fragend in einem etwas höheren Tonfall, ließ Florian von seinem Vorhaben ab, ob er in diesem Moment Freundlichkeit ausstrahlte oder Zudringlichkeit, möglicherweise gar fast abfällig klang, im Vornherein eine zu hohe Mietzahlung voraussetzte, er war nur noch fähig, mit zugekniffenen Augen auf eine Antwort des alten Mannes zu warten. Prompt wurde er mit einem Schwall von Sätzen wie aus einer sprudelnden Quelle, die gerade freigelegt wurde, abgefüllt mit Informationen.

Die Wohnung werde nur vermietet, wenn die Bereitschaft für kleinere Hausmeisteraufgaben übernommen würden, Rasen mähen, Schnee schippen, Treppenhaus reinigen, ein wenig Gartenpflege, nur ein wenig, da er dies selbst am liebsten machen würde, nur sein Rücken, ja und er bräuchte auch jemanden, der sich mit Computer auskennen würde, die Wohnung stände jetzt schon ein paar Jahre leer, er wohne alleine in dem Haus, Kinder ausgezogen. Am liebsten wäre ihm ein Mieter, der ihm bei den ständigen Schwierigkeiten mit dem Computer behilflich wäre. Über die Höhe der Miete könne er noch nichts sagen, vielleicht sei das alles auch nur so eine blöde Idee, wie seine Kinder meinten.

Florian fühlte, wie sich seine Hände mit Schweiß umhüllten, Hitze machte sich in seinem ganzen Körper breit, wie wenn er unter einer gleißenden Sonne einen Marsch durch unwegsames Gelände zu bewältigen hätte.

Mit heiser klingender Stimme, ich hab mir doch keine Erkältung zugezogen, nützte er eine Atempause des alten Herrn. „Na, wenn es weiter nichts ist, da kann ich Ihnen sicher helfen.“

Es schien, als ob dies der Satz wäre, der beiden zum ersten Mal bewußt machte, daß sie miteinander sprachen, denn sie standen sich gefühlte Minuten wie begossene Pudel gegenüber, beide nicht in der Lage, sich zu artikulieren, nur ihre Augen nahmen Kontakt zueinander auf.

Unbedeutende Sprachkommunikation betreibend folgte Florian dem alten Herrn zu dessen Wohnhaus, das etwa dreihundert Meter weiter in einer ruhigen Seitenstraße lag. Noch war es hell genug, um das Haus zwar nicht im Licht des Tages, aber immerhin deutlich seinen gepflegten Zustand zu erkennen. Die Souterrainwohnung befand sich nicht auf der Straßenseite, der Eingang war im hinteren Garten, und der alte Herr betonte, dies sei die Südseite. Sie war größer als in Florians Vorstellung von einer kleinen Dreizimmerwohnung, riesig kam sie ihm vor, er hatte zu Hause zwar immer schon ein eigenes Zimmer, die Wohnung der Eltern war geräumig, aber dies hier, dies war eine Größenordnung, die ihn an Räumlichkeiten eines Schloßes erinnerten.

Das Zeitgefühl völlig verloren, genauso wie jegliches Bewußtsein über die realen Handlungen und Gespräche, sozusagen traumwandlerisch ließ sich Florian auch den Garten und die Wohnung des alten Mannes zeigen, um völlig erschöpft, gleichzeitig erfrischt wie nach einem Saunabesuch auf einem Küchenstuhl sitzend zu bemerken, hier sitzt Florian, das bin ich.

Die folgende Stunde im Detail ist für eine spätere Erinnerung völlig unerheblich. Sie sind sich einig geworden über die Modalitäten der Aufgaben, die zu einer geringen Miete ausreichen, damit Florian mehr oder weniger nur für die Kosten von Strom, Wasser, Versicherung aufzukommen habe.

Auf dem Weg zur Haustüre, belebt von seinem Glück, das ihm die Sicherheit vermittelte, es würde seiner Mutter nicht das Herz brechen, wenn er nächsten Monat ausziehen würde, rutschte ihm eine Frage über die Lippen, die seit Betreten des Hauses ständig in seinem Kopf umherflog: „Alles ist hier so ordentlich und sauber, als wenn ständig eine Putzfrau durch das Haus fegen würde, trotzdem sind überall Spinnweben zu sehen?“

Der alte Mann hob seine Schultern, senkte sie aber sofort wieder, ließ seine Arme baumeln und mit einer Unschuldsmiene wie ein ertapptes Kind, das gerade eine Fensterscheibe mit einem Ball zersplittern ließ, fragte er: „Ist es nicht verwerflich, jemandem, selbst einer Spinne ihr zu Hause wegzunehmen, wenn niemand daheim ist?“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Russland: Putins Weg ins dritte Jahrzehnt seiner Herrschaft

Alexej Nawalnys Verhaftung fragwürdig

Erneut beweist die Russische Föderation, welch Problematik ihr innewohnt, nämlich nicht nur anhand ihrer Größe, sie ist mit Abstand das größte Land der Erde, sondern aufgrund der Machtstrukturen ewiglicher Oligarchie. Boris Jelzin wurde abgelöst und durch Wladimir Putin ersetzt.

Erneut wird ein Widersacher, diesmal Alexej Nawalny, der nicht mal wirkliche Chancen hat, Putin im Amt des Präsideten zur diesjährigen Wahl am 18. März abzulösen, gedemütigt und verhaftet. Die Menschen sind es landesweit Leid, daß ewiglich der gleiche Präsident die Geschicke Russlands lenkt, in den Protesten liest man „Russland ohne Putin“.

Was soll man von jenem Wladimir Putin halten?

Seine Macht begann faktisch am 09. August 1999 mit dem Amt des Ministerpräsidenten, dreizehn Jahre später folgte seine dritte Amtszeit, allerdings dann als Präsident selbst, eine clevere Möglichkeit, seine Macht größer auszubauen. In all der Zeit gab es keine ernsthaften Gegner für ihn, sie wurden schlichtweg nicht geduldet. Es sei an dieser Stelle betont, daß Putin über genügend Erfahrung verfügt in seiner vorherigen beruflichen Laufbahn als KGB-Offizier sowie dessen Verbindungen zur russischen Mafia, wie ihm nachgesagt wurde.

Alles keine Indizien eines lupenreinen Demokraten, schon gleich gar nicht, wenn seine Macht dermaßen lange anhält. Verständlicherweise kommt gerade bei den jungen Menschen in Russland Unmut auf, zumal man in die politischen Gepflogenheiten anderer Länder schaut, vergleicht und erkennt: Demokratie geht anders.

Wer die Medien kontrolliert, seine Widersacher letztendlich aus dem Weg räumt, selbst über ein gigantisches Vermögen verfügt, Schätzungen belaufen sich auf ein Privatvermögen Putins in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar, wird kritisch betrachtet. Selbst wenn die Hälfte davon nur zutreffen sollte, reiht sich dieser Präsident als wohl vermögendster Oligarch selbst ein.

Die Rolle der USA, der EU und Putins Festigung Russlands im Ausland

Europa kann es sich schlichtweg nicht leisten, Russland herauszufordern, obwohl eine Nato-Erweitung erhebliche Probleme mit sich bringen, ein Wladimir Putin sich berechtigterweise bedroht fühlt, das russische Volk mit entsprechenden Gegen-maßnahmen schützen will. Man sollte nicht den Fehler begehen, angebliche Sympathiepunkte Putins dem neuen US-Präsidenten Donald Trump gegenüber, ob Putin sich nun in den US-Wahlkampf eingemischt hat oder nicht, mit einem entspannten Verhältnis zwischen diesen beiden Supermächten zu verwechseln. Das Gegenteil ist faktisch der Fall!

Inzwischen haben die bedrohlichen Krisen- und Kriegsherde viel eher zugenommen, Stellvertreterkriege wie z.B. in Syrien verdeutlichen den Ernst der Lage. Angriffe gen Iran, aber auch der Versuch der USA, die BRICS-Staaten zu gefährden sowie die Verflechtungen in der Ukraine seitens der EU und den USA auf der einen Seite und als das verteufelte Russland auf der anderen Seite, zeigen die Bedrohungen. Vielleicht wären manche Ereignisse unter einem anderen Präsideten als Putin nicht so glimpflich verlaufen, sondern unbeherrschter, radikaler. Wer weiß das schon so genau.

Hierbei zeigt sich ziemlich deutlich, in welcher weltpolitischen Zwickmühle wir uns befinden. Europa eingekeilt zwischen den Supermächten, China will mitmischen, der Rest der Welt gesellt sich zu gezielten Allianzen, von einer Unabhängigkeit oder Neutralität können die meisten Länder eben nicht sprechen. Zu viele wirtschaftspolitische Verflechtungen diktieren die Wege. Genauso kann man auch Wladimir Putins Rolle als neuzuwählender Präsident Russlands werten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Ausflug ins Leben

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Der kleine Junge steht in einer Kiste mit Sand,
zum Schutz der Augen an der Stirn eine Hand.
Seine Insel, seine Heimat, sein Boot ist dieser Ort,
selbstvergessen träumt er sich dennoch fort.

Sein Blick ist in die Ferne, das Weite gerichtet,
weder den See, Bäume, noch Himmel er sichtet.
Kein Stolz, kein Trotz, keine Furcht in seiner Mimik,
eher vermittelt seine Haltung den Eindruck von Glück.

Ein Schwarm Schwalben fliegt am Horizont Kreise,
der Junge, noch entrückt, begibt sich auf die Reise.
Er setzt sich in das Boot und paddelt, gedankenverloren,
sein Lächeln scheint ihn für den Ausflug zu belohnen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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