Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar sorgt für viel Unmut

Zwei Gerichte stimmen dem „Rock gegen Überfremdung“ zu

Vorneweg sei gleich mal unbedingt betont: Was hat denn das alte Gedankengut des Nationalsozialismus hierzulande verloren und vor allem mit Politik zu tun? Überhaupt nichts. Gerade jene dunkle geschichtliche Epoche sollte Mahnmal genug sein, sie nie wieder zuzulassen, weder in Deutschland noch sonstwo auf Erden.

Aber wer bereits in jungen Jahren dementsprechend geschult wird, der kann natürlich seine sogenannte „politische Haltung“ nur voller Überzeugung nach außen hin zu Markte tragen wie jener Tommy Frenck, der auch das diesjährige Rechtsrock-Konzert im südthüringischen Themar unter dem Slogan „Rock gegen Überfremdung“ angemeldet hat, im Umland für viel Unmut sorgt. Zwei Gerichte, sowohl das Verwaltungsgericht Meiningen als auch das Oberverwaltungsgericht Weimar stimmten dem Konzert zu.

Nazi-Hochburg im Dorf Kloster Veßra nahe einer national befreiten Zone

Sehr zum Leidwesen der Dorfbewohner, zumal jener Tommy Frenck dortigst den Gasthof „Goldener Löwe“ betreibt, Treff- und Organisationspunkt für seine Kameraden, die Kultfigur in der Neonazi-Szene, der gern rechtsextreme Parolen über T-Shirt-Verkauf zum Besten gibt, stets haarscharf an der Illegalität vorbei.

Klappt besonders gut in unserem demokratisch geschützten Staat, dessen Meinungsfreiheit ein kostbares Juwel, welchen solch Rechtsextremismus unverblümt verhöhnen darf nebst sogenannter „Lügenpresse“, bis hin zu Rock-Konzerten mit entsprechenden Bands wie “Die Lunikoff Verschwörung”, “Frontalkraft”, “Sleipnir”, “Stahlgewitter” als auch etliche andere ihre Auftrittsgenehmigungen erhalten. Pünktlichst kurz nach dem G20-Gipfel finden sich höchstwahrscheinlich über 5.000 Besucher am jetzigen Wochenende in Themar zum Konzert ein, genau zwei Wochen später am selben Ort, wo der Event “Rock für Identität” am 29. Juli stattfinden soll, das der bayrische Neonazi Patrick Schröder organisiert.

Ein breites Bündnis rechtsradikaler Strömungen sammelt sich vor unser aller Augen

Die Bevölkerung selbst und ebenso die verantwortliche Politik täte gut daran, dafür zu sorgen, daß die Justiz sowie die Polizei nicht mehr dermaßen offensichtlich auf dem rechten Auge blind sind. Gerade nach diesem G20-Gipfel, wo ziemlich simpel den Linken die brutalen Krawalle zur Last gelegt werden, fühlen sich Rechtsextreme bestätigt und aufgefordert, ihren menschenverachtenden Kurs erst recht auszuleben.

Dies zeigt sich nicht nur in Berlin, wo Rassisten die Straßen Berlins säumen, gleichwohl knüpfen jene Rechtsrock-Konzerte nahtlos an, mündet der ganze Nazi-Spuk in die bevorstehende Bundestagswahl, eine AfD hält sich daher, nicht weiter verwunderlich, bei 8 Prozent in den Umfragen (Forsa vom 11.07.).

Der Aufruf „Kein ruhiges Hinterland! Blau-braune Strukturen offen legen!“ bittet um breite Unterstützung, auch zahlreich zu Gegendemos am 15. Juli in Themar zu erscheinen. Es gilt also, diese verlogene Idylle zu durchkreuzen, den Neonazis nicht das Feld zu überlassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Ich auf Arbeit

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Der Tag aus den Nähten platzt,
keine Stunde Zeit mehr hat.
Dann das Klingeln an der Tür,
bedeutet, es ist bereits gleich vier.

Bedeutet, ich hab mich abgehetzt,
alle Hebel in Bewegung gesetzt,
trotzdem nicht fertig geworden,
den Rest mach ich morgen.

Mann und Kind sind wieder da,
ich bin glücklich, alles wunderbar.
Wir reden, essen, gucken fern,
wir haben uns furchtbar gern.

Wecker klingelt, neuer Tag beginnt.
Beide in der Schule, auf Arbeit sind.
Ich beginne mit der Hausarbeit,
spülen, einkaufen, Alltägliches halt.

Zeit ist knapp, ich aus der Puste,
bin ich undankbar, wenn ich fluche?
Stetig häuft sich mehr Arbeit an,
ich bin urlaubsreif, Mannomann!

Der Tag aus den Nähten platzt,
keine Stunde Zeit mehr hat.
Das war einmal, vor langer Zeit,
ich auf Arbeit, Liebster Haushalt schmeißt!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Klimawandel: Eisberg A68 löst sich vom Larsen-C-Schelfeis

Poker ums Übereinkommen von Paris trotz G20-Gipfel

Die globale Erdwärmung hat sich gestern mal wieder überdeutlich gezeigt. Eine gigantische Eismasse löste sich vom Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis, im nordwestlichen Teil des Weddell-Meeres gelegen, unweit von Feuerland und von dessen Landspitze, dem Kap Horn.

Der mit der Buchstaben-Zahlenkombination bezeichnete Tafeleisberg A68, rund 6,5 mal so groß wie Berlin, dennoch ca. halb so groß wie der B-15 vom Ross-Schelfeis, der im März 2000 abbrach, läßt zunächst nicht den weltweiten Meeresspiegel ansteigen. Allerdings die nunmehr ungehindert ins Meer fließenden Gletscher-Eisströme sorgen für eine Erhöhung. Aber ein Donald Trump zieht es vor, den Poker ums Übereinkommen von Paris trotz des G20-Gipfels fortzusetzen.

Eisschmelze mittels menschengemachter Erderwärmung

Auch wenn Uneinigkeit herrscht, ob die Abbrüche von Eisbergen mit dem Klimawandel zusammenhängen, die weltweit zu beobachtenden Eisschmelzen an Polarkappen, in den Alpen und anderen Hochgebirgen resultieren aus menschengemachter Erderwärmung.

Dem Übereinkommen von Paris, welches 195 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) unterzeichneten, nur Nicaragua, Syrien und die USA erkannten es nicht an, könnte möglicherweise die Türkei ebenso den Rücken kehren. Solch politische Spielereien verdeutlichen die Mißachtung anstehender Gefahren, wobei gerade die USA als eine der Hauptverursacher des CO2-Ausstoßes der Welt mit diesem 45. US-Präsidenten ein hohes Maß an Verantwortungslosigkeit offenbaren.

Wer den menschengemachten Klimawandel verleugnet, begibt sich somit wortwörtlich auf ziemlich dünnes, weiterhin schmelzendes Eis. Was in Paris erkannt und beschlossen, scheinen manche ewiggestrigen Ignoranten nicht wahrhaben zu wollen, obwohl selbst Deutschland mit seinem Märchen vom Klimaschutz nach wie vor untätig sich verhält.

Festhalten an fossiler Energie sowie AKWs?

Schwammige Formulierungen als Fazit des G20-Gipfels, demnach irgendwann ineffeziente Subventionen der fossilen Brennstoffe rationalisiert werden mögen, um sie dann auslaufen zu lassen, zeigen die eigentliche Haltung der G20.

Inwieweit das Duo Merkel-Gabriel zögerlich unterwegs, durfte man bereits zuvor mit der anhaltenden Zustimmung zu AKWs feststellen. Erst Fukushima stoppte deren Politik, obwohl dies den weltweiten Ausbau neuer Kernkraftwerke nicht verhindert. Im Grunde genommen gibt es einerseits zumindest einen Konsens mit dem Pariser Klimaabkommen, andererseits versucht die Energiewirtschaft die Politik ständig zu gängeln, spielt die eigentlichen Gefahren weiterhin herunter.

Wieviele Eisberge mögen noch ins Meer driften, welches in Folge deutlich ansteigt, bis Mensch endlich begreift, daß er selbst diese Entwicklung entscheidend forciert?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Klima/Wetter

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Gassenhauer oder Krawallprofis

Keineswegs eine vorübergehende Zeiterscheinung

In früheren Zeiten, wie sich das anhört, in früheren Zeiten also, nicht gemeint, ist die Zeit morgens in der Frühe, sondern die Nachtzeiten, die Menschen so um das 13. und 14. Jahrhundert erlebten, konnte es schon einmal vorkommen, daß nachts ihre Ruhe gestört wurde durch lärmende Personen in den Gassen.

Nein, sie waren nicht mit Fuhrwerken unterwegs, so daß das Hufgetrappel oder die Räder des Fuhrwerkes auf den Pflastersteinen einen dermaßen lauten Lärm veranstalteten, den sie tagsüber als normal ansahen. Diese Personen waren meist trunken auf schwankenden Beinen auf dem Weg nach Hause, nicht schleichend leise, sondern weinselig oder bierselig Lieder singend, wenigstens Teile davon, oder Textstellen nachplappernd, die eventuell bei hellem Tag nicht „fein“ genug waren, sie in die Welt hinaus zu posaunen.

Bereits 1517 erwähnte der bayerische Geschichtsschreiber Johannes Turmair (1477-1534) den Begriff „gassenhawer“. Bis etwa 1773 galt Gassenhauer als Bezeichnung für ein volkstümliches Lied, der Ausdruck Volkslied löste diesen Begriff ab, so daß Gassenhauer eine Ausdrucksart wurde für schlechte, triviale Lieder. Die Begriffsherleitung soll allerdings nicht durch die geträllerten Lieder entstanden sein, vielmehr besagte „Gassen hauen“, in schnellen Gang geräuschvoll auftreten. Erst danach verwendete man „Gassenhauer“ für Lieder und Texte, die von der Allgemeinheit gesungen, gespielt und aufgesagt wurden. Ziemlich ähnlich unserer heutigen Vorstellung von Gassenhauer, wenn wir Songs oder Gedichte beschreiben, die in aller Munde sind, wobei dies kein Zeichen für eine Qualitätsaussage darstellt.

Gassenhauer sind demnach lärmende Personen, die des Nachts, muß aber nicht unbedingt nur nachts sein, durch die Straßen ziehen mit Parolen, Sprüchen, Liedteilen, um entweder in berauschtem Zustand ihre Glückseligkeit allen andern Menschen näherzubringen, oder um ihre Wut über dies und jenes der ganzen Welt mitteilen zu wollen. Laut, lärmend, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten anderer. Dies ist keine Neuzeiterscheinung, kein Modehype, sondern geschieht seit Jahrhunderten bereits vor dem 13. Jahrhundert und ist teilweise zurückzuführen auf ein persönliches „sich mal Luft machen“, aber auch um in Gruppen „denen, die man damit ärgern, herausfordern möchte“, zu zeigen, wir sind hier.

Nun gibt es, das Rad der Geschichte dreht sich weiter, einen neuen oder genauer einen Begriff, der zurzeit öfters in einigen Artikeln, Fernsehsendungen zu lesen und hören ist, Krawallprofis.

Unter diesem Wort ist die Annahme zu verstehen, daß es gewisse Personenkreise gibt, die sich bestens darauf verstehen, es gelernt haben, Krawall zu veranstalten, um entweder auf sich selbst, das heißt eher auch ihre Weltsicht, Meinung aufmerksam zu machen, ohne in irgendeiner Form Rücksicht auf Personen und/oder materielle Werte zu achten. Das bedeutet, sie nehmen sogar bei ihren lärmenden Aktionen in Kauf, andere und anderes zu verletzen und zu zerstören.

Krawall, Herkunft ungeklärt, wahrscheinlich von crawallen, das Lärmen, mittellateinisch charavallium, Katzenmusik; Straßenlärm. Synonyme sind, Aufruhr, Protest, Rebellion, Rabatz, Getöse, Randale.

Profi, Kurzform von Professional, englisch professional, Substantivierung von: professional, berufsmäßig.

Man könnte für Krawallprofis demnach sagen, es sind berufsmäßige Katzenmusikmacher, Straßenlärmer.

Katzenmusik sind disharmonische Laute, die aus jaulenden, wimmernden Tönen besteht. Profis sind, wie bereits erwähnt, Personen, die eine Tätigkeit gelernt haben und diese anwenden. Natürlich kann man nicht pauschal sagen, Katzenmusik sei lediglich unkontrolliertes Klimpern auf einem Instrument, dies wurde bei den ersten Hörproben von mancher Musikrichtung auch gesagt, denn selbst aus anscheinend nicht harmonischen Klangfolgen kann eine gewisse melodische Intension nicht gänzlich verneint werden.

Es kann natürlich bloß eine Aufmerksamkeitsmasche darstellen oder eine neue Art der Vermittlung einer Meinung, Aussage, Happenings, ja, sogar der Beginn eines noch nie dagewesenen kulturellen, sozialen Verhaltens. Voraussetzung hierfür wäre, daß die Krawallprofis, die Gassenhauer, in aller Munde wären und in allen gesellschaftlichen Schichten Einzug halten würden.

Im Grunde genommen ein Unterfangen, das, so scheint es, wenn man durch die Medien blättert, bereits Bestandteil der Gesellschaften ist. Leider vergessen die meisten zu erwähnen, der Prozentsatz der Krawallprofis, der Gassenhauer ist so verschwindend gering wie die Späne beim Hobeln, gemessen an dem Materialverlust des zu bearbeitenden Holzes. Eigentlich nicht der Rede wert. Außer sie kommen auf die Idee, die Späne seien das herausgearbeitete Werkstück und nicht, zum Beispiel, der Holzlöffel.

Demokratien sind darauf angewiesen, sich mit vielen Meinungen, Ansichten auseinanderzusetzen und sich einer stetigen neuen Formierung zu stellen. Daß hierbei auch ein Unmut über politische, soziale, wirtschaftliche Mißstände in lärmende Proteste übergehen können, ist, egal wie eng die Rahmenbedingungen für Demonstrationen und Meinungsfreiheit geschnürt werden, nie auszuschließen. Sie aber über alle Maßen überzubewerten, führt zu keinem Konsens. Konsens erreicht man nur, wenn man gewillt ist, die Katzenmusik sich anzuhören, die Krawallprofis, die Gassenhauer nur zu maßregeln, wird ihre „Mission“ nicht verhindern.

Gewalt, Druck ausüben, sind keine professionellen Fertigkeiten, weder für diejenigen, die Veränderungen herbeiführen möchten, noch für diejenigen, die sich nicht in die Karten sehen lassen möchten, oder für diejenigen, die alles beim Alten lassen wollen, zur Erreichung einer fähigen gesellschaftlichen Ordnung, die sich demokratische Grundsätze an die Reverse heften.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Glyphosat: EU-Kommission wirbt mit einer Light-Anwendung

Zulassung für weitere zehn Jahre steht bevor

Der umweltzerstörerische Weg nimmt seinen Lauf, was scheint gewisse Herrschaften die Vernichtung von Naturkreisläufen zu interessieren, so leidet ebenso Mensch selbst an zunehmenden Giftcocktails, die gleichwohl in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Trotz vehementer Proteste, Unterschriftenaktionen seitens der Bevölkerung gegen das Herbizid Glyphosat, etlicher Gutachten, selbst der Einschätzung von der WHO-Krebsforschungsagentur (IARC), daß der Unkrautvernichter „wahrscheinlich krebserregend“ sei, setzt sich die EU-Kommission darüber hinweg, wirbt nunmehr mit einer Light-Anwendung, die Zulassung steht für weitere zehn Jahre bevor.

Politik versagt erneut nach Übergangsfrist?

Es schaut ganz danach aus. Hatten schon im letzten Jahr etliche Proteste nicht dazu geführt, sowohl die Bundespolitiker als auch die EU-Parlamentarier dazu zu bewegen, endlich die Anwendung des fragwürdigen Glyphosats zu stoppen, empfiehlt Brüssel lapidar, man solle dessen Nutzung an Orten mit viel Publikumsverkehr minimieren.

Aber in der Landwirtschaft mit freundlicher Unterstützung von Monsanto, Bayer und Co. jenes Giftgemisch der Menschheit zumuten! Zumal jüngst am 26. Juni die zuständige Behörde für Gesundheit und Umwelt (OEHHA) in Kalifornien sich dafür entschieden hatte, Glyphosat nunmehr ab 7. Juli auf jene Liste mit Chemikalien zu setzen, die krebserregend seien (Proposition 65).

Das ignoriert die Politik geflissentlich, glaubt eher den Einflüstungen und Gutachten der Chemielobby, die natürlich nach wie vor gezielt verharmlost.

Jede Gegenaktion setzt ein Zeichen

Obwohl es kaum noch Aussichten gibt, die verantwortliche Politik zu überzeugen, ihre Haltung zu ändern. Gegen Ende Februar letzten Jahres startete foodwatch seinen Appell, endlich Glyphosat seitens der EU-Kommission verbieten zu lassen. Inzwischen fordern rund 1,3 Millionen Europäer/innen mit der Europäischen Bürgerinitiative das Glyphosat-Verbot, Campact startete einen Appell an Bundesagrarminister Christian Schmidt, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks als auch an die Bundeskanzerlin, es fehlen nur noch rund 30.000 Stimmen, bis die 650.000 erreicht sind.

Das Forsa-Institut kam bei einer repräsentativen Umfrage im Frühsommer des letzten Jahres laut Greenpeace zu dem Ergebnis, daß 83 Prozent der Bundesbürger eine weitere Zulassung von Glyphosat ablehnen. Das beeindruckt unsere gewählten Politiker bisherig nicht. Umso wichtiger, sie daran zu erinnern, wer ihnen zu ihren Posten verhalf, im Sinne der Umwelt, unserer Gesundheit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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Sehnsucht lehrt

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Ich habe die Tage gezählt,
die Nächte vertrunken,
der Tod hatte mich gewählt,
ich war in Sehnsucht versunken.

Stund um Stund Martyrium,
Freundschaften rissen,
dazwischen im Delirium,
ich warf mit Kissen.

Die Hosen waren voll,
der Kopf für immer leer,
anderer Leben war toll,
für mich kein Entkommen mehr.

Da stand die Brücke im Dunkeln,
sie ist mit mir in die Tiefe gestürzt,
fing an, wie wild zu schunkeln,
mein Atem ging nur noch verkürzt.

Sie schoß wie ein Gummiball,
rauf, runter, seitwärts, beständig fester,
ohne Pause, zu hören nur der Schall,
Gequietsche wie Radierer auf Fenster.

Ich spürte der Brücke Sehnen stöhnen,
melodisch, beruhigendes Wiegenlied,
der Löschung mich zu erwehren,
wofür, ich fühlte mich geliebt.

Ich zähle keine Stunden mehr,
das Sehnen hat mich gewählt,
bin trunken in mich versunken,
weil Sehnsucht Liebe lehrt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Lufthansa: Stellenabbau zu Lasten der Sicherheit und Qualität

Wenn der Konzern Mitarbeiter einfach entläßt

Spätestens im Spätherbst sammeln sie sich alljährlich, die Kraniche, um gen Süden in ihre Winterquartiere zu fliegen. Die wesentlich größeren Stahlvögel der Lufthansa-Flotte sind ganzjährig weltweit unterwegs. Seitdem Otl Aicher 1962 der Deutschen Lufthansa AG das unverwechselbare Firmenlogo, den aufsteigenden Kranich, verpaßt hatte, blieb es dabei, ein Symbol für Qualität und Sicherheit.

Doch das vor 91 Jahren gegründete Unternehmen, längst zu einem der größten Fluggesellschaften aufgestiegen, derzeit nach beförderten Passagieren weltweit auf dem 6. Platz, entläßt einfach Mitarbeiter, weil noch wesentlich mehr Einsparpotential vorhanden sei, so der Vorstandsvorsitzende, Carsten Spohr, trotz satter Gewinne den Sparkurs fortsetzen will. Ein Stellenabbau dabei zu Lasten der Sicherheit und Qualität?

Detlef Schwarzers Dokumentarfilm legt den Finger in die Wunde

Inzwischen hat der irische Konzern Ryanair die Deutsche Lufthansa AG überflügelt, im letzten Jahr befördete er 117 Millionen Passagiere, 7 Millionen mehr. Dabei erlangte Ryanair 1,7 Milliarden Euro Gewinn bei einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro, während Lufthansa bei einem Umsatz von satten 32 Milliarden Euro lediglich einen Gewinn von 1,75 Milliarden Euro verbuchen konnte. Immerhin sein höchster jemals erzielter. Das reicht der Konzernspitze keineswegs.

Die Vorstandsspitze scheint die polemische Werbung gegen den deutschen Konzern, den Ryanair mit Slogans wie „Auf Wiedersehen Späthansa“ oder „Bye Bye Latehansa“ nicht länger hinnehmen zu wollen. Doch statt mit nötigem Augenmerk zu handeln, schädigt die Deutsche Lufthansa AG ihre Marke eher selbst mit fragwürdigen Einsparungen, vor allem Lohnkürzungsszenarien, wie der Luffahrtexperte Gerald Wissel in Detlef Schwarzers Dokumentarfilm als hochgradig gefährlich anmahnt.

Hart betroffen sind gleichwohl Töchter des Konzerns, die am Boden beschäftigt sind. Das Tochterunternehmen, die LSG Lufthansa Service Holding AG, weltweit zweitgrößter Bordverpfleger, möchte laut Gewerkschaft ein Drittel seiner Stellen streichen, also rund 1.700 Arbeitsplätze. Gerald Wissel betont im Dokumentarfilm, der Betriebsfrieden sei gefährdet, es schade dem gesamten Unternehmen Lufthansa letztlich, sie sollte das Wir-Gefühl herstellen, zurückfinden zur Qualität.

Billiglöhne in Bulgarien – Qualitätskontrolleure verlassen den Betrieb in Sofia

Wer die Fluzeugüberholung schließen läßt, um im Ausland in Bulgarien, Manila auf den Philippinen oder auf Malta auszuweichen, darf sich hinterher nicht wundern, daß erhebliche Mängel auftreten, die Flüge am Ende gefährden würden. Sicherheitsstandards verhindern dies wenigstens, was zur Folge hat, daß die deutschen Technikexperten die Fehler glattbügeln müssen, obendrein Qualitätskontrolleure den Betrieb in Sofia gar verlassen, weil sie solche Zustände nicht weiter dulden können.

Erinnern wir uns an die über vier Jahre lang anhaltenden Streikwellen zwischen der Pilotengewerkschaft Cockpit und der Lufthansa, die schließlich doch noch zur Einigung führten. Gut für die Piloten und die Passagiere. Man kann nur hoffen, daß Carsten Spohr noch rechtzeitig bemerkt, welch gefährliche Gratwanderung die Lufthansa mit ihrem anhaltenden Demotivationskurs vollführt, wenn sie solch wichtige Schaltstellen wie die Technik und das Bodenpersonal verprellt.

Wer sich mit Billigflugkonzernen wie Ryanair ernsthaft messen will, läßt am Ende zu viele Federn, das kann niemals im Sinne eines Kranichs sein, schon gleich gar nicht verbunden mit Verlust von Qualität und Sicherheit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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