Ein Ton

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Wenn das Leben eintönig ist,
braucht man einen Kick.
Und weil einem nichts einfällt,
weil die Phantasie fehlt,
gibt’s nur einen Weg,
damit jemand zuhört.

Man zerstört den Frieden,
der andere soll Wut fühlen,
die man zuhauf in sich trägt,
wird lebendig, wenn Faust schlägt,
spürt Stärke und Macht,
wenn der Kieferknochen kracht.

Das ist ein Ton, den versteht man,
sei ruhig, sonst bist du dran.
Einton-Menschen
hören keine Differenzen,
selbst ihrer Stimme Klang
ist gespalten wie der der Schlang.

Einheitlichkeit
ist Vielfältigkeit,
wenn dadurch Massen bewegt,
diese die Toleranz wegfegt.
Schön, so eine Einklang-Phantasie?
Beständig! Niemals! Nie!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Nicht lange zögern

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Der schnelle Run aufs Geld
ist wirklich das,
was zählt in dieser Welt?
Nur so zum Spaß?

Erfolg um jeden Preis
wird stets angestrebt,
dient als Alibi der Fleiß?
Nur für den Sieg gelebt?

Und am Ende, wenn’s zu spät,
folgt Einsicht oder nicht,
da sich Moral und Ethik regt?
Die Wahrheit dringt ans Licht?

Manchmal in sich kehren,
sei hierbei angesagt.
Zieht daraus durchdachte Lehren,
weil das vergessene Gewissen nagt.

So viel Leid folgenschwer sich offenbart,
wenn wir es auch sehen wollen.
Die Erkenntnis aufglimmt, beinhart,
schien bereits zu lang verschollen.

Wir alle haben es in der Hand,
zu handeln möglichst schnell.
Nicht abseits stehen wir, doch am Rand
des Dunkels. Das Licht scheint grell.

Die Sterne und Planeten, das ganze All
schaut zu, wie wir uns schlagen
im Aufwärtsstreben, im leichtsinnigen Fall.
Nicht lange zögern, sondern jetzt wagen.

Laß uns weise nunmehr handeln,
ein Zurück ist eh schon lang zu spät,
nicht noch mehr die Erde verschandeln,
bevor sie einfach untergeht!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Luftverschmutzung in Städten: EU-Kommission setzt Ultimatum

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Ende der Ausflüchte – Bundesregierung darf sich nicht länger wegducken

Das kommt davon, wenn man etwas auf die lange Bank schiebt. Darin scheint auch die Bundesregierung gut geübt, stets neue Ausreden parat zu haben. Die deutsche Automobilindustrie täte sich schwer, so viele Dieselfahrzeuge könne man nicht einfach so umrüsten, jetzt liegt die geschäftsführende Regierung als Argument auf deren Lippen. Unterm Strich bleibt alles beim Alten, die Luftverschmutzung in deutschen Städten und Ballungsgebieten hält an.

Kein Wunder, daß Umweltkommissar Karmenu Vella jetzt der deutschen Umwelt-ministerin Barbara Hendricks eine letzte Frist setzt, das Ultimatum soll bereits am 30. Januar ablaufen, sie möge sich bis dahin in Brüssel einfinden. Leichter gesagt als getan. Selbstverständlich wolle die SPD-Frau der Aufforderung nachkommen, wie sie verlautbaren läßt, das Ministerium wolle über ein „Sofortprogramm Saubere Luft“ berichten. Das klingt ein wenig unglaubwürdig, zu schnell aus dem Hut gezaubert, nicht jeder glaubt an simple Kaninchennummern ohne Hand und Fuß.

Deutschland hatte alle Zeit der Welt – außer Lippenbekenntnissen folgten kaum Taten

Wieder einmal offenbart sich auch in diesem Fall die Unfähigkeit jener unglücklichen Großen Koalition. Eine Union, die ständig umweltpolitische Maßnahmen ausbremst, eine SPD, die aus Machtgründen sich schwer tut, ihre ursprünglichen Forderungen durchzusetzen bzw. oftmals einfach kleinlaut beigibt und die mächtige Union gewähren läßt.

Das rächt sich erneut auch in diesem Fall. Einerseits schreit die Bundespolitik ständig nach einer starken EU, und wenn diese dann ihren Job macht, wird sich beschämt weggeduckt. Das hat mit Vertrauen in die Politik selbst wenig zu tun, noch im letzten November hatte die EU-Kommission mit einer Klage vorm Europäischen Gerichtshof (EuGH) gedroht, wenn es Deutschland nicht gelänge, endlich seine Luftverunreinigung in den Griff zu bekommen. Das alles scheint nicht gewirkt zu haben, wie man nunmehr feststellen muß.

Luftverschmutzung schon lange eine Gesundheitsgefahr

Nur wollte dies kaum jemand wirklich wahrhaben. Stets waren Profite ganz besonders innerhalb der Autoindustrie wichtiger als das Wohl der Bürger. Dabei besteht das Problem schon jahrzehntelang, erste Katalysatoren und Abgasfilter sollten Abhilfe schaffen, der Diesel blieb viel zu lange Zeit unbeachtet, ganz besonders bei den tonnenschweren LKWs. Jene Dreckschleudern sorgen bis heute für eine erhebliche Belastung in den bekannten bundesdeutschen Ballungszentren.

Obwohl die Grünen sieben Jahre lang selbst in der Regierungsverantwortung standen, hat sich auch unter ihrer Politik kaum etwas zu dieser Thematik verbessert. Ein Indiz mehr, wie schwer umweltpolitische Gestaltung zugunsten einer sauberen Umwelt sich durchsetzen läßt angesichts einer Industrielobby, die kaum bis gar nicht Einsicht zeigt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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Wer keine Rücksicht walten läßt, vor dem ist Vorsicht geboten

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Ein gewiefter Kerl, dieser Fahrlehrer?

Eigentlich ist es unschwer zu begreifen, warum wir in der Fahrschule, vor allen Dingen in der Praxis, also dem Fahren, während der Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz möglichst einen auf relaxt und entspannt mimt, den Blick in den Rückspiegel oder die Außenspiegel nicht vergessen sollten.

Solange wir schön geradeaus fahren, also quasi auf den endlosen Straßenkilometern des Pan-American Highway, des Eyre Highway in der Nullarbor-Ebene (Australien), vielleicht auch auf der ein oder anderen Straße in Frankreich, die bisweilen kilometerweit keine einzige kleine Kurve aufweist. Immer der Nase lang, geradeaus. Warum sollte man da in den Rückspiegel sehen?

Schließlich führt die Straße geradeaus, man will nicht abbiegen, überholen ist schätzungsweise auch nicht nötig, da man die Straße quasi für sich alleine hat. Wie die Läufer bei einem Wettbewerb. Oder haben Sie schon einmal einen Sprinter während des Laufs gesehen, der seinen Kopf nach hinten drehte? Was interessieren den Läufer diejenigen, die hinter ihm sind, jeder Blick zurück würde ihn der Gefahr aussetzen, aus dem Tritt zu kommen. Das Ziel, der Blick nach vorne zählt. Da ist Vorsicht geboten und nicht Rücksicht. Überhaupt, die Verkehrsschilder haben nur vorne auf dem Schild ein Hinweis, ein Verbot zu stehen, auf der Rückseite, so ein Quatsch, wer guckt denn schon auf die Rückwand eines Bildes.

Warum blicken wir dennoch ständig beim Autofahren in den Rückspiegel, die Seitenspiegel? Gymnastik, damit die Halsmuskulatur geschmeidig bleibt, damit es nicht zu eintönig wird und man eventuell einer Müdigkeit verfällt, weil bei der Sicht nach vorne keine Abwechslung vorhanden ist? Rücksicht, auf wen? Der hinter mir sieht doch, was ich tue, solange er nicht nach hinten sieht, sondern so wie es sich gehört, den Blick starr nach vorne. Vorne spielt die Musik. Vorne ist Vorsicht! Rücksicht ist hinten, da bin ich schon vorbeigefahren, das habe ich passiert. Was interessiert mich es also, was hinter meinem Rücken geschieht? Okay, es wird immer wieder einige geben, die hinter meinen oder jemandes Rücken etwas zu lästern haben, deshalb bekommt man mit den Jahren ein dickes Fell, gell?

Und überhaupt, sind nicht diejenigen, die rücksichtslos für ihre eigenen Belange eintreten, diejenigen, die es im Leben zu etwas bringen, Erfolg haben, Karriere machen, im Geld schwimmen? Natürlich braucht man zum Dagobert-Duck-Gen auch Kontinuität, Durchsetzungsvermögen, Fleiß, Ausdauer und möglicherweise wie bei den Sprintern jemanden, der im Vorfeld die Piste säubert, damit kein Stein mehr im Weg liegt, die Strecke im Auge hat, um bei dem kleinsten Hindernis dafür zu sorgen, daß dies beseitigt wird. Zu was also ein Rückblick? Was hinter einem liegt, hat man geschafft, diese Arbeit ist erledigt. Rückblickend über verpasste Chancen zu jammern, ist kontraproduktiv und hemmt den Blick auf das Kommende.

Wenn ich also laut Fahrlehrer in den Rückspiegel sehen soll, will er mich damit auf die Probe stellen? So in der Art, wie schnell kann sie reagieren, wenn genau in diesem Moment ein Ball auf die Straße rollt oder gar ein Wildschwein vors Auto rennt? Was hab ich davon? Ein Training für ein schnelles Reaktionsvermögen? Gewiefter Kerl, dieser Fahrlehrer!

Vorrausschauendes Fahren ist Rücksicht, sagt der Fahrlehrer. Wie jetzt? Wenn ich in den Rückspiegel sehe, ist dies vorrausschauend? Bedeutet Rücksicht demnach freie Sicht nach vorne? Oder anders ausgedrückt, wer keine Rücksicht walten läßt, vor dem ist Vorsicht geboten?

Zu Risiken und Nebenwirkungen wie Sie am besten die Straße des Lebens befahren, befragen Sie Ihre eigene Intuition.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Wie viel Trump verträgt die Weltgemeinschaft?

David Cay Johnstons Buch entlarvt jenen “Humpty-Trumpty”

Und zwar als das, was er in Wirklichkeit ist: ein bösartiger Narzisst mit der emotionalen Reife eines Dreizehnjährigen. Bravo, bereits der zweite Autor, der sich in letzter Zeit entsprechend weit aus dem Fenster lehnt und berechtigterweise Dampf abläßt, was jenen 45. US-Präsidenten anbelangt. Natürlich erst recht ein Grund für dessen Anhänger, ihn verbissen zu verteidigen und all dessen Kritiker als unfähig oder gar neidisch hinzustellen.

Ganz offensichtlich machen all die Befürworter Trumps es sich reichlich einfach. Statt zuzugeben, welch dramatisch unfähiger Präsident seit knapp einem Jahr im Amt die Politik der reichsten Nation der Weltgemeinschaft mitgestalten darf, verdrängen sie lieber die dringend notwendige Frage, wieviel Trump diese vertragen kann.

Mit Hysterie hat das gar nichts zu tun

Erst recht nicht mit unsinniger Panikmache. Sondern schlicht und ergreifend mit entsprechend nüchternem Verstand. Wie kann es sein, daß dermaßen viele Menschen treudoof den Kurs dieses Donald Trump befürworten, obwohl dessen Verfehlungen, Behauptungen, Lügen und Hochstapeleien tagtäglich ihn als das entlarven, was er ist: komplett unfähig.

Hat dabei David Cay Johnson in seinem Buch „Trump im Amt“ genauso wie Michael Wolff ins Schwarze getroffen mit seiner schonungslos nüchternen Faktenaufzählung über die bisherig geleisteteten Verfehlungen? Ganz offensichtlich. Obendrein müßte so manch Fan von Trump wenigstens spätestens jetzt ein Lichtlein aufgehen, mit welch krimineller Energie das Trump-Imperium sich gegenseitig deckt, Hauptsache die eigenen Pfründe bleiben erhalten. Mit Weitsicht oder gar Rücksicht dem Volk gegenüber hat das gar nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, solche Wesen würden eiskalt jeden Krieg vom Zaun brechen, sobald er eigene Taschen füllt. Was für Aussichten!

USA – das Land der unbegrenzten Storyteller

Je größer der Schein, desto mehr Anerkennung kann sich jedwede Hochstapelei sicher sein. Die USA haben ganz offensichtlich keinerlei Probleme mit solchen Figuren wie ihr neuester Präsident. Der kann sich nahezu alles leisten, schließlich ist er ja vom eigenen Volk gewählt, selbst wenn nicht mehrheitlich, so doch von viel zu vielen Unkritischen.

Was für ein Armutszeungnis! Vor allem für diejenigen, die zu Recht enttäuscht über die eigenen Landsleute sind. Als ob die USA nicht schon genügend Probleme hätten, denken wir an die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt im Lande. Dies alles scheint kaum zu interessieren, man ist viel zu sehr damit beschäftigt, dem eigenen, unfähigen Präsidenten ständig nachzueifern, den Schaden möglichst zu begrenzen, den dieser wie ein Elefant im Porzellanladen hinterläßt. Hauptsache den Schein bewahren, alles ginge mit rechten Dingen zu. Wie lang mag das gutgehen? Nicht sehr lang!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Das Märchen vom Tarnkäppchen und dem scheinbar freien Wolf

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Einmal wieder Kind sein, ganz klein, gerade mal die Sprache verstehend, sich treiben lassend von der riesigen Gefühlswelt, die mit neugierigen Augen zu entdeckende Umwelt begreifen lernen, um des abends vorm Einschlafen Märchen vorgelesen zu bekommen von liebenden Eltern.

Wer kennt sie nicht, jene Erinnerungen aus längst vergangenen Kindertagen, die lebenslang begleitend ab und zu ins Bewußtsein rücken? Und so auch die Nummer 26 der „Kinder- und Hausmärchen“, welches die bekannten Gebrüder Grimm 1812 in dessen ersten Band veröffentlichten, namentlich unter „Rothkäppchen“ sowie später mit Erweiterung „Rotkäppchen und der böse Wolf“ bekannt.

Über zweihundert Jahre später herrschen gänzlich andere Verhältnisse auf Erden, sollte man dementsprechend den Versuch wagen, neuzeitliches einfließen zu lassen, so daß wir Ihnen, liebe Leser, „Das Märchen vom Tarnkäppchen und dem scheinbar freien Wolf“ nicht vorenthalten wollen.

Es war einmal ein kleines rothaariges Mädchen namens Pamira, welches seine beiden Eltern verloren hatte, da das Jugendamt noch in dessen Babyalter meinte, es müsse Pamira einfach entführen und in ein staatliches Heim stecken. Selbstverständlich besaß sie die lebensnotwendige Intuition, ein gewisses Unbehagen ob ihrer Herkunft aufzubauen, fragte sich bereits im Alter von drei Jahren, wer denn ihre leiblichen Eltern seien. Doch Pamira erhielt nur ausweichende, fadenscheinige Antworten und lag des nachts oft weinend in ihrem Bettchen.

In einer Vollmondnacht, Pamira hatte erneut den letzten noch vorhandenen Tränen freien Lauf gelassen, erschien am offenen Fenster die Silhouette eines wunderschönen Wolfes, der kurzerhand ihr Schlafgemach betrat, ans Bettchen sich begab, ihre roten Locken zur Seite schob, seine behaarte Pfote auf ihre Stirn legte und langsam mit tiefer Stimme beruhigend sich erklärte:

„Bitte, nicht erschrecken, mein Kind, vergiß den bösen Märchenwolf, den es ohnehin nicht gibt, aber das weißt du längst. Sie haben dir deine Eltern genommen, die du nicht kennst, aber dein Namen verbirgt einen gewissen Hinweis deiner Herkunft. Schau hinaus, siehst du den Vollmond?“ Und die Sechsjährige beugte sich vor, ein breites Grinsen bestätigte ihre Erleichterung, die anfängliche Angst überwunden zu haben.

„Oh, danke dir, lieber Wolf, für deine Worte. Doch warum suchst du mich auf, und wieso kannst du überhaupt sprechen, so etwas geschieht nur in Märchenbüchern!“, wunderte sie sich und richtete sich gänzlich auf im großen Bett.

„Meinen Namen will ich dir nicht verraten, falls du fragen solltest, denn meine Freiheit will ich mir im Eigeninteresse bewahren. Morgen wirst du wissen, warum ich sprechen konnte. Für jetzt nimm einfach hin, wie dir geschieht. Wisse, daß du eigentlich dem Rotkäppchen entsprichst, wie im Märchen selbst, aber in Wirklichkeit ein Tarnkäppchen bist!“, antwortete er, wurde aber jäh unterbrochen, weil Pamira in einem Satz aus dem Bett sprang, plötzlich ein Samuraischwert in rechter Hand schwang und um ein Haar sein linkes Ohr verfehlte. Im nächsten Moment stürzte der entsetzte Wolf aus dem Fenster und ward verschwunden.

Es dauerte eine geraume Weile, bis die Rothaarige sich gesammelt hatte, das Samuraischwert wieder an die Kopfseite des Bettes platzierte. Erst mal atmete sie ganz tief durch, überlegte intensiv, wie ihr geschah und sprach zu sich selbst.

„Nie wieder liest mir einer vom Heim ein Märchen vor. Diese Zeit möchte ich endgültig verbannen. Es geht jetzt darum, meine Wurzeln zu suchen und alles daran zu setzen, meine Eltern zu finden. Wenn schon der freie Wolf mich aufsucht, sollte ich dies als ein Zeichen sehen!“ Daraufhin legte Pamira sich ins Bett und schlief sehr schnell und tief ein.

Am nächsten Morgen war das Fenster verschlossen, über dem Bett hing das üblich bekannte Kreuz statt dem Samuraischwert, und Pamira wachte wie gewohnt sorgenvoll auf, wußte nicht das geringste, was da letzte Nacht geschehen war. Am Frühstückstisch klapperten die Löffel der Kinderschar beim Müsliessen, die Tür zum Eßraum der Belegschaft war heute ein wenig geöffnet, so daß alle Radio hören konnten. Die Musik endete ziemlich schnell und der Moderator verkündete:

„Wir unterbrechen die Sendung für eine wichtige Eilmeldung. Letzte Nacht wurde im Sendegebiet ein Wolf gesichtet, wir bitten alle Bewohner, aufmerksam zu sein, die Türen und Fenster zu schließen. Sobald die Bestie eingekreist, gefangen oder erschossen wurde, benachrichtigen wir Sie natürlich.“

Wortlos verließ Pamira das Frühstück, ging in ihr Schlafgemach, öffnete das Fenster, nahm das Kreuz von der Wand und schmiß es in hohem Bogen ins nahegelegene Gebüsch. Im nächsten Moment ward sie unsichtbar, schwebte fast schon aus dem kaltherzigen Heim und begab sich auf die Suche ihrer Eltern. Der Wolf ward nie wieder gesichtet.

Und wenn sie nicht gestorben sind, leben Tarnkäppchen und der Wolf keineswegs in einer scheinbaren Welt, sondern in wahrhaftiger Freiheit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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GroKo-Sondierung ein äußerst fauler Kompromiss

Politik des Weiter so vorprogammiert

Im Grunde handeln die drei Parteien eine erneute Große Koalition aus, die eben nicht im Sinne der Wählerschaft sein kann. Ansonsten hätten sich die Wahlberechtigten selbst belogen, insofern eine Farce sondergleichen. Erst recht jene Inszenierungen, die den Jamaika-Verhandlungen in nichts nachstehen, weil völlig unwichtig ob vor der Öffentlichkeit auf dem Balkon drapiert oder hinter verschlossenen Türen. Faktisch viel Rauch um nichts.

Jenes Novum in der politischen Geschichte der jungen Republik, daß dermaßen lang eine Regierung nach den Wahlen geschäftsführend nur agieren darf, hat ohnehin die Handlungsfähigkeit der EU erheblich ausgebremst, vor allem zum Leidwesen jenes neuen Heißsporns aus Frankreich, obwohl wir noch früh genug erfahren, wie dessen neoliberaler Kurs sich mit deutscher Politik ergänzt. Somit unglücklich dieses Wahlergebnis als Folge falsch verstandener Weichenstellungen.

Jamaika hätte ohnehin nicht gefruchtet

Bereits weit vor dem Beginn dieser ominösen Jamaika-Verhandlungen war doch bereits klar, daß sie zum Scheitern verurteilt waren. Einserseits eine ewiggestrig engstirnige Union, andererseits zwei kleine Parteien, die unterschiedlicher nicht sein könnten: ein neoliberales „Ekelpaket“ harmonisiert eben schwerlich mit pseudolinks-grüner Politik, die bereits auf bestem Wege selbst konservativ sich zu verwandeln, wenn man ins Ländle schaut.

Die vorschnelle Behauptung dieser SPD, eine GroKo kategorisch abzulehnen, um es der Union hämisch heimzuzahlen, rächt sich jetzt mit den abgeschlossenen GroKo-Sondierungen im Nachhinein, da kann der uncharismatische Martin Schulz noch so sehr für Koalitionsgespräche mit der Union werben, es bleibt eine Lach- und Nullnummer, die ganz besonders die Sozialdemokraten schwächt. Gut so, könnte man jetzt grinsend bemerken, vielleicht auch, um deren völlig verkehrte Politik anzuprangern. Nur schadet es dem Land inzwischen, egal ob die GroKo zustande kommt oder nicht, der politische Scherbenhaufen zeigt längst seine Wirkung.

Welches Modell kann es noch reißen?

Eine Minderheitsregierung mit jener Merkel an der Spitze, die ohnehin kaum noch jemand in Berlin ertragen kann oder will? Das wird nicht fruchten, genauso wenig wie jene KoKo (Kooperationskoalition), Schröders Hektik was da sowieso völlig unangebracht. Am Ende doch noch Neuwahlen? Wobei eine AfD obendrein noch profitiert?

Wie man es dreht und wendet, es bleibt tragisch, jene Regierungsbildung. Erst recht ein sicheres Indiz, wieviel Glaubwürdigkeit die Parteien längst eingebüßt haben. Eine schallende Ohrfeige an die Demokratie selbst, die zwar per Wahlgesetze fruchtet, aber mit dürftigen Ergebnissen aufwartet. Alles Indizien dafür, daß Politik eben keine moderaten Antworten auf die Herausforderungen bestehender Probleme hat, sich viel zu sehr auf die Einflüsterungen einer nimmersatten Konzernlobbyismusklientel einläßt, anstatt endlich die breite Masse der Bürger ernsthaft zu berücksichtigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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