Davos im Rausch bekannter Selbstbeweihräucherung

Merkel positioniert sich – hinter Trump wird ge-tuschelt

Erneut stellt das Wirtschaftsforum im schweizerischen Davos seine kapitalistische Ausrichtung unter Beweis, dem gern all jene Regierungschefs beiwohnen, die sich im Bade der Öffentlichkeit möglichst wirkungsvoll präsentieren. Gerade die Bundeskanzlerin nutzt demzufolge ihre Chance nach dem monatelangen Hickhack zur Regierungsbildung, um zu beweisen, sie könne auch Macron, wie die Welt in ihrem Artikel sie nahezu euphorisch lobhudelt.

Man muß jener Argumentationskette keineswegs folgen, von wegen sie gäbe sich erfrischend kämpferisch. Das hat viel eher ganz andere Gründe, die eigentlich auf der Hand liegen. Deutschland justiert seine Rolle in Europa neu, hegt offensichtlich seine Vormachtstellung als größte Wirtschaftsmacht der EU zu festigen. Darin fühlt sich Frau Merkel recht wohl, gerade weil in einer globalisierten Welt Rücksichtslosigkeit sich durchsetzt, soziale Verarmung in Kauf genommen wird.

Trumps USA im Schatten anderer Mächte?

Jene bewußt provozierende Frage inpliziert bereits, wohin die Reise der USA gehen mag mit einem derartigen Präsidenten, der „America First“ sich auf die Fahne geschrieben hat, rücksichtslos dem eigenen Volk gegenüber, wie dessen verabschiedete Steuerreform unter Beweis stellt, dabei auch Europa und den Rest der Welt lieber sein Diktat aufzwingen will, was natürlich nicht funktionieren kann.

Hinter vorgehaltener Hand wird über Donald Trump bereits getuschelt, dessen Dominanz in Davos in Frage gestellt, was erst recht kaum Vertrauen schafft auf wirtschaftspolitischer Weltbühne. Genau das offenbart ebenso jenes 48. Wirtschafts-forum, welches morgen zu Ende geht.

Weltsozialforum – das Pendant zum WEF

Das erstmalig stattgefundene Weltsozialforum vor 17 Jahren vom 25. bis 30. Januar in Porto Alegre (Brasilien) betonte gleich zu Beginn, daß eine globale Krise eben nicht mit den Mitteln des Kapitalismus bewältigt werden könne, sondern mittels Förderung von öffentlichen, kooperativen, kommunalen und vor allem kollektiven Eigentumsformen sei dies eine mögliche Ausrichtung.

Beim letztmalig 13. Weltsozialforum in Montréal stand Vernetzung und Begegnung auf Augenhöhe im Mittelpunkt der Gespräche, das diesjährige findet vom 13. bis 17. März in der brasilianischen Stadt Salvador da Bahi statt. Die Identität des Weltsozialforums wird mit der Charta der Prinzipien aus dem Jahre 2001 definiert:

„1. Das Weltsozialforum ist ein offener Treffpunkt für reflektierendes Denken, demokratische Debatte von Ideen, Formulierung von Anträgen, freien Austausch von Erfahrungen und das Verbinden für wirkungsvolle Tätigkeit, durch und von Gruppen und Bewegungen der Zivilgesellschaft, die sich dem Neoliberalismus und Herrschaft der Welt durch das Kapital und jeder möglichen Form des Imperialismus widersetzen, und sich im Aufbauen einer planetarischen Gesellschaft engagieren, die auf fruchtbare Verhältnisse innerhalb der Menschheit und zwischen dieser und der Erde engagieren.“

Mögen noch viel mehr Menschen das eigentlich zerstörische Vorgehen jenes Neoliberalismus kritisieren, dem ebenso unsere Regierung folgt, um sich dagegen zu verwehren. Eine mögliche Antwort zeigt das WSF auf. Das Wirtschaftsforum hingegen verfolgt seinen inhumanen rücksichtslosen Weg.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Nicht den Schmerz begraben

Bilder dröhnen,
Schuh verloren,
Seelenkälte,
Überheblichkeit
geboren.

Atmen schmerzt,
Schweiß gefriert,
Fratzen lachen,
Selbstgefälligkeit
obsiegt.

Versteifter Rücken,
Erinnerung wärmt,
das Kind ist tot,
Menschlichkeit
begraben.

Nicht meine Zeit,
nicht mein Ort,
aber mein Wissen,
aber mein Leid,
mein Leben.

Das Kind ist tot,
der Schmerz bleibt.
Überheblichkeit,
Selbstgefälligkeit
hat Menschlichkeit
begraben.

Nicht schon wieder,
nicht in meinem Namen.
Das Kind ist tot.
Überheblichkeit,
Selbstgefälligkeit
sind zu begraben.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Deutschland in der Rüstungs- und Kriegsfalle

Waffenexporte in Krisen- und Kriegsgebiete

Wie war das nochmal, nie wieder Krieg von deutschem Boden aus? Wann kann man von einer aktiven Beteiligung sprechen, vor Ort mit eigenen Soldaten oder aber schon wenn Waffen in Krisen- und Kriegsgebieten? Jene Fragen wurde keineswegs gewissenhaft gestellt, sondern ganz im Gegenteil, Deutschland befindet sich längst in der Rüstungs- und Kriegsfalle.

Was kommt wohl dabei heraus, wenn die beiden großen Parteien, – man bei der SPD mit rund 20 Prozent von einer solchen überhaupt noch sprechen kann -, Waffen exportieren, die einem ARD-Bericht zufolge so hoch wie nie in Krisengebiete verkauft wurden?

Frieden war gestern – was treibt die SPD an?

Wer sich mit den Zusammenhängen von einer friedlichen Koexistenz auseinandersetzt, kommt nicht drumherum, die familiäre Verbundenheit zu betrachten, wer also Frieden will, der muß zuerst den Krieg einfrieden. Mensch hat es wohl all die zurückliegende Zeit versäumt, genau das auch auszuleben. Der unterwürfig, bequemere Weg wurde vorgezogen, dem sich gleichwohl eine SPD untergeordnet hat. Das treibt wohl genau jene Sozialdemokraten an, die eigentlich oftmals zu Beginn ihrer Parteikarriere noch den Frieden auf ihre Fahnen geschrieben hatten.

Das Geschäft mit den Waffen rächt sich folglich weiterhin. Nicht zufällig lautete der von Robert Havemann und Rainer Eppelmann 1982 verfaßte Berliner Appell: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Denn Frieden als Abwesenheit vom Krieg, der ja bekanntlich gerade mit Waffen funktioniert, Menschen tötet, kann nur ohne Waffen eine dauerhafte Chance haben.

Türkische Offensive gegen die Kurden mit deutschen Panzern

Ein ziemlich brisantes Unterfangen, was da an der türkisch-syrischen Grenze geschieht, jenes Aufmischen der YPG-Milizen seitens Erdoğans, zumal der türkische Despot gleich den Syrienkrieg dadurch erneut anheizt, das Ganze per „freundlicher Unterstützung“ mit deutschen Panzern gegen die Kurden. Ein sehr alter Konflikt, die Kurden haben es ohnehin nicht leicht in den umliegenden anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, oftmals eben nicht geduldet, wieder mal auf dem Rücken der unschuldigen Zivilbevölkerung ausgetragen.

Das kann und darf einerseits weder den Supermächten recht sein, noch Staaten wie Deutschland. Das Fatale daran sind eben jene Waffenexporte, schlimm genug, daß schon Parteien mit dem C für christlich im Parteinamen nonchalant jene Kriegsmaschinerie mittels Rüstungsgeschäften zulassen, eine SPD hat seit der Offensive beim Jugoslawienkrieg unter der Schröder-Regierung keinerlei Probleme damit, vom ursprünglichen friedlichen Kurs abzukommen.

Kein Wunder, daß Gabriels heikler „Leopard“-Deal erneut im Fokus der Kritik steht, wo jener doch ansonsten vollmundig alte SPD-Ziele gern zum Besten gibt. Das paßt ebenso nicht zusammen, will man am Liebsten unauffällig unter den Teppich kehren. Natürlich funktioniert das so mitnichten. Die Öffentlichkeit beobachtet und urteilt. Hoffentlich wieder mit wesentlich mehr Widerstand, damit endlich eine Friedensbewegung ihrem Namen gerecht wird, solche Deals nicht weiter zuzulassen, wenn auch direkte Einflüsse nichts nützen, weil die Waffenlobby sich nicht beirren lassen wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Ungewollt für Menschlichkeit geworben

Verpufft
der Sprache vergiftete Luft
auf den Straßen,
Kinder sie vergaßen.

Unmut sollte hängen bleiben,
wie Kleister an den Scheiben.
Die aus Wut brausende Gischt,
Stille hat sie weggewischt.

Unter unbeteiligten Passanten
Noemi und Kamal standen.
Kindergartenkinder, vier Jahre alt,
irritiert, verschreckt von der Gewalt.

Verängstigt suchten sie Nähe,
fühlten, ihre Liebe man wegnähme.
Selbstvergessen, eng umschlungen,
Sicherheit in der Einheit gefunden,

ungewollt zum Mittelpunkt geworden,
ungewollt für Menschlichkeit geworben,
umringt von Personen, die nicht gewußt,
wie man säubert die verpestete Haßluft.

Kein Kind, egal aus welcher Kultur,
folgt der nationalistischen Spur.
Menschlichkeit, nimmt Wind aus deren Segeln,
übernehmt dafür der Kinder Gefühle, Regeln.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Antibiotika: Resistenz keineswegs zufällig

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Wer trägt eigentlich die Verantwortung?

Hektisches Treiben und lange Wartezeiten empfangen die kranken Patienten, wobei die eigentliche Sprechstunde in wenigen Minuten ihr Ende findet. Überfüllte Arztpraxen und das ganz besonders in den erkältungsstarken Monaten. Das bürokratische Prozedere beim Empfang kann zusammen mit überraschenden Unterbrechungen manchmal sogar die ärztliche Untersuchung zeitlich toppen, die Sprechstundenhilfe entpuppt sich als Multitasking-Talent, in dem sie den PC bedient, telephoniert und  etwas in eine Patientenkarteikarte handschriftlich vermerkt.

Mal ganz abgesehen von einigen Fehldiagnosen und somit einhergehend falscher Indikation, bis hin zur Verabreichung verkehrter Medikamente, wird mit hektischem Treiben auch mal schnell ein Antibiotikum verschrieben, wo genau das eben nicht angebracht wäre!

Vom Segen des Penicillins zum Allheilmittel bei geringsten Anlässen

Noch vor Alexander Fleming, dem „offiziellen“ Entdecker des Penicillins, war es der Arzt Paul Ehrlich, der 1910 Arsphenamin einführte, welches entscheidend dazu verhalf, die weit verbreitete Syphilis einzudämmen. Es sollten noch ein paar Jahrzehnte vergehen, bis es im Jahr 1942 endlich gelang, den ersten Patienten mit Penicillin zu behandeln, weil es problematisch war, den Stoff in nennenswerten Mengen zu isolieren. Inzwischen gelang es der Pharmaindustrie die anfänglichen Schimmelpilze für das Herstellen von Antibiotika durch vollsynthetische Verfahren zu ersetzen. Und die Antibiotikapräparate wurden kontinuierlich erweitert, im Jahre 2005 sollen es laut BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) bereits 2.775 zugelassene gewesen sein.

Diese hohe Zahl vermittelt nicht unbedingt den Anschein einer guten Meldung, sondern vielmehr muß man sich die Frage stellen, ob da nicht etwas aus dem Ruder läuft? Kinder schlucken zu häufig Antibiotika, vermeldet der Stern, der sich auf einen Report der Bertelsmann-Stiftung beruft. Demnach werden Kindern und Jugendlichen zu voreilig selbst bei harmlosen Erkältungskrankheiten Antibiotika verschrieben. Jedoch muß man da schon ein wenig genauer hinschauen oder die geflügelte  Frage stellen: Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? Übertragen auf die dramatische Entwicklung, lautet sie: Wer trägt die Verantwortung, die Ärzte, die Eltern oder die Pharmalobby? Ganz einfach: alle zusammen, jeder auf seine Weise.

Pharmalobby umgeht das direkte Werbeverbot verschreibungspflichtiger Arzneien

Der Gesetzgeber hat nicht zufällig dieses Werbeverbot ins Leben gerufen, um die Patienten vor gezielter Beeinflussung zu schützen. Und was unternimmt die Pharmaindustrie, um dies zu umgehen? Sie läßt in bekannten Zeitschriften über die Arzneien publizieren, wobei zunehmend das Internet in den Fokus rückt, die potentiellen Kunden zu umgarnen. So mischen sich Pharmaspezies in Foren oder Blogs unter, in dem sie sich als Betroffene anmelden, über ihre guten Erfahrungen mit den Medikamenten (Auftraggeber ist die Pharmaindustrie) zu berichten. Der hilfesuchende Patient in den Foren und Blogs kann natürlich nicht die Echtheit überprüfen und wird somit letztlich geködert.

Doch diese gezielte Werbung kommt inzwischen zu ihrem gewollten Ergebnis. So manche Patienten fordern beim Arztbesuch sogar das bestimmte, heilbringende Medikament. So darf man sich nicht wundern, wenn auch einige Eltern selbst der Antibiotika-Indikation für ihre Kinder zustimmen, hat die Werbetrommel doch ganze Arbeit geleistet. Dabei hat die Gemeinschaft der Krankenversicherten die steigende Tendenz der Arzneimittelkosten mit zu tragen, die immerhin etliche Milliarden Euro betragen.

Und mit den fragwürdigen Gesundheitsreformen erhielten die Ärzte obendrein die Möglichkeit, genau diesen Trend zu verschärfen, in dem sie sogar teure Präparate verordnen dürfen, was zuvor erheblich mehr hinterfragt wurde. Schauen wir mal kurz über den großen Teich: In den USA, wo das Werben für verschreibungspflichtige Medikamente gesetzlich erlaubt ist, läßt dies die Kassen der Pharmalobby klingeln. Hinterfragen wir hier mal lieber nicht, inwieweit dadurch die eigentliche Gesundung der Patienten in den Vereinigten Staaten betroffen sein wird.

Vielmehr sollten sich mündige Patienten und Eltern die Frage stellen, ob sie blindlings einer dermaßen hohen Arzneimittelflut immer noch vertrauen, insbesondere weiterhin bei kleinsten Anlässen durch Antibiotika sich verarzten lassen wollen? Sicherlich  hat ein solches Verhalten auch ganz viel mit der hektischen Arbeitswelt etwas zu tun. Funktioniert der Mensch nicht, wird er einfach entlassen, es gibt genug, die einen Job brauchen. Aber darf dann der Preis die Gefährdung der eigenen Gesundheit sein, und ganz besonders die unserer Kinder? Und was, wenn sich eine erhebliche Antibiotikaresistenz eingestellt hat? Was hilft dann noch?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Maulende Schnorrer

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Unzufriedenheit zum eigenen Bedarf

Mal ganz ehrlich, ständig zufrieden zu sein, ist auf Dauer nicht zufriedenstellend. Genauso verhält es sich mit dem permanent alles positiv sehen wollen. Kein Streß, bloß keine Hektik, ständig auf Wolke 7 schweben, immer und überall eitel Sonnenschein und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende, das haben sie sicher schon als Kind nicht geglaubt, irre ich mich diesbezüglich?

Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, weiß, daß bei aller Liebe zum Bruder, zur Schwester nicht jeder Tag ohne kleinere oder größere Reibereien vergeht. Die Zufriedenheitsskala schwankt sogar als Einzelkind, sollte sie sogar, denn eine dauernde Unterdrückung von Unwegsamkeit, von das paßt mir nicht, das will ich nicht essen, führt nicht nur zu verwöhnten Persönlichkeiten, sondern mindert auch das Selbstwertgefühl.

Wenn man davon ausgeht, Unzufriedenheit gehört zum Menschsein wie Angst und Schmerz, sollte man sich die Frage stellen, warum? An der Vermeidung von Trägheit allein kann es wohl nicht liegen, denn beim Blick auf die Tierwelt erkennen wir, daß Fläzen unbedingt zum Leben gehört. Sind Tiere unzufrieden? Bei Hunden und Katzen, die als Mitglieder in Familienstrukturen der Menschen leben, vermeint man, gewisse Tendenzen einer Unzufriedenheit zu erkennen. Vor allen Dingen in Bezug auf pünktliches Fressen, Liebkosungen einfordern, entweder aus Eifersucht oder weil ihnen gerade danach ist. Unzufriedenheiten, die sie ohne weiteres zu erkennen geben und teils aufsässig darauf bestehen, sind also ebenso in der Tierwelt vorhanden. Tierkundige können dies sicher durch ihre Beobachtungen auch unter Wildtieren bestätigen.

Gibt es demnach Vorteile durch Unzufriedenheit? Mehr und schnellere Beachtung durch ein großes Maß an Nörgelei ist auf alle Fälle die Regel, wenn auch mit Ausnahmen. Aber Unzufriedenheit kann auch mehr bewirken, nämlich den einen oder anderen Anstoß geben für Veränderung, für Ideen zu Lösung von Problemen. Wer hat schon die Möglichkeit, von der Muse geküßt zu werden, ohne einen direkten Ansporn? Vielleicht einige wenige. Bei den meisten Erfindungen lag zuerst eine Art der Unzufriedenheit vor, oder etwa nicht? Fast ist man gewillt; diese Tatsache eine positive Unzufriedenheit zu nennen.

Und wenn es eine positive Unzufriedenheit gibt, gibt es dann auch eine negative Unzufriedenheit? Ohne Bedenken, ein Ja. Diese negative Unzufriedenheit äußert sich durch Überlagerungen von Unzufriedenheiten oder anders ausgedrückt, selbst der Himmel auf Erden wäre nicht zufriedenstellend. Menschen, die ihre Unzufriedenheit ständig mitteilen; kann man Schnorrer nennen. Sie haben ständig an allem und jedem etwas zu maulen, zu schnorren. Sie sind mürrisch, mäkelig und finden stets etwas zum Nörgeln. Schätzungsweise liegt es daran, daß sie minderbemittelt sind in Bezug auf Phantasie und Ideenreichtum.

Schnorren, maulen und „eine große Gosch haben“ gehen oft Hand in Hand. Irgendwie muß die Unzufriedenheit befriedigt werden. Anprangern, meckern und alles besser wissen, besser können, scheint eine Essenz zur Zufriedenheit zu sein. Wobei das Schnorren ohne weiteres auch für eine egoistische, nur für sich selbst einzufordernde Zufriedenheit oder was auch immer angesagt ist, gesehen werden kann.

Unzufriedenheit zu zeigen, sie zu äußern, ist de facto eine Chance zur Veränderung einer unangenehmen Situation. Sie ist sozusagen ein Bestandteil für „werden und gedeihen“. (Nur so am Rande, meine Palme ist unzufrieden mit ihrem neuen Platz. Woran erkenne ich dies? Sie hat angefangen, ihren Stamm nach dem für sie auf diesem Platz besten Sonnenstand zu richten. Meine Palme hat aus ihrer Unzufriedenheit keinen Hehl gemacht, sie besitzt nun einen leicht gekrümmten Stamm, und ich denke mal, sie ist inzwischen zufrieden.)

Wer in letzter Zeit demonstrierende Menschen beobachtet, wird möglicherweise festgestellt haben, daß die Unzufriedenheit, die sie an der Teilnahme zur Demonstration veranlaßt hat, nicht dazu beiträgt, Zufriedenheit zu erlangen. Vielmehr erhält man den Eindruck, hier geht es gar nicht darum, Zufriedenheit zu erlangen, sondern es geht um Bambule, Krawall machen um jeden Preis. Es geht um egoistisches Festhalten an Altbeständen, an einer Vorstellung einer heilen Welt, in der vermeintlich alles zur Zufriedenheit war und jeder in harmonischer Eintracht leben konnte. In seiner egoistischen Welt.

Aufgeheizt durch Einpeitscher, die inzwischen unumwunden in Lautsprecher brüllen, daß sie einen Umsturz der Regierung anstreben, sind diese Protestler der Ansicht, diese „Goschaufreißer“ würden zu ihrer Zufriedenheit agieren. Sie übersehen dabei, sie selbst sind angehalten in ihrem Umfeld, bei sich selbst Harmonie und Ausgeglichenheit anzustreben. Außer sie sind gewillt, in Abhängigkeit zu leben.

Abhängigkeit bedeutet immer, auf andere angewiesen zu sein, keine eigenen Entscheidungen mehr zu treffen, das zu tun, was andere fordern. Fordern zu ihrer Zufriedenheit, nicht zur Zufriedenheit des Einzelnen. Unzufriedenheit mit Unzufriedenheit befriedigen. Das bedeutet maulenden Schnorrern, phantasielosen, ideenarmen Großmäulern werden Verantwortungen übertragen, die Zufriedenheit nur mittels ständiger Unzufriedenheiten aufrechterhalten können und dies nur zum Zweck ihrer eigenen Befriedigung.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Wer hat uns von Sozialdemokraten abgeraten?

Das tut schon weh, was da geschieht in der SPD

Sie haben es sicherlich erkannt, die Überschrift total entfremdet, weil normalerweise die gängig bekannte Variante lautet: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. Wie langweilig, weil so bestechend deutlich und allemal zigmal in der deutschen Geschichte wiederholt. Mit ihrer dritten Großen Koalition zerlegt sich die einstige Volkspartei endgültig.

Das wissen ihre Macher selbst, tun es aber trotzdem, der Macht wegen. Nicht, weil Regierungsverantwortung so wichtig im Lande wäre, schon gleich gar nicht, wie Martin Schulz vollmundig behauptet, „man könne in einer großen Koalition Gutes für die Menschen in Deutschland und Europa erreichen.“

Ein mickriges Ja zur großen Koalition

Aha, tatsächlich? Eine Fortsetzung der letzten großen Koalitionen soll auf einmal Gutes bewirken? Wer an den Weihnachtsmann glaubt, möge weiterträumen. Mitnichten ändert sich was zum Besseren, die SPD wird äußerst geschwächt in die Koalitionsverhandlungen gehen, da die Union in ihrer Arroganz nicht nachgibt. Es verbleibt der faule Kompromiß, der dermaßen sauer bei all jenen aufstößt, die ohnehin kaum bis gar kein Vertrauen mehr in die Politik hegen. Obendrein mit jener Chefriege in der SPD, weder eine Frau Nahles noch ein Herr Schulz überzeugen.

„Ein Schlüsselmoment in der Geschichte der SPD“ will der Parteichef bei dieser Abstimmung zuvor gesichtet haben. Welch seichter Pathos, der dermaßen an der kalt nüchternen Wirklichkeit vorbeischrappt, daß manch einer sich zu Recht entsetzt abwendet und fragt, wieviel Selbstüberschätzung diese Partei noch nach außen hin verkaufen will. Das kann und wird nicht gutgehen!

Union der lachende Gewinner – doch der Schein trügt

Klar doch, daß sich die Spahns, die Söders, die Merkels auf die Schenkel klopfen vor Begeisterung, endlich ihrer Regierungshoheit ein Stück näher zu rücken, nachdem zuvor jene Jamaika-Sondierung scheiterte, eine SPD zunächst ihre Aufgabe in der Opposition wähnte. Falls die Union nunmehr sich als lachenden Gewinner betrachtet, möge die Retourkutsche sie schneller eiskalt erwischen, als ihr lieb sein dürfte.

Eine dermaßen unglückliche dritte Große Koalition unter Frau Merkel verheißt zuviel Kompromisse auf allen Seiten, sodaß am Ende erneut die sozial schwächer Gestellten das Nachsehen haben werden, während Großkonzerne, die Hochfinanz weiterhin frohlocken dürfen, eine Fortsetzung bestehender neoliberaler Politik sich manifestiert. Eine EU dürfte aufatmen, genauso Herr Macron, doch den Menschen im Lande stehen eher mehr Probleme bevor als irgendwelche angeblichen Verbesserungen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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